Theologie

Zurück nach Rom

ReturntoRome.jpgIm Jahre 2004 traf ich Francis Beckwith auf der Jahrestagung der Evangelical Theological Society (ETS) in Texas. Wer konnte ahnen, dass der damals schon designierte Präsident der ETS über eine Konversion zum Katholizismus nachdachte?

In seinem neuen Buch beschreibt der Philosoph (University of Notre Dame), warum er seinen Protestantismus bereut und in den Schoß der einen wahren Kirche zurückgekehrt ist. Ich ahne, dass es neben einem anderen Sakramentsverständnis nicht zuletzt etwas mit der Profillosigkeit der Evangelikalen in ethischen Belangen zu tun hat.

Wir dürfen auf das Buch, dass in wenigen Wochen erscheint, gespannt sein.

Codex Sinaiticus im Internet

180px-Codex_sinaticus.jpgEinige Teile des Codex Sinaiticus können ab Donnerstag, den 24. Juli 2008 im Internet eingesehen werden. Bis zum Sommer 2009 sollen alle Seiten des etwa 1600 Jahre alten Codex abrufbar sein. Die Manuskriptfotos werden den vollständigen Majuskeltext sowie die über die Jahrhunderte vorgenommene Korrekturen enthalten.

Der Codex Sinaiticus ist ein ägyptisches Bibelmanuskript aus dem 4. Jahrhundert und enthält große Teile des ersten Testamentes sowie das vollständige Neue Testament. Der Codex wurde am 7. Februar 1859 von Konstantin von Tischendorf im Katharinenkloster am Berg Sinai (Ägypten) geborgen (erste Teile entdeckte er bereits 1844), als er im Auftrag des russischen Zaren Alexander II. nach alten Handschriften suchte. Die sowjetische Regierung verkaufte 1933 den Codex für 100.000 Pfund nach England.

Im textkritischen Apparat des Nestle Aland wird der Codex Sinaiticus mit einem א (Aleph) bezeichnet.

Hier die Internetseite, die allerdings erst am 24. Juli freigeschaltet wird: www.codex-sinaiticus.net.

Thomas Schreiner über »Surprised by Hope« (2)

Hier der zweite und vorerst abschließende Teil der Vorschau über:

  • N.T. Wright, Surprised by Hope: Rethinking Heaven, the Ressurection, and the Mission of the Church, Harper Collins, 2008. 352 S.

Der ersten Teil der Vorschau dieser Rezension von Thomas Schreiner kann hier abgerufen werden: theoblog.de. Der vollständige Text wird demnächst in einer einer Ausgabe der Zeitschrift Glaube und Denken heute erscheinen.

… Sicher haben manche Gläubigen zu Unrecht geglaubt, dass der Himmel nur geistlich sei, aber viele (die meisten derer, die ich kenne) stellen sich den Himmel nicht so vor. Wir könnten sagen, dass Wright seine These übertreibt, um seine Aussage zu verdeutlichen. So weit, so gut. Außerdem kritisiert er deutlich den Ausdruck »in den Himmel gehen«. Dennoch haben wir eine Anzahl an Aussagen in der Schrift, die vom Eintreten (hineingehen!) in das Reich in der Zukunft sprechen (z.B. Mt 5,10; 7,21; 18,3; 19,23-24; Mk 9,47; 10,15; Joh 3,5; Apg 14,22). Die Schrift spricht auch vom Himmel als einem Reich über dem unseren und getrennt von uns (Mt 6,1.9.10.20; 18,10; Lk 24,51; Joh 1,51; Apg 1,10; 2Kor 12,2; Kol 1,5; 1Petr 1,4). Das sagt uns nicht (nur um sicherzugehen), dass unsere zukünftige Bestimmung eine nicht-leibliche Bestimmung ist, aber es betont, dass es ein von unser jetzigen Existenz zu unterscheidender Zustand ist. Ja, Wright sagt richtig, dass der Himmel eine verwandelte Erde sein wird und der Himmel sozusagen in diese Welt kommen wird. Aber weil die Schriften ebenso davon sprechen, dass wir in das Reich hineingehen, weil sie davon reden, dass der Himmel eine Welt über und über uns hinaus ist, und weil die neue Schöpfung noch nicht da ist in ihrer Vollendung, glaube ich nicht, dass es falsch ist, davon zu reden, dass wir »dorthin gehen«, solange wir uns darüber im Klaren sind, dass es lediglich einer der Wege ist, die Realität, die uns erwartet, in Worte zu fassen. Tatsächlich verraten Wright’s Proteste gegen den Gebrauch des Satzes »in den Himmel gehen« seinerseits ein übertrieben wörtliches Verständnis. Daher, widerspricht das Lied Away in the manger entgegen der Meinung Wright’s nicht der Schrift, wenn es Gott darum bittet, »uns für den Himmel zuzubereiten, um mit Dir dort zu leben« (S. 22).

Wie schon bereits bemerkt betont Wright häufig, dass unsere Arbeit in dieser Welt wichtig ist. Christen sollten nicht denken, dass ihre Arbeit in Politik, Wirtschaft, Beruf, Kunst usw. unbedeutsam sei. Es hat eine Art des Pietismus gegeben, die solche Arbeit schwarz gemalt hat. Trotzdem ist es nicht klar, dass die Schulden der dritten Welt zu erlassen eine moralische Verpflichtung ist, die der Abschaffung der Sklaverei gleichkommt. Wright weist diejenigen, die in diesem Punkt nicht mit ihm übereinstimmen, zu selbstbewusst ab, indem er jegliche Einwände durch rhetorisch geschickte Aussagen wegwischt. Moralische Forderungen in der Öffentlichkeit müssen durch sorgfältige Begründung vorgebracht werden und Wright bietet keine Argumente an, die seine Schlussfolgerungen unterstützen. Vielleicht wird er in Zukunft das Thema im begründeten öffentlichen Diskurs anpacken, anstelle durch Forderungen von oben herab.

Wright empfiehlt Evangelisation als Teil unserer Arbeit als Gläubige, aber er betont klar das Engagement in der Politik. Sicherlich hat Wright den Schwerpunkt auf letzterem. Die Schrift lehrt, dass nur diejenigen, die an Jesus Christus glauben und Buße tun von ihren Sünden, die neue Schöpfung erleben können. Ist es daher etwa nicht die wichtigste Sache für Menschen, aufgenommen zu werden in dieser neuen Schöpfung? Gibt es nicht große Künstler und begabte Politiker, die unser Leben in dieser Welt verbessert haben (wofür wir alle dankbar sind), die aber dennoch keinen Anteil an der neuen Schöpfung haben werden, weil sie das Evangelium abgelehnt haben? Außerdem, während Wright korrekt betont, dass alles Handeln in dieser Welt von Bedeutung ist, gibt es auch Diskontinuität zwischen dieser Welt und der zukünftigen. Der Fluch von 1Mo 3 wird nicht aufgehoben werden, bis Jesus wiederkommt. Unsere Arbeit in der Welt ist vorläufig und wird immer von dem Fluch berührt. Die Erfindung des Autos löste ein Verschmutzungsproblem in den Straßen, das durch Pferde verursacht wurde, aber niemand sah voraus, dass es selbst wieder Verschmutzungsprobleme verursachen würde.

Es genügt zu sagen, dass der Evangelisationsauftrag der Christen mehr auf uns lasten bleibt als jeder Auftrag, in der Politik zu arbeiten, wenngleich unsere Arbeit in der Welt bedeutsam ist. Wright betont, dass die gute Nachricht des Evangeliums ist, dass Jesus Herr ist, jedoch ist dies, wie John Piper es herausgestellt hat, keine gute Nachricht, wenn du noch gegen Gott rebellierst; es ist dann eine schreckliche Nachricht. Das Neue Testament ist von der Botschaft durchdrungen, dass wir uns von unseren Sünden abwenden müssen und unser Vertrauen auf Christus setzen müssen. Wright widerspricht der Notwendigkeit, so zu handeln, nicht, aber er scheint mehr besorgt zu sein über unsere Arbeit im politischen und sozialen Bereich.

Ich könnte es vielleicht verstehen, warum Wright soziale Anliegen betont, wenn Englands Kirchen voll wären und blühen würden, wenn fast jeder schon gläubig wäre. Aber es ist seltsam, dass Englands Kirchen leer sind und Unglaube üblich ist. Es scheint so, dass ein Bischof in diesen Umständen die Gemeinde nachdrücklich dazu auffordern würde, zu evangelisieren und die Notwendigkeit des Glaubens an Jesus und der Umkehr von den eigenen Sünden zu betonen. Diese Dringlichkeit sehe ich in Wright’s Buch nicht, und daher weicht er von der Botschaft Jesu und der Apostel ab …

Männer sind anders als Frauen

gehirnEs muss heute ab und an gesagt werden: Männer unterscheiden sich von Frauen.

Karin Amunts, Professorin für Medizin an der Technischen Hochschule in Aachen, weist in einem Interview mit Ralf Müller-Schmid für das Deutschlandradio auf die Bedeutung des unterschiedlichen Aufbaus von Frauen- und Männerhirnen hin: www.dradio.de.

Dass Männer und Frauen verschieden sind, lässt sich auch mit Hilfe der biologischen Psychologie und Neurobiologie belegen. Bei der Analyse des menschlichen Gehirns offenbaren sich aufschlussreiche Unterschiede: www.dradio.de.

Das Journal »Themelios« ist wieder da!

Themelios_33.1.jpgDas Journal Themelios wurde von der UCCF in Großbritannien an die The Gospel Coalition überführt. In Zukunft wird die beliebte theologische Zeitschrift nur noch in einer digitalen Version erscheinen. Als verantwortlicher Redakteur konnte der Neutestamentler D.A. Carson gewonnen werden.

Die Ausgabe 33.1 liegt inzwischen vor und kann als ePaper oder PDF-Datei (5,8 MByte) herunter geladen werden: www.thegospelcoalition.org.

Diese aktuelle Ausgabe von Themelios enthält neben zahlreichen Buchbesprechungen unter anderem folgende Beiträge:

  • Carl Trueman: »Minority Report: Why Should Thoughtful Evangelicals Read the Medieval Mystics?«, S. 2–4;
  • Paul Hartog: »Blondel Remembered: His Philosophical Analysis of the ›Quest for the Historical Jesus‹, S. 5–15;
  • Kirk R. MacGregor: »Nonviolence in the Ancient Church and Christian Obedience«, S. 16–28;
  • Dane C. Ortlund: »Truthfulness in Usefulness: Stanley Fish and American Literary Pragmatism«, S. 29–38;
  • Peter Sanlon: »An Augustinian Mindset«, S. 39–45;
  • Keith Ferdinando: »Mission: A Problem of Definition«, S. 46–59.

Nebenbemerkung: Besonders gefällt mir der Artikel von Peter Sanlon über Augustins‘ De doctrina Christiana (»An Augustinian Mindset«). Das Werk des Kirchenvaters wird unterschätzt, obwohl es unter Experten eine hohe Aufmerksamkeitsbindung erziehlt hat. Ich kann die Lektüre sehr empfehlen. Eine hervorragende deutsche Übersetzung hat die Altphilologin Karla Pollmann besorgt (Augustinus, Die christliche Bildung, Stuttgart: Reclam, 2002, leider vergriffen). Ich habe vor vielen Jahren ein Bibelstellenregister zum Buch erarbeitet, dass hier herunter geladen werden kann: www.bucer.eu.

Robert Bradshaw hat freundlicherweise viele ältere Artikel des Journals digitalisiert: www.biblicalstudies.org.uk. Es ist erfreulich, dass Themelios weiterexistiert und Studenten und Theologen mit einer guten »Grundlage« versorgt!

»Gender Management« für Kinder?

Es gibt Menschen, die sich in ihrem Geschlecht dauerhaft oder zeitweise nicht zu Hause fühlen. Die Möglichkeiten, diesem Unbehagens abzuhelfen, reichen vom einfachen Kleiderwechsel bis zum komplizierten chirurgischen Eingriff. Norman Spack würde die Geschlechtsumwandlung gern auch für Kinder in Betracht ziehen. Lorenz Jäger meint, dies entspräche einer unwiderruflichen Sexualisierung von Kindern vor der Pubertät.

Hier die ganze Geschichte: www.faz.net.

Achte auf Deine Worte!

Der reformierte Theologe Sinclair Ferguson (Schottland) spricht in einem kurzen Interview über die Bedeutung des Herrenwortes (Matt 12,36):

Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.

Hier das Video: www.youtube.com.

Neues Interesse an der Apologetik

Nach Informationen des Journals Christianity Today erwacht in Nordamerika ein neues Interesse an der christlichen Apologetik. Überraschend viele junge Christen seien für eine gedanklichen Durchdringung und Verteidigung des Glaubens aufgeschlossen. Zu dem Artikel geht es hier: www.christianitytoday.com.

Angestoßen wurde diese Offenheit möglicherweise durch den neuen aggressiven Atheismus, zu dem Alexander Kissler und Daniel von Wachter während einer Pressekonferenz am 1. Juli in der Münchner Paul-Gerhard-Kirche Stellung nahmen. Wie idea schreibt, bedauert der Theologe und Philosoph von Wachter:

… dass Kirchen und Gemeinden das Denken und Forschen in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt hätten. Das habe die Christenheit gegenüber dem Atheismus geschwächt. Es brauche heute christliche Schulen, Universitäten und Denkfabriken. Auch in den Kirchen fehle inzwischen die Fähigkeit, ein gutes Argument von einem schlechten zu unterscheiden.

Hier geht es zu dem idea-Beitrag: www.idea.de.

Was aber ist eigentlich Apologetik? Eine kurze Einführung in die christliche Apologetik gibt es hier: Apologetik_Afet.pdf.

Mark A. Seifried antwortet N.T. Wright

Der Neutestamentler Mark A. Seifrid untersucht in einem neuen Aufsatz wiederholt das Werk von N.T. Wright und erörtert dabei u. a. die problematische Rechtfertigungslehre des Bischofs. Der Aufsatz über die Paulusperspektive von Wright:

  • »The Narrative of Scripture and Justification by Faith: A Fresh Response to N.T. Wright«, Concordia Theological Journal 72:1 (January 2008): 19–44.

kann hier herunter geladen werden: www.ctsfw.edu.

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