Im 18. Buch seines De civitate Dei beschreibt Augustinus die Verwirrung, die durch falsche Lehrer gestiftet wird (Vom Gottesstaat, München: DTV, 2007, S. 504, 18,51):
Als nun der Teufel sah, daß die Dämonentempel leer standen und das Menschengeschlecht dem Namen des rettenden Mittlers zueilte, brachte er die Häretiker auf den Plan, die unter dem Deckmantel des christlichen Namens der christlichen Lehre widersprachen; als ob man solche Leute unterschiedslos und ohne Zurechtweisung im Gottesstaate dulden könnte, wie der Staat der babylonischen Verwirrung sich unterschiedslos Philosophen verschiedener und entgegengesetzter Richtungen gefallen ließ. Die also in der Kirche Christi ungesunden und verkehrten Ansichten huldigen und der Zurechtweisung, die sie zum Gesunden und Richtigen zurückführen möchte, hartnäckig widerstreben und ihre verpestenden, todbringenden Lehren nicht aufgeben wollen, sondern unentwegt verteidigen, werden zu Ketzern, verlassen damit die Kirche und werden zu den Feinden gerechnet, die um ihrer Übung willen nötig sind.
„Falsche Lehrer“ Ich bin Mitglied der Evangelischen Landeskirche (EKD). Leider kenne ich nur die Verkündigung eines Wohlfühlevangeliums. Gottesdienstbesucher sollen angenehm unterhalten werden, damit sie nicht aus der Kirche austreten und spenden. Dieses Wohlfühlevangelium ist aber kein volles Evangelium, das der Bibel entspricht. Wer Jesus nachfolgen will, muss sein Kreuz auf sich nehmen (Matthäus 16, 24), Gebetserhörung erfolgt nicht ohne den Willen Gottes zu befolgen (1. Johannes 3, 22), Krankheit kann z. B. eine Folge von Sünde sein (Apostelgeschichte 12,23 und 13,4-12; 2.Chronik 21,15; 1.Korinther 11,26-30), muss aber nicht (Glaubensprüfung Hiob), laue Christen wird Jesus Christus aus Seinem Mund ausspucken (Offenbarung 3, 14-22), Ermahnung im Hinblick auf das Weltgericht unterbleibt (Matthäus 25, 31-46 – wer spricht noch von der Hölle?), bei der Aufforderung zur Buße wird die Schadenswiedergutmachung nicht genannt (Lukas 19, 8.9), Sündenvergebung durch Jesus Christus nur, wenn Sünder auch ihren Schuldigern vergeben (Matthäus 6, 14.15) usw. Jesus Christus verschleudert die Verheißungen nicht im Sonderangebot, s. zum Beispiel die Leiden… Weiterlesen »
Claus F. Dieterle nutzt das Kant-Zitat „Es ist so bequem, unmündig zu sein“, um geistliche Mündigkeit zu unterstreichen. Dabei wird jedoch übersehen, dass Kant diesen Satz genau im Kontext der Aufklärung formulierte – als Plädoyer für die Autonomie des Menschen und die Fähigkeit, selbstständig zu denken und moralische Entscheidungen zu treffen. Kant setzte auf die Kraft der menschlichen Vernunft und die Selbstgesetzgebung des Menschen, unabhängig von göttlicher Gnade. Hier liegt der entscheidende Widerspruch: Das Evangelium von Jesus Christus betont die Abhängigkeit des Menschen von Gottes Gnade. Geistliche Erneuerung, Befreiung von der Sünde und die Fähigkeit, für Gott zu leben, kommen nicht aus eigenem Antrieb, sondern aus der stellvertretenden Tat Christi am Kreuz und seiner Auferstehung. Wer Kants Autonomie-Idee auf das christliche Leben überträgt, verlagert die Quelle moralischer Kraft auf den Menschen selbst und verkennt die biblische Realität: Ohne Gottes Eingreifen bleibt der Mensch Knecht der Sünde. Die unreflektierte Verwendung dieses Zitats in der Glaubenslehre verschleiert den fundamentalen Unterschied zwischen menschlicher… Weiterlesen »
Lk 18, 8&9 würde ich anders auslegen, aber sei es drum. Nein, es sind nicht (nur) die Pfarrer, die ein Wohlstandsevangelium verkünden. Es sind insbesondere die Gemeinden, die sich Pfarrer aussuchen, die das aussprechen, wonach ihnen die Ohren jucken, und alle anderen vergraulen. Ich erlebe das gerade hautnah mit. Die Erwartungshaltung an den Pfarrer ist die Organisation und Veranstaltungsleitung von Events, wobei abschließend der Segen über die Bratwurst gesprochen werden soll. Gottesdienste sind nur gut, wenn sie kurz sind, insbesondere die Predigt, liturgisch einfach strukturiert sind oder ganz ohne Liturgie, zwei Lieder geplärrt werden, und von Gott, Jesus oder gar dem Satan soll nicht so viel gesprochen werden. Es muss aber schön warm sein, also lieber im Mief des während der DDR-Zeit ausgestatteten Gemeindesaals, und nicht in der Kirche. Teilweise rühmt sich die Gemeinde über den hohen Pfarrerverschleiß in den letzten 10 Jahren, „manche haben es sogar nur 6 Monate ausgehalten“. Mir ist durchaus klar, wie das auch diesmal wieder… Weiterlesen »
Spannend, wie diese Kirchenväter in die geistige Welt sehen konnten.
Schade, daß sich Paulus geirrt hat (Röm 16,20; Hebr 2,14).
Ich glaube nicht, dass Paulus sich geirrt hat. Vielmehr wären die menschgemachten Zugehörigkeitskriterien zur Landeskirche zu hinterfragen: (Kinder-)Taufe und Kirchsteuer zahlen reicht für die Mitgliedschaft und erlaubt außerdem Zugang zu (fast) allen Ämtern.
Nur bin ich fest davon überzeugt, dass die Kirchenmitgliedschaft nicht gleichbedeutend mit der Eintrittskarte zum Himmel ist.
Es muss aber schön warm sein, also lieber im Mief des während der DDR-Zeit ausgestatteten Gemeindesaals, und nicht in der Kirche. Teilweise rühmt sich die Gemeinde über den hohen Pfarrerverschleiß in den letzten 10 Jahren, „manche haben es sogar nur 6 Monate ausgehalten“. Der DDR-Mief passt doch wunderbar zum übergestülpten Staatskirchentum mit aus Steuergeldern bezahlten Pastoren. Es hilft auch nicht, dass die meisten Nebengebäude historischer Dorfkirchen inzwischen verkauft wurden und meist nur noch ein baufälliger Kirchturm mit sprichwörtlichem Friedhof übrig ist, während die historischen Pfarrhäuser im Privatbesitz irgendwelcher amerikanischen Investoren sind. Das stört aber letztlich nicht, denn das wahre post-sozialistische Christentum ist täuferisch und lebt im Untergrund, fernab vom Synkretismus dieser Landeskirchen. Die missionieren niemanden mehr. Der Bratwurst-Segen dient nur noch als warnendes Beispiel. Aber das gibt es ja auch bei Fernsehpredigern und „christlichen“ Schriftenmissionen, die ein Wohlfühl- bzw. Wohlstandsevangelium verkünden. Da ist Jesus Christus nur ein Vorwand, das volle Evangelium ist bei diesen nicht entscheidend, sie verfolgen ihre eigenen… Weiterlesen »
„… denn das wahre post-sozialistische Christentum ist täuferisch und lebt im Untergrund, …“
Das ist aber recht konträr zu meinen Beobachtungen. Die „täuferischen“ und andere Freikirchen, soweit ich sie hier besucht habe im Laufe der Jahre, verlieren Mitglieder aufgrund Überalterung, und die Jugend bekommen sie nicht gehalten.
Der „Untergrund“ in Form von Hauskirchen usw. zerfällt ebenfalls, die letzten besuchen dann in ihrer Not doch eine Freikirche.
Die Anzahl derer, mit denen ich noch eine tiefgehende Unterhaltung über die Bibel, Inhalte, Auslegung, …, führen kann, nimmt rapide ab, auch in den Freikirchen. Und letztlich werde ich in ein paar Jahren auch nicht mehr auf der Erde leben. Nimmt das Christentum bei den Menschen ab, dann zerfallen die Institutionen oder präsentieren sich so, wie es manch Auswüchse schon deutlich zeigen.
Die Gottlosigkeit scheint mir eine Bewegung von unten zu sein.
Das ist aber recht konträr zu meinen Beobachtungen. Die „täuferischen“ und andere Freikirchen, soweit ich sie hier besucht habe im Laufe der Jahre, verlieren Mitglieder aufgrund Überalterung, und die Jugend bekommen sie nicht gehalten. Diese von Rick Warren für die Willow Creek Community Church unter Anleitung atheistischer Business Gurus wie Peter Drucker designten „Freikirchen“ werden vornehmlich ehemals Evangelischen aufgesucht, um sich dem Christentum endgültig zu entwöhnen. Ist quasi die E-Zigarette für Getaufte, die eigentlich Heiden sein wollen. Der „Untergrund“ in Form von Hauskirchen usw. zerfällt ebenfalls, die letzten besuchen dann in ihrer Not doch eine Freikirche. Es gibt inzwischen Millionen von post-sozialistischen Christen in Europa, die niemals jemanden bei der „evangelischen Kirche“ kennen lernen wollen. Das sind täuferisch gesinnte Menschen aus den ehemals sozialistischen Regimes der Sowjetunion einschließlich der DDR. Diese Menschen werden niemals freiwillig einen Fuß in ein „Kirche“ genanntes Gebäude setzen – schon gar nicht in eine, wo immer noch der DDR-Mief weht – weil sie keine Schwierigkeiten… Weiterlesen »