„Gemeinsam für das Evangelium“

GfdE Presse Logo„Das Evangelium, das Jesus Christus in die Welt gebracht hat, kann seine Kraft und Gültigkeit nicht verlieren. Wir aber können das Evangelium verlieren, so dass es uns nicht mehr die Kraft Gottes ist, die uns rettet“, heißt es in einer am 18. Oktober 2022 veröffentlichten Erklärung von der Initiative „Gemeinsam für das Evangelium“. Sechs Initiatoren, darunter Prof. Dr. Friedhelm Jung vom Bibelseminar Bonn, Michael Kotsch von der Bibelschule Brake und Prof. Dr. Harald Seubert von der STH in Basel (Schweiz), haben diesen gemeinsamen Weckruf vorgelegt. Sie werben für eine Umkehr von falschen Wegen und eine im Evangelium begründete geistliche Erneuerung.

Auslöser war die Beobachtung einer fortschreitenden Aushöhlung des Evangeliums in der christlichen Verkündigung und Lehre. Die Erklärung nennt folgende Kennzeichen dieser Entwicklung:

  • die Infragestellung der Bibel als Offenbarung Gottes; die Behauptung, die Bibel könne nur mit historisch-kritischer Auslegung richtig verstanden werden sowie die Übernahme von sachkritischen Ergebnissen dieser Exegese;
  • die Verkündigung des Evangeliums vor allem als Lebensgefühl des Angenommen- und Geborgenseins bei Gott, während zugleich biblische Inhalte wie Sünde und Vergebung oder der Sühneopfertod Jesu zweitrangig werden;
  • die Verschiebung des Auftrages der Kirche hin zur Verantwortung für die Lösung gesellschaftlicher Probleme;
  • die Anpassung christlicher Ethik an die gesellschaftliche Moral ohne Achtung von klaren biblischen Weisungen;
  • die Aufforderung, die christliche Einheit dadurch zu bewahren, dass jede Meinung und Lehre akzeptiert wird, auch wenn sie im Widerspruch zu biblischer Offenbarung steht.

Es geht nach Auffassung der Initiatoren hier nicht um Meinungsverschiedenheiten, die es unter Christen immer geben wird. Es geht vielmehr um zentrale Fragen des Glaubens an Jesus Christus. Die Erklärung bezieht daher zu sieben derzeit besonders strittigen Themen Stellung:

  1. Was das Evangelium ist;
  2. Das Evangelium als offenbarte Wahrheit;
  3. Evangelium und Bibel;
  4. Evangelium und Einheit im Glauben;
  5. Das Evangelium und menschliche Identität;
  6. Evangelium und christliches Handeln und
  7. Evangelium und Weltverantwortung.

Matthias Lohmann, 1. Vorsitzender des Netzwerks Evangelium21 und Mitinitiator der Erklärung, ist darüber beunruhigt, dass derzeit das Evangelium sogar innerhalb der evangelikalen Bewegung in Deutschland angegriffen wird. Seiner Meinung nach müssen wir uns zu Herzen nehmen, was Paulus in seiner Abschiedsrede an die Ältesten in Ephesus gesagt hat: „Sogar aus euren eigenen Reihen werden Männer auftreten, die die Wahrheit verdrehen, um die Jünger ´des Herrn` irrezuführen und auf ihre Seite zu ziehen“ (Apg 20,30). Die christlichen Leiter stünden in der Verantwortung, ihre Stimme für das ein für alle Mal überlieferte Evangelium zu erheben (vgl. Jud 1,3). „Unsere Hoffnung und unser Gebet ist es, dass diese Erklärung in Zeiten großer Verwirrung dazu beträgt, Klarheit darüber zu erlangen, was Kernpunkte des christlichen Glaubens sind und was dem Evangelium entgegensteht“, sagt Lohmann.

Der Schriftleiter des Bibelbundes, Thomas Jeising, hat ebenfalls an der Erklärung mitgewirkt. Er betont, dass wir das wunderbare Evangelium von der Erlösung durch Jesus Christus nie in einer sturmfreien Zone bewahren können. Jede Generation müsse es ergreifen und aktiv daran festhalten. Auch jeder Glaubende muss aufmerksam sein, dass ihm nicht die Mitte des Evangeliums verloren geht. Jeising sagte:

Es schmerzt mich, wenn ich sehe, wie guten Freunden der Glaube verloren zu gehen scheint, weil sie den Anfragen und Angriffen, die sie vermehrt erleben, keine tragfähigen Antworten entgegensetzen können. Erst erodiert im Inneren der eigene Glaube, dann verstummt auch das Zeugnis und schließlich wirken alle Glaubenssätze hohl und nicht tragfähig, wenn man in Krisen gerät.

Thomas Jeising weist darauf hin, dass Jesus mit dem dramatischen Bild vom Haus, das in Sturm und Regen weggespült wird, weil es kein tragfähiges Fundament hat, gewarnt hat, wie überlebenswichtig ein biblisches Glaubensfundament ist. „Ich hoffe sehr, dass unsere Erklärung dazu beiträgt, dass für viele ihr Glaubensfundament gestärkt und auf die biblische Grundlage zurückgeführt wird.“

63 Persönlichkeiten des christlichen Lebens haben die Erklärung als Erstunterzeichner unterschrieben, unter anderen Ulrich Parzany, Heinrich Derksen, Armin Mauerhofer, Markus Till, Hartmut Steeb, Christian Wegert, Peter Krell und Hartmut Jäger.

Auf der Internetseite www.dasevangelium.net gibt es die Möglichkeit, die Erklärung zu zeichnen. Die Initiatoren sind sehr dankbar für jeden Christen, der sich hinter die Initiative „Gemeinsam für das Evangelium“ stellt und sie in Gemeinden und Werken bekannt macht. Lohmann: „Wir ermutigen Christen dazu, sich der Erklärung anzuschließen und mit der gebotenen Demut und Barmherzigkeit den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen.“

Ähnliche Beiträge:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

21 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Udo
1 Monat zuvor

Sehr wichtige Initiative, mit treffend und ausgewogen formulierten Texten.

Mick
1 Monat zuvor

Sehe ich ganz anders, Udo (ich beziehe mich im Folgenden auf die Langfassung). Okay, ich habe schon schlimmere „Erklärungen“ gelesen, aber diese scheint mir wenig ausgewogen. Man erkennt manchmal, wogegen da angeschrieben werden soll, aber die Formulierungen sind nicht gut. Ich kann mich zwar recht oft in den Kapiteltexten und Bekräftigungen irgendwie wiederfinden, aber bei den Formulierungen der abgelehnten Meinungen wird oft völlig unklar polemisiert, weit über das Ziel hinaus formuliert oder eine Auffassung angegriffen, die niemand in dieser Form vertritt. Das Kernstück, „Was das Evangelium ist“, ist völlig defizitär: Gott ist hier niemals der Vater (im ganzen Dokument kommt das Wort genau einmal vor) Jesus ist niemals Gott. Tatsächlich wird gerade zwischen Jesus und Gott unterschieden! Gott hat keinen Grund, keine Motivation für sein handeln (Jesus erst recht nicht). By the way: ”Liebe” gibt es im ganzen Dokument nur vom Menschen zu Gott oder zum Nächsten, nicht von Gott zum Menschen. Gott kommt nicht selbst, um zu retten, sondern… Weiterlesen »

Matze
1 Monat zuvor

Schön, dass diese Erklärung zustande gekommen ist auch gerade durch Leute die im konservativen evangelikalen Bereich eine gewisse Spannbreite darstellen. Einfach klasse! Der Erklärung kann man nur eine große Verbreitung und breite Akzeptanz wünschen

Mick
1 Monat zuvor

Ich denke, der Text präsentiert sich als Bekenntnistext, gerade _weil_ er Antworten auf aktuelle Bedrohungen geben will – das haben Bekenntnisse immer getan, und die Autoren habe ja die klassische Form des Bekennens und Verwerfens gewählt, und stapelweise Proof-Texts dazu gepackt, wie es sich für einen Bekenntnistext gehört. Und natürlich werden solche Texte Wort für Wort abgewogen, das heißt wenn ein Absatz defizitär ist, dann deshalb, weil niemand der Autoren und Erstunterzeichner ein Problem damit hatte. Und wie gesagt: oft wird schon erkennbar, wogegen da angeschrieben werden soll. Die Richtung ist für mich durchaus anschlussfähig – die genaue Ausgestaltung aber weniger. Beispiel: Wahrscheinlich werden wohl die meisten Unterzeichner Teile der Bibel als kulturell bedingt oder gar in Bezug auf die ursprüngliche Aussageabsicht als überholt ansehen (Tempelbauvorschriften, Regelungen für Opfer, heiliger Kuss, Fußwaschung, Sklaven) – ich nehme mir dann heraus, zu meckern dass ich die diesbezüglichen Ablehnungsformulierungen als überzogen betrachte.

Markus Jesgarz
1 Monat zuvor

Meine Meinung ist:
Die Erklärung von der Initiative „Gemeinsam für das Evangelium“ betont die epistemologische und hermeneutische Grundlage für das Heil durch das Evangelium.
https:/www.facebook.com/markus.jesgarz.3/posts/pfbid0kLwaGk9jdhCLSvV6ZVoYwE8cm4qvryrXAeW3DUkC5u4cZcfTX8UNXic9w8MkfPv4l

Christ
1 Monat zuvor

Ja, das Anliegen ist berechtigt. Allerdings finde ich das in gewisser Weise auch etwas ermüdend. Wo ist der Unterschied zu „Bibel und Bekenntnis“, zu „Zeit zum Aufstehen“ usw? Ich glaube nicht, dass ein immer mehr an Initiativen dazu beiträgt, Klarheit zu gewinnen. Denn erstens fallen m.E. die wirklich wichtigen Entscheidungen auf der Gemeindeebene und zweitens offenbaren die verschiedenen Bekenntnisinitiativen meiner Vermutung nach die Uneinigkeit von Personen und Werken im Detail. Da braucht es eben dann doch noch eine Initiative zusätzlich (z.B. wenn M. Diener Mitinitiator von „Zeit zum Aufstehen“ ist …). Ich denke auch (das ist nur mein persönlicher Eindruck), dass es Anzeichen dafür gibt, dass es wie immer im Laufe der Kirchengeschichte als Reaktion auf die Überbetonung einer Seite dann zu einer stärkeren Gewichtung der anderen Seite kommt. Ich kann mich z.B. lange nicht mehr an eine Predigt nach dem Motto „Gott liebt dich wie du bist und alles ist OK“ erinnern. Im Gegenteil höre ich wesentlich öfter als… Weiterlesen »

Udo
1 Monat zuvor

Die Erklärung ist auch deshalb so gut gelungen, weil sie genau den Finger auf die Krebsgeschwüre legt, die schon seit langer Zeit im Leib der Kirche wuchern und zunehmend „metastasieren“ und dennoch oft nicht als „todbringend“ für die Kirche wahrgenommen werden. Die Sprache ist klar, ohne über „die Stöckchen zu springen“, die die Gegenseite bereit hält und ohne Scheu vor „roten Linien“, aber niemals polemisch, im Sinne von unsachlich oder feindlich. Die Langversion lädt mit zahlreichen Verweisen eindrücklich dazu ein, parallel das biblische Zeugnis wahrzunehmen. Zum Beispiel Joh 14,6: „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“
Auch didaktisch/methodisch ist sie gut gelungen, und man kann sich via Kurz-, Lang- und Langversion plus verknüpfter Bibelstellen unterschiedlich intensiv mit ihr beschäftigen.
Wer sie überzeugend kritisieren will, muss sich dann im Übrigen auch die Mühe machen, alle biblischen Verweise im Textzusammenhang zu lesen. Eine gute Übung.

PeterG
1 Monat zuvor

Sicherlich kann man berechtigterweise fragen, ob es jetzt noch eine weitere Vereinigung bibeltreuer/evangelikaler Christen geben muss. Die Namen der Erstunterzeichner tauchen auch in anderen Zusammenhänge auf. Meine Befürchtungen gehen daher eher in die Richtung, dass diese Menschen sich aufreiben, überarbeiten …
Grundsätzlich halte ich es für wichtig und angebracht, dass mehrere solche Netzwerke entstehen, da diese bei aller Gemeinsamkeit auch Unterschiede haben. So wird m. E. Michael Kotsch wohl keinem reformierten-calvinistischen Netzwerk beitreten, auch wenn es bibeltreu ist.

Udo
1 Monat zuvor

@ Christ: Das entsprechende Buch „Zeit zum Aufstehen“, das Michael Diener 2014 mit herausgegeben hat, würde er heute so sicher nicht mehr inhaltlich unterstützen.
Wie sagte schon Paulus treffend Apg 20,30: „Selbst aus euren eigenen Reihen werden Männer auftreten und die Wahrheit verdrehen, um die Jünger des Herrn zu ihren Nachfolgern zu machen.“
Auch vor diesem Hintergrund ist diese Erklärung wichtig.

Joerg
1 Monat zuvor

Hallo Ron, ich schaetze deinen Blog und lese gerne hier mit. Vielen Dank! Aber was willst Du mit dieser Erklaerung bezwecken? Was sind deine Hoffnungen dazu? Das interessiert mich. Zum Text: zu „die Behauptung, die Bibel könne nur mit historisch-kritischer Auslegung richtig verstanden werden“ Ist das nicht zu negativ? Koennte formuliert werden: eine historisch-kritische Auslegung kann das Verstaendnis alter Texte ggfs verbessern/neuen Zugang ermoeglichen? Ur-Angst: Reduzierung auf historisch-kritische Belange verhindert/daempft Glauben an das Evangelium von Jesus Christus? zu „sowie die Übernahme von sachkritischen Ergebnissen dieser Exegese“ Ist das zu pauschal? Sollte nicht lieber im Einzelfall genau hingeschaut werden? („es kommt darauf an“) zu „die Verkündigung des Evangeliums vor allem als Lebensgefühl des Angenommen- und Geborgenseins bei Gott, während zugleich biblische Inhalte wie Sünde und Vergebung oder der Sühneopfertod Jesu zweitrangig werden;“ Sollte nicht beides gleich wichtig sein? Seife/Suppe/Seelenheil? Reich Gottes ist immer praktisch UND spirituell. In der Formulierung geht es um Misstandsbewaeltigung („zweitrangig“). Ich vermisse „sowohl als auch“. zu „die… Weiterlesen »

Alex aus Cloppenburg
1 Monat zuvor

Ach, das Anliegen ist legitim, auch wenn es recht hilflos wirkt, denn diese Art von Erklärungen ist auf Dauer recht fad. Die Initiatoren sind die üblichen Verdächtigen, die Unterzeichner ebenfalls (deutlich mehr Männer, viele Russlanddeutsche).
Aber nett, dass man sich bemüht.

Confessor Reformatus
1 Monat zuvor

Ich unterstütze das Anliegen in inhaltlicher Sicht vollkommen.
Was mich allerdings irritiert ist, dass da mindestens zwei Christen dabei sind, die gegen die reformierte/calvinistische Lehre polemisiert haben (und dies immer noch tun?). Ist das jetzt vergessen? Es sind ja bei dieser Inititiative auch viele reformiert geprägte dabei.
(Außerdem haben beide – das sage ich als Dreifach Geimpfter, der hinsichtlich Corona-Politik irgendwo in der Mitte steht, sehr stark gegen Kritiker der Corona-Maßnahmen aus den christlichen Reihen polemisiert und diese in eine gewisse Ecke gerückt, womit sie sich doch – das ist mein pers. Eindruck – beim Mainstream etwas angebiedert haben.)
POST SCRIPTUM/OFF TOPIC: Wird jetzt die Kommentarfunktion bei neuen Beiträgen nicht mehr freigeschaltet?

toblog
1 Monat zuvor

Und immer wieder die Bezahlung von Schuld. Persönliche Schuld aus Fehlverhalten wird nicht bezahlt. Sie wird entweder vergeben oder behalten.

Und: Vergebung allein konnte auch schon das AT. Das Evangelium von Jesus Christus kennt die Gerechtsprechung des Gläubigen, eine vollständige und dauerhafte Immunisierung gegen die Verurteilung. Immer nur von Vergebung zu sprechen, wenn man das Evangelium erklärt, springt zu kurz. Da verkaufen wir Christus und sein Erlösungswerk unter Wert.

Es wird mir immer deutlicher: Die Vergebung bereits begangener Sünden/Schuld ist die eine „Aufgabenstellung“. Das konnte der Alte Bund und Jesus vor dem Kreuz. Eine komplette Freistellung eines noch sündigen Menschen von der Sündenstrafe auf alle Zukunft ist eine verwandte oder doch weitaus größere und andere Aufgabenstellung. Das kann erst das NT. Diese beiden Probleme und ihre Lösungswege sind voneinander zu unterscheiden.
Tobias

PeterG
1 Monat zuvor

@toblog
Eine etwas zugespitzte These von dir über das AT, v. a. im Hinblick auf Heb 10. Oder du sagst, dass Vergebung etwas anderes ist als eine Sünde wegzunehmen (Ver 4 und 11).
Ich halte deine Unterscheidung AT=Vergebung und NT=Gerechtmachung für zu simpel, was die Vergebung betrifft.

toblog
1 Monat zuvor

@PeterG: Meine ausführlicheren Gedanken dazu finden sich unter: https://churchinbalance.de/und-was-ist-mit-hebraeer-922/
Gruß

Theophil Isegrim
25 Tage zuvor

Eine sehr gute Aktion. Und es ist wichtig, daß da so viele Leute aus unterschiedlichen Denominationen sich daran beteiligen. Bei den wirklichen wichtigen Sachen, beim Kern, beim Evangelium sind wir uns einig.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner