Während in westlichen Gesellschaften die Kirchenbindung abnimmt, sucht die Generation Z zunehmend Halt im Glauben. Auch in Deutschland. DIE WELT gibt Einblicke:
Soziologen entdecken auch Ähnlichkeiten zwischen kirchlichen Traditionen und aktuellen Trends. So gebe es Analogien zwischen der Selbstoptimierungskultur und der christlichen Askese, fänden sich Parallelen zwischen Challenges wie dem alkoholfreien „Dry January“ oder der „NoFap“-Bewegung, die auf Verzicht auf Pornos und Masturbation setzt, und kirchlich gepredigter Enthaltsamkeit.Sünde, Moral.
Welche Rolle spielt die christliche Ethik für einen jungen Mann wie Lennart Luis Grauer? Er sagt, dass er biblische Wertvorstellungen nicht als aufgezwungene Einschränkungen empfinde. In dem Vorhandensein von Moralvorstellungen sehe er vielmehr einen weiteren Hinweis darauf, dass es einen Gott geben muss, der Werte wie die Ächtung des Tötens von Menschen oder der Vergewaltigung zu etwas Absolutem und Universellem erhebe und unser Gewissen präge. Er selbst habe bestimmte Verhaltensweisen abgelegt, Handlungen, die anderen und ihm selbst schaden. Gott meine es gut, „wenn er sagt, dass ich nicht lügen sollte, nicht rauchen oder nicht so viel trinken.“Das Wichtigste für Lennart Luis Grauer aber sei, die entscheidende Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gefunden zu haben: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Das ist superschön. Schöner kann’s nicht sein.“
Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.
Ich habe im Laufe meines Lebens viele Menschen kenngelernt, die ebenfalls hohe ethische und moralischen Standards verinnerlicht und gelebt haben. Darunter manche Atheisten, die doch teilweise konsequenter in der Einhaltung der selbst gewählten Maßstäbe waren, als manche, die sich einem christlichen Lager zugerechnet haben. „Werte wie die Ächtung des Tötens von Menschen“ sind nun etwas, was in vielen Religionen so nicht uneingeschränkt vorhanden ist, und die Geschichte unserer großen Kirchen zeugt leider davon, dass auch dort Menschenleben (zumindest das irdische) nicht den hohen Stellenwert besaß, den man ihm heute zuspricht. So schön es ist, wenn man „gute“ Werte hat und einhalten möchte – es sind nicht die hohen Werte, die zu Gott und Jesus führen, sondern die Jesus-Nachfolge führt zu den richtigen Werten. Der junge Mann, so bewundernswert ich seine Haltung finde, hat für sich (oder auch im Konsens mit anderen Menschen) Werte ausgeguckt, die ihm wichtig sind, die zwar auf einige Jahrhunderte Christentum und Aufklärung basieren und unsere Gesellschaft… Weiterlesen »
Anhänger eines vollen Evangeliums oder eines Wohlfühlevangeliums (Galater 1,8)?
Auf Asketismus hat das Christentum kein Monopol. Es vielmehr so, dass historisch gesehen die asketischen Sekten der parachristlichen Traditionen immer recht schnell vom Weg abgekommen waren. Joshua Harris dürfte das wohl bekannteste moderne Beispiel darstellen.
Psychologisch gehen ist das ganze dem magischen Denken zuzurechnen, was dem Christentum fremd ist. Die Jahrtausende alte Idee dahinter: Asketische Handlungen beeinflussen den Lauf der Geschichte auf nichtkausale Weise. Im Widerspruch dazu steht die Souveränität des christlichen Gottes, dessen übernatürliches Handeln ja gerade nicht durch magische Rituale bestimmt ist.
Also nichts Neues unter der Sonne, sondern frisch fröhlicher Aberglauben.
Das angebliche Revival findet sich abseits solcher Anekdötchen natürlich nicht in realen Studien:
https://prri.org/spotlight/2025-prri-census-of-american-religion/
Warum so negative Kommentare? Natürlich scheint hier der entscheidende Faktor zu fehlen: die Gnade in Christus! Denn was ist, wenn man selbst oder andere bei diesem hohen moralischen Anspruch versagt?
ABER! Dieser „Trend“ gibt uns die Möglichkeit, dort einzuhaken, wo doch schon Leidenschaft und Interesse bestehen: bei der Autorität Gottes.
Also: Warum so negative Kommentare? Jemand wie Kuyper würde sich m. E. über diese Entwicklung freuen – zu Recht!
Negativ deshalb, weil die Gnade in Christus in dem Artikel gar nicht vorkommt. Da freut man sich (zu recht), dass einige der GenZ hohe Werte haben, aber dann bleibt der Artikel dabei inhaltlich stehen.
Der geneigte und unbedarfte Leser nimmt mit: christliche Werte haben ist eine positive Sache, mehr bedarf es wohl nicht.
Pessimisten wie ich lesen allerdings aus dem Text heraus, dass eben noch das Wichtigste fehlt: die Beziehung zu Jesus. Und wenn die fehlt, dann gibt es noch ein anderes Problem: wie geht der junge Mensch damit um, wenn er an den eigenen moralischen Standards scheitert? Wer spricht ihm dann Vergebung zu?
Weiterhin ist zu überlegen, ob der Abstand von „Dry January“ geringer zu Jesus oder geringer zu Ersatzreligionen wie z.B „Klimagerechtigkeit“ ist.
@Stephan: Wie es scheint, hast du nur die erste Zeile meines Kommentars gelesen. Schade!