Feuilleton

Feuilleton & Kunst

Ein Augenöffner

Jan Klein schreibt in Fest und treu (04/2022, S. 22) über das Buch Der Siegenszug des modernen Selbst von Carl Trueman: 

Zugegeben, das Buch ist zudem ein ganz schöner Wälzer. Gerade der theoretische Teil zu Beginn des Buches verlangt einiges an sturer Lesedisziplin.

Truemans Buch ist in zweifacher Weise ein Augenöffner; Mit jeder gelesenen Seite fällt auf, wie sehr wir Christen vom Zeitgeist durchtränkt sind. Aber auch, wie selbst für unsere schräge Zeit nach wie vor Jesus Christus die einzig richtige und einzig rettende Antwort ist

Für Menschen, die über Jahrhunderte hinweg dahingehend geprägt wurden, in sich selbst reinzuhorchen, um nach Glück und Sinn zu suchen kann es keinen befreienderen Blick geben als auf den „Sohn, der wirklich frei macht“. Doch dazu müssen wir Christen verstehen, wie unsere Zeit tickt, und vor allem, warum sie so tickt Dazu ist Truemans Buch eine großartige Hilfe.

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Der missbrauchte Doppelpunkt

Er sticht überall ins Auge. Zum Bespiel beim Benutzerordner einiger Betriebssysteme: der Doppelpunkt. Die Verwendung des Doppelpunkts beim Gendern hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Dadurch wird er allerdings seiner eigentlichen grammatikalischen Funktion beraubt, wie der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg für die FAZ erläutert: 

Der Doppelpunkt ist ein grammatisches Interpunktionszeichen. Er steht zwischen zwei Ausdrücken, deren erster eine Ankündigung enthält, die vom zweiten erfüllt wird, zum Beispiel „Ein Vorteil ist: Sie bekommen Rabatt“. Der angekündigte Ausdruck kann grammatisch eng an den vorausgehenden gebunden sein, der ja im Beispiel ohne den zweiten gar nicht stehen kann. Im Allgemeinen sind die beiden Teile der Konstruktion aber grammatisch weitgehend voneinander unabhängig. Wichtig ist nur das semantische Verhältnis einer Ankündigung. Weil der Doppelpunkt Ankündigung kodiert, kann er die aktuelle Bedeutung aufeinanderfolgender Ausdrücke verändern. 

All das gilt für den Doppelpunkt als Genderzeichen nicht, obwohl er in beiden Verwendungen dieselbe Form hat. Als Genderzeichen ist der Doppelpunkt nicht ein Satz-, sondern ein Wortzeichen, denn er verbindet dann nicht beliebig lange und komplexe Syntagmen, sondern Wortbestandteile. Eine Ankündigungsfunktion ist gar nicht möglich. Häufig wird seine Verwendung damit gerechtfertigt, dass er, anders als Stern oder Unterstrich, ein sprachliches Zeichen sei. Das trifft lediglich formal, aber nicht funktional zu. Das Genderzeichen hat keine sprachliche Funktion und ist in dieser Hinsicht um nichts besser als Stern oder Unterstrich.

Mehr: www.faz.net.

Digitale Verwahrlosung der Kinder

Die Sache scheint klar: Zu hoher und zu früher Medienkonsum haben eine verheerende Wirkung auf unsere Kinder – körperlich und geistig. Doch Warnungen verhallen fast immer ungehört. Während der COVID19-Pandemie hat sich die Mediensucht sogar verdoppelt.

Die Berliner Journalistin Monika Wesseling plädiert für ein maximales Hinauszögern der digitalen Bilderflut: 

Jede neue Studie, die sich mit der Wirkung von Medienkonsum beschäftigt, bringt weitere gravierende Resultate ans Licht. Nur scheint es niemanden groß zu beeinflussen oder zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Schichtenunabhängig sehe ich das Hauptproblem in der Bequemlichkeit der Eltern, Kindern das Digitale vorzuenthalten. Parallel wird auf allen Kanälen suggeriert, dass es total in Ordnung ist. Es gibt Rubriken in Erziehungszeitschriften, die Apps für Kinder empfehlen. Es wird nicht problematisiert, dass Kinder so früh an die Nutzung von Geräten herangeführt werden.

Streamingdienst-Abonnenten sind mit einem unerschöpflichen Fundus an Kinderfilmen konfrontiert. Der Algorithmus empfiehlt ständig neuen Stoff. In Podcasts werden mit größter Selbstverständlichkeit Apps für Kleinkinder empfohlen. Natürlich entsteht so der Eindruck, dass das alles schon passt und es gut ist, wenn man mitmacht.

Ich plädiere für ein maximales Hinauszögern der digitalen Bilderflut, auch bei der Erziehung meines eigenen Kindes, und weiß gleichzeitig, dass ich es nicht ewig abschirmen kann. Ich lebe nicht bei den Amish, und ich kann uns nicht in eine prädigitale Ära katapultieren. Meine Tochter wird mit anderen Kindern aufwachsen. Eins davon darf täglich angeblich so viel schauen, wie es möchte, und spaziert mit immer neuen Merchandise-Klimbim zur Terrassentür herein.

Mehr (hinter eine Bezahlschranke): www.welt.de.

Süchtig nach Sinn

Die transzendentale Obdachlosigkeit, mit welcher der postmoderne Mensch zu leben gelernt hat, bleibt nicht ohne Konsequenz. Der Verlust von objektivem Sinn und das religiöse Vakuum treiben ein neues Suchtverhalten hervor. Und das birgt – so meint Peter Strasser – politischen Sprengstoff:

Die zweite Konsequenz der rabiaten Abwehr des aufgeklärten westlichen Denkens: Allerorten regen sich mit grosser Vehemenz Kollektivismen, die hart religiös unterbaut sind. Das Individuum, das eben noch alle möglichen Spielarten der gewaltlosen Spiritualität und Esoterik durchspielte, ohne sich innerlich selbst befrieden zu können, sucht sein Heil in politreligiösen Strömungen, die manifest faschistoiden Mustern folgen … Worauf also in Zukunft – und es wird eine Zukunft mannigfacher, weltumspannender Krisen sein – besonders geachtet werden sollte, ist der Umstand, dass, neben den bekannten Süchten, der Verlust von objektivem Sinn und das damit einhergehende existenzielle Vakuum in unseren postmodernen Gesellschaften ein neues Suchtverhalten hervortreibt. Jenes Vakuum wird zusehends durch irrationale Lehren und Aktivitäten überdeckt, deren Entzug zu suizidalem, hyperaggressivem und amokläuferischem Verhalten führen kann.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.nzz.ch.

„Was passiert zum Schluss mit der Bibel?“

In manchen Verlagen, Redaktionen und Behörden wird daran gearbeitet, alte literarische Texte umzuarbeiten, um sie an die Woke-Kultur anzupassen. Die Texte werden also engagiert darauf gescannt, ob sie rassistische, sexistische oder soziale Diskriminierung stimulieren könnten (vgl. hier und hier). Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von der Partei Bündnis90/Grüne stellt dazu die richtige Frage:  

Man müsse Texte wie den Roman „Tauben im Gras“ von Wolfgang Koeppen, der zur Abiturienten-Pflichtlektüre im Südwesten zählt, geschichtlich einordnen, sagte Kretschmann in Stuttgart. Wenn man sich nicht mehr mit Texten aus Zeiten befasse, in denen andere Maßstäbe gegolten haben, hätte das weitreichende Konsequenzen. „Was passiert zum Schluss mit der Bibel? Mit dem populärsten, meistgelesenen Buch?“, fragte der Grünen-Politiker.

Nachtrag: Sollte übrigens die Bibel eines Tages durch „tugendhafte“ Sensitivity-Redakteure umgeschrieben werden, jubeln die Postevangelikalen wahrscheinlich mit. Da ja die Heilige Schrift aus ihrer Sicht nur verschriftlichte Gefühle besonders religiöser Menschen enthält, sollten sie kein theologisches Problem damit haben, die biblischen Texte an die Empfindungen der „Generation Woke“ anzupassen. Ganz im Gegenteil: die sprachlichen Entschärfungen machen – so die Progressiven – den christlichen Glauben attraktiver. 

Mehr: www.deutschlandfunkkultur.de.

Das Geschäft mit der neuen Lust

Was Silke Weber in ihrem Artikel „Das Geschäft mit der neuen Lust“ über die neue Sex-Ordnung schreibt, macht deutlich, wie bedeutsam die Kulturanalyse von Carl Truemann zum „neuen Selbst“ ist. 

Zitat: 

„Sexualität und Gender sind keine politischen Nebenschauplätze“, hat die britische Feministin Laurie Penny postuliert: In den vergangenen Jahren sei eine sexuelle Revolution angestoßen worden, die unser Verständnis von Sex, Macht und Widerstand neu bestimme. Und gleichzeitig stellen Frauen, Männer und LGBTQ überall die gewohnte Geschlechterbinarität infrage.

Einvernehmlichkeit, Gemeinschaft und Offenheit bilden eine neue Ordnung. Clubnächte werden zu sexpositiven Partys, bei denen Gäste, wenn sie wollen, einfach nackt tanzen können. Wenn sie Begehren verspüren, dürfen sie dieses auch ausleben. Auf einer Schaukel, einer Liege, im Darkroom. Die Großstädte werden zu Spielwiesen, in denen Shibari-Workshops angeboten werden, um die erotische Kunst des Fesselns zu erlernen.

Die Sicht auf Sexualität und der Umgang mit ihr haben sich in weiten Teilen der Gesellschaft über die vergangenen Jahre radikal verändert.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

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„Sensitivity Reader“ stürzen sich auf Miss Marple

Jetzt fallen die „Sensitivity Reader“ der Verlage, also Leute, die Texte auf Diskriminierungen prüfen, auch noch über Miss Marple her. Welche Folgen aber hat der Eingriff? 

Natürlich ist das alles hochbedenklich. Warum kann man Lesern nicht die Originaltexte zumuten, im Vertrauen darauf, dass die sich ihre eigenen Gedanken über die Beschränktheiten einer vor 47 Jahren mit 85 gestorbenen Kriminalschriftstellerin machen? Ist es nicht Verfälschung, wenn Romanfiguren, durch deren innere Monologe Wahrnehmungen puckern, die sich heute niemand mehr gestatten würde, nun auftreten, als hätten sie ein Antidiskriminierungs-Training hinter sich?

Und wo soll das noch hinführen – wird man irgendwann nicht mehr feststellen können, dass Autoren wie Agatha Christie, Roald Dahl oder Ian Fleming rassistisch, antisemitisch oder sexistisch gedacht haben, weil man es nicht mehr mit ihrem um alle Irritationen bereinigten Werk belegen kann?

Das Ansinnen grenzt an Gehirnwäsche. Wir sollten nicht überrascht sein, wenn es irgendwann auch bereinigte Ausgaben der Bibel gibt. 

Mehr: www.welt.de.

Sieben Mythen über das Single-Sein

Leider hat sich in vielen Gemeinden die Überzeugung eingenistet, dass mit Alleinstehenden, die schon über 30 Jahre alt sind, etwas nicht stimmt. Obwohl die Bibel eine hohe Sicht von Familie hat, ist es etwas komplizierter. Wir sollten mehr über das Thema reden. Anna Sophia Lang stell für E21 das  Buch Sieben Mythen über das Single-Sein vor und schreibt:

Cover sieben Mythen jpgObwohl die Zahl an Singles in Deutschland und auch unter Christen kontinuierlich ansteigt, spielen Singles in Gemeinden nach wie vor eine untergeordnete Rolle. In seinen Ausführungen hierzu spricht Allberry die Tatsache an, dass alleinstehende Pastoren nur schwer eine Stelle finden. „Sobald ich sage, dass ich alleinstehend bin und nie verheiratet war, höre ich nie wieder von ihnen“, zitiert Allberry einen befreundeten Pastor. Er merkt an, dass diesem Umstand wohl weniger gottgemäße Erwägungen zugrunde liegen als viel mehr der Verdacht, dass mit einem unverheirateten Pastor etwas nicht stimmt. Dass Single-Sein ein Hindernis für den Dienst sein soll, widerlegt der Autor anhand einschlägiger Bibelstellen, in denen Paulus etwa eheliche Treue im Falle des Verheiratet-Seins betont, ein Verheiratet-Sein an sich aber nicht für den Dienst voraussetzt. Ansonsten müssten, so Allberry, auch Pastoren ohne Kinder – oder gar solche mit weniger als zwei Kindern – vom Dienst ausgeschlossen werden.

Es tut also Not, dass sich ein Pastor traut, das missliebige Thema der Singles aufzugreifen und den Gemeinden vorzulegen. Allberry tut das nicht aus sicherer Distanz, sondern als direkt Betroffener. Auch wenn sich die heutige Gemeinde mit Singles vielleicht noch schwertut, tut Gott sich nicht schwer mit ihnen. Wenngleich Paulus mit seinem Zustand als Single durchaus gerungen haben mag, hat Gott ihn doch zu einem außerordentlichen Dienst befähigt und ihm die Kraft gegeben, denselben zum Gewinn für Menschen rund um den Erdball auszuüben.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

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Studientage „Apologetik“

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An dem Wochenende vom 12.05.–14.05.2023 veranstaltet das MBS-Studienzentrum München Studientage zur „Apologetik“, der „Verteidigungswissenschaft“ des christlichen Glaubens. Wir verbringen die Tage in einem Jugendhaus des Chiemgauer Voralpenlandes mit Selbstversorgung. Bisher waren diese Tage sehr gemeinschaftsfördernd und inspirierend. Die Kosten für das Wochenende liegen pro Person bei 100 Euro. Über die Einzelheiten werden die Teilnehmer in einem Teilnehmerbrief informiert. Mehr Informationen gibt es im Flyer: Apologetik Mai-2023-a.pdf.

Gasthörer sind übrigens herzlich eingeladen. Die Veranstaltung bietet auch eine gute Gelegenheit, das Studienzentrum in München näher kennenzulernen. Wer Interesse hat, kann sich über das Kontaktformular bei mir melden. Eine Kurzvorstellung wäre hilfreich.

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