Die spirituelle Reise von David Bowie

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Der Journalist Peter Ormerod hat ein Buch über die spirituelle Reise von David Bowie geschrieben. Der Verlag erklärt zu David Bowie and the Search for Life, Death and God: A Spiritual Meditation on His Music and Creativity (#ad, Bloomsbury Continuum, 2026):

Ormerod nimmt Bowies spirituelle Erkundungen und seinen Glauben ernst und zeigt uns, wie diese Suche nach Sinn ihn durch seine dunkelsten Momente und größten Erfolge trieb und seiner Musik eine Zeitlosigkeit und Tiefe verlieh, die so viele Menschen auf der ganzen Welt angesprochen hat. Ob er nun während seiner okkulten Phase in LA eine dunkle Nacht der Seele durchlebte oder vor Tausenden von Konzertbesuchern das Vaterunser rezitierte – Bowie war stets auf der Suche nach jener universellen Wahrheit, die jenseits der alltäglichen Realität liegt.

John Duggan hat für FIRST THINGS das Buch gelesen und seine Eindrücke in dem Artikel „The Church of David Bowie“ festgehalten. Über das „Vaterunser“, welches der Popstar spontan bei einem Freddie-Mercury-Tribute-Konzert im Jahr 1992 gesprochen hatte, sagt Duggan:

Wie steht Ormerod nun zu dem Gebet in Wembley, das für seine eigene These doch von enormer Bedeutung sein dürfte? Tatsächlich zeigt er seltsamerweise kaum Interesse an diesem Vorfall und erledigt ihn auf etwa zwei Seiten. Vielleicht weil er wusste, wie sehr Bowie aus dem Instinkt heraus handelte und wie diese Instinkte ihn schnell an einen ganz anderen Ort führen konnten, kam Ormerod zu dem Schluss, dass es sinnlos wäre, einer spontanen Geste eine präzise Bedeutung aufzubürden. Bowie sagte, er habe das Gebet einem Freund gewidmet, der an AIDS starb; und damit endet die Spur.

Doch das scheint eine schwache Schlussfolgerung zu sein. Schließlich sprach ihn der Gnostizismus, ein weiteres Glaubenssystem, mit dem sich Bowie beschäftigte, unter anderem deshalb an, weil es „keinen großen Schwerpunkt auf Sünde legte und keine Beichte erforderte“. Doch hier sprach er die Worte „vergib uns unsere Schuld“, „führe uns nicht in Versuchung“, „erlöse uns vom Bösen“. Warum sollte er dieses Gebet vor diesem Publikum bei dieser Veranstaltung rezitieren? Nutzte Bowie seinen Einfluss (und den Überraschungseffekt), um eine Botschaft zu vermitteln, die sonst nicht zu vermitteln gewesen wäre? In einem Beitrag für First Things im Juni 2018 vermutete John Waters, dass für einen intelligenten Mann wie David Bowie die verschiedenen Formen sexueller und narkotischer Abenteuerlust, die er Anfang der siebziger Jahre mit der Welt geteilt hatte, bis 1992 „längst aufgehört hatten, als eindeutige Freiheiten zu erscheinen“.

Mehr: firstthings.com.

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3 Kommentare
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2 Tage vor

Ich bin immer wieder erstaunt über den krampfhaften Versuch Prominenten aus Showbuiseness, Sport und Politik einen biblischen Glauben zu unterstellen. Als ob dadurch unser Glaube irgendwie aufgewertet und seine Legitimation erhöht würde.
Natürlich freut man sich wenn auch diese Leute Jesus finden, aber mal ehrlich, in den meisten Fällen ist der Wunsch Vater des Gedankens und man nimmt es nicht so genau mit der Bewertung.
Bowie wollte also seinen Freund Freddie Mercury mit einem Vaterunser ehren, der ein begnadeter Musiker, aber auch eine Vorzeigefigur der Schwulenszene Amerikas war. Die Aftershowpartys von Mercury waren berühmt BERÜCHTIGT !
Sein letzter großer Hit, schon von Aids geschlagen war „the show must go on“.
Ein religiöses Interesse, diffuser Art spreche ich Bowie nicht ab, an einem echten Glauben aber hab ich starke Zweifel. Gott sieht ins Herz !

Max
2 Tage vor

@Robert Renk du hast natürlich Recht, es wirkt tatsächlich oft bemüht, Prominenten unbedingt einen klaren biblischen Glauben zuzuschreiben, und da ist Skepsis berechtigt.

Allerdings ist das m. E. nur ein Aspekt. Spannend ist doch auch, welche Fragen nach Sinn, Transzendenz und Wahrheit in Musik, Literatur, bildender Kunst usw. auftauchen. Francis Schaeffer hat ja ebenfalls betont, dass Kunst oft solche tieferen Fragen widerspiegelt, unabhängig davon, ob jemand ein klares Glaubensbekenntnis hat. In diesem Licht kann man Bowies Umgang mit religiösen Motiven eher als Ausdruck einer Suche sehen als als Beweis für echten Glauben. Und klar, das muss nicht für jeden Christen interessant sein. Manche finden gerade diese kulturelle Perspektive spannend, andere weniger.

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