Medizin

Die Mär vom Hirndoping

Laut Medienberichten nutzen immer mehr Menschen Medikamente, um ihre Konzentration und Merkfähigkeit zu erhöhen. Vieles davon wird übertrieben dargestellt. Dennoch ist es Zeit für eine gesellschaftliche Debatte.

Es wäre falsch, dies als Entwarnung zu verstehen. Der DAK-Report belegt, wie weit verbreitet und akzeptiert die Einnahme von Medikamenten, die in verschiedenster Weise auf die Psyche wirken, mittlerweile ist. Es ist an der Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit den treibenden Kräften hinter diesem Trend. In erster Linie zielen die Eingriffe in die Hirnchemie darauf, Menschen im Arbeitsalltag oder im Prüfungsstress stromlinienförmig funktionieren zu lassen. Dieser Anspruch reicht bis hin zur Eliminierung unerwünschter Persönlichkeitseigenschaften. Selbst Schüchternheit gilt heute als behandlungswürdige Sozialphobie. Psychologen, Wissenschaftler, Ärzte und Pharmaunternehmen spielen hier eine zentrale Rolle. Sie alle tragen dazu bei, dass der Katalog psychischer Krankheiten seit Jahren immer länger wird.

In einem solchen Klima erscheint es vielen kaum noch als paradox, sich eher Gedanken darüber zu machen, wie man den immer höheren Anforderungen der Leistungsgesellschaft durch Medikamenteneinnahme gewachsen ist, als sich darum zu kümmern, wie eine möglichst humane Gesellschaft aussehen könnte, die Leistung nicht an erste Stelle setzt. Im Zentrum einer Debatte um das Neuro-Enhancement muss darum auch die Frage stehen: Wo wollen wir Menschen künftig die Grenze zwischen Selbstgestaltung und Selbstausbeutung ziehen?

Hier der Artikel von Jörg auf dem Hövel: www.merkur.de.

Placebo-Effekt andersherum

Der bekannte Placebo-Effekt bei medizinischen Blindversuchen hat seinen naheliegenden Gegeneffekt: Befürchtungen von schädlichen Nebenwirkungen führen zu Beschwerden, auch wenn das verabreichte Mittel bloß die inhaltsfreie Testpille war.

Nocebo (lateinisch: »ich werde schaden«) ist die Negativseite des bekannten Placeboeffekts. Der Glaube allein kann heilen oder Schmerzen lindern, aber er kann auch krank machen oder gar töten. Dabei handelt es sich nicht um bloße Einbildung, der Effekt beeinflusst ganz real und messbar die Physiologie des Körpers. Es gibt Berichte von Menschen, die starben, nur weil sie daran glaubten, von einem Voodoo-Magier zum Tode verurteilt worden zu sein.

Hier der Artikel von Magnus Heier: www.faz.net.

Der »Sitz Gottes« im Gehirn

Georg Rüschemeyer grübelt für die FAZ über die Popularität der bunten Hirnbilder:

Der Versuch, die menschliche Psyche und so komplexe Phänomene wie Angst, Trauer, Liebe oder Frömmigkeit mit beobachteten Aktivierungsmustern im Gehirn gleichzusetzen, wird häufig unternommen. Das Gros der rund 20.000 in Fachzeitschriften publizierten Studien, die seit 1992 mit Hilfe der fMRI-Technik die neuronalen Grundlagen von Wahrnehmung und Denken ergründen wollten, versucht es. Während in frühen Experimenten noch einfache Zusammenhänge erforscht wurden, wie etwa die Aktivierung des visuellen Kortex durch blinkende Lichter, ging es ab Ende der neunziger Jahre mehr und mehr um den menschlichen Geist schlechthin. Was Wissenschaftler meist vorsichtig als »neuronale Korrelate« der untersuchten kognitiven Funktionen bezeichnen, wird in den Medien dann schnell zum »Angstzentrum« oder dem »Sitz Gottes« im Gehirn.

Hier der vollständige Artikel: www.faz.net.

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