Januar 2010

Alle Wirklichkeit ist auf Gott bezogen

Ich habe vor einigen Wochen hier auf humorvolle Weise über ein Symposium des Schweizer Martin Bucer Seminars verwiesen und einen seriösen Bericht angekündigt. Hier mein Kurzbericht:

Alle Wirklichkeit ist auf Gott bezogen
Erstes Schweizer Symposium des Martin Bucer Seminars war der Amsterdamer Philosophie gewidmet

Wissenschaft, die sich ausschließlich auf die Welt der messbaren Erscheinungen beschränkt, kann nicht alle Aspekte der Wirklichkeit erfassen. Wissenschaft ist immer Abstraktion von Alltagserfahrung und nimmt bestimmte Gesichtspunkte besonders unter die Lupe. Deshalb darf keine Einzelwissenschaft die Deutungshoheit über Gottes Schöpfung für sich beanspruchen. Zu diesem Ergebnis kamen die Teilnehmer des ersten Schweizer Symposiums, das vom Martin Bucer Seminar (MBS) zwischen dem 18. und 20. September im Ferienhotel Seeblick am Vierwaldstättersee veranstaltet wurde.

Schultz.jpgThema des Symposiums war die so genannte »Amsterdamer Philosophie«, die von dem reformierten, holländischen Philosoph Herman Dooyeweerd (1894–1977) begründet wurde. Dooyeweerd zeigte durch umfangreiche Untersuchungen, dass das Denken der Menschen von Erkenntnisinteressen bestimmt wird. Anders als Immanuel Kant, der eine reine Vernunft behauptete und die logische Wirklichkeit verabsolutierte, wird nach Dooyeweerd alles Denken von im Herzen der Menschen verankerten Grundmotiven geprägt.

Professor Gianfranco Schultz (erstes Foto) von der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (CH), der für die Einführung in die Amsterdamer Schule gewonnen werden konnte, zeigte in seinen Vorträgen, dass einerseits unser Denken durch die Auflehnung gegen Gott gezeichnet ist. »Es geht ein Riss durch diese Welt und durch uns selbst«, sagte Schultz. Wir Menschen revoltieren gegen Gott und sind erlösungsbedürftig. Menschen, die ihre Abhängigkeit von Gott bejahen und dem Evangelium von Jesus Christus vertrauen, haben andererseits unendlich viele Entfaltungsmöglichkeiten. »Dass das, was Gott in die Welt hineingelegt hat, erschlossen werden soll, dass Dinge zu ihrem Recht kommen sollen, habe Dooyeweerd in seinen Arbeiten immer wieder deutlich machen können«, sagte Schultz.

Glas.jpg Professor Gerrit Glas von der Freien Universität Amsterdam (NL) stellte in seinen Vorträgen heraus, dass die Amsterdamer Philosophie für die Psychologie sehr fruchtbar gemacht werden kann. Der renommierte Psychiater und Philosoph demonstrierte anhand vieler Fallbeispiele aus seiner Forschungsarbeit, dass der Dooyeweerdsche Ansatz der Komplexität des Menschen angemessener ist, als Anthropologien, die sich auf wenige Aspekte des Menschen konzentrieren. Hier bewährt sich insbesondere die Lehre von der »Souveränität im eigenen Kreis«, sagte Glas. Demnach ist die Wirklichkeit durch Sphären strukturiert, in denen jeweils eigene Gesetze gelten. So können etwa die Gesetze der Biologie nicht einfach auf die Psychologie übertragen werden oder umgekehrt. Denn während die Biologie das Biotische studiert, beschäftigt sich die Psychologie mit dem Psychischen. In beiden Spähren gelten unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten.

Hansjürg Huber, Präsident des Schweizer Martin Bucer Seminars, hatte anlässlich seines runden Geburtstags zu dem Symposium eingeladen. Der Initiator dankte in seiner Schlussrede beiden Professoren für ihre kompetenten und engagierten Einführungsvorlesungen. Ihnen sei es gelungen, den Teilnehmern die komplexen und zugleich leistungsfähigen Ansätze vorzustellen und die teilweise kontroversen Diskussionen zu leiten. Durch die »Beschäftigung mit der Amsterdamer Philosophie sei eine Basis dafür gelegt, um weiter an dem Thema zu arbeiten«, sagte Huber. Für die Arbeit mit Menschen im Sozialwesen, in der Medizin oder Seelsorge brauchen wir eine solide christliche Anthropologie. »Wir Christen müssten sprachfähiger werden und uns in die aktuellen Debatten um Welt- und Menschenbilder einmischen«, formulierte Huber als Wunsch für weitere Symposien.

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Beitrag als PDF: Alle Wirklichkeit ist auf Gott bezogen.pdf

Alvin Plantinga im Interview

Hier ein Interview mit dem christlichen Philosophen Alvin Plantinga (zusammen ca. 25 Minuten):

Teil 1 – Argumente für Gott:

Reasons for God from CPX on Vimeo.

Teil 2 – Wo liegt Richard Dawkins falsch?:

Where Richard Dawkins goes wrong from CPX on Vimeo.

Teil 3 – Sicherer Glaube ohne Beweise?:

Sure Faith without Proof from CPX on Vimeo.

Teil 4 – Ist Gott gut?:

Is God good? from CPX on Vimeo.

Where Richard Dawkins goes wrong from CPX on Vimeo.

VD: JT

Brit Hume: Christen sind nicht willkommen

Dass sich Brit Hume von Fox News unbeliebt gemacht hat, als er Tiger Woods vorschlug, Christ zu werden, hat sich sogar in Deutschland herumgesprochen (wie dieser Artikel der Süddeutschen Zeitung belegt).

In einem Interview mit CT wurde Hume nun gefragt, ob der christliche Glaube in den säkularen Medien willkommen sei. Seine knappe Antwort:

Nein, das Christentums wird von vielen Leuten in den Medien verachtet.

Hier das vollständige Interview: www.christianitytoday.com.

Gefährliche Fundamentalisten? Evangelikale in Deutschland

Gestern hat SWR2 Kontext eine Sendung über Evangelikale ausgestrahlt. Zur Sendung heißt es:

Sie sind gegen Homosexuelle und Sex vor der Ehe. Sie kämpfen gegen Dämonen und gegen Darwins Evolutionslehre. Sie nehmen die Bibel wörtlich und den Missionsauftrag bitter ernst. Und sie haben enormen Zulauf. Rund eine Million Menschen haben sich nach eigenen Angaben den so genannten Evangelikalen angeschlossen. Fundamentalistische Christen in Deutschland sind eine ernsthafte Konkurrenz für die Landeskirchen geworden. Und auch eine Gefahr für die tolerante Demokratie? Fragen an die Autorin des Buches »Mission Gottesreich«, Oda Lambrecht.

Leider wieder ein Beitrag, der den fairen Dialog auf Augenhöhe scheut und bekannte Schablonen rezitiert. Der Podcast kann hier herunter geladen werden: swr2-kontext-20100107-1905.6444m.mp3.

Taufe für Tiger Woods

Für evangelikale Christen gibt es in den USA eine eigene Medienindustrie. Sie soll vor dem Kontakt mit Pornographie, Homosexualität und Evolutionslehre schützen. Aber nicht vor der Krise.

Hier geht es zum Artikel »Taufe für Tiger Woods«, den Roman Deininger für die Süddeutsche Zeitung geschrieben hat: www.sueddeutsche.de.

Die verweigerte Taufe von Albert Camus [aktualisiert]

CAmus.jpgVor 50 Jahren starb der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus (1913–1960) bei einem Autounfall. Sein Werk ist aktueller denn je und liefert Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Der Rheinische Merkur schreibt dazu:

Camus bleibt präsent: Als der linke Antikommunist, der Parteien verabscheute, als Atheist Gott respektierte und die Würde des Einzelnen über politische Interessen stellte, war das genaue Gegenteil eines Fanatikers. Wissbegierde und Ehrlichkeit, Mut und Konsequenz, die Auflehnung gegen ein sich Abfinden, das alles sind Tugenden, die unsere Zeit mehr als nötig hat.

Was kaum jemand weiß und deshalb weniger präsent ist, erzählte mir vor einigen Jahren John Warwick Montgomery (Quelle liegt mir vor):

Ich lernte vor nicht all zu langer Zeit von einem inzwischen pensionierten Pastor einer Kirche in Paris, dass Albert Camus sich dort im Monat seines tragischen Todes bei einem Autounfall taufen lassen wollte. Camus hatte den Bankrott der humanistischen Existenzphilosophie miterlebt und, wie viele andere intelligente Seelen über die Jahrhunderte hinweg, kein Problem damit, den Evangeliums-Narrativen zu vertrauen.

Anmerkung vom 09.01.2010: In einer ersten Ausgabe des Beitrags schrieb ich, dass Camus sich taufen ließ. Das war ein Irrtum. Camus wollte sich kurz vor seinem Unfall taufen lassen. Der Pastor der Kirche, die Camus gelegentlich besuchte, hat jedoch die Taufe verweigert, weil Camus ausdrücklich eine private Taufe wünschte. Mehr dazu in den Kommentaren.

Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?

Der amerikanische Literaturagent John Brockman veröffentlicht heute die Frage des Jahres 2010: Wie verändern Internet und vernetzte Computer die Art, wie wir denken?
Im Kern der Diskussion steckt die Frage des Wissenschaftshistorikers George Dyson: »Sind der Preis für Maschinen, die denken, Menschen, die es nicht mehr tun?«

Brockman, der einige der wichtigsten Wissenschaftler der Gegenwart zu seinen Autoren zählt, umkreist diese Vision auf Edge.org mit hunderteinundzwanzig Antworten. Die FAZ hat die interessantesten Beiträge hier publiziert: www.faz.net.

Warum brauchen wir eine reformierte Theologie?

R. Scott Clark hat sich kürzlich mit Mike Horton darüber unterhalten, ob wir auch heute noch Systematische Theologie brauchen. (Die reformierte Dogmatik von Professor Horton wird im Herbst 2010 erwartet). Mike spricht ausführlich über seine Entdeckung der reformatorischen Rechtfertigungslehre und seinen holprigen Weg zur reformierten Theologie, für die er auch in diesem Gespräch leidenschaftlich wirbt.

Hier der Podcast (ca. 35 Minuten): 10.05.09Horton.mp3.

Die rätselhaften Fußspuren

Millionen Jahre alte Fußspuren aus der Urzeit könnten die bisherigen Theorien zur Entstehung der Wirbeltiere infrage stellen. Vermutlich eroberten die ersten Landtiere die Erde früher als gedacht (und sind damit älter als ihre Vorfahren).

Der FOCUS schreibt:

Die Entdeckung der Fußspuren wirft zahlreiche Fragen zur Evolution der sogenannten Tetrapoden (Vierfüßer) auf. Die Abdrücke sind mehr als zehn Millionen Jahre älter als alle bisher entdeckten Hinweise auf ihrer Vorgänger, der sogenannten Elpistostegalia. Elpistostegalia stellen eine Zwischenstufe zwischen Fischen und Landwirbeltieren dar und umfassen eine Gruppe von Knochenfischen, die bereits einen wirbeltierähnlichen Kopf und Körper, aber noch zwei Paar Flossen besitzen. Mit diesen dürften die ersten Landwirbeltiere also parallel existiert haben. »Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die bisher bekannten Elpistostegalia keine Übergangsform zwischen Fischen und Vierfüßern darstellten, sondern eher späte noch überlebende Relikte«, sagte Ahlberg. Daher müsse man bisherige Theorien über den zeitlichen Ablauf des Fisch-Wirbeltier-Übergangs vollständig überdenken.

Hier zwei weitere Artikel aus DIE WELT ONLINE und DER SPIEGEL.

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