Die Neuordnung der Elternschaft

Das Familienbild verändert sich dramatisch. Volker Beck und  Katja Dörfer haben erst kürzlich gefordert, Kindern bis zu vier soziale Eltern zu gönnen. (Die Zahl Vier dürfte dabei eine willkürliche Setzung sein. Warum nicht sechs Eltern?)

Die SZ stimmt uns nun schon mal auf Debatten ein, die kommende Woche in Essen auf dem 71. Deutschen Juristentag geführt werden.

Die Paragrafen des altehrwürdigen Bürgerlichen Gesetzbuches sind nicht gemacht für Bioväter und Doppelmütter. Weil aber die Frage, was Familie ist und wer dazu gehört, dringend geregelt werden muss – nicht nur, aber vor allem zum Wohle der Kinder -, hat der kommende Woche in Essen beginnende 71. Deutsche Juristentag das neue Familienrecht zu einem seiner zentralen Themen gemacht. Tobias Helms, Rechtsprofessor an der Uni Marburg, hat ein formidables Gutachten geschrieben, das zum Grundstein einer neuen Ordnung werden könnte.

Am augenfälligsten ist der Regelungsbedarf bei lesbischen Frauen, die sich durch eine Samenspende ihren Kinderwunsch erfüllen. Um rechtlich als Co-Mütter anerkannt zu werden, bleibt nur – trotz Lebenspartnerschaft – der umständliche Weg über die Stiefkindadoption. Das ist inkonsequent, weil die Familiengründung via Samenspende inzwischen zunehmend akzeptiert wird, auch in den Kliniken. Zudem sind Doppelmütter keine schlechteren Eltern, sagt die Wissenschaft. Entscheidend sind „die behütenden Verhältnisse“, ob nun in Ehe oder Partnerschaft, befand 2013 das Bundesverfassungsgericht. Helms schlägt daher eine vereinfachte Co-Mutterschaft vor, wie sie in Österreich, England oder den Niederlanden inzwischen möglich ist.

Es ist schon irgendwie komisch, dass die Anwälte der Biobauern die Bioeltern abschaffen wollen. Und wenn ich schon lese: „die Wissenschaft sagt“! Tragisch. Was wird man wohl rückblickend in 150 Jahren über die „Endnaturalisierung“ der Elternschaft denken?

Kommentare

  1. „Das Familienbild verändert sich dramatisch.“

    Das wollen Volker Beck und Katja Dörfer uns nur einreden. Der medialen Präsenz nach, könnte man das wirklich so empfinden. Wenn ich mir den Hype um Partnerbörsen und Liebes-Ratgeberliteratur anschaue, dann ist ein traditionelles (christliches) Familienbild schon der ideale Maßstab, unabhängig davon wie viele Menschen aus verschiedensten Gründen scheitern.

  2. Naja, aber wenn es die Wissenschaft sagt, dann stimmt das 100%ig, denn die kann nicht irren, wie wir alle wissen.
    Wehe dem, der die „Erkenntnisse“ der „Wissenschaft“ anzweifelt! Der wird im besten Fall für „nicht ganz richtig im Kopf“ gehalten, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann.
    Wissenschaft ist nichts anderes als technisch getarnte Religion. Amen.

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