Autorenname: Ron

Foucaults Traum vom rechtsfreien Paradies

Michel Foucault, zumindest der frühe Foucault, fand seine Berufung darin, jene Machtmechanismen zu demaskieren, die überall in der Gesellschaft installiert worden sind, um die Herrschaft der „Bourgeoisie“ abzusichern (oder zu erweitern). Sogar dem Humanismus ging es nach ihm nur darum, die Menschen klein und zahm zu halten. Die Erfindungen des Humanismus waren allesamt dafür da, den einfachen Leuten im Abendland dem Verlangen nach Macht einen Riegel vorzuschieben.

Das Herz des Humanismus ist die Theorie vom Subjekt (im Doppelsinn des Wortes: als Souverän und Untertan). Darum lehnt das Abendland so erbittert alles ab, was diesen Riegel sprengen könnte, wofür es zwei Methoden gibt: die »Entunterwerfung« des Willens zur Macht, d.h. der politische Kampf als Klassenkampf – oder das Unternehmen einer Destruktion des Subjekts als eines Pseudo-Souveräns, d.h. eine »kulturelle« Attacke: Aufhebung der sexuellen Tabus, Einschränkungen und Aufteilungen; Praxis des gemeinschaftlichen Lebens; Aufhebung des Drogenverbots; Aufbrechung aller Verbote und Einschließungen, durch die sich die normative Individualität konstituiert und sichert. Ich denke da an alle Erfahrungen, die unsere Zivilisation verworfen hat oder nur in der Literatur zuläßt. (Michel Foucault, Von der Subversion des Wissens, 1987, S. 95)

Foucault wusste, dass es nicht ausreicht, das Denken der Menschen in andere Bahnen zu lenken. Um die Institutionen zu zerstören, die die Herrschaft der Herrschenden sichern, mussten bestimmte Erfahrungen ermöglicht werden. Es reicht also nicht aus, Bücher verkaufen. Es braucht konkrete Erfahrungen mit Sex, Drogen und dem gemeinschaftlichen Leben, um die herrschende Ordnung zu dekonstruieren und letztlich zu zerstören. Es braucht eine Revolution. Foucault:

Wenn es nur ums Bewußtsein der Leute ginge, so würde es genügen, Zeitschriften und Bücher zu veröffentlichen und Rundfunk- oder Fernsehproduzenten zu gewinnen. Wir aber wollen die Institution angreifen, die in der schlichten und grundlegenden Ideologie gipfelt, welche sich in den Begriffen von Gut und Böse, Unschuld und Schuld ausdrückt. Wir wollen diese gelebte Ideologie in den Institutionen verändern, in denen sie sich konkretisiert und reproduziert. Vereinfacht gesagt: der Humanismus besteht darin, das ideologische System verändern zu wollen, ohne an die Institution zu rühren; der Reformismus besteht darin, die Institution zu verändern, ohne ans ideologische System zu rühren. Die revolutionäre Aktion hingegen definiert sich als gleichzeitige Erschütterung des Bewußtseins und der Institution; dies setzt voraus, daß man zum Angriff auf die Machtverhältnisse übergeht, deren Instrumentarium Bewußtsein und Institution sind. Glauben Sie, daß man die Philosophie und ihren Moralkode in derselben Weise wird lehren können, wenn das Strafrechtssystem eingestürzt ist? (Michel Foucault, Von der Subversion des Wissens, 1987, S. 95)

Der letzte Punkt ist sehr interessant. Foucault wollte nicht nur die Gefängnisse und die psychiatrischen Anstalten abschaffen. Er wollte nicht nur Schülern und Studenten nicht-repressive Erfahrungen mit Drogen und Sexualität ermöglichen. Er wollte das Rechtssystem als solches abschaffen. Er hatte vor, die Gerichte und die Rechtsprechung zu beseitigen und eine proletarische Justiz einzuführen, die auf Richter verzichtet. Als Vorbild diente ihm dabei die Französische Revolution.

Was Foucault wahrscheinlich nicht nur übersieht, sondern bewusst unterschlägt, ist die Tatsache, dass Gesellschaften ohne gute Gesetze und unabhängige Gerichte in den Terror abgleiten, so wie das auch nach der Französischen Revolution geschehen ist.

Roger Scruton hat das sehr schön herausgestellt, so dass ich ihn hier gern zitiere (Narren, Schwindler, Unruhestifter, 2021, S. 166–167):

In einer bemerkenswerten Diskussion mit einer Gruppe Maoisten 1968 zieht Foucault einige politische Konsequenzen aus seiner Analyse des Rechts, als einer weiteren »kapillaren« Form der Macht und einer weiteren Art, »Widersprüche unter den Massen zu schüren«. Die Revolution könne nur stattfinden, versichert er ihnen, »wenn der Rechtsapparat und alles, was zur Wiederherstellung des Strafapparates führen könnte, radikal eliminiert wird, und alles, was seine Ideologie wieder einführen und dieser Ideologie ermöglichen würde, in die alltägliche Praxis wieder einzuschleichen, verbannt wird.« Er befürwortet die Verbannung der Rechtsprechung und sämtlicher Formen von Gerichten und deutet eine neue Form »proletarischer« Justiz an, die auf Richter verzichten kann.

»Die Französische Revolution«, erklärt er, sei »eine Rebellion gegen die Rechtsprechung« gewesen, und dies gehöre zur Natur jeder anständigen Revolution. Hätte er über die historischen Tatsachen gesprochen, über die Revolutionstribunale, in denen Richter, Ankläger und Zeugen ein und dieselbe Person waren, wo der Angeklagte nicht das Recht hatte, zu wider-sprechen, über die Tausenden von Hinrichtungen, über den Genozid in La Vendée und all die anderen Katastrophen, die die Folgen der »Rebellion gegen die Rechtsprechung« waren – dann hätte man seine Aussagen als Warnung verstehen müssen und nicht als das, was sie wirklich waren, nämlich Zustimmung.

Doch nicht nur die Französische Revolution kann illustrieren, was geschieht, wenn die Rechtsprechung aufgehoben wird. Wenn beim Prozess gegen Angeklagte keine dritte Partei präsent ist, niemand da ist, der die Pflicht hat, die Beweise zu prüfen, der zwischen den Parteien vermitteln oder unparteiisch auf die Tatsachen schauen kann, dann wird aus »Gerechtigkeit« ein Kampf auf »Leben und Tod«, in dem eine Seite über sämtliche Waffen verfügt. So war es bei den Moskauer Schauprozessen wie auch bei den Revolutionstribunalen der Französischen Revolution. Dem Historiker Foucault muss das bekannt gewesen sein. Trotzdem verschrieb er sich bereitwillig der »proletarischen Justiz«, die den Angeklagten jeglicher Verteidigungsmöglichkeiten beraubt. Zu denken – und er scheint das wirklich gedacht zu haben –, dass diese Form der Gerichtsbarkeit die Gesellschaft von der Last der Herrschaft befreien würde, bedeutet all das zu übersehen, was er gewusst haben muss. Wenn die Gesellschaftsordnung tatsächlich aus der Substanz besteht, die Foucault »Macht« nannte, dann ist die Herrschaft des Rechts ihre beste und mildeste Form.

Ich existiere, wenn ich bin, was ich sein will

Für seinen Debütroman Blutbuch hat Kim de l’Horizon den Deutschen Buchpreis 2022 erhalten. Das Buch erzählt die Familiengeschichte aus non-binärer Perspektive. Blutbuch sei von enormer Dringlichkeit und literarischer Innovationskraft, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels während der Preisverleihung. Sie schwärmte weiter: „Mit einer enormen kreativen Energie sucht die non-binäre Erzählfigur in Kim de l’Horizons Roman Blutbuch nach einer eigenen Sprache. Welche Narrative gibt es für einen Körper, der sich den herkömmlichen Vorstellungen von Geschlecht entzieht?“

Kim de l’Horizon will sich weder als Mann noch als Frau verstanden sehen. „Ich habe nie in diese Vorstellung von Geschlecht hineingepasst, in die Vorstellung, wie mein Körper aufwachsen soll, in was für einen Erwachsenenkörper ich hineinwachsen soll“, erklärter de l’Horizon gegenüber Deutschlandradio Kultur. Kim möchte sich der Unterdrückung, die vom eigenen Körper ausgeht, entziehen. „Geschlecht wird überall auf der Welt benutzt, um den Status quo beizubehalten, um die Macht bei den Körpern zu behalten. Und dagegen schreibe ich an“, so heißt es im Interview.

Hier spricht also jemand, der sich selbst von seinem eigenen Körper nicht mehr sagen lassen möchte, wer er ist. Der Gedanke: Körperlichkeit unterdrückt. Daher müssen wir Körper entmachten. Wir lassen uns durch unsere Leiblichkeit und das Geschlecht nichts mehr vorgeben, sondern erschaffen uns neu. Es gibt keine Essenz, die bestimmt, wer oder was wir sind. Es ist genau andersherum: Die Existenz geht unserem Wesen voraus. Ich erschaffe mich selbst und unterspüle und überschreite dabei die Kategorien, mit denen wir normalerweise sehen, hören, denken und fühlen.

Dieser Ansatz geht auf Lesarten Hegels zurück, die von Schülern Alexandre Kojéves (1902–1968) entwickelt worden sind. Jacques Derrida, Jacques Lacan (mit dem er befreundet war), Georges Bataille oder Michel Foucault bekannten sich zum großen Einfluss Kojèves auf ihr Denken. Sehr schön illustrieren lässt sich dieses Konzept des Selbst auch anhand des Existenzialismus, den Paul Sartre in seinem Hauptwerk Das Sein und das Nichts (1943) vorgelegt hat. Roger Scruton schreibt dazu (Narren, Schwindler, Unruhestifter, 2021, S. 124):

Philosophen des Mittelalters übernahmen von Aristoteles die Idee, dass wir die Frage danach, »was existiert«, beantworten können, indem wir die grundlegende Natur der Dinge erkunden. Wenn das, was ich vor mir sehe, existiert, dann ist es etwas. Wenn es etwas ist, dann gibt es etwas, was es ist. Und dieses etwas ein Mann, ein Hund, ein Stock, ein Haufen Sand – ist durch seine Essenz bestimmt. Deshalb heißt es, »die Essenz geht der Existenz voraus«: Wir erkennen die Welt, indem wir deren Wesen verstehen und nach den Dingen Ausschau halten, die sie beispielhaft veranschaulichen. Doch diese Art, Dinge zu betrachten, sagt Sartre, beruhe auf unhaltbarer Metaphysik. Es gibt keine menschliche Natur, weil es keinen Gott gibt, der eine Idee davon hätte. Das Wesen ist ein intellektuelles Konstrukt, das mit dem Geist, der es erdenkt, verschwindet. Deshalb ist unsere Existenz unsere begrifflich nicht gefasste Individualität, dessen Realität Freiheit ist – die alleinige Bedingung der Erforschung und der einzige sichere Punkt der Beobachtung einer Welt, der noch eine Bedeutung verliehen werden muss. Die wahre Voraussetzung von Philosophie ist deshalb »Existenz geht dem Wesen voraus«. Meine Existenz wird durch keine universelle Moralität bestimmt und hat kein vorhersagbares Schicksal, wie es in einer Vorstellung von der menschlichen Natur enthalten sein könnte. Der Mensch muss sein eigenes Wesen erschaffen, was eine Art Leistung ist: Er existiert nur dann vollständig, wenn er ist, was er zu sein beabsichtigt.

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„Gemeinsam für das Evangelium“

GfdE Presse Logo„Das Evangelium, das Jesus Christus in die Welt gebracht hat, kann seine Kraft und Gültigkeit nicht verlieren. Wir aber können das Evangelium verlieren, so dass es uns nicht mehr die Kraft Gottes ist, die uns rettet“, heißt es in einer am 18. Oktober 2022 veröffentlichten Erklärung von der Initiative „Gemeinsam für das Evangelium“. Sechs Initiatoren, darunter Prof. Dr. Friedhelm Jung vom Bibelseminar Bonn, Michael Kotsch von der Bibelschule Brake und Prof. Dr. Harald Seubert von der STH in Basel (Schweiz), haben diesen gemeinsamen Weckruf vorgelegt. Sie werben für eine Umkehr von falschen Wegen und eine im Evangelium begründete geistliche Erneuerung.

Auslöser war die Beobachtung einer fortschreitenden Aushöhlung des Evangeliums in der christlichen Verkündigung und Lehre. Die Erklärung nennt folgende Kennzeichen dieser Entwicklung:

  • die Infragestellung der Bibel als Offenbarung Gottes; die Behauptung, die Bibel könne nur mit historisch-kritischer Auslegung richtig verstanden werden sowie die Übernahme von sachkritischen Ergebnissen dieser Exegese;
  • die Verkündigung des Evangeliums vor allem als Lebensgefühl des Angenommen- und Geborgenseins bei Gott, während zugleich biblische Inhalte wie Sünde und Vergebung oder der Sühneopfertod Jesu zweitrangig werden;
  • die Verschiebung des Auftrages der Kirche hin zur Verantwortung für die Lösung gesellschaftlicher Probleme;
  • die Anpassung christlicher Ethik an die gesellschaftliche Moral ohne Achtung von klaren biblischen Weisungen;
  • die Aufforderung, die christliche Einheit dadurch zu bewahren, dass jede Meinung und Lehre akzeptiert wird, auch wenn sie im Widerspruch zu biblischer Offenbarung steht.

Es geht nach Auffassung der Initiatoren hier nicht um Meinungsverschiedenheiten, die es unter Christen immer geben wird. Es geht vielmehr um zentrale Fragen des Glaubens an Jesus Christus. Die Erklärung bezieht daher zu sieben derzeit besonders strittigen Themen Stellung:

  1. Was das Evangelium ist;
  2. Das Evangelium als offenbarte Wahrheit;
  3. Evangelium und Bibel;
  4. Evangelium und Einheit im Glauben;
  5. Das Evangelium und menschliche Identität;
  6. Evangelium und christliches Handeln und
  7. Evangelium und Weltverantwortung.

Matthias Lohmann, 1. Vorsitzender des Netzwerks Evangelium21 und Mitinitiator der Erklärung, ist darüber beunruhigt, dass derzeit das Evangelium sogar innerhalb der evangelikalen Bewegung in Deutschland angegriffen wird. Seiner Meinung nach müssen wir uns zu Herzen nehmen, was Paulus in seiner Abschiedsrede an die Ältesten in Ephesus gesagt hat: „Sogar aus euren eigenen Reihen werden Männer auftreten, die die Wahrheit verdrehen, um die Jünger ´des Herrn` irrezuführen und auf ihre Seite zu ziehen“ (Apg 20,30). Die christlichen Leiter stünden in der Verantwortung, ihre Stimme für das ein für alle Mal überlieferte Evangelium zu erheben (vgl. Jud 1,3). „Unsere Hoffnung und unser Gebet ist es, dass diese Erklärung in Zeiten großer Verwirrung dazu beträgt, Klarheit darüber zu erlangen, was Kernpunkte des christlichen Glaubens sind und was dem Evangelium entgegensteht“, sagt Lohmann.

Der Schriftleiter des Bibelbundes, Thomas Jeising, hat ebenfalls an der Erklärung mitgewirkt. Er betont, dass wir das wunderbare Evangelium von der Erlösung durch Jesus Christus nie in einer sturmfreien Zone bewahren können. Jede Generation müsse es ergreifen und aktiv daran festhalten. Auch jeder Glaubende muss aufmerksam sein, dass ihm nicht die Mitte des Evangeliums verloren geht. Jeising sagte:

Es schmerzt mich, wenn ich sehe, wie guten Freunden der Glaube verloren zu gehen scheint, weil sie den Anfragen und Angriffen, die sie vermehrt erleben, keine tragfähigen Antworten entgegensetzen können. Erst erodiert im Inneren der eigene Glaube, dann verstummt auch das Zeugnis und schließlich wirken alle Glaubenssätze hohl und nicht tragfähig, wenn man in Krisen gerät.

Thomas Jeising weist darauf hin, dass Jesus mit dem dramatischen Bild vom Haus, das in Sturm und Regen weggespült wird, weil es kein tragfähiges Fundament hat, gewarnt hat, wie überlebenswichtig ein biblisches Glaubensfundament ist. „Ich hoffe sehr, dass unsere Erklärung dazu beiträgt, dass für viele ihr Glaubensfundament gestärkt und auf die biblische Grundlage zurückgeführt wird.“

63 Persönlichkeiten des christlichen Lebens haben die Erklärung als Erstunterzeichner unterschrieben, unter anderen Ulrich Parzany, Heinrich Derksen, Armin Mauerhofer, Markus Till, Hartmut Steeb, Christian Wegert, Peter Krell und Hartmut Jäger.

Auf der Internetseite www.dasevangelium.net gibt es die Möglichkeit, die Erklärung zu zeichnen. Die Initiatoren sind sehr dankbar für jeden Christen, der sich hinter die Initiative „Gemeinsam für das Evangelium“ stellt und sie in Gemeinden und Werken bekannt macht. Lohmann: „Wir ermutigen Christen dazu, sich der Erklärung anzuschließen und mit der gebotenen Demut und Barmherzigkeit den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen.“

Rezension: Kreuzverhör

Laura Dudat hat das Buch Kreuzverhör von Rebecca McLaughlin für Evangelium besprochen. 

„Wie kann man der Wissenschaft gegenüber nur so ignorant sein? Glaubst du auch an den Weihnachtsmann?“ Mein Kommilitone schaut mich bedauernd-lächelnd an, während er sich sein Quinoa-Curry auf sein Tablett lädt. Soeben habe ich auf dem Weg in die Mensa im Gespräch erwähnt, dass ich glaube, was die Bibel über Jesus sagt. Ich will entgegnen, dass der Weihnachtsmann historisch nicht annähernd so gut belegt ist wie Jesus Christus, da folgt schon die nächste Unterstellung: „Und homophob seid ihr doch auch!“ Ich wünsche mir in diesem Moment, schlagfertig zu sein und mein Gegenüber durch eine stichhaltige Argumentationskette davon abzuhalten, mich als naives Opfer einer konservativen Erziehung abzustempeln. Aber es ist schon zu spät. Ich ärgere mich über mein Unvermögen. Meine Schinkennudeln darf ich dank akademischer Toleranz trotzdem inmitten meiner Hörsaal-Bekanntschaften einnehmen.

Ich kann mich an mehrere solcher Momente erinnern – auf dem Schulhof, zu Studienzeiten, unter guten Freunden. Hätte ich das Buch Kreuzverhör von Rebecca McLaughlin damals schon zur Hand gehabt, wäre ich sicher eloquenter gewesen und hätte mich bereitwilliger in apologetische Diskussionen geworfen. In zwölf Kapiteln gibt die Autorin überzeugende Antworten auf häufige Vorwürfe der säkularen Welt an den christlichen Glauben, wie etwa, ob er nicht zwangsläufig zu Gewalt führe oder sogar Sklaverei rechtfertige. Ihre Ausführungen wurden 2020 durch die Zeitschrift Christianity Today zum christlichen Buch des Jahres ernannt.

Mehr hier: www.evangelium21.net. Übrigens hat Hanniel mitgeschrieben, als die Autorin zur Vorstellung der deutschsprachigen Ausgabe interviewt wurde: hanniel.ch.

Gendersprache aus christlicher Sicht

Gendersprache ist auf dem Vormarsch: Immer mehr Behörden, Medien, Politiker schreiben oder sprechen in sogenannter „geschlechtergerechter Sprache“. Was steckt hinter dem Phänomen? Ist gendern gefährlich? Und wie gehen wir als Christen damit um? Thomas Jeising, Schriftleiter des Bibelbunds, beschäftigt sich intensiver mit solchen Fragen. Pastor Matthias Mockler hat mit ihm über das Gendern gesprochen.

Peter Hahne: „Vergessen, dass wir Gott vergessen haben“

Am 1. Oktober erhielt Peter Hahne die Doktor-Ehrenwürde der STH Basel (Schweiz). Der frühere ZDF-Journalist hielt bei der Eröffnungsfeier des neuen Studienjahres der STH die Festrede zum Thema „Holt Gott zurück in die Politik“. Das Schweizer Portal Livenet hat Auszüge aus der Rede veröffentlicht: 

Zurzeit erlebten wir «die Umwertung und Umwälzung aller Werte», weil wir «Mass und Mitte» verloren hätten. Wer aber Gott verloren habe, brauche Ersatz: «die Surrogate, die Placebos, die Ersatzreligionen». Ernst Jünger habe darum scharfsinnig festgestellt: «Die leeren Altäre werden von Dämonen bewohnt.» Mit Gott indes «erhalten (im doppelten Wortsinn) wir all die Eigenschaften, die mit ihm biblisch verbunden sind: Wahrheit, Freiheit, Frieden, Gewissheit, Gebote, Gemeinschaft, den Guten Hirten, das Brot und das Wasser des Lebens».

Deshalb dürften Christen «nicht von einem Allerweltsgott» reden, «der für intellektuell Schwache obendrein noch gleichgesetzt wird mit Allah, Buddha oder wer weiss wem», sondern sie müssten wieder von Jesus reden. Hahne sprach in diesem Zusammenhang vom «tödlichen Virus der Jesus-Demenz» in vielen Gemeinden.

Schliesslich erzählte der Fernsehkorrespondent von seinem letzten Interview mit dem früheren SPD-Vorsitzenden Hans Jochen Vogel vor dessen 90. Geburtstag: «Ob er Angst habe vor dem Tod, wollte ich wissen. ‚Nein, seit ich Jesus kenne, nicht mehr‘. Wow! Was er denn in seinem langen Politiker-Leben bereue? ‚Dass ich Jesus erst so spät kennengelernt habe. Denn ich hätte vieles anders gemacht‘.»

Am Schluss des Interviews habe Hans-Jochen Vogel dann zu ihm gesagt: «Das sicherste und wichtigste Datum der Zukunft ist das Jüngste Gericht. Wir werden alle einmal Rechenschaft ablegen müssen vor dem ewigen Gott.» Das sei «forensische Eschatologie in Reinkultur», so Hahne: «Am Ende stehen wir vor dem Gericht Gottes.»

Mehr: old.livenet.ch.

Harte Fragen für Rebecca McLaughlin

Rebecca McLaughlin beantwortet gern kritische Einwände zum Christlichen Glauben auf verständnisvolle und klarer Weises. In ihren Büchern gibt sie ehrliche Antworten auf viele brennende Fragen unserer Zeit. Am 11. Oktober 2022 werden zwei von Rebeccas Bücher in der FeG München-Mitte um 18.30 Uhr durch den Verlag cvmd vorgestellt. Rebecca selbst wird via Zoom zugeschaltet sein.

Das Buch gibt es hier: www.cb-buchshop.de.

Die neue Sichtweise vom „Selbst“

VM Trueman DerSiegeszugDesModernenSelbst Webseite01 1080xWorum geht es in dem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst: Kulturelle Amnesie, expressiver Individualismus und der Weg zur sexuellen Revolution, das im November 2022 beim Verbum Medien-Verlag erscheinen wird? Es geht um eine neue Sichtweise auf das „Selbst“. Sexualität ist demnach das, was den Menschen im Tiefsten ausmacht. Von daher bekommt Sex im persönlichen Leben und in den öffentlichen Diskursen eine so große Aufmerksamkeit. Die Frage der Identität ist aufs Engste mit der Sexualität verknüpft. Warum und auf welche Weise es so gekommen ist, wird in diesem Buch gründlich untersucht.

Carl Trueman schreibt (Der Siegeszug des modernen Selbst, 2022, S. 43):

Wie in der Einleitung erwähnt, ist der Grundgedanke dieses Buches, dass
die sexuelle Revolution mit ihren verschiedenen Ausdrucksformen in der
modernen Gesellschaft nicht isoliert betrachtet werden darf. Vielmehr
ist sie die konkrete und vielleicht offensichtlichste gesellschaftliche
Manifestation einer viel tieferen und umfassenderen Revolution. Es geht
um die Sicht auf das Individuum, das Selbst. Während Sex heute oft als
schlichte Freizeitaktivität hingestellt wird, soll Sexualität der Kern dessen
sein, was es bedeutet, als authentischer Mensch zu leben. Das ist
ein tiefgreifender Anspruch, der wohl beispiellos in der Geschichte ist.

Treibjagt auf Wirtschaftsjuristin

Die FAZ berichtet darüber, wie an einer deutschen Universität eine Juniorprofessorin verdrängt wurde, weil sie der Meinung war, dass es wichtig sei, an der körperlichen Unterscheidung von Männern und Frauen festzuhalten. Linke Gruppen haben ihr Transphobie vorgeworfen. Die Universitätsleitung schaute zu.

Wie geräuschlos solche Auseinandersetzungen verlaufen können, zeigt der Fall der Wirtschaftsjuristin Alessandra Asteriti, der bislang unterhalb der öffentlichen Aufmerksamkeitsschwelle blieb. Asteriti, die an der Universität Lüneburg als Juniorprofessorin Wirtschaftsrecht lehrte, hatte 2019 auf Twitter einen längeren Thread darüber geschrieben, warum die körperliche Unterscheidung von Männern und Frauen im internationalen Recht wichtig sei, nämlich deshalb, weil Ausbeutung, Unterdrückung oder Benachteiligung von Frauen sonst nicht darstellbar wären. Die Tweetfolge löste einen Empörungssturm in LGBTQ-Kreisen aus und fügte Asteritis wissenschaftlicher Laufbahn nach eigener Darstellung empfindlichen Schaden zu. 

Thomas Thiel schreibt im Artikel: „Bis heute wird darüber gestritten, ob es die vielzitierte Cancel Culture an deutschen Universitäten überhaupt gibt. Angesichts von mehr als fünfzig durch das ‚Netzwerk Wissenschaftsfreiheit‘ dokumentierten Fällen in den vergangenen zehn Jahren ist das erstaunlich.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

VD: TJ

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