Judith Butler hat etwas bewegt

Die Stadt Frankfurt am Main hat am Dienstag Judith Butler mit dem Adorno-Preis geehrt. Der Tenor in der Medienberichterstattung war einhellig: Butlers Haltung gegenüber Israel ist anfechtbar, ihre Beiträge zur Gender-Problematik haben dagegen weitgehende Akzeptanz gefunden.

Eva Geulen, selbst Butler-Expertin und die Laudatorin des Abends, packte ihre Bewunderung für die Preisträgerin in den Satz: „Sie hat etwas bewegt.“ Der CDU Politiker Felix Semmelroth stellte vornehmlich ihre Leistungen für die Gender-Theorie heraus: „Ihre Stimme, und das macht auch ihre Verantwortung als öffentliche Intellektuelle aus, wird nicht nur gehört, sondern hat Gewicht, wird wahr- und ernstgenommen und dies natürlich nicht immer mit Zustimmung oder gar Wohlgefallen.“

Bei so viel Überschwang für Judith Butler bin ich gestern mit einem ihrer Standardwerke ins Bett gegangen. Ungefähr zwei Stunden habe ich mit dem Unbehagen der Geschlechter (Suhrkamp, 1991) verbracht.

Das Buch ist eine Streitschrift gegen die „Zwangsheterosexualität“ und den „Phallogozentrismus“, ein Versuch, Geschlechterordnungen zu (ver)stören. Konstruktionen von Geschlechtern sind für Butler Ausdruck politischer und gesellschaftlicher Machtdiskurse. Sogar das Inzestverbot wurde erschaffen, um die herrschende heterosexuelle Geschlechterordnung zu verfestigen.

Über allem steht die Attacke auf die binäre Ordnung. Butler treibt die Unterscheidung von biologischem Geschlecht (sex) und „seelischer“ Geschlechtsidendität (gender) soweit, dass sie die Geschlechtstidentität nicht nur vom biologischen Geschlecht entkoppelt, sondern – in gewisser Weise konsequent – behauptet, dass Gender dem biologischen Geschlecht immer schon vorausgeht. So verflüssigen sich nicht nur biologische Grenzen, sondern auch sozial konstruierte Geschlechtsidentitäten erweisen sich als unbestimmt.

Wenn wir jedoch den kulturell bedingten Status der Geschlechtsidentität als radikal unabhängig vom anatomischen Geschlecht denken, wird die Geschlechtsidentität selbst zu einem freischwebenden Artefakt. Die Begriffe Mann und männlich können dann ebenso einfach einen männlichen und einen weiblichen Körper bezeichnen wie umgekehrt die Kategorien Frau und weiblich (S. 23).

Butler will jeden Rest einer binären Unterscheidung wegspülen, um die Konfigurationen von Geschlechteridentitäten erweitern zu können. Dem humanistischen Feminismus wirft sie deshalb vor, dass er Geschlechtsidentität noch als „Attribut einer Person“ begreifen will (S. 28). „Als sich ständig verschiebendes (shifting) und kontextuelles Phänomen bezeichnet die Geschlechtsidentiät nicht ein substantiell Seiendes, sondern einen Schnittpunkt zwischen kulturell und geschichtlich spezifischen Relationen“ (S. 29).

Butler hat wirklich etwas bewegt. So manches Unbehagen der Geschlechter ist bereits in den Grundschulen angekommen. Das Konzept der Geschlechtsidentität soll in ein überarbeitetes Grundgesetz einfließen. Butler hat eben Gewicht, also Macht. Vielleicht sollte sich jemand die Mühe machen, ihre Thesen so zu formulieren, dass sie falsifizierbar, also überprüfbar, sind. Vermutlich würde sich schnell herausstellen, dass die Genderkönigin nichts an hat (vgl. hier).

Kommentare

  1. Das wär‘ von 1939 – 1945 nicht möglich gewesen. Rechtsradikal? Klar. Und was wäre dies? Richtig: Linksradikal. Die Mitte wäre dort, wo es heißt: Und er schuf sie als Mann und Frau.

  2. Mittwoch um 23.20 Uhr auf arte TV:
    Judith Butler, Philosophin der Gender

    Der Beitrag ist allerdings unkritisch.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Also wenn der Hochstapelei zu Babel nicht immer derselben Zusammenbruch mit Todesfolge auf den Fuß folgen würde, könnte man sich ja gelassen zurücklehnen und sagen: Pah – keine Chance, gegen das Allmächtige Wort setzt sich diese Luftnummer niemals durch!“.

    Weil so viel Kaiserschmarren aber durchaus Menschleben kostet oder gefährdet und deshalb auch noch viel höher gemauerte Kultur- oder Landesgrenzen nachsichzieht, könnt einem schon der Kamm schwillen.

    Auf Spiegel-online war erst vorgestern davon die Rede, dass im Zuge der Gleichstellung von Mann und Frau, jene Frau auch mit wenigsten drei Klimmzügen in dieselbe Kampfeinheit dürfen müsse, wo Männer aber wenigstens 10 Klimmzüge vorzulegen hätten. Jetzt schaffen die meisten Mädels aber auch nach 12 Wochen Training nicht mal einen einzigen Klimmzug und versuchen sich trotzalledem ein Recht auf diese Truppe einzuklagen.

    Da konnte ich mich dann auch nicht mehr zurückhalten und schrieb kurzerhand, dass die Genderpolitik bloß nicht konsequent genug sei:

    Wenn nämlich nur eine Frage der Konvention ist, was männlich oder weiblich heißt, dann ist auch nur eine Frage der Konvention, wieviel drei oder zehn Klimmzüge sind, nämlich gleichfalls nur gleich viel. Sogar besser noch: Im Handumdrehen ist selbst der eine Klimmzug dasselbe wie eine Entbindung.

    Warum also so kleinlich, wenn es bloß um Sprache oder ein ganz althergebrachtes Differenzierungsvermögen geht? Hau wech – Lallen reicht im Parlament!

    Liebe Grüße, Alexander

  4. schandor meint:

    „Wenn nämlich nur eine Frage der Konvention ist, was männlich oder weiblich heißt, dann ist auch nur eine Frage der Konvention, wieviel drei oder zehn Klimmzüge sind, nämlich gleichfalls nur gleich viel. Sogar besser noch: Im Handumdrehen ist selbst der eine Klimmzug dasselbe wie eine Entbindung.“

    LOL! 🙂 🙂 🙂

  5. Roderich meint:

    @Alexander,
    schön, dass Du dich nun für die Objektivität und Zuverlässigkeit des Sprachgebrauchs einsetzt. Auf der Seite hätte ich Dich bis gestern noch nicht erwartet, sieh an. 😉

  6. Tut mir wirklich leid, Roderich, dass ich dir fortwährend widersprechen muß:

    Ich habe mich nicht für den aktuellen Sprachgebrauch, die Genderpolitik oder die allegemeine Blasphemie eingesetzt, sondern genau DAGEGEN eingesetzt. Es wäre nämlich ganz besonders naiv, anzunehmen, die vermeintliche Genderpolitik residiere erst seit jenem Tag unter uns, seit dem ihr dieses Pseudonym verliehen worden ist. Der Slang hat beliebig viele Namen.

    Blasphemie und „Genderpolitik“ rasen auch nicht erst seit dem Turmbau zu Babel um die Welt, sondern schon seit Adams Verrat am HErrn und Eva.

    Es gibt also noch immer keinen Grund dafür, anzunehmen, wir wären wieder IN der Wahrheit – wir sind weder in der Wahrheit noch im Paradies, sondern RAUS und AUSSERHALB. Um wieder rein zu gelangen müßtest du schon die Cherubim überwinden – einen Ring aus Feuer – aber DASS und WIE das geht, hat dir / uns Jesus Christus vorgemacht. Noch bist du IHM nicht nachgegangen!

    Grüße, Alexander

  7. „Vielleicht sollte sich jemand die Mühe machen, ihre Thesen so zu formulieren, dass sie falsifizierbar, also überprüfbar, sind.“ Dass aus dem Munde eines Theologen zu hören… da kann ich mir ein Schmunzeln nicht vergreifen. Die Behauptung, dass ein Gott existiert, ist absolut nicht falsifizierbar. Sie vertreten in ihrem letzen Absatz einen Positivismus, der, angewendet auf Ihre eigene Disziplin, von dieser nichts übrig lassen würde.
    Freundliche Grüße, Felix

  8. @Felix
    1. Eine Auffassung, die als neue Staatsideologie immer mehr als verbindlich vorgeschrieben werden soll, hätte – setzte man eine auch nur halbwegs rationale Kultur voraus – natürlich eine Rechtfertigungspflicht. Sie muss ihre Thesen klar und damit überprüfbar formulieren. Und die Überprüfung sollte ein Stück weit schon vorangeschritten und dabei auch positiv verlaufen sein. Aber das ist alles ja offensichtlich nicht der Fall. Geht auch gar nicht, da hier, wie in allen Ideologien, (unterschwellige) normative Konzepte entscheidend sind (was gut, gerecht, richtig…ist).
    Selbstverständlich ist diese Forderung vom epistemischen Status der Theologie unabhängig.
    2. Ungeachtet dessen ist die Behauptung, dass Gott existiert, natürlich überprüfbar und damit auch „falsifizierbar“. Wir können uns überlegen, wie die Welt sein müsste, falls Gott nicht existierte, und umgekehrt. Und dann können wir das mit dem tatsächlichen Zustand der Welt vergleichen.
    Die Überprüfbarkeit unterscheidet sich hier übrigens gar nicht so grundlegend von der Praxis in der Naturwissenschaft, wie es oft behauptet wird.
    Theisten bringen entsprechend Gründe vor, warum die Existenz Gottes bzw. der christliche Glaube wahrscheinlich sind: Z.B. Die Existenz von Geist und Bewusstsein, die gigantische Ordnung in der Natur (Finetuning, Entropie usw.), die Existenz von Leben, historisch erfüllte Prophetien der Bibel, unser ethisches Bewusstsein, unsere Rationalität bzw. Wahrheitsfähigkeit usw.
    Aber auch Atheisten bringen Gründe für ihre Sichtweise vor – sie wollen falsifizieren! Hier ist wohl das Theodizeeargument der wichtigste Ansatz.
    Markus

  9. @Markus
    Zu 1: Vom Genderdiskurs und seinen politischen Forderungen als einer Staatsideologie zu sprechen, halte ich für absolut hysterisch. Damit verwässert man lediglich den Ideologiebegriff.

    Zur Überprüfbarkeit. Ein wichtiger Grundsatz natürlich. Es gibt allerdings Theorien, die widerspruchsfrei sind, aber sich empirisch nicht mehr überprüfen lassen. Ich nehme mal das von Herrn Kubsch angeführte Zitat Butlers:

    „Als sich ständig verschiebendes (shifting) und kontextuelles Phänomen bezeichnet die Geschlechtsidentiät nicht ein substantiell Seiendes, sondern einen Schnittpunkt zwischen kulturell und geschichtlich spezifischen Relationen“ Diese Behauptung lässt sich empirisch nicht überprüfen: Man kann keine Experimente oder andere empirische Nachforschungen machen, um anhand dieser aufzuzeigen, dass geschlechtliche Identität kein „substantiell Seiendes“ ist, also als nicht etwas, das immer schon im Individuum angelegt ist und aus einem inneren Geschlechtskern herrührt, der unvermeidlich Teil meiner Identität ist.

    Genauso wenig lässt sich allerdings die Butler widersprechende Ansicht empirisch überprüfen: Dass wir losgelöst von unserer Sprache, Kultur, allem, was gesellschaftlich hergestellt wird, nur in uns hineinhorchen müssten, um dort unsere „Männlichkeit“ oder „Weiblichkeit“ zu finden. Eine solche Behauptung, die Geschlechtsidentität also als etwas „substantiell Seiendes“ konzipiert, lässt sich ebenso wenig überprüfen.

    Ich verstehe schon, dass viele sich hier verunsichert fühlen, wenn man feststehende Ordnungen zu bloßen Konventionen erklärt, vor allem, wenn man diese Ordnungen für gesellschaftlich erstrebenswert hält. Die Ressentiments gegen die genderpolitischen Forderungen (und den Neuen Atheismus) kann ich teilweise nachvollziehen als ein Verlust von lebensweltlicher Sicherheit und Orientierung.

    „Selbstverständlich ist diese Forderung vom epistemischen Status der Theologie unabhängig.“ Die Theologie genießt also Ihrer Meinung nach einen Sonderstatus und muss ihre Behauptungen nicht klar und überprüfbar formulieren?

    Zu 2:
    Falsifizieren bedeutet laut wiktionary „(eine Behauptung) durch Gegenbeispiel, Beobachtung oder Experiment widerlegen“. Offensichtlich kann ich auf diese Art nicht widerlegen, dass ein Gott nicht existiert, ebenso wenig, wie Sie widerlegen können, dass ein Gott existiert. Aber gut, deswegen sprechen Sie ja auch von Wahrscheinlichkeit. Wenn Herr Kubsch Butler damit konfrontiert, dass ihre Thesen durch Gegenbeispiel, Beobachtung oder Experiment nicht überprüfbar sind, dann sollte er sich aber auch an die eigene Nase fassen und seine theologischen Behauptungen der gleichen Kritik unterziehen.

    Letztlich muss man sich zwischen agnostischen Atheismus und agnostischen Theismus entscheiden. Am Ende bleibt immer ein großes I don’t know. Ich entscheide mich für letzteres, Sie wahrscheinlich für ersteres.
    Aber mal ganz ehrlich – so unter erwachsenen Menschen – glauben Sie ernsthaft, dass da vor Milliarden von Jahren ein geistiges Wesen das Universum erschaffen hat…? Und dieses Wesen schaut jetzt gerade, während wir hier schreiben, auf uns herab…? Und wenn wir jetzt (gedanklich) zu ihm sprechen (beten) würden, dann würden wir eine metaphysische Kommunikationsverbindung zu diesem Wesen herstellen und es könnte uns hören? Klar, könnte alles der Fall sein, aber merken Sie nicht, wie absurd das klingt…? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass die christliche Behauptung der Existenz Gottes (und der Kommunikationsmöglichkeit mit diesem) einfach nur ein Erklärungsversuch der im Nahen Osten vor ein paar Tausend Jahren lebenden Menschen war?

    Ich bin katholisch aufgewachsen und habe als Kind und Jugendlicher auch an den christlichen Gott geglaubt. Ich weiß also, dass es erst einmal ein unmoralisches und vielleicht sogar Angst einflößendes Gefühl ist, das christliche Dogma, die Existenz Gottes, in Zweifel zu ziehen. Bis man sich irgendwann fragt, was daran eigentlich unmoralisch und Angst einflößend sein soll.

    Viele Grüße,
    Felix

  10. Roderich meint:

    @Felix,

    Klar, könnte alles der Fall sein, aber merken Sie nicht, wie absurd das klingt…?

    Das absurd klingen kann doch wohl nicht als Argument gemeint sein. Denn wie etwas „klingt“, hängt ja von vielen Faktoren ab. Für jemanden, der nicht nur atheistische Bücher liest, klingt es jedenfalls keinesfalls absurd.
    Ich würde sehr empfehlen, mal das Buch „Hat die Wissenschaft Gott begraben“ von John Lennox zu lesen. Danach reden wir weiter über „absurd“…

    Ich weiß also, dass es erst einmal ein unmoralisches und vielleicht sogar Angst einflößendes Gefühl ist, das christliche Dogma, die Existenz Gottes, in Zweifel zu ziehen. Bis man sich irgendwann fragt, was daran eigentlich unmoralisch und Angst einflößend sein soll.

    Schade, wenn es nur „Gefühle“ waren, die damals den Glauben ausgemacht haben – offenbar war damals zeitlich keine Gelegenheit, ein paar sinnvolle christliche Bücher zu lesen? Z.B. auch von C.S. Lewis „Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben“.

    Oder von Richard Swinburne: „Gibt es einen Gott?“. Alle drei Bücher sind absolut essentiell. Sie legen den Grundstein für eine sinnvolle Debatte. Man könnte jetzt die Argumente hier einzeln vorkauen, aber schneller geht es, vermute ich, wenn Du sie einfach mal liest. 🙂

    Was die Verifizierbarkeit / Falsifizierbarkeit angeht: ich würde davor warnen, etwas nur nach „100% Verifizierbar oder nicht“ oder „nicht falsifizierbar, also auf exakt der gleichen Stufe stehend“ zu beurteilen. Sondern es geht um graduelle Unterschiede, die sich anhand von Plausibiliät bestimmen lassen. Jedenfalls ist die Gendertheorie äußerst unplausibel, während für den theistischen Glauben sehr viele sehr plausible Gründe sprechen… siehe oben.
    Es gibt mehr als nur „nicht falsifizierbar“.

    Worum es Ron glaube ich ging ist: die Theorie von Butler ist schwer verständlich geschrieben, und macht keine klaren Thesen. (Ganz im Gegensatz zum biblischen Theismus). Es muss – im Interesse der Wahrheitssuche – darum gehen, sprachlich klar formulierte Thesen zu bringen.
    Die kann man dann mithilfe von Plausibilitätsüberlegungen betrachten.

    Grüße und gutes Restwochenende bzw. guten Einstieg in die Woche…
    Roderich

  11. Markus meint:

    Zu 1: Es hängt davon ab, wie man „Ideologie“ definiert. Was würden Sie hier vorschlagen? Sei „Ideologie“ zum Beispiel eine von einer mächtigen intellektuellen Minderheit ausgedachte, unbegründete bis inkohärente Auffassung, die durch Instrumentalisierung des Staates und Zwangsmaßnahmen verschiedener Art der Bevölkerung aufgeprägt werden soll, passt dies sehr wohl auf den Genderismus.

    Eine empirische Überprüfung ist sicherlich auch wichtig. Wo man empirische Tests fordert, so sind empirische Kriterien für Geschlechtlichkeit nötig. Und hier ist der Befund (von einigen seltenen Gendefekten abgesehen) eindeutig die Bipolarität.
    Überprüfungen sind aber nicht nur empirischer Art. Wie gesagt, spielen bei solchen Gedankenkonstrukten normative Konzepte eine Rolle. Die Überprüfung bezieht sich hier zum Beispiel auf die sachliche Klarheit, Kohärenz und die Begründetheit der Ansprüche und Wertungen.
    Der Genderismus kann aber keine empirischen Belege aufweisen. Er ist nicht begründbar und um seine Kohärenz ist es nicht gut bestellt. Er hat, von einem rationalen Standpunkt aus betrachtet, etwa den Status einer Ufo-Sekte. Es gibt – bestenfalls – keinen rationalen Grund, an den Genderismus zu glauben.

    Zu 2: Dass Sie sagen, Sie wüssten nicht, ob Gott existiert, kann ich respektieren. Nicht respektieren kann ich aber, dass Sie behaupten zu wissen, dass sonst auch niemand wisse, dass Gott existiert – ohne dass Sie sich die Mühe machen, eine Begründung für diese These auch nur zu versuchen. Das ist durchaus anmaßend. Erstaunlicherweise hören Sie hier plötzlich auf, konsequenter Agnostiker zu sein und werden agnostischer Dogmatiker!

    Ich habe dafür argumentiert, dass die Existenz Gottes sehr wohl überprüfbar ist. Ich fordere Sie auf, auf diese Argumente ernsthaft einzugehen. Dabei habe ich auch einige Punkte genannt, die zum Teil sehr stark für die Existenz Gottes sprechen. Sie machen den Atheismus äußerst unwahrscheinlich. Ein Beispiel von mehreren ist das Argument der Ordnung des Universums. Was sagen Sie dazu?

  12. Lieber Felix,
    Ich bin quantenmechanischer Agnostiker und ich habe mich mit Quantenmechanik ehrlich gesagt nie genau beschäftigt.
    Letztlich muss man sich zwischen agnostischem A-Quantenmechanizismus und agnostischem Quantenmechanizismus entscheiden. Am Ende bleibt immer ein großes I don’t know. Ich entscheide mich für ersteres, Sie wahrscheinlich für letzteres.
    Ich habe keine Ahnung, wie man experimentell oder theoretisch die Quantenmechanik überprüfen soll, deshalb kann man sie nicht überprüfen! Man spricht in der Quantenmechanik, so viel ich weiß, ja auch nur von Wahrscheinlichkeit.
    Aber ganz ehrlich – so unter erwachsenen Menschen – glauben sie wirklich an den Welle-Teilchen- Dualismus? Halbzahligen Spin? Quantenzahlen? Unbestimmtheit des Ortes eines Elektrons? Wahrscheinlichkeitsfunktion? Merken Sie nicht, wie absurd das klingt?
    Ich habe als Schüler auch an die Quantenmechanik geglaubt. Ich bin naturwissenschaftlich aufgewachsen. Bald habe ich erfahren, dass es ein unmoralisches und angsteinflößendes Gefühl ist, vor allem im Chemie- und Physikstudium, die Wahrheit der Quantenmechanik zu bezweifeln. Irgendwann habe ich mich gefragt, warum das unmoralisch und angsteinflößend sein soll.
    Markus

  13. @Roderich: Es bringt doch herzlich wenig, in einer Diskussion auf einem Blog auf den Inhalt ganzer Bücher zu verweisen. Bitte, kauen Sie mir die einzelnen Argumente vor, wenn Sie mögen. 😉 Aber nur am Rande, weil der erste Titel mir schon in die völlig falsche Richtung zu gehen scheint: Kaum ein Atheist würde behaupten, dass die Wissenschaft Gott begraben hat. Wie gesagt: agnostischer Atheismus. Auch die meisten medienpräsenten Atheisten schließen die Existenz eines Gottes ja nicht vollkommen aus.

    „Was die Verifizierbarkeit / Falsifizierbarkeit angeht: ich würde davor warnen, etwas nur nach “100% Verifizierbar oder nicht” oder “nicht falsifizierbar, also auf exakt der gleichen Stufe stehend” zu beurteilen. Sondern es geht um graduelle Unterschiede, die sich anhand von Plausibiliät bestimmen lassen. […] „Es gibt mehr als nur “nicht falsifizierbar”.“

    Ich habe nichts Gegenteiliges behauptet. Dass ich sogar auch der Meinung bin, dass es mehr als „nicht falsifizierbar“ gibt, beinhaltet meine Verteidigung Butlers: „Es gibt allerdings Theorien, die widerspruchsfrei sind, aber sich empirisch nicht mehr überprüfen lassen.“

    Ich frage mich allerdings, was Sie unter „der Gendertheorie“ verstehen. Der Genderdiskurs ist heterogen und fällt auch keinesfalls mit den Positionen Judith Butlers in eins. Wenn Sie mögen, benennen Sie Paradoxien, die Ihnen aufgefallen sind, und wir diskutieren darüber.

    Butler hat in der Tat einen unklaren Stil. Die Kritik daran halte ich ebenso für absolut berechtigt.

    Viele Grüße,
    Felix

  14. Zu 2.)
    „Nicht respektieren kann ich aber, dass Sie behaupten zu wissen, dass sonst auch niemand wisse, dass Gott existiert – ohne dass Sie sich die Mühe machen, eine Begründung für diese These auch nur zu versuchen.“

    Ja, ich behaupte, dass niemand legitim behaupten kann, dass ein Gott mit absoluter Gewissheit existiert. Wenn das für Sie anmaßend ist, ok. Ich halte eher die dogmatische (gnostisch-theistische) Haltung der Kirchenvertreter „Es gibt einen Gott!“ für anmaßend.

    Stimmt, Sie haben da ein paar Gründe aufgeführt, ich will drauf eingehen.

    „Geist und Bewußtsein“: Meinen Sie: Da wir denken können und in einem reflexiven Verhältnis zu uns selbst und zur materiellen Welt stellen, lässt das darauf schließen, dass uns vor ein paar Milliarden von Jahren ein metaphysisches Wesen erschaffen hat? Ist mir nicht klar, warum das so sein soll.

    „die Existenz von Leben“, unser ethisches Bewusstsein, unsere Rationalität bzw. Wahrheitsfähigkeit“: Auch hier ist mir nicht klar, warum es kein Leben, keine Ethik, keine Rationalität und keine Wahrheitsfähigkeit geben kann, ohne dass uns ein metaphysisches Wesen erschaffen haben sollte.

    Ordnung des Universums: 13,8 Milliarden Jahre sind eine verdammt lange Zeit, warum sollte sich in dieser Zeit nicht von alleine eine gewisse Stabilität herausgebildet haben?

    („historisch erfüllte Prophetien der Bibel“. Ich bitte Sie…)

    Mit Sicherheit lassen sich die von Ihnen gennannten Phänomene auf säkularem Wege nicht mit letzter Sicherheit erklären, vielleicht wird man es sogar nie können. D.h. aber nicht, dass wir sofort die Gott-Hypothese benutzen sollten, mit der man es sich doch wirklich sehr einfach macht.

    Aber mal angenommen, Sie haben Recht, und alle diese Punkte sprechen tatsächlich für die Existenz eines metaphysischen Wesens: Was bringt Ihnen diese Annahme hinsichtlich ihrer persönlichen Lebensweise?

    Vielleicht möchte dieses Wesen ja, dass seine Geschöpfe seine Existenz und die heterosexuell-normative Ordnung in Frage stellen! Wie sollte man das nun bitte wissen können?
    Falls dieses Wesen einen großen Show-Down plant, hätte ich jedenfalls schon mal die besseren Karten! 😉

    Viele Grüße,
    Felix

  15. @Felix: Zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre Beiträge, die ich mit Interesse gelesen habe. Gendertheorien sind in der Tat ein weites Feld. In einem Blog kann man nicht alles diskutieren.

    Ich bleibe deshalb bei der Frage, die ich im Beitrag oben angesprochen habe. Butler geht die (mE unbegründete) feministische Unterscheidung zwischen einem biologischen Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (gender) nicht weit genug. Um den Phallozentrismus und die Zwangsheterosexualität zu überwinden, ist das Konzept von Identität, also von einem Subjekt (einem Ich), das hinter den Handlungen steht, aufzugeben. Das Ich mit „seiner“ Geschlechtlichkeit ist nicht essentiell, sondern wird durch Handlungen permanent hergestellt. Das soziale Geschlecht ist also nicht nur vom biologischen Geschlecht unabhängig (!), so wie es der alte Feminismus behauptete, sondern die Natürlichkeit des biologischen Geschlechts wird erst durch kulturelle Performanz hergestellt. Die Unterscheidung zwischen Mann und Frau wurde vom „Mann“ erfunden, um ein Machtgefälle zu festigen. Um diesen Missbrauch zu beenden, ist die binäre Unterscheidung durch Sprech- und Handlungsakte zu verstören. Das ist die Aufgabe der Politik (letztes Kaptitel in „Unbehangen der Geschlechter“: Von der Parodie zu Politik). Wenn die Politik mit ihrem Gleichheitsanspruch ernst machen möchte, sind Identitäten zu verflüssigen. (Fast täglich werden wir mit der Umsetzung des Programms konfrontiert, jüngstes Beispiel ist die Grammy-Verleihung vergangene Nacht.)

    Diese Behauptungen werden nicht wie Hypothesen behandelt, die im Rahmen eines Forschungsprogramms der kritischen Prüfung zu unterziehen sind. Es wird mit finanziellem und personellem Aufwand der Eindruck erzeugt, es handele sich hierbei um eine verhältnismäßig stabile Theorie. Schauen Sie sich doch mal die Aushänge an der UNI xyz an, da geht es nicht mehr um das „ob“, sondern nur noch um das „Wie setzen wir das um?“.

    Wie gehen Sie damit um? Habe ich Butler falsch verstanden? Ist Butlers Analyse überprüfbar, überzeugend, sektiererisch (um das Bild vom Ufo-Klub aufzugreifen)?

    Liebe Grüße, Ron

  16. Roderich meint:

    @Felix,
    ich verwende auf diesem Blog gerne das „Du“, ich hoffe, das ist okay. (Wenn nicht, wechsle ich gerne auf das „Sie“).

    Es bringt doch herzlich wenig, in einer Diskussion auf einem Blog auf den Inhalt ganzer Bücher zu verweisen. Bitte, kauen Sie mir die einzelnen Argumente vor, wenn Sie mögen.

    Ja, wenn man aber behauptet, als erwachsener Mensch könne man nicht sinnvoll an die christliche Weltsicht glauben, und dann im nächsten Atemzug zugibt, man hat noch nie ein Buch dazu gelesen, halte ich das für nicht sehr „erwachsen“. Gerade wenn man sich so für „Überprüfbarkeit“ starkmacht. Im Zweifel hat man dann aber an der Überprüfung doch kein Interesse, sondern möchte nur seine Thesen loswerden…

    (Ich finde eher, als „erwachsener Mensch“ kann man das Gegenteil nicht glauben: dass alles aus dem Nichts aus Zufall entstanden sein soll; dass das unglaubliche Fine-Tuning Zufall sein soll (siehe dazu die DVDs „Dem Geheimnis des Lebens nahe“ und „Der Privilegierte Planet“); dass Leben aus toter Materie enstanden sein soll; dass – nur durch den toten zufälligen Mechanismus von „Mutation + Selektion“ so hochkomplexe (und wie Michael Behe in Darwins Black Box überzeugend nachgewiesen hat: irreduzibel komplexe) Organismen wie Menschen, Elephanten, Giraffen, Pfauen, Bettwanzen und Orchideen erzeugt haben soll. Dass „Schönheit“, „Sinn“, „Liebe“ alles materialistisch zu verstehen sein sollen etc.

    Ob Du die Bücher lesen willst, ist natürlich Deine Sache.
    Und auch das Neue Testament würde ich mindestens drei mal (mit offenem Geist) durchlesen. Man wird staunen.

    Kaum ein Atheist würde behaupten, dass die Wissenschaft Gott begraben hat.

    Oh doch – das tun viele. So der ganze (auch schon von Dir erwähnte) „Neue Atheismus“. (R. Dawkins, Daniel Dennet, Chr. Hitchens (gest), Michel Onfray, Sam Harris, und in BRD Michael Schmidt-Salomon, etc.).
    Einige derer Bücher habe ich gelesen – sie zeichnen sich alle durch große Einseitigkeit aus, z.B. schon in der selektiven Zitierweise – gar nicht „erwachsen“, wenn man die Gegenseite nicht fair zitiert.

    Ja, ich behaupte, dass niemand legitim behaupten kann, dass ein Gott mit absoluter Gewissheit existiert. Wenn das für Sie anmaßend ist, ok. Ich halte eher die dogmatische (gnostisch-theistische) Haltung der Kirchenvertreter „Es gibt einen Gott!“ für anmaßend.

    Wir machen im Alltag ständig Urteile aufgrund von Plausibilitäten. „Der Spieler taugt nichts“, „Die Frau wäre gut zum heiraten“, „Die Partei ist die beste“, „BMW hat gute Qualität“ etc. Wir sagen im Alltag nicht immer den Nachsatz dazu „, Komma, ich kann das aber nicht endgültig beweisen“.

    Die Aussage der Kirchenvertreter ist also keinesfalls dogmatisch. (Was die Leute der Kirche sagen wollen ist: „Ich bin der gut begründeten Überzeugung, dass es einen Gott gibt“. Und das ist vollkommen legitim.)
    (Besonders, wenn man mal selber viele Erfahrungen mit dem lebendigen Gott gemacht hat.)

  17. @Ron: Vielen Dank erst einmal für Ihre ausführliche und in weiten Teilen treffende Rekonstruktion wesentlicher Thesen Butlers. Dadurch können wir hier eine inhaltliche Diskussion führen.

    Bei zwei Punkten haben Sie aber in der Tat etwas falsch verstanden:
    1) Und zwar behauptet Butler mitnichten, dass die binäre Unterscheidung vom „Mann“ erfunden wurde, denn das würde ja gerade ein Kollektivsubjekt („die Männer“) voraussetzen, das der Geschlechterordnung vorausgeht und diese anschließend konstruiert. Wie Sie ja aber richtig feststellten, geht es ihr ja gerade darum, das Subjekt hinter den Handlungen aufzugeben, also geschlechtliche Identität als gesellschaftlich hergestellte Identitätskategorie herauszuarbeiten, anstatt Sie als natürlich und immer schon gegeben vorauszusetzen. Dementsprechend kann Butler zufolge der „Mann“ da auch nichts erfunden haben.

    2) Wenn Sie formulieren, dass es Butlers Ansicht nach „Aufgabe der Politik“ sei, das binärgeschlechtliche Sprechen zu subversieren, dann hört sich das so an, als meinte Butler damit die staatliche Politik bzw. die Politiker, die sich darum kümmern sollten. Davon ist natürlich nie die Rede. In „Unbehagen der Geschlechter“ geht es ihr um eine Kritik an der bisherigen Politik des Feminismus, d.h. es wäre Aufgabe der f e m i n i s t i s c h e n Politik, deren bisheriges Sprechen zu überdenken.

    Und zu dem Ufo-Vergleich und damit auch @Markus:

    Solche polemischen Behauptungen sind leichtfertig ins Blaue gesagt und zeugen m.E. doch eher von intellektueller Hilflosigkeit. Zeigen Sie mal, dass das ein treffender Vergleich ist, indem Sie die Thesen Butlers und die einer Ufo-Sekte nebeneinander stellen und dann die Gemeinsamkeiten herausarbeiten, die Ihrer Meinung diesen Vergleich legitimieren. Ich bin gespannt.

    Außerdem freue ich mich, Argumente zu hören, die sich kritisch und i n h a l t l i c h mit den Thesen Butlers auseinandersetzen. Welche Geschlechtertheorie setzen Sie der Butlers denn gegenüber? Bei all der harschen (evtl. ja sogar berechtigten) Kritik an Butler stehen Sie alle hier in der Begründungspflicht.

    Viele Grüße,
    Felix

  18. @ Roderich: Mir wäre es tatsächlich lieber, weiter zu Siezen, aber vielen Dank für Ihr Angebot. Ich glaube, für das weitergehende Diskussionsklima ist das besser. Sie vertreten also eine kreationistische Weltauffassung, die meines Wissens nach kein seriöser Wissenschaftler vertritt. Selbst der vorherige Papst hat die Urknall- und Evolutionstheorie nicht angezweifelt, indem er zurecht behauptete, dass diese einer reduzierten christlichen Auffassung nicht notwendig widerspricht. Selbstverständlich, ein Gott könnte den Urknall ausgelöst haben.

    (http://www.welt.de/politik/article1057226/Benedikt-XVI-glaubt-an-die-Evolution.html)

    Meines Wissens nach behauptet der gesamte Neue Atheismus (mit Ausnahme Steven Hawkins), dass diese Möglichkeit (Gott als erste Ursache) besteht. Wohingegen der gesamte Neue Atheismus sich allerdings in der Tat geschlossen wendet, ist die von Ihnen vertretene kreationistische Theorie und damit ist er auf Seiten des Papstes. Die Wissenschaft hat also nicht Gott begraben, sondern den Kreationismus.

    Viele Grüße,
    Felix

  19. Lieber Felix,
    letztlich ist es allein Ihre Sache, aber mein dringlicher Rat ist, sich mit der Frage, ob Gott existiert, sehr gründlich zu beschäftigen. Ich habe das getan und bin gerade dabei, ein Buch darüber zu schreiben. Deshalb skizziere ich nur kurz, von was ich mich selbst argumentativ überzeugt habe.
    Eine naturalistische Erklärung von Bewusstsein und Intentionalität ist nach über 100 Jahren ernsthaften Versuchens gescheitert. Ich meine, zudem einen Beweis entwickelt zu haben, der zeigt, dass eine naturalistische Erklärung prinzipiell unmöglich ist.
    Eine Erklärung, warum die Naturgesetze und –konstanten genau so sind, dass eine komplexe Chemie und Leben möglich sind, ist naturalistisch nicht möglich.
    Das Universum weist überdies eine unvorstellbar hohe Ordnung (reziproke Entropie) auf. Größenordnung 10 hoch 10 hoch hundert.
    Eine wirklich verbindliche, gültige (man kann auch sagen „objektive“) Moral kann ohne die Existenz Gottes nicht existieren.
    Sind Personen bzw. Subjekte in der Welt nicht grundlegend (sondern ein Produkt der Materie bzw. einer unpersönlichen Substanz) kann es keine Willensfreiheit geben. Dies hätte äußerst absurde Konsequenzen, z.B. dass wir keine Wahrheitsfähigkeit hätten.
    Alle diese Punkt weisen mit großem Nachdruck und extrem hohen Wahrscheinlichkeiten darauf hin, dass die Welt durch ein persönliches, höchst intelligentes und mächtiges Wesen hervorgebracht wurde, das nicht Teil dieser Welt ist. Das Wahrscheinlichkeitsargument ist aus grundlegenden Überlegungen bzgl. Kombinatorik/Wahrscheinlichkeitstheorie entstanden.
    Genaueres lässt sich auf diesen Weg über dieses Wesen allerdings nicht herausfinden. Hier bräuchten wir eine Offenbarung dieses Wesens, z.B. die Aussagen der Bibel – wenn sie von Gott sein sollte. Es scheint mir vernünftig zu sein, dies gründlich zu prüfen. Und gut eignen sich ggf. erfüllte Prophetien dafür. Unvernünftig scheint mir zu sein, dies alles zu belächeln oder als „unmodern“ abzutun – damit man es nicht prüfen und man sich ggf. nicht korrigieren muss.
    Viele Grüße,
    Markus

  20. Roderich meint:

    @Felix,
    noch eine Ergänzung:

    Ich halte eher die dogmatische (gnostisch-theistische) Haltung der Kirchenvertreter „Es gibt einen Gott!“ für anmaßend.

    Der Begriff „gnostisch“ hat doch mit einer gewissen inneren Sicherheit dass es Gott gibt und dass man Gottes Kind ist, nichts zu tun. Ich bitte also darum, nicht unreflektiert mit „Kraftausdrücken“ um sich zu werfen.

    Sonst wären Paulus und die Thessalonicher ja „gnostisch“, denn Paulus schrieb da in 1. Thess 1,4-5:

    Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid, denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem heiligen Geist und in großer Gewissheit.

    Aber nichts ist abwegiger, denn Paulus als „Gnostiker“ zu bezeichnen.

  21. Lieber Ron,
    Der Psychologie Gustave Le Bon (ca. 1910) schrieb einmal die bemerkenswerten Zeilen:
    „Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und ohne jeden Beweis ist ein sicheres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. […] Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, dass es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird.“
    Gerade irrationale, unscharf gehaltene Ideen, gehüllt in interessant und mystisch klingenden Worte, so Le Bon sinngemäß, nötigten den Menschen, den „Gebildeten“ wie den „Ungebildeten“, Ehrfurcht ab. Genaue Begriffsdefinitionen, stringente Argumentationen usw. ließen sie kalt. Ich fürchte, Le Bon hat hier Recht.
    Das ist dann auch ein Schlüsselaspekt der Durchsetzung von Butlers Ideen. Es ist ein völlig (und ganz wörtlich) „irrationaler“ – also auf Klarheit, Definition, Begründung, (rationalen) Diskurs wohl ganz bewusst verzichtender Ansatz. Die Begründungspflichten, die mit ihren Aussagen – vor allem wenn sie gesellschaftlich relevant werden sollen – eigentlich eingehen, werden nicht im Ansatz erfüllt – was ja auch gar nicht angestrebt wird.
    Wichtig ist m.E. auch, dass wesentliche Aussagen Butlers normativ sind, also bestimmte Wertungen enthalten – was normal, nicht normal, wünschenswert, nicht wünschenswert ist, was Missbrauch ist usw..
    Ich habe mich in letzter Zeit etwas mit den Ideen Hitlers oder Marx/Engels beschäftigt. Die Struktur ist erschreckend ähnlich:
    – Reine Setzung, meist normativ-wertender Konzepte, ohne auch nur im Traum daran zu denken, seine Begründungspflichten zu erfüllen.
    – Durchsetzung mittels Politik und Propagandainstrumenten.
    – Letztlich keine Beschränkung bei der Wahl der Mittel.
    – Diffamierung, dann Ausschaltung der Kritiker.
    Hitler hatte eine tiefe seelische Abneigung gegen das „Judentum“, Butler und ihre Leute gegen eine (normative) Bipolarität, beiden schienen/scheinen diesbezüglich eine Endlösung anzustreben.
    Ich bin gespannt, was da noch auf uns zukommt.
    Markus

  22. @Felix:

    zu 1) Ich habe genau aus diesem Grund „Mann“ in Anführungsstriche gesetzt. Mann ist ein Name für diejenigen Phallozentrischen, die herrschen wollen.

    zu 2) Die feministische Politik ist längst staatlich bzw. überstaatlich organisiert.

    Zum UFO-Vergleich: UFO-Sektierer bemühen sich um Belege für ihre Vermutungen und Behauptungen, z.B. um Fotos, Videoaufnahmen, Zeugenaussagen. Damit haben sie Judith Butler einiges voraus, denn sie reiht im foucaultschen Duktus eine Behauptung an die andere.

    Ich sage z.B., es gibt biologisch zwei Geschlechter. Die Zweigeschlechtlichkeit ermöglicht unter anderem die Fortpflanzung. Es gäbe ohne natürliche Geschlechtlichkeit keine kulturellen Leistungen von Menschen. Die Kultur setzt die Natur voraus. Ich sage also ungefähr das Gegenteil von dem, was Judith Butler sagt.

    Liebe Grüße, Ron

  23. Lieber Felix,
    Der Vergleich mit der Ufo-Sekte ist berechtigt, sorry. Er betrifft natürlich nicht die konkreten Inhalte, sondern den rationalen Gehalt solcher und ähnlicher (de-)konstruktivistischer Konzepte, die zu allem Überfluss noch normative Setzungen machen. Das ist ja der (manipulative) Trick.
    Analog dazu: Sind Menschenwürde, Gerechtigkeit, Rationalität, Realität usw. auch Konstrukte? Manche Dekonstruktivisten behaupten das ja.
    Sind Logik und Mathematik und stringente Beweisführung Konstrukte?
    Vielleicht ist auch und gerade das Konzept des „Konstrukts“, wie es Butler et al. verwenden, ein Konstrukt. Was meinen Sie?

    Apropos „intellektuelle Hilflosigkeit“. Biogenese? Kambrische Explosion? Hochkomplexe molekulare Maschinen? Bewusstsein? Entstehung der Sprache? Thomas Nagel oder Bradley Monton sind jüngste Beispiele atheistischer Philosophen, die in vielen Punkten dem „intelligent Design“ beipflichten.
    Ich sehe also eine ganz ausgeprägte intellektuelle Hilflosigkeit – aber bei den Evolutionisten.

    Gruß,
    Markus

  24. Markus meint:

    liebe Leute,
    trotz allem wäre es interessant, eine Ontologie (so klar es eben geht) von Butlers Idee zu rekonstruieren. Nicht deshalb, weil sie Substanz hätte. Das sehe ich wie gesagt nicht. Aber wenn z.B. die Ideen von Ufo-Sekten politisch durchgesetzt werden sollten, wäre es sinnvoll, sich auch mit diesen Ideen zu beschäftigen.
    Hauptsächlich wäre gut herauszufinden, was Butlers Meinung nach Konstrukt ist und was nicht (also Realkategorie).
    Sie redet doch von so etwas wie Unterdrückung/Missbrauch? Hier, und wo sie etwas kritisiert, geändert haben will oder was fordet, muß sie das ja auf Grundlage irgendeines normativen Prinzips (für sie also einer Realkategorie) machen. Spätestens das wird ja nicht mehr der Dekonstruktion unterworfen.
    Warum?
    Letztlich scheint mir das völlig beliebig zu sein, was dekonstruiert wird und was nicht. Im Grunde funktionieren alle Ideologien so. Die Nazis oder Kommunisten haben das „dekonstruiert“, was ihnen passte, und sie haben das belassen oder sogar verabsolutiert, was ihnen passte. Die einzige Frage ist – im Rahmen einer atheistischen Weltanschauung -: Wessen Ideen, Wertvorstellungen und seelische Befindlichkeiten lassen sich politisch-gesellschaftlich absolut setzten?
    Das ist dann ausschließlich(!!) eine Frage politischer und propagandistischer Macht.
    Gibt es hierzu (konstruktive) Einwände, Ergänzungen?

    Schönen Tag noch,
    Markus

  25. Lieber Ron,

    halten Sie es nicht für notwendig, hier mal zu intervenieren, oder halten Sie den HITLER- und ENDLÖSUNGS-Vergleich (!!!???!!!) von Markus etwa für einen legitimen Standpunkt, den man unkommentiert so stehen lassen kann?

    Mir fehlen fast die Worte.
    Felix

  26. @Felix: Gemeint ist wohl: Butler möchte die binäre Geschlechterunterscheidung zu einem Ende bringen.

    Liebe Grüße, Ron

  27. @Ron. Sie scheinen über ein extrem vereinfachtes Gut-Böse-Weltbild zu verfügen, wenn Sie Butler-Hitler-Vergleiche versuchen als irgendwie noch haltbar zu reformulieren. Ich halte das für die unterste Schublade, für eine Diffamierung Butlers, die nicht tolerierbar ist.

    Nicht zuletzt werfen Sie dadurch auch ein extrem dunkles Licht auf die Religion, die Sie hier repräsentieren.

    Nun gut, das hier wird mein letzter Beitrag. Mir ist die Lust vergangen, mich mit Leuten wie Ihnen zu unterhalten. Ein paar Sachen möchte ich dennoch noch loswerden:

    1) Inhaltlich zu Butlers Theorie:
    Es geht ihr nicht darum, in einem repressiven, gar staatlich durchgeführten Zug die Zweigeschlechtlichkeit abzuschaffen. Ihr geht es darum, vermeintlich universelle Ordnungen als historisch- und kulturell variabel zu explizieren, um auf deren Schattenseiten aufmerksam zu machen. Dass in diesem Zuge Identitäten als „verflüssigt“ ausgewiesen werden, hätten wir problematisieren können. Denn dadurch erklärt sie Identität zum konstitutiv-offenen Projekt und das hat seinerseits problematische Konsequenzen: a) Verlust lebensweltlicher Ordnung b) Überforderung im Zwang der Selbstverwirklichung. Wir hätten hier also eine „Moderne vs. Postmoderne“-Diskussion führen können.

    2) Empirische Überprüfbarkeit Butlers:
    Es erstaunt mich doch sehr, wie sie als Theologe (!) Butler mangelnde empirische Überprüfbarkeit vorwerfen können. Das ist – entschuldigen Sie die Wortwahl – einfach nur lachhaft:

    Hier nun 4 theologische Thesen, die Sie wahrscheinlich selbst vertreten und sich empirisch NICHT überprüfen lassen:

    Jesus Christus ist von den Toten auferstanden.
    Gott existiert.
    Es gibt eine Hölle.
    Beten funktioniert.

    Ich zitiere nun Ihren eigenen Einwand, den Sie gegen den politisch Genderdiskurs angeführt haben:
    „Diese Behauptungen werden nicht wie Hypothesen behandelt, die im Rahmen eines Forschungsprogramms der kritischen Prüfung zu unterziehen sind. Es wird mit finanziellem und personellem Aufwand der Eindruck erzeugt, es handele sich hierbei um eine verhältnismäßig stabile Theorie.“

    Die Kirche erhält STAATLICHE Gelder, um Menschen auszubilden, die diese theologischen Thesen unters Volk bringen und dabei wird – um es ganz deutlich zu machen – „mit finanziellem und personellem Aufwand der Eindruck erzeugt, es handele sich hierbei um eine verhältnismäßig stabile Theorie.“

    Kritisieren Sie meinetwegen Butler, aber nicht so.

    3) @Markus.
    Ich rate Ihnen dringend, das von Ihnen selbst angeführte Zitat von Gustave Le Bon auf diese theologischen Thesen anzuwenden, die trotz wissenschaftlich-unzureichender Begründbarkeit und empirischer Unbeweisbarkeit seit zwei Tausend Jahren als absolute Wahrheit von der Kirche in die Welt hinausposaunt werden:

    Jesus Christus ist von den Toten auferstanden.
    Gott existiert.
    Es gibt eine Hölle.
    Beten funktioniert.

    „Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und ohne jeden Beweis ist ein sicheres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. […] Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, dass es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird.“

    Bitte, bitte, bitte, versuchen Sie ein wenig mehr Distanz zu Ihrem Glauben aufzubauen, und überdenken Sie bitte Ihre diffamierenden, ideologischen und haarsträubenden Hitler-Butler-Ufo-Vergleiche, mit denen Sie sich selbst disqualifizieren und Ihre Religion in den Schmutz ziehen.

    4) @Roderich: Gnostisch ist für Sie also ein „Kraftausdruck“. Aha.

    Freundliche Grüße,
    Felix

  28. @Felix,
    „Entrüstung“ anstelle von Argumentation. Wollen Sie gar nicht argumentieren? Geht es Ihnen gar nicht um das objektiv Richtige und Wahre? Wollen Sie nur anderen Ihre Meinung und Ihre Wertvorstellungen aufzwingen? So scheint es.
    Denn jetzt auf einmal setzen Sie plötzlich eine objektive Moral voraus und setzen sie absolut (und zwar eine, wie sie Ihnen genehm ist). Wie passt das in Ihr Weltbild? Und gestehen Sie das anderen auch zu? Genauso massiv und zum Beispiel in Bezug auf Sexualethik? Wie es aussieht nicht.
    Sind Sie Gott? Sind Sie es, der festlegt, was gut und böse ist? Und auf Positionen, die von Ihren Wertvorstellungen abweichen, reagieren Sie auf diese Weise?
    Ist nur der Nationalsozialismus böse? Und die heutigen Ideologien per definitionem neutral oder gut? Der Marxismus mit seinen historischen Folgen? Der Feminismus und die Millionen abgetriebener Kinder? Sind Kinder wirklich Parasiten, wie das manche Feministinnen sagen? Und die Relativierung oder gar Zerstörung von Ehe und Familie? Zerstörte Kinderseelen?
    Sowohl Ehe (von Mann und Frau) und Familie, die darin zum Ausdruck kommende Schöpfungsordnung, als auch die Würde des Menschen – folgerichtig von der Zeugung an – sind hohe Werte. Alles, was diese Werte unterminiert, halte ich für böse.
    Darf ich diese – bestens begründbare – Sichtweise haben? Darf ich Sie äußern? Was meinen Sie?

    Markus

  29. Roderich meint:

    @Felix,
    ja, so kann man sich auch vor den Argumenten drücken… man spielt Entrüstung über eine Nebensache und ignoriert alle inhaltlichen Aspekte.

  30. Markus meint:

    @Felix
    ich empfehle Ihnen dringend, Ihre vermutlich starken Gefühle zu überwinden, und sich mit diesen existenziell wichtigen Dingen wirklich unvoreingenommen, sauber argumentativ auseinanderzusetzen. Bislang waren Sie, lieber Felix, immun gegenüber Argumenten und Indizien. Ich habe mehrfach ausgeführt, dass und wie die Existenz Gottes überprüft werden kann. Überlesen Sie das? Verdrängen Sie das? Ich kann Ihre Haltung hier einfach nicht nachvollziehen. Die Realität ist so wie sie ist. Sie ist nicht so, wie Sie sich das wünschen.
    Und ob es eine Hölle gibt, prüfen wir alle empirisch. Auch Sie.

    Markus

  31. @Felix:

    Judith Butler ist kein Nazi und wir beide wissen, dass Markus das nicht behauptet. Nur als Nebenbemerkung: Ich finde es sehr bedenklich, dass Butler sich mit der Hamas gegen Israel solidarisiert. Wenn der Hamas-Funktionär Abdallah Jarbu sagt:

    „Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“

    erkenne ich da – wahrscheinlich wie Sie auch – faschistische Züge, die ich keinesfalls für unterstützenswert halte.

    zu 1) Bezüglich „Identität“ gibt es eine gewisse Übereinstimmung. Ich teile Ihre Anfragen, gehe jedoch weiter und stelle die gesamte Anti-Subjektphilosophie Butlers in Frage.

    zu 2) Aussagen wie „Es gibt keine Täter, nur Taten“, „Heterosexualität ist eine Erfindung von Herrschsüchtigen“ haben wissenschaftstheoretisch einen anderen Status als z.B. die Frage, „Hat Julius Cäsar gelebt?“. Wenn Butler behauptet, natürliches Geschlecht sei eine Form der verzweckten Fiktion, darf sie das selbstverständlich. Aber warum soll ich das glauben? Warum soll ich hinnehmen, dass ihre „Theorie“ in staatliche, schulische oder gar gesetzgeberische Programme einsickert und jemand, der an der Heterosexualität festhält, unter Rechtfertigungsdruck gerät (also doch Repression)?

    Den vier von Ihnen vorgetragenen theol. Thesen stimme ich ausdrücklich zu. Abgesehen vielleicht von These 4 wären sie nicht erfahrungswissenschaftlich zu prüfen. Die These „Jesus Christus ist von den Toten auferstanden“ bezieht sich z.B. auf ein einmalige Ereignis, das ca. 2000 Jahre zurückliegt. Da sollten wir eher so ran gehen wie an die Frage, ob es Cäsar geben hat.

    Wir sind uns wahrscheinlich darin einig, dass: a) auch der christliche Glaube prüfbare „Gründe“ braucht und b) er nie jemanden aufgezwungen werden darf. Anders als Sie glaube ich, dass der christliche Glaube unsere Wirklichkeit besser erklärt als jedes andere „Angebot“.

    Eine Diskussion über die Kirchensteuer wollen wir jetzt nicht ernsthaft eröffnen. Das meiste staatliche Geld fließt nicht unmittelbar an die Kirchen als Körperschaften, sondern an Hilfswerke, Bildungseinrichtungen usw. Ich glaube nicht, dass der Staat sparte, müssten andere Einrichtungen Leistungen wie Beerdigungen, Altenpflege, Unfallchirurgie usw. erbringen. Wahrscheinlich würde all das teurer werden. Trotzdem halte ich nicht viel von staatsfinanzierten Kirchen. Unter anderem auch deshalb, weil die vielen Professoren, die staatlich finanzierte Lehrstühle erhalten, den christlichen Glauben eher schwächen. Der finanzielle und personelle Aufwand lohnt sich also nur ausnahmsweise. 😉

    Ich danke Ihnen für Ihre Engagement hier auf dem Blog und wünsche Ihnen alles erdenklich Gute!

    Liebe Grüße, Ron

  32. Roderich meint:

    Dovid Gottlieb zeigt am Beispiel der Seele exemplarisch, dass es gute Evidenzen dafür gibt. Wenn es eine Seele gibt, kann der Materialismus aber nicht wahr sein.
    http://www.dovidgottlieb.com/lectures/evidence_for_the_soul.htm

  33. Schandor meint:

    Selbst Chalmers? Ich dachte, der sei Eigenschaftsdualist …

    Übrigens müssen wir auf unseren Sprachgebrauch achten: Du hast keine Seele, du bist eine Seele und hast einen Körper.

    🙂

  34. Liebe Leute,
    die Behauptung, die Existenz Gottes sei nicht mit guten, objektiv nachvollziehbaren Gründen zu belegen, ist Teil des postmodernen, amoralistischen Kulturkampfes. Eine rationale Theologie ist das letzte, was seine Protagonisten brauchen können.

    Ist es wirklich anzunehmen, dass eine Welt, die aus nichts als einer
    blinden, intelligenzlosen Substanz herstammt, auch nur annähernd
    ähnliche Merkmale hat wie eine Welt, die von einem unendlich
    intelligenten, rationalen und mächtigen Wesen herstammt? Nehmt mal ein
    Buch aus Eurem Schrank. Kann man wirklich nichts darüber sagen, ob die
    Buchstaben zufällig angeordnet sind oder ob sich jemand was dabei
    gedacht hat?

    Wir können die Wahrheit der Existenz Gottes ungefähr so gut oder schlecht belegen, wie die Quantenmechanik oder das Gravitationsgesetz. Freue mich auf eine Debatte in diesem Punkt!

    Markus

  35. Schandor meint:

    Es wird immer auf dasselbe hinauslaufen, wie man es auch dreht und wendet:

    Gottes Zorn ergeht vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben.

    Der Mensch hat kein erkenntnistheoretisches, sondern ein moralisches Problem. Sein Wesen ist verdreht, so zwar, dass es den Versuch der Korrektur als ein Infragestellen desselben wahrnimmt und die Wahrheit sofort unterdrücken muss.

Ihre Meinung ist uns wichtig

*