Die Gerechtigkeit gewÀhrenden Offenbarung Gottes
Eckhard Schnabel schreibt zu Römer 3,24 (Der Brief des Paulus an die Römer: Kapitel 1â5, HTA, Witten; GieĂen: R. Brockhaus; Brunnen, 2015 S. 389â390):
Mit dem Verb ÎŽÎčÎșαÎčÏÏ betont Paulus den forensischen Aspekt der Heil schaffenden, Gerechtigkeit gewĂ€hrenden Offenbarung Gottes (s. zu 1,17). Die SĂŒnder, die die Teilhabe an der RealitĂ€t der Herrlichkeit Gottes verspielt haben (V. 23), werden von Gott fĂŒr gerecht erklĂ€rt. Im Kontext der Rechtssprache beschreibt die Rechtfertigung des SĂŒnders seinen Freispruch als Angeklagter. Dieser Freispruch ist nur möglich, wenn die Ungerechtigkeit des SĂŒnders (1,18; 3,5.10) gegen die Gerechtigkeit Gottes ausgetauscht wird: Der SĂŒnder steht vor Gott nicht als SĂŒnder, sondern als Gerechter, was nur möglich ist, wenn er ein Gerechtfertigter ist. Der Freispruch ist keine Amnestie, nach der begangenes Unrecht fĂŒr folgenlos erklĂ€rt wird, sondern effektive Vergebung der konkreten SĂŒnden der Ungerechten infolge des SĂŒhnetodes Jesu Christi. Das Rechtsurteil Gottes, das SĂŒnder fĂŒr gerecht erklĂ€rt, hat forensisch effektive Bedeutung: Es hat âschöpferische Kraftâ. Im Kontext des Hinweises auf den Verlust der RealitĂ€t der Herrlichkeit Gottes in V. 23 bedeutet dies, dass Gott dem gerechtfertigten SĂŒnder eine âeschatologisch gewandelte Existenzâ zuspricht und ermöglicht, die von Friede mit Gott (5,1) und von der Bewahrung vom Zorn Gottes (5,0) gekennzeichnet ist sowie von einem Leben, in dem sich der gerechtfertigte SĂŒnder Gott zur VerfĂŒgung stellt und die Glieder seines Leibes als Waffen der Gerechtigkeit fĂŒr Gott (6,13). Die Rechtfertigung des SĂŒnders kann nicht vom SĂŒnder selbst, sondern nur durch Gott bewerkstelligt werden. Dies wird durch die Passivform den Partizips (ÎŽÎčÎșαÎčÎżÏÎŒÎ”ÎœÎżÎč) angezeigt. Gott selbst ist derjenige, der den SĂŒnder gerecht spricht (8,33: ÎžÎ”áœžÏ áœ ÎŽÎčÎșαÎčáż¶Îœ; vgl. 3,26; 4,5; Gal 3,11). Das PrĂ€sens des Partizips ist im Kontext von V. 19-20 einerseits futurisch auf das Endgericht zu beziehen, in dem Gott sein gerechtes Gerichtsurteil offenbaren wird (vgl. 2,5), andererseits im Kontext von V. 25 auf das Geschehen im SĂŒhnetod Jesu in der Vergangenheit, in dem Gott Heil geschaffen hat.
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Eckhard J. Schnabel, vielen noch bekannt als FTA-Dozent, ist zum Professor fĂŒr Neues Testament an das 