Autorenname: Ron

In Großbritannien Abtreibung bis zur Geburt bald straffrei?

Das britische Oberhaus hat den Weg für Spätabtreibungen freigemacht. Die Erzbischöfin von Canterbury stimmte zwar gegen diese Entscheidung, sprach sich jedoch auch gegen eine Strafverfolgung von Frauen aus, die abtreiben. Dies hätte praktisch zur Folge, dass Kinder im neunten Monat straflos getötet werden dürften.

DIE TAGESPOST berichtet:

Das britische Oberhaus hat am gestrigen Mittwochabend über den „Crime and Policing Bill“ debattiert und dabei eine Änderung der „Klausel 208“ mehrheitlich abgelehnt. Die von der Labour-Abgeordneten Tonia Antoniazzi hinzugefügte Klausel fügt dem Strafrechtsreform-Entwurf die Streichung der Bestrafung von Abtreibung hinzu. Tritt die Reform in Kraft, bleibt Abtreibung bis zur Geburt in Großbritannien künftig straffrei. Ebenfalls abgelehnt hat das Oberhaus eine Änderung am Gesetzespaket, die die Wiedereinführung der Beratungspflicht vor Abtreibungen zum Gegenstand hatte. Damit ist die weitgehende Liberalisierung der Abtreibung in Großbritannien ein großes Stück weitergekommen. Nominell wird Abtreibung zwar weiterhin nur bis zur 24. Schwangerschaftswoche erlaubt, doch wird eine spätere Abtreibung nach der Neuregelung nicht mehr bestraft.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Glaubensvertiefung als Handwerk

Bei Evangelium21 ist ein Artikel von Wolf Christian Jaeschke und mir über das Thema „Glaubensvertiefung“ erschienen. Dabei wird hervorgehoben, dass „Jüngerschaft“ zwar immer noch gern gelehrt wird, aber oft die praktische Hinführung fehlt. Zitat:

Um die andere Seite allerdings, die des gemeinsamen Unterwegsseins im Alltag und der persönlichen Begleitung in der praktischen Nachfolge Jesu, ist es oft weniger gut bestellt.

Ja, wir lehren Jüngerschaft, und das ist sehr wichtig. Aber wir zeigen nicht unbedingt, wie sie konkret im Alltag aussieht. Bildlich gesprochen: Bei der Vertiefung des Glaubens ist uns das Schulmodell wesentlich vertrauter als das Modell des ausbildenden Handwerksbetriebs.

Checkfrage: Was hilft einem am meisten, wenn man irgendetwas Kompliziertes ausfüllen, zusammenbauen, reparieren, programmieren usw. muss? Schriftliche Instruktionen sind ein guter Anfang. Noch besser ist ein Video aus dem Internet, in dem ein freundlicher Mensch das Ganze Schritt für Schritt vormacht. Und am liebsten wäre es uns wohl, dieser freundliche Mensch säße sogar leibhaftig neben uns und könnte uns zeigen, wie man’s macht.

Auch im praktischen Christenleben ist hier ein großer Bedarf. Und gerade weil es um Praxis geht, ist hier der ideale Einsatzort für Ehrenamtler. Nicht alle Christen sind begabte Prediger, Katecheten, Evangelisten und Apologeten. Aber (fast) jeder Christ kann sich über das, was er täglich im Glauben erlebt, mit jüngeren Christen austauschen. Dies ist dann weniger ein zusätzlicher Programmpunkt im sowieso schon angefüllten Gemeindeleben, sondern Bestandteil einer informellen Gemeindekultur.

Der bekannte kanadische Neutestamentler Don Carson schrieb einmal:

„Du, der du älter [im Glauben] bist, solltest dich umschauen nach jüngeren Leuten und ihnen … sagen: ‚Schau mir zu!‘ Komm – ich zeige dir, wie man Familienandachten hält. Komm – ich zeige dir, wie man die Bibel studiert. Komm – ich erkläre dir ein paar Grundlagen des Glaubens. Komm – ich zeige dir, wie man betet. Komm – ich zeige dir, wie man ein gläubiger Ehemann und Vater, eine gläubige Ehefrau und Mutter ist. An einem bestimmten Punkt des Lebens sollte der ältere Mentor anfangen, auch andere Dinge zu sagen, zum Beispiel: Ich zeige dir, wie man stirbt. Schau mir zu.“

Das alles geschieht in unseren Gemeinden offenbar zu wenig. Es hatte sicher seinen Grund, dass Carson es thematisiert. Er zählt hier eine ganze Palette an Themen auf, die von allen möglichen Seiten an einen herangetragen werden können. Sie stammen aus den verschiedensten Entwicklungsphasen des Christseins, ein buntes Durcheinander von „Anfängerfragen“ und „weiterführenden Fragen“.

Mehr: www.evangelium21.net.

Übrigens wird es zu dem Thema ein zweitägiges Seminar auf der E21-Hauptkonferenz vom 30. April bis 2. Mai 2026 in der Arche-Gemeinde in Hamburg geben. Für die Konferenz mit dem Oberthema „Glaube, der bleibt – von Generation zu Generation“ kann man sich hier anmelden.

Die Massenuniversität frisst ihre Kinder

Der Althistoriker Michael Sommer beschreibt in einem WELT-Beitrag den Niedergang der Bildung in Deutschland, der nun durch die KI-Welle noch einmal beschleunigt wird. 

Zitat: 

Die Umorientierung der jungen Leute – weg von Ausbildungsberufen, rein in die Hochschulen – bekamen nicht nur die Arbeitgeber zu spüren, sie veränderte auch die Universitäten nachhaltig. Viele angehende Studenten glaubten nur zu gerne, was ihnen Politik und Elternhäuser versprachen: dass das Studium die Eintrittskarte für ein besseres Leben, vor allem besser bezahlte Jobs sein würde. Die Motivation, mit der Abiturienten ein Studium aufnehmen, hat sich so grundlegend gewandelt wie die Fertigkeiten, mit denen sie in die Hochschule kommen. Die intrinsische Motivation, sich auf Wissenschaft einzulassen, ist der extrinsischen Motivation gewichen, durch das Studium von der vermeintlichen Pole Position in den Arbeitsmarkt zu starten.

Die Politik hat – europaweit – auf die gewandelte Rolle der Universitäten reagiert, indem sie mit der Bologna-Reform das Studium in eine Prüfungsrallye umfunktioniert hat. Im Vordergrund steht statt sperriger Inhalte und Methoden das Sammeln von Zertifikaten, die den Absolventen als formal qualifiziert ausweisen. Weil aber die Grundbedingung der Studierfähigkeit mittlerweile bei mehr als der Hälfte der Studienanfänger nicht mehr oder nur noch zum Teil gegeben ist, verkommt das Zertifikatesammeln zur Farce. Alle wissen es, aber die Hochschulen sind willige Komplizen, weil sie ihre Größe und relative Finanzkraft den Studentenarmeen verdanken, die sie bis zum Examen durchschleusen.

Die Künstliche Intelligenz ist jetzt der Lackmustest für die Massenuniversität. Dass Professoren zurecht fürchten, von einer neuen, die Plagiatswelle noch übertreffenden Betrugslawine überrollt zu werden, ist im Grunde die Anerkenntnis dessen, dass die Universitäten heute ein dysfunktionales System sind und den Test nicht bestanden haben. Denn zum Betrügen gehören außer der KI noch zwei: Studenten, die sich Zertifikate erschleichen, und Professoren, die sie damit durchkommen lassen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Francis Schaeffer: Das Kreuz und wahre Geistlichkeit

Bruce A. Little beschreibt in seinem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), wie Francis Schaeffer geistliches Leben verstand (S. 74–75): 

Schaeffer erklärte: „Wenn wir etwas von der Wirklichkeit des christlichen Lebens, etwas von wahrer Geistlichkeit erfahren wollen, müssen wir ‚täglich unser Kreuz auf uns nehmen‘.“ Jesus sagte: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27). Schaeffer wies darauf hin, dass Jesus „nicht sagt, dass ein Mensch ohne dies nicht gerettet werden kann, sondern dass man nicht zu Christus gehört, im Sinne der Nachfolge.“ Die Vorstellung von unserem Kreuz ist nicht irgendeine Unannehmlichkeit oder Widrigkeit im Leben, vielmehr ist das Kreuz ein Instrument des Todes, wie Schaeffer in Geistliches Leben – was ist das? deutlich machte. Es bedeutet, die eigenen egoistischen Wünsche zu verleugnen und die eigenen Wünsche im Interesse Gottes zu ordnen.

Die Frage, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist keine einfache Angelegenheit; tatsächlich ist es schwer, wie Schaeffer erklärte: „Wir sind von einer Welt umgeben, die zu nichts ‚Nein‘ sagt. Wenn wir von dieser Art von Mentalität umgeben sind, in der alles nach Größe und Erfolg beurteilt wird, dann muss es schwer erscheinen, plötzlich zu erfahren, dass es im christlichen Leben diesen starken negativen Aspekt gibt, zu Dingen und zu sich selbst ‚Nein‘ zu sagen. Und wenn es sich uns nicht schwer anfühlt, lassen wir es nicht wirklich auf uns wirken.“ Es bedeutet, „Nein“ zu den Wegen der Welt und zur Verführung durch die eigenen egoistischen Wünsche zu sagen. Wie bereits erwähnt, sagt die Bibel, dass dies möglich ist, weil wir der Welt gekreuzigt sind und die Welt uns. Dieses Aufnehmen unseres Kreuzes ist jedoch keine einmalige Entscheidung; es ist Teil eines Lebens von Augenblick zu Augenblick in der Realität von Christi Tod und Auferstehung, und es erfordert Opfer und Hingabe. Wie Schaeffer zugab, ist es schwer.

Schaeffer betitelte Kapitel zwei von Geistliches Leben – was ist das? mit „Die Zentralität des Todes“. Dort untersuchte er die Schriftstellen bezüglich der Rolle des Todes für das Verständnis der Botschaft vom Wandeln in der Neuheit des Lebens – der wahren Geistlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem „Wandeln in der Neuheit des Lebens“ lesen wir: „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib, dass ihr seinen Begierden gehorcht“ (Röm 6,12). Es ist schwer, „Nein“ zu den Dingen der Welt zu sagen, die uns anziehen, doch sie führen Krieg gegen die Seele. Das zuvor erwähnte Lied „Moment by Moment“ drückt es so aus: „Mit Jesus sterben, den Tod als meinen annehmen, für Jesus ein neues göttliches Leben leben.“ Die Idee des Kreuzes besteht darin, alles abzulehnen, was den Wunsch untergräbt, für Christus zu leben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14,6). Christen sollen aus der Realität von „Christus in mir“ leben und ihren Anspruch auf ein autonomes Leben aufgeben. Laut Schaeffer muss diese Wahrheit verwirklicht werden, wenn Selbstverleugnung mehr sein soll als bloßer Legalismus. Dies ist der Kern von Schaeffers Lehre über wahre Geistlichkeit.

Wie hat die frühe Kirche getauft?

In der Taufdiskussion kommt man meiner Meinung nach nicht an der „Aland–Jeremias-Kontroverse“ vorbei. Joachim Jeremias hat die frühe Säuglingstaufe differenziert verteidigt. Kurt Aland widersprach und entwickelte eine starke historisch-exegetische Kritik der Säuglingstaufe.

Die wichtigen Publikationen dazu sind:

  • Joachim Jeremias, Hat die älteste Christenheit die Kindertaufe geübt?, Göttingen, 1938.
  • Joachim Jeremias, Die Kindertaufe in den ersten vier Jahrhunderten, Göttingen, 1958.
  • Joachim Jeremias, Nochmals: Die Anfänge der Kindertaufe. Eine Replik auf Kurt Alands Schrift „Die Säuglingstaufe im Neuen Testamen und in der alten Kirche”, München, 1962.
  • Kurt Aland, Die Säuglingstaufe im Neuen Testament und in der alten Kirche. Eine Antwort an Joachim Jeremias, München 1961.
  • Kurt Aland, Die Stellung der Kinder in den frühen christlichen Gemeinden – und ihre Taufe, München 1967.
  • Kurt Aland, Taufe und Kindertaufe. 40 Sätze zu Aussagen des Neuen Testaments, Gütersloh, 1971.

Aus baptistischer Sicht ist noch das Buch Baptist in the New Testament aus dem Jahr 1962 interessant, das später auch in deutscher Sprache herausgegeben wurde als: 

  • Beasley-Murray, George R., Die christliche Taufe: Eine Untersuchung über ihr Verständnis in Geschichte und Gegenwart, Kassel, 1968.

Nicht jeder wird die Zeit haben, viele Bücher zur Frage der Taufpraxis in der frühen Kirche zu lesen. Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, kann man sich einen Blogbeitrag von Wyatt Graham zum Thema anschauen. Der Einstieg jedenfalls klingt spannend:

Kaum eine Lehre trennt die Christen so sehr wie die Lehre von der Taufe. Und doch haben Christen stets betont, dass die Taufe uns zu einem Leib vereint. Wie können wir also diesen unschönen Zustand überwinden? Nun, durch Gottes Gnade, durch viel Gebet, Besinnung und den Heiligen Geist. Als möglichen ersten Schritt in diesem Prozess könnten wir uns auch damit befassen, wie Christen in den ersten zweihundert Jahren des Christentums tauften. Zum größten Teil waren sie sich trotz regionaler Unterschiede über die Bedeutung der Taufe einig.

Vielleicht finden wir in ihnen ein Vorbild dafür, wie man Meinungsverschiedenheiten ausräumen und gleichzeitig in den wesentlichen Punkten vereint bleiben kann. Aber selbst wenn nicht, kann uns diese historische Betrachtung helfen, besser zu verstehen, was Christen unter der Taufe verstanden haben. Das scheint mir an sich schon lohnenswert zu sein.

Im Folgenden skizziere ich daher, wie die frühen Christen die Taufe verstanden und praktiziert haben. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte lediglich aufzeigen, wie einige repräsentative christliche Gemeinschaften in den ersten beiden Jahrhunderten des Christentums die Taufe verstanden und praktiziert haben.

Methodisch habe ich versucht zu erklären, wie Christen in den ersten Jahrhunderten die Taufe mit ihren eigenen Worten beschrieben haben. Die Gläubigen in diesen frühen Jahrhunderten sahen keine Notwendigkeit, die Mechanismen der Taufe übermäßig zu nuancieren oder zu artikulieren. Sie hatten keine jahrhundertelangen Taufdebatten wie wir.

Aus diesem Grund bekräftigen sie die Notwendigkeit der Taufe in biblischer Sprache, unbeeinträchtigt von späteren Debatten. Ich hoffe, dass dieser Artikel den Lesern hilft, sowohl die grundlegende Kontinuität zu erkennen, die wir mit den frühen Christen teilen, als auch wahrzunehmen, wie anders diese Welt ist.

Vor diesem Hintergrund beginnt dieser Artikel kurz mit einer Erörterung der Taufwaschungen vor dem Neuen Testament, bevor er sich mit dem Neuen Testament und auch mit christlichen Schriftstellern bis etwa 250 n.Chr. zum Thema Taufe befasst.

Hier: www.wyattgraham.com.

Ein letztes Gespräch über letzte Dinge

Friedrich Wilhelm Graf (lehrte früher evangelische Theologie an der LMU in München) beschreibt in der FAZ sein letztes Gespräch mit Jürgen Habermas (FAZ, 16.03.26, Nr. 63, S. 11). Hier ein Auszug: 

Starnberg, 5. Januar. Nach dem üblichen Mittagessen beim Italiener in Söcking sprachen wir mehrere Stunden lang miteinander. Zunächst ging es, wie schon so oft, um Religion und Christentum. In einem kurzen Beitrag zur Festschrift für seinen Schüler Thomas Schmid, den wenige Tage zuvor gestorbenen Frankfurter katholischen Theologen und Religionsphilosophen, hatte er neuerlich darauf insistiert, dass eine nur schwache, rein symbolische Transzendenz des Einzelnen den starken Hoffnungspotentialen der alten christlichen Eschatologie nicht gerecht werde. Eine liberaltheologische Formel wie „Kein Mensch geht im Vorhandenen auf“ drohe die Substanz des Christlichen preiszugeben.

Aber Jürgen Habermas wusste auch, wie voraussetzungsreich und schwierig es unter postmetaphysischen Reflexionsbedingungen ist, alte Glaubensgehalte in einer intersubjektiv kommunikablen, also rationalen Sprache zu vergegenwärtigen. Dass ein Übersetzer in beiden Sprachwelten zu Hause sein müsse, es aber nicht mehr allzu viele religionssensible Vernunftdeuter gebe, räumte er ein. Er beschwor elementare Rettungsgewissheit und erinnerte gern an Gershom Scholem. Dessen Beerdigung im Februar 1982 in Jerusalem sei die berührendste, irgendwie schönste gewesen, an der er je teilgenommen habe. Vor Särgen, am offenen Grab sei ihm die heilsame Kraft von Kult und religiösem Ritus deutlich geworden.

Kirchen verlieren 1,2 Millionen Mitglieder in einem Jahr

Der Abwärtstrend setzt sich unvermindert fort: Zahlreiche Mitglieder verlassen die evangelische und die katholische Kirche. Die Zahl der Taufen kann die Zahl der Sterbefälle und Austritte bei Weitem nicht ausgleichen. DIE WELT meldet:

Die aus den am Montag von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten vorläufigen Zahlen hervorgeht, zählten sie Ende 2025 zusammen noch 36,6 Millionen Mitglieder. Das waren rund 1,2 Millionen Menschen weniger als im Jahr zuvor.

Der evangelischen Kirche gehörten demnach noch 17,4 Millionen Menschen an (2024: 18 Millionen), der katholischen Kirche 19,2 Millionen Menschen (2024: 19,8 Millionen). Die Zahlen zeigen, dass der Trend nach unten unvermindert fortschreitet.

So meldet die EKD, dass der Mitgliederrückgang wie im Vorjahr 3,2 Prozent betrug. Auch bei den Detailzahlen zeigt sich eine kontinuierliche Entwicklung: 350.000 Menschen traten aus einer der 20 evangelischen Landeskirchen aus, rund 5000 mehr als im Vorjahr. 330.000 Mitglieder starben, rund 5000 weniger als 2024. Weiterhin kann die geringere Zahl an Taufen (105.000) und Aufnahmen (16.000) den Verlust nicht aufwiegen.

Hier: www.welt.de.

Das ewige Gefühl, dass es nicht reicht

Kevin DeYoung schreibt in dem Buch Christsein schafft eh keiner (Verbum Medien, 2026, S. 88, #ad) über die Hartnäckigkeit von Schuldgefühlen (er beruft sich dabei auf „The Strange Persistence of Guilt“ von Wilfred M. McClay): 

McClay stellt fest, dass Schuld trotz aller Bemühungen von Nietzsche und Freud nicht ausgerottet werden konnte. Nietzsche glaubte, dass der Mensch durch den„Tod“ Gottes keine Schuldgefühle mehr mit sich herumtragen würde, während Freud versuchte, Schuld von ihrer moralischen Komponente zu befreien, indem er sie zur subjektiven und emotionalen Pathologie erklärte. Aber heute, mitten im 21. Jahrhundert, müssen wir feststellen, dass Nietzsches aggressiver Säkularismus und Freuds therapeutische Revolution das quälende Gefühl nicht überwinden konnten, das die meisten von uns mit sich tragen. Es ist ein Gefühl, dass wir nicht genug tun und dass das, was wir tun, nicht gut genug ist.

Jürgen Habermas (1929–2026)

Jürgen Habermas, einer der einflussreichsten Philosophen Deutschlands im 20. Jahrhundert, ist heute verstorben. Sein Verlag meldet

Jürgen Habermas ist am 14. März 2026 in Starnberg verstorben.

1929 in Düsseldorf geboren, gilt Habermas als bedeutendster Philosoph und Soziologe Deutschlands. Von 1949 bis 1954 studierte er in Göttingen, Zürich und Bonn die Fächer Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie. Er lehrte unter anderem an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main sowie der University of California in Berkeley und war Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Mit seinem Werk Erkenntnis und Interesse wurde 1973 die Reihe suhrkamp taschenbuch wissenschaft begründet, die seither Klassiker der Theorie mit innovativen Publikationen verschiedener Wissenschaftsbereiche verbindet.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten und Abhandlungen erhielt Habermas zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Jahr 2001. 2019 legte Habermas einen Doppelband vor: In seinem opus magnum Auch eine Geschichte der Philosophie zeichnet er die sukzessive Säkularisierung der Philosophie und die zeitgenössischen Transformationen in Wissenschaft, Recht, Politik und Gesellschaft nach. Zuletzt erschien im Herbst 2024 der Band »Es musste etwas besser werden …«. In Gesprächen mit Stefan Müller-Doohm und Roman Yos erzählte Habermas darin von dem Entstehungsprozess seines Werks, prägenden kollegialen Begegnungen und von den Umständen, unter denen sein philosophisches Denken sich entwickelte.

Es sieht fast so aus, als ob seine Kritik der profillosen kirchlichen Verkündigung eine seiner letzten öffentlichen Verlautbarungen war. Habermas hatte im Vorwort eines Buches gesagt, dass unklare Theologien die Grundlagen des Glaubens infrage stellten. Die Kirchen sollten daher weiterhin die Transzendenz betonen (vgl. hier).

Habermas, der nach dem, was wir wissen, nicht fromm geworden ist (kein Gott führt uns zur Wahrheit und Moral), hatte das christliche Evangelium gut verstanden und in seiner Philosophiegeschichte treffend zusammengefasst. Ich gebe hier nochmals wieder, was ich im Dezember 2019 von ihm zitiert hatte. Habermas schreibt: 

Im Mittelpunkt steht der bahnbrechende Gedanke, dass Gott mit dem stellvertretenden Opfer seines Sohnes der tätigen, aber aus eigener Kraft ohnmächtigen Reue der sündigen Menschheit zuvorkommt: »Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.« (Röm 5,8) Die Notwendigkeit für dieses unverdiente »Zuvorkommen« Gottes ergibt sich aus dem Umstand, dass die Menschen zu tief in Sünde verstrickt waren – viel zu tief, um auf Vergebung hoffen zu können, wenn Gott nur eine gerechte Abwägung ihrer eigenen Leistungen vornehmen würde. Es ist der in der Bibel selbst beschriebene heillose Verlauf der Geschichte des jüdischen Volkes, die den Juden Paulus in die prophetischen Worte einstimmen lässt: »Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen; es gibt keinen Verständigen, keinen, der Gott sucht. Alle sind abtrünnig geworden, alle miteinander taugen nichts. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen.« (Röm 3,10–12) Die von der adamitischen Erbsünde gezeichnete, in Sünde verstrickte Menschheit ist auch dort, wo sie unter dem Gesetz lebt, so schwach, dass sie der Vergebung aus Gnade bedarf. Während das Alte Testament Gehorsam gegenüber den mosaischen Gesetzen verlangt, überfordern die weiterreichenden Grundsätze der christlichen Liebesethik, das heißt Feindesliebe und unbedingte Vergebungsbereitschaft, die menschlichen Kräfte erst recht. Selbst der religiöse Virtuose versagt vor ihnen und ist auf die Gnade Gottes angewiesen. Daher konnte die Menschheit nur durch die Selbsthingabe Gottes gerettet werden, und darin besteht die Verheißung des Kreuzestodes: »Umsonst werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.« (Röm 3,24) Wenn aber die gnadenbedürftigen Menschen derart »unter der Herrschaft der Sünde stehen« (Röm 3,9), muss sich auch das Verhältnis von Gesetzesgehorsam und Glaubenstreue verändern. »Glaubensgerechtigkeit«, und das ist die allein durch den Glauben an den gnädigen Gott zu erhoffende Rechtfertigung, erhält absoluten Vorrang vor der Werkgerechtigkeit. Und damit verändert sich auch der Heilsweg selbst: »Dass aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht gemacht wird, ist offenkundig; denn: Der aus Glauben Gerechte wird leben.« (Gal 3,11)

Habermas’ Leben und Werk werden in einer arte-Dokumentation – von der gegenderten Sprache abgesehen – gut skizziert. Sie kann hier abgerufen werden: www.arte.tv.

„Gesellschaftliche Zeitbombe“

Alle sind auf einmal überrascht: Fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren weist einer aktuellen Studie zufolge Affinität zu islamistischen Einstellungen auf.

Ich glaube, es wird jetzt ein paar Talkshows zu dem Thema geben und dann geht das einfach so weiter. Bekannt ist nämlich dieser Trend seit vielen Jahren und es ist so gut wie nichts passiert. Ganz im Gegenteil. Wer diese Zeitbombe thematisiert hat, wurde als islamophob hingestellt. Es ist gar nicht so lange her, dass ein ranghoher SPD-Politiker dafür plädiert hat, den Kampf gegen Islamfeindlichkeit in der Verfassung zu verankern

Ich zitiere aus einem aktuellen WELT-Beitrag: 

Nach der Veröffentlichung einer aktuellen Studie, wonach fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren Affinität zu islamistischen Einstellungen aufweist, zeigen sich Politiker und Experten entsetzt. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte der „Bild“-Zeitung, er sehe in den Ergebnissen eine „gesellschaftliche Zeitbombe“. „Die Politik des naiven Wegsehens hat diese Entwicklung begünstigt. Die Naivität muss aufhören“, sagte er. Er fordert ein Kopftuchverbot im Staatsdienst sowie an Schulen für Kinder unter 14 Jahren.

Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft erklärte, Extremisten würden „eine fatale politische Korrektheit, Ignoranz und Tabuisierung, also unsere Schwäche“ ausnutzen. „Überall sehen wir Islamisten, die ihre verfassungsfeindliche Machtstruktur ausbreiten, selbstbewusster werden und den Rechtsstaat provozierend herausfordern.“

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) betonte, dass das Grundgesetz sowie das Strafrecht keine Scharia kennen. „Wir müssen damit rechnen, dass es im Gewand von Religion und Multikulti zunehmend gezielte Provokationen gegen Recht und Gesetz geben wird, denen unsere Sicherheitsbehörden schon im Keim offensiv und robust begegnen müssen“, erklärte er.

Mehr: www.welt.de.

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