Keller: Der Gott im Buch »Die Hütte« ist überhaupt nicht Gott

51dhFWnNECL._SL160_.jpgTim Keller hat nun doch noch Die Hütte gelesen und ist ziemlich enttäuscht (Nein, ich will es nicht lesen.):

Anyone who is strongly influenced by the imaginative world of The Shack will be totally unprepared for the far more multi-dimensional and complex God that you actually meet when you read the Bible. In the prophets the reader will find a God who is constantly condemning and vowing judgment on his enemies, while the Persons of the Triune-God of The Shack repeatedly deny that sin is any offense to them. The reader of Psalm 119 is filled with delight at God’s statutes, decrees, and laws, yet the God of The Shack insists that he doesn’t give us any rules or even have any expectations of human beings. All he wants is relationship. The reader of the lives of Abraham, Jacob, Moses, and Isaiah will learn that the holiness of God makes his immediate presence dangerous or fatal to us. Someone may counter (as Young seems to do, on p.192) that because of Jesus, God is now only a God of love, making all talk of holiness, wrath, and law obsolete. But when John, one of Jesus’ closest friends, long after the crucifixion sees the risen Christ in person on the isle of Patmos, John ‘fell at his feet as dead.’ (Rev.1:17.) The Shack effectively deconstructs the holiness and transcendence of God. It is simply not there. In its place is unconditional love, period. The God of The Shack has none of the balance and complexity of the Biblical God. Half a God is not God at all.

Hier seine Eindrücke: thegospelcoalition.org.

Kommentare

  1. Jürgen meint:

    Ich hatte schon davon gehört und die eine oder andere Zusammenfassung gelesen. Naja, passt ja gut die postmoderne Reformationsbewegung und wird sicherlich applaudiert werden. Ich sage nur: liest die Bibel, sie ist anregend, spannend und herausfordernd genug.

    Gruß, HJW

  2. Also ich sehe hier nur, dass sich div. Christen unglaublich schwer damit tun, einen Roman als einen solchen zu verstehen und einfach nicht damit klar kommen, wenn ihr sorgfältig gehütetes Gottesbild mal in Frage gestellt wird.

    Wer in einem Roman nicht auf der Suche nach einem 150%igen Evangelium geht, steht natürlich in der großen Gefahr aus dem Roman sehr gute und positive Impulse für sein Glaubensleben zu gewinnen – was wir ja nicht wollen….. oder?
    Denn die sind in diesem Roman – sehr gute und absolut nachdenkenswerte Gedanken.

  3. Jürgen meint:

    @Charly

    Also, ich tue mich nicht schwer einen Roman als solchen zu verstehen und mir reichen 100% Evangelium in Erzählungen, die sich mit theologischen Themen auseinander setzen. Alles andere ist zwar manchmal nur knapp vorbei, aber immer noch daneben.

    Gruß, Jürgen

  4. @Jürgen

    Aha: „und mir reichen 100% Evangelium in Erzählungen, die sich mit theologischen Themen auseinander setzen. “

    Schade eigentlich. Schade, weil das Niemand jemals in Erzählungen finden wird. Schade auch, dass so Viele sich damit beschäftigen diesen Roman nach ihren eigenen Vorstellungen der biblischen Botschaft abzuklopfen, so dass das Gute dabei unterzugehen droht.

    Auch mir sind Einzelaussagen nicht entgangen, die meinem Gottesbild oder meinem Verständnis der Bibel widersprechen. Und? Die muss ich / die muss Niemand teilen. Das war zu diesem Zeitpunkt diesem Bruder/Autor wichtig. Ob das, was jeder Einzelne für sich daraus liest, auch das ist, was der Autor damit sagen wollte, ist ja nochmal die Frage.

    Mir scheint, bei einem Roman darf Christ wirklich einfach mal dem Motto folgen: „Prüfet aber alles und das Gute behaltet“ 😉

    Gruß, Charly

  5. Stewart meint:

    Mit dem Erfolg dieses Romans ist ein gut Teil christlichen Gedankenguts in die Gesellschaft zurückgegeben worden. Menschen, die nie eine Bibel in die Hand genommen hätten, die nie von einer Kirche oder Evangelisationsveranstaltung erreicht worden sind, sind mit einigen Aspekten des Evangeliums in Kontakt gekommen.

    Na klar ist „Die Hütte“ keine saubere biblische Lehre. Und der Roman ist auch kein Ersatz für die Bibel. Und selbstverständlich könnten Christen auf so einen Schmonzes verzichten. Aber nicht die Welt, die zum ersten Mal seit sehr langer Zeit ein christliches Buch in den Bestsellerlisten stehen hatte.

  6. @Stewart: Also ich fasse das mal zusammen: „Die Hütte“ ist keine „saubere“ biblische Lehre (vielmehr wird darin biblische Lehre verzerrt und verdreht) und solch ein Buch soll dann Menschen, die von Gott nichts wissen, zu Gott führen? Da komme ich nicht so ganz mit! Wäre es nicht viel praktischer, wenn jemand, der Gott nicht kennt, einfach die Bibel liest? Und was heißt eigentlich „nicht erreicht worden“? Jeder Mensch, der Gott suchen will, wird ihn auch finden – das hat Gott versprochen!

  7. Stewart meint:

    Johannes, nichts spricht dagegen, einem Menschen die Bibel in die Hand zu drücken. Und wenn der Mensch Gott sucht – mag er Ihn auch in der „Hütte“ finden?

  8. @Charly: „Die Hütte“ ist nicht einfach ein Roman. Es ist ein Roman, der mit dem Anspruch auftritt: So ist Gott. Also muss er sich die Frage gefallen lassen: Ist Gott so? Offensichtlich ist das nicht der Fall. Also darf, nein, muss man das auch sagen.
    Liebe Grüße, Ron

  9. @Ron
    Nein, dieser Roman beschreibt, wie der Autor Gott erlebt. Da die Bibel schon geschrieben ist, wird wohl kaum noch Jemand auftreten und von sich sagen können, er habe ein Buch geschrieben in dem er Gott wirklich und genau beschreiben würde.
    Jeder ist maximal in der Lage sein eigenes Bild, dass er von Gott hat, berichten zu können.
    Wir sind ja nicht einmal in der Lage die Bibel zu lesen und zu einem einheitlichen Gottesbild zu gelangen. Da soll jetzt gerade ein Roman diese Unmöglichkeit vollbringen?

    Gehe ich mit dieser Vorgabe, in einem Buch fehlerfrei berichtet zu bekommen wie Gott ist, an alle Literatur heran, muss ich dann wohl so gut wie alle christliche und theologische Literatur entsorgen. Denn in all diesen Büchern wird mir vom Autor lediglich sein Bild von Gott geschildert. (Und nun wahrlich viel zu oft ein bedenkliches oder gar schlimm verkrümmtes Gottesbild.)

    Wenn das schon bei theologischen Büchern so ist und ich gefordert bin all dies kritisch und prüfend zu lesen – na warum sollte dann bitte gerade bei einem Roman das nicht so sein? Warum sollte ich ein Gottesbild aus einem Roman so völlig unkritisch übernehmen wollen? Und warum bitte, sollte gerade dort ein 150%ig richtiges Evangelium drin stehen?

    Es gibt derart viel Literatur das fragwürdige Theologie verbreitet, warum wird um diese nicht ein solches Aufheben gemacht?
    Obwohl…. ich kann es mir fast denken….
    Sehr viel Kritik wird an diesem Roman (ich kann es immer wieder nur wiederholen: es ist ein Roman) aus dem Grund geübt, weil er eine Gottesbeziehung zu vermitteln scheint, in der div. Gemeindevorstellungen und theologische Konstrukte nicht gebraucht werden. Zumindest habe ich solche Kritik schon recht häufig gelesen.

    In der Kritik von Keller – die du oben anführst – wird der Gott des AT zitiert und in Vergleich gebracht. Sicherlich hat Keller Recht, wenn er auf den zornigen und rechtenden Gott verweist – nur…. hat sich da für uns durch den Tod und die Auferstehung Jesu nicht ein ganz klein wenig verändert? Evtl. ja sogar genau in die Richtung, dass wir nicht mehr unter einem Gesetz stehen und an der Einhaltung von Geboten und Gesetzen gemessen werden, sondern dass das Hauptziel Jesu war die Menschen wieder in die Gemeinschaft mit dem Vater zu bringen? Und da fällt uns nichts besseres ein als wieder einen strafenden und rechtenden Gott aufzuzeigen? Weil uns das ein Zuviel an Beziehung erscheint?

    Gerade in der amerikanischen christlichen Kultur scheint ein Bild des strafenden Gottes extrem stark vertreten zu sein – so zumindest mein wachsender Eindruck. Wundert es dann, dass dem ein solcher Kontrapunkt gesetzt wird. Und zwar im klassisch poetischen Sinne im teils überzogenen Maße?

    Mir macht tatsächlich Kummer, wenn Christen mit dem Anspruch auftreten, gerade sie hätten jetzt das wirklich richtige Gottesbild und Anderen keinerlei Raum lassen, ein eigens Gottesbild zu entwickeln.

    Wie gesagt, ich teile wahrlich nicht alle Aussagen dieses Romans, aber diese, überbordende Kritik an dem Roman kann ich auch nicht teilen. Dafür gibt der Roman viel zu viel gute und wahre Impulse. (Meine bescheidene Meinung)

  10. @Johannes
    Zitat: „Wäre es nicht viel praktischer, wenn jemand, der Gott nicht kennt, einfach die Bibel liest? “
    Tja, das Problem ist nur, dass so viele die Bibel eben nicht lesen. Und viele, die es doch tun, es nicht tun können ohne ihre Vorurteile und Vorprägungen ablegen zu können. Und so finden sie gerade in der Lektüre der Bibel alle möglichen Argumente gerade nicht an Gott zu glauben.
    Ergo, um deine Frage zu beantworten: Nein, offensichtlich nicht immer. 😉

  11. @Charly: Mit den theologischen Konstrukten und Gottesbildern ist das so eine Sache. Wir hatten hier erst kürzlich eine Diskussion darüber (vgl. Jesus, ich vergebe dir).

    Ich stimme Dir zu, Gott ist größer, als einer von uns ihn sich vorstellen kann. Andererseits behaupte ich, dass wir uns deshalb von unseren eigenen Gottesbildern verabschieden sollten. Es ist ja gerade unser Problem, dass wir Gottes Herrlichkeit mit unseren eigenen Bildern von Gott verwechseln (vgl. 2Mo 20,4 u. Röm 1,23). Darum sollen wir uns keine Gottesbilder „zurechtbasteln“, sondern das Evangelium von Jesus Christus, der das Bild Gottes ist, unverfälscht (!) unter die Menschen bringen (vgl. 2Kor 4, 1-6).

    Es ist nicht so, dass es im traditionellen Protestantismus lauter theologische Konstrukte gibt, die den Weg zu Gott versperren, und Die Hütte gänzlich ohne theologische Konstrukte auskommt und eine Beziehung zu Gott vermittelt (mit dem Begriff „Beziehung“ lässt sich offenbar alles sagen). Zu behaupten, dass man auch jenseits von Gemeinde und christlichem Glauben mit „Papa“ versöhnt ist, setzt ein hoch theologisches Konstrukt voraus. Zu sagen, dass Jesus der beste Weg zum „Papa“ ist, ist eine theologisch aufgeladene Aussage (vgl. hier). Apodiktisch Gott mitteilen zu lassen, dass biblische Gebote und Vorderungen keinerlei Bedeutung für die Menschen haben, ist Theologie pur („Ich habe niemals irgendetwas von dir oder einem anderen Menschen erwartet …“, Die Hütte, S. 238). Ich könnte so weiter machen. All das ist Theologie, auch wenn sie in einem Roman vermittelt wird. Leider ist es schlechte Theologie.

    Woher weißt Du eigentlich, dass es gute und wahre Impulse in diesem Roman gibt?

    Liebe Grüße, Ron

  12. Jürgen meint:

    @Charly

    „Schade eigentlich. Schade, weil das Niemand jemals in Erzählungen finden wird.“

    Vielleicht liest Du zu viele untaugliche Erzählungen?

    „Schade auch, dass so Viele sich damit beschäftigen diesen Roman nach ihren eigenen Vorstellungen der biblischen Botschaft abzuklopfen, so dass das Gute dabei unterzugehen droht.“

    Und Deine Beurteilung ist objektiv..?

    1. Thess. 5,21 wird jedenfalls mittlerweile wieder so strapaziert, dass sich die Balken biegen.

    Gruß, Jürgen

  13. Mit den Gottesbildern ist es so, dass wir uns keins machen sollen. (Wobei die Gottesbildnisse in 2Mo 20,4 u. Röm 1,23 hier konkrete Götzenfiguren und -vorstellungen meint, die angebetet werden und nicht ein inneres Bild, dass wir uns machen)
    Und doch können wir nicht anders, als eins zu haben – also das wir uns eine individuelle Vorstellung von Gott machen. Jedesmal wenn wir über Gott reden vermitteln wir unser Bild, das wir von Gott haben. Daher ist das hier: „dass wir uns deshalb von unseren eigenen Gottesbildern verabschieden sollten. … (und) … sondern das Evangelium von Jesus Christus, der das Bild Gottes ist, unverfälscht (!) unter die Menschen bringen“ defacto völlig unmöglich. Genau das stößt hier bei mir auf. Tatsächlich annehmen zu wollen, es gäbe auch nur einen Menschen der ein objektives und nicht etwa ein subjektives Bild von Gott hätte. Wer also von sich behauptet das 100%ig richtige Evangelium zu verkünden, muss sich fragen, ob er nicht der Sünde des Hochmuts anheim gefallen ist.
    Unzweifelhaft könnten wir dennoch Einigung darüber erlangen, was die grundlegenden Aussagen des Evangeliums sind. Die tatsächlich gelebte chr. Gemeinde zeigt aber mehr wie deutlich, dass wir selbst dazu nicht wirklich in der Lage sind.

    Ich sagte schon, dass es in dem Roman durchaus Aussagen gibt, die ich nicht teile. Nicht verwunderlich also, dass du solche aufzählen kannst. Nur bitte – auch in allen möglichen Romanen auf kirchlichem Hintergrund werden alle möglichen theologischen Behauptungen aufgestellt (wie zB in Sakrileg, etc) werde ich denn nun tatsächlich meine Theologie danach orientieren?
    Es stimmt, dass der Autor von „die Hütte“ mehr vermitteln will. Und in dem ist viel Gutes zu finden. Gerade auch auf der Ebene der Art unserer Gemeinschaft mit Gott.

    Nochmal weise ich darauf hin, dass es Unmengen Bücher gibt, die mit dem Anspruch auftreten Theologie zu vermitteln und hanebüchenen Unsinn verbreiten. (Darunter auch eine gute Menge, die von Theologen als Standard favorisiert werden.) Darüber regt sich kaum noch Jemand auf. Evtl. ja einfach deshalb, weil solche Bücher nur von recht Wenigen gelesen werden. Hier nun wird ein Roman von enorm vielen Menschen gelesen und wir haben als Christen nichts besseres zu tun, als gerade diesen Roman zu zerpflücken, ihn abzuwerten und zu ächten. Statt dass wir uns zu den Menschen wenden, die von diesem Roman positiv auf Gott hin angesprochen wurden und ihnen dort begegnen, wo sie sind um ihnen helfen in eine Gemeinschaft mit dem wirklichen Gott zu finden. Wie kommt das? Evtl. daher dass wir nur zu gut wissen, dass diese Menschen mit unseren verdrehten und teils verkorksten Bildern von Gott nichts zu tun haben wollen? Ist es letztlich auch Neid, der diese Buchkritik so überborden lässt?

    „Woher weißt Du eigentlich, dass es gute und wahre Impulse in diesem Roman gibt?“ Weil ich sie gelesen habe? (meine subjektive Bewertung – ich weiß)

    @Jürgen
    Ich habe nie behauptet selbst eine objektive Beurteilung liefern zu können. Wie auch, wenn ich feststelle, das dazu kein Mensch in der Lage ist?
    Ich verweigere mich auch deutlich Jedem, der von sich behauptet beurteilen zu können, was das 100%ige ist und dies zu vermitteln in der Lage sei. Ein solcher befindet sich nach meiner bescheidenden Meinung in einer starken Selbsttäuschung und steht in hoher Gefahr der Sünde des Hochmuts zu verfallen.

  14. @Steward: Wie soll denn Gott in einem Buch gefunden werden, in dem er nicht vorkommt (wie Tim Keller meint)? Viele Grüße!

  15. Stewart meint:

    @Johannes
    Warum soll sich Gott nicht finden lassen, wenn Er von ganzem Herzen gesucht wird?

    Ich kenne Christen, die Gott begegnet sind an Orten, die mit biblischer Lehre nichts zu tun haben – und die so zum lebendigen christlichen Glauben gefunden haben. Ehemalige Mormonen, Zeugen Jehovas, Atheisten, Muslime…… Die bevölkern nun christliche Gemeinden. Soll vorkommen.

  16. @Charly: Was den Götzendienst anbetrifft, hat Luther das in seinem Katechismus schon recht erfasst: Wenn wir unser Vertrauen nicht auf Gott, sondern auf unsere Traumbilder von Gott setzen, ist das Abgötterei (obwohl sich diese Texte, wie Du schreibst, zuerst auf geschaffene Götzen beziehen):

    Es machte sich jedermann das zum Gott, dazu ihn sein Herz trug. Also dass eigentlich auch nach aller Heiden Meinung einen Gott haben heißt: trauen und glauben. Aber daran fehlt es, dass ihr Trauen falsch und unrecht ist, denn es ist nicht auf den einigen Gott gestellt, außer welchem wahrhaftig kein Gott ist im Himmel noch auf Erden. Darum die Heiden eigentlich ihren eigenen erdichteten Dünkel und Traum von Gott zum Abgott machen und sich auf eitel nichts verlassen. Also ist es um alle Abgötterei getan, denn sie sieht nicht allein darin, dass man ein Bild aufrichtet oder anbetet, sondern vornehmlich im Herzen, welches anderswohin gafft, Hilfe und Trost sucht bei den Kreaturen, Heiligen oder Teufeln und sich Gottes nicht annimmt, noch so viel Gutes zu ihm versieht, dass er wolle helfen, glaubt auch nicht, dass von Gott komme, was ihm Gutes widerfährt.

    Ich kenne keinen, der von sich behauptet, Gott so zu kennen, wie er ist. Wir erkennen Gott nicht erschöpfend. Gott ist unendlich, wie sollten wir endliche Wesen umfassende Gotteserkenntnis erlangen.

    Aber seine „Gottesbilder“ immer wieder der Wirklichkeit auszusetzen und an der Schrift zu prüfen, ist etwas anderes, als sich einen Gott zu erdichten und im Namen dieses Gottes zu sprechen. „Die Hütte“ ist eben doch eine Dogmatik. Und da Leute, die solche Bücher gern lesen (Warum nicht?), oft ihre Bibel nicht lesen und kennen (hier sehe ich das Hauptproblem), sagt ihnen die Hütte, wer und wie Gott ist (und werden dabei betrogen).

    Aber gut, „Die Hütte“ in eine Reihe mit „Sakrileg“ zu stellen: das passt. So sollte man das wohl sehen!

    Liebe Grüße, Ron

  17. @Steward: Gott macht, was er will, aber darum geht es hier doch nicht. Es geht um die Frage, ob es Sinn macht, ein Buch zu schreiben, das ein deutlich verdrehtes „Gottesbild“ vermittelt und dann zu sagen, Gott kann auch dadurch Menschen erreichen. Das wäre ungefähr so, als würde der Apostel Paulus an Timotheus schreiben: „Lass doch Alexander und Hymenäus lehren, was sie wollen, Gott kommt schon an sein Ziel.“ Auch wenn Gott schon an sein Ziel kommt, ist solch eine Behauptung aus neutestamentlicher Sicht ein absurder Gedanke! Viele Grüße, Johannes

  18. @Ron

    Ich kenne keinen, der von sich behauptet, Gott so zu kennen, wie er ist. Wir erkennen Gott nicht erschöpfend. Gott ist unendlich, wie sollten wir endliche Wesen umfassende Gotteserkenntnis erlangen.

    Ja richtig, wie kommt es aber dann, dass es immer wieder Christen gibt, die von Irgendwem in irgendeinem Werk ein 100%iges Evangelium erwarten? Wie bitte soll sowas wohl möglich sein? Kann doch max. eine Schilderung zu 100% unserer eigenen Vorstellung entsprechen, nie aber der vollen Wahrheit Gottes.

    Aber gut, “Die Hütte” in eine Reihe mit “Sakrileg” zu stellen: das passt. So sollte man das wohl sehen!

    Jo, so sehe ich das auch 🙂

    Gruß, Charly

  19. Stewart meint:

    @Johannes
    Für den Autor ist es schon sinnvoll, so ein Buch zu schreiben, schließlich bekommt er für jedes verkaufte Exemplar Prozente. Aber das nur am Rande.

    Ich würde dieses Buch nicht als Evangelisationsschlager anpreisen und sagen: Lies dieses Buch – so findest Du Gott. Aber ich kann nicht ausschließen, dass viele Leser die christlichen Gedanken dieses Buches zum Anlass nehmen, über ihr Verhältnis zum Evangelium einmal wieder neu nachzudenken. Und dann greifen einige von denen zu dem Buch, das sie vorher in der Buchhandlung stehen gelassen haben (oder im Bücherschrank verstauben ließen): Die Bibel.

    Natürlich kommen diese Menschen mit einigen der verqueren Gottebilder, die „Die Hütte“ bietet, dann in die Gemeinden. Und dann liegt es an uns Christen, hier für Klarheit zu sorgen, ebenso wie wir das bei anderen Menschen tun, die ohne „Die Hütte“ in die Gemeinde kommen. Aber eben hierin sehe ich eine Chance, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die vorher von Gott nichts wissen wollten.

  20. Alexander meint:

    Die Hoffnung, die hier von einigen zum Ausdruck gebracht wird, dass der ein oder andere Nichtchrist sich durch die Lektüre der „Hütte“ auf den Weg macht, tatsächlich nach dem wahren Gott zu fragen beginnt und möglicherweise in eine Gemeinde kommt, in der er von der Vergebung der Sünden und vom rettenden Glauben an Jesus Christus erfährt – diese Hoffnung ist ja aller Ehren wert; und ja natürlich, bei Gott ist kein Ding unmöglich. Aber ich warte bislang vergeblich darauf, dass diese schöne Hoffnung sich bewahrheitet. Ich bin bereit, mich über den einen zu freuen, für den die Lektüre der Hütte der erste Schritt zur Bekehrung war. Ich bin sogar bereit, mich über den einen Bekehrten mehr zu freuen als über die 99 verwirrten Christen, die vor der Lektüre der Hütte schon kein klares Gottesbild hatten und mir nach der Lektüre erzählen, dass es ihnen bei dem Buch ganz warm ums Herz geworden sei und sie ganz neue Einblicke bekommen hätten, die sie so vorher nicht hatten. Allein, ich warte auf den einen bislang vergeblich. Ja, ich weiß, jetzt kommt der Einwand, es könne ihn ja irgendwo geben, und ich wüsste nur nichts davon. Klar. Irgendwo da draußen. Aber irgendwann muss doch mal einer jemanden benennen können. Nur einen!
    Liebe Leute, machen wir uns doch nichts vor, das Buch wird hauptsächlich von Christen gelesen werden, die darin finden, was sie sowieso schon suchen, zu ihrem eigenen Schaden, nämlich einen Gott, der von Sünde nichts versteht, weder von dem Konzept, ganz zu schweigen von dem Wort, oder von Nicht-Christen, die das Buch vor allem deswegen toll finden, weil es mit dem biblischen Gottesbild so gar nichts zu tun hat, s. die Anzeige im SPIEGELshop unter „Porträt“, letzte Zeile.
    Noch eine Anmerkung zu dem Punkt, es handle sich um einen „Roman“, und man müsse das doch bedenken, dass man darin nicht das reine Evangelium finden könne und das Buch ja auch gar nicht darauf angelegt sei. Als dürfe man Literatur nicht theologisch beurteilen! Natürlich darf man das! Bunyans „Pilgerreise“ ist ein Stück Literatur, das in theologischer Hinsicht exzellent ist, nach der Bibel eines der meistgelesenen Bücher der Literaturgeschichte. Warum empfehlen wir das nicht zur Lektüre? Oder wenigstens C. S. Lewis‘ Narnia-Bücher (die durch die Verfilmung zwar durchaus echte Diskussionen angestoßen haben, die dann aber auch rasch verebbt sind)?

  21. Bunyans “Pilgerreise” ist ein Stück Literatur, das in theologischer Hinsicht exzellent ist, nach der Bibel eines der meistgelesenen Bücher der Literaturgeschichte.Vielen Dank 😉 Irgendwo habe ich auf sowas gewartet. Dieses Buch: „die Pilgerreise“ vermittelt ein derart verdrehtes und verquastes Gottesbild, dass wir solche Literatur wahrlich nicht empfehlen sollten. Hier finden wir immer wieder reichlich Lob, statt auch solche Literatur in gesunder Weise kritisch zu betrachten.
    Aber letztlich zeigt es mir wieder deutlich, dass hier individuelle Vorstellungen verteidigt werden und eher nicht objektiv auf chr. Literatur geschaut wird.

    Zu den „99 verwirrten Christen“:
    Also hier muss ich fast bitter Lächeln. Ich bin seit über 30 Jahren bekennender Christ und habe so einiges in unseren Gemeindelandschaften erleben müssen. Wenn ich irgendwo verwirrte Christen suchen wollte, würde ich einfach in eine der vielen Gemeinden gehen. Die Wahrscheinlichkeit dort welche zu finden, halte ich für hoch. (Klar, das beruht jetzt wieder auf meine subjektiven Einstellungen zu Gott und Glauben)
    Ich finde es nicht bedenklich, wenn Christen zB durch solch ein Buch dazu angeregt werden einen Gott zu suchen, der sie tatsächlich liebt und nicht erst dann, wenn sie bestimmte regelmäßige „Glaubensleistungen“ erbringen. Was die Frage zu den theologischen Aussagen betrifft – worauf trifft denn der interessierte Christ bei all den Fragen, wenn er sich „ernsthafte“ theologische Literatur besorgt? Verwirrt ihn das gerade weniger?

    Und natürlich darf und sollte Literatur auch theologisch bewertet werden, aber doch bitte nicht mit dem Anspruch, dass der Bewertende im 100%igen Besitz der Wahrheit wäre. Ich teile durchaus theologische Kritik an Einzelaussagen des Buchs. Aber ich sehe darüber hinaus auch die positiven und mehr wie nachdenkenswerten Aussagen, die auch in dem Buch stehen.

    Ich habe jetzt eher Bedenken, dass Menschen, die durch das Buch in ihrer Suche nach Gott bestärkt wurden, in unsere Gemeinden kommen und dort arg abgeschreckt werden. Nicht zuletzt durch die (teils seltsamen) Gottesbilder, die dort vermittelt werden. Hier kommen dann Menschen in unsere Gemeinden, die durch diesen Roman angeregt wurden eine persönliche Beziehung zu einem liebenden Gott zu suchen und stoßen auf Systeme, die mehr auf Regeleinhaltung wert legt oder im Gegensatz auf ausufernden Liberalismus, und was wir noch so in unserer Gemeindelandschaften hin und her antreffen.
    Das kaum Leser dieses Buches in die Gemeinden kommen, rechne ich ua auch der Art der Außendarstellung von uns und unseren Gemeinden und Kirchen zu. Dieses Buch stellt dies auch wieder in Frage – vollkommen Zurecht, wie ich meine.

    Danke für den Hinweis auf die Verfilmung der Narnia-Bücher. Diese, so wie auch zB der Film „Passion“ vom Mel Gibson, zeigen uns, dass solche Romane und Filme in unserer Gesellschaft nur einen recht begrenzten Zeitraum haben, in dem sie ein Echo bewirken. Klug wäre es für uns Christen nun, zB Veranstaltungen anzubieten, die das Aufgreifen, was da angestoßen wurde. Was aber tun wir?

  22. @Charly: Jetzt bin ich aber wach. Die Hütte korrigiert das Gottesbild im guten Sinne und die Pilgerreise verdreht es und schadet uns damit? Ich ahne ja, wohin das jetzt geht und vermute, dass es Dir passt, dass in der Hütte kein heiliger Gott auftaucht (wie ja nun Keller völlig zu Recht herausstellt). Kannst Du da etwas konkreter werden?

    Es wäre ja mal sehr interessant, jemanden kennenzulernen, der durch „Die Hütte“ zu einer Gemeinde gefunden hat (und warum und was daraus geworden ist). Ist da draußen jemand?

    Liebe Grüße, Ron

  23. @Steward: Dann sind wir uns ja darin einig, dass eine christliche Gemeinde das Buch nicht empfehlen kann und die Aufgabe hat, die Falschaussagen dieses Buches über Gott klar zu stellen?! Schön 🙂 Viele Grüße!

  24. Die Argumentation: es handle sich bei diesem Buch doch bloß um einen Roman – ist mir auch bekannt.
    Ich denke aber, dass es eben nicht überall so gefasst wird.
    Hier habe ich eine Rezension aus der „Welt“, die diesem Roman die Vermittlung religiösen Grundwissens zuschreibt.
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/983288/
    „ … Es gibt in der angelsächsischen Literatur das Genre der „Inspirational Fiction“ und ihre berühmtesten Beispiele – Lewis Carrols „Alice in Wonderland“,
    Ronald Tolkiens „Herr der Ringe“ und C.S.Lewis „Chronicles of Narnia“ –
    nennt der Autor auch prompt als Vorbilder. Aber anders als zum Beispiel in Richard Bachs „Die Möwe Jonathan“ geht es in Paul Youngs „Hütte“ nicht um Mystik, sondern um Verstehen. Um ein wohlwollendes Verständnis dessen, was Protestanten in „Martin Luthers kleinem Katechismus“ aufbewahren.
    Man kann dem Roman zugute halten, dieses religiöse Grundwissen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Man kann ihm anlasten, honigsüß und erbaulich frömmelnd den Leser zu missionieren. Für den Roman spricht, dass konservative evangelikale Verlage ihn als dogmatisch unkorrekt abgelehnt haben. Gegen ihn spricht, dass der gesamte Plot nur auf Grund konservativ evangelikaler Denkvoraussetzungen funktioniert. „Die Hütte“ wird niemanden kalt lassen, wie gesagt.“
    Besprochen von Andreas Malessa

    Hier habe ich einen ganzen Zweig, der dieses Buch zur Grundlage für Seminare macht.
    Interessant dabei, ich finde nicht die Richtung: Lass uns mal nachschauen, wie es sich nun wirklich verhält – es ist doch bloß ein Roman?
    Ich muss auch hier davon ausgehen, dass dieser Roman in grundlegenden Aussagen für bahre Münze genommen wird.
    http://www.wochenende-mit-gott.de/
    „ … Seminare in Berlin und Kulmbach zu “Die Hütte” … Weitere Seminare werden voraussichtlich im Frühjahr 2010 folgen. Das “Hütte – Mein Wochenende mit Gott” wird so gestaltet, dass es Raum bietet für:
    – Inspiration und neue Perspektiven
    – Zeiten allein mit Gott
    – Seelsorge und Beratung
    – Segnendes Gebet
    – Entspannte Zeiten, die zur neuen Begegnung mit Gott einladen.
    Die Veranstalterin erklärt dazu: „Ich kann natürlich nicht garantieren, dass Sie an diesem Wochenende Gott begegnen werden, aber ich kann versprechen, dass mein Team und ich alles tun werden, um sie dabei zu unterstützen, indem wir den Raum und die Atmosphäre gestalten, die Begegnung leichter möglich macht.“
    Ermäßigung gibt es für Studenten, Hartz IV Empfänger und Eltern.
    Genauere Infos gibt es auf der Homepage der Veranstalterin. …“
    Lutz

    PS: Auch http://www.distomos.blogspot.com sammelt Beiträge über Auseinandersetzungen mit „Die Hütte“. Dort findet man auch viele deutsche Übersetzungen aus dem amerikanischen Raum.

  25. @Ron

    Jetzt bin ich aber wach. Die Hütte korrigiert das Gottesbild im guten Sinne und die Pilgerreise verdreht es und schadet uns damit? Ich ahne ja, wohin das jetzt geht und vermute, dass es Dir passt, dass in der Hütte kein heiliger Gott auftaucht (wie ja nun Keller völlig zu Recht herausstellt). Kannst Du da etwas konkreter werden?

    Gerne 🙂
    Das fängt schon damit an, dass du mich da falsch verstanden hast. Mag an meiner Ausdrucksweise liegen.
    „Die Pilgerreise“ vermittelt (für mich in etwa) ein Bild von Gott, dem man nur durch Leistung gefallen kann – dem steht das Gottesbild aus „Die Hütte“ konträr entgegen.
    Mein Bild von Gott ist weder auf der einen Seite, noch auf der anderen. Tatsächlich glaube ich an einen heiligen, mächtigen Gott, der uns mit sich selbst durch Jesu Tod und Auferstehung versöhnt hat. (2.Kor 5:18) In diesem Bestreben Versöhnung zu erwirken ist Gott selbst unübertroffen aktiv. Seine Liebe zu uns ist derart groß, dass es geradezu zum Himmel schreit, wie uns Christen diese durch Formen von Glaubensleben und Verkündigungen verbaut wurde. Und nein, Gottes Liebe zu uns ist nicht davon abhängig, wie perfekt wir eine Art Gesetzesjüngerschaft leben – wie „Die Pilgerreise“ teilweise zu vermitteln scheint. Das es Gott aber in keiner Weise um irgendwelche Gebote ginge, ist wenigstens genauso daneben.
    Allerdings ist Gott lange nicht der „gute Kumpel von Nebenan“, den man nur dann wirklich ernst nimmt, wenn es einem zum Vorteil gereicht. (Wie es seit einigen Jahren zunehmend in sehr beliebten Glaubenskursen vermittelt wird.)

    Da es so scheint, dass seit Jahrhunderten ein Gottesbild gepflegt wird, in dem man Gott nur durch ein reiches Maß an frommer Leistung und einem doch recht freud- und emotionslosen Leben gefallen kann, kommt mMn diese andere Schilderung unseres Gottes nur zurecht. Nun hege ich die Hoffnung, dass möglichst viele Christen genau dazwischen ihre eigene persönliche Begegnung mit Gott haben und erkennen, wie ER denn nun wirklich (für sie) ist. Es kann nicht schaden, wenn wir eine Krise in Bezug auf unser Gottesbild erleben – zumindest dann nicht, wenn es uns anregt mehr von Gott zu erfahren.

    Es wäre ja mal sehr interessant, jemanden kennenzulernen, der durch “Die Hütte” zu einer Gemeinde gefunden hat (und warum und was daraus geworden ist). Ist da draußen jemand?

    Ja tatsächlich – und zwar in nicht wenigen Hausgemeinden und „einfachen Gemeinden / simple church“. So zumindest Berichte, die ich aus den USA gelesen habe. Hier in Deutschland weiß ich bisher lediglich von Christen, die durch dieses Buch den Anstoß erhielten, sich in gesunder Weise von religiösen Lasten zu befreien. Leider stoße ich ja so häufig in den Berichten über diesen Roman nur auf solche Kritik wie hier. Ich wünschte mir mehr Berichte, wo Christen von sich aus aufgrund dieses Romans mit Suchenden ins Gespräch gekommen wären. Ich habe die zwei Bücher von Kerstin Hack, die das Motiv der Hütte aufgreifen, zwar (noch) nicht gelesen. Aber dieser Ansatz damit umzugehen gefällt mir.
    Unter solchen, die noch auf der Suche sind, finde ich tatsächlich wenig öffentliche Resonanz. Leider 🙁

  26. @Charly: Vielleicht muss ich die Pilgerreise noch mal in Ruhe lesen. Ich habe Bunyan als einen großen Lehrer der Gnade in Erinnerung. Natürlich hat er kein Wohlfühlevangelium verkündet, immerhin schrieb er die Pilgerreise im Gefängnis. Natürlich betonte er, dass wir als Christen zur Ehre Gottes leben und Freude am Willen unseres Herrn haben. Aber seine große Entdeckung war der Galatherbriefkommentar von Luther. Dieses Werk ist nun alles andere als ein Versuch, zu zeigen, dass wir nur durch Leistung oder Perfektion vor Gott bestehen können.

    Ich habe mir gerade noch ein paar Seiten Bunyan zugemutet und muss schon sagen: Die Hütte oder Pilgerreise? Man sollte die Bücher nicht vergleichen!

    Hier O-Ton Bunyan:

    Wenn ich manchmal nach begangener Sünde empfindliche Strafe von der Hand Gottes erwartete, war das allernächste, das mir von ihm zuteil wurde, die Enthüllung seiner Gnade. Wenn ich Trost empfangen hatte, nannte ich mich manchmal selbst einen Narren, daß ich so unter der Unruhe versank. Und wenn ich niedergeschlagen war, hielt ich mich wiederum nicht für klug, daß ich dem Trost derart Raum gegeben hatte. Mit solcher Stärke und mit solchem Gewicht haben diese beiden auf mir gelegen.

    Über eins habe ich mich sehr gewundert. Gott besuchte jetzt meine Seele immer wieder mit einer so gesegneten Enthüllung seiner selbst wie nie zuvor. Dennoch haben mich hinterher wiederum Stunden tiefster innerer Dunkelheit überfallen. In ihnen verlor ich fast die Vorstellungsfähigkeit, wer überhaupt jener Gott sei, der mich mit seinem Trost stets neu erquickt hat.

    Ich habe manchmal in einer Zeile der Bibel mehr gesehen, als ich zu ertragen imstande war. Und doch war zu anderer Zeit mir die ganze Bibel wie ein trockenes Holz. Oder besser, mein Herz war ihr gegenüber so tot und trocken, daß ich aus ihr nicht den geringsten Erfrischungstrunk erhalten konnte, so sehr ich auch danach lechzte.

    Liebe Grüße, Ron

  27. Stewart meint:

    @Johannes
    Ich sehe, wir verstehen uns. 😉

  28. Alexander meint:

    Charly, natürlich sind die 99 verwirrten Christen in den Gemeinden zu finden. Dort liegt die Hütte ja auch haufenweise unkommentiert zum Verkauf aus. Und wir sind uns einig, dass die von Dir so genannte „ernsthafte“ theologische Literatur hierzulande zum größten Teil unbrauchbar ist. Einverstanden!
    Aber wer das Gottesbild der Pilgerreise als „verquast und verdreht“ bezeichnet (muntere Worte für jemanden, der sich beschwert, die anderen wüssten immer 100%, was richtig sei – dafür weißt Du 100%, was falsch ist?) und behauptet, das Buch vermittle „ein Bild von Gott, dem man nur durch Leistung gefallen kann“, der hat die Pilgerreise entweder nicht verstanden oder nie gelesen. Beides gleich bedauerlich.
    Hier eine Kostprobe, aus der Szene ehe „Unwissend“ endgültig zurück bleibt und „Christ“ und „Hoffnungsvoll“ alleine weiterziehen:

    Christ: „Wie glaubst du denn?“
    Unwissend: „Ich glaube, daß Christus für die Sünder gestorben ist und daß ich vor Gott gerechtfertigt werde, indem er meinen Gehorsam seinem Gesetz gegenüber gnädig annimmt. Anders gesagt: Christus macht durch sein Verdienst meine Frömmigkeit vor Gott annehmbar, und so werde ich gerechtfertigt.“
    Christ: „Laß mich auf dein Glaubensbekenntnis antworten: 1. Du glaubst an eine Phantasterei, denn dieser Glaube ist im Wort Gottes nirgends zu finden. 2. Du glaubst an einen falschen Glauben, weil er die Rechtfertigung von der persönlichen Gerechtigkeit Christi löst und sie an deine eigene bindet. 3. Dieser Glaube macht Christus nicht zum Rechtfertiger deiner selbst, sondern deines Handelns und dann erst deiner selbst um deines Handelns willen, und das ist falsch. 4. Deshalb ist dein Glaube trügerisch, so daß du am Tag des allmächtigen Gottes nicht von seinem Zorn verschont bleiben wirst. Denn echter, rechtfertigender Glaube treibt die Seele, die von ihrer Verlorenheit vor dem Gesetz weiß, dazu, bei der Gerechtigkeit Christi Zuflucht zu suchen. Diese Gerechtigkeit ist kein Akt der Gnade, durch den er deinen Gehorsam vor Gott annehmbar macht und zur Rechtfertigung anrechnen läßt, sondern sie besteht in seinem persönlichen Gehorsam gegenüber dem Gesetz, indem er für uns litt und alles tat, was notwendig war, um uns zu retten. Diese Gerechtigkeit nimmt der wahre Glaube an, unter ihrem Mantel verhüllt sich die Seele, und durch sie stellt sie sich makellos vor Gott dar, wird angenommen und von der Verdammnis freigesprochen.“

    Das ist schlicht brillant! In einem einzigen knappen Zwiegespräch die katholische der evangelischen Rechtfertigungslehre gegenübergestellt samt der jeweiligen Konsequenzen. Glaube und Werke im Katholizismus, allein die Gnade im evangelischen Glauben. (Bunyan war an dieser Stelle übrigens auch klüger als N.T. Wright, aber das ist eine andere Geschichte.)

  29. @Alexander

    (muntere Worte für jemanden, der sich beschwert, die anderen wüssten immer 100%, was richtig sei – dafür weißt Du 100%, was falsch ist?)

    Also das ermüdet dann doch sehr. 🙁 Lies einfach nochmal nach, wie oft ich in dieser Diskussion schon darauf hingewiesen habe, dass ich das genau nicht von mir meine. Vergiss solche Anspielungen einfach – sie taugen zu nichts.

    Ansonsten mag ja „Die Pilgerreise“ für dich und andere Theologen – oder interessierte Laien ja wahnsinnig interessant sein. Wenn ich die beiden Auszüge jetzt hier nochmal lese, sehe ich auch, was mich da so abstößt:
    Eine Rhetorik die schlicht langatmig und ermüdend ist und durchaus immer wieder genau der graue bedrückende Schleier über den Texten, von der Bunyan zB in dem Auszug spricht, den Ron hier eingestellt hat. Alles geschwängert mit dem Gottesbild, welches in dieser Zeit gängig war. Das was Bunyan so belastet empfand, ist mir in meinem ganzen Leben als Christ niemals eingefallen. Offensichtlich wurde mir von Anfang an ein weitaus gnädigerer Gott präsentiert, als Bunyan ihn zunächst kennengelernt hatte.

    In der Zeit, als diese Schrift erschien, war sie wohl eine Sensation – weil damit das gängige Gottesbild stark korrigiert wurde. Dieses Buch war aber Nischenliteratur. Bis Heute hat dieses Buch nicht die breite Anerkennung unter den Christen und schon mal garnicht irgendeine nennenswerte breite Anerkennung unter Suchenden.
    Betrachte ich nun diese Schrift heute, so fallen mir ganz andere Sachen auf und – sorry, nicht nur ich – fühle mich garnicht angesprochen. Als ich es vor Jahren las (wie gesagt ging nicht nur mir das so) empfand ich dieses Gottesbild enorm bedrückend und weit entfernt von der Freude, die ich in Gott damals erlebte.

    Anfang der 90er (irgendwo zw. 1980 und ’83 war es glaube ich) erschien „Das Vaterherz Gottes“. Was hat es in div. chr. Kreisen nicht für einen Aufstand wegen dem dort vermittelten Gottesbild gegeben. Und? Für viele Christen war dieses Buch ein Durchbruch in ihrer Gottesbeziehung – was teils bis heute noch anhält. Heute nun werden auch in den chr. Gemeinschaften, die das „Vaterherz Gottes“ anfänglich stark ablehnten, Seminare gegeben, die uns näher an das Vaterherz Gottes bringen sollen.

    Nun erscheint ein neues Buch und…. the same procedure as last time. 🙁

    Um zum Anfangspunkt zurückzukommen: Wir reden hier über einen Roman, der enorm auf dem weltlichen Buchmarkt einschlägt. Kritik kommt vor allem von manchen Christen.
    Was mich traurig macht ist, dass diese abwehrende Haltung gegenüber einem Buch, das viele Menschen (Christen und Suchende) tief in ihrem Herzen berührt, durchaus das Potential hat wieder so manche Christen aus unseren Gemeinden zu vertreiben. Ich selbst bewege mich nun in den Kreisen der Hausgemeinden / einfache Gemeinden und weiß, wovon ich hier rede.
    Warum bitte ist es so schwer die tiefen Sehnsüchte so vieler Christen und Suchenden ernst zu nehmen und einen Roman – und mehr ist es nicht! – wohlwollender, wenngleich durchaus kritisch zu betrachten?
    Was, frage ich mich, bewegt die vielen Kritiker, die unbedingt in dem Buch nur das Falsche suchen? Geht es tatsächlich um die Theologie in dem Buch? Wenn ja, wo bleibt die gleiche leidenschaftliche Kritik an all den Büchern, die sich theologische Literatur nennt? Oder geht es doch wieder einmal nur darum, dass die Einen den Anderen keine Beziehung zu Gott gönnen, die sie evtl. selbst zu finden nicht in der Lage sind? Keine Ahnung, ich will sowas auch Niemanden unterstellen.

    Was mich wirklich erfreut sind solche Aktionen wie sie Lutz oben erwähnte. Da begreifen Christen, dass sie Suchende erreichen können. Nun liegt es in der Verantwortung dieser Christen, das Verquere aus den Aussagen des Romans richtig zu stellen. Aber vor allem: sie erreichen Menschen! Das ist für mich allemal wichtiger als die Suche nach einem 100% richtigen Evangelium – das nüchtern betrachtet nur in der Bibel zu finden ist und auch da schwer genug herauszulesen scheint.

  30. Ich habe obige Diskussion gespannt verfolgt und würde jetzt gerne noch ein paar Fragen stellen.

    Für den theologischen Laien:

    – Was würdet ihr denn für Bücher empfehlen, die man ähnlich einfach wie „die Hütte“ Menschen in die Hand drücken kann und sie lesen sie dann auch?

    – Welche Bücher lest ihr denn, bzw. bilden denn das ab, was ihr für ein Gottesbild habt? Ich habe viele Kommentare gelesen, die gegen die Hütte sind aber wenig konkretes was die Alternativen anbelangt. Es wurden wenn ich nicht übersehen habe, zwei Bücher genannt: Die Hütte und die Pilgerreise.

    Zum Hintergrund meiner Fragen:
    Ich habe das strittige Buch gelesen und auch Menschen weitergegeben und kann bestätigen, dass es Menschen aufrüttelt und mir schon viele gute Gespräche über Gott beschert. Ich kann die Bedenken verstehen, ich fand dass der Autor bei den oben angesprochenen kritischen Punkten nicht mutig genug war klarer Stellung zu beziehen, aber ich glaube nicht, dass er die Liebestat Jesu zu billig verkauft. Er hat nur den kompletten Part mit der „Furcht Gottes“ weggelassen. Ob bewusst oder unbewusst sei mal dahin gestellt. Ich kann aber auch das gut verstehen (nicht im Sinne von gut heißen) denn auch ich hatte lange Probleme damit die Gnade, die Größe und das was man von seiner Persönlichkeit in der Bibel liest unter einen Hut zu bringen.
    Ich glaube ich wäre nur vorsichtig, mit der Verdammung solcher Bücher. Meiner Erfahrung nach (ich habe es vor einem halben Jahr gelesen und schon mehrfach verschenkt) ist dieses Buch ein ganz hervorragender Türöffner für Gespräche mit Freunden und Familie, der ohne „geistliches“ Vokabular Themen auf eine Art und Weise anspricht die ich bis jetzt so noch nicht gefunden habe. (Deswegen auch die Fragen oben).

    Ich habe oft das Gefühl, dass wir Christen uns vor Gott oft wie vor unseren kleinen verletzlichen Bruder stellen und ihn sofort, wenn jemand etwas – unserer Ansicht nach – nicht ganz korrektes sagt, verteidigen müssen, dabei kann er das eigentlich schon ganz gut selber … oder sehe ich das falsch? Wichtig ist glaube ich nur, dass wir Ruhe bewahren und die Motive unserer Reaktion genau überprüfen und am Ende wird der weise Pharisäer wieder recht haben: Wenn es von Gott ist wird es bestehen, wenn nicht, dann nicht.

  31. @Charly: Dein letzter Kommentar zeigt mir, wie wichtig die Verkündigung des biblischen Evangeliums von Jesus Christus ist. Offensichtlich ist es nur noch selten zu hören.

    Schon zu Bunyans Lebzeiten wurden 10 Auflagen seiner Pilgerreise gedruckt. Das Werk ist in England nach der Bibel das wahrscheinlich meistgelesene Buch und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

    Noch etwas: Ich kann nicht bestätigen, dass in christlichen Kreisen vor allem kritisiert wird. Ich nehme dort eher Begeisterung war, etwa so (Quelle: ZACK, 5/2009, S. 2) :

    Ein Abenteuer ist „Die Hütte“ auch für den Leser. Denn Autor William Paul Young hat mit der Geschichte nicht nur eine Parabel auf das Evangelium geschrieben, er fordert seine Leser auch heraus, ihr Gottesbild und ihre Beziehung zu Gott neu zu überdenken. Darin liegt die Stärke des Buches. es räumt mit alt hergebrachten Vorstellungen über Gott auf und weckt Neugier, ihm selbst neu zu begegnen – nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln.

    Hier steckt viel drin:

    a) Das Buch will mehr sein als ein Roman.
    b) Das Buch ist ein Gleichnis auf das Evangelium.
    c) Das traditionelle christliche Gottesbild muss überdacht werden (und durch das der Hütte etc. ersetzt werden).
    d) Was ist das für ein Gott, dem man im Buch begegnet?

    Es scheint mit ein großes Missverständnis zu sein, anzunehmen, dass das Buch nur versehentlich das „traditionelle Gottesbild“ provoziert. Dies ist kein „Unfall“, sondern beabsichtigte Verstörung.

    Liebe Grüße, Ron

  32. @Arne: Tja, das ist wohl ein wunder Punkt: Es fehlt auch meiner Meinung nach gute christliche Literatur (die auch Schmerz thematisiert, literarischen Wert hat usw.).

    Ich gebe Bücher eher selten weiter, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Wenn, dann mache ich es stark von den Interessen und Schwerpunkten meiner Freunde und Bekannten abhängig. Ich versuche also, in ihre Welt einzutauchen und an ihren Fragen anzuknüpfen. Wenn es dann ein passendes Buch oder einen Film gibt, gut.

    Ich mag ja C.S. Lewis.“Gott auf der Anklagebank“ oder „Pardon ich bin Christ“ kann man auch heute noch empfehlen. Aber auch nichtchristliche Bücher oder Filme können helfen, ins Gespräch zu kommen. Es gibt vielleicht belesene Leute, die bessere Tips geben können.

    Ich habe das Buch die Die Hütte übrigens nicht verdammt (Wer bin ich!), ich habe es beurteilt. Das darf, ja soll ich tun (Prüfet alles!). Warum haben die Frommen so viel Angst vor Kritik?

    Persönlich würde ich dieses Buch nicht weitergeben, um ins Gespräch zu kommen, da ich anschließend lange erklären müsste, was alles daran problematisch ist. William Young lehnt das stellvertretende Sühneofper von Jesus Christus ab (siehe dazu auch hier). Weiß man das, macht sein ganzes Buch Sinn. Ich möchte den Menschen jedoch gerade sagen, dass sie mit all ihrer Sünde zum Kreuz kommen können, da Jesus das Lamm ist, dass auch ihre Sünde hinwegnimmt (Joh 1,29). Unsere Sünde wiegt so schwer, dass Jesus dafür sterben musste. Vertrauen wir ihm, kehren wir um, vergibt er uns völlig. Was für eine Botschaft! Sie deutet Sünde gerade nicht beschönigend um, sondern verweist auf unsere Hoffnung, die Christus ist.

    Da fällt mir noch ein guter Buchtip ein:

    http://theoblog.de/was-am-kreuz-geschah/4192/

    Liebe Grüße, Ron

  33. Hanniel meint:

    Eine kurze und solide Einführung zur Trinität bietet Thomas K. Johnson / What difference does Trinity make? Download auf http://www.bucer.de. Ich habe eben mit diesem Material ein Seminar in unserer Gemeinde durchgeführt. Den Inhalt des Buches habe ich als Diagnosetool aufgebaut nach dem Schema: Wo gibt es Erfreuliches, Defizite, falsche Betonungen bei mir – meiner Familie – Kirche – Arbeitsumfeld? Aufhänger für das Seminar war das Buch „Die Hütte“. Zwei Drittel der Teilnehmer hatten das Buch gelesen.

  34. Uow! 32 Beiträge!!! Ich brauche einige Zeit, um alle zu lesen. 🙂

    Dein Post ist sehr gut, Ron. Und die Worte von Tim Keller inspiriert mich, etwas zu schreiben in meinem portugiesische Blog. Ich schrieb das Post „Why I don’t want read The Shack“ (hier: http://nerd-protestante.blogspot.com/2010/01/porque-nao-quero-ler-cabana.html). In Kürze: dies ist ein Buch, dass keinen Unterschied machst in meinem Leben; aber ich glaube, wir müssen seine Ideen diskutieren.

    God bless.

  35. William Young lehnt das stellvertretende Sühneofper von Jesus Christus ab

    Hmm, das kannst du auch belegen? Ich habe das bisher in keinem Kommentar gelesen und in keinem Interview mit ihm gehört.

  36. @Charly: Das ist kein Problem. Du findest z.B. hier ein Radiointerview, wo er seine Position erklärt (bes. die letzten 20 Minuten):

    http://voiceofthesheep.wordpress.com/2009/03/10/the-author-of-the-shack-denies-substitutionary-atonement/

    Liebe Grüße, Ron

  37. Hmmm, ok er hat hier eine recht spezielle Sicht – mit der ich mich ebenfalls schwer tue, sie zu teilen. Interessant finde ich an dem Interview, dass er sich auf div. Theologen beruft, die den Aspekt des stellvertretenden Sühneopfer diskutieren.

    Er Transportiert also hier eine Theologie, die er selbst vermittelt bekommen hat. Damit bringt er einen Spiegel des bereits bestehenden Streits unter Theologen.

  38. @Charly: Das Sühneopfer wird ja nun schon länger kontrovers diskutiert. 😉

    Ich zitiere nochmals Rudolf Bultmann (»Neues Testament und Mythologie« in: Kerygma und Mythos, 1954, S. 20) :

    Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlosen (wenn man von einem solchen überhaupt reden darf) gesühnt werden? Welche primitiven Begriffe von Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung zugrunde? Welch primitiver Gottesbegriff? Soll die Anschauung vom sündentilgenden Tode Christi aus der Opfervorstellung verstanden werden: welch primitive Mythologie, daß ein Mensch gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschen sühnt! Oder aus der Rechtsanschauung, so daß also in dem Rechtshandel zwischen Gott und Mensch durch den Tod Christi den Forderungen Gottes Genugtuung geleistet wäre: dann könnte die Sünde ja nur juristisch als äußerliche Gebotsübertretung verstanden sein, und die ethischen Maßstäbe wären ausge schaltet!

    Ich glaube, dieses »unmoralische Christentum« macht diese Gattung der Literatur so beliebt. Ich erinnere mich an ein Interview mit Anselm Grün, das ich vor einigen Jahren hörte. Er sagt ungefähr: „Ich moralisiere nicht, ich spreche nicht über Sünde, deshalb hören mir die gern Leute zu.“ So kann man das auch sehen.

    Liebe Grüße, Ron

  39. @Ron
    Ich persönlich habe keine Probleme unsere Erlösung durch den Tod und die Auferstehung Jesu zu verstehen und akzeptieren zu können. Probleme habe ich hingegen mit solchen, die einen blutrünstigen, in Zorn vergehenden Gott dahinter projizieren wollen. Immerhin war es genau dieser Gott, der sich selbst in seinem Sohn gab, damit wir wieder ewiges Leben in der Gemeinschaft mit IHM erlangen können.
    Jesu stellvertretender Tod bezieht sich für mich auf die Ansprüche des Gesetz der Sünde und dessen Anwalt, welcher der Widersacher Gottes ist. Nicht Gott musste wohlgesonnen und in seinem Zorn besänftigt werden, sondern den Rechtsansprüchen aus dem Gesetz der Sünde musste Rechnung getragen werden.

    Darauf zielt auch Young, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Young verweist darauf, dass Gott selbst am Kreuz hing. Mir scheint es möglich zu sein, dass Young schon ein Problem mit dem gerechten Richter Gott haben könnte. Aber so klar wurde das in dem Interview nicht.

    Aber das brauchen wir hier wohl nicht wieder vertiefen.

  40. Am Wochenende hörte ich in der Sendung Druckfrisch (ARD) eine Außenwahrnehmung zum Buch (Denis Schreck):

    Eine abstruse Story über einen Mann, dem der liebe Gott im Verein mit Jesus und Heiligem Geist persönlich die Welt schönredet, eine amerikanische Erbauungsschrift, verlogen bis ins Mark, eines jener Bücher, die dafür sorgen, dass die Armen auch geistig arm bleiben, dass auf jede himmelschreiende Ungerechtigkeit ein spirituelles Trostpflästerchen gepappt wird, dass jeder leidende Topf noch irgendwo seinen Transzendenz-Deckel findet – und dass überhaupt alles so bleibt, wie es ist. Grauenhaft.

    http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/3737236?pageId=&moduleId=339944&categoryId=&goto=&show=

    Liebe Grüße, Ron

  41. Da outet sich aber Jemand gewaltig als Neo-Atheist – mächtig aufgeblasen ohne viel Hirn.

  42. roderich meint:

    Ich las gerade eine gute Kritik des Buches „The Shack“ von Albert Mohler, hervorragend: http://www.albertmohler.com/2010/01/27/the-shack-the-missing-art-of-evangelical-discernment/

    Er sagt, die unkritische Rezeption des Buches weist auf einen Missstand unter Evangelikalen hin, naemlich auf die verloren gegangene Faehigkeit, theologisch zu unterscheiden. Es fehlt uns an Wissen ueber Theologie.

    Lieber Charly, sorry, dass ich so spaet reagiere. Ich finde, man muss aufpassen, dass man nicht eine kuenstliche Trennung zwischen dem Gott des Alten Testamentes und des Neuen Testamentes konstatiert. Gott ist ein und derselbe im AT und im NT, und wir koennen uns der Spannung nicht so einfach entziehen, indem wir sagen, es sind verschiedene Gottesbilder.

    Meine Empfehlung: vertiefe das Thema fuer Dich selbst. Es kann sonst passieren, dass man am wahren Gott der Bibel vorbeigeht.

    Gott hat uns Vernunft gegeben, und man KANN auch Gottesbilder anhand der Heiligen Schrift pruefen. Viel Segen dabei !

  43. @roderich
    Keine Ahnung, wie du darauf kommst, dass ich eine solche Trennung vornehmen würde. In keiner Weise behaupte ich, dies seinen lediglich verschiedene Gottesbilder. Ich habe eher geschrieben, dass wir alle verschiedene Gottesbilder haben und auch nur diese zu vermitteln in der Lage sind.

    Zu deiner Beruhigung: an dem wahren Gott der Bibel geh ich nicht vorbei – vielmehr gehe ich meinen Lebensweg mit ihm schon über 30 Jahre!

  44. Roderich meint:

    @Charly: Wie ich darauf komme? Oben schriebst Du ja:
    „Sicherlich hat Keller Recht, wenn er auf den zornigen und rechtenden Gott verweist – nur…. hat sich da für uns durch den Tod und die Auferstehung Jesu nicht ein ganz klein wenig verändert? Evtl. ja sogar genau in die Richtung, dass wir nicht mehr unter einem Gesetz stehen und an der Einhaltung von Geboten und Gesetzen gemessen werden, sondern dass das Hauptziel Jesu war die Menschen wieder in die Gemeinschaft mit dem Vater zu bringen? Und da fällt uns nichts besseres ein als wieder einen strafenden und rechtenden Gott aufzuzeigen?“

    An der Natur und dem Wesen Gottes hat sich mit dem Kommen Jesu Christi gar nichts veraendert. Es entsprach von Anfang der Welt dem Willen Gottes, aus Liebe heraus Jesus Christus zu senden. Das war es auch, worauf die ganze Geschichte Israels hinauslief; Gott der Herr der Geschichte hat es alles so gefuehrt, dass das Kommen Jesu Christi vorbereitet wurde.

    D.h. an dem Wesen Gottes hat sich zwischen AT und NT nichts geaendert.
    (Es hat sich allerdings veraendert, dass nun die Versoehnung moeglich ist).

    D.h. der gleiche „richtende und strafende“ Gott, wenn er denn so im AT war, ist er auch heute noch. Und anders herum: der gleiche liebende und vergebende Gott, der er im NT war, war er auch schon im AT.

    1. Thess 1,10: … und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukuenftigen Zorn errettet.
    (D.h. der Zorn Gottes ist noch ueber den Unglaeubigen. Auch wenn die Huette 10 mal das Gegenteil behauptet. Natuerlich liebt Gott sie (die Unglaeubigen) auch, sonst haette er seinen Sohn nicht auch fuer sie gegeben, und er will, dass alle zum Heil kommen, aber es besteht eben beides, die Liebe UND die Heiligkeit bzw. der Zorn Gottes.)

    2. Thess 1,6-9: Denn es ist gerecht bei Gott, mit Bedraengnis zu vergelten denen, die euch bedraengen, euch aber, die ihr Bedraengnis leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht und Feuerflammen, Vergeltung zu ueben an denen, die Gott nicht kennen und die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus. Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht…

    (D.h. Jesus selbst wird Vergeltung ueben… also nicht nur Gnade? D.h. die Gnade gilt denen, die das stellvertretende Suehneopfer Jesu Christi fuer uns annehmen. Denen, die sie nicht annehmen, gilt – ob einem das gefaellt oder nicht – eben leider die ewige Strafe).

    Das Problem ist, das so etwas heute leider viel zu wenig in Gemeinden gepredigt wird. Unser Gottesbild ist also viel zu verweichlicht, zu klein, zu einseitig auf „Liebe“.

    Natuerlich brauchen wir beides: MEHR Verstaendnis von der Heiligkeit und dem Zorn Gottes, und MEHR Verstaendnis von der Liebe Gottes. BEIDES muss tiefer werden. Und das geht nur durch MEHR Bibelstudium, und MEHR Gebet. Man muss persoenlich Gott immer besser kennenlernen. Sekundaerliteratur KANN hilfreich sein. Eventuell kann sogar die Huette auf einzelne Aspekte des Gottesbildes ein hilfreiches Licht werfen. Aber die Frage ist, ob sie nicht (wie von Albert Mohler oder Tim Keller beschrieben) zu einseitig ist, und daher mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt?

  45. @roderich
    Hmmm…… also eigentlich….. ich hab doch geschrieben…… „Sicherlich hat Keller Recht, wenn er auf den zornigen und rechtenden Gott verweist…“
    Und nun meinst du mich darauf hinweisen zu müssen, dass Keller Recht hatte???

    Nochmal zur Klarstellung:
    Natürlich hat Gott sich in keiner Weise verändert. Das ist sogar einer der theologischen Punkte, die mir sehr wichtig sind.
    Aber unser Stand vor Gott hat sich durch Jesus verändert. Und das verändert eine Menge für uns Christen in unserer Gottesbegegnung.

    Du erzählst mir wahrlich nichts Neues, wenn du darauf hinweist, dass die Unerretteten noch unter dem Zorn Gottes stehen. Nur was bedeutet denn „der Zorn Gottes“ – was stellst du dir darunter vor? Und zack…. sind wir wieder bei den unterschiedlichen Bildern, die wir alle von Gott haben. 😉

    Du schreibst: „D.h. die Gnade gilt denen, die das stellvertretende Suehneopfer Jesu Christi fuer uns annehmen.“
    Was habe ich anderes geschrieben?

    Also wat nu? Entweder sind wir durch die Erlösungstat Jesu (natürlich wenn wir diese auch angenommen haben) vom Zorn Gottes unter seine Gnade gewechselt oder Jesu Tod und Auferstehung hat garnichts geändert. Wenn wir aber unter der Gnade sind, sollte unsere Beziehung zu Gott nicht dem entsprechen, was Jesus derart wichtig war:
    Das Gott uns als seine Kinder ansieht, ja ER uns sogar Freunde nennt. Dass nicht mehr unsere Sünde unser Verhältnis zu Gott bestimmt, sondern die Gnade. Ja, das sogar Gott selbst in uns Wohnung macht. Usw.

    Du schreibst: „Eventuell kann sogar die Huette auf einzelne Aspekte des Gottesbildes ein hilfreiches Licht werfen.“
    Tja, das habe ich eigentlich die ganze Zeit gesagt, oder?

    Zeige mir irgendeine Verkündigung über Gott und ich zeige dir, dass sie einseitig ist. Niemand ist in der Lage – nicht einmal auf über 120 Seiten eines Romans – eine komplette Darstellung Gottes zu erbringen. Dazu ist eigentlich im Grunde eh kein Mensch fähig.
    Ob irgendeine Verkündigung von Gottes Wort oder auch nur Geschichten, die sich darum drehen, Nutzen oder Schaden bringt, hat sehr viel damit zu tun, wie wir damit umgehen. Völlig unkritisch angenommen kann sogar die beste Verkündigung durch Menschen gefährlich sein. Kritisch und mit Verstand betrachtet, kann sogar ein Roman wie „die Hütte“ sehr gewinnbringend sein.

  46. Roderich meint:

    @Charlie: Okay, dann hatte ich Dich z.T. missverstanden, sorry !
    Also, halten wir fest, Gottes Zorn bleibt ueber den Unglaeubigen. Christen hingegen sind Gottes Kinder, die dem Vater als liebevollem Vater begegnen duerfen.
    (Die Huette wurden wohl den ersten Punkt nicht teilen, d.h. den Zorn Gottes, der ueber den Unglaeubigen ist).

    Was den zweiten Teil Deines letzten Beitrages angeht, noch eine Rueckfrage:

    Wenn man ein Buch „kritisch und mit Verstand betrachten“ darf uns soll, darf und soll man dann auch die Resultate seiner „kritischen Verstandesbetrachtungen“ in einem Blogbeitrag veroeffentlichen?

  47. It has been fun reading the feedback. Lots to think about.

  48. LoveJesus meint:

    Interessante Diskussion, wer von Euch ist denn Gott schon live gegenüber gestanden, dass er behaupten kann Gott ist so oder anders?
    Das alte Testament ist ebenso von Menschen verfasst wie dieser Roman.

  49. PeterG meint:

    @LoveJesus

    Das alte Testament ist ebenso von Menschen verfasst wie dieser Roman.

    Nein, die gesamte Bibel ist von Gott gehaucht. 2. Tim 3:16

Ihre Meinung ist uns wichtig

*