J. Barclay über „Paul and the Faithfulness of God“

John M.G. Barclay, Lightfoot Professor an der Fakultät für Theologie und Religion der Universität Durham, hat N.T. Wrights Paul and the Faithfulness of God (SPCK, 2013) im Scottish Journal of Theology besprochen:

Wright presents his work as the historical recovery of the original Paul, against a history of misreadings, whether Platonic, Augustinian, medieval, Reformation, Enlightenment, modern or post-modern. All are confidently swatted aside, although none are here studied in depth: in general, reception history is regarded as a ‘recent fashion’ (48). Indeed, the persistent rhetoric of this book is that, to understand Paul, one simply needs to do better history. What is required is ‘sheer history’ (1261, n.731), since exegesis is ‘a branch of history’ (1515). Recognising that his reading might be taken to be Christian, he indicates that ‘the “Christian” view I take, in my tradition at least, is to let the text be the text, rather than make it say what we want’ (1133). That, of course, is a false or at least a highly simplistic way of representing our hermeneutical options. As his own earlier exposition of ‘critical realism’ appeared to acknowledge, there is no possibility of simply ‘letting the text be the text’: all readers start and remain in a location that shapes their reading, otherwise they could make no sense of the text at all. Exegesis has an indispensible historical responsibility, but the synthetic literary and ideological work that goes into making sense of Paul is by no means merely a historical task. Wright is quick to tell us what has led others astray and diagnoses theological (or anti-theological) prejudice with freedom. What he fails to tell us is where he is reading from, and for what goal. This lack of hermeneutical self-reflection (or at least, self-disclosure) may arise from the fact that Wright’s own theology is tacitly in agreement with (his reconstruction of) Paul’s; at least no critical gap emerges in the course of this exposition. But by presenting himself ‚as a historian and an exegete’ who ‘must stick to the text and try to understand what it actually says, and not what I would like it to say’ (1133) he has masked his own agency as a reader whose work of ‘understanding’ and connecting these complex texts inevitably (and properly) brings his own interests and conceptual tools to bear on their interpretation.

My tone may seem unduly negative. There are many valuable passages in this book, and its energy, breadth, confidence and ambition are on a scale commensurate with its size. In the history of the discipline few scholars have attempted such an original yet comprehensive construal of Pauline theology, and in the modern era perhaps only Schweitzer could match the liveliness of Wright’s mind. But I doubt that many Pauline scholars will accept the large synthetic schema that Wright presents, for all its attractions, while the stimulus offered by this book will be lessened, and perhaps cancelled, by it’s persistently shrill and overheated rhetoric.

Mehr hier: 14230.pdf.

 

Supplementa Calviniana

Rob Bradshaw hat einen schwer zugänglichen Vortrag zur Reihe Supplementa Calviniana online gestellt:

  • SUPPLEMENTA CALVINIANA: AN ACCOUNT OF THE MANUSCRIPTS OF CALVIN’S SERMONS NOW IN COURSE OF PREPARATION by The Rev. T. H. L. PARKER, M.A., D.D. Vicar of Oakington, Cambridge, 1962

Hier: calviniana_parker.pdf.

Ein Leben zur Ehre Gottes

UnknownAls ich vor einigen Tagen Zürich besuchte, wurde ich wie verabredet von einem sportlichen, freundlichen, jungen Mann am Hauptbahnhof abgeholt, Hanniel Strebel. Hanniel kaufte mir ein Bahnticket und nahm mich mit zu ihm nach Hause, wo seine liebe Frau und die fünf Buben auf uns warteten. Wir haben an jenem Abend nicht nur gut gegessen, sondern allerlei Themen angesprochen. Auch Hanniels „Moment der Wahrheit“ gehörte dazu. Es ist noch nicht lange her, da wurde ihm von seinem Arzt eröffnet, dass er eine schwere und ausgesprochen seltene Herzerkrankung hat.

Hanniels Leben konnte durch eine Operation gerettet werden. Nachdem er die Eingriffe beschrieben und erläutert hatte, dass kein Arzt zuverlässig sagen könne, wie es weitergehe, erklärte Hanniel (ich zitiere aus dem Gedächtnis): „Ich weiß nicht, wie lange ich zu leben habe. Aber eins weiß ich: Die Zeit, die mir zur Verfügung steht, will ich Gott dienen und das tun, was in seinen Augen wichtig ist.“

Was ist heute in Gottes Augen wichtig? Allgemein die Treue im Kleinen, die Verkündigung des Evangeliums und die Revitalisierung oder Neugründung von Kirchengemeinden, alles Anliegen, die auch Hanniel „auf dem Herzen“ liegen. Konkret hat Gott zudem die Gaben im Blick, die er einem Menschen gegeben hat. Es ist nicht überraschend, dass sich Hanniel nach der OP und einer kurzen Erholungsphase der Verteidigung seiner Promotion und gemeinsam mit Jochen Klautke und Lars Reeh einem Buchprojekt angenommen hat.

Der Sammelband Ein Leben zur Ehre Gottes liegt inzwischen vor. In den letzten Tagen konnte ich das Buch lesen. Es enthält 10 Kapitel, die von verschiedenen Autoren verantwortet werden. Behandelt werden Themen, die jungen Christen auf den Nägeln brennen: „Der Christ und die Ehe“ (Ludwig und Katharina Rühle), „Der Christ und Pornographie“ (Benjamin Tom), „Der Christ und das Gesetz“ (Simon Schuster), „Der Christ und der Wille Gottes“ (Jochen Klautke), „Der Christ und die Arbeit“ (Rudolf Tissen), „Der Christ und die Bildung“ (Hanniel Strebel), „Der Christ und die Apologetik“ (Lars Reeh), „Der Christ und der Islam“ (Mario Tafferner) und „Der Christ und die Gemeinde“ (Johannes Müller). Die Ausführungen werden in jedem Kapitel durch Fragen zum Weiterdenken und Buchhinweise ergänzt.

Ich kann das Buch vorbehaltlos empfehlen. Obwohl der Schwerpunkt angenehmerweise nicht auf Unterhaltung, sondern auf gesunder Lehre liegt, sind die Beiträge flüssig und verständlich geschrieben. Das Buch, das in der Josia-Edition des 3L Verlags erschienen ist, schlägt allerlei Brücken zur Praxis und macht jungen Menschen Mut, ihr Leben in den Dienst ihres HERRN Jesus Christus zu stellen. Möge es eine große Verbreitung finden und junge Leute dazu anstiften, ganz für Gott zu leben. Mit oder ohne „Wahrheitsmoment“. Tun wir, was in SEINEN Augen wichtig ist!

Leseprobe: 863.066.pdf.

Wissenschaftlich-Religionspädagogisches Lexikon

Neben dem Wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex) ist nun auch ein Fachlexikon für Religionspädagogik auf Bibelwissenschaft online.

WiReLex, das Wissenschaftliche-Religionspädagogische Lexikon richtet sich an alle, die im Bereich religiöser Bildung und Erziehung tätig sind: an Religionslehrerinnen und -lehrer, Gemeindepädagoginnen und -pädagogen, Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Dozentinnen und Dozenten und an Theologiestudierende.

Zu seinem Start bietet WiReLex nahezu 100 Fachartikel, die kostenlos zugänglich sind. Jährlich sollen weitere 100 Artikel von über 60 Autoren hinzukommen. Hauptherausgeberinnen sind die Professorinnen für Religionspädagogik, Dr. Mirjam Zimmermann (Universität Siegen) und Dr. Heike Lindner (Universität Köln). Konzipiert und betreut wird das Lexikon durch zehn Herausgeber-Teams, unterstützt durch die Deutsche Bibelgesellschaft und das Comenius-Institut in Münster.

Hier mehr: www.bibelwissenschaft.de/wirelex/wirelex.

Tony Merida: Gewöhnliches Christsein

In Galater 6,1-10 heißt es:

„Liebe Brüder und Schwestern: Auch wenn jemand bei einem Fehltritt ertappt wird, so sollt ihr, die ihr vom Geist bestimmt seid, den Betreffenden im Geist der Sanftmut zurechtbringen — doch gib acht, dass nicht auch du in Versuchung gerätst! Tragt einer des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wer meint, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, der betrügt sich. Jeder aber prüfe sein eigenes Werk! Dann wird er nur im Blick auf sich selbst Grund haben, sich zu rühmen — und nicht im Blick auf den anderen, denn jeder wird seine eigene Bürde zu tragen haben. Wer aber im Wort unterrichtet wird, lasse den, der ihn unterrichtet, an allen Gütern teilhaben. Täuscht euch nicht: Gott lässt sich nicht verhöhnen! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten, wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Im Tun des Guten wollen wir nicht müde werden, denn zu gegebener Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. Darum lasst uns, solange wir noch Gelegenheit haben, allen Menschen Gutes tun, am meisten aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind.“

Professor Tony Merida, der übrigens zusammen mit seiner Frau fünf Kinder adoptierte, hat auf der „20/20 Collegiate Conference“ 2014 über diesen Text gesprochen. Er wendet sich gegen Sensationalismus, Mystizismus, Idealismus und Individualismus im christlichen Glauben und mahnt auf der Grundlage von Galater 6 zu einer hohen Sicht der Gemeinde und einem „gewöhnlichen Christsein“, zu dem Achtsamkeit und Selbstlosigkeit gegenüber den echten Nöten der Brüder und Schwestern gehören.

Eine Botschaft, die ich sehr empfehle:

Kayla Jean Muellers Vermächtnis

Kayla Jean Mueller sah in jeder noch so schrecklichen Situation etwas Gutes. Ein Brief, den sie aus ihrer IS-Geiselhaft schmuggeln konnte, zeigt die Lebensfreude der vom Islamitischen Staat getöteten Entwicklungshelferin.

Wenn man sagen kann, dass ich überhaupt „gelitten“ habe durch diese ganze Erfahrung, dann ist es nur, weil ich weiß, durch wie viel Leid ihr deshalb gehen müsst; ich werde euch niemals bitten, mir zu verzeihen, weil ich keine Vergebung verdiene. Ich erinnere mich daran, dass Mama immer gesagt hat, dass Gott der Einzige ist, den man alles in allem am Ende wirklich hat. Ich bin in dieser Erfahrung an einem Platz angekommen, wo ich, im wahrsten Sinne des Wortes, mich selbst unserem Schöpfer ausgeliefert habe, weil es buchstäblich nichts anderes gab … + durch Gott + durch eure Gebete habe ich mich im freien Fall sanft gewogen gefühlt.

Ich habe mich in Dunkelheit und in Licht gezeigt + ich habe gelernt, dass man selbst im Gefängnis frei sein kann. Ich bin dankbar. Ich bin so weit gekommen, dass ich in jeder Situation etwas Gutes sehe, manchmal müssen wir nur danach Ausschau halten. Ich bete jeden, jeden Tag, dass ihr – wenn auch sonst nichts anderes – auch eine bestimmte Nähe + Ergebung zu Gott gefühlt + untereinander einen Bund der Liebe + Unterstützung geformt habt.

Ich vermisse euch alle, als ob die erzwungene Trennung schon seit einem Jahrzehnt besteht  …

Mehr: www.welt.de.

Calvin: Nicht mein Wille

Als die Reformation in Genf zu scheitern drohte, wurde Calvin gebeten, erneut in der Stadt zu arbeiten. Der Rat beauftragte am 21. September 1540 Calvins späteren Feind Ami Perrin, alles zu versuchen, um den Theologen aus Straßburg zurückzuholen. Auch von anderen Seiten wurde Calvin bedrängt. Er wollte aber nicht nachgeben, da ihn die Arbeit in der Stadt während seines ersten Aufenthaltes an seine Grenzen geführt hatte. Er schrieb: „Ich möchte lieber hundert andere Tode sterben als dieses Kreuz, an dem ich tausendmal untergehen würde“ (CO 11,30). Und: „Muss ich einen Weg suchen, um in die Hölle zurückzukehren?“ (CO 10,271).

Der Reformator hoffte, zusammen mit Martin Bucer für einige Wochen nach Genf zu reisen, um dort die nötigsten Dinge zu regeln. Da jedoch Straßburg Bucer nicht ziehen ließ, reiste Calvin schließlich allein und traf am 13. September 1541 in Genf ein. Seinem Freund Farel schrieb er dazu: „Wenn ich wählen könnte, täte ich alles andere lieber, als dir hierin zu Willen zu sein. Aber weil ich weiß, dass ich nicht mir selbst gehöre, biete ich dem Herrn mein Herz als Opfer an.“

Calvins Ehe

Willem Van’t Spijker schreibt über Calvins Ehefrau Idelette von Buren (Calvin, Göttingen, 2001, S. J152):

Calvin hatte Anfang August 1541 Idelette van Buren geheiratet, die Witwe des ehemaligen Wiedertäufers Jean Stordeur, der sich der Gemeinde wieder angeschlossen hatte. Schon vorher hatte Calvin eine Eheschließung ernsthaft erwogen. Der Antrieb dazu wurde aber gedämpft durch Gedanken recht rationaler Art: „Ich gehöre nicht zu jener törichten Art von Liebhabern, die, wenn die Gestalt einer Frau es ihnen einmal angetan hat, sogar noch ihre Fehler verniedlichen. Die einzige Schönheit, die mich anzieht, ist, wenn sie bescheiden ist, willig, nicht hochmütig, sparsam, geduldig, und wenn ich hoffen darf, daß sie um meine Gesundheit besorgt ist.“ Verschiedene Pläne, mit von seinen Freunden ersonnen, schlugen fehl. Idelette lernte er kennen, als ihm die Seelsorge für ihren Mann oblag, der 1540 an der Pest starb. Er hatte eins ihrer Kinder getauft. Die Verbindung mit ihr scheint ihn zu einer anderen Sicht der Bedeutung der Ehe geführt zu haben. Als sie 1549 starb, betrauerte Calvin den schmerzlichen Verlust seiner besten Lebensgefährtin. Er war überzeugt, daß sie mit ihm willig Armut und Verbannung und selbst den Tod hätte teilen wollen. Ihre gemeinsamen Kinder starben kurz nach der Geburt. Als Calvin deswegen verspottet wurde, konnte er schreiben, er habe tausende von Kindern in der ganzen christlichen Welt. In seinen Briefen aus Regensburg zeigte Calvin sich sehr besorgt um sie und ihre Kinder. Das wird seine Rückkehr nach Straßburg beschleunigt haben.

Apologetik

Bei Evangelium21 gibt es ein kurzes Interview zum Thema Apologetik.

E21: Könntest Du kurz definieren, was Du unter Apologetik verstehst?

RK: Das griechische Verb apologeomai bedeutet so viel wie „sich vor Gericht verteidigen“. Es ist so etwas wie Gerichtssprache. In einer klassischen gerichtlichen Verhandlung wurde der Angeklagte zuerst seiner Vergehen beschuldigt. Anschließend bekam der Beschuldigte die Gelegenheit, zu den Anklagepunkten Stellung zu nehmen. Der Versuch, die Anschuldigungen abzuweisen oder „wegzureden“, wurde apologia genannt. Apologetik ist also denkerische Rechtfertigung und Verteidigung der christlichen Hoffnung. Ihren besonderen Charakter gewinnt die Apologetik dadurch, dass sie Fragen (und Klagen) Andersdenkender aufgreift und für diese formal nachvollziehbar aus der christlichen Offenbarung heraus zu beantworten sucht.

Hier mehr: www.evangelium21.net.

P.S. Übrigens: Schon für die Konferenz mit Greg Gilbert im April 2015 angemeldet?

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