Geistliches Leben

Francis Schaeffer: Das Kreuz und wahre Geistlichkeit

Bruce A. Little beschreibt in seinem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), wie Francis Schaeffer geistliches Leben verstand (S. 74–75): 

Schaeffer erklärte: „Wenn wir etwas von der Wirklichkeit des christlichen Lebens, etwas von wahrer Geistlichkeit erfahren wollen, müssen wir ‚täglich unser Kreuz auf uns nehmen‘.“ Jesus sagte: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27). Schaeffer wies darauf hin, dass Jesus „nicht sagt, dass ein Mensch ohne dies nicht gerettet werden kann, sondern dass man nicht zu Christus gehört, im Sinne der Nachfolge.“ Die Vorstellung von unserem Kreuz ist nicht irgendeine Unannehmlichkeit oder Widrigkeit im Leben, vielmehr ist das Kreuz ein Instrument des Todes, wie Schaeffer in Geistliches Leben – was ist das? deutlich machte. Es bedeutet, die eigenen egoistischen Wünsche zu verleugnen und die eigenen Wünsche im Interesse Gottes zu ordnen.

Die Frage, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist keine einfache Angelegenheit; tatsächlich ist es schwer, wie Schaeffer erklärte: „Wir sind von einer Welt umgeben, die zu nichts ‚Nein‘ sagt. Wenn wir von dieser Art von Mentalität umgeben sind, in der alles nach Größe und Erfolg beurteilt wird, dann muss es schwer erscheinen, plötzlich zu erfahren, dass es im christlichen Leben diesen starken negativen Aspekt gibt, zu Dingen und zu sich selbst ‚Nein‘ zu sagen. Und wenn es sich uns nicht schwer anfühlt, lassen wir es nicht wirklich auf uns wirken.“ Es bedeutet, „Nein“ zu den Wegen der Welt und zur Verführung durch die eigenen egoistischen Wünsche zu sagen. Wie bereits erwähnt, sagt die Bibel, dass dies möglich ist, weil wir der Welt gekreuzigt sind und die Welt uns. Dieses Aufnehmen unseres Kreuzes ist jedoch keine einmalige Entscheidung; es ist Teil eines Lebens von Augenblick zu Augenblick in der Realität von Christi Tod und Auferstehung, und es erfordert Opfer und Hingabe. Wie Schaeffer zugab, ist es schwer.

Schaeffer betitelte Kapitel zwei von Geistliches Leben – was ist das? mit „Die Zentralität des Todes“. Dort untersuchte er die Schriftstellen bezüglich der Rolle des Todes für das Verständnis der Botschaft vom Wandeln in der Neuheit des Lebens – der wahren Geistlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem „Wandeln in der Neuheit des Lebens“ lesen wir: „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib, dass ihr seinen Begierden gehorcht“ (Röm 6,12). Es ist schwer, „Nein“ zu den Dingen der Welt zu sagen, die uns anziehen, doch sie führen Krieg gegen die Seele. Das zuvor erwähnte Lied „Moment by Moment“ drückt es so aus: „Mit Jesus sterben, den Tod als meinen annehmen, für Jesus ein neues göttliches Leben leben.“ Die Idee des Kreuzes besteht darin, alles abzulehnen, was den Wunsch untergräbt, für Christus zu leben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14,6). Christen sollen aus der Realität von „Christus in mir“ leben und ihren Anspruch auf ein autonomes Leben aufgeben. Laut Schaeffer muss diese Wahrheit verwirklicht werden, wenn Selbstverleugnung mehr sein soll als bloßer Legalismus. Dies ist der Kern von Schaeffers Lehre über wahre Geistlichkeit.

Francis Schaeffer: Moment für Moment auf Gottes Verheißungen vertrauen

Bruce A. Little beschreibt in dem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), dass Francis Schaeffer am Ende seines Lebens sehr darüber besorgt war, dass Christen geistliches Leben mechanistisch verstanden.

Bruce A. Little schreibt (S. 70–71): 

Als Schaeffer den Anhang A für die fünfbändige Ausgabe seiner Werke von 1982 verfasste, äußerte er eine Sorge, die er in den 1980er Jahren hatte – nämlich dass Christen versuchen würden, wahre Geistlichkeit als mechanische Formel zu leben. Schaeffer betonte jedoch wiederholt, dass wahre Spiritualität in der vollen Realität des Todes und der Auferstehung Christi gelebt wird. Es ist Leben, keine Formel. Dies, so Schaeffer, sei das Herzstück von L’Abri. Wahre Geistlichkeit bedeutet, die Realität des Todes und der Auferstehung Christi zu leben, damit der Christ in der Neuheit des Lebens wandeln kann. Es ist keine einmalige Verpflichtung. Diese Art zu leben bedeutet, von Moment zu Moment auf Gottes Verheißung zu vertrauen, dass wir mit Christus gekreuzigt worden sind und das Leben der Auferstehung erhalten haben, um in der Gegenwart zu leben.

Schaeffer verwies auf Texte wie Römer 6,1–12, um zu erklären, dass wahre Geistlichkeit keine ferne Realität in „dem zukünftigen Millennium oder der Ewigkeit“ ist; das ist etwas anderes. Jetzt können wir „in der Neuheit des Lebens wandeln“. Durch das Bekenntnis zu Christus wird der Geist des Menschen lebendig gemacht und das wiederhergestellt, was durch den Sündenfall verloren gegangen war. Wie sieht das in der täglichen Praxis aus? Schaeffer antwortete entschieden: „Zunächst einmal bedeutet es ganz sicher Folgendes: In unseren Gedanken und in unserem Leben sollen wir jetzt so leben, als wären wir bereits gestorben, im Himmel gewesen und als Auferstandene zurückgekehrt.” Er spricht hier nicht von einer physischen Erfahrung, sondern von einer geistlichen Realität, etwas, das im Bereich des Geistes geschieht, zu dem Christen gehören, ob sie es nun erkennen oder nicht.

Das Wort „geistlich“ bedeutet nicht, dass es nicht real ist, denn in gewisser Weise ist es realer als der Stuhl, auf dem ich gerade sitze. Schaeffer erklärte: „Wir, die wir jetzt die ‚Bürgschaft‘ des Heiligen Geistes haben und somit aufgrund der Realität des vollbrachten Werkes Christi Zugang haben – nicht in der Theorie, sondern in der Realität – zur Kraft des gekreuzigten, auferstandenen, verherrlichten Christus durch die Vermittlung des Heiligen Geistes.“ So wie man durch den Glauben errettet wird, so kommt auch wahre Geistlichkeit durch den Glauben; es ist ein momentanes Vertrauen in das Kreuz und die Auferstehung Christi, das nun für den Christen gilt. Es geschieht durch den Glauben und unabhängig von Werken, wie Schaeffer klarstellte: „Wahre Geistlichkeit wird nicht durch unsere eigene Kraft erreicht. Das „Wie“ der Art von Leben, von der wir gesprochen haben, das wahre christliche Leben, die wahre Spiritualität, steht in Römer 6,11: „So achtet auch ihr euch selbst (da ist der Glaube, dann der negative Aspekt) als tot für die Sünde (aber dann der positive Aspekt), aber lebendig für Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Das ist das „Wie“, und es gibt kein anderes.“

Die B.E.F.-Strategie

Matt Smethurs schreibt in Timothy Keller über den geistlichen Kampf gehen Sünde/Götzen (2025, S. 60–62):

In einem Teil der Predigt „The Freedom of Service“ (dt. „Von der Freiheit, zu dienen“) aus dem Jahr 1994 stellt Keller eine praktische Strategie zur Zerstörung von Götzen vor. Während Ungläubige die Wahrheit in Lüge verkehren (vgl. Röm 1,25), müssen Christen lernen, diesen Instinkt umzukehren: Lüge muss gegen Wahrheit eingetauscht werden. Um den Griff eines Götzen zu lockern, schlägt Keller ein Akronym vor: B.E.F.

Zuallererst benennen wir das Problem. Wir schauen unter die Oberfläche unseres Herzens – wo der Gottesersatz lauert – und erkennen an, dass dort falsche Anbetung stattfindet. Warum ist das der erste Schritt? Weil wir nicht niederreißen können, was wir nicht diagnostiziert haben. Keller betont:

„An einer psychologischen Analyse ist nichts auszusetzen, solange man am Ende zu einer theologischen Analyse übergeht – und Klartext redet. Gib der Sache einen Namen. Gesteh ein, warum sie dir so wichtig ist. Gib zu, dass du nur deshalb glücklich bist, weil du deine Erlösung in Jesus kompromittierst. Du sagst: ‚Jesus ist ja ganz nett, aber um glücklich zu sein, brauche ich auch noch diese andere Sache.’“

Dann müssen wir den Götzen entlarven. Wie Eva sah, dass vom verbotenen Baum „gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte“ (1 Mose 3,6), so verführen uns die Götzen – weshalb wir sie entlarven und ihre echte Gefahr aufdecken müssen. Die Götzen in deinem Leben sind Sklavenhändler, die sich als Abolitionisten verkleiden. Es kommt ein Punkt, an dem du einem Götzen in die Augen sehen und zu ihm sagen musst: „Ich weiß, wer du bist. Du hast deine Hände schon seit Jahren um meinen Hals gelegt. Du kommandierst mich schon seit Jahren herum. Du hältst mich seit Jahren an der Leine. Damit ist jetzt Schluss!“ Kurz: Wir müssen Götzen als das sehen (und verabscheuen), was sie sind: Möchtegerngötter.

Und schließlich freuen wir uns. Wir meinen, Götzen würden uns Freude schenken, aber in Wahrheit sind sie Freudenräuber. Sich von einem erschaffenen Ding zu erhoffen, was nur Gott geben kann, ist ein viel begangener Pfad zur Traurigkeit. Gott allein ist groß genug, um das Gewicht unserer tiefsten Hoffnungen und Ängste zu tragen. Das bedeutet, dass wir unser Herz darauf ausrichten müssen, an Gott – dem wahren Gott – mehr Freude zu haben als an den rivalisierenden Göttern. Wir müssen, so Keller, unser Herz dazu erziehen, von einem Götzen aufzuschauen und zu sagen: „Jesus, du bist derjenige, der mich rechtfertigt, nicht dieses Ding hier. Du bist mein Frieden, nicht jene Sache dort. Du bist mein Meister, nicht das dort drüben. Du bist mein Retter und nichts anderes.“ Das ist keine kalte oder klinische Übung; es geht um Gottes allmächtige Liebe. „Gibt es einen Menschen, der dir wirklich wichtig ist, und sich in jemanden verliebt hat, der ihn nicht gut behandelt?“, fragt Keller. „So sieht Gott dich. Er sieht dich in den Armen der Götzen.“ Kein Wunder, dass Gott in der Bibel oft als eifersüchtig beschrieben wird. Er liebt uns zu sehr, um nicht eifersüchtig zu sein. Seine Eifersucht ist keine Unsicherheit; sie schützt uns vor dem, was uns niemals erfüllen wird. In dem Maße, in dem dein Herz in Gottes eifersüchtiger Liebe ruht (mehr noch: in ihr schwelgt), wird der eiserne Griff deiner Götzen schwächer werden.

Erfrischung in einer Zeit der geistlichen Dürre?

Auch Christen geht manchmal die geistliche Leidenschaft verloren. Diese Zeiten werden gern als „geistliche Dürre“ bezeichnet. Solche Tage oder Monate erinnern uns daran, dass wir nicht über geistliche Frische verfügen können. Doch aufgepasst: Es könnte sein, dass die Trockenheit etwas mit unserem Lebensstil zu tun hat. Derek J. Brown spürt in einem Artikel möglichen Ursachen nach. Er nennt:

  • UNGEHEMMTE LUST
  • STOLZ
  • GELDLIEBE
  • MANGEL AN BIBELLESEN, MEDITATION UND GEBET
  • ZU VIEL ZEIT IM HAUS
  • BEWEGUNGSMANGEL
  • VERNACHLÄSSIGUNG DER VERANTWORTUNG
  • AUSBLENDUNG VON VERANTWORTUNG
  • MORBIDE SELBSTBEOBACHTUNG
  • DAS EVANGELIUM VERGESSEN UND IM LEGALISTISCHEN LEBEN

Hier mehr, wenn auch nur in englischer Sprache: equip.sbts.edu.

Klaus Vollmer: Geistliches Leben zeigt sich in vier Dingen

Zum Abschluss der kleinen Reihe mit Texten von Klaus Vollmer zitiere ich die Zusammenfassung seiner Ausführungen zum Gemeindebau (Alte Wege – neu entdeckt, 1975, S. 91–92):

Ohne das Wirken Jesu können wir nichts tun, aber mit ihm werden wir über alle Maßen gesegnet. Diese Wahrheit verbaut jeden eigenwilligen Aktivismus, aber sie befreit zu großem Glauben gegenüber dem Herrn, der sich bitten lassen will.

Geistliches Leben zeigt sich in vier Dingen:

Im einfältigen Gebet: Hier weiß der Glaubende, wo alle Macht und Vollmacht verfügt wird!

Im Ernst nehmen der Heiligen Schrift: Hier sucht der Glaubende, um nichts aus sich, sondern alles aus dem Wort Gottes zu tun!

Im Wagnis der kleinen Schritte: Der Glaubende weiß, daß alle Nachfolge auch zu Wagnissen führen muß!

In der Einmütigkeit der Gemeinde: Wo in Wahrheit und Liebe das Leben gestaltet und geführt wird, und wo aller Dienst seinen Platz hat.

Wie nun jeder von uns geführt wird, und wie er seinen Glauben umzusetzen gedenkt, darüber soll jeder seine Gewissheit erlangen. Aber wir kommen alle nicht an der Einfalt des Glaubens, an der Reinigung von unseren Sünden, am Ernstnehmen der Heiligen Schrift, am Wagnis der kleinen Schritte und an der Liebe zum Aufbau der Gemeinde vorbei, wenn wir als geistliche Menschen angesprochen sein wollen.

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