Ware Frau

In Flatrate-Bordellen gibt es ein Bier, eine Bratwurst und unbegrenzt Frau. Männer freuen sich öffentlich auf inszenierte Gruppenvergewaltigungen und im Teenyland bieten Mädchen ihre Sex-Dienste an. Prostitution ist in Deutschland seit gut 10 Jahren straffrei. Seitdem hat sich die Situation für die Frauen deutlich verschlechtert. Sogar die Niederlande, das einzige europäische Land, das Prostitution ebenfalls vollständig legalisiert hat, rudert gerade zurück.

Es reicht. Auch in Deutschland muss sich etwas ändern, meint Chantal Louis.

Im Jahr 2002 hat die rot-grüne Regierung die „Sittenwidrigkeit“ der Prostitution aufgehoben und den Passus, der die „Förderung der Prostitution“ unter Strafe stellte, gestrichen. Das hehre Ziel: Prostituierte sollten sich kranken- und rentenversichern und ihren Lohn einklagen können, falls der Freier nicht zahlt. Die Zeitschrift EMMA und viele mit Prostitution und Menschenhandel befassten Kommissariate warnten: Den Frauen, die größtenteils aus dem Ausland kommen, würde das Gesetz nichts nützen. Und sie würden es nicht nutzen. Dafür öffnete es Zuhältern und Menschenhändlern Tür und Tor.

Genauso ist es gekommen. Wir sind ein Land geworden, das Frauenhändlern und Zuhältern die optimale Infrastruktur für ihr Geschäft mit der Ware Frau bietet. Schicke Großbordelle, von denen sich viele als „Wellness-Tempel“ verkaufen, in denen es nicht nur Whirlpools, sondern auch Frauen zur Entspannung gibt, sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Diese Bordelle müssen mit Frauen bestückt werden, damit der Laden lukrativ läuft.

Hier der Artikel: www.cicero.de.

VD: TW

„Ich freu mich auf die E21-Konferenz“: Interview mit Christian Wegert

Anlässlich der Vorbereitungen für die 3. E21-Konferenz im April 2013 habe ich mich mit Christian Wegert, Pastor der Arche-Gemeinde, unterhalten. Hier ein Auszug:

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„Ich freu mich auf die E21-Konferenz“
Interview mit Pastor Christian Wegert

Christian Wegert
Pastor Christian Wegert

Christian, Du bist Pastor der Arche-Gemeinde in Hamburg und hast viel zu tun. Freust Du Dich trotzdem auf die E21-Konferenz im April?

Ja, absolut! Die beiden bisherigen Konferenzen waren für mich und unsere Gemeinde eine sehr große Ermutigung. Wir leben in Zeiten allgemeiner Beliebigkeit. Niemand möchte sich festlegen, sondern offen sein für alles. Aus dem Pool der sogenannten religiösen Vielfalt zimmert sich jeder seinen eigenen Glauben. Da setzt das Netzwerk E21 einen erfrischenden und dringend notwendigen Kontrapunkt, indem es immer wieder auf die unumstößlichen Wahrheiten der Heiligen Schrift hinweist. Weil dies auch mein persönliches Anliegen ist, freue ich mich sehr auf das Treffen in Hamburg. Zudem ist es schön, über die Gemeindegrenzen hinaus alte Freunde zu treffen und neue zu gewinnen.

Welche Erwartungen hast du persönlich im Blick auf die Konferenz?

Zum einen wünsche ich mir ein wachsendes Verständnis dafür, dass die Bibel ein großes übergreifendes Thema beinhaltet, das alle ihre 66 Bücher miteinander verbindet. Dieses Thema ist Jesus Christus. Er selbst hat es den Jüngern auf der Straße nach Emmaus erklärt, indem er ihnen die Schriften auslegte, die sich auf ihn beziehen. Er begann bei Mose, sprach über die Propheten und er schloss auch die Psalmen mit ein (Lukas 24,27 und 44). Er sagte, dass in all diesen Texten von ihm die Rede ist. Die Bibel ist also nicht eine Ansammlung unterschiedlicher Bücher verschiedener Autoren, die lediglich durch zwei Buchdeckel zusammengehalten werden. Sie ist vielmehr von Gott inspiriertes Wort mit einem durchgängig großartigen Thema: Jesus Christus.

Zum anderen erwarte ich, dass die Beschäftigung mit dieser Thematik unsere Herzen in die Anbetung Gottes führt. Denn in der heilsgeschichtlichen Entwicklung wird eines deutlich: Gott ist der Souverän. Er herrscht, Er regiert und Er plant. Nichts überlässt Er dem Zufall. Daher lautet das Thema: „Entfaltung & Erfüllung – Gottes Plan vom Garten Eden bis zur neuen Schöpfung“. Unser Heil in Jesus Christus ist nicht ein Notfallplan der unter Zeitdruck entwickelt wurde, sondern Gottes ewiger Ratschluss, der sich vom Garten Eden bis zur neuen Schöpfung entfaltet und erfüllt.

Spielt das Thema, Biblische Theologie, wirklich so eine große Rolle im Gemeindeleben?

Ich denke schon. Da ist zum einen die Kanzel. Es ist ganz entscheidend, wie der Prediger an die Texte der Heiligen Schrift herangeht. Mit dem Werkzeug der biblischen Theologie untersuchen wir, wo sich genau der Text in der Heilsgeschichte einreiht. Wir stellen die Frage: Was drückt der Abschnitt im Lichte des Werkes Jesu Christi am Kreuz aus? Michael Lawrence, der ja auch einer der Hauptredner der Konferenz ist, hat in seinem Buch „Biblische Theologie für die Gemeinde“ Folgendes geschrieben: „Wenn uns erst einmal klar geworden ist, wo unser Text heilsgeschichtlich steht, dann sind wir in der Lage, dessen Thema die ganze Bibel hindurch zu verfolgen. Dies führt uns dazu, dass wir nun über unseren Text als das lehren oder predigen können, was er wirklich ist: Keine einzelne Perle an einer Kette, ohne jede Beziehung zum Rest, sondern als Ausschnitt eines Wandteppichs, der unauflösbar und organisch mit dem Ganzen verbunden ist“ (Michale Lawrence, Biblische Theologie für die Gemeinde, Bethanien Verlag, S. 230).

Neben der Predigt wird die Biblische Theologie auch viele andere Bereiche der Gemeinde prägen. Denken wir zum Beispiel an den Kindergottesdienst. Vielfach wird aus dem biblischen Bericht von David und Goliath eine ethische Predigt für Kinder abgeleitet. Der Mut und die Unerschrockenheit Davids werden hervorgehoben. Den Kindern wird gern gesagt, dass auch sie die Probleme in ihrem Leben besiegen können, wenn sie nur so mutig und tapfer wie David seien. Die Kleinen hören dies und gehen mit gestärktem Selbstbewusstsein nach Hause. Wenn es aber wahr ist, was Jesus den Emmaus-Jüngern sagte, dann müssen wir die Frage stellen: Wo ist in der Geschichte ein Hinweis auf Jesus zu finden? Wir sind doch vielmehr die verzagten Israeliten, die es ablehnten ihrem Gott zu vertrauen. Obwohl Er sie in der Vergangenheit mehrfach aus Todesnot befreit hatte, meinten sie diesmal, die Übermacht der Philister sei zu groß. Daher waren sie vor Furcht gelähmt. Aber Gott brachte ihnen einen Retter. Obwohl sie nach einem Kämpfer mit einem großen Schwert Ausschau hielten, sandte Er ihnen einen einfachen Hirtenjungen, der nur mit einer Schleuder und fünf kleinen Steinen bewaffnet war. Weil auch unser Leben von Unglauben und mangelndem Gottvertrauen gekennzeichnet ist, benötigen wir ebenfalls einen Retter der für uns den Riesen unserer Sünde vernichtet. Auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen, wie David zu sein, werden wir es niemals schaffen, uns aus den Klauen des Feindes zu befreien.

David ist die Verheißung auf unseren großen Retter Jesus Christus. Er kam wie David, nicht mit einem Schwert, sondern als ein Hirte. Er gab sein Leben, um unseren größten feindlichen Riesen, die Sünde und den Tod zu besiegen. Das ist das Evangelium schon in alttestamentlichen Texten. Dies müssen auch die Kindern hören.

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Das vollständige Interview gibt es hier: www.evangelium21.net.

Die verlogenen Statistiken des Alfred Kinsey

Alfred Kinsey hat mit seinen soziologischen Untersuchungen die Grundlage für die „postmoderne Sexualität“ gelegt. Leider wird in Deutschland selten darüber gesprochen, auf welch perverse und verlogene Weise seine Statistiken entstanden sind. Zu den wenigen kritischen Kinsey-Forschern gehört Judith Reisman, deren Buch Sexual Sabotage: How One Mad Scientist Unleashed a Plague of Corruption and Contagion on America 2010 erschienen ist. Ergebnisse ihrer Untersuchungen werden in dem Salvo-Artikel „Lie Charts“ zusammengefasst: Salvo_18_Lie_Charts.pdf.

In deutscher Sprache ist der Artikel „Hört ihr die Kinder weinen?“ im Jahre 2010 erschienen. Ein Zitat:

In Kinseys Fragebogen wurde niemand gefragt, ob er diese oder jene sexuelle Erfahrung gemacht habe. Er wurde nur gefragt, wann er diese oder jene Praktik ausgeübt, wann er außereheliche oder gewalttätige oder sadistische Erfahrungen gemacht und wann er mit Personen des eigenen Geschlechts, mit Kindern und Tieren sexuell experimentiert habe.

Der englische Kinsey-Biograf Jonathan Gathorne-Hardy, einer der wenigen, der Zugang zum bis heute geheimgehaltenen Kinsey-Archiv bekam, bemerkt: „Er [Kinsey] ging immer davon aus, dass Menschen alles praktiziert hatten. Es war niemals: Hatten Sie Sex mit einem Tier, sondern: Wann war es das erste Mal, dass Sie Sex mit einem Tier hatten? Wenn man das nicht hatte, war es okay; wenn man es hatte, hatte er [Kinsey] Sie in der Hand.“

Kinsey und seine Mitarbeiter machten die Erfahrung, dass sie wesentlich leichter an Daten von „unkonventionell lebenden Menschen“ kommen konnten als an Daten von durchschnittlichen College-Studenten oder von verheirateten Müttern oder Vätern, obwohl diese damals die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung ausmachten. Schon aus „praktischen Gründen“ zog das Kinsey-Team deshalb die Befragung von Prostituierten, Homosexuellen, Gefängnisinsassen und Menschen der „Unterwelt“, wie Kinsey sie nannte, vor.

Aufgrund ihrer Befragungen kam das Kinsey-Team u.a. zu folgenden Schlussfolgerungen:

95% aller US-amerikanischen Männer sind Sexualstraftäter, 69% Stammkunden bei Prostituierten, 37% hatten schon mindestens eine homosexuelle Erfahrung bis zum Orgasmus, 17% der Farmer hatten Sex mit einem Tier.

Wenn Daten den Verstand verhexen

Algorithmen sind mittlerweile in digitalen Diensten allgegenwärtig und bestimmen das Angebot. Sie können einiges, aber man erahnt die Grenzen. Es ist falsch, alle Analysen und Entscheidungen Rechnern und Statistiken zu überlassen. „Manche behaupten auch, die computergestützte Analyse von Mustern werde in der Medizin, in den Sozialwissenschaften wie auch in der Physik schon bald an die Stelle traditioneller Methoden der Entdeckung der Wahrheit treten.“ Emanuel Derman plädiert für eine Welterkenntnis, die sich nicht auf Datensammlungen verlässt:

Es gibt noch eine letzte Form des Verstehens: die statistische Analyse, die hinter Big Data steckt. Die Statistik versucht, in Daten aus der Vergangenheit Trends und Korrelationen aufzuspüren, und unterstellt, dass diese Trends und Korrelationen auch in Zukunft weiterbestünden. Aber nach einem berühmten, niemand zugeschriebenen Satz bedeutet Korrelation nicht Verursachung.

Big Data ist nützlich, aber kein Ersatz für die klassischen Wege der Welterkenntnis. Daten haben keine Stimme. Es gibt keine „Rohdaten“. Die Entscheidung, welche Daten man sammelt, bedarf bereits der Einsicht. Wer das sinnvoll tun will, braucht die klassischen Methoden: Man braucht weiterhin Modelle, Theorien oder Intuition, um Ursachen ausfindig zu machen.

Wittgenstein hat einmal geschrieben: „Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“ Ich verstehe das so: Die Sprache vermag unsere natürliche Intuition zu täuschen, und wir brauchen die Philosophie, um diese Intuition zurückzugewinnen. Ganz ähnlich möchte ich behaupten: Die Wissenschaft ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch Daten.

Mehr: www.faz.net.

William Edgar: Schaeffer und das geistliche Leben

SCL 300x449William Edgar hat Francis Schaeffer in L’Abri kennengelernt und nun ein Buch über ihn geschrieben. Hier ein paar Empfehlungen für Schaeffer on the Christian Life: Countercultural Spirituality:

Os Guinness:

Friendly, passionate, intellectual, and constantly engaged with people as well as ideas and contemporary affairs, Francis Schaeffer comes alive in Edgar’s objective but affectionate portrait. Rescued from the distortions of both lionisers and demonizers, here is ‘FAS’ as so many of us knew him in the great years of L’Abri—and with so much to contribute to our world today.

David F. Wells:

An engaging, fascinating account, seasoned with unusual insight into one of the truly original apologists of our time.

John M. Frame:

For many years I hoped that I could spend some time at L’Abri, but that was not God’s plan for me. Instead, God enabled me to become friends with many L’Abri alumni, of whom Bill Edgar was one. I have been impressed with the intellectual caliber of those men and women, but even more with their godly character. L’Abri evidently had a way of leading people from intellectual atheism, to conversion, to spiritual maturity. Bill’s book focuses, more than other L’Abri books, on theis process of what we now call spiritual formation. The whole church can learn much from it. I commend this excellent book to all hwo seek to draw nearer to God.

Colin Duriez:

Francis Schaeffer was small of stature but a giant in his tenacious concern for truth, for God, for people, and for reality. He became convinced that Christian faith was the radical path for our own day, the realistic answer to the hard questions of a modern, troubled world. William Edgar’s compulsively readable study of Francis Schaeffer’s thought is set in the context of his rough-edged life and his brilliantly-inspired work in the L’Abri community he established with his remarkable wife, Edith. L’Abri, perched high on the slopes of a remote alpine valley, drew a motley procession of mainly young travellers from the ends of the earth. Schaeffer’s own, sometimes anguished, quest to communicate the ancient biblical text in a century of unprecedented historical changes attracted and opened doors for a generation of Christians. It also convinced many outside the faith with honest questions (like Bill Edgar himself) to follow the way of Christ. This engaging book captures the fire of Francis Schaeffer’s thought and concerns, and revisits and reinvigorates the still urgent challenge he presented to the church in the modern world.

Das erste Kapitel des  Buches gibt es hier: schaeffer-on-the-christian-life-download.pdf.

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VD: JT

Gleichstellung

Berthold Kohler hat den Zwang zur Gleichstellung in der FAZ kommentiert. Die Zukunft der Ehe hängt nicht von den Vorgaben des Zeitgeists, den Verrenkungen der CDU oder von den Vorstellungen des Gesetzgebers in Karlsruhe ab. Aber die traditionellen Familien – und das unterschätzt Kohler meines Erachtens – werden in Zukunft durch die linkspolitischen Umerziehungsprogramme noch mehr belastet.

Trotzdem kommentiert Kohler insgesamt gut. Besonders gefällt mir folgender Satz:

In Zeiten, in denen gesellschaftlicher Fortschritt in den Maßeinheiten der Gleichstellung gemessen wird, kämpfen Politiker, die behaupten, es gebe auch noch Ungleiches in der Welt, auf verlorenem Posten.

V.S. Poythress: Logik

51t9aOv XKLVern Sheridan Poythress hat einen christlichen Entwurf zur Logik vorgelegt. Der Verlag schreibt über das neue Buch mit 736 Seiten: Logic: A God-Centered Approach to the Foundation of Western Thought.

For Christians looking to improve critical thinking skills, here is an accessible introduction to the study of logic as well as an in-depth treatment of the discipline from a professor with six academic degrees and over 30 years experience teaching. Questions for further reflection are included at the end of each chapter as well as helpful diagrams and charts for use in college and graduate-level classrooms. Vern Poythress has undertaken a radical recasting of the study of logic in this revolutionary work from a Christian worldview.

Hier kann man mal reinschauen:

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Aufmarsch der Hyperkorrekten

Unisex-Toiletten, gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare – überhaupt für alle Menschen und Menschinnen. Wer es wagt, leise Zweifel an der neuen politischen Korrektheit anzumelden, der wird in den Bann genommen. Das ist lähmende Gleichmacherei, meint Alexander Kissler:

Wo bleibt die Freiheit, wenn es nicht eine Freiheit ist zum Widerspruch, zur Absage, zur Minderheit? Was ist eine Toleranz, was eine Gleichberechtigung wert, wenn in deren Namen ganz intolerant Denkverbote ausgesprochen und Platzverweise erteilt werden?

Hier: www.cicero.de.

Geschichte und Offenbarung bei Rudolf Bultmann

Rudolf Bultmann PortraitRudolf Bultmanns (1884–1976) Hauptinteresse galt dem Verhältnis von Offenbarung und Geschichte. Also: Können wir die Bibel noch so auslegen, dass sowohl der Bezug zur Geschichte als auch der Bezug zu Gott gleichermaßen zur Geltung kommen?

Auf der einen Seite wurde er mit dem Reduktionsverfahren der liberalen Theologie konfrontiert. Die Exegeten und Ethiker des 19. Jahrhunderts hatten die Botschaft des Neuen Testaments auf bestimmte religiöse und sittliche Grundgedanken reduziert. Bultmann sah darin einen offensichtlichen Mangel des göttlichen Bezugs in der Rede von Gott. Da es hierbei um Religiosität aber nicht um Heil ging, lehnte er diesen Weg mit aller Schärfe ab. Auf der anderen Seite fehlte jedoch dem bekenntnisorientierten Biblizismus der Bezug zur Geschichte. Von dem modernen Menschen könne man nicht mehr erwarten, dass er die Mythologie des Neuen Testaments bejahe. Bultmann: „Kann die christliche Verkündigung dem Menschen heute zumuten, das mythische Weltbild als wahr anzuerkennen?“ Die Antwort ist klar: „Das ist sinnlos und unmöglich.“

Obwohl Bultmann sich seit Jahren mit dem Problem beschäftigte und darüber publizierte, war es ein 1941 gehaltener Vortrag zu dem Thema: „Neues Testament und Mythologie“, der Bultmann berühmt machte. Der Beitrag wurde noch im selben Jahr als kleines Buch gedruckt und nach dem Krieg in großen Mengen verkauft. Bultmann hat darin – so kann man es sehen – sein Lebenswerk zusammengefasst. Hier zeichnet er den gesuchten dritten Weg, der seiner Meinung nach sowohl der Geschichte als auch Gott angemessen ist.

Bultmann möchte das Wort der Bibel wieder so verständlich machen, dass es die aufgeklärten Menschen der Neuzeit als Anrede Gottes verstehen können. Was das Wesen des Wortes der Bibel verdunkelt, ist der tiefe Graben zwischen der mythologischen Vorstellungswelt damals und der aufgeklärten heute. Unser Weltbild wird durch die Wissenschaft bestimmt, das Weltbild des Neuen Testaments dagegen ist durch und durch mythologisch. Das Neue Testament stellt uns einen dreistöckigen Kosmos vor, in dem jeweils Gott, Satan und Mensch zu Hause sind. Für uns ist das nicht mehr akzeptabel. Es ist, so formuliert Bultmann gern, „erledigt“. Erledigt sind die Geschichten von der Höllen- und Himmelfahrt Christi. Erledigt ist die Vorstellung von einer unter kosmischen Katastrophen hereinbrechenden Endzeit. Erledigt ist die Erwartung des auf den Wolken des Himmels kommenden Menschensohnes. Erledigt sind die Wunder als bloße Wunder. Erledigt ist der Geister- und Dämonenglaube.

Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.

Aber nicht nur das naturwissenschaftliche Weltbild fordert Bultmann zur Kritik an den mythologischen Vorstellungen der Bibel heraus. Noch wichtiger ist ihm das Selbstverständnis des modernen Menschen.

Der Mensch versteht sich nicht mehr als ein dualistisches Wesen, das für das Eingreifen Gottes offen und bereit ist. Der Mensch von heute ist ein geschlossenes Wesen, dass sich selbst sein Denken, Fühlen und Wollen zuschreibt. Wieder fährt Bultmann scharfe Geschütze auf: Unverständlich ist für den modernen Menschen die Vorstellung von dem göttlichen Geist als einem übernatürlichen Etwas, das in das Gefüge der natürlichen Kräfte eindringt. Unverständlich ist für ihn die Deutung des Todes als einer Strafe für die Sünde. Unverständlich ist für ihn die Lehre von der stellvertretenden Genugtuung durch das Sterben Christi am Kreuz. „Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlosen (wenn man von einem solchen überhaupt reden darf) gesühnt werden? Welche primitiven Begriffe von Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung zugrunde? Welch primitiver Gottesbegriff?“ Unverständlich ist die Auferstehung Christi als ein Ereignis, durch das eine Lebensmacht entbunden ist, die man sich durch Sakramente aneignen kann. Unverständlich ist für ihn die Erwartung, in die himmlische Lichtwelt versetzt und dort mit einem neuen, geistlichen Leib überkleidet zu werden.

Wie nun ist dieser große Widerspruch zwischen der mythologischen Welt der Bibel und dem Weltbild und Selbstverständnis des modernen Menschen aufzulösen? Den Weg des Liberalismus kann Bultmann nicht gehen. Der Weg des Biblizismus ist für ihn ein Gräuel. Seine Antwort lautet: Soll die Verkündigung des Neues Testamentes ihre Gültigkeit behalten, so gibt es gar keinen anderen Weg als sie zu entmythologisieren.

So macht sich es Bultmann zum Programm, das Heilsgeschehen, über das im Neuen Testament berichtet wird, ohne Mythos darzustellen und damit die Wahrheit der biblischen Botschaft so zu vermitteln, dass sie glaubhaft wird. Bultmann will nicht im Sinne des Liberalismus den Mythos eliminieren. Nein. Im Mythos wird der Mensch inne, dass die Welt, in der er lebt, voller Rätsel und Geheimnisse ist, dass er nicht Herr über die Welt und sein Leben ist, sondern vielmehr abhängig von Mächten jenseits des Bekannten. Der Mythos erzählt über die Unkontrollierbarkeit des Lebens jedoch in einer unzureichenden Art und Weise. Er redet vom Unweltlichen weltlich. Er objektiviert das Jenseits zum Diesseits. Die Götter erscheinen als menschliche Wesen. Der Mythos steht sich in der modernen Gesellschaft selbst im Wege. Und so fordert Bultmann in seinem Verfahren nicht die Eliminierung des Mythos, sondern seine existenziale Interpretation. Er will die mythologischen Vorstellungen nicht ausschalten, sondern auf ihr Existenzverständnis befragen. Der tiefere Sinn, die nicht offensichtliche Bedeutung der Texte, soll aufgedeckt und verkündet werden.

Entmythologisierung ist für Bultmann also nicht eine Verkürzung der Botschaft, sondern seine hermeneutische Methode zum Aufschließen der eigentlichen Botschaft der Bibel. Bultmann wörtlich: „Ich nenne eine solche Interpretation existenziale Interpretation, da sie bewegt von der Existenzfrage des Interpreten, nach dem in der Geschichte jeweils wirksamen Existenzverständnis fragt“ (Rudolf Bultmann, „Zum Problem der Entmythologisierung“, in: Hans Werner Bartsch, Herbert Braun u. a., Kerygma und Mythos VI, Hamburg, 1963, S. 20–27, hier S. 21).

Spätestens jetzt, bei der Hermeneutik, können wir seine Nähe zu Heidegger feststellen. Heidegger hatte in seinem Hauptwerk Sein und Zeit versucht, das traditionelle Subjekt-Objekt-Denken, dass die Philosophie von der Antike her bis in die Neuzeit beherrschte, zu überwinden. Er machte das falsche Geschichtsbild dieses Denkschemas für das Scheitern der Philosophie verantwortlich. Das Kennzeichen des Historismus besteht nach Heidegger darin, dass die Werke der Geschichte als Quellen benutzt werden, aus denen man ein Bild der Vergangenheit rekonstruiert. Der Historiker protokolliert und sortiert die Geschichte und produziert damit ein statisches Abbild des einmal Gewesenen. Nach Heidegger ist das ignorant. Die Welt wird zum Gegenstand, den der Mensch zu begreifen sucht. Und damit springt der Mensch geradezu aus seiner Existenz heraus. Er malt sich ein Bild von der Welt ohne die Berücksichtigung der eigenen Existenz.

Genau das sucht Heidegger zu überwinden. Er denkt in seiner Philosophie nicht im klassischen Subjekt-Objekt-Schema, sondern in der Kategorie des Seins. Der Mensch lässt sich von der Geschichte ergreifen, als ein Teil von ihr mit hineinziehen. Verstehen der Geschichte vollzieht sich in der Begegnung mit der Geschichte (der Heidegger-Schüler Hans-Georg Gadamer sprach von „Horizontverschmelzung“). Diese Begegnung stellt unsere eigene Existenz in Frage, deckt die Geschichtlichkeit des eigenen Daseins auf. Indem der Mensch in den Dialog mit der Geschichte eintritt, tritt er in ein Gespräch mit sich selbst ein. Geschichtsauslegung und Selbstauslegung korrespondieren miteinander.

So geht es auch Bultmann nicht um das Konstatieren historischer Ereignisse, sondern um das, was in der Mythologie das eigentlich Bedeutsame für unsere Existenz ist. Seine Antwort lautet „Kerygma“. Der Begriff Kerygma stammt aus dem Neuen Tetstament und bedeutet so viel wie „Botschaft“, „Proklamation“, „Predigt“. Der Inhalt des Kerygmas ist das Christuszeugnis. Wo das Christusgeschehen gegenwärtig ist, da können Menschen heil werden.

Bultmann wiederholt immer wieder, dass uns Christus im Wort begegnet, und zwar nur im Wort. Ich zitiere: „Im gepredigten Wort und nur in ihm begegnet der Auferstandene.“ Oder: „Jesus Christus begegnet dem Menschen nirgends anders als im Kerygma“. Noch ein klassischer Bultmann-Satz: „Indem Gott Jesus kreuzigen ließ, hat er für uns das Kreuz errichtet: an das Kreuz Christi glauben, heißt nicht, auf einen mythischen Vorgang blicken, der sich außerhalb unser und unserer Welt vollzogen hat, auf ein objektiv anschaubares Ereignis, das Gott als uns zugute geschehen anrechnet; sondern an das Kreuz glauben, heißt, das Kreuz Christi als das eigene übernehmen, heißt, sich mit Christus kreuzigen lassen.“

Kerygma als die Christusbotschaft im Wort korrespondiert bei Bultmann mit dem Selbstverständnis. Das Offenbarungshandeln Gottes, dass uns im Kerygma begegnet, verleiht uns ein neues Selbstverständnis. Es lehrt uns, uns in einem neuen Licht zu sehen. Der Glaube ruft in eine neue Existenz.

Bultmanns Programm der Entmythologisierung wirkt rückblickend ziemlich autoritär. Er weiß ganz genau, was „modern“ und damit annehmbar ist und was nicht. Die Weltanschauung, die er instrumentalisiert um die Offenbarung zu kritisieren, ist heute – nur 60 Jahre später – selbst ein Mythos.

Ein anderer Kritikpunkt wirkt noch schwerer: Da man von Gott nur indirekt reden kann, sind alle theologischen Aussagen nur als existentielle Aussagen wahr. Alle Mitteilungen über Gott müssen in die menschliche Existenz gefasst sein. Darum kommt Bultmann zu einem wichtigen Satz. Wer diesen Satz verstanden hat, hat wahrscheinlich Bultmann verstanden: „Will man von Gott reden, so muß man offenbar von sich selbst reden.“ Die Rede von Gott wird zur Rede über den Menschen. Das Unendliche ist letztlich das Eigentliche des Endlichen, Theologie ist Anthropologie.

Es war Bultmanns Anliegen, die Spannung zwischen Geschichte und Offenbarung zu überwinden. Er entschied sich gegen die Geschichte für die Offenbarung, redet jedoch nur vom Menschen.

Der Theologieprofessor Matthias Krieger wirbt in dem nachfolgenden DLF-Gespräch für das Programm der Entmythologisierung. Er spricht so, als ob wir von Bultmann noch viel erwarten könnten. Ich rechne eher damit, dass nach 100 Jahren Metaphysik- und Mythoskritik die Freude am Metaphysischem zurückkehrt. Kein Wunder. So viel Anthropozentrismus muss irgendwann langweilig werden.

Mann, was für ein Buch!

41t4ptakMWL BO2 204 203 200 PIsitb sticker arrow click TopRight 35 76 AA278 PIkin4 BottomRight 67 22 AA300 SH20 OU03Rosaria Butterfield beschreibt in ihrem Buch The Secret Thoughts of an Unlikely Convert, wie sie – bereits Ende 30 – als Intellektuelle von Jesus Christus gefunden wurde. Über das Buch:

schreibt der herausgebende Verlag:

Rosaria, by the standards of many, was living a very good life. She had a tenured position at a large university in a field for which she cared deeply. She owned two homes with her partner, in which they provided hospitality to students and activists that were looking to make a difference in the world. There, her partner rehabilitated abandoned and abused dogs. In the community, Rosaria was involved in volunteer work. At the university, she was a respected advisor of students and her department’s curriculum. And then, in her late 30s, Rosaria encountered something that turned her world upside down-the idea that Christianity, a religion that she had regarded as problematic and sometimes downright damaging, might be right about who God was, an idea that flew in the face of the people and causes that she most loved. What follows is a story of what she describes as a „train wreck“ at the hand of the supernatural. These are her secret thoughts about those events, written as only a reflective English professor could. Conversion put me in a complicated and comprehensive chaos. I sometimes wonder, when I hear other Christians pray for the salvation of the „lost,“ if they realize that this comprehensive chaos is the desired end of such prayers. Often, people asked me to describe the „lessons“ that I learned from this experience. I can’t. It was too traumatic. Sometimes in crisis, we don’t really learn lessons. Sometimes the result is simpler and more profound: sometimes our character is simply transformed.

Doug Wilson, bekannt durch seine apologetischen Debatten, z.B. die mit Christopher Hitchens, hat eine kurze und emotionale Buchempfehlung geschrieben, die ich hier mit freundlicher Genehmigung wiedergebe. Ivo C. hat sie schnell übersetzt. Vielen Dank!

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Mann, was für ein Buch!

Ich kann dieses Buch gar nicht stark genug empfehlen. Das ist nur ein knapper Einblick; ich möchte hier schlicht eine Zusammenfassung seiner Grundstruktur geben. Dabei möchte ich drei großartige Dinge darüber sagen, um es Ihnen daraufhin wärmstens ans Herz zu legen: Besorgen Sie sich das Buch und lesen Sie es!

Rosaria Champagne Butterfield war Professorin für englische Literatur in Syracuse (USA). Sie war eine Spezialistin für die postmoderne „Queer Theory“ – und eine radikale Lesbe. In diesem Buch beschreibt sie ihre „Zugunglücks-Bekehrung“ hin zu Christus. Sie erzählt, wie der Herr sie – qualvoll! – Schritt für Schritt zu ihrer gegenwärtigen, hohen Berufung als Frau eines reformierten Pfarrers, einer Mutter, die Hausunterricht gibt und als Pflegeelternteil tätig ist, geführt hat.

Doch jetzt zu den drei erstaunlichen Punkten dieses Buches (die Reihenfolge ist egal):

Zuerst ist da die unübersehbare Kraft der Gastfreundlichkeit und Liebe. Zu Christus fand sie durch treue Christen, die sie bei sich willkommen hießen, und seit sie Christus gehört, spürt sie, wie diese Kraft auch nach außen hin wirkt – sie zeigt, was sich im Leben anderer Menschen geändert hat, als sie selbst ihr Haus geöffnet hat.

Der zweite Punkt betrifft die Geschicklichkeit, mit der sie das Wirken des Geistes beschreibt, der sein Volk Schicht für Schicht zur Umkehr leitet. Ihre Geschichte ist eine Geschichte der Umkehr, die nicht an der Kirchentür zu Ende ist. Dieses Buch erzählt über die Beziehung von Autorität und Buße.

Drittens: Obgleich das Buch relativ dünn ist, ist es voller flüchtiger, dafür aber unschätzbarer Beobachtungen. Rosaria ist eine kluge Frau und hat ein scharfes Auge. Doch nicht nur das – sie hat das Auge einer geschulten Außenseiterin: Sie wurde der Welt entfremdet und in Christus eingepfropft. Wie sie das beschreibt, ist einfach umwerfend. Sie wurde dem einem Stamm entnommen und einem anderen Stamm eingepflanzt, eine Wirklichkeit, die ihr einen guten Blick auf die Aspekte unseres Verhaltens verliehen, die Jesus betreffen – aber auch auf die nur „stammesspezifischen“ und irgendwie „komischen“ Aspekte. Es finden sich somit Beobachtungsschätze im Buch, für gewöhnlich nur ein oder zwei Sätze lang, die aber ganze Kapitel, ja Bücher füllen könnten! Auf diese Sätze sollten Sie ganz besonders achten.

Okay, lassen Sie mich noch einen vierten Punkt anfügen: Diese Frau kann wirklich schreiben! Dieses Buch wird Ihnen unter Garantie zum Segen sein. Besorgen Sie es sich und lesen Sie es. Mann, was für ein Buch!

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Hier gibt’s noch ein Interview, das Marvin Olasky mit Rosaria Butterfield am 11. Januar geführt hat:

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