Tatiana Llaguno: Feminismus ist Projekt der Linken

Die Philosophin und Politikwissenschaftlerin Tatiana Llaguno steht in der Tradition von Hegel, Marx und der Kritischen Theorie. Sie gehört zu den prominenten Familienabolitionistinnen, die Ehe, Mutterschaft und Hausarbeit als Formen der Unterdrückung von Frauen bekämpfen. Wegbereiterin des heutigen Familienabolitionismus ist für sie Simone de Beauvoir.

In einem Interview, das sie kürzlich dem PHILOSOPHIE MAGAZIN gegeben hat (Sonderausgabe Nr. 38, Herbst 2026, S. 108–110, hier S. 110), sieht sie Simone de Beauvoir, den Feminismus, und sich selbst in der Tradition des Sozialismus stehend. Zitat: 

Heute enden viele Ehen in Deutschland mit einer Scheidung, immer mehr Menschen bleiben kinderlos und unverheiratet, es entstehen alternative Formen des Zusammenlebens. Stehen diese Entwicklungen im Einklang mit der Abschaffung der Familie?

Es stimmt – und das ist eine gute Nachricht –, dass wir heute mehr Freiheit bei der Wahl unserer Beziehungen haben. Aber die Abolitionistinnen erinnern uns daran, dass es beim feministischen Kampf nicht nur um mehr Wahlmöglichkeiten in unserem Privatleben geht: Solange die Sorgearbeit unberührt bleibt, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Die Familie wird nicht abgeschafft werden, solange Sorgearbeit privatisiert bleibt. Simone de Beauvoir hat sich in diesem Punkt unmissverständlich geäußert: „Frauen, die für die Emanzipation der Frauen kämpfen, können nicht wirklich Feministinnen sein, ohne der Linken anzugehören, denn obwohl der Sozialismus nicht ausreicht, um die Gleichstellung der Geschlechter zu gewährleisten, ist er doch notwendig.“

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