November 2015

Jesus ist das Erlassjahr

Greg Gilbert und Kevin DeYoung schreiben in ihrem Buch: Was ist er Missions-Auftrag der Gemeinde Jesu? (Waldems: 3L Verlag, 2015, S. S159):

Als Jesus in Lukas 4 aus der Jesaja-Schriftrolle vorlas, lautete seine Botschaft im Prinzip ganz einfach: „Ich bin das Erlassjahr.“ Er entwarf keinen Plan für Sozialreformen. Stattdessen sagte er ganz nüchtern: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“ (Lk 4,21). Alles, worauf das Erlassjahr hindeutete, und noch mehr war erfüllt, als Jesus sich in Nazareth offenbarte. Die beste Botschaft von 3. Mose 25 fand ihren vollkommensten Ausdruck in der Guten Nachricht von Jesus Christus.

Vom Kult der Selbstinszenierung

Essens O’Neil hat Jahre damit verbracht, sich selbst im Internet zu inszenieren. Bis zur Erschöpfung veröffentlichte sie Fotos, die so aussahen, als seien sie rein zufällig entstanden. Tatsächlich waren die Bilder „gestellt“ und enthielten oft versteckte Botschaften. Botschaften, für die eine finanzkräftige Werbebranche genug zahlte. Jetzt ist sie ausgestiegen und erzählt die Geschichte ihrer Abkehr auf der Internetseite: www.letsbegamechangers.com.  Hoffen wir, dass es kein virtueller Ausstieg ist und sie zu dem findet, der/was wichtig ist.

Tatsächlich schwappt die Kultur der Selbstinszenierung leider auch in die christlichen Gemeinden hinein. Erik Raymond hilft uns dabei, diesen Trend wahrzunehmen und „Selfie“-Prediger zu durchschauen:

Es gibt jedoch einiges, was uns Sorgen bereiten sollte in unserem fotografierwütigen Zeitalter. Das eine ist die Häufigkeit. Eine Studie hat festgestellt, dass junge Frauen durchschnittlich eine Stunde pro Tag damit verbringen, sich selbst zu fotografieren. Das weist auf eine ungesunde Beschäftigung mit sich selbst hin. Eine andere Sache ist, dass man sich mehr und mehr in eine Scheinwelt flüchtet. Selfies scheinen die Macht zu haben, eine neue Realität für den zu schaffen, der sich hinter der Kamera befindet. Sie haben die Verantwortung dafür und auch die Macht darüber, was andere sehen. Es geht nur noch darum, eine Sichtweise zu kreieren, die uns im besten Licht darstellt, so dass wir davon profitieren. Wir umgehen die reale Welt. In der realen Welt sieht man auch unsere Fehler und wir werden mit fortschreitendem Alter auch immer weniger fotogen.

Mir geht es in diesem Artikel aber nicht in erster Linie um Selfie-machende Teenager. Ich mache mir vor allem um die Selfie-Kultur auf unseren Kanzeln Sorgen. Der Apostel Paulus fordert uns auf, sich nicht dieser Welt gleichzustellen (Röm 12,2). Wenn es ein Wort gibt, das zusammenfasst, was mit unserer Welt nicht in Ordnung ist, dann ist es wohl Egoismus. Stolz ist die Mutter jeder Sünde. Deshalb müssen wir gerade in Bezug auf unsere Persönlichkeit darauf achten, dass wir uns nicht der Welt gleichstellen. Und gerade in den Ohren von Predigern sollte die Warnung vor Selbstbezogenheit immer wieder laut erschallen. Ich möchte mich vor dem „Selfie-Prediger“ in Acht nehmen.

Mehr bei Evangelium21: www.evangelium21.net.

J.I. Packer

Das Video sollte sich jeder anschauen, der sich für gute Theologie interessiert:

U. Eibach: Menschenwürde und Lebensschutz

Prof. Ulrich Eibach (Bonn) zeigt in einem kurzen Beitrag, dass der Begriff „Menschenwürde“ zunehmend von seinem Ursprung abgekoppelt wird. Die moderne Lesart der Menschenwürde als empirisch feststellbare Qualität begünstigt die Rechtfertigung der Tötung menschlichen Lebens am seinem Anfang und an seinem Ende. Eibach:

Dieses Verständnis von der Würde des Menschen, das die Väter des GG’es leitete, ist maßgeblich durch die jüdisch-christliche Lehre von der Gottebenbildlichkeit aller Menschen bestimmt. Die Würde, Mensch und zugleich Person zu sein, gründet danach nicht in empirisch feststellbaren Qualitäten, sondern darin, dass Gott den Menschen zu seinem Ebenbild bestimmt hat. Kein Mensch wird dieser Bestimmung im irdischen Leben voll gerecht. Die Gottebenbildlichkeit wird letztlich erst im Reich Gottes, im Sein bei Gott vollendet. Diese letztlich zukünftige Würde ist jedoch dem irdischen Leben von Gott her bereits unverlierbar zugesprochen. Person ist der Mensch allein durch das, was Gott an ihm und für ihn tut. Der Mensch konstituiert weder sein Leben noch seine Würde selbst, sondern er empfängt sie von Gott her. Die MW ist also eine „transzendente Größe“, die von Gott her dem „Lebensträger“ (= Leiblichkeit) zugleich mit dem Gegebensein von Leben, also dem gesamten menschlichen Leben unverlierbar vom Beginn bis zum Tod zugeordnet ist und bleibt, daher nicht in Verlust geraten kann, wie versehrt auch immer Körper, Seele und Geist sein mögen. Es gibt also kein „würdeloses“ und „lebensunwertes“, bloß biologisch menschliches Leben. Im Unterschied zur Person können wir das, wozu der Mensch durch andere Menschen (Erziehung) und sich selbst wird, als Persönlichkeit bezeichnen. Sie ist in der Tat eine empirische Größe, die durch Krankheit abgebaut und zerstört werden kann. Identifiziert man die Person mit der Persönlichkeit, so wird zugleich das Leben mit der Krankheit bzw. der Behinderung gleichgesetzt, der Mensch wird dann durch sie definiert, er ist Behinderter, Pflegefall usw. Man schließt dann zuletzt aus der Zerrüttung der Persönlichkeit, dass es sich um „minderwertiges“, wenn nicht gar „menschenunwürdiges“, „würdeloses“, bloß „vegetatives“ Leben handele, das man um seiner selbst wie auch um der Last willen, die es für andere darstellt, besser von seinem Dasein „erlösen“ solle.

Die idealistische und auch die empiristische Philosophie stellen die Autonomie in den Mittelpunkt ihres Menschenbildes, sie betrachten das Angewiesensein auf andere Menschen als eine minderwertige Form des Menschseins. Nach christlicher Sicht ist Leben immer verdanktes, sich anderen verdankendes Leben. Der Mensch ist, um überhaupt leben zu können – nicht nur im Kindesalter, sondern bleibend das ganze Leben hindurch -, auf Beziehungen zu anderen Menschen angewiesen, nicht nur als Säugling und als behinderter und alter, sondern auch als gesunder und sich „autonom“ wähnender Mensch. Er lebt in und aus diesen Beziehungen und nicht aus sich selber, er verdankt ihnen und damit in erster Linie anderen und nicht sich selbst sein Leben. Daher ist das „Mit-Sein“ (Miteinandersein) Bedingung der Möglichkeit des Selbstseins, hat seinsmäßigen Vorrang vor dem Selbstsein. Diesem Angewiesensein entspricht das Für-Sein der Anderen, ohne das Leben nicht sein, wenigstens aber nicht wirklich gelingen kann. Dies ist auch bei mündigen Menschen der Fall. Es tritt jedoch bei schwer kranken, behinderten und pflegebedürftigen Menschen am deutlichsten hervor, weil bei ihnen das „Aus-sich-selbst-leben-können“ am wenigsten möglich ist.

Mehr bei iDAF: www.i-daf.org.

„Die evangelische Volkskirche geht kaputt“

Der Pfarrer Bernhard Rothen zeichnete bei einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger im Frühjahr 2015 ein düsteres Bild der protestantischen Kirchen: Sie hätten ihre Gestaltungskraft verloren, würden Gemeinplätze vertreten und nicht mehr wahrgenommen.

Zitate:

Heute überwiegt das Persönliche die ­inhaltliche Auseinandersetzung, und zwar überall, auch im Journalismus. Im Kirchenleben konzentriert sich seit dem ­romantischen Theologen Friedrich Schleiermacher alles auf die Frage des Genius des einzelnen Menschen: Ist der Pfarrer nun eine charismatische Person oder nicht? Als Pfarrer muss ich argumentieren und handeln können, und zwar aufgrund der Bibel, welche die ­lebendige Autorität ist.

Die Kirche vertritt fast nur Gemeinplätze, sie betätigt sich als ­religiöses Megafon für die moralischen Forderungen der Zeit und tut niemandem weh. Im Moment ist sie noch gegen Sterbehilfe, irgendwann wird sie nicht mehr dagegen sein. Die Kirche passt sich an und wird irrelevant.

Mehr: www.tagesanzeiger.ch.

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