ARD, ZDF und Deutschlandradio nahmen im Jahr 2024 insgesamt 10,4 Milliarden Euro ein. Eine solche Summe erreicht kein anderes öffentlich-rechtliches Rundfunksystem (ÖRR) weltweit (siehe hier). Da könnte man meinen, dass der ÖRR sehr viel Wert auf Sorgfalt und journalistische Standards legt. Wer jedoch selbst einmal in einer Reportage des ÖRR aufgetreten ist, hat möglicherweise die Erfahrung gemacht, dass die Darstellungen stark interessengeleitet sind. Besonders viel Spaß scheinen einige Redakteure daran zu haben, fromme Christen als weltabgewandte und durchgeknallte Hinterwäldler darzustellen.
Romy W. (Klarname ist mir bekannt) hat im letzten Jahr einige solcher Dokumentationen gesehen. Da es zwischen dem ÖRR und dem gewöhnlichen Gebührenzahler ein übergroßes Machtgefälle gibt, kommt man mit Richtigstellungen meist nicht sehr weit. Aber man kann auch anders an die Sache herangehen und die Eindrücke in einen bissigen und humorigen Text „hineinlegen“. Genau das hat Romy W. mit „Eine Höhlenwanderung“ gemacht.
Gern gebe ich den Beitrag nachfolgend wieder:
Eine Höhlenwanderung
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie man ihn kennt (und fürchtet)
Die Redakteure des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) haben wieder einmal tief und genussvoll in den verbürgten Topf der Rundfunkgebühren (früher GEZ) gegriffen. Sie haben es sich so richtig gegönnt. Das ist das Großartige an ihrem nie versiegenden Jungbrunnen: Er fließt und fließt in Strömen. Deswegen muss man sich auch nicht die Mühe machen, sorgfältige journalistische Arbeit zu leisten. Wer braucht schon Qualität, wenn die Kohle auch so stimmt?
Warum es sich also nicht gönnen? Warum, wenn die Ideen für bereichernde und kluge Berichterstattungen allmählich ausgehen, nicht am reichhaltigen Buffet eines Lieblingsthemas bedienen: Den dummen, zurückge-bliebenen und zugleich hochgefährlich digitalisierten, moralisch verdrehten, autoritären, gesellschafts- und kulturfeindlichen Christen?
Dieses Jahr haben wir bereits einige mit Herzblut recherchierte Dokumentationen über diese höchst manipulative Bewegung zu sehen bekommen. Wir durften lernen, wie bedrohlich öffentliche Glaubensbekenntnisse christlicher Profifußballer sind. Wir wurden aufgeklärt über mysteriöse Zusammenkünfte von Demokratiefeinden im „hippen“ Charismatiker-Gewand. Wir wurden „wohlgeframed“ über die ideologisch verblendeten freikirchlichen „Systeme“ informiert, die eigentlich nur dazu dienen, einer auserwählten Heiligenschar zu Reichtum zu verhelfen. Wir hörten von aus politisch-rechtem Gedankengut gespeisten, rappenden Chart-Erschleichern. Glücklicherweise ist die Gemeinde Jesu Christi nicht tot. Glücklicherweise lässt sich hinter jeder Biegung eine weitere Schreckensmeldung finden, die sich bildreich vermarkten lässt. Jüngst haben sich unsere Qualitätsjournalisten die katholisch-charismatische Bewegung, insbesondere Johannes Hartl, vorgeknöpft.
Es ist einfach viel zu reizvoll, um nicht kreativ mit diesem Rohmaterial zu arbeiten. Deswegen sei auf der Hut, Deutschland! Wir helfen dir beim Anlegen der Höhlenausrüstung. Wir schalten die Stirnlampe für dich ein. Wir nehmen deine Hand und führen dich. Bleib uns dicht auf den Fersen, denn nun steigen wir hinab in die rutschigen Tropfsteinhöhlen der Verblendung. In die verschlingende Finsternis des christlichen Glaubens. Fürchte dich nicht, denn wir erleuchten die Höhle für dich. Wir zeigen dir, dass diese Welt nur aus Schatten besteht.
Da wir eine äußerst hochwertige Ausrüstung tragen, sind wir nicht auf plausible Argumente angewiesen. Wie die gegnerische Seite bedienen wir uns einer wunderbaren postmodernen Errungenschaft: Der Postfaktizität.
Uns reicht es, wenn wir genügend versprengte Einzelstimmen aus dem letzten Jahrzehnt zusammenkratzen. Wir benötigen keinen rechtlichen Fehltritt. Keine verfassungsfeindlichen Zitate. Wir brauchen keine nachgewiesene Veruntreuung. Noch nicht einmal auf einen dramatischen Missbrauchsskandal sind wir angewiesen. Pornokritische Zitate reichen völlig aus. Wie, ihr habt Studien gelesen, in denen die neurologischen Auswirkungen und die sozialen Gefahren von Pornokonsum beleuchtet werden? Das kann nicht sein! Wir leben in einer postfaktischen Zeit. Es lässt sich leicht lösen. Wir wählen dramatische Musik. Wir entscheiden uns für einen mitleidigen Tonfall. Wir rühren kräftig um. Und wie schön: Es funktioniert. Seht ihr, wie die bunten Emotionen die Fakten übermalen?
So können wir uns gemeinsam in der Drohkulisse sonnen: Der Drohkulisse gesunder Ehen, verkörperter Sexualität anstelle von losgelöstem Digitalkonsum, und vertrauensbasierter Beziehungen. Aber bevor du angesichts dieses Schreckensszenarios in die Hosen machst: Fürchte dich nicht. Die ARD ist bei dir! Gemeinsam werden wir das Tal der Rückwärtsgewandtheit erfolgreich durchwandern. Mehr noch: Schon bald werden wir wieder in aufgeklärte Sphären aufsteigen. Dorthin, wo das freie Individuum als Mittelpunkt der Realität für Recht und Ordnung sorgt. Fürchte dich nicht! Dieser graue Kollektivismus, dieses Untergraben der radikalen Selbstverwirklichung auf Kosten aller, ist bloß ein Hirngespinst. Der aufgeklärte Mensch ist sich selbst genug. Die Eingliederung in eine Gruppe ist höchstgefährlich für die Selbstentfaltung.
(Außer natürlich in die Demokratie.)
(Und natürlich in den herrschenden Zeitgeist.)
(Und natürlich in den Cancel-Mob gegen Andersdenkende.)
(Bei Shitstorms hat man sich bitte schön dem Kollektiv unterzuordnen. Hexenjagden sind schließlich die letzten kommunalen Rituale unserer säkularen Gesellschaft.)
(Wenn wir einander schon gewohnheitsmäßig die menschliche Würde absprechen, lasst uns bitte gleich zusammen als Tierherde agieren.)
Vielleicht reden wir am Thema vorbei. Vielleicht haben wir den Kern der Sache nicht verstanden. Vielleicht geht es hier nicht um Macht, und vielleicht ist in dieser Sphäre nichts politisch. Vielleicht geht es hier um etwas ganz anderes.
Das interessiert uns wenig. Wir sind das Licht. Unsere Stirnlampe bleibt fokussiert. Wir vertrauen ihr und fordern Vertrauen ein – postfaktisch.
Wir beherrschen unser Geschäft, und der Erfolg wird uns recht geben. Wenn wir unseren Brei weich genug vorkauen, können wir Deutschland damit füttern. Denn Brei sättigt. Und wer satt ist und gut unterhalten wird, braucht nicht eigenständig denken.
Wir haben hervorragende Techniken: Aus Meinungen und Gefühlen erschaffen wir scheinbar aufklärende Dialoge. Wir schneiden an geeigneten Stellen Witzfiguren hinein. Närrische Tänzer, Händeheber oder Verliebt-in-Jesus-Leute eignen sich gut für unsere Dokumentationen. Es macht Spaß, die geistlich Armen vorzuführen.
Und jetzt, husch, husch, zurück an die Frischluft. Verweilt nicht zu lang in dem Zwielicht dieser Höhle. Sonst findet ihr noch Gefallen an ihr. Die Gefahr ist real: Uns ist zu Ohren gekommen, dass immer mehr Menschen sie ohne unsere erleuchtende Begleitung betreten. Sie bleiben dort hängen – ohne dass wir ihnen erklären können, wie verhängnisvoll das ist. Gruselige Geschichten haben wir gehört. Immer mehr Junge und Alte sollen erkannt haben, dass dieser Jesus tatsächlich vom Tode auferstanden ist und Menschen aus ihrer Verlorenheit und Zerrissenheit rettet.
Jemand hat uns sogar erzählt, diese Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott sei unausrottbar. Gott habe seinen Geschöpfen die Ewigkeit ins Herz gelegt. Die Leute kämen nicht davon los. Seit tausenden Jahren nicht. Ihre Bibel habe Dekonstruktion um Dekonstruktion überlebt.
Das klingt beinahe unmenschlich. Es weckt Ängste.
Denn was, wenn es vielleicht anders ist, als wir denken? Was, wenn sie im Licht tanzen und wir uns an die Dunkelheit klammern?
Romy W.
Dokus über Christen anzuschauen hat schon einen sehr faden Beigeschmack. Denn auf der einen Seite finde ich bei meinen Geschwistern eine Menge Dinge, die ich so nicht machen und auch nicht sagen würde. Auch sehe Ich Entscheidungen, bei denen ich mich schäme ihr Bruder zu sein. Dabei bleibt es jedoch nicht. Ich sehe auch, mit wie viel Häme und großer Einseitigkeit berichtet wird. Die Unkenntnis der Journalisten über das was sie berichten, übersteigt ihr Bemühen, Jesusnachfolger als lächerlich, bedrohlich und vor Allem als am Rande des Irrsinns stehend, zu verorten. Ob sie dafür bezahlt werden? Ob eine „Agenda“ dahinter steht? Mir passen keine Alu-Hüte, daher kann ich in diese Richtung nicht weiterdenken. Das was ich sehe reicht mir. Die ÖRR sind keine Freunde der Jesusnachfolger. Es gibt sicher Ausnahmen beim Personal, aber das, was seinen Weg ins TV findet, ist in jedem Fall lehrreich. Denn wir wissen aus der Schrift, dass Menschen wie ich irgendwann als primäre Bedrohung für das… Weiterlesen »
Es ist aber auch nicht schwer, Steilvorlagen zu finden. Wenn auf dem „Apostolischen Kongress“ sog. „Reich-Gottes-Beweger“ als „Staatsangehörige des Himmels“ gemeinsam darüber nachdenken, „himmlische Wirksamkeit“ in Politik, Medien und Wissenschaft zu entfalten, dann fühlt sich das landeskirchliche Milieu sehr schnell bedroht und greift zu Gegenmaßnahmen.
Fest in Amt und Würden betreibt es den Kirchensteuereinzug – auch für die öffentlich-römisch-rechtolische Staatskirche, aus der offiziell niemand austreten kann. Es ist diesen Leuten völlig egal, ob jemand in seinem stillen Kämmerchen Pornos (nicht) anschaut oder pietistische Parolen rappt, aber wer in den Jagdgründen der kirchlichen Großgrundbesitzer herum wildert, braucht nicht überrascht tun, dass der fortbestehende Feudalismus mit voller Wucht zurückschlägt.
Die völlige Fehleinschätzung realer Machtverhältnisse sind schon anderen vor ihnen unterlaufen. Irgendwann hat auch ein Herr Luther erkannt, dass er fürstliche Verbündete braucht, wenn seine Reformation überleben soll – und schon war die ganze schöne Theorie für die Katz, abgelöst durch eine weitere realexistierende Staatskirche. Das wird charismatischen Revoluzzern letztlich nicht anders ergehen.