Juli 2011

Prozess gegen Folterer von Elisabeth Käsemann

In die Zeit der finsteren argentinischen Militärdiktatur fällt die Verhaftung, Folter und Ermordung von Elisabeth Käsemann. Die Tochter des evangelischen Theologen Ernst Käsemann arbeitete als Entwicklungshelferin in Buenos Aires, als sie plötzlich von argentinischen Sicherheitskräften verhaftet und später grausam gefoltert wurde.

Jene, die Elisabeth Käsemann kannten, beschreiben sie als reisefreudig, belesen und politisch interessiert. Am 8. März 1977 wollte sie sich mit einer amerikanischen Freundin zum Frühstück treffen, berichtete diese später. Elisabeth kam nicht. Sie verschwand, wie so viele angebliche Gegner des Regimes.

30.000 Menschen gelten bis heute als »desaparecido«, als »verschwunden«. Sie wurden während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 verschleppt, ermordet und in namenlosen Massengräbern verscharrt oder über dem Río de la Plata aus Flugzeugen abgeworfen. In geheimen Zentren wie »El Vesubio« wurden sie gefoltert.

Auch die amerikanische Freundin von Elisabeth Käsemann wurde entführt. Als sie verhört wurde, hörte sie deren Stimme und Schreie im Nebenzimmer. Die Freundin wurde entlassen, Elisabeth Käsemann nicht. Sie wurde in das Lager »El Vesubio« gebracht, in dem Durán Saenz Chef war.

Hier der Artikel über einen viel zu spät eingeleiteten Prozess gegen die Täter: www.spiegel.de.

Doppelt schnell lesen

Mit etwas Übung fliegen die Augen über die Zeilen – und das Verständnis leidet dabei nicht. Das funktioniert, doch die Methoden müssen geübt werden. DIE WELT schreibt:

Schnell-Lese-Techniken können helfen, um den Bücherberg besser in den Griff zu bekommen. Doch wer Erfolg haben will, muss üben. »Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass alles, was man schneller macht, deswegen auch schlechter wird«, sagt der Lesetrainer und Autor Wolfgang Schmitz. »Schnelleres Lesen kann auch heißen: intensiveres Lesen.«

Mehr: www.welt.de.

Black Metal und Islamismus

Der DLF berichtete in einem kurzen Beitrag, wie Islamisten mit Black Metal-Musik zum Jihad gegen die Ungläubigen aufrufen. Hier ein Mitschnitt:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/06/30/dlf_20110630_0944_e1eab280.mp3[/podcast]

Neuer Calvinismus

Ich möchte auf zwei Beiträge in der aktuellen Ausgabe des Jahrbuchs für Freikirchliche Forschung hinweisen:

  • Matthias Lohmann: »Reformierte Wurzeln der Baptisten und der Freien evangelischen Gemeinden«
  • Ron Kubsch: »Neuer Calvinismus – Einblicke in eine junge reformierte Bewegung«

Ein Verzeichnis der Beiträge von Ausgabe 20/2011 mit 382 Seiten gibt es hier. Das Buch kann für 19,80 Euro bestellt werden: www.freikirchenforschung.de.

Die Glaubensgerechtigkeit bei Cusanus

Der Reformator Johannes Kymaeus (1498–1552) soll darauf hingewiesen haben, dass bereits bei dem Universalgelehrten Nikolaus von Kues das Rechtfertigungsverständnis Martin Luthers vorgezeichnet sei. Nun finden wir bei Nikolaus, auch Cusanus genannt, eine Menge Merkwürdigkeiten (zur Einführung in sein Leben und Werk siehe auch hier). Bei der Lektüre einiger seiner Schriften ist mir allerdings aufgefallen, dass bei ihm die Verherrlichung Gottes, die Gnadentheologie und eine Glaubensgerechtigkeit, die Gott selbst schafft, tatsächlich betont werden.

Hier einige Beispiele (zitiert in Anlehnung an: Nicolas Cusanus: Philologische und theologische Schriften, Wiesbaden, Matrix Verlag, 2005):

Die Frage: Warum ließ Gott Adam, unsern Stammvater, sündigen und uns alle infolge seiner Sünde sterben? löst sich im Hinblick auf das Wort Christi an den Blindgeborenen, dass in seiner Heilung sich die Herrlichkeit Gottes offenbaren sollte. Dass es Gott zuließ, dass Adam in Sünde geriet, das rührte nicht von seiner Sünde her, sondern damit die Herrlichkeit Gottes offenbar würde, denn obgleich Gott an der Sünde, deren Entstehen er verhinderte, kein Gefallen hatte, so weiß er doch auch aus dem Bösen Gutes hervorzubringen. Das läßt sich von allen zur Seligkeit Prädestinierten sagen, von denen man weiß, dass sie Sünder gewesen. Die heilige Schrift fasst alles unter der Sünde, damit den Gläubigen die Verheißung aus dem Glauben zuteil werde. Gott wollte seine Herrlichkeit in seinem Sohne offenbaren, damit, wie durch einen Menschen der Tod in die Welt kam, so durch Christus Jesus das Leben in allen käme. Der Sohn verherrlicht den Vater, indem er die Schätze der Herrlichkeit des Vater aufzeigt und mitteilt, der Vater verherrlicht den Sohn, weil er durch ihn das ewige Leben verleiht. (S. 534)

Jeder Sünder ist ein Knecht der Sünde. Der Knecht aber kann sich nicht selbst aus der Knechtschaft befreien. Wenn die Werke des Gesetzes und seine Handlungen ihn rechtfertigen, so könnte er sich selbst rechtfertigen. Das ist aber unmöglich, ja ein Widerspruch. Denn wie es ein Widerspruch ist, dass jemand sich selbst erschaffen kann – es wäre ja, bevor er wäre –, so ist es auch bei der Rechtfertigung. Wer sich selbst rechtfertigen könnte, wäre gerecht, bevor er gerecht ist. Dass daher der Ungerechte gerecht wird, kann nicht durch die Gerechtigkeit des Ungerechten oder die gerechten Werke des Ungerechten, sondern nur durch die Gerechtigkeit des Gerechten erfolgen, der nur durch die Gnade gerecht macht, wen er will. Es gibt aber nur eine und nur eines einzigen Gerechtigkeit. Dies ist die Gerechtigkeit des einen Mittlers, der notwendig Gott und Mensch ist. Dieser will nur das Gerechte. Weil er durch Gnade rechtfertigen will und was er will, das Gerechte ist, so ist es gerecht, dass der wirklich gerechtfertigt werde, den er rechtfertigen will. Damit dieser sein Wille die rechtfertigende Gerechtigkeit sei, wurde er selbst unsere Gerechtigkeit, indem er sich selbst hingab. So brachte er auf ewig unsere Heiligung zu Stande. Gott setzte ihn zum gnädigen Vermittler durch den Glauben in dessen Blute, zur Offenbarung seiner Gerechtigkeit. Die Gnade, durch die wir gerettet werden, ist Gerechtigkeit. Alles also, was durch Moses auf göttlichen Befehl in Bezug auf Rechtfertigung geschrieben und angeordnet wurde, sollte uns andeuten, dass durch Tod und Besprengung mit Blut, d.i. durch Gemeinschaft des Todes die Rechtfertigung und Heiligung, die der Seele das Leben geben, zu geschehen habe … (S. 553–554)

Der Schöpfer ist auch der Rechtfertiger. Denn gleichwie die Erhebung des Nichts zum Sein ein Werk der Allmacht ist, so ist auch die Versetzung des Sünders in den Zustand der Rechtfertigung das Werk keiner geringen Kraft. Denn nur die unendliche Güte kann dies bewirken, da keine beschränkte Kraft es vermag. Denn wie will ein Toter sich selbst ins Leben erwecken, wenn die Kraft des Lebens in ihm fehlt? So kann auch die Gottlosigkeit sich nicht selbst zur Gerechtigkeit erheben, da in dem Gottlosen die Gerechtigkeit ganz erloschen ist. Dies wird also das Werk desselben sein, der auch das Etwas aus dem Nichts und aus dem Tode ins Leben bringt. (S. 556)

Joel Osteen: »Du musst mit der Zeit gehen«

Der DLF hat einen Beitrag über Joel Osteen, seine Lakewood Church und die Kommerzialisierung der christlichen Religion in Nordamerika publiziert. Der Beitrag bleibt oberflächlich und ist stellenweise undifferenziert, legt aber den Finger in eine »offene Wunde« des Evangelikalismus.

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2011/06/28/dlf_20110628_0953_a852ab12.mp3[/podcast]

Der Aufstieg des Westens

201106291006.jpgDer britische Historiker Niall Ferguson stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der Westen die anderen großen Zivilisationen überholen und zeitweise dominieren konnte.

In der Einleitung weist er darauf hin, dass die künftigen Kolonial- und Großmächte Europas um das Jahr 1500 nur 10 Prozent der Landmasse und 16 Prozent der Weltbevölkerung umfassten, aber im Jahre 1913 schon 60 Prozent der Fläche und der Weltbevölkerung beherrschten und 79 Prozent der Weltwirtschaft.

Wie konnte es dazu kommen? Fergusons Antwort verweist auf sechs Faktoren, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist: Wettbewerb, sowohl zwischen den Fürstentümern, Königreichen und Staaten als auch unter den Unternehmen; Wissenschaft, womit im Wesentlichen die Naturwissenschaften und deren Anwendungen in Technik und Militärwesen gemeint sind; sichere Eigentumsund Verfügungsrechte, die zu Rechtsstaat und repräsentativen Demokratien geführt haben; medizinischer Fortschritt und die daraus resultierende Verlängerung der Lebenserwartung; die Erhöhung des materiellen Lebensstandards sowie die Arbeitsethik, die Ferguson ähnlich wie Weber mit dem Protestantismus verbindet.

Mehr hier: www.faz.net.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner