Odyssee
Christopher Nolan hat einen neuen Film mit einer Lauflänge von knapp drei Stunden produziert. In „Odyssee“ setzt er Homers großes Epos mit neuester Filmtechnik in Szene. Er verbindet einen antiken Stoff mit seiner typischen Vorliebe für formale Strenge, Zeitebenen, Spektakel und technische Innovation.
Marcus Stiglegger schreibt in seiner epd-Besprechung:
Dass ein Studio wie Universal einem Filmemacher Hunderte Millionen Dollar anvertraut, um ein altgriechisches Epos auf 70-mm-Film zu realisieren, wirkt beinahe anachronistisch (MGM hatte mit „CLEOPATRA“ auf diese Weise um 1960 das klassische Studiosystem zerstört). Vielleicht ist gerade das die kulturhistorische Pointe: In einer Zeit serieller Erzähluniversen kehrt das Kino zu einer der ältesten Geschichten überhaupt zurück und erschafft daraus – ähnlich wie Robert Eggers in „THE NORTHMAN“ (2022) – ein eigenständiges Universum. Es wird sich zeigen, wie effektiv dieser Schritt ist.
In jedem Fall ist es Christopher Nolan nachdrücklich gelungen, eine unserer Gegenwart angemessene Version des Odysseus-Mythos zu präsentieren. Sein Film zeigt eine Welt des umfassenden Krieges. Die Schuld der Menschen ist es, die etablierten Gesetze der Gastfreundschaft zu missachten, aus Gier das Schicksal herauszufordern und die Götter zu demütigen. Diese Welt ist aus der Balance geraten, und es bleibt den Schuldigen selbst überlassen, sie zu korrigieren. Odysseus und Penelope fahren am Ende nach Westen, um die Toten zu ehren. So wurde es im Hades von ihm gefordert. Und vielleicht „kehrt eines Tages“, so Penelope, „die Zivilisation zurück“.
Spannend sind auch die Beobachtungen von Paul Marchbanks: www.christianitytoday.com.