Herman Bavinck über die Schöpfung des Menschen als Mann und Frau (zitiert aus Denny Burk, Mere Complementarianism, 2026. #ad):
Gott ist der Schöpfer des Menschen und zugleich auch der Urheber der Sexualität und des geschlechtlichen Unterschieds. Dieser Unterschied ist nicht aus der Sünde hervorgegangen; er bestand von Anfang an, hat seinen Ursprung in der Schöpfung, ist eine Offenbarung von Gottes Willen und Souveränität und ist daher weise, heilig und gut. Daher darf niemand diesen geschlechtlichen Unterschied missverstehen oder verachten, weder in Bezug auf die eigene Identität noch auf die eines anderen Menschen. Er ist von Gott gewollt und in der Natur begründet. Er war damals und ist auch heute noch von Gott gewollt; Gott ist der souveräne Gestalter des Geschlechts; Mann und Frau verdanken Gott nicht nur ihre menschliche Natur, sondern auch ihre unterschiedlichen Geschlechter und Wesensarten. Beide sind gut, da sie beide aus Gottes Hand hervorgegangen sind.
Leider ist dieser „Complementarianism“ auch nur eine moderne Erfindung aus dem Amerika der Mitte des 20. Jahrhunderts. Kulturell passt dieser nicht nach Europa und kann deshalb überhaupt nur in abgeschlossenen, religiösen Sondergemeinschaften praktiziert werden. Weiterhin hält das Konzept der komplementären Ehe nicht der empirischen Überprüfung stand (wozu Jesus in der Bibel auffordert), weshalb Aussteiger sich regelmäßig in neuen Beziehungen wiederfinden, die nach objektiven Messgrößen wie körperlicher und psychischer Gesundheit, Lebenserwartung und Lebensqualität aller Beteiligen einschließlich der Kinder durchweg besser abschneiden. Gott sei Dank kann man auch mit einer Bibel in der Hand fantasievolle Sonderlehren auf Abstand halten, ohne gleich in „polykulen Verantwortungsgemeinschaften“ enden zu müssen. Die von Jüngern so sorgfältig zu meidende Zivilgesellschaft, die sich inzwischen mehrheitlich nicht mehr in den Kirchen befindet, hat allen Unkenrufen zum Trotz durchaus bewährte funktionierende Lebensentwürfe anzubieten. Und da kommen wir zum Knackpunkt: Letztlich dreht sich das Thema wieder nur um institutionelle Macht. Wenn die Studienlage zeigt, dass Familien erfolgreicher sind, die beim Standesamt… Weiterlesen »
Noch ein paar Quellenangaben dazu: Die erste Verwendung von „Complementarianism“ findet sich 1988 durch die CBMW: Also letztlich eine fest in der Zeit der Postmoderne verankerte Theologie, die keine 30 Jahre alt ist, nebst Versuch der Pseudo-Historisierung durch zahlreiche Buchveröffentlichungen. Vollkommen apokryph wenn man so will.
Die Idee geschlechtlich verschiedener und aufeinander bezogener Geschlechter ist natürlich viel älter als der Begriff; sie findet sich in unterschiedlichen Formen in der jüdisch-christlichen Tradition und auch anderswo. Es ist daher wenig hilfreich, sich an Begriffen festzubeißen. complementarianism ist eine Reaktion auf egalitarianism gewesen, der weiter zurückreicht.
Liebe Grüße, Ron