Schulfach Schwul

Wir haben hier bereits mehrfach darüber diskutiert, ob es zum Auftrag der staatlichen Schulen gehört, Kinder sexuell aufzuklären (z.B. hier). Diese kleinen Debatten über Wahlprogramme hinken der Wirklichkeit weit hinterher. Jenseits des Parteiengezänks und dem (noch) verfassungsmäßig verankerten Schutz der Familie gibt es eine heimlich Übereinkunft: Unsere Kinder sollen umerzogen werden. Sie haben gefälligst so früh als möglich zu lernen, dass ›das Mensch‹ seine sexuelle Identität wählen kann wie eine Partei.

Das ist alles andere als Aufklärung. Den Kindern wird nämlich eine bestimmte Theorie des Geschlechtlichen aufgedrängt. Die Theorie ist keinesfalls plausibel. Sie setzt voraus, dass zwischen »gender« und »sex« zu unterscheiden sei. Der Begriff »gender« stammt aus der Sexualpsychologie. Er entsprang dem Anliegen, sprachlich mit der leidvollen Selbstwahrnehmung mancher Menschen, dem anderen Geschlecht anzugehören, also in einem falschen Körper zu stecken (Transsexualität), umzugehen (siehe hier). Daraus entwickelte sich die Behauptung eines vom biologischen Geschlecht (sex) gelösten sozial konstruierten Geschlechts (gender). Dahinter steckt die Grundannahme, dass Menschen bei der Geburt ein Geschlecht aufgrund von biologischen Merkmalen sprachlich zugewiesen wird. Gender entwickelte sich so zur Sammelbezeichnung für das »soziale Geschlecht«. Geschlecht ist ideologische Hypothese und gesellschaftspolitische Konstruktion. Konsequent weitergedacht bedeutet dies, dass wir Menschen zwischen unsereren Genderidentitäten losgelöst vom biologischen Geschlecht »hin und herspringen«, also latent bisexexuell oder multisexuell sind. Die Einschränkung auf ein vorgegebenes biologisches Geschlecht entspricht der Einfaltung unserer Idendität, also einer Form der Unterdrückung (Zwangsheterosexualität).

Ein Mensch kann, unabhängig vom biologischen Geschlecht, sein soziales Geschlecht frei wählen. Die Gesellschaft wird darauf verpflichtet, diese individuelle Wahl anzuerkennen und zu fördern. Der Körper wird zum passiven Objekt des Selbstentwurfs. Raum für die Erziehung im Sinne dieser »foucaultschen Überschreitung« wird in Zukunft die Grundschule sein.

Die Berliner Zeitung berichtet:

Die ersten Wörter schreiben, plus und minus rechnen, sexuelle Vielfalt kennenlernen – Unterrichtsstoff unserer Erstklässler! Konkreter: Der König heiratet einen König, Onkel Tommy küsst einen Mann, Emily hat zwei Mamis, der Rabe mit dem goldenen Federkleid ist vermutlich transsexuell …

Montag startet Bildungssenator Jürgen Zöllner (65, SPD) eine neue Aufklärungskampagne, die sich an Schüler verschiedener Altersklassen, Eltern und Lehrer richtet. Bestandteil: ein Themen-Koffer mit 25 Bilderbüchern und einem Memory-Spiel, gedacht für Grundschulkinder ab fünf Jahren.

In den Märchen und Geschichten wird Anderssein, Brechen mit Rollen-Klischees, unkonventionelles Zusammenleben thematisiert. Im Mittelpunkt: Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften aufwachsen, deren Eltern Grufties sind oder die von Oma und Opa großgezogen werden.

»Wir zeigen alles, was heute Realität ist«, sagt Conny Kempe-Schälicke (45), Leiterin der Initiative. Sie betont: »Homosexualität soll dabei nicht herausgestellt werden. Vielmehr geht es um Vielfalt. Weg von der klassischen Vater-Mutter-Kind-Familie, hin zu Modellen, in denen Kindern auch glücklich sein können. Denn das Einzige, was wichtig ist, ist eine liebevolle Umgebung.«

Die Botschaft der Kampagne: Jede Lebensform soll wertgeschätzt werden! »Das muss man Kindern in diesem frühen Alter beibringen, wenn sie gerade lernen, wie Gesellschaft funktioniert«, so Kempe-Schälicke.

Kinder sollten sich Gedanken darüber machen, »wie es ist, wenn man nicht genau weiß, ob man männlich oder weiblich ist. Als Jugendliche können sie sich dann bewusst für eine sexuelle Identität entscheiden, so wie für eine Religion«.

VD: EP

Kommentare

  1. Eine verdorbene Generation zieht eine noch verderblichere heran. Wenn das unseren wenigen Kindern, die Deutschland noch hat, systematisch beigebracht wird, dann ist das das definitive Ende unserer Gesellschaft…Finis Germaniae.

  2. Ich frage mich in letzter Zeit immer mehr, wie etwa die Grünen, als Hauptverfechter des GM, einerseits die Natur, Naturgemäßheit, zurück zur angeblich lieben Mutti Natur, Nachhaltigkeit auf den Thron heben und andererseits in Form eines extremen Modernismus, der die Emanzipation von allen natürlichen, geschichtlichen, sozialen Bedingtheiten, anstrebt, die Natur negieren und bekämpfen können. Oder bin ich der einzige, der das als Inkonsistenz auf grundlegendem Niveau wahrnimmt? Mir scheint, dass es nur insoweit um die Natur geht, sie nur soweit, maskenbildnerisch effektvoll in Szene gesetzt, auf den Thron gesetzt wird, wie es dem marxistisch-kulturrevolutionären Zerstören der „bürgerlichen“ Ordnungen dient, aber ansonsten wird sie wieder in ihr Verließ zurückgeprügelt, und zwar in dasselbe, das auch schon die Modernisten anderer Farbschattierungen von rot über gelb-blau (Liberalisten, Kapitalisten im negativen Sinne) bis braun für sie benutzt haben.

  3. @Jörg: Das geht mir genauso. Interessant sind solche Sätze wie: „Die Natur zeigt uns, dass wir so nicht weitermachen dürfen. Wenn wir so weitermachen, wird die Welt kollabieren etc.“ Freilich greift man nur in Umweltschutzfragen auf solche Figuren zurück.

    Liebe Grüße, Ron

  4. @Jörg: Wenn man die Geschichte und die Geschichtsneuschreibung des Feminismus kennt, so wird schnell klar, dass einerseits das gäazentristische (Göttin Mutter Erde in Einheit mit dem Kosmos steht im Zentrum des Denkens und Handelns) Weltbild, andererseits aber auch die starke Tendenz zum Schutz der Natur vor der Kultur durch Euthanasie bis hin zum Ökofaschismus, sehr gut in das feministische Gedankenmodell passt. So kam es natürlich zu einer Übernahme der grünen Politik durch Anhänger feministischen Denkens (dort entwickelte sich das Gedankengut des GM letztendlich). Man sollte eigentlich denken, dass unsere Gesellschaft aus der Geschichte gelernt haben sollten, doch trotz langjähriger „Vergangenheitsbewältigung“ sieht es danach aus, als ob dem braunen Rassengenozid und dem roten Klassengenozid nun ein grüner Massengenozid folgen sollte…

  5. @jonas. ich finde es ja ehrlich gesagt etwas problematisch einen grünen massengenozid (was auch immer das sein soll) zusammen mit dem braunen rassengenozid zu vergleichen, aber wenn das für sie so ist,… naja.
    ich finde es außerdem sehr interessant wie in diesem blog, wenn es um das (hass)-thema gender(mainstreaming) geht, hauptsächlich kommentare von männlichen personen zu finden sind. sehr klassisch….

  6. noch eine anmerkung. bin selber kein großer fan von gendermainstream. aber die annahme dass mal wieder die grünen an der ganzen misere schuld stimmt meiner meinung nach nicht ganz. ursula von der leyen hat da auch einiges auf den weg gebracht, ihre partei cdu.

  7. @nik: wenn du Anhänger des GM wärst, müsstest du dir vorwerfen lassen, inkonsistent zu argumentieren, indem du von maskulinen Eigennamen auf männliche Personen schließt. Was ist schon ein Mann? Ich fühle mich da von dir etwas eingeengt und diskriminiert hinsichtlich meiner Freiheit, meine sexuelle Identität unabhängig von irgendwelchen anderen Faktoren (zB auch dir) jederzeit wählen zu mü.., äh dür…, äh können. ;o)

    Ich seh übrigens nirgends eine Schuldzuweisung an die Grünen bisher in den Beiträgen – ich habe sie nur als Beispiel gewählt, weil sie meinen Punkt am deutlichsten widerspiegeln, und nach Jonas ist der Feminismus die Quelle des Übels GM.

  8. Schandor meint:

    @Jörg

    Gut gebrüllt, Löwe! (Daumen nach oben)

  9. hallo jörg,
    wie ich schon erwähnt habe bin ich kein anhänger des GM.
    ich bin einfach christ den es stört dass manchmal andere christen einem das gefühl vermitteln wollen als ob alle die sachen wie gendermainstream, feminismus, die alt 68er, die grünen…. das hauptübel dieser welt sind und das „ende der gesellschaft“ bedeuten. ich wünschte mir da manchmal eine differenziertere sichtweise auf diese dinge. wozu uns eine nicht differezierte sichtweise bringt zeigt mir der ausspruch von jonas und der vergleich von dem braunen rassengenozid mit dem grünen massengenozid. in diesem kommentator finde ich schon so etwas wie eine schuldzuweisung zumindest an grüne politik.
    mein spruch mit den männlichen kommentatoren hast du zugegebenerweise gut gekonntert. tatsache ist dass ich komischerweise oft mit männern diese diskussion über sachen wie feminismus, rollenerwartungen von mann und frau usw. habe. und ich das subjektive gefühl habe dass es eben meistens männer sind die dagegen wettern, irgendwelche artikel darüber schreiben usw.
    mit besten grüßen

  10. Hi Nik

    ich habe deine ersten posts auch so verstanden, deshalb der Konjunktiv.

    und christen, die einem das gefühl (!) vermitteln wollen, dass Element X der Postmoderne böse ist, praktizieren darin selbst die postmoderne und sind damit inkonsistent. Es geht um wahrheitsargumente und da ist differenzierung notwendig.

    Andererseits ist es meiner Ansicht nach eine interessante Frage, was eine Gesellschaft zusammen halten kann, was genug kohäsionskraft besitzt, und ob unsere Gesellschaft so etwas (noch) besitzt.

    Ich befürchte, nein, und spontan fällt mir von den von dir angeführten Strömungen kein kohäsionssteigernder Beitrag ein. damit ist aber nicht gesagt, dass alles an diesen strömungen schlecht ist, va im Sinne eines persönlichen oder auch gesellschaftlichen Korrektivs.

    liebe grüße

  11. @nik: Nun – wer mit Lügen Gesetze durchbringen möchte, dazu noch Lügen, die vielen Menschen das Leben kosten (zur Zeit noch „nur“ hauptsächlich ungeborenen Kindern [110’000 – 120’000 pro Jahr in Deutschland, weltweit kommt man in drei Jahren auf ungefähr so viele, wie im 2. Weltkrieg an Juden weltweit umgebracht wurden], Diskussionen zur Sterbehilfe und zur weiteren Euthanasie sind seit langem in vollem Gange), dazu eine Geschichtsneuschreibung fordert, und mit Wahlpropaganda Stimmung erzeugt, von welcher direkt nach der Wahl zurückgekrebst wird, da sehe ich deutliche Parallelen zu einem andern Regime. Lügen sind unter anderem das Märchen von der Erderwärmung, die falschen Zahlen bei der Ressourcenknappheit, das Märchen vom Leben des Kindes, das der Mutter gehört, das Märchen vom „Gender“ (also vom wählbaren Geschlecht) und viele viele mehr. Mit wenig stichhaltigen Begründungen werden diese Ansichten und Theorien per definitionem zur Wahrheit umdefiniert und sollen nun den Kindern vom jüngsten Alter an eingeimpft werden. Wenn das mal keine erzwungene Ideologisierung ist. Statt Mündigkeit lernen die Kinder nur noch zu allem „Ja“ und „Amen“ zu sagen, was die Partei zufällig gerade zum Standard erklärt hat…

  12. Hallo nik!

    Es ist kein Wunder oder eine „interessante“ Beobachtung, dass es vor allem Männer sind, die gegen den Feminismus und Gender Mainstreaming sich zu Wort melden. Warum? Weil sich der Mainstream-Feminismus und die aktuelle Gender-Politik auch gegen Männer richtet. Viele Männer wollen sich einfach verteidigen. Ist doch logisch, oder?

    Gottes Segen und Gruß, Theo

  13. Jürgen meint:

    Ich verfolge deine Beiträge bzgl Gender Mainstream nun schon länger. Wenn ich nun noch die Aktion liebewieduwillst.de in Gießen dazu nehme, werde ich immer besorgter. Vor allem Angesichts meiner Kinder (die noch nicht in den Kindergarten oder zur Schule gehen!). Die Frage die ich mir nun aber als Vater stelle ist, wie man auf diese Entwicklung antworten soll. Soll die Antwort illegales Homeschooling sein? Das Gründen einer christlichen Privatschule? … Eine Diskussion wie man als Eltern am Besten auf diesen traurigen, gesellschaftlichen Trend reagieren soll, fände ich sehr hilfreich.

  14. schandor meint:

    Vielleicht sind es Zeichen einer untergehenden Zivilisation. Man mag von Oswald Spengler halten, was man will, aber in einem hat er sicher recht: Unsere Zivilisation ist im Endstadium. Wir Christen können uns nicht organisieren, weil wir so zersplittert sind und weil jemand, der tatsächlich das Zeug zum Organisieren einer mächtigen Gegenkampagne hätte, von den meisten Christen sofort von vornherein als „falscher Prophet“ „erkannt“ würde. Dabei bin ich sicher, dass es mehr Christen gibt als Betreiber der neuen „Wahrheit“. In Deutschland steht es doppelt schlimm: Als einziges Land Europas (m. W.) verbietet es den Unterricht zu Hause, und das aus gutem Grund: die liebe Staatsräson, nicht wahr… Wer indoktriniert unsere Kleinen dann, mit der jeweils geltenden Norm konform zu gehen? Ich frage mich, wem das alles am meisten nützt, aber es muss wohl irgendwer aus der Wirtschaft sein, denn die Politik ist ja bekanntlich nur die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln. Oder wenn man so genannten Verschwörungstheoretikern das Wort leihen will, den „Mächtigen“ (Sind grade wieder auseinandergegangen 😉 ). Da die Verschwörungstheoretiker aber nicht recht haben können, weil es Verschwörungen ja gar nicht gibt, bleibt wohl nur die Wirtschaft. Auswandern ist halt auch schwer und kostet viel Geld, gelt?
    Auf’s Land ziehen könnte da helfen: Da sind noch mehr konservative Lehrer, noch mehr Leute vom „alten Schlag“. Die lassen dann gerne noch mal viere grade sein (ja: viere!). Die neuen wollen ja fünf grade sein lassen 😉

  15. markus meint:

    „Wir Christen können uns nicht organisieren, weil wir so zersplittert sind und weil jemand, der tatsächlich das Zeug zum Organisieren einer mächtigen Gegenkampagne hätte, von den meisten Christen sofort von vornherein als “falscher Prophet” “erkannt” würde.“

    Ich erinnere mich gut daran, wie verzweifelt die ostdeutsche Staatssicherheit war, da sie unbedingt die Strukturen hinter der innerkirchlichen Opposition aufdecken wollte. „Da muss es doch einen Masterplan geben! Wo sind hier die Verknüpfungen zum westdeutschen Imperialismus?“

    Nun, dass alles gab es nicht. Und trotzdem… Ein System, dass sich gegen Menschlichkeit, Leben und Freiheit stellt und sich somit gegen Gott stellt, wird nicht von Dauer sein. Zivilcourage und Mut zum Mensch(lich)sein waren ausreichend. Ich will nicht allzu naiv klingen, sicher sollte man da nicht passiv zuschauen. Aber ob eine Lobbyarbeit hilft, und dabei noch glaubwürdig zu bleiben?

    Es geht um tagtägliche Zivilcourage, die durch Liebe und Transparenz und Ehrlichkeit geprägt ist, egal ob man ein kleiner Fisch oder eine Mensch mit größerer Plattform ist.

    Was die ganze Gendersache betrifft: Sorgen macht mir nicht, dass Menschen das so sehen und denken. Problematisch empfinde ich die wachsende Militanz und Intoleranz dahinter, das ideologische macht mir da Sorgen. (Von der Seite empfinde ich eine militante, intolerante und ideologische Reaktion darauf als ebenso kritisch.)

  16. schandor meint:

    „(Von der Seite empfinde ich eine militante, intolerante und ideologische Reaktion darauf als ebenso kritisch.)“

    Genau. Intoleranz gegen Intoleranz ist eben auch Intoleranz, auch wenn sie gegen Intolerantes intolerant ist. Neben der Verflachung der deutschen Sprache, die ich so sehr liebe, macht mir persönlich die rasante Flucht der deutschen Mentalität in eine Litotes-Mentalität Sorgen: Da stellen sich die Deutschen politisch an wie die Österreicher im Fußball: Nur niemanden verletzen — das gelingt sehr gut, bis man merkt, dass man dabei schon längst auch niemanden mehr berührt. Es zeigt sich schon in der Verschleierung der Sprache: Man sagt nicht mehr: Ich bin gegen Deine Ansicht. Man sagt: „Problematisch empfinde (sic) ich …“. Frisch zugelangt, Sprachbenutzer, Dein österreichischer Leser kann schon etwas vertragen! Ich selbst werde mich nicht hinter „weicher Sprache“ verstecken, die niemanden verletzen kann — weil sie eben auch niemanden berührt.

    Nein, mein Lieber: Den Teufel merkt das Völkchen nie, selbst wenn er es am Kragen hält! Und er hält! Da gilt es zu kämpfen! Jetzt noch gibt es Möglichkeiten; schon morgen werden sie vielleicht vorüber sein.
    Du hast recht, ja! Es *geht* um tägliche Zivilcourage, wie Du sagst. Aber die Strategie fehlt. Paulus sagt:

    „Seht euch doch einmal in euren eigenen Reihen um, Geschwister: Was für Leute hat Gott sich ausgesucht, als er euch berief? Es sind nicht viele Kluge und Gebildete darunter, wenn man nach menschlichen Maßstäben urteilt, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Herkunft. Im Gegenteil: Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichte zu machen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichte zu machen.“

    Dürfen wir das als Bestandsaufnahme der Korinther lesen oder müssen wir es als Programm verstehen, dem die Kirche sich zu beugen hat?

    Wo die Kirche nicht mehr in die Bresche springt (und das kann sie nicht mehr, da sie innen zerfressen ist von vielerlei Würmern, von denen die Anbiederung an den Humanismus nur ein einziger ist), wo derlei schreiende Missstände sich breit machen, da braucht man auch nicht mehr auf „Zivilcourage“ zu hoffen.

    Deine Sorgen teile ich so nicht: Nicht die wachsende Militanz und Intoleranz, nicht das Ideologische ist zu fürchten, sondern der Umstand, dass viele Menschen schon ganz natürlicherweise so denken. Denn dann ist Militanz und Intoleranz irgendwann gar nicht mehr nötig, die Sache so plump voranzutreiben. Dann wird sie eines Tages ganz stillschweigend Gesetz. Und dann haben wir verspielt. So geht die Rechnung, nicht anders.

  17. ernst meint:

    Wichtig ist doch ganz einfach, dass man seinen Mund aufmacht, wenn das dran ist:“ Arsch huh un Zäng ussenanner“, so ähnlich hieß das mal vor Jahren in Köln, als es um eine Aktion gegen ´rechts´ ging. All das Untergangsgedöns hilft doch nichts. Es gibt viele Menschen, die a) noch garnichts von all dem gender-Irrsinn wissen und b) das auch keinesfalls befürworten! Aber wenn jeder den eindruck hat, er stehe allein, dann ist das fatal. Leider aber sind viele der „Stillen“ im Lande immer noch so erzogen, dass sie lieber den Kopf einziehen, wenn der Wind schärfer wird. Wer wird z.B. die Äußerungen des Leiters vom „Weißen Kreuz“ unterstützen, wenn er die volle Breitseite „veröffentlichter Meinung“ abkriegt, gegen seine Äußerungen zur Homosexualität oder ´gender´- Identität?
    Erfreulicherwiese hat auch z.B. J.Werth auf dem Kirchentag moderat aber deutlich Position bezogen und keinen Zweifel daran gelassen, was er zur Frage der Homosexualität denkt.

  18. @jörg:
    schön dass du meine meinung teilst das differenziert zu sehen auch wenn du in den strömungen selber keine kohäsionssteigernde anteile sieht für unsere gesellschaft.
    ich sehe schon kohäsionsteigernde anteile in den strömungen, in GM bißchen in feminismus wenig und in grüner politik sowieso.
    gleichzeitig finde ich es auch wichtig zu hinterfragen woher solche strömungen wie GM entstehen und sich dabei zu fragen was vielleicht falsch gemacht wurde dass so was auftrat. z.b. die sicht der rolle der frau usw… oder wie gehen wir als christen mit menschen um die sich transgender fühlen. ich finde so einen richtig adäquaten und ehrlichen umgang damit gibt es in gemeinden noch nicht. deswegen finde ich eine differenzierte sichtweise auf diese dinge wichtig.
    @theo:
    ich wüsste nicht inwiefern sich GM-Politik explizit gegen männer richtet. eigentlich geht es da ja um eine gleichtstellung beider geschlechter in verschiedenen bereichen.
    @jonas:
    sie haben vom grünen massengenozid gesprochen. deswegen gehe ich auch nur auf die sache mit den schwangerschaftsabbrüchen und der sterbehilfe ein. was die anderen beispiele mit einem genozid zu tun haben erschließt sich mir nicht ganz. mir ist nicht ganz klar was sterbehilfe und schwangerschaftsabbruch mit GRÜN zu tun hat. da sollten sie sich lieber mal informieren welche meinungen da die verschiedenen politiker zu den themen haben bzw. welche parteien welche gesetze beschlossen haben.
    mit besten grüßen an alle

  19. markus meint:

    @schandor: Da du die Verflachung der deutschen Sprache bemängelst (wie du sehr oft, sehr viel bemängelst), werde ich wohl bei Heidegger in die Schule gehen müssen: „Das Wesen des Kruges ist die reine schenkende Versammlung des einfältigen Gevierts in eine Weile. Der Krug west als Ding. Der Krug ist der Krug als ein Ding. Wie aber west das Ding? Das Ding dingt. Das Dingen versammelt. Es sammelt, das Geviert ereignend, dessen Weile in ein je Weiliges: in dieses, in jenes Ding.“

    Und ein weiteres: Wenn ich gemeint hätte „Ich bin dagegen…“, dann hätte ich „Ich bin dagegen…“ geschrieben. Aber schön, wenn die Welt(en) so schwarz-weiss sind. Auch das erinnert mich an früher, nicht nur, weil es da keinen Farbfernseher gab. #derschwarzekanal

  20. @nik

    Um Beiträge von Gruppen hinsichtlich einer Kohäsionskraft beurteilen zu können, bräuchte man erstmal einen Begriff dessen, was gesellschaftliche Kohäsion ausmacht. Jede Splittergruppe besteht aufgrund von Kohäsionskräften, nur eben partikularen. Und selbst wenn umfassendere Kohäsionskräfte vorliegen, ist die Frage, wie nachhaltig sie sind. Es müsste mal eine historische Arbeit geben, die ausgehend von einem sachgemäßen Kohäsionsbegriff untersucht, ob, inwieweit und wodurch sich die gesellschaftliche Kohäsion in D in den letzten X Jahren verringert hat. Mein intuitiver Eindruck ist, dass sie sich seit der Vergrößerung des Einflusses dieser Strömungen deutlich verringert hat – ein zeitlicher Zusammenhang muss aber natürlich keinen ursächlichen Implizieren. Ich finde das eine unglaublich interessante und relevante Fragestellung, aber seh selber noch kein Land in Sicht, dh irgendeine gesellschaftliche, politische (wäre eigentlich eine zentrale Aufgabe der Parteien: Orientierung und Führung) oder philosophische Kraft, die das kompetent behandeln würde.

    Deine Antwort an Theo spiegelt allerdings, mit Verlaub, einen realitätsfernen Idealismus wieder, vgl. zB

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/entlassene-gleichstellungsbeauftragte-im-gespraech-maenner-werden-benachteiligt-1.1099088

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/entlassene-gleichstellungsbeauftragte-im-gespraech-maenner-werden-benachteiligt-1.1099088-2

  21. Schandor meint:

    @markus

    Na, Du verstehst ja doch Humor! 🙂

    Das Fassende des Fassbaren ist die Nacht. Sie fasst, indem sie übernachtet. So gefasst, nachtet das Fass in der Nacht. Was fasst? – Was nachtet? Dasein nachtet fast. Die Nacht ist das Fass des Seins. Der Mensch ist der Wächter des Fasses. Dies ist seine Ver-Fassung. Die Nacht übergießt das Fass mit seinem Bleiben. Aus dem Geschenk dieses Gusses west die Fasnacht. Es ist unfassbar! 🙂

    lg
    Schandor

    ps: Verständigung per Blog — wie einfach ist das, nicht wahr?

  22. Wenn ich vom Gender Mainstreaming lese, kommt mir in den Sinn, dass sich aufmerksame Menschen vor hundert Jahren angesichts des aufkommenden Kommunismus genau gleich gefühlt haben müssen.
    Ist es nicht der neue „geniale“ Entwurf des Teufels, des alten Menschenmörders?
    Ich merke immer wieder in Gesprächen zu diesen Themen, dass diese Ideen für die meisten Menschen etwas Verführerisches haben. Man muss sich rechtfertigen, wenn man dagegen ist; wenn man dafür ist, muss man nichts erklären.
    Denn für Gender Mainstreaming zu sein gilt als normal (zumindest in meinen Kreisen).
    Diese Ideen bahnen sich unaufhaltsam ihren Weg in der Gesellschaft und im Menschenherzen und werden in Taten münden, bis man eines Tages schockiert aufwachen wird.
    Übrigens denke ich, dass die besten Verführungskünste des Teufels immer darin bestehen, nicht eine fadengerade Lüge aufzutischen, sondern der Lüge ein bisschen Wahrheit beizumischen, aber so, dass es aber immer noch Lüge bleibt.
    Das beste Buch über (und gegen) den Kommunismus ist für mich „Lüge und Wahrheit des Kommunismus“ von Nikolai Berdjajew. Er erkannte nämlich, dass im Kommunismus ein verschüttetes religiöses Verlangen zum Ausdruck kam; darin sah er einerseits seine grösste Stärke (im Sinne von Durchschlagskraft), aber auch seine grösste Gefahr.

    Worin besteht beim Gender Mainstreaming das Körnchen Wahrheit, das die Sache ebenso stark wie gefährlich macht?

  23. @Lukas: Ich mache vergleichbare Erfahrungen wie Du. Ein wichtiger Aspekt: So wie am Kommunismus nicht alles verwerflich ist (ich denke z.B. spontan an die Kritik von Marx an der Kinderarbeit in London (die Unternehmer war oft Fromm, ähnlich wie in Wuppertal, der Heimat von Engels), die vielleicht bewegendsten Abschnitt im Kapital), so ist auch am GM nicht alles schlecht. Insofern können, das siehe auch ich so, solche Einsichten für viele Menschen attraktiv werden. Das Problem ist dann die Verabsolutierung von Teileinsichten.
    Typisch für den in den Kulturwissenschaften so verbreiteten sozialen Konstruktivismus (der in den Berliner Schulen und anderwo spukt) ist, dass ein Rand zum Zentrum erklärt wird. Diese neue Mitte wird, ist sie dann Mitte (erst dann), sehr dogmatisch verteidigt, bis dahin, dass Andersdenkende kriminalisiert werden.

    Ein zweiter Aspekt: Die Wahrnehmung wird scheibchenweise verändert (Salamitaktik). Für viele Kinder, die so einen Aufklärungsunterricht durchlaufen, also in der Schule lernen, wie ein Jugendlicher lustvoll masturbiert, und keineN Korrektiven begegnen, muss eine Ethik, die auf Vertrauen, das Gegenüber und Treue setzt, erst einmal komisch bis lebensfeindlich erscheinen. Die Spirale ist in Bewegung gekommen.

    Was ist z.B. gut beim GM. Ich z.B. bin dankbar, dass heute auch Frauen studieren. Wunderbar! Ich finde es prima, wenn eine Frau einen Männerberuf erlernen kann, vorausgesetzt, sie will das wirklich (und wird nicht dazu gedrängt). Es ist auch wahr, dass Männer sich oft „wegstehlen“, wenn es um die Erziehung der Kinder geht (besonders ab dem 5 Lebensjahr).

    Liebe Grüße, Ron

  24. eliseelliot meint:

    Es gibt seriöse Neurobiologen,die weibliche und männliche Babys hinsichtlich ihrer angeblichen und vorhandenen Unterschiedlichkeit untersucht haben.Das zu lesen,ist aufschlußreich….Daß Frauen zum größten Teil auf typisch weibliche Eigenschaften und Fähigkeiten(was sind das?) und Männer auf typisch männliche Eigenschaften und Fähigkeiten(was sind das?) hin erzogen werden,bewußt oder unbewußt,und das von der „Krippe bis zur Bahre“auf „typisch weibliche und typisch männliche Eigenschaften und Fähigkeiten hin kulturell geprägt wird,
    wird selten intellektuell redlich und sachlich reflektiert.Ich nehme die Bibel ernst,lese seit über 25 Jahren jeden Tag darin und bin eine ernsthafte Nachfolgerin Jesu Christi,hab eine persönliche Beziehung zu demselben,bin glücklich verheiratet,Mutter einer erwachsenen Tochter,kenne viel Jahre beruflichen Stress und bin zusammen mit meinem Mann oft traurig über die Sturheit und mangelnde Bereitschaft in christlichen
    Gemeinden und anderswo,sich mit diesen Stereotypen auseinanderzusetzen.49 Jahre bin ich jetzt alt,
    hab viel gesehen und gelesen,von Francis Schaefferbüchernwunderbar bis Alice Schwarzer(der ich nicht immer zustimme!!) ,finde die Auseinandersetzung mit „Gender“ einfach wichtig.Viele Partnerschaften gehen vielleicht in die Brüche,weil es diesen Sexismus gibt,
    auch der wohlwollende Sexismus ist eine Zumutung.Diese eingangs beschriebenen Auswüchse

    finde ich übrigens auch nicht gut,aber „Gender“ heißt einfach nur soziales Geschlecht,und
    da wird schon abgeblockt darübernachzudenken…

  25. @Nik

    Dass Problem bei GM ist, dass unter und mit diesem Programm eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Sachen laufen, die sich sogar teilweise wiedersprechen:
    Frauenpolitik (z.B. Frauenquoten), Gleichstellungspolitik, feministische Politik (z.B. „politisch korrekte“ Reinigung der Sprache), Durchsetzung von Forderungen der Homosexuellenbewegung, Zerstörung der traditionellen Famile als gesellschaftliche Norm, Auflösung traditioneller Geschlechtsrollen bis hin zur Auslöschung der Geschlechter Mann und Frau, geschlechtersensible Politik etc.
    Gerade letzteres halte ich im Grund genommen für eine gute Sache, wenn es wirklich den Mehrheitsbedürfnissen von Frauen und Männern dient, und nicht zur Durchsetzung einer Ideologie, wie es in der so genannten „geschlechtersensiblen Pädagogik“ der Fall ist, wo Kinder ständig die eigene männliche/weibliche Rolle hinterfragen sollen, was dazu führt, das sie dann keine stabile Identität aufbauen können.

  26. @eliseelliot: Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstanden habe: Willst Du sagen, dass sich Männer und Mädchen im kindlichen Alter nicht voneinander unterscheiden?

    Viele Unterschiede, auch im Hirn, sind hinreichend dokumentiert. Siehe z.B. hier:

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/811609/

    Denkst Du wirklich, dass Geschlecht sei anerzogen? Die Kategorie des sozialen Geschlechts ist jetzt 50 Jahre alt. Funktioniert hat die Welt auch vorher.

    Liebe Grüße, Ron

  27. @Lukas: Mir fällt gerade auf, dass Kommunismus GM einen gemeinsamen Leitgedanken haben: Unterschiede sind Unrecht.

    Liebe Grüße, Ron

  28. @eliseeliott
    Ich denke, dass niemand hier beim Thema Geschlecht sofort abblockt. Das es zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche gesellschaftliche Rollen von Mann und Frau gegeben hat, das diese sich ändern, das diese auch diskutiert werden müssen, bestreitet hier, denke ich, keiner.
    Das Negative an GM sind leider keine Auswüchse, sondern ist durchaus Normalität. Eine Judith Butler (biologisches Geschlecht als soziale Konstruktion, so in etwa ihre These) zum Beispiel ist keine randständige Figur innerhalb der Gender Theorie.

    Gottes Segen,

    Theo

  29. @alle: Hier mal eine Bauchthese: Die Ablösung der Identität vom Leib, also die Behauptung, Geschlecht sei kulturell konstruiert und werde dem Leib nur sprachlich zugewiesen, ist eine moderne Form des Gnostizismus.

    Liebe Grüße, Ron

  30. @ Ron: Eine sehr interessante These. Könntest Du sie ein bisschen genauer erläutern? Demzufolge hätte also die soziale Bewegung des Gender Mainstreaming auch eine verborgene religiöse Dimension oder mindestens das Potential dafür?

    Ja, die Gemeinsamkeit mit der kommunistischen Ideologie – es darf keine Unterschiede geben – verrät gemeinsame Wurzeln.

  31. @Ron: Stimmt.

    A propos moderner Gnostizismus: Wort und Wissen hat kürzlich einen Artikel („Moderne Theologie: Nichts Neues unter der Sonne“) veröffentlicht. Reinhard Junker schreibt dort: „Auch die Auseinandersetzungen zwischen frühen Christen und Gnostikern weist frapierende Ähnlichkeiten mit den heutigen Debatten auf – in diesem Fall bezüglich theistischer Evolution.“
    Junker, der sich in seinen Ausführungen auf einen Artikel von John G. West aus dem Sammelband „God and Evolution“ der Intelligent Design Bewegung stützt, schreibt, dass heute eine wachsende Zahl theistischer Evolutionisten die Ansicht zurückweisen, dass die materielle Welt jemals gut geschaffen worden sei.
    Der Artikel ist sehr zu empfehlen: http://www.wort-und-wissen.de/artikel/a06/a06.pdf

    Grüße, Theo

  32. Kleine Korrektur: der Artikel heißt „Theistische Evolution und Moderne Theologie: Nichts Neues…“

  33. @Ron: So sehe ich das auch. Und der extreme sexuelle Libertinismus im Zusammenhang mit einer Leugnung des Körperlichen (Materiellen) ist kirchengeschichtlich gesehen auch kein Unikat. Interessant ist auch das immer stärkere Auseinanderklaffen von materialistisch-wissenschaftlichen Thesen (Evolutionismus) und soziologisch-psychologischem Genderismus und Feminismus in Richtung New-Age-Gedankengut. Das ist typisch für unsere Zeit, in der man alles zuerst in Kleinteile zerlegen und einzeln untersuchen muss. Weil man das System (und in der Mitte dieses Systems dessen Schöpfer) nicht sehen will, passen die Einzelteile letztendlich hinten und vorne immer weniger zusammen.

  34. @Theo: Danke für den Hinweis. Ich kann den Text auch in einer anderen Sache gut gebrauchen. 😉

    Zum Gnostizismus äußere ich mich vielleicht noch konkreter. Muss aber für heute Schluss machen, da andere Pflichten warten.

    Liebe Grüße, Ron

  35. Johannes Strehle meint:

    Gender Mainstreaming ist eine ideologische Konstruktion
    mit ideologischen Prämissen und Zielen und totalitärem Anspruch.
    Totalitärer Anspruch lässt sich im Zeitalter des Glaubens an die Wissenschaft
    am besten mit Pseudowissenschaftlichkeit geltend machen und durchsetzen.

    Ich empfehle sehr, nicht nur den Artikel von Volker Zastrow zu lesen
    – siehe „Politische Geschlechtsumwandlung“, von Ron am 7. März veröffentlicht -,
    sondern auch sein Büchlein Gender, erschienen bei Manuscriptum.
    Siehe auch die anderen Hinweise Rons

    Gender Mainstreaming ist elementarer Bestandteil des linken Denkens
    in allen im Bundestag vertretenen Parteien.
    Zum linken Denken:
    Jan Fleischhauer:
    “Unter Linken – von einem, der aus Versehen konservativ wurde”
    – für alle, die Deutschland verstehen wollen, unbedingt lesenswert.

    Zur angesprochenen Verwandtschaft mit dem Marxismus/Kommunismus/Sozialismus:
    Zur Einebnung aller Unterschiede
    unterhalb des „sozialistisch“ kultisch verehrten Monarchen
    und seines Funktionärsadels
    gehörte auch die Befreiung der Frau von der Familienarbeit zur „produktiven“ Arbeit,
    was heutzutage, wie erwähnt,
    von einer „christlich“-demokratischen Ministerin betrieben wird.
    Groteskerweise waren und sind alle real existierenden sozialistischen Gesellschaften
    als Vorstufe zum Himmel auf Erden patriarchalische Gesellschaften.

    Lukas und Ron haben darauf hingewiesen,
    dass jede erfolgreiche Ideologie wahre und richtige Elemente enthält.
    „Wenn der Teufel einen Irrtum zum Markt führen will,
    spannt er die Wahrheit davor.“ (Charles Haddon Spurgeon)
    Das begann in Eden.

    Die Verbindung zur libertinistischen Variante der Gnosis finde ich interessant.

    Die Kritik an Gender Mainstreaming ist keine Männer-Domäne.
    Als Beispiel
    Gabriele Kuby:
    „Auf dem Weg zum neuen Gender-Menschen“ und
    „Die Gender Revolution“

    Zur Frage von Jürgen:
    Wenn es die Möglichkeit gibt,
    seine Kinder in eine christliche Schule zu schicken,
    die nicht von dieser Ideologie geprägt wird,
    würde ich das tun.
    In unserem Staat kann man nur
    parteipolitisch, massenmedial und/oder durch anhaltende Massendemonstrationen
    etwas bewegen.
    Die Evangelikalen nutzen keine dieser Möglichkeiten.
    In Deutschland gibt es, jedenfalls außerhalb von Bayern,
    keine wertkonservative Partei.
    Die Evangelikalen haben die Möglichkeit, eine solche aufzubauen.
    Der Sprung über die 5-Prozent-Hürde wäre kein Problem.

    Nur entschiedene Intoleranz gegen Intoleranz ermöglicht auf Dauer Toleranz.
    Vom Übel ist das neue (In-)Toleranzverständnis.

    Die Positionierung von Jürgen Werth auf dem Kirchentag,
    wie sie von der Christlichen Allianz dokumentiert wurde,
    ist äußerst schwach und symptomatisch:
    „Ich persönlich bin der Meinung,
    dass Homosexualität nicht dem Schöpfungsgedanken Gottes entspricht …“
    Jürgen Werth war nicht als Jürgen Werth mit seiner persönlichen Meinung eingeladen,
    sondern als Vorsitzender der Evangelischen Allianz
    und hätte freundlich und unmissverständlich die theologische Position
    der Evangelischen Allianz vertreten müssen.

  36. Schandor meint:

    „Die Evangelikalen nutzen keine dieser Möglichkeiten.
    In Deutschland gibt es, jedenfalls außerhalb von Bayern,
    keine wertkonservative Partei.
    Die Evangelikalen haben die Möglichkeit, eine solche aufzubauen.
    Der Sprung über die 5-Prozent-Hürde wäre kein Problem.“

    Was auch nicht geschehen will, wie ich in meinem ersten Kommentar behaupte, und zwar aus genannten Gründen. Leider. Man sieht die Bildung einer solchen Partei nämlich viel zu schwarz/weiß/problematisch. Leider.

  37. @ Ron:
    „Denkst Du wirklich, dass Geschlecht sei anerzogen? Die Kategorie des sozialen Geschlechts ist jetzt 50 Jahre alt. Funktioniert hat die Welt auch vorher.“

    Obwohl mit Dir in der Sache grundsätzlich einig, finde ich, dass Du hier gegenüber der Diskussionsteilnehmerin eliseelliot nicht logisch argumentiert hast.
    Vertreter des Gender Mainstreaming würden nämlich zu Recht antworten:
    Die Tatsache, dass die Kategorie des sozialen Geschlechts erst fünfzig Jahre alt ist, bedeutet natürlich nicht, dass es jene erst seit ebendiesen fünfzig Jahren gibt.
    Die Kategorie Stoffwandels in der Biologie gibt es auch erst seit so und so viel Jahren, und dennoch gab es schon immer.

  38. @Lukas: Die Tatsache, dass die Kategorie des sozialen Geschlechts erst fünfzig Jahre alt ist, bedeutet aber auch nicht, dass es jene schon länger als fünfzig Jahre gibt.

    Die These, dass das Geschlecht nicht biologisch gegeben, sondern sozial und kulturell zugeschrieben wird, konnte sich nur im Milieu des radikalen Konstruktivismus entwickeln. Außerhalb dieser Denkströmung bewehrt sich diese Kategorie nicht. Eine Parallele sehe ich in der Theorie des Über-Ich, die sich auch nur im Rahmen des Freudschen Milieus bewährt.

    Liebe Grüße, Ron

  39. @ Ron,

    ja, ich weiss schon, was Du meinst, aber es ist eben kein legitimes Argument unsererseits zu sagen, die These des sozialen Geschlechts gibt es erst seit fünfzig Jahren, wo doch die Welt schon früher existierte. Echte Wissenschaft lebt ja davon, dass sie Entdeckungen macht über Abläufe, die es schon gab, bevor sie entdeckt wurden. Die Kategorie der Elektrizität gibt es seit der Neuzeit; und doch gab es Elektrizität seit dem Anbeginn des Universums.
    Wir bibeltreuen Christen, die wir ja gerade an eine unabhänging von unserer Perzeption existierende Wirklichkeit und Wahrheit glauben, werden doch auch unseren Gegnern nicht vorenthalten, dass der Gegenstand einer wissenschaftlichen These bereits vor seiner Entdeckung und Beschreibung existiert. Sonst sind wir ja völlig unkonsequent.
    Die Frage ist also eher, ist es eine wahre These oder nicht?, oder besser gesagt: was ist daran wahr und was falsch?

  40. @Lukas: Ja, da gebe ich dir Recht. Für den Dialog mit Andersdenkenden müssen wir anders argumentieren. Es gab mal Experimente, wo man „neutral“ erzogenen Kleinkindern Spielzeug gab und schaute, wie sie reagieren. Interessant ist, dass Mädchen gleich nach den Puppen greifen („beziehungsorientiertem“ Spielzeug) und Jungs (ich rede vom biologischen Geschlecht) zum „sachbezogenen“, „technischen“ Spielzeug. Interessant ist aber auch die Entwicklung, dass in neueren Büchern zur Entwicklungspsychologie diese Versuche immer sehr codiert besprochen werden (so zB in der dt. Ausgabe der Entwicklungspsychologie von Laura Berk, 2005; ich weiß nicht, ob das an der Übersetzung oder an der Autorin liegt, habe leider bisher noch keinen Einblick in die engl. Originalausgabe gehabt). Es ist, als ob diese Studien mit einem Tabu belegt sind. Wer den neu definierten Standard in Frage stellt, outet sich sofort als Außenseiter und wird nicht mehr ernst genommen.

  41. Schwul schulfach?? Gendertheorie, biologische Identität ohne das thema sexuelle Orientierung und sexuelle Identität in einen Topf zu werfen, kritisch zu beäugen und diese Kritik als Theoblog Post hier zu hinterlegen ist, obwohl man sich den Anstrich des Intellektuellen gibt doch eine schwache Leistung. Worüber wird hier eigentlich diskutiert? Ganz zu schweigen, das didaktisches Material in Grundschulen nun mal didaktisches und nicht in besonderere Weise sexualpädagogisches Material (Lebensformen sollen kennen gelernt werden) ist. Vielleicht sollte Ron erst einmal die Lehrplände der Gemeinschaftskunde sichten.

  42. schandor meint:

    @nico

    Die didaktische Dialektik der Gendertheorie ist keineswegs einer kritisch beäugten Leistung verpflichtet, die ihr sexualpädagogisches Material der Gemeinschaftskunde unter der Prämisse präintendierter Leistungsvermittlung oder doch zumindest auf grundschulsprachlichem interpunktionsvermissendem Niveau vermissen lässt, ohne ihre eigene Lebensform einer sprachlichen Regulierung hinsichtlich gerechter Sprache und Sachbezogenheit hinterfragen zu lassen, was die doch schwachen Leistungen ihrer präskriptiven und — zuweilen oft und viel bemängelt [@markus 😉 ] –, aber dennoch theologisch nicht irrelevant, ihre eigene Gendertheorie hinterfrägt? Insofern wäre erst zu zeigen, inwiefern der schwache Träger des Standortnachteils „Ich“ ohne sprachliche Performanz und ohne jeglichen intellektuell-sprachlichen Anstrich sein ideologisch-kritisch-sprachliches Kulturräsonnement abgibt?

    🙂

  43. @Lukas: Wäre es für in Ordnung, wenn ich sagte: Die Welt funktioniert, seitdem es die Kategorie gibt, nicht besser? Ich bin ja überhaupt nicht fortschrittsfeindlich. Natürlich gebe ich Dir recht: Untersucht werden muss: Was ist dran?

    Liebe Grüße, Ron

  44. Johannes Strehle meint:

    @ Schandor

    Aus/Bus(1) der/die/das genethischen/gmenethischen/gmuthischen(2)
    Gender/die/das-Per/sie/esspektive
    istIn das/die/der Re/eis/seaktion(3) mindes/sie/ertens gen-iah-l.

    1 Schluss mit der/die/das Dominum/us/anz der/die /das Alpha-Typen!
    2 Schluss mit der/die/das Dominum/us/anz von „ene“
    und der/die/das Diskriminier/sie/esung von „mene“ und „mu“!
    3 „re“ = getarntes „er“!

  45. Schandor meint:

    @Johannes

    Genial! „mene“ und „mu“ — Das Wort, das eine Frage unfragt (Douglas Hofstatter).
    Ein Surplus gegealogischer Äquivalenz zur ätiologischen Präsenz des Ungesagten! Das ist nicht mehr zu übertreffen! Ich lese Deine Zeilen als unverhohlene Aufforderung zum Abdanken, was ich hiermit tue:

    Dank & Gruß!
    Schandor

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