Geistliches Leben

Die B.E.F.-Strategie

Matt Smethurs schreibt in Timothy Keller über den geistlichen Kampf gehen Sünde/Götzen (2025, S. 60–62):

In einem Teil der Predigt „The Freedom of Service“ (dt. „Von der Freiheit, zu dienen“) aus dem Jahr 1994 stellt Keller eine praktische Strategie zur Zerstörung von Götzen vor. Während Ungläubige die Wahrheit in Lüge verkehren (vgl. Röm 1,25), müssen Christen lernen, diesen Instinkt umzukehren: Lüge muss gegen Wahrheit eingetauscht werden. Um den Griff eines Götzen zu lockern, schlägt Keller ein Akronym vor: B.E.F.

Zuallererst benennen wir das Problem. Wir schauen unter die Oberfläche unseres Herzens – wo der Gottesersatz lauert – und erkennen an, dass dort falsche Anbetung stattfindet. Warum ist das der erste Schritt? Weil wir nicht niederreißen können, was wir nicht diagnostiziert haben. Keller betont:

„An einer psychologischen Analyse ist nichts auszusetzen, solange man am Ende zu einer theologischen Analyse übergeht – und Klartext redet. Gib der Sache einen Namen. Gesteh ein, warum sie dir so wichtig ist. Gib zu, dass du nur deshalb glücklich bist, weil du deine Erlösung in Jesus kompromittierst. Du sagst: ‚Jesus ist ja ganz nett, aber um glücklich zu sein, brauche ich auch noch diese andere Sache.’“

Dann müssen wir den Götzen entlarven. Wie Eva sah, dass vom verbotenen Baum „gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte“ (1 Mose 3,6), so verführen uns die Götzen – weshalb wir sie entlarven und ihre echte Gefahr aufdecken müssen. Die Götzen in deinem Leben sind Sklavenhändler, die sich als Abolitionisten verkleiden. Es kommt ein Punkt, an dem du einem Götzen in die Augen sehen und zu ihm sagen musst: „Ich weiß, wer du bist. Du hast deine Hände schon seit Jahren um meinen Hals gelegt. Du kommandierst mich schon seit Jahren herum. Du hältst mich seit Jahren an der Leine. Damit ist jetzt Schluss!“ Kurz: Wir müssen Götzen als das sehen (und verabscheuen), was sie sind: Möchtegerngötter.

Und schließlich freuen wir uns. Wir meinen, Götzen würden uns Freude schenken, aber in Wahrheit sind sie Freudenräuber. Sich von einem erschaffenen Ding zu erhoffen, was nur Gott geben kann, ist ein viel begangener Pfad zur Traurigkeit. Gott allein ist groß genug, um das Gewicht unserer tiefsten Hoffnungen und Ängste zu tragen. Das bedeutet, dass wir unser Herz darauf ausrichten müssen, an Gott – dem wahren Gott – mehr Freude zu haben als an den rivalisierenden Göttern. Wir müssen, so Keller, unser Herz dazu erziehen, von einem Götzen aufzuschauen und zu sagen: „Jesus, du bist derjenige, der mich rechtfertigt, nicht dieses Ding hier. Du bist mein Frieden, nicht jene Sache dort. Du bist mein Meister, nicht das dort drüben. Du bist mein Retter und nichts anderes.“ Das ist keine kalte oder klinische Übung; es geht um Gottes allmächtige Liebe. „Gibt es einen Menschen, der dir wirklich wichtig ist, und sich in jemanden verliebt hat, der ihn nicht gut behandelt?“, fragt Keller. „So sieht Gott dich. Er sieht dich in den Armen der Götzen.“ Kein Wunder, dass Gott in der Bibel oft als eifersüchtig beschrieben wird. Er liebt uns zu sehr, um nicht eifersüchtig zu sein. Seine Eifersucht ist keine Unsicherheit; sie schützt uns vor dem, was uns niemals erfüllen wird. In dem Maße, in dem dein Herz in Gottes eifersüchtiger Liebe ruht (mehr noch: in ihr schwelgt), wird der eiserne Griff deiner Götzen schwächer werden.

Erfrischung in einer Zeit der geistlichen Dürre?

Auch Christen geht manchmal die geistliche Leidenschaft verloren. Diese Zeiten werden gern als „geistliche Dürre“ bezeichnet. Solche Tage oder Monate erinnern uns daran, dass wir nicht über geistliche Frische verfügen können. Doch aufgepasst: Es könnte sein, dass die Trockenheit etwas mit unserem Lebensstil zu tun hat. Derek J. Brown spürt in einem Artikel möglichen Ursachen nach. Er nennt:

  • UNGEHEMMTE LUST
  • STOLZ
  • GELDLIEBE
  • MANGEL AN BIBELLESEN, MEDITATION UND GEBET
  • ZU VIEL ZEIT IM HAUS
  • BEWEGUNGSMANGEL
  • VERNACHLÄSSIGUNG DER VERANTWORTUNG
  • AUSBLENDUNG VON VERANTWORTUNG
  • MORBIDE SELBSTBEOBACHTUNG
  • DAS EVANGELIUM VERGESSEN UND IM LEGALISTISCHEN LEBEN

Hier mehr, wenn auch nur in englischer Sprache: equip.sbts.edu.

Klaus Vollmer: Geistliches Leben zeigt sich in vier Dingen

Zum Abschluss der kleinen Reihe mit Texten von Klaus Vollmer zitiere ich die Zusammenfassung seiner Ausführungen zum Gemeindebau (Alte Wege – neu entdeckt, 1975, S. 91–92):

Ohne das Wirken Jesu können wir nichts tun, aber mit ihm werden wir über alle Maßen gesegnet. Diese Wahrheit verbaut jeden eigenwilligen Aktivismus, aber sie befreit zu großem Glauben gegenüber dem Herrn, der sich bitten lassen will.

Geistliches Leben zeigt sich in vier Dingen:

Im einfältigen Gebet: Hier weiß der Glaubende, wo alle Macht und Vollmacht verfügt wird!

Im Ernst nehmen der Heiligen Schrift: Hier sucht der Glaubende, um nichts aus sich, sondern alles aus dem Wort Gottes zu tun!

Im Wagnis der kleinen Schritte: Der Glaubende weiß, daß alle Nachfolge auch zu Wagnissen führen muß!

In der Einmütigkeit der Gemeinde: Wo in Wahrheit und Liebe das Leben gestaltet und geführt wird, und wo aller Dienst seinen Platz hat.

Wie nun jeder von uns geführt wird, und wie er seinen Glauben umzusetzen gedenkt, darüber soll jeder seine Gewissheit erlangen. Aber wir kommen alle nicht an der Einfalt des Glaubens, an der Reinigung von unseren Sünden, am Ernstnehmen der Heiligen Schrift, am Wagnis der kleinen Schritte und an der Liebe zum Aufbau der Gemeinde vorbei, wenn wir als geistliche Menschen angesprochen sein wollen.

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