Evangelikale

FAZ: Rat der Ev. Kirche rügt den Beitrag von »Frontal 21«

Die FAZ berichtet in der heutigen Ausgabe über die Stellungnahme der EKD zur unangemessenen Kritik an den Evangelikalen. Im Artikel »EKD nimmt Evangelikale gegen Kritik in Schutz« (Montag, 7. September, Nr. 2007, S. 4) heißt es:

Der Rat, das Leitungsgremium der EKD aus Laien und Theologen, wendet sich insbesondere gegen einen Beitrag des ZDF-Magazins »Frontal 21« vom 4. August, der unter dem Titel »Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer« über den Fall der beiden im Jemen ermordeten Bibelschülerinnen der evangelikalen Bibelschule Brake berichtete.
Das »Grundübel« des Beitrags sei ein undifferenzierter Umgang mit dem Begriff des Fundamentalismus. Der Rat der EKD rügt, der Bericht vermenge die Tradition christlicher Märtyrer, die Gewalt erlitten, aber nicht ausübten, mit dem Tun islamistischer Selbstmordattentäter. Der Beitrag benutze fragwürdige journalistische Mittel und genüge nicht dem Anspruch des ZDF, Qualitätsfernsehen zu bieten.

EKD: »Erklärung zur Diffamierung evangelikaler Christen«

Der Rat der EKD nimmt in einer Presseerklärung vom 5. September 2009 zur jüngsten Diffamierung evangelikaler Christen in der Berichterstattung von »Frontal 21« Stellung:

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat in seiner Sitzung an diesem Wochenende in Hannover eine »Erklärung zur Diffamierung evangelikaler Christen« beschlossen. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: In jüngster Zeit sind mehrfach Veranstaltungen, Aktivitäten und Positionen von evangelischen Christen, die der evangelikalen Strömung zugehören oder zugerechnet werden, mit pauschaler Kritik überzogen und in den Medien verzerrt dargestellt worden. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der am 4. und 5. September nach der Sitzungspause des Sommers erstmals wieder zusammengekommen ist, nimmt diese Mitchristen gegen Verunglimpfung in Schutz. Viele von ihnen gehören mit ihrer tiefen persönlichen Frömmigkeit, ihrem nachhaltigen Eintreten für eine missionarische Kirche und ihrem diakonischen Engagement zum Kern unserer evangelischen Gemeinden.

Die vollständige Erklärung »Fragwürdige journalistische Mittel« gibt es hier: www.ekd.de.

Zahlreiche evangelikale Christen im Iran verhaftet

iran.jpgUnter Berufung auf die Presseagentur APA berichtet die Kleine Zeitung über eine Verhaftungswelle im Iran:

Insgesamt wurden mehr als 30 Christen verhaftet, die meisten wurden nach langdauernden Verhören wieder freigelassen, sieben sind aber weiterhin in Haft. Die erste Verhaftungswelle erfolgte am 31. Juli in dem kleinen Ort Amameh, 25 Kilometer nördlich von Teheran. 24 evangelikale Christen – alle Konvertiten – hatten sich dort zum Bibelstudium versammelt. Am Nachmittag stürmten Polizisten unter dem Kommando von »Vevak« (geheime Staatspolizei)-Agenten die Villa. Alle Anwesenden wurden festgenommen und in nicht als Polizeifahrzeugen kenntlichen Autos zu ihren Wohnungen gebracht, wo die Polizisten wieder auf Anweisung der »Vevak«-Leute Pässe, Personaldokumente, Bücher, CDs, Computer und Handys beschlagnahmten.

Hier der vollständige Beitrag: www.kleinezeitung.at.

Evangelikalenhetze, streng und ›zeitlich‹

Leonie Seifert hat in ihrem DIE ZEIT-Beitrag »Schwulenhetze, streng wissenschaftlich« deftig gegen die radikalen, schwulenfeindlichen und fundamentalistischen Evangelikalen gewettert. An den scharfen Ton müssen wir uns wohl gewöhnen und inhaltlich wiederholt der Artikel nur, was ich anderswo bereits gelesen habe. Trotzdem bin ich Frau Seifert insgesamt gar nicht undankbar für ihre Meinungsmache.

Erstens informiert »Schwulenhetze, streng wissenschaftlich« eine breite Öffentlichkeit darüber, dass Fachleute, wie der Heidelberger Psychiater Schröter-Kunhardt, an der Unbedenklichkeitsthese zweifeln.

Laut Schröter-Kunhardt leiden homosexuelle Männer doppelt so häufig an Depressionen wie heterosexuelle. Er verweist auf die angebliche Widernatürlichkeit beim Akt: »Die Sexualorgane des Menschen sind eindeutig für definierte Formen des Geschlechtsverkehrs zwischen Mann und Frau angelegt. Der nicht-natürliche homosexuelle Geschlechtsverkehr führt durch die damit verbundene hohe Verletzungsgefahr zu gefährlichen Geschlechtskrankheiten mit einer um 20 Jahre verringerten Lebenserwartung.« Für die Verbreitung von Aids seien männliche Homosexuelle verantwortlich.

Es gibt viele Fachleute, die wie Schröter-Kunhardt den Schwulenfundamentalismus anzweifeln. Leider werden sie dafür oft mit politischer und medialer Ächtung bestraft. Gerade diese Woche hat der Psychiater Jeffrey Satinover in einem Interview offen über eine Emotionalisierung des Diskurses gesprochen, die eine inhaltliche Arbeit erschwert. Als er tiefer in den das Thema einstieg, musste er feststellen, dass das ›Homosexualität‹ hochgradig ideologisch vereinahmt worden ist.

It was 95 percent ideology. Often, if I would give public talks on this subject, I would throw up overheads showing public statements of reporters and scientists all saying, „It’s genetics, science shows this,“ etc. Then I would show quotations from the research articles that were being used to support these statements, and the research articles themselves contradicted these statements in the most flatly obvious way. Well-known researchers, whose work has been prominently cited as showing the genetic inheritance patterns of homosexuality, say in their own articles that they did the research to demonstrate that homosexuality was genetic. (That’s already a problem because scientists aren’t supposed to set out with an agenda, but at least they admit it.) And at the end of the articles they say, »We discovered, much to our surprise, that the environmental component is larger.« Yet those very articles would be referenced in public policy debates as though they came to the opposite conclusion.

Zweitens hat der Artikel eine Leserkommentar provoziert, den ich wirklich empfehlen kann. In dem Kommentar 226 schreibt jemand offen und weise:

Undifferenziertes Evangelikalenbashing ist gegenwärtig einfach in. Wer hier öffentlich gegen wen hetzt, würde ich da mal gründlich in Frage stellen.

Der kruden Homophobie, die sicher manche Teile des evangelikalen Spektrums prägt und in dumpfen Mails zu lesen ist, steht m.E. zunehmend eine ähnlich bösartige Evangelikalenphobie gegenüber. Alles, was irgendwie danach riecht, wird in Bausch und Bogen verdammt.

Zudem getraue ich mich gegenwärtig nicht, meine hier geäußerten kritischen Gedanken, auch öffentlich im Freundeskreis zu sagen. Das ist schon schlimm.

Aber vielleicht lenkt der Artikel ja viele auf die Seiten des DIJG und dort kann dann ja jeder nachlesen, und sich seine eigene Meinung bilden. Auch wenn es manchmal lange dauert: aber die Wahrheit wird sich letztlich selber als solche erweisen. Deswegen sind agressive Töne egal von welcher Seite, letztlich nicht entscheidend, richten aber oft erst mal schlimmen Schaden an. Das müsste nicht sein.

Vielleicht zeigt die Debatte ja doch noch einigen, dass auch die Wissenschaft immer ein bestimmtes Selbstverständnis des Menschen voraussetzt oder rechtfertigt. Das gilt nicht nur für christliche Ethiker, worauf ja oft genug verwiesen wird, sondern eben auch für humanistische, marxistische oder homosexuelle Fachleute und Meinungsmacher.

Hier der ganze Artikel: www.zeit.de. Neben dem Kommentar 226 empfehle ich auch den Beitrag des Informationsdienstes Medrum: www.medrum.de.

Evangelikale als eine Macht in der deutschen Politik

Evangelische Christen, denen die Bibel als getreues Wort Gottes gilt, leben nicht nur in den USA. Auch in Deutschland gibt es sie. Mehrere Unionspolitiker, darunter CDU-Fraktionschef Volker Kauder, gehören dazu. Die Balance zwischen Glauben und realistischer Politik ist für sie oft schwierig.

Evangelikale – das Wort hört jemand wie der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Volker Kauder, über sich selbst nicht so gern. Es klingt zu sehr nach gefährlichem Irrsinn, nach Fernsehpredigern, die im Keller eingelegte Gurken für das Jüngste Gericht deponieren. Aber es gibt in der deutschen Politik quer durch das Parteienspektrum Menschen, die nicht einfach nur „evangelisch“ sind, sondern ein bisschen mehr als das.

Hier der Sommerloch-Artikel von Mariam Lau: www.welt.de.

Ist Obama der Antichrist?

Die Kritiker des zeitgemäßen Christentums und besonders des Evangelikalismus überzeichnen und dramatisieren gern. Ganz anders als wie sie, behaupte ich, dass christlicher Glaube und Evangelikalismus Demokratie stärken und Toleranz fördern. Zugleich muss ich zugeben, dass im Raum des Evangelikalismus gelegentlich Blüten treiben, für die man in Grund und Boden versinken möchte.

Eine solche Blüte ist eine »Exegese«, die derzeit in den U.S.A. Furore macht und angeblich biblisch belegt, dass Brack Obama der oder ein Antichrist ist. So etwas ist nicht lächerlich, sondern erschreckend. Die Evangelikalen müssen lernen, selbstkritischer zu werden!

Hier die blütenreiche Exegese: www.youtube.com.

Der »Frontal 21«-Beitrag »Sterben für Jesus«

Am 4. August wurde im ZDF bei »Frontal 21« ein Beitrag über die angeblich unverantwortliche Missionspraxis der Evangelikalen ausgestrahlt. Der Beitrag kann hier als Video eingesehen werden. Außerdem steht das Manuskript zur Sendung als PDF-Datei für eine Auswertung bereit.

Ein kritischer Kommentar zu »Sterben für Jesus« ist beim Medienmagazin pro zu finden. Der Deutschlandfunk (DLF) hat heute in »Tag für Tag« über den Vorfall und die Beschwerde der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) berichtet. Die Sendung kann auf der Internetseite des DLF als Podcast herunter geladen werden.

Es bleiben für mich viele Fragen:

  • In dem Beitrag werden Christen und islamistischen Terroristen auf eine Stufe gestellt: »Bereit sein, für Gott zu sterben: Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten.« Das ist wirklich ein Griff in die rhetorische Trickkiste. Islamisten wollen ihre politischen Machtansprüche mit Gewalt durchsetzen und sind dafür bereit, ihr Leben zu opfern. Das ist etwas völlig anderes als eine friedliche und unpolitische Missionspraxis. Steht ein lebensvernichtender Selbstmordattentat auf einer Stufe mit dem lebenserhaltenden Pflegedienst im Krankenhaus?
  • In dem Beitrag wird der Eindruck vermittelt (trotz oder gerade wegen der Einblendung »Kursteilnehmer«), Bibelschüler aus Brake hätten gesagt, sie seien bereit, für die Mission ihr Leben zu geben. Bei den Interviewten handelte es sich allerdings nicht um Bibelschüler, sondern überwiegend um Teenager, die als Gäste die Ausbildungsstätte besucht hatten.
  • Die Redaktion von »Frontal 21« behauptet nachhaltig, es sei völlig normal, eine Veranstaltung der AEM von als Studenten getarnten Journalisten besuchen zu lassen. Das Drehen mit verdeckter Kamera sei in diesem Fall ein »legitimes und legales Mittel«, heißt es. Aber was ist mit dem Schutz des nicht öffentlich gesprochenen Wortes? Im § 201 des Strafgesetzbuches steht: »Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. unbefugt das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder 2. eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.« In § 201a können wir lesen: »(1) Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt …«. Sich hier im Sinne einer Pflichtenabwägung auf ein überragendes öffentliches Interesse zu berufen, scheint mir abwegig.
  • Das Hauptargument: Lasse alles, was gefährlich ist, klingt wenig überzeugend. (Wie kann man so etwas denken und beispielsweise gleichzeitig den Widerstand von Mahatma Gandhi gegen das Kastensystem gutheißen?)
  • Der tatsächliche Skandal, dass nämlich in vielen Ländern den Menschen das Recht auf Mission und einen Glaubenswechsel verweigert wird, kommt im Beitrag überhaupt nicht zur Sprache.

Die einseitigen und oft desinformierenden oder diffamierende Berichterstattungen über die Evangelikalen nehmen zu. Als indirekt Mitbetroffener (auch wenn ich kein klassicher Evangelikaler bin) und, wenn man so will, ›Kenner‹ der Szene, kann man über das Ethos der Journalisten nur staunen. Wie schlecht es um die Qualität des Journalismus allgemein bestellt ist, lässt sich leicht erahnen, wenn man davon ausgeht, dass wahrscheinlich in anderen Bereichen genau so ›vorurteilsfrei‹ und sensationslüstern gearbeitet wird.

Übrigens prognostiziere ich, dass es heute Abend gleich weitergeht. Der DLF strahlt um 19:15 Uhr ein Dossier mit dem vielsagenden Titel: »Fossiles Denken als Gottesbeweis – Die Allianz christlicher und muslimischer Kreationisten« aus.

Protestantischer Schamanismus

Mein Freund Cristiano hat mich mehrfach auf die komplizierte Situation der protestantischen Kirchen in Südamerika aufmerksam gemacht. Gute evangelistische Aktivitäten vermischen sich leider oft mit Geschäftemacherei und skurrilen Erscheinungsformen des Wohlstandsevangeliums.

Milton Acosta, Schüler von John Stott und derzeit Professor für Altes Testament am Biblical Seminary of Colombia (Kolumbien), hat für CT einen aufrüttelnden (und trotzdem ausgewogenen) Artikel über einige neo-pfingstliche Bewegungen in Südamerika geschrieben:

The future of Latin American theology concerns some theologians for three reasons: faulty theology, divisionism, and the proliferation of sub-international-standard theological institutions along with a cheap »degree fever.«

Some descriptions of neo-Pentecostalism are puzzling. For example, Latin American church historian Arturo Piedra argues that non-Catholic Christianity in Latin America is evangelical and neo-Protestant. But when he details a new movement called »apostles and prophets« in these churches, he says this is a kind of injerto (»grafting«) done by people who have no knowledge of or respect for »the principles of the Protestant Reformation of the 16th century.«

René Padilla schätzt die Lage ganz nüchtern so ein:

They reduce their biblical message, if they have one, to a minimum, and their view of discipleship is extremely limited. For these reasons, Padilla holds that these non-Catholic churches are an expression of evangelical popular religiosity. He calls it a form of Protestantism »closely related to a light culture of postmodern times. With those characteristics, it is hard to imagine how these big churches could be of any significant influence in preaching the message of the kingdom of God and the practice of justice in our continent.«

Hier der vollständige Beitrag: www.christianitytoday.com.

Die Evangelikalen und die Sexualethik

Mark Galli von Christianity Today (CT) hat einen erstaunlich selbstkritischen Artikel über die evangelikale Familien- und Sexualethik verfasst. Kurz: Die Evangelikalen wurden weitgehend von einer Kultur des Individualismus infiziert. Für Ehe und Familie bedeutet das:

Evangelicals are sensitive to this reality, but are less aware of how much we proactively participate in the culture of individualism. While stopping short of abortion, we have not given much thought to our easy acceptance of artificial contraception. I’m not arguing for or against contraception here, only pointing to the reality that contraception has separated sex from procreation. That, in turn, has prompted most couples, evangelicals included, to think that sex is first and foremost a fulfilling psychological and physical experience, that a couple has a right to enjoy themselves for a few years before they settle down to family life.

In essence, we have already redefined marriage as an institution designed for personal happiness. We see ancillary evidence of this at the other end of marriage: Though it is a difficult thing to measure, the rate at which evangelicals divorce is hard to distinguish from the larger culture’s, and the list of reasons for divorce seems no different: »We grew apart.« »We no longer met each other’s needs.« »Irreconcilable differences.« The language of divorce is usually about the lack of self-fulfillment.

Und:

We live in a culture that by all accounts is descending into darkness, and our job is to reflect the light of Christ. We speak for what he says is right, using the lingua franca of the culture to argue that as best we can, using the political and social instruments at our disposal to the best of our ability, acknowledging our own complicity in the sins we decry, and pointing to the One who must save us all.

Hier der vollständige Artikel: www.christianitytoday.com.

Staat mit Absolutheitsanspruch?

Wie das zu erwarten war, ist nun auch der Deutschlandfunk (DLF) auf den Anti-Evangekalismus-Express aufgesprungen und verbreitet unkritisch die von Oda Lambrecht und Christian Baars in ihrem Buch Mission Gottesreich entworfene Panikmache. Marianne Demmer, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, deutet in dem Beitrag »Religion mit Absolutheitsanspruch« bei dieser Gelegenheit unverfroren an, dass der Staat die Bildungsprogramme noch stärker kontrollieren müsse.

Das generelle Problem ist nach Ansicht von Bildungsexperten, dass der Staat seine Aufsichtspflicht kaum erfüllen kann. Die Zahl der Privatschulen insgesamt ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die inhaltliche Kontrolle der Lehrinhalte erfolge meist ausschließlich über die Prüfungen wie beim Abitur oder dem mittleren Abschluss, sagt die stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer. Ansonsten sei die Aufsicht, wenn überhaupt, nur formal vorhanden.

In wohl keinem freien Land ist das Bildungssystem so restriktiv wie in Deutschland. Das diese Macht des Staates leider nicht mit der Qualität der Ausbildungsprogramme korreliert, wissen wir seit vielen Jahren. Steigt das Interesse an den Privatschulen vielleicht, weil der Unterricht an den staatlichen Schulen so schlecht geworden ist? Aber es kommt noch schlimmer:

Schon befürchten Wissenschaftler, dass der sogenannte biblische Kreationismus die biologische Forschung in Deutschland behindern könnte. In der Bevölkerung wächst, so die Autoren Lambrecht und Baars, die Zahl derer, die die Vorstellung ablehnen, mit Affen gemeinsame Vorfahren zu haben.

Wer so etwas schreibt, hat keine Ahnung vom real existierenden Wissenschaftsbetrieb. Wieder verschafft die Autorin ihren Sorgen Nachdruck, in dem sich sich auf »Wissenschaftler« beruft (oben sind es »Bildungsexperten«). So etwas klingt nicht nur gut, es immunisiert auch gegen Widerspruch. Dabei dachte ich immer, Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sondern auch die Forschung. Aber nein, es klingt wieder so, als wolle man den Evangelikalen den Zugang zum öffentlichen Diskursfeld am Liebsten verbieten. Oder wie soll ich den nachfolgenden Satz verstehen?

Mit Büchern und Broschüren, Vorträgen, Großveranstaltungen, eigenen Hörfunk- und Fernsehsendern und einer eindrucksvollen Internetpräsenz bringen evangelikale Christen ihre Vorstellungen unters Volk.

Voltaire definierte Meinungsfreiheit noch so: »Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.«

Hier der vollständigen Beitrag des öffentlich-rechtlichen DLF (den ich übrigens gelegentlich gern höre): www.dradio.de.

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