Gottes Antwort auf die Erscheinung des Bösen
Der Schriftsteller Willy Kramp hat einmal einen Amtsrichter besucht, der einer Okkultistengesellschaft vorstand. Kramp hat diese Erfahrung anschließend in einem Essay verarbeitet, welches den Titel „Vom Wesen der Offenbarung“ trägt (Von der Gleichzeitigkeit ds Lebendigen, 1956, S. 36–37). Er schließt seinen Text mit folgenden wunderbaren Worten:
Aber dennoch antwortet Gott auf die Erscheinung des Bösen. Und zwar durch Offenbarung: Er wird Mensch, nimmt Tod und Schuld auf sich, bricht zusammen unter Haß und Finsternis. Dem Rätsel des Bösen stellt er das Geheimnis seiner Liebe gegenüber. Damit „löst“ er uns jenes Rätsel zwar nicht; aber er erlöst uns von seiner Gewalt.
Dieses Mysterium wird ohne Vorhang gespielt. Die Erde in ihrer armen, plumpen Sichtbarkeit gibt die Bühne her für das erhabene Spiel der Menschwerdung und des Opfers Gottes. Jener „äußerste Zipfel“ der Wirklichkeit, dem mein Magier so gar keine Beachtung mehr schenkte, wird für wert gehalten, dem Ewigen Wort Fleisch und Blut zu leihen. Wie sollten wir nun noch die Leiblichkeit verachten dürfen, die unser Teil ist? Wie sollten wir dieser uns zugemessenen Welt entfliehen wollen, um Gott zu erkennen?
Wer da meint, er müsse sich einer „höheren“ Welt zuwenden, weil die irdische Sichtbarkeit wesenlos sei, der wird in Wahrheit beides verlieren: die Erde und den Himmel. Immer mehr wird er Luzifer ähnlich werden, dem schönen Leiblosen, der alles weiß und nichts glaubt; der nur Erkenntnis, aber kein Sein hat. Wer sich jedoch den Offenbarungen untertan macht, die Gott uns Menschen zubestimmt hat, der wird dem Herrn zwar nicht seine Geheimnisse entreißen; aber er wird, schauend und glaubend, ein Sein gewinnen, das sich aus der Kraft und Wahrheit Gottes nährt. Und er wird übers dies erfahren, daß diese unsere Welt auch in ihrer Gefallenheit noch die Züge dessen trägt, den sie geheimnisvoll verhüllt.
VD: BK