Hoffnung

„Radikale Hoffnung“

Am Mittwoch, den 13. Mai, sprach der Theologe und Jüngel-Schüler Ingolf U. Dalferth über „Radikale Hoffnung“ in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München. Die FAZ berichtet:

Schon das „Menschsein selbst ist ein unvollendetes Projekt“, sagte Dalferth pointiert (nicht erst die Moderne). Nietzsche legte dar, dass der Mensch als das noch nicht festgestellte Tier gezwungen ist, sich selbst zu etwas zu machen – Kierkegaard demgegenüber, dass uns auch dies als unverfügbare Möglichkeit zugespielt ist. Und dieser Mangel des Mängelwesens Mensch ist zugleich seine Größe, weil er dadurch auch zum Möglichkeitswesen wird. Und er lässt seinen Anti-Climacus sagen: „Gott ist dies, dass alles möglich ist.“ Dalferth denkt dies radikal zu Ende: Gott ist nicht eine erst noch zu beweisende Möglichkeit, sondern umgekehrt die unvordenkliche, einzigartige Wirklichkeit, ohne die es überhaupt nichts gäbe und nichts möglich wäre, auch niemand, der denkt. Gott zu beweisen, ist daher ganz unnötig, ihn zu bestreiten, sogar noch unsinniger, als die eigene Existenz zu leugnen – ein Gedankengang, der an philosophische Letztbegründungsstrategien erinnert beziehungsweise diese noch überbietet. Schöpfungsrede ist unweigerlich selbstinvolvierend. Da christliches Hoffen-auf-Gott sich auf den richtet, ohne den es die Möglichkeit des Guten, die Hoffbarkeit von etwas überhaupt gar nicht gäbe, ist sie etwas ganz anderes als sonstiges Hoffen-dass oder Hoffen-auf, sie ist nicht nur auf Gehofftes ausgerichtet, sondern ein auf alles bezogener Existenzvollzug.

Ein Glanzstück des Vortrags war sicherlich die genaue Würdigung eines auch an dieser Stelle schon viel beachteten letzten Textes von Jürgen Habermas, „Ein Geburtstagsgruß“ in einer Festschrift für Thomas Schmidt, in dem Habermas noch einmal die Verteidigung der Moralressourcen von Religionen unternimmt. Er bezweifelt dort die Möglichkeit eines „reduzierten“ Hoffens und Glaubens ohne Festlegung auf Inhalte. Dem stimmte Dalferth so weit zu, aber da Habermas auch bei religiösem Hoffen nur propositionales und personales Hoffen sehe, übersehe er das Spezifische des Hoffens-auf-Gott.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Was ist anders an der christlichen Hoffnung?

Alistair Begg schreibt über das Wesen der christlichen Hoffnung (Mutiger beten, 2024, S. 71–72):

Wenn wir das Wort „Hoffnung“ benutzen, drücken wir damit meistens Unsicherheit aus: „Ich hoffe, ich stolpere nicht.“ „Ich hoffe, es regnet morgen nicht.“ „Ich hoffe, der Aktienmarkt kommt wieder von allein in Gang.“ Mit Zuversicht hat das alles nichts zu tun.

Aber das Neue Testament kennt keine Ungewissheit, wenn es das Wort„Hoffnung“ verwendet. Gott will, dass wir „erkennen, zu welcher Hoffnung wir von ihm berufen sind“ (Eph 1,18). Diese Hoffnung zu kennen bedeutet, einer Realität gewiss zu sein, die man noch nicht vollständig erfahren hat. Sie steht nicht unter Vorbehalt.

Sie ist uns von dem Gott versprochen worden, der die Wahrheit ist. Es ist eine sichere Hoffnung, die uns vertrauen lässt. Diese Hoffnung beruht auf diesem Wissen: „ [Die] er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes“ (Röm 8,29), und: „Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden“ (Phil 1,6).

Paulus sagt also den Christen in Ephesus: „Ich bete darum, dass ihr die Hoffnung, zu der Gott euch in Christus Jesus berufen hat, wirklich erkennt.“ Er meint damit nicht einfach nur ein intellektuelles Wissen, sondern sowohl intellektuelles als auch erfahrungsgemäßes Wissen. Hoffnung ist objektiv – sie ist eine Realität, die auf Wahrheit beruht. Und Hoffnung ist subjektiv – die Realität muss ich auch mit dem Herzen wahrnehmen. Biblische Hoffnung versetzt unser Herz in die Lage, ruhig zu bleiben, wenn wir daran denken, dass wir eines Tages sterben werden. Biblische Hoffnung bedeutet, dass unser Herz beim Gedanken an den eigenen Tod sagt: „Jesus ist auferstanden. Mein Glaube ruht in ihm. Er ist meine Hoffnung. Er wird mich nicht im Stich lassen.“

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