Wissenschaft

Die gefährliche Verweigerung des Geschlechts

In einem Beitrag im Wall Street Journal erklären die Biologen Colin Wright und Emma Hilton, dass es wissenschaftlich gesehen nur zwei Geschlechter gibt, nämlich männlich und weiblich. Es gäbe dem aktuellen Forschungsstand nach kein „Geschlechtsspektrum“. Sie betonen zudem, dass „Biologen und Mediziner“ aufhören müssen, politisch korrekt zu sein und „für die empirische Realität des biologischen Geschlechts einzutreten“ haben.

In dem Phänomen, dass einige Männer sagen, sie identifizieren sich als Frauen und einige Frauen sagen, sie identifizieren sich als Männer oder irgendeiner Kombination, „sehen wir einen gefährlichen und wissenschaftsfeindlichen Trend zur völligen Verleugnung des biologischen Geschlechts“, so die Biologen Wright und Hilton.

Die Vorstellung, dass es ein „Geschlechtsspektrum“ gibt, bei dem Menschen unabhängig von ihrer Anatomie sich „als männlich oder weiblich identifizieren“ können, sei irrational und habe „keine Grundlage in der Wirklichkeit“.

Colin Wright und Emma Hilton schreiben:

Beim Menschen, wie bei den meisten Tieren oder Pflanzen, entspricht das biologische Geschlecht eines Organismus einer von zwei verschiedenen Arten der reproduktiven Anatomie, die sich für die Produktion kleiner oder großer Geschlechtszellen – Sperma und Eier – und die damit verbundenen biologischen Funktionen bei der sexuellen Reproduktion entwickeln. Beim Menschen ist die reproduktive Anatomie bei der Geburt in mehr als 99,98% der Fälle eindeutig männlich oder weiblich. Die evolutionäre Funktion dieser beiden Anatomien besteht darin, die Fortpflanzung durch die Verschmelzung von Spermien und Eizellen zu unterstützen. Beim Menschen gibt es keinen dritten Typ von Geschlechtszellen, und daher gibt es kein „Geschlechtsspektrum“ oder zusätzliche Geschlechter über das männliche und weibliche hinaus. Das Geschlecht ist binär.

Hochschullehrer beklagen Meinungsklima an Universitäten

Hochschullehrer beklagen Meinungsklima an Universitäten, das zunehmend als repressiv empfunden wird. Die FAZ berichtet: 

Viele Hochschullehrer empfinden einer Umfrage zufolge das Meinungsklima an deutschen Universitäten als einengend und intolerant. Über die Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach berichtet die Zeitung „Die Welt“. Im Auftrag der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung und des Deutschen Hochschulverbandes hatte das Institut demnach um die Jahreswende 1.106 Interviews mit Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern geführt.

Im Alltag sehen sich laut Umfrage Hochschullehrer durch aus ihrer Sicht zeitliche Überlastung, überbordende Bürokratie, fehlende Finanzmittel und rigide moralische Standards eingeschränkt. So gab ein knappes Drittel an, sich durch formelle oder informelle Vorgaben zur „Political Correctness“ eingeschränkt zu fühlen. Eine große Rolle spielt dabei offenbar ein als intolerant empfundenes Meinungsklima an Universitäten, vor allem in politischen, religiösen und Genderfragen.

Den Angaben zufolge sind etwa 79 Prozent der Hochschullehrer der Meinung, es müsse erlaubt sein, einen Rechtspopulisten zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. 74 Prozent denken zugleich, damit auf erheblichen Widerstand zu stoßen – entweder bei Studenten oder der Universitätsleitung. Anders bei der Einladung eines Linkspopulisten, die 84 Prozent der Hochschullehrer befürworten würden. Hier rechnen nur 21 Prozent mit Widerstand.

Mehr: www.faz.net.

Agendawissenschaft

Die Welt nicht verstehen, sondern verbessern: Das ist das Ziel vieler akademischer Aktivisten. So gut die Absicht sein mag, so schlecht ist oftmals das Resultat. Denn am Ende zählt die richtige Gesinnung mehr als das Wissen. Sandra Kostner, die Diversitätsbeauftragte an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, plädiert in der NZZ für die freie Lehre und Forschung. 

Zitat: 

Studenten, die das agendawissenschaftliche Programm radikalisieren oder einfach nur Macht über andere ausüben möchten. So haben es sich manche zur Aufgabe gemacht, Disziplinarmassnahmen für Dozenten einzufordern, deren Lehrinhalte oder deren Sprachgebrauch von der «richtigen» Gesinnung abweichen. Die Anklage lautet stets: rassistisch, sexistisch, anschlussfähig an rechte Diskurse, femo-/homonationalistisch oder islamophob. Vorgebracht werden die Anschuldigungen über Social-Media-Accounts oder über Beschwerdebriefe an Leitungsebenen. Die Zahl der Studenten, die Sanktionen für Lehrende fordern, deren Seminarinhalte nicht deckungsgleich mit ihrer moralischen Komfortzone sind, wächst auch im deutschsprachigen Raum. Hochschulen – und hier sind zuvörderst die Leitungsebenen gefragt – müssen wissenschaftsfeindlichen Tendenzen resolut entgegentreten, solange sie können. 

Hier: www.nzz.ch.

Nachteile der Fremdbetreuung

Spätestens ein Jahr nach der Geburt eines Kindes haben die meisten Eltern in Deutschland eine schwere Entscheidung zu treffen: Wollen wir unser Kind in einer Krippe fremdbetreuen lassen? Oder erziehen wir es lieber selbst? Manchen Eltern bleibt aus finanziellen Gründen gar keine Wahl. Sie können mit einem Gehalt die Familie nicht mehr versorgen. Allerdings setzt die Fremdbetreuung sehr viele Kinder unter enormen Stress. Hanne K. Götze, die Autorin des Buchs Die Sehnsucht kleiner Kinder, erklärt anhand von Fakten und eigenen Erfahrungen, wie das Leben in den Kinderkrippen stresst. Einen Auszug veröffentliche das Magazin FOCUS:

Ich möchte noch einmal zusammenfassen, was das alles für ein kleines Kind heißt: Es muss jeden Tag aufs Neue mit der Trennung fertigwerden. Jedes Unwohlsein, jedes „Böckchen“, jedes Aua, jeder Kummer wegen eines weggenommenen Spielzeugs usw. muss immer vor „Publikum“ und sozusagen bei fremden Leuten durchgestanden werden. Die Signale, die es aussendet, werden kaum wahrgenommen oder verstanden. Die Mama ist nicht da. Und die Erzieherin, an die es sich möglicherweise langsam gewöhnt hat, ist auch nicht immer da.

Außerdem gibt es noch so viele kleine Konkurrenten um ein wenig Zuwendung. Das ist Stress pur: Die Kinder müssen sich den ganzen Tag lang auf einer höheren emotionalen Reifestufe bewegen, als sie tatsächlich sind.

So ist es kein Wunder, dass sich die Kinder in der Trennungssituation anders verhalten als im vertrauten Bindungszusammenhang. Ihr Spielverhalten verändert sich. Der Prager Forscher Zdeněk Matějček stellte bereits in den 1970er-Jahren fest: Das Spiel wird inhaltsärmer, stereotyper und weniger ausdauernd.xxi Manche Kinder reagieren auch mit verstärkter Aggressivität oder mit innerem Rückzug. Eine finnische Studie von 1979 ergab: Isolation/Rückzug treten bei 54 %, Unruhe bei 66 %, Hyperaktivität bei 21 %, Zorn bei 34 %, Schlaf- und Essstörungen bei 31–56 % der Kinder auf.

Mehr: www.focus.de.

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Einmal Mann sein – und wieder zurück

Immer mehr junge Menschen wollen ihr Geschlecht ändern. Hormone und Operationen sind so leicht wie nie zu bekommen. Absolute Zahlen liefert das Gesundheitsministerium in Großbritannien. Katrin Hummel hat in der FAS einen hervorragenden Artikel veröffentlicht. Darin heißt es:

In Englands einziger Klinik, die minderjährige Transgender behandelt, dem Tavistock Centre in London, haben sich vor zehn Jahren 32 Mädchen und 40 Jungen vorgestellt, weil sie sich im Unklaren darüber waren, welches Geschlecht sie hatten. Zwischen April 2018 und April 2019 waren es 624 Jungen und 1740 Mädchen, fast alle Teenager. Die Zahl der Mädchen ist also innerhalb von zehn Jahren um mehr als 5000 Prozent gestiegen.

Wenn da mal der politische und mediale Hype keine Rolle spielt. Allerdings wird immer offensichtlicher, dass OPs die seelischen Nöte nicht langfristig lösen können.  Die FAS weiter:

Eine 2016 veröffentlichte Metastudie von Tamara Syrek Jensen vom Center for Medicare and Medicaid Services des amerikanischen Gesundheitsministeriums hat ergeben, dass geschlechtsangleichende Operationen die psychischen Probleme der transidenten Personen meist nicht lösen konnten. Und eine Langzeitstudie, in der transidente Personen, die Hormone genommen und sich hatten operieren lassen, mehr als zehn Jahre lang begleitet worden waren, ergab, dass das Selbstmordrisiko dieser Menschen um 19 Mal höher liegt als das der Allgemeinbevölkerung. „Die eigentliche Ursache, aus der diese Individuen ihr biologisches Geschlecht ablehnen, wurde nicht bearbeitet“, so das Fazit von Cecilia Dhejne vom Karolinska-Institut bei Stockholm in der Studie „Long-Term Follow-Up of Transsexual Persons Undergoing Sex Reassignment Surgery: Cohort Study in Sweden“.

In Deutschland werden trotzdem die Transitionen immer einfacher und schneller ermöglicht. „Eine neue Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Transsexualität, die vor rund einem Jahr unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (keiner ärztlich-medizinischen, sondern einer sexualwissenschaftlichen Fachgesellschaft) veröffentlicht worden ist, besagt, dass Therapeuten ‚den diagnostischen Prozess so kurz wie möglich halten‘ sollen.“

Steht alles in dem sehr empfehlenswerten Artikel. Die Lektüre lohnt sich, auch wenn er hinter einer Bezahlwand liegt: www.faz.net.

Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Theologie

RK JH
Bild: Privat.

Am Dienstag hat Jürgen Habermas in München seine Philosophiegeschichte präsentiert. Dank Peter B. vom Bibelkreis München konnte ich dabei sein und ein paar Worte mit dem „Kritischen Theoretiker“ wechseln. Sein signiertes Werk Auch eine Geschichte der Philosophie liegt nun auf meinem Schreibtisch und ich hoffe, irgendwann einmal eine Besprechung liefern zu können. Immerhin geht es ja dem Autor darum, im nach-metaphysischen Zeitalter das Gespräch zwischen Glauben und Wissen fortzuführen.

Ein Theologe liest natürlich zuerst das Vorwort und wirft dann einen Blick ins Namenregister. Im Vorwort wird deutlich, dass Habermas von der Philosophie nicht mehr viel erwartet; sie erscheint ihm erschöpft (Bd. 1, S. 11–12):

Bisher konnte man davon ausgehen, dass es auch weiterhin ernstzunehmende Versuche geben wird, Kants Grundfragen zu beantworten: »Was kann ich wissen?«, »Was soll ich tun?«, »Was darf ich hoffen?« und: »Was ist der Mensch?«. Aber ich bin unsicher geworden, ob die Philosophie, wie wir sie kennen, noch eine Zukunft hat – ob sich nicht das Format jener Fragestellungen überlebt hat, sodass die Philosophie als Fach nur noch mit ihren begriffsanalytischen Fertigkeiten und als die Verwalterin ihrer eigenen Geschichte überlebt.

Beim Namenregister sticht hervor, dass Habermas sich mit einigen Theologen ausführlich auseinandersetzt. Besonders Augustinus, Aquin, Luther und Schleiermacher bekommen viel Raum. Wenn auch nicht so viel wie Kant, Hegel oder Marx. Das sollte man von einem Philosophen und Aufklärer auch nicht erwarten.

Im Blick auf Jesus übernimmt Habermas freilich die Unterscheidung zwischen dem verkündigenden und dem verkündigten Jesus. Der verkündigende Jesus von Nazareth war ein Wanderprediger, Exorzist und Wunderheiler. Mit Bultmann teilt er die Auffassung, dass der Nazarener eigentlich gar keine Religion oder Kirche gründen wollte. Der sich selbst aufopfernde Gottessohn ist eine Konstruktion aus dem zweiten Jahrhundert. Vor allem Paulus ist dafür verantwortlich, dass aus dem historischen Jesus ein heilbringender Christus geworden ist. „Paulus nimmt an der mythischen Herkunft der Vorstellung des ‚Opfertodes‘ so wenig Anstoß wie am Gedanken der Dreieinigkeit“ (Bd. 1, S. 505). Der Apostel – so Habermas – habe ein posthum eingetretenes Heilsereignis, das Jesus eigenen Worten noch nicht zu entnehmen war, reflexiv eingeordnet und rationalisierend verarbeitet (vgl. Bd. 1, S. 506).

Als Habermas dann die Botschaft des Paulus zusammenfasst, beschreibt er das Evangelium allerdings dermaßen schön, dass ich den Abschnitt zitieren möchte:

Im Mittelpunkt steht der bahnbrechende Gedanke, dass Gott mit dem stellvertretenden Opfer seines Sohnes der tätigen, aber aus eigener Kraft ohnmächtigen Reue der sündigen Menschheit zuvorkommt: »Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.« (Röm 5,8) Die Notwendigkeit für dieses unverdiente »Zuvorkommen« Gottes ergibt sich aus dem Umstand, dass die Menschen zu tief in Sünde verstrickt waren – viel zu tief, um auf Vergebung hoffen zu können, wenn Gott nur eine gerechte Abwägung ihrer eigenen Leistungen vornehmen würde. Es ist der in der Bibel selbst beschriebene heillose Verlauf der Geschichte des jüdischen Volkes, die den Juden Paulus in die prophetischen Worte einstimmen lässt: »Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen; es gibt keinen Verständigen, keinen, der Gott sucht. Alle sind abtrünnig geworden, alle miteinander taugen nichts. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen.« (Röm 3,10–12) Die von der adamitischen Erbsünde gezeichnete, in Sünde verstrickte Menschheit ist auch dort, wo sie unter dem Gesetz lebt, so schwach, dass sie der Vergebung aus Gnade bedarf. Während das Alte Testament Gehorsam gegenüber den mosaischen Gesetzen verlangt, überfordern die weiterreichenden Grundsätze der christlichen Liebesethik, das heißt Feindesliebe und unbedingte Vergebungsbereitschaft, die menschlichen Kräfte erst recht. Selbst der religiöse Virtuose versagt vor ihnen und ist auf die Gnade Gottes angewiesen. Daher konnte die Menschheit nur durch die Selbsthingabe Gottes gerettet werden, und darin besteht die Verheißung des Kreuzestodes: »Umsonst werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.« (Röm 3,24) Wenn aber die gnadenbedürftigen Menschen derart »unter der Herrschaft der Sünde stehen« (Röm 3,9), muss sich auch das Verhältnis von Gesetzesgehorsam und Glaubenstreue verändern. »Glaubensgerechtigkeit«, und das ist die allein durch den Glauben an den gnädigen Gott zu erhoffende Rechtfertigung, erhält absoluten Vorrang vor der Werkgerechtigkeit. Und damit verändert sich auch der Heilsweg selbst: »Dass aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht gemacht wird, ist offenkundig; denn: Der aus Glauben Gerechte wird leben.« (Gal 3,11)

Wenn doch mehr Menschen glaubten, dass diese Gute Nachricht vom Gottessohn und der Glaubensgerechtigkeit keine menschliche Projektion oder Konstruktion, sondern Wirklichkeit ist! Dann würde unsere Welt anders aussehen. Sie wäre stärker bestimmt von einer festen Hoffnung, die über das verbissene, autonome Verweilen im Hier und Jetzt hinausreicht. Der „Konsens der Experten“ (vgl. Konsenstheorie) kann die Wirklichkeit leider eben auch verbauen, sodass man auf die authentischen Zeugen der göttlichen Selbstmitteilung nicht mehr hört. Den Weltweisen bleibt oft verborgen, was Gott in seiner Gnade den einfachen Menschen schenkt. „Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): ‚Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen‘“ (1Kor 1,19). Wie sagte schon Jesus: „Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): ‚Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet‘“?

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Alles nur Aberglaube?

David Singer berichtet in der NZZ über seine Erfahrungen mit dem Okkulten und stellt ein Buch des Ethnologen Paul Stoller vor, das gerade in deutscher Sprache erschienen ist. Im Buch von Im Schatten der Zauberer, das sich übrigens in Deutschland glänzend verkauft, beschreibt der Feldforscher, wie er in Niger zum Magier ausgebildet wurde. Fazit für Singer und gewiss viele andere: Was wie ein Spiel beginnt, führt ziemlich schnell in den Bann finsterer Mächte.

Meine ethnologische Feldforschung dauerte von 1997 bis 2000. Inzwischen habe ich mich weit von den damals erlernten Praktiken entfernt. Aber dann stiess ich auf ein Buch, das für mich wie eine Falltüre in eine Vergangenheit war, der ich jahrelang aus dem Weg ging. Ich stürzte erneut in die Abgründe des Okkulten. «Im Schatten der Zauberer» war das erste Buch des renommierten amerikanischen Ethnologen Paul Stoller und sein erstes, das nun auf Deutsch vorliegt. Der inzwischen 72-jährige Stoller gehört zu den Wegbereitern der sogenannten ontologischen Wende in der Ethnologie, und auch im Buch «Im Schatten der Zauberer» geht es um die grundlegende Frage, was überhaupt wirklich ist. In diesem Fall: Gibt es Magie und Hexerei tatsächlich – zumindest bei den Songhai in Niger, wo er in den siebziger und achtziger Jahren forschte?

Im Drama der Hexerei gibt es keine unbeteiligten Zuschauer und nichts Unverbindliches; die Rolle des Forschers, des Zaungastes ist inexistent.

Auch Stoller wurde nach und nach eingeweiht. Unsere Erfahrungen mit Magie, Hexerei und Heilung waren fast deckungsgleich, obwohl wir sie in verschiedenen Ecken Afrikas machten. Die verblüffende Ähnlichkeit zeigt auch, wie weit diese Phänomene in Afrika verbreitet sind, und zwar in ziemlich unterschiedlichen Gesellschaften.

Hier: www.nzz.ch.

VD: FL

Die Wohlfühluniversitäten

Stereotypes Denken in sicheren Umgebungen fördert die Komfortidylle. Die Universität als Ort der Wissensproduktion hingegen scheint vorbei zu sein. Zu diesem Schluss kommt die Studie des amerikanischen Philosophieprofessors Steven B. Gerrard.

Marc Neumann stellt sie für die NZZ vor und schreibt: 

In den historischen Verkörperungen bis zum «Consumer College» war die Universität Produzent und Anbieter von Wissen (selbst wenn aufs Christliche, «Gentlemännliche» reduziert). Erschien «Inklusion & Diversität» an der Konsumuniversität als willkommenes Nebenprodukt der Wissensproduktion, ändert sich das am «Comfort College» radikal: Inklusion und Diversität selbst sind Produkt und Dienstleistung der Uni, ihre Markenidentität beruht auf einer behaglichen und komfortablen Erfahrung der studentischen Konsumenten.

Diesen kultischen Wohlfühlglauben stören wissensproduzierende Staubfänger wie Wahrheit, Logos und die Freiheit, Skepsis und kritisches Denken zu äussern, nur noch. Also weg damit, so die studentischen Komfortkunden. Und weil der Kunde König ist, machen die Universitätsleitungen, das Management des «Comfort College», eben brav mit.

Mehr: www.nzz.ch.

Bindung und Identität

Dr. med. Christl Ruth Vonholdt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Bindungsforschung und Identitätsentwicklung. Bis 2017 war sie Leiterin des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG) und veröffentlichte in dieser Zeit zahlreiche Artikel zum Themen rund um  Geschlecht, Leiblichkeit, Identität und Sexualität. 

Inzwischen pflegt Frau Vonholdt ein eigenes Blog und publiziert zu hochbrisanten Themen wie Leib, Bindung und Identitätsentwicklung. Die Internetseite ist eine echte Fundgrube. So ist dort etwa der sehr persönliche Bericht einer Frau zu finden, die das Gefühl hatte, im falschen Körper zu leben und so via Behandlungen mit männlichen Hormonen und chirurgische Eingriffen einen „Geschlechtswechsel“ anstrebte. Doch die neue Identität als „Mann“ brachte nicht das erhoffte Glück. Schließlich fand sie zurück zu ihrem Frausein. Sie sagt:

Mein Mannsein war mein Schutzpanzer gegen das Spüren vieler tiefer Verletzungen geworden, es war wie: Das Mädchen, das verletzt wurde, das bin ich ja gar nicht.

Als ich meiner Therapeutin vor den Operationen gesagt hatte, bei mir und meiner Familie sei alles in Ordnung, war ich davon auch überzeugt. In Wirklichkeit waren meine inneren Wunden und Schmerzen so groß, dass ich sie vollständig verdrängt hatte. Ich hatte sie verdrängen müssen, um überhaupt überleben zu können. Erst jetzt hatte ich die Kraft, mich ihnen – ganz allmählich, Schritt für Schritt – zu stellen.

Um zu lernen als Frau zu leben, musste ich die wirkliche Person, die ich tief in mir vergraben hatte, zu Wort kommen lassen. Das bedeutete, dass ich mich all den Schmerzen und vielen vergrabenen Gefühlen stellen musste. Nur wenn die Frau in mir zu Wort kam, konnte sie aber auch – zum ersten Mal in ihrem Leben – Bestätigung, Annahme, Liebe erfahren. Wenn ich lernen würde, mich, mein wirkliches Ich, zu zeigen, würde ich lernen können, Positives zu empfangen, von den anderen, von Gott.

Hier die Adresse: www.christl-r-vonholdt.de.

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Lustvolle Befreiung?

Auf dem Sender ARTE lief kürzlich eine umfangreiche Dokumentation über die Sexuelle Revolution unter dem Titel „Lustvolle Befreiung“ (zwei Teile, in der Mediathek noch abrufbar). Ich habe nur einige Minuten hineingeschaut, da mich das Thema langweilt. Aber schon in den ersten Minuten gibt es einträgliche Aussagen. Zwei Beobachtungen möchte ich kurz mitteilen.

1. Der Historiker Carl Marklund, der in der Dokumentation zu Wort kommt, deutet an, dass mit der Sexuellen Revolution die christliche Moral überschrieben wurde. Es ging um eine Entledigung von nichtnatürlichen Moralvorstellungen. Statt Menschen ein bestimmtes Sexualverhalten aufzuzwingen, sollen sie die natürlichen Bedürfnissen ausleben: „Nicht das Verhalten, die Moral gehört infrage gestellt.“ Alain Giami, der ebenfalls zu Wort kommt, spricht von einer Änderung des wissenschaftlichen Diskurses. Der Diskurs „verließ die Ebene der christlichen Moral hin zu einem Plädoyer für die Natürlichkeit sexueller Lust; für eine biologische, fast animalische Natürlichkeit sexuellen Vergnügens“ (ab ca. Minute 5:00 im Teil 1). Anders gesagt: Es ging um eine „Repaganisierung“ des Sexuellen.

Das ist insofern aufschlussreich, da heute ja postevangelikale Christen gern darauf verweisen, dass die spätmoderne Sexualmoral mit der christlichen vereinbar sei. Die Behauptung ist historisch schlichtweg falsch. (Nebenbei sollten wir einmal überlegen, was es bedeuten würde, die Gesetze konsequent dem Begehren von Menschen anzupassen.)

2. Eine Schlüsselfunktion bei der Neuformatierung der Sexualmoral kommt Alfred Charles Kinsey und seinen Berichten zu (1948 u. 1954). Darauf verweist die Dokumentation sehr klar (besonders ab Minute 7:00). Die vornehmliche Stellung von Kinsey ist auch allgemein unbestritten. Was allerdings in der Dokumentation völlig unter den Tisch fällt, ist eine kritische Aufarbeitung von Kinseys Forschungsarbeiten. Ich habe hier schon darauf hingewiesen, dass Kinsey seine Statistiken nachweislich auf perverse und verlogene Weise zustande kommen ließ (siehe dazu hier). Die Biografie von James Jones, die all das thematisiert, wurde bisher leider nicht in die deutsche Sprache übersetzt.

DIE WELT schrieb immerhin:

James Jones und andere Forscher kritisieren Kinseys methodische Fehler; zu viele männliche Häftlinge und Schwule etwa verzerrten die Zahlen über homoerotisches Verhalten. Der widersprüchliche Pionier, als menschenscheuer „Kontrollfreak“, (T. C. Boyle), verrückter Professor und dirty old man beschrieben, war weder als Wissenschaftler noch als Mann ohne Tadel. Nur deshalb wuchs er zu einem „Riesen unter Pygmäen“, nur so spürte der „Bluthund der Begierden“, wie man Vergangenheit von Menschen „kannibalisiert“. So beschreibt ihn die Kunstfigur John Milk in Boyles Kinsey-Roman „The Inner Circle“ (der im Frühjahr unter dem Titel „Dr. Sex“ bei Hanser erscheint). Und bewundert die Reinheit der Wissenschaft.

Missbrauch, Falschdarstellungen, Überinterpretationen haben maßgeblich zur Sexuellen Revolution beigetragen. Das aber scheint nur wenige zu interessieren. The Show must go on.

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