Der Götzendienst der Optionen

Wenn wir uns nicht festlegen und uns gern alle Optionen offen halten, ist das eine Form von Götzendienst, behauptet Barry Cooper in einem Beitrag für Christianity Today: „Wir beten den Götzen der offenen Optionen an.“ Dabei gibt es gute Gründe für klare Entscheide.

Livenet hat den Artikel zusammengefasst:

„Wir beten den Götzen der offenen Optionen an“, urteilt der Autor und Gemeindegründer. „Und er bringt uns um. Er killt unsere Beziehungen, indem er uns sagt, wir sollten uns nicht zu sehr festlegen. Er killt unseren Dienst an anderen, indem er uns sagt, wir hätten allein mehr von unseren Wochenenden. Er würgt unser Geben ab, indem er uns einflüstert, in diesen unsicheren Zeiten sollten wir mehr auf die hohe Kante legen.“ Besonders erschreckend an diesem Götzen sei, dass seine Verehrung gar nicht als solche wahrgenommen werde. „Denn er gibt vor, gar kein Götze zu sein. Ja, er verheisst dir Freiheit von allen Götzen, allen Abhängigkeiten.“ Doch die Israeliten, die sich nicht für ihren Gott Jahwe entscheiden wollten, seien dadurch nicht frei gewesen. Ihre Unentschlossenheit habe sich lähmend ausgewirkt.

Mehr: www.livenet.ch.

Der Weg der Versuchung

Nachfolgend ein Beitrag von Professor Bauder über die Versuchung:

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Der Weg der Versuchung

Kevin Bauder

Christen haben manchmal eine nicht ganz richtige Vorstellung von der Versuchung. Manche halten die Versuchung selbst schon für das Böse, als ob allein das versucht werden bereits eine Sünde sei. Auf der anderen Seite könnte man glauben, die Versuchung allein sei nur der ursprüngliche Auslöser, der letztendlich zur eigentlichen Sünde oder auch zur wiederholten Sünde führt. In Wahrheit aber sind die anfänglichen Stadien der Versuchung gar nicht so heimtückisch, wie manche glauben, während die späteren Stadien der Versuchung viel finsterer sind, als manche erahnen. Die Versuchung geschieht in mehreren Stadien und jedes einzelne davon beinhaltet schrittweise, zunehmende Verstrickung in der Sünde. In den folgenden Absätzen werde ich die Stadien der Versuchung zusammenfassen und erklären, wie man von einem Schritt zum nächsten immer mehr dem Objekt der Versuchung unterworfen wird.

Die erste Stufe der Versuchung ist die Neigung. Zu diesem Zeitpunkt begegnet ein Mensch dem Objekt der Versuchung und wird auf gewisse Art und Weise davon angezogen. Das Objekt oder dessen Anziehungskraft allein sind nicht unbedingt schon Sünde. Ein Mensch empfindet einfach ein Verlangen, das unter den gegebenen Umständen nicht rechtens befriedigt werden kann. Eine ganz und gar grundlegende Form dieser Versuchung finden wir in der ersten Versuchung Jesu: Er war hungrig und er war versucht, Brot zu erschaffen. Das Verlangen nach Nahrung war nicht falsch, aber es konnte unter den gegebenen Umständen nicht legitim befriedigt werden. Wird die Versuchung in diesem Stadium abgewehrt, so wurde keine Sünde begangen.

Wenn man der Neigung jedoch nicht widersteht und sie zurückweist, dann entsteht Erwägung. In diesem Stadium greift das Objekt der Versuchung mehr und mehr von dem Menschen Besitz. Es wird ständig vor das geistige Auge gehalten und die davon ausgeübte Faszination kann fast schon an Besessenheit grenzen. Anstatt vor der Versuchung zu fliehen, nähert man sich ihr an. Dies ist das Stadium, in welchem die Versuchung ein gewisses Element der Sünde beinhaltet, denn unsere Gedanken müssten sich nicht zwangsweise so sehr mit dem Objekt der Versuchung beschäftigen. Im richtigen Umgang mit Versuchung könnte man an dieser Stelle ein Signal sehen, die Gedanken auf andere Dinge zu lenken, die in der Tat unserer Erwägung wert sind.

Wird die Erwägung nicht unterbrochen, so führt sie zur Erlaubnis. Ab einem gewissen Punkt hält man das Objekt der Versuchung für so begehrenswert, dass man danach greift. Das eigentliche Delikt ist noch nicht geschehen und wird vielleicht sogar niemals Wirklichkeit werden, denn vielleicht findet der Mensch keine richtige Gelegenheit das Zugelassene auch in die Tat umzusetzen. Dennoch hat er, indem er innerlich bereits die Erlaubnis gegeben hat, seiner Entscheidung Ausdruck verliehen, die Tat bei der nächstmöglichen Gelegenheit zu verwirklichen. Hier und da kann auch eine weniger direkte Ersatztat gegen die eigentlich beabsichtigte und direkte Sünde ausgetauscht werden. Wie Jesus selbst klarstellte, üble Nachrede ist Mord, Lust ist Ehebruch, und schlüpfrige Rede ist Meineid. Ist die Entscheidung einmal getroffen, so ist der Mensch bereits in die Sünde verwickelt.

Die natürliche Folge der Zulassung ist die Teilnahme. Dies ist die unverhohlene Ausführung der Sünde (oder die Unterlassung der Pflicht), nicht länger als eine Überlegung im Herzen, sondern als eine willentliche Tat. Selbst bei Sünden der Gesinnung vollzieht sich ein gewisser Wandel zwischen der Erwägung und der Teilnahme. Es gibt einen Punkt, an welchem der Mensch aufhört, gegen die verbotene Gesinnung anzukämpfen und ihr stattdessen frönt. Sehr oft repräsentiert die Teilnahme einen Wendepunkt in dem Verhältnis zu der Sünde. Wenn man sich erst einmal willentlich, aktiv und vorsätzlich der Sünde befleißigt hat, so wird der Wille geschwächt und Wiederholtes sündigen wird leichter. Weiteres Verbleiben in der Sünde ist daher zu erwarten.

Im fortgeschrittenen Stadium der Teilnahme wandelt sich die Versuchung nun zur Gewohnheit. Um es mit den Worten von John Donne zu sagen [ein englischer Schriftsteller, der von 1572–1631 lebte, Anmerkung des Übersetzers], bleibende Gewohnheiten bilden sich infolge von Inkonsequenz. Jeder Genuss der Sünde schwächt den Willen und führt damit zu weiterer Hingabe. Letztendlich wird die Sünde ein beständiger Teil des täglichen Lebens. Je mehr sich der Mensch an die Sünde gewöhnt, umso normaler erscheint sie ihm. Sie verschmilzt mit seiner Umwelt. Sie wird derart durchsichtig, dass sie wie eine Linse funktioniert, durch die der Sünder seine Wirklichkeit wahrnimmt. In diesem Stadium ist der Sünder nicht einfach nur ein Sünder, sondern ein Sklave. Die Sünde hält den Sünder gefangen und beginnt allen Dingen einen neuen Anstrich zu verleihen.

Das letzte und schlimmste Stadium ist erreicht, wenn die Versuchung zur Identifikation wird. Die Sünde wird so sehr ein Teil des Lebens, dass nach und nach die Identität des Sünders durch sie geformt wird. Die Sünde erreicht einen Punkt, an welchem der Sünder sein eigenes Selbst nur noch vor dem Hintergrund des begehrten Objekts wahrnimmt. Es ist ein Teil von ihm geworden. Er kann sich das Leben ohne die Sünde nicht länger vorstellen. Verlöre er sie, so wüsste er nicht mehr, wer er wirklich ist. Die Sünde beherrscht nicht nur sein äußeres Verhalten, sondern auch die inneren Bezugspunkte. Sich zu diesem Zeitpunkt der Sünde noch zu entledigen kann dem Sünder so vorkommen, als müsste er sich selbst umbringen, denn die Sünde ist Teil der eigenen Identität geworden.

Es gibt noch ein anderes Stadium, das jedoch keinen bestimmten Platz in dieser Reihenfolge einnimmt. Es ist der Schritt der Legitimierung. Ein Mensch, der eine Sünde legitimiert, sieht sie nicht länger als Sünde an, sondern hat einen Weg gefunden, sie zu rechtfertigen. Dieses Stadium tritt nicht immer ein. Viele Sünder wissen genau, dass sie sündigen und geben es offen zu, selbst wenn sie bereits bis zum Stadium der Identifikation fortgeschritten sind. Andere jedoch versuchen, sich zu rechtfertigen, indem sie einen Weg finden, die Sünde neu zu definieren, so dass sie nicht länger sündig ist, zumindest nach ihrer eigenen Auffassung.

Jeder Versuchung muss man im frühestmöglichen Stadium begegnen. Wartet man ab, bis die späteren Stadien eingesetzt haben, so wird es um ein Vielfaches schwieriger, der Sünde noch zu widerstehen. Ebenso führt es dazu, dass man sich selbst immer mehr mit der Sünde befasst. Das erste Stadium, die Neigung, bringt nicht unbedingt gleich Schuld mit sich, aber jedes weitere Stadium beinhaltet eine mehr und mehr zunehmende Teilhabe an der Sünde. Es gibt übrigens kein Stadium, in welchem Gott nicht mehr in der Lage wäre, den Sünder aus Gnade zu erretten, aber es wäre eine unschickliche Prüfung Gottes, sich auf Errettung aus einem fortgeschrittenen Stadium der Versuchung zu verlassen, wo doch Jesus selbst eine derartige Prüfung Gottes zurückgewiesen hat. Dementsprechend muss jeder Christ Gott frühzeitig um Gnade ersuchen und alle Mittel einsetzen, die Gott zur Heiligung im Angesicht der Versuchung angeordnet hat.

Professor Dr. Kevin Bauder ist Professor für Systematische Theologie am „Central Baptist Seminary“ in Plymouth, Minnesota (USA). Wiedergabe des Artikels mit freundlicher Genehmigung, Übersetzung von Oliver Seitz. 

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Hier der Artikel als PDF-Datei:  Versuchung_1.0.pdf.

Die Gender-Toiletten

Der Gender-Wahnsinn ist weiter auf dem Vormarsch: In Massachusets dürfen Jungs jetzt die Mädchentoiletten benutzen, wenn sie vorgeben, „transgender“ zu empfinden. Niemand darf sie kritisieren oder raus schicken. In England werden ebenfalls „gender-neutrale“ Toiletten eingeführt.

Ich empfehle den Kurzkommentar von Jeremy Tedesco. „Die Dinge sind definitiv außer Kontrolle geraten.“ Hier:  blog.alliancedefendingfreedom.org.

VD: MG

Christliche Philosophie

Ich habe im Sommer 2010 auf das Symposium „Möglichkeit und Aufgabe christlichen Philosophierens“ hingewiesen, das von der STH in Basel (Schweiz) veranstaltet wurde. Freundlicherweise sendet der ERF die Vorträge nun sukzessive aus. Der ERF schreibt:

Wie vernünftig ist der christliche Glaube? Muss er das überhaupt sein? Kann und darf das, was ein Mensch glaubt, zu dem im Widerspruch stehen, was er denkt? – Um diese Fragen geht es in der zweiten Folge der Reihe über „Christliche Philosophie“.

Auf dem Programm steht ein Vortrag von Hans Christian Schmidbaur, Professor für Dogmatik an der Facoltà di Teologia di Lugano (Schweiz), aufgezeichnet auf der Philosophie-Studientagung, die im September 2010 an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel durchgeführt worden ist. Unter der Überschrift „Wein und Wasser – Thomas von Aquins Verhältnisbestimmung von Theologie und Philosophie“ schlägt Schmidbaur einen Bogen von Denkern der Scholastik wie z. B. Johannes Scotus Eriugena, Anselm von Canterbury und Thomas von Aquin bis hin zu Philosophen des 17. (Blaise Pascal) und 20. Jahrhunderts (Karl Jaspers).

Hier die Internetadresse: www.erf.de.

VD: SS

Gender-Lobbyismus

Nicolai Franz hat einen gut lesbaren Einführungstext zur Gender-Politik geschrieben:

Der Erfolg der Gender-Theorie ist vor allem ein politischer. 1985 diskutierten Delegierte auf der Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen (UN) erstmals den Begriff „Gender-Mainstreaming“. Auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking wurde er zum offiziellen politischen Programm. Von den UN aus sickerte der Begriff auch in die unteren Ebenen, die Europäische Union (EU) und nach Deutschland. Gender-Mainstreaming ist in der EU und der Bundesrepublik offizielles Programm. „To mainstream“ bedeutet in diesem Zusammenhang „berücksichtigen“ oder „einbinden“. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen sollen die Verantwortlichen darauf achten, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt, die ihre eigenen Bedürfnisse haben. Das Ziel: Gleichberechtigung. Das klingt zunächst wie ein Anliegen, das jeder vertreten kann.

Doch hinter dem Begriff steckt mehr. Warum steht in den UN-Dokumenten zum Beispiel nicht „Sex-Mainstreaming“, was sich auf das biologische Geschlecht beziehen würde? Genau genommen handelt es sich dabei um einen der größten Erfolge, den Lobbyisten in den letzten Jahrzehnten erzielen konnten. Denn mit „Gender“ hatten sie der Politik ein Wort untergejubelt, das sie selbst mit Inhalt füllen konnten: Nicht die Biologie und die Erziehung prägen die Geschlechterrollen, sondern nur die Erziehung.

Hier: www.pro-medienmagazin.de.

„Licht und Recht“: Ein Gespräch mit Andreas Gramlich

SAM 3473Andreas Gramlich betreibt die Internetseite „Licht und Recht“, die eine beträchtliche Anzahl reformatorisch ausgerichteter Texte in digitalisierter Form anbietet. TheoBlog hat sich mit dem Betreiber der Plattform unterhalten:

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„Licht und Recht“

Ein Gespräch mit Andreas Gramlich

 

TheoBlog: Andreas, etliche Leute schätzen Deine Internetseite „Licht und Recht“, kennen Dich aber nicht. Kannst Du uns was über Dich erzählen? 

Ich bin verheiratet mit meiner Frau Maria und bin Mitte 30. Kürzlich sind wir nach Karlsruhe gezogen, wo ich als Softwareentwickler arbeite. Ursprünglich stamme ich aus einem katholischen Elternhaus und bin vor etwa 15 Jahren zum Glauben gekommen. Seit unserem Umzug sind wir immer noch auf der Suche nach einer Gemeinde.

TheoBlog: Was hat Dein Interesse an reformierter Theologie geweckt?

Verkürzt gesagt bin ich durch das Lesen der Bibel und Predigten von Spurgeon, durch die ich die Heilige Schrift mehr und mehr verstand, zum Glauben gekommen. Da Spurgeon sich an verschiedenen Stellen positiv über die Reformation und die Reformatoren ausgesprochen hat, wollte ich mehr darüber wissen. Wenn ich mich recht erinnere, war Calvins Institutio die erste reformierte Schrift, die ich las. Von seiner Art und Weise, wie er die Schrift auslegte und Gott verherrlichte, war ich schon sehr angetan.

TheoBlog: Wie entstand die Internetseite „Licht und Recht“?

Im Internet bin ich auf das Buch Von Gottes Gnade und des Menschen Elend – Ein Querschnitt durch das Werk eines faszinierenden Verfechters einer vergessenen Theologie aufmerksam geworden. Ein Buch, in dem sich verschiedene Schriften von Adolph Zahn in Auszügen zusammengestellt finden und in dem der Herausgeber, Wolf Christian Jaeschke, einen weiteren Einblick in das Leben und die Theologie Zahns bietet. Adolph Zahn war mir zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt, aber der Titel hat mich sehr angesprochen. Von Gottes Gnade zu lesen, konnte nur gut sein und „des Menschen Elend“ betraf mich ja auch. Dann hieß die Reihe noch „Theologische Nachfahren Luthers und Calvins“. Somit war mein Interesse geweckt und das Buch stellte sich tatsächlich als eine wahre Fundgrube heraus.

Als ich mich dann weiter vertiefen wollte, musste ich feststellen, dass kaum etwas von der „Schule Kohlbrügges“ erhältlich war, weder im Buchhandel noch im Internet. Daher habe ich angefangen, deren Schriften antiquarisch zu erwerben und zu sammeln. Dabei entdeckte ich zwölf Bände mit Predigten von Kohlbrügge. Mehr und mehr kam in mir der Gedanke auf, diese Schriften einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Nachdem ich mich nach Möglichkeiten schlau gemacht hatte, wie man die Texte digitalisieren kann und wie man eine Internetseite erstellt, ich auch die „Kosten“ abgeschätzt hatte, nahm ich das Projekt in Angriff.

TheoBlog: Du bietest vor allem Texte von Kohlbrügge, Zahn, Wichelhaus, Böhl und von der Heydt an. Sind das Deine Lieblingsautoren?

Ja, das kann man so sagen. Was ich an ihnen schätze, ist ihre klare und treue Verkündigung des Wortes Gottes. Die Heilige Schrift ist Gottes Wort, und daran zu glauben, wird Kohlbrügge nicht müde zu predigen. Adolph Zahn hat auch mehrere Bücher publiziert, in denen er sich mit der Bibelkritik auseinandersetzt, die auch damals an den Universitäten hoch im Kurs stand. Kohlbrügges Predigten sprechen in das Leben hinein, ich sehe da Parallelen zum Heidelberger Katechismus, den er auch sehr geschätzt hat. Nämlich nicht abstrakte Theologie zu treiben, sondern den Menschen anzusprechen, was die Glaubensartikel für ihn bedeuten. Dabei verstand er es gut, den Text auszulegen und auf das Leben anzuwenden; wobei er immer den Sünder vor Augen hatte, der Vergebung und Trost nötig hat. Gottes Heiligkeit und Gesetz spielen für ihn da eine herausragende Rolle, und dass der Mensch ein Sünder ist und das vor Gott anerkennen soll. Dabei kommt er immer wieder darauf zu sprechen, dass das Heil in Christus vollbracht ist und weist solche Dinge wie einen Heiligungsoptimismus zurück – der Gläubige bleibt stets Sünder, ist aber gerecht durch Gottes gnädige Zurechnung der Heilstat und Gerechtigkeit Christi.

Was Kohlbrügge predigte, findet sich bei Böhl in seiner Dogmatik systematisch wieder. Die reformatorischen „sola“ kommen bei ihnen voll zur Geltung.

Diese Autoren stehen auch alle miteinander in persönlicher Verbindung. Wichelhaus war mit Kohlbrügge befreundet. Zahn und Böhl haben bei Wichelhaus studiert. Zahn war später auch einige Jahre Pastor an der niederländisch-reformierten Gemeinde in Elberfeld, also dort, wo zuvor Kohlbrügge Pastor war. Böhl war auch der Schwiegersohn Kohlbrügges.

Im Übrigen lese ich jedoch auch gerne anderes, wie z. B. Biographien – da warten noch einige Bände aus der Reihe „Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformierten Kirche“ darauf, von mir gelesen zu werden. Auch möchte ich wieder einmal mehr Luther lesen. Wenn ich jedoch einen Autor aus unserer Zeit empfehlen darf, dann ist das Bernhard Kaiser, dessen Buch Christus allein nicht unbedeutend für mein Glaubensleben war.

TheoBlog: Wie viele Texte hast Du inzwischen im Archiv?

Momentan sind es an die 500 Dateien, wobei die meisten wohl Predigten mit einer Seitenzahl von sechs Seiten sind. Es befinden sich aber auch einige Dokumente darunter mit über hundert Seiten, wie beispielsweise die Dogmatik von Böhl mit über 300 Seiten. So Gott will werden noch viele erscheinen, denn es sollen auch noch die 23 Bände von Kohlbrügges Schriftauslegungen folgen. Diese wurden posthum aus seinen, zum Teil unveröffentlichten, Predigten und Kinderlehren zusammengestellt, jedoch leider nur bis zu Psalm 95. Zunächst sind aber erst einmal die Passionspredigten und die Predigten über den Ersten Petrusbrief an der Reihe.

TheoBlog: Viele Texte mussten digitalisiert werden. Hast Du das selbst gemacht?

Bei den meisten Texten habe ich die Bücher auf den Scanner gelegt und eingelesen. Einige wenige habe ich bei Bibliotheken bestellt. Bücher, die ich als Fernleihe erhalten habe, habe ich am Buchscanner der Heidelberger Unibibliothek digitalisiert.

TheoBlog: Wie läuft das ab? Allein so ein wunderbarer Text wie „Die beiden letzten Lebensjahre von Johannes Calvin“ von Adolph Zahn umfasst 140 Seiten. Wie lange sitzt Du an so einem Text?

Nach dem Scannen erfolgt das Umwandeln der Bilder in Text mit einem OCR-Programm. Dann erfolgt die Korrektur der Buchstaben und Wörter innerhalb des Programms, die falsch oder als unsicher erkannt wurden. Ist das abgeschlossen, wird das Ganze in ein Textverarbeitungsprogramm übertragen und ich nehme die Formatierung vor. Dann lese ich den Text und finde hoffentlich die Fehler, die noch übriggeblieben sind. Mit einer selbstgeschriebenen Software generiere ich die Internetseiten und lade diese dann mit dem erzeugten PDF hoch.

Wie lange ich dafür benötigte kann ich gar nicht sagen. Generell hängt der Aufwand stark vom Schrifttyp ab. Frakturschriften, das sind die meisten, dauern länger als moderne Schriften, weil die Erkennung nicht so zuverlässig ist und daher mehr Nacharbeit vonnöten ist. Das von Dir erwähnte Buch war nicht in Fraktur, somit auch nicht so aufwendig. Sehr zeitintensiv hingegen war der „Versuch eines ausführlichen Kommentars zu der Geschichte des Leidens Jesu Christi nach den vier Evangelien“ von Wichelhaus, weil ich die ganzen hebräischen und griechischen Sätze eingeben musste. Das Arabische und Syrische konnte ich nur als Bild einfügen, weil ich es nicht lesen und somit auch nicht abtippen konnte.

TheoBlog: Kannst Du uns abschließend Deine drei Lieblingstexte nennen?

Es fällt mir schwer, nur drei herauszugreifen. Da wir uns der Karwoche nähern, möchte ich die Passionspredigten von Kohlbrügge empfehlen, die bis dahin nach und nach auf meiner Seite erscheinen sollen. Diese sind übrigens auch noch in gedruckter Form erhältlich. Das sind wirklich wunderbare Betrachtungen über das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesu Christi.

Da mir keine andere ausführliche bibeltreue reformierte Dogmatik in deutscher Sprache bekannt ist, möchte ich eine solche von Eduard Böhl ans Herz legen. Auch diese kann man als Buch erwerben. Wichelhaus konnte aufgrund seines frühen Heimgangs, er wurde keine 40 Jahre alt, seine dogmatischen Vorlesungen leider nicht vollenden. Zahn hat diese dann, wie auch weitere Vorlesungen von ihm, herausgegeben.

Von Adolph Zahn möchte ich „Über den biblischen und kirchlichen Begriff der Anrechnung“ erwähnen, eine Lehre, die immer wieder angegriffen wird, obwohl oder gerade, weil sie zum Zentrum des christlichen Glaubens gehört. Von Gottes Gnade und des Menschen Elend, was meine „Einstiegsdroge“ war, sei hier auch noch mal erwähnt. Gerade auch durch die Anmerkungen und den Anhang des Herausgebers gewinnt es weiter an Wert.

Theoblog: Vielen Dank für Deinen Dienst und das Gespräch! 

Geschleifte Bastionen

Kaum jemand traut sich noch zu sagen, er sei gegen ein Adoptionsrecht für Lebenspartner. Oder ist einfach fast niemand mehr dagegen? Florentine Fritzen kommentiert das Bundesverfassungsgerichts-Urteil zu Zweitadoptionen in Lebenspartnerschaften.

Da fällt mir wieder die „Schweigespirale“ ein:

Am 31. Mai 2011 forderte das Gericht 14 Verbände zur Stellungnahme auf. Neun Verbände verfassten daraufhin ein Gutachten zur Sukzessivadoption, darunter der Lesben- und Schwulenverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule und Lesbische Paare, die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, der Deutsche Familiengerichtstag, Berufsverbände von Psychologen und Kinderpsychotherapeuten. Dass nicht alle dazu aufgeforderten Verbände eine Stellungnahme abgeben, ist normal. Organisationen, die kein Gutachten schrieben, verweisen auf praktische Gründe. Der Juristinnenbund hat es versucht, aber innerhalb der Frist nicht geschafft, stattdessen freuten sich die Juristinnen jetzt in gleich zwei Pressemitteilungen über die Vorgänge in Karlsruhe. Beim Kinderschutzbund sagt eine Mitarbeiterin, wahrscheinlich habe der Vizepräsident ein Gutachten schreiben wollen, er sei aber krank geworden und gestorben. Die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Paula Honkanen-Schoberth lobte das Urteil: „Haben beide Eltern das Adoptionsrecht, wirkt das stabilisierend für das Kind, das damit schwarz auf weiß die Gewissheit hat, zwei Elternteile zu haben, ganz offiziell.“

Mehr: www.faz.net.

Kirche hoch zwei

Der DLF hat einen Kurzbeitrag über den Ökumenischen Kongress „Kirche hoch zwei“, der vom 14.–16. Februar in Hannover veranstaltet wurde, gesendet. Im Beitrag ist auch Michael Herbst zu hören, der 2004 zusammen mit Jörg Ohlemacher das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung begründete. Der Trend ist klar: Nicht Kirche für die Menschen, sondern Kirche gemeinsam mit den Menschen. Das kann nur eine Perspektive sein.

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Wer sich mit den Überlegungen von Prof. Herbst vertrauter machen möchte, kann sich auch ein ERF-Interview anschauen:

Sophie Scholl: „Harter Geist, weiches Herz“

Am 22. Februar 1943 starb Sophie Scholl unter dem Fallbeil. 70 Jahre später tauchen bislang verborgene kleine Erinnerungen an die letzten Stunden der Widerstandskämpferin auf. Tim Pröse hat für das Magazin Focus den Nachlassfund ausgewertet. Wirklich Überraschendes war nicht dabei. Und doch gibt es eine Absatz, der es in sich hat:

Vielleicht haderte sie mit ihren Gefühlen, weil sie frei sein wollte für ihre lebensgefährliche Mission. Vielleicht, weil die Protestantin „die selbstlose Liebe zu Gott“ ebenso oder noch mehr suchte als jene zu Fritz Hartnagel. „Mein Gott, ich kann nichts anderes, als Dir mein Herz hinhalten“, schrieb sie am 29. Juni 1942, „denn ich weiß, daß ich nur bei Dir glücklich bin.“

Hier mehr: www.focus.de.

VD: BK

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