Wissenschaftstheorie

Oxford: Weniger Christentum im Theologiestudium

Die berühmte Universität Oxford tilgt beim Theologiestudium nach dem ersten Jahr das Christentum als Pflichtfach. Wie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 6. April meldet (Nr. 80, S. 12), begründet der Vorsitzende der Fakultät die Lehrplanänderungen gegenüber der Fachzeitschrift Times Higher Education mit dem „dramatischen Wandel“ in der Art und Weise, „in der Religion in Britannien ausgeübt und wahrgenommen werde“.

Denn:

Die Vorherrschaft der Kirche von England gehe zwar zurück, aber die Religion sei nicht verschwunden. Statt das Christentum zu studieren, könnten sich Studenten künftig mit „Buddhismus in Raum und Zeit“ oder mit „feministischen Ansätzen an Religion und Theologie“ befassen. Die Neuerungen spiegelten die Fachkenntnisse der Lehrer sowie das Interesse und die Erfahrungen der Studenten genauer.

Na denn.

Ist Theologie eine Wissenschaft?

Die Theologie hob seit dem 13. Jh. ihren Wissenschaftscharakter heraus, also seit der Zeit, in der die ersten Universitäten entstanden. In gewisser Weise genoss die Theologie innerhalb der Wissenschaft immer eine Sonderstellung, die sich allerdings im Verlauf der Geschichte umgekehrt hat. In der Scholastik und der frühen Neuzeit galt die Theologie als die führende und höchste Wissenschaft, als „Herrin“ und „Mutter“ aller anderen Wissenschaften, die ihrerseits zu „Mägden“ degradiert wurden. Das heißt: alle Künste und Wissenschaften mussten sich vor der Theologie (o. Kirche) rechtfertigen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war die Theologie dementsprechend geachtet. Mit der Aufklärung emanzipierten sich die anderen Wissenschaften jedoch von der Theologie und traten ihr gegenüber zunehmend selbstbewusst bis abfällig auf. Durchgesetzt hat sich ein Wissenschaftsverständnis, das ohne Gott auskommt. Da in den Wissenschaften so gearbeitet wird, als gäbe es keinen Gott, ist die „Hypothese Gott“ überflüssig geworden (Laplace).

Heute muss sich die Theologie gegenüber anderen Wissenschaften rechtfertigen. Wenn zum Beispiel die EKD die immerhin noch vom Staat finanzierten theologischen Fakultäten verteidigt, dann tut sie das, indem sie den Nutzen für die Gesellschaft herausstellt. Theologie als Wissenschaft korrigiere den ökonomischen Totalitarismus, leiste einen Beitrag zur Orientierungskraft von Religion und Weltanschauung, fördere die Toleranz; kurz: sie „ist für die Gesellschaft unentbehrlich“.

Das sehen ganz viele Leute anders. Sie stellen die Frage: Warum soll Theologie mehr sein als eine private Tröstung? Es gibt sehr unterschiedliche Strategien, um die bedrohte Wissenschaftlichkeit der Theologie zu rehabilitieren. Wir können uns nicht mit allen beschäftigen. Ich will nur versuchen, drei Strategien kurz zu skizzieren.

1  Der theonomistische Ansatz

Einmal gibt es Theologen oder Wissenschaftstheoretiker, die davon ausgehen, dass Gott die Voraussetzung für wissenschaftliches Arbeiten überhaupt ist. Wissenschaft kann es nur geben, weil Gott existiert und seiner Schöpfung eine rationale Struktur gegeben hat. Die Strömung, die auf den Apologeten Cornelius Van Til (1895–1987) vom Theologischen Seminar Westminster (USA, Philadelphia) zurückgeht, tritt mit dieser Denkvoraussetzung an. Zu ihren Vertretern gehören John Frame, Greg Bahnsen oder auch Vern Poythress. Poythress, der vor der Theologie Mathematik studiert und inzwischen sogar eine Logik verfasst hat, packt diesen Ansatz in den ersten Satz seiner Wissenschaftstheorie: „Alle Wissenschaftler, einschließlich der Agnostiker und Atheisten, glauben an Gott. Sie müssen das tun, um überhaupt ihre Arbeit tun zu können.“

John Frame hat ein Grundlagenwerk zur Erkenntnistheorie geschrieben, welches genau von dieser Denkvoraussetzung ausgeht. Er versucht in seinem Buch The Doctrine of the Knowledge of God eine christliche Erkenntnistheorie zu entwickeln, die sich einerseits durch ihren Bezug zu Heiligen Schrift auszeichnet und andererseits den nachmodernen Perspektivialismus würdigt (ja sogar biblisch begründet). Frame entwickelt ein durch und durch positives Verhältnis zur Wissenschaft, betrachtet ihre Disziplinen aber im Blick auf die Theologie eher als Hilfswissenschaften.

Er schreibt:

„Hier will ich allgemein zeigen, dass jede Wissenschaft so wie Linguistik, Logik und Geschichte uns dabei helfen kann, die Schrift zu interpretieren und anzuwenden. Es stimmt, dass viele Wissenschaften, vielleicht alle, heute von ungläubigen Denkvoraussetzungen dominiert werden und wir einen großen Aufwand betreiben müssen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber wenn wir unzweideutig auf dem biblischen Fundament arbeiten, können wir viel von der Wissenschaft lernen.“

Frame entwickelt im Folgenden einige Prinzipien zum Verhältnis von Theologie und Wissenschaft, die zeigen, dass er durchaus den Wissenschaften eigene Kompetenz zugesteht, aber alles in allem die Wissenschaften aus der Sicht der Schrift beleuchtet und beurteilt werden müssen. Er geht dabei davon aus, dass die Schrift sich bewährt, dass also das, was sie zu den Dingen sagt, die die Wissenschaft betreffen, autoritatives Wort Gottes ist.

Der theonomistische Ansatz zeichnet sich durch seinen Bibelbezug aus und hilft durchaus einem Christen beim Durchdenken seines Glaubens und auch dabei, den Glauben zur Welt der Wissenschaft in einen Bezug zu setzen. Seine Stärke liegt aber mehr in der Binnenkraft als in der Außenwirkung. Selten gelingt der Dialog mit den Wissenschaften, die unter den Bedingungen heutiger Wissenschaftstheorie arbeiten.

2 Der kritische Ansatz

Der kritische Ansatz zeigt dort, wo die Schwächen des theonomistischen Ansatzes liegen, seine Stärken. Theologen, die sich einem kritischen Ansatz verpflichtet fühlen, wollen die Theologie den aggressiven kritischen Rückfragen aus dem Raum der Wissenschaftstheorie bewusst aussetzen und Theologie unter den Bedingungen jeweils akzeptierter Wissenschaft treiben. Sie suchen also gezielt den Dialog mit der Wissenschaft. Dabei gehen sie davon aus, dass der christliche Glaube wirklichkeitsbezogen ist und sich auch vor dem Forum radikaler Anfragen bewähren kann.

Erkennbar sind die Ansätze dadurch, dass sie Theologie gegenüber einer jeweils prominenten Wissenschaftssicht verteidigen und daher die argumentativen Strukturen dieser „Paradigmen“ übernehmen.

Ein herausragendes Beispiel ist sicher Wolfhart Pannenberg (1928–2014), der das Problem erkannt hat und von der Theologie erwartet, dass sie sich so bewähren muss, wie andere Wissenschaften, „wenn auch zur theoretischen ‚Verifikation‘ der christlichen Lehre ihre affektive und praktische Bewährung hinzutreten muß“.

Ein anderer Theoretiker, der diese Herausforderung anzunehmen versucht, ist Richard Swinburne (geb. 1934), der von der analytischen Philosophie herkommend zeigt, dass der christliche Glaube plausibel ist. Swinburne nimmt die probabilistische Argumentation auf. Es ist wahrscheinlicher, dass es Gott gibt, als das es ihn nicht gibt. Er sagt über sein Buch zur Existenz Gottes:

„Die Schlußfolgerung dieses Buches ist, daß die Existenz, die Ordnung und die Feinabstimmung der Welt; die Existenz von bewußten Menschen in der Welt mit Möglichkeiten, sich selbst, einander und die Welt zu formen; eine Reihe historischer Indizien von Wundern im Zusammenhang mit menschlichen Nöten und Gebeten, besonders im Zusammenhang mit der Gründung des Christentums, weiter gestützt durch Erfahrungen seiner Gegenwart von Millionen von Menschen; daß all dies es erheblich wahrscheinlicher macht, daß es einen Gott gibt, als daß es keinen gibt.“

Im evangelikalen Raum hat sich in Deutschland vor allem Heinzpeter Hempelmann angestrengt, den Wirklichkeitsbezug des christlichen Glaubens hervorzuheben und zu zeigen, dass er sich nicht gegenüber Kritik immunisieren darf. Hempelmann setzt sich besonders mit den Vorwürfen des Kritischen Rationalismus auseinander, der insbesondere in der Person von Hans Albert dem Christentum unterstellt, es entziehe sich der kritischen Prüfung und die ganze Theologie sei damit unwissenschaftlich. Er kommt am Schluss seiner beachtlichen Dissertation zu dem Ergebnis:

„Der christliche Glaube lebt unter dem permanenten Gebot, sich einem offenen Dialog der Falsifizierbarkeit zu stellen. Nur so erreicht und demonstriert er seinen Wirklichkeitsbezug; nur so gewinnt er in der Bewährung die Glaubwürdigkeit, an der ihm im Interesse der von ihm vertretenen Botschaft doch sehr gelegen ein muß.“

Von katholischer Seite hat Helmut Peukert in der Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie (Jürgen Habermas) einen wissenschaftstheoretischen Ansatz, vorgelegt, der noch heute, vielleicht auch mangels Alternativen, große Wertschätzung genießt. Für Peukert ist Theologie „eine Theorie kommunikativen Handelns und der in diesem Handeln erschlossenen Wirklichkeit“.

Die Stärke des kritischen Ansatzes liegt in seiner Dialogfähigkeit. Theologie setzt sich der radikalen Kritik mit offenem Visier aus. Die Schwäche ist, dass durch die „Anpassungsleistungen“ meist Überzeugungen fallengelassen werden, die im Rahmen des Dialogparadigmas nicht „überlebensfähig“ sind. Sehr schön ist das beispielsweise bei Rudolf Bultmann zu sehen, der sich den Herausforderungen der Moderne mit bewundernswerter Konsequenz stellt, letztlich aber Glaubensinhalte geopfert hat, ohne die biblischer Glaube nicht auskommt (z. B. Auferstehung).

3 Der dialektische Ansatz

Einen vollkommen anderen Weg hat die sogenannte dialektische oder neo-orthodoxe Theologie um Karl Barth (1886–1968) eingeschlagen. Für Barth ist es eine Form des Götzendienstes, wenn Theologie sich einem heidnischen allgemeinen Wissenschaftsbegriff beugt. Wissenschaft muss für Barth zwar im Sinne der Sachgemäßheit wissenschaftlich sein. Gegenstand der Theologie ist aber Gott in seiner Offenbarung, also das Wort Gottes. Sachgemäßheit von Theologie entscheidet sich deshalb an der Frage, ob sie dem Wort Gottes entspricht oder nicht.

Barth warnt die Theologen davor, sich dem Druck wissenschaftlicher Forderungen zu stellen. Theologie muss sich nicht vor den heidnischen Künsten bewähren, sondern vor Gott. Es gibt – hier wird die Prägung durch Sören Kierkegaard erkennbar – keinen Übergang vom Wissen zum Glauben. Barth: „Direkt übernommen haben Philosophie, Geschichtswissenschaft, Psychologie usw. … faktisch noch nie etwas anderem als der Vermehrung der Selbstentfremdung der Kirche, der Entartung und Verwüstung ihrer Rede von Gott gedient.“

Das heißt für die Theologie:

„Keinesfalls folgt aus der Tatsache, daß sie als solche gilt und auch wohl zu gelten beansprucht, die Verpflichtung, sich mit Rücksicht auf das, was sonst ‚Wissenschaft‘ heißt, in ihrer eigenen Aufgabe stören und beeinträchtigen zu lassen. Der Ausrichtung auf diese ihre eigene Aufgabe hat sie vielmehr schlechterdings jede Rücksicht auf das, was sonst ‚Wissenschaft‘ heißt, unterzuordnen und nötigenfalls zu opfern. Die Existenz der anderen Wissenschaften, die höchst achtunggebietende Treue, mit der wenigstens manche von ihnen ihren Axiomen und Methoden nachgehen, kann und muß sie daran erinnern, daß auch sie ihrer eigenen Aufgabe ordentlich, d. h. mit entsprechender Treue nachgehen soll. Sie kann sich aber nicht von jenen darüber belehren lassen, was das in ihrem Fall konkret zu bedeuten hat. Sie hat methodisch nichts bei ihnen zu lernen. Sie hat sich nicht vor ihnen zu rechtfertigen, vor allem nicht dadurch, daß sie sich den Anforderungen eines zufällig oder nicht zufällig allgemein gültigen Wissenschaftsbegriffs unterzieht.“

Die Stärke dieses Ansatzes liegt sicher darin, dass Theologie ihren Gottesbezug wichtiger nimmt als alles andere. Theologie richtet sich nach ihrem Gegenstand, also an Gott und seiner Offenbarung, aus.

Aber es gibt eine entscheidende Schwäche. Nichts, was in der Welt passiert, kann den Glauben gefährden. Glaube hat sich gegenüber der Kritik immunisiert und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, damit unwissenschaftlich zu sein.

Von allen drei Ansätzen oder Strategien können wir lernen. Denn ich glaube, (a) dass jeder Mensch um Gott weiß, dieses Wissen aber unterdrückt (theonomistischer Ansatz); dass (b) der Gottesglaube sich in der Wirklichkeit bewähren und deshalb auch gegenüber den Wissenschaften sprach- und argumentationsfähig sein muss (kritischer Ansatz); und schließlich (c) Theologie zuallererst von der Bezogenheit auf Gott und dem Gehorsam gegenüber Gottes Offenbarung bestimmt sein soll (offenbarungstheologischer Ansatz).

[asa]3788728442[/asa]

Barth: Die Verwüstung der Rede von Gott

Karl Barth schreibt in seiner Einleitung zur Kirchlichen Dogmatik (Studienausgabe, Bd. 1, 1986, S. 4):

„Direkt übernommen haben Philosophie, Geschichtswissenschaft, Psychologie usw. in jedem der drei theologischen Problemgebiete faktisch noch nie etwas anderem als der Vermehrung der Selbstentfremdung der Kirche, der Entartung und Verwüstung ihrer Rede von Gott gedient.“

Steven Pinker: „Desaster des Postmodernismus“

Der Harvard-Professor Steven Pinker hat sich in dem Aufsatz „Science Is Not Your Enemy“ seinen Frust von der Seele geschrieben. Wie Telepolis meldet, plädiert er dafür, „dass sich Geisteswissenschaften vom ‚Desaster des Postmodernismus, mit seinem trotzigen Obskurantismus, seinem dogmatischen Relativismus und seiner erstickenden politischen Korrektheit‘ abwenden und der Naturwissenschaft zuwenden sollten, deren neue Erkenntnisse seiner Ansicht nach das Potenzial haben, andere Disziplinen zu befruchten.“

Weiter heißt es:

Dabei hätten die Geisteswissenschaften Pinker zufolge ein paar neue Ideen vonseiten der Naturwissenschaften bitter nötig: In den USA gehen die Studentenzahlen nämlich vielerorts zurück und die Absolventen solcher Fächer müssen sich zunehmend in schlecht bezahlten Jobs verdingen oder finden gar keine Arbeit. Neben antiintellektuellen Tendenzen in der US-Kultur und einer zunehmenden Kommerzialisierung der Universitäten sieht der Experimentalpsychologe die Ursache dafür auch bei den Fächern selbst: Sie hätten sich zu lange im postmodernen Dogmatismus ausgeruht und nichts wirklich Neues auf die Beine gestellt. Angeblich beklagen sich Hochschulleiter zunehmend, dass Geisteswissenschaftler immer nur Besitzstände wahren wollten, wenn sie mit etwas ankommen, während Naturwissenschaftler stets aufregende neue Projekte vorzuweisen hätten, wenn sie um Mittel ersuchen.

Nun ist der von Pinker verteidigte Szientismus sicher keine Antwort auf die Fragen der Zeit. Seine Analyse trifft den Nagel allerdings auf den Kopf und es mehren sich die Zeichen dafür, dass an den Universitäten der Widerstand gegenüber dem geistlosen postmodernen Dogmatismus wächst. Ich kann es den Studenten nur wünschen.

Esoterik hat Gesellschaft durchdrungen

Die EZW aus Berlin hat im August-Newsletter darüber informiert, dass die Esoterik an der sozialwissenschaftlichen Universität Wien (Österreich) eingezogen ist. Betroffen ist besonders das Institut für Kultur- und Sozialanthropologie. Die EZW schreibt:

Mit einem kritischen Artikel über das ethnologische Institut der Universität Wien hat die Ethnologin Krista Federspiel eine Debatte über Esoterik an der Universität ausgelöst. Sie bemängelte die unkritische Akzeptanz esoterischen Denkens im akademischen Kontext und zitierte dazu aus Diplomarbeiten und Dissertationen, in denen unwidersprochen „reifes Wasser“, „übernatürliche Wahrnehmung durch Yoga“, Astrologie, schamanistische Geisterbegegnungen u.ä. methodisch als Realitäten angenommen wurden, statt als Glaubenssysteme beobachtet und kritisch reflektiert zu werden. Eine Lektorin des Instituts habe in ihrer Dissertation von Verwandlungen von Quecksilber in Gold berichtet und eine Wissenschaft propagiert, in der die „Forscherin, das Erforschte und der Akt des Forschens verschmelzen“. Federspiel konstatierte: „So ist gleichsam ein ‚Wiener Hogwarts‘ entstanden.“ Als Türöffner für die beschriebenen Entwicklungen identifizierte die Autorin den kürzlich verstorbene Professor Manfred Kremser. Seit 1997 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie und Grenzgebiete der Wissenschaft, war er 2001 als Professor an das ethnologische Institut berufen worden. Dort verhalf er der Parapsychologie zu „Akzeptanz und zu Reputation in akademischen Kreisen“, wie ein Nachruf lobend resümierte.

Dr. Funkschmidt erklärt für die EZW diese Entwicklung wie folgt: „Die Debatte offenbart, wie das gesellschaftliche Vordringen der Esoterik dazu geführt hat, das esoterische Überzeugungen auch bei Universitätslehrern hoffähig werden. Es fehlt hier eine kritische Reflexion der eigenen Methodik, wie sie die Theologie kennt – kein Kirchenhistoriker oder Exeget könnte etwa bei schlechter Quellenlage plötzlich den Heiligen Geist als Lückenbüßer und handelnde Person einführen.“

Der Beitrag „Mit Geisterforschung zum Doktortitel: Esoterik an der Wiener Universität“ von Krista Federspiel ist hier zu finden: derstandard.at.

VD: ET

Ein Gespräch mit David Berlinski

David Berlinski promovierte in Philosophie an der Princeton University. Er lehrte Philosophie, Mathematik und Englisch u.a. an der Stanford University, der Rutgers University, der City University of New York und der Sorbonne (für mehr Details siehe hier). Er arbeitet vor allem über Systemanalyse, Differentialtopologie, Theoretische Biologie, analytische Philosophie und Philosophie der Mathematik. Gemeinsam mit seinem Freund Marcel Schützenberger entwickelt Berlinski gegenwärtig eine mathematischen Kritik des Darwinismus. Sehr bekannt ist sein Buch The Devil’s Delusion: Atheism and Its Scientific Pretensions.

David Berlinski ist im Blick auf die Gottesfrage Agnostiker. Er besticht mit seiner Ehrlichkeit und mit dem Mut, über Dinge anders zu sprechen, als es gewöhnlich geschieht. Hier ein spannendes Gespräch über Wissenschaft, Evolution und den Neues Atheismus:

VD: JT

Neues Handbuch der psychischen Erkrankungen

DSMAllen Frances gilt weltweit als einflussreicher Psychiater. Der Name des inzwischen emeritierten US-amerikanischen Professors ist eng verwoben mit der „Bibel der Psychiatrie“, dem Diagnostischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM). Es enthält alle wissenschaftlich anerkannten psychischen Erkrankungen.

Bei der Klassifizierung geht es auch um Macht und Geld. Frances, der selbst an der dritten Version als Autor mitwirkte und bei der vierten sogar den Vorsitz innehatte, warnt in seinem neuen Buch Normal: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen vor der im Mai erscheinenden fünften Version des DSM. Das Gespräch mit DER WELT gibt Einblicke in die Konstruktion von Krankheit, an der vor allem die Pharmaindustrie ihre Freude hat.

Frances:

Vorher gab es keine so scharfen und eindeutigen Kriterien für eine Diagnose. Als das DSM herauskam, wurde es ein Bestseller – niemand von uns hatte das erwartet. Wir dachten das Buch würde Ärzten und Psychologen nutzen, und die Mission war, der Psychiatrie Stabilität, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit zu geben – darin war es dann gewissermaßen zu gut. Aus einem temporären Leitfaden ist inzwischen eine Bibel geworden, mit gesellschaftlich viel zu hohem Wert. Es wird überall verwendet: im Gerichtssaal, in der Schule, in der Regierung. Es ist zu machtvoll geworden.

Hier das Gespräch: hd.welt.de.

rtemagicc-einkaufenkl-06.gif

 

 

„Empörungsjournalismus“ gegen christliche Schulen

Vor einigen Tagen hat DIE WELT dem Verband evangelischer Bekenntnisschulen vorgeworfen, in den zugehörigen Schulen den Kreationismus als verbindlich erklärt zu haben. Schüler würden – so sagte Reinhold Leinfelder der Zeitung –,  „in grotesker Weise falsch über das Wesen der Wissenschaft unterrichtet“.

Wolfgang Stock meint dagegen: Die Diskussion um Kreationismus an Evangelischen Bekenntnisschulen wird von den Medien künstlich aufgebläht. Hier sein empfehlenswerter Kommentar:

Es ist natürlich alles Zufall: Hansjörg Hemminger von der „Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg schreibt einen tendenziösen Artikel gegen ein Diskussionspapier des Dachverbands der Evangelischen Bekenntnisschulen. Sein Artikel wird unmittelbar danach im atheistischen Internetportal „diesseits“ groß aufgegriffen. Kurz darauf greift Matthias Kamann, Redakteur der „Welt“, das Thema auf, findet ein Kultusministerium, dass „es“ schlimm findet, erwähnt aber immerhin, dass ein anderes Kultusministerium seine Aufregung nicht teilen kann.

Dass Hemminger den Ursprungstext ebenso wie dann, „diesseits“ und Kamann „einseitig und auch nachweislich falsch dargestellt und interpretiert“ haben, wie Michael Diener, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz kritisiert, interessiert in diesem Empörungsjournalismus nicht.

Schnell ist der angebliche Skandal in den Agenturen und in den öffentlich-rechtlichen Medien. Dass es in den zum VEBS gehörigen Schulen keinerlei Festlegung auf den Kreationismus gibt, wird unterschlagen. Und zudem wird ausgeblendet, bewusst oder unbewusst, dass Bekenntnisschulen durch das geltende Recht dazu aufgefordert sind, ihr eigenes christliches Bekenntnis zu schärfen.

Hier: www.pro-medienmagazin.de.

Wenn Daten den Verstand verhexen

Algorithmen sind mittlerweile in digitalen Diensten allgegenwärtig und bestimmen das Angebot. Sie können einiges, aber man erahnt die Grenzen. Es ist falsch, alle Analysen und Entscheidungen Rechnern und Statistiken zu überlassen. „Manche behaupten auch, die computergestützte Analyse von Mustern werde in der Medizin, in den Sozialwissenschaften wie auch in der Physik schon bald an die Stelle traditioneller Methoden der Entdeckung der Wahrheit treten.“ Emanuel Derman plädiert für eine Welterkenntnis, die sich nicht auf Datensammlungen verlässt:

Es gibt noch eine letzte Form des Verstehens: die statistische Analyse, die hinter Big Data steckt. Die Statistik versucht, in Daten aus der Vergangenheit Trends und Korrelationen aufzuspüren, und unterstellt, dass diese Trends und Korrelationen auch in Zukunft weiterbestünden. Aber nach einem berühmten, niemand zugeschriebenen Satz bedeutet Korrelation nicht Verursachung.

Big Data ist nützlich, aber kein Ersatz für die klassischen Wege der Welterkenntnis. Daten haben keine Stimme. Es gibt keine „Rohdaten“. Die Entscheidung, welche Daten man sammelt, bedarf bereits der Einsicht. Wer das sinnvoll tun will, braucht die klassischen Methoden: Man braucht weiterhin Modelle, Theorien oder Intuition, um Ursachen ausfindig zu machen.

Wittgenstein hat einmal geschrieben: „Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“ Ich verstehe das so: Die Sprache vermag unsere natürliche Intuition zu täuschen, und wir brauchen die Philosophie, um diese Intuition zurückzugewinnen. Ganz ähnlich möchte ich behaupten: Die Wissenschaft ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch Daten.

Mehr: www.faz.net.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner