Peter Brown hebt in seiner Biographie zu Augustinus sehr anschaulich hervor, dass es Augustinus im Unterschied zu Pelagius wirklich um die Liebe zu Gott ging, nicht um die Liebe zu mir selbst (Augustinus von Hippo, 1982, S. 326):
Pelagius ist es, nicht Augustinus, der auf die Schrecken des Jüngsten Gerichtes anspielt, zu welchem Augustinus einfach bemerkt, daß „ein Mensch, der die Sünde wegen der Hölle fürchtet, nicht das Sündigen fürchtet, sondern das Brennen“.
Oft wird der Richterstuhl des Christus vergessen (2.Korinther 5,10; 1.Korinther 3,11-15; Römer 14,10-12). Hier werden den Christen Lohn und Stellung nach der Auferstehung zuerkannt.
Dieses Gericht über die Gemeinde ist nicht mit dem Gericht über die Welt nach Offenbarung 20 zu verwechseln!
Die Bibel spricht nicht von mehreren Gerichten, sondern einfach vom Gericht.
Und das Gericht über die Welt nach Offenbarung 20 ist dasselbe wie das Mt. 25,31 und Mt 16,27-28.
Das NT spricht nicht von einem Preisgericht (= pietistische Erfindung), sondern Paulus spricht von einer Beurteilung dessen, was die Mitarbeiter Christi auf das Fundament des Bauwerks („ihr“, die Gemeinde) bauen, wie der Kontext 1Kor 3 bzw. 2Kor 5 zeigt.
Die üblichen Vorstellungen kommen nicht aus der Bibel, sondern werden durch Autoritäten und Tradition erst darein gelesen – und dann wieder herausexegesiert.
@Schandor Wenn es so einfach wäre. Die Bibel deutet an, dass nicht jeder ins Gericht kommt. In Off 6, beim 5. Siegel, lesen wir von den Märtyrern, die schon im Himmel sind, zeitlich deutlich vor dem Gericht in Off 20. Wir haben zweimal vor diesem Gericht Entrückungen in den Off, eine davon die Hochzeit der Brautgemeinde inkl. der Verstorbenen, auch zeitlich vor dem Gericht. Der Himmel ist also schon bevölkert von Gläubigen, noch vor dem Weltgericht in Off 20. Schon von den zeitlichen Abläufen her passt es daher nicht (zwangsläufig), dass Mt 16,27-28 dem Gericht nach Off 20 entspricht, und letztendlich spricht Jesus dort auch „nur“ davon, dass er jedem vergelten wird nach seinem Tun: das klingt nicht (nur) nach der binären Entscheidung „gerettet oder nicht errettet“, sondern (auch) nach Preisgericht. Dieses „Vergelten“ findet zeitlich vor dem Gericht Off20 statt. Und das „Vergelten nach dem Tun“ wird ja nun nicht bedeuten: per Werkgerechtigkeit errettet. Wenn man die Beschreibungen dessen, was… Weiterlesen »
@Stephan
Deine sehr komplexe Darstellung braucht den Futurismus. Dann müssen es natürlich mehrere Gerichte sein: Eines über Jerusalem, eines am Ende des Lebens, eines am Ende der Welt, ein Preisgericht – hab ich eins übersehen? Ich glaub nicht an so eine Komplexität.
Von einer Entrückung in der Offenbarung habe ich übrigens noch nie gelesen. (Außer der jenes Kindes …)
Mt 16,27 halte ich für exakt dasselbe wie Mt 25,31 u. Offb 20. Hier schreibe ich, ich kann nicht anders. 🤷🏻♂️
Hach ja, die zweimalige (!) Entrückung, entwickelt aus den Fußnoten der Scofield-Bibelkonkordanz und vor dem 19. Jahrhundert gänzlich unbekannt. Genau das ist der Grund, warum man theologische Werke historisch-kritisch lesen muss und moderne Manuskripte deutlich schwächer gewichten muss als ältere.
Auf dieser „geheimen Entrückung“ beruht die inzwischen tradierte Konfession der Billy-Grahamiten, die Taufe durch die „Entscheidung“ zu ersetzen, woraus letztlich die Abschaffung aller Sakramente folgt. Das Ritual des „Übergabegebetes“ in der lärmenden Megachurch-Halle ersetzt das rettende Wasser.
Wieviele dieser Fabrikhallen haben denn einen Taufstein- oder Becken? Wie oft wird das Abendmahl in einer Megachurch gefeiert? Das dürfte die Frage nach dem Errettetsein beantworten.
In den Offenbarungen haben wir zwei Hinweise, einmal Off 7, 4-8, die „Versiegelung aus den Stämmen Israels“, und erneut in Off 14,1-3. Die Versiegelten stehen m.E. unmittelbar in Off 7.9 in weißen Gewändern vor dem Thron (das ist m.E. der gleiche Personenkreis wie in den vorherigen Versen), ebenso die Nachfolger Christi in Joh 14,3, die sich m.E. aus der weltweiten (Heiden-)Gemeinde rekrutieren. Manch einer sieht die Entrückung in Kap. 14,16 (genauer: 14,14-16), und das Gericht über den Rest der Erde in Off 14,17-20. Ich sehe das jedoch noch nicht als Endgericht, sondern noch als eine Strafe, die über die Lebenden auf der Erde ausgegossen wird. Ich sehe die Offenbarungen tatsächlich weitgehend in chronologischer Reihenfolge geschrieben, Siegel werden nacheinander gebrochen, usw., und einzelne Textabschnitte sind mit „Und“ verbunden, es gibt also eine zeitliche Abfolge. Manche Ausleger interpretieren, da ab Off 4,1 bis Off 19 nicht einmal mehr das Wort Kirche / Ecclesia vorkommt, bereits die Gemeinde entrückt sei. Dem würde ich… Weiterlesen »