Juli 2008

Thomas Schreiner über »Surprised by Hope« (1)

Der Neutestamentler Thomas Schreiner hat eine Buchrezension über:

  • N.T. Wright, Surprised by Hope: Rethinking Heaven, the Ressurection, and the Mission of the Church, Harper Collins, 2008. 352 S.

verfasst, die Daniel Dangendorf freundlicherweise übersetzt hat und demnächst in einer Ausgabe der Zeitschrift Glaube und Denken heute erscheinen wird. Hier der erste Teil einer Vorschau:

N.T. Wright ist einer der talentiertesten Schreiber unter den derzeitigen neutestamentlichen Gelehrten. In diesem Buch stellt er sein Verständnis von dem, was die Schrift über den Himmel, die Auferstehung und die Mission der Gemeinde lehrt, vor.

Was ist denn nun der Himmel? Wright behauptet, dass zu viele Christen eine platonische Vorstellung des Himmels haben. Sie denken sich den Himmel in ätherischen Begriffen, als ob wir in einen körperlosen Zustand in ein transzendentes Reich enthoben werden würden. Tatsächlich stellen sich die meisten Christen den Himmel als »da oben« vor und als getrennt von der Erde. Nach Wright lehrt die Schrift nicht, dass wir »in den Himmel gehen werden, wenn wir sterben«, sondern dass der Himmel auf die Erde kommen, dass die Erde, auf der wir leben, verwandelt werden wird und dass wir die neue Schöpfung genießen werden.

Wright’s Verständnis der christlichen Hoffnung basiert auf der Auferstehung Jesu von Nazareth. Surprised by Hope fasst daher Wright’s älteres, umfangreiches und bedeutsames Werk The Resurrection of the Son of God zusammen. Hier ist es wichtig, zu sehen, dass die Auferstehung absolut leiblich ist. Die Menschen der antiken Welt glaubten an Geister, Gespenster und ähnliches, aber sie vermischten diese Dinge nicht mit der Idee der Auferstehung. Ebenso erkennt Wright nicht einfach die Auferstehung aus Glauben an, da der historische Beweis für die Auferstehung Jesus unglaublich solide ist. Nein, wir können nicht das letzte Fünkchen Zweifel daran, dass Christus auferstanden ist, durch Beweise austilgen. Seine Auferstehung stimmt dennoch sehr genau mit dem Beweis des leeren Grabes und der Erscheinungen Christi überein.

Die Auferstehung Jesu ist von fundamentaler Bedeutung für Wright’s These, weil die Auferstehung Christi mit der zukünftigen Auferstehung der Gläubigen eng zusammenhängt. Daher kann die Zukunft, die die Gläubigen erwartet, nicht als geistliche Existenz im Himmel beschrieben werden. Vielmehr wird der Himmel auf einer neuen Erde sein, wo die Gläubigen die leibliche Existenz, die sie in dieser Welt erleben, fortsetzen werden, aber mit Leibern, die durch den Heiligen Geist verwandelt sind.

Und was ist das Resultat für die Mission der Gemeinde in der Gegenwart? Wright betont immer wieder, dass unser Leben in dieser Welt einen Unterschied macht. Wir warten nicht einfach darauf, in den Himmel zu gehen, wenn wir sterben. Wir sind dazu berufen, uns in dieser Welt zu engagieren, in der Politik für Gerechtigkeit zu arbeiten, unsere künstlerischen Gaben als Kreaturen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, auszuüben und die Verlorenen zu evangelisieren.

Wie sollen wir Surprised by Hope beurteilen? Wright’s fundamentale These hier ist richtig. Der Himmel wird auf einer neuen Erde sein und daher darf man ihn sich nicht vorstellen, als ob man in ein geistliches Niemandsland enthoben wird. Wir freuen uns auf unsere zukünftige Auferstehung und auf die neuen Himmel und die neue Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt. Wright‘s Verteidigung der Auferstehung Christi (ausführlicher wird sie in seinem Hauptwerk zu diesem Thema verteidigt), ist die beste Abhandlung, die ich zu diesem Thema gelesen habe. Wright bekräftigt den Zwischenzustand, aber er betont richtig, dass die zukünftige Hoffnung der Gläubigen die Auferstehung ist. Wright trifft das Herz der Frage damit, dass er sagt, dass wir für Gerechtigkeit, Wahrheit und Schönheit in dieser Welt kämpfen sollen. Manche Gläubige haben behauptet, dass diese Welt zur Zerstörung bestimmt ist und richten ihr Augenmerk daher nur auf die Errettung der Verlorenen.

Dennoch gibt es einige signifikante Probleme mit diesem Buch …

Fortsetzung folgt.

Etikettenschwindel Familienpolitik

Martin Lohmann, von 1994 bis 1997 Chefredakteur des Rheinischen Merkur und von 1998 bis 2004 Chefredakteur der Rhein-Zeitung, durchleuchtet in seinem neuen Buch die Familienpolitik in Deutschland.

Nach Lohmann verdient die derzeitige Familienpolitik ihren Namen nicht, da es sich in Wirklichkeit um eine reine »Frauenerwerbsförderpolitik« handelt. Die Politik sorgt sich nicht um das Wohl der Familie, sondern möchte Frauen nach der Geburt eines Kindes möglichst schnell wieder an den außerhäuslichen Arbeitsplatz bringen. Da nach Lohmann die Mutter die wichtigste Bezugsperson für Kinder in den ersten Lebensjahren ist, hat für ihn so eine Bevormundung der Familie durch den Staat den Namen »Familienpolitik« nicht verdient.

Hier ein Auszug aus der Publikation: www.duesseldorf-blog.de. Das Buch kann überall im Buchhandel bestellt werden:

  • Martin Lohmann, Etikettenschwindel Familienpolitik, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2008; 222 S., 19,95 €.

Männer sind anders als Frauen

gehirnEs muss heute ab und an gesagt werden: Männer unterscheiden sich von Frauen.

Karin Amunts, Professorin für Medizin an der Technischen Hochschule in Aachen, weist in einem Interview mit Ralf Müller-Schmid für das Deutschlandradio auf die Bedeutung des unterschiedlichen Aufbaus von Frauen- und Männerhirnen hin: www.dradio.de.

Dass Männer und Frauen verschieden sind, lässt sich auch mit Hilfe der biologischen Psychologie und Neurobiologie belegen. Bei der Analyse des menschlichen Gehirns offenbaren sich aufschlussreiche Unterschiede: www.dradio.de.

Das Journal »Themelios« ist wieder da!

Themelios_33.1.jpgDas Journal Themelios wurde von der UCCF in Großbritannien an die The Gospel Coalition überführt. In Zukunft wird die beliebte theologische Zeitschrift nur noch in einer digitalen Version erscheinen. Als verantwortlicher Redakteur konnte der Neutestamentler D.A. Carson gewonnen werden.

Die Ausgabe 33.1 liegt inzwischen vor und kann als ePaper oder PDF-Datei (5,8 MByte) herunter geladen werden: www.thegospelcoalition.org.

Diese aktuelle Ausgabe von Themelios enthält neben zahlreichen Buchbesprechungen unter anderem folgende Beiträge:

  • Carl Trueman: »Minority Report: Why Should Thoughtful Evangelicals Read the Medieval Mystics?«, S. 2–4;
  • Paul Hartog: »Blondel Remembered: His Philosophical Analysis of the ›Quest for the Historical Jesus‹, S. 5–15;
  • Kirk R. MacGregor: »Nonviolence in the Ancient Church and Christian Obedience«, S. 16–28;
  • Dane C. Ortlund: »Truthfulness in Usefulness: Stanley Fish and American Literary Pragmatism«, S. 29–38;
  • Peter Sanlon: »An Augustinian Mindset«, S. 39–45;
  • Keith Ferdinando: »Mission: A Problem of Definition«, S. 46–59.

Nebenbemerkung: Besonders gefällt mir der Artikel von Peter Sanlon über Augustins‘ De doctrina Christiana (»An Augustinian Mindset«). Das Werk des Kirchenvaters wird unterschätzt, obwohl es unter Experten eine hohe Aufmerksamkeitsbindung erziehlt hat. Ich kann die Lektüre sehr empfehlen. Eine hervorragende deutsche Übersetzung hat die Altphilologin Karla Pollmann besorgt (Augustinus, Die christliche Bildung, Stuttgart: Reclam, 2002, leider vergriffen). Ich habe vor vielen Jahren ein Bibelstellenregister zum Buch erarbeitet, dass hier herunter geladen werden kann: www.bucer.eu.

Robert Bradshaw hat freundlicherweise viele ältere Artikel des Journals digitalisiert: www.biblicalstudies.org.uk. Es ist erfreulich, dass Themelios weiterexistiert und Studenten und Theologen mit einer guten »Grundlage« versorgt!

Dürfen wir unseren Augen trauen?

Wir neigen dazu, zu glauben, was auf Fotos präsentiert wird. Aber darf man seinen Augen trauen? Mit manipulierten Bildern wird Wirklichkeit erschaffen und Politik gemacht. Eine Revue der bizarrsten und peinlichsten Fälle hat der Spiegel zusammengestellt.

Hier geht es zur Ausstellung: www.spiegel.de.

»Gender Management« für Kinder?

Es gibt Menschen, die sich in ihrem Geschlecht dauerhaft oder zeitweise nicht zu Hause fühlen. Die Möglichkeiten, diesem Unbehagens abzuhelfen, reichen vom einfachen Kleiderwechsel bis zum komplizierten chirurgischen Eingriff. Norman Spack würde die Geschlechtsumwandlung gern auch für Kinder in Betracht ziehen. Lorenz Jäger meint, dies entspräche einer unwiderruflichen Sexualisierung von Kindern vor der Pubertät.

Hier die ganze Geschichte: www.faz.net.

Achte auf Deine Worte!

Der reformierte Theologe Sinclair Ferguson (Schottland) spricht in einem kurzen Interview über die Bedeutung des Herrenwortes (Matt 12,36):

Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben.

Hier das Video: www.youtube.com.

Neues Interesse an der Apologetik

Nach Informationen des Journals Christianity Today erwacht in Nordamerika ein neues Interesse an der christlichen Apologetik. Überraschend viele junge Christen seien für eine gedanklichen Durchdringung und Verteidigung des Glaubens aufgeschlossen. Zu dem Artikel geht es hier: www.christianitytoday.com.

Angestoßen wurde diese Offenheit möglicherweise durch den neuen aggressiven Atheismus, zu dem Alexander Kissler und Daniel von Wachter während einer Pressekonferenz am 1. Juli in der Münchner Paul-Gerhard-Kirche Stellung nahmen. Wie idea schreibt, bedauert der Theologe und Philosoph von Wachter:

… dass Kirchen und Gemeinden das Denken und Forschen in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt hätten. Das habe die Christenheit gegenüber dem Atheismus geschwächt. Es brauche heute christliche Schulen, Universitäten und Denkfabriken. Auch in den Kirchen fehle inzwischen die Fähigkeit, ein gutes Argument von einem schlechten zu unterscheiden.

Hier geht es zu dem idea-Beitrag: www.idea.de.

Was aber ist eigentlich Apologetik? Eine kurze Einführung in die christliche Apologetik gibt es hier: Apologetik_Afet.pdf.

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