Wissenschaftstheorie

Wissenschaft und Theologie

Cees Dekker flyer.jpgDas Schweizer L’Abri in Huemoz lädt für den 13. Januar 2010 zu einer kleinen Konferenz über »Wissenschaft und Theologie« ein. Hauptredner ist Cees Cekker, ein niederländischer Nanowissenschaftler. Er gilt als »Pionier der molekularen Elektronik« und als »europäisches Aushängeschild der Nanoforschung«. Er ist seit 2000 Professor für Molecular Biophysics an der Delft University of Technology und wurde 2006 mit dem Ehrentitel Distinguished University Professor ausgezeichnet. Von seinen zahlreichen Publikationen wurden mehr als zwanzig in den Zeitschriften »Nature« und »Science« veröffentlicht.

Die Vorträge werden in englischer Sprache gehalten.

Ein Flyer mit Informationen zur Anmeldung kann hier herunter geladen werden: CeesDekkerflyer.pdf.

Geschäft mit dem fehlenden Glied

Charles Darwins Hauptwerk über den Ursprung der Arten erschien im Jahr 1859. Seither treibt die Suche nach dem Missing Link, dem Zwischenwesen von Affe und Mensch, in Wissenschaft und Alltagskultur Blüten.

Neue und für viele äußerst zweifelhafte Maßstäbe in der Vermarktung der eigenen Forschung setzte ein Team um den norwegischen Paläontologen Jørn Hurum. Flankiert von einer beispiellosen Medienoffensive, publizierten sie im Mai »Ida«, so der Spitzname eines quasi vollständig erhaltenen 47 Millionen Jahre alten Primatenfossils aus der hessischen Grube Messel. Eine Pressekonferenz in New York, eine aufwendige Webseite, vorab geschriebene populärwissenschaftliche Bücher und ein bereits vor der Publikation gedrehter Dokumentarfilm des History Channel sollten dem gerade mal 50 Zentimeter großen Äffchen einen maximalen medialen »Impact« bescheren. Man habe das Bindeglied gefunden, das Wort »Missing« könne man in Zukunft getrost weglassen, sagte Wissenschaftler Jørn Hurum. Mit der Anpreisung eines »achten Weltwunders« sollte wohl auch übertüncht werden, dass Ida aufgrund seines hohen Alters de facto überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was man gemeinhin mit dem Missing Link assoziiert: die Abspaltung der Linie der afrikanischen Menschenaffen von jener des Menschen vor vermutlich sechs bis sieben Millionen Jahren. Ida, mit dem wissenschaftlichen Namen Darwinius masillae, steht an der eher prosaisch anmutenden Abzweigung von Trocken- und Feuchtnasenaffen.

Hier der Artikel von Oliver Hochadel: www.merkur.de.

Wissenschaft: Reine Glaubenssache

Hans-Joachim Neubauer hat ein allgemeinverständliches und antipositivistisches Essay über die Wissenschaftstheorie der neuen Priester geschrieben:

Karl Popper glaubte noch, dass die Wissenschaft Hypothesen entwickeln sollte, um sie durch Forschungen zu widerlegen. In der medial zugerichteten Expertenwissenskultur dieser Tage fände er damit wohl kaum Gehör. »Unter dem Etikett der Wahrheit lässt sich jede These besser verkaufen«, sagt Luca Giuliani, der Direktor des Berliner Wissenschaftskollegs: »Es ist schwer, einen Zweifel so zu vermitteln, dass es spannend wird. Die Wahrheit ist immer ein strahlendes Angebot.« Gebannt hängen die Bürger der Bildungsrepublik an den vor Wahrheit strahlenden Lippen der Experten.

Hier mehr: www.merkur.de.

Das Ende von Schuld und Sühne?

Kann man Schläger oder Mörder für ihre brutalen Taten verantwortlich machen? Noch setzt die Rechtsprechung voraus, dass Kriminelle (mehr oder weniger) für ihre Taten verantwortlich sind. Hirnforscher Gerhard Roth zweifelt am Sinn des Schuldprinzips und fordert ein neues Strafrecht. Markus Schulte von Drach schreibt dazu in der Süddeutschen Zeitung:

»Aus psychologischer Sicht kann man uns eine Handlung nur dann als unser Handeln zuschreiben, wenn es von unseren Motiven bestimmt wird«, so Roth. In der Strafrechtstheorie werde aber das genaue Gegenteil als Grundlage für Willensfreiheit angesehen: die Fähigkeit, sich von der Bedingtheit durch Motive zu befreien.
Unterstellt wird seit Kants Vorstellung eines inneren Sittengesetzes, dass grundsätzlich alle Menschen motiviert sein müssten, moralisch-rechtstreu zu handeln oder Strafe zu vermeiden. Allerdings hatte Kant die Frage nach Sittlichkeit, Schuld und Gewissen in die Metaphysik verlagert.
»Unser Rechtsgewissen ist aber das Produkt unserer Erziehung oder Lebenserfahrung und unterliegt wie alle Motive der Persönlichkeitsentwicklung«, sagt Roth. »Ich kann mich nicht außerhalb meiner Persönlichkeit und ihrer Geschichte stellen.«
Ähnlich sehen es auch Wissenschaftler wie der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer und der Leipziger Kognitionswissenschaftler Wolfgang Prinz, aber auch bekannte Philosophen wie der Amerikaner Daniel Dennett oder sogar Arthur Schopenhauer.
Es wäre demnach an der Zeit, sich von Begriffen wie Schuld und Sühne zu lösen und sich von der Vorstellung von Gut und Böse an sich zu verabschieden, wie es unter anderen der Philosoph Michael Schmidt-Salomon energisch fordert.

Nach der Lektüre des umfänglichen SZ-Artikels »Solln und Sühne« empfehle ich besonders die Abhandlung des Philosophen Daniel von Wachter: »Hat die Wissenschaft festgestellt, dass der Mensch nicht frei ist« sowie meinen Beitrag »Die Entwertung des Menschlichen«.

Der »Sitz Gottes« im Gehirn

Georg Rüschemeyer grübelt für die FAZ über die Popularität der bunten Hirnbilder:

Der Versuch, die menschliche Psyche und so komplexe Phänomene wie Angst, Trauer, Liebe oder Frömmigkeit mit beobachteten Aktivierungsmustern im Gehirn gleichzusetzen, wird häufig unternommen. Das Gros der rund 20.000 in Fachzeitschriften publizierten Studien, die seit 1992 mit Hilfe der fMRI-Technik die neuronalen Grundlagen von Wahrnehmung und Denken ergründen wollten, versucht es. Während in frühen Experimenten noch einfache Zusammenhänge erforscht wurden, wie etwa die Aktivierung des visuellen Kortex durch blinkende Lichter, ging es ab Ende der neunziger Jahre mehr und mehr um den menschlichen Geist schlechthin. Was Wissenschaftler meist vorsichtig als »neuronale Korrelate« der untersuchten kognitiven Funktionen bezeichnen, wird in den Medien dann schnell zum »Angstzentrum« oder dem »Sitz Gottes« im Gehirn.

Hier der vollständige Artikel: www.faz.net.

Die Abschaffung der Zeit

31SDE7X1QfL._SL160_.jpgDie Quantenkosmologie des Kölners Claus Kiefer fasst das Universum als eine einzige, zeitlose und überaus komplexe Wellenfunktion auf. Dabei wird nun auch noch die Zeit beseitigt, entlang der sich die Wellenfunktionen in der »Viele-Welten-Interpretation« ins Unendliche verzweigen. Ulf von Rauchhaupt schreibt über das neue Buch Der Quantenkosmos: »Die universale Funktion wird zu etwas ewig Räumlichem und der Determinismus auf die Spitze getrieben – denn wo es auf fundamentaler Ebene keine Zeit gibt, da gibt es auch keine Zukunft, die auf irgendetwas hin offen sein könnte.» Rauchhaupt weiter:

Kiefer ist so ehrlich, offen zuzugeben, dass er hier von bestimmten metaphysischen Voraussetzungen ausgeht. »Das Vertrauen in die Grundgleichungen und die Einfachheit der Theorie hat sich in der Geschichte der Wissenschaft fast immer bewährt, und zwar mehr als das Festhalten an der Einfachheit der Tatsachen«, schreibt er. Aber abgesehen davon, dass diese Grundgleichungen noch gar nicht gefunden sind – die Quantengravitation steht ja noch aus –, ist es nicht ein sehr hartnäckiges Festhalten an »Tatsachen«, wenn man partout zu der alten und von der Quantenphysik eigentlich ruinierten Vorstellung eines deterministischen Kosmos zurück will, dessen fundamentale Realität wir in Gleichungen einfangen können? Dem kann man entgegnen, dass auch derjenige, der weitergehen will, auf irgendeinem Grund voranschreiten muss. Genau das ist aber der Punkt: Wer wissen will, muss immer auch glauben – sogar als Physiker.

Wie sagte doch Augustinus? »crede, ut intelligas.«

Hier gibt es die Rezension zum Buch:

Lydia Jaeger spricht beim ERF über Gott in der Wissenschaft

Am 14. November habe ich hier das Buch Wissenschaft ohne Gott? von Lydia Jaeger kurz vorgestellt.

Frau Dr. Jaeger, Dozentin und Studiendirektorin am Institut Biblique de Nogent-sur-Marne, einer theologischen Ausbildungsstätte bei Paris, spricht nun beim Evangeliumsrundfunk und bei BibelTV selbst über Gott in der Wissenschaft.

Ingrid Heinzelmaier wird sie zu ihrem Buch:

  • Wissenschaft ohne Gott?, Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2007

befragen.

Die Sendungen werden auf folgenden Plätzen ausgestrahlt:

ERF Radio – Glaube und Denken
Di 04.12.07 21:30 Uhr
Mi 05.12.07 03:00 Uhr
Mi 05.12.07 11:15 Uhr

Bibel TV – Calando TV
Mo 03.12.07 17:30 Uhr
Di 04.12.07 05:30 Uhr
Do 13.12.07 18:00 Uhr
Fr 14.12.07 06:00 Uhr

Wissenschaft ohne Gott: Rezension von Horst W. Beck

Prof. Horst W. Beck, Verfasser von Büchern wie Christlicher Schöpfungsglaube im Kontext heutiger Wissenschaft (1993) und Biblische Universalität und Wissenschaft – Interdisziplinäre Theologie im Horizont Trinitarischer Schöpfungslehre (2. Aufl. 1994), hat freundlicher Weise ebenfalls eine Rezension über das Buch Wissenschaft ohne Gott? von Lydia Jaeger verfasst. Die Rezension wurde mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers hier online gestellt und kann frei heruntergeladen werden: hwbeck_rez_jaeger.pdf.

Der Beitrag zum Buch wurde ebenfalls mit einem Link auf die Rezension ergänzt.

Wissenschaft ohne Gott?

Wissenschaft_ohne_Gott.jpg Im Frühjahr diesen Jahres habe ich viele Stunden mit der Bearbeitung der deutschen Ausgabe des Buches Wissenschaft ohne Gott? von Lydia Jaeger verbracht. Die Arbeit hat Spaß gemacht und sich, wie langsam deutlich wird, auch gelohnt. Die Veröffentlichung wird gern gelesen und ist für Christen, die Interesse am wissenschaftlichen Denken und Arbeiten haben, eine Hilfestellung.

Lydia Jaeger ist Dozentin und Studiendirektorin am Institut Biblique de Nogent-sur-Marne, einer theologischen Ausbildungsstätte bei Paris. Nach einem Diplomstudium der Physik mit Schwerpunkt Theoretische Festkörperphysik an der Universität zu Köln entschied sie sich für ein Studium der Theologie an der Faculté libre de théologie évangelique in Vaux-sur-Seine (Frankreich). Unter der Betreuung von Professor Michel Bitol (CNRS, Paris) erwarb sie an der Sorbonne den Doktorgrad mit einer Arbeit über die möglichen Beziehungen zwischen dem Begriff des Naturgesetzes und religiösen Überzeugungen. Seit 2005 hat sie eine von der Faculté libre de théologie évangelique in Vaux-sur-Seine und dem Institut Biblique de Nogent-sur-Marne gemeinsam eingerichtete dreijährige Forschungsprofessur für zeitgenössisches Denken und Wissenschaftsphilosophie inne.

Das Buch ist als Einführung in die spannungsvolle Beziehung zwischen der Naturwissenschaft und dem christlichen Glauben konzipiert. Waren Christen an der Entwicklung der modernen Wissenschaft beteiligt? Steckt hinter den Gesetzen der Natur ein göttlicher Plan? Welchen Einfluss hat der Glaube auf die wissenschaftliche Forschungsarbeit? Enthält die Bibel wissenschaftliche Angaben? Diese und andere spannende Fragen untersucht die Autorin in einer auch für Laien verständlichen Sprache. Sie spürt dabei den historischen, theologischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Erklärungsversuchen nach und zeigt dem Leser auf faszinierende Weise, dass der Glaube die Wissenschaft erst plausibel macht.

Dr. Reinhard Junker hat eine Rezension zum Buch verfasst, die hier herunterladen werden kann: BQ0039.pdf. Eine Buchbesprechung von Horst. W. Beck kann ebenfalls eingesehen werden: hwbeck_rez_jaeger.pdf.

  • Lydia Jaeger, Wissenschaft ohne Gott? Christliche Philosophie heute – Christian Philosophy Today – Quomodo Philosophia Christianorum Hodie Estimatur, Bonn: VKW, 120 S., 12,90 €, ISBN 978-3-938116-29-6.

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Wahrheit und Wandel

Zur Zeit behauptet kaum jemand einen ahistorischen Wahrheitsbegriff. Für viele Menschen ist Wahrheit relativ, kulturell bedingt und damit wandelbar.

Christian Bensel hat während seiner Promotion an der philosophisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität das historische Wahrheitskonzept kritisch geprüft und dafür fünf christliche apologetische Texte aus verschiedenen Epochen und Kulturen untersucht (Justin der Märtyrer, Aurelius Augustinus, Petrus Venerabilis, Josh McDowell, und Jürgen Spieß). Seine Analyse der enthaltenen 3393 Argumentationen zeigt (für manche wahrscheinlich überraschend), dass die Autoren auf gemeinsame Strategien und vergleichbares argumentatives Verhalten zurückgreifen. Die Ergebnisse der empirischen Arbeit belegen eine epochen- und kulturübergreifende Akzeptanz gewisser grundlegender Überzeugungen und legen die Existenz allgemein menschlicher Wahrheitsstrategien nahe.

Das Buch richtet sich an Philosophen, Linguisten und alle, die sich für Apologetik, Argumentation oder kulturübergreifende Kommunikation interessieren. Auch Theologen, die sich dem existentiellen Wahrheitsbegriff verschrieben haben, sei die nicht ganz einfache Lektüre sehr empfohlen.

Christian Bensel. Wahrheit und Wandel: Alltägliche Wahrheitsstrategien und Argumentationen in apologetischen Texten. Saarbrücken: Vdm Verlag Dr. Müller, 2007. ISBN 3836420708, 59,00 €.

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