Der Verlag Hexham Press publiziert in Zusammenarbeit mit dem Acton Institut und der Kuyper Translation Society 12 BĂ€nde mit der politische Theologie von Abraham Kuyper in englischer Sprache. Es heiĂt dazu in einer Mitteilung zum Geburtstag von Kuyper:
Kuyperâs Collected Works in Public Theology include eight key works spread across 12 volumes:
- In Kuyperâs seminal three-volume work, Common Grace, he presents a constructive public theology of cultural engagement rooted in the common humanity Christians share with the rest of the world.
- In Pro Rege, Kuyper applies the principles laid out in Common Grace to life under the lordship of Christ.
- In Our Program, Kuyper constructs a Christian alternative to the secular politics of his day. His political program sees the church and state engaging fully with each other while remaining fully separate.
- The six other volumes in the collection are anthologies of Kuyperâs thoughts, writings, and speeches on a wide variety of subjects: caring for the poor and personal social ethics; Christianityâs relationship to Islam; the church and ecclesiology; business & economics; and education.
Die BĂ€nde können elektronisch fĂŒr die Software Logos oder als gedruckte BĂŒcher erworben werden. Ein Kombi-Angebot gibt es ebenfalls.
Mehr Informationen und ein kurzes EinfĂŒhrungsvideo gibt es hier:Â blog.logos.com.
Da Abraham Kuyper in Deutschland weniger bekannt ist, hier noch ein zur Werkausgabe passender Auszug aus dem Aufsatz âAbraham Kuyperâ, aus:Â Vergangenheit als Lernfeld, Bonn, 2015, S. 255â266, hier S. 258â262):
[Kuyper] hoffte, die Volkskirche theologisch und strukturell reformieren zu können, stieĂ jedoch auf so viele WiderstĂ€nde, dass es schlieĂlich wie schon 1834 zu einer Abspaltung kam. 1886 entstand unter Kuypers Einfluss die neue Gereformeerde Kerken in Nederland, in der unter groĂen MĂŒhen ungefĂ€hr 400.000 âAbgetrennteâ zusammengefĂŒhrt werden konnten.
Kuyper fragte nicht nur nach dem angemessenen christlichen Einfluss auf die Kultur und die Gestalt der Kirche, sondern schenkte auch den christlichen Schulen groĂe Aufmerksamkeit. Die reformierten Schulen wurden 1806 in öffentliche Einrichtungen umgewandelt. âIn ihnen sollte die Erziehung âzur Bildung aller christlichen und gesellschaftlichen Tugendenâ dienenâ, wie es das Schulgesetz von 1857 spĂ€ter formulierte. Kuyper nahm an der Verchristlichung staatlicher Schulen AnstoĂ und plĂ€dierte fĂŒr die Errichtung konfessioneller Schulen. Neben den staatlichen wurden so auch protestantische und katholische Schulen eingerichtet, die freilich erst ab 1920 Fiskalen staatlichen Schulen gleichgestellt wurden.
Durch sein Interesse an der Schulpolitik lernte Kuyper den von ihm sehr geschĂ€tzten niederlĂ€ndischen Politiker und Historiker Guillaume Groen van Prinsterer kennen und wurde von ihm in die Politik eingefĂŒhrt. 1874 erfolgt die Wahl als Abgeordneter in die zweite Kammer des niederlĂ€ndischen Parlaments. Da Geistliche keine Parlamentsmitglieder sein durften, musste er seinen Pastorenberuf aufgeben. Groen und Kuyper machten sich fĂŒr eine Reformierung der niederlĂ€ndischen Gesellschaft in calvinistischem Sinne stark und bekĂ€mpften gegen den als Ăbel ihrer Zeit angesehenen Geist der Französischen Revolution. Auf diese Weise entstand die âerste wirklich organisierte politische Partei der Niederlande, die âAntirevolutionĂ€reâ oder âChristlich-Historische Parteiâ, deren GrundsĂ€tze Kuyper 1878 mit dem Manifest âOns Programâ aufstellte und durch ausfĂŒhrliche ErklĂ€rungen erlĂ€uterte.â Kuyper wollte die katholischen und liberalen EinflĂŒsse in den Niederlanden keinesfalls leugnen, stellt aber den durch die Reformation erlangten besonderen Charakter im Volke heraus. Er konnte allerdings als Parlamentsmitglied zu seiner groĂen EnttĂ€uschung nur wenig bewirken. Die Aufgaben im Parlament und groĂe publizistische AktivitĂ€ten wurden ihm bald zu viel. Er erlitt 1876, wie schon 1862, wegen Ăberarbeitung einen dramatischen SchwĂ€cheanfall und musste sich fĂŒr ein Jahr bei einem Auslandsaufenthalt in der Schweiz, in Italien und in Frankreich regenerieren. Er selbst schrieb, dass er in dieser Zeit der Krise âzur Entschiedenheit der entschiedenen und tiefgreifenden Religionâ seiner Vorfahren gefĂŒhrt wurde. SpĂ€ter, in den Jahren 1901 bis 1905, wurde er allerdings in Personalunion MinisterprĂ€sident und Innenminister der Niederlande und griff so nochmals aktiv in die Politik ein.
Als er nach Holland zurĂŒckkehrt, geht er weder in die Politik noch in den Pfarrdienst, sondern widmet sich zwei anderen gewaltigen Herausforderungen: Einerseits der Entwicklung âdes Calvinismus sowohl als Theologie wie als Lebensanschauung in einem System, das in den neuen Kontext des 19. Jahrhunderts paĂtâ, und andererseits der âAusbildung junger Menschen, die dieses Programm theoretisch auszubauen und in die Praxis umzusetzen gewillt sind.â Er sah kaum Chancen, diese ambitionierten PlĂ€ne an bestehenden UniversitĂ€ten umzusetzen, da er sich dort hĂ€tte mit dem akademischen Establishment arrangieren mĂŒssen. Er griff den bereits 1875 geĂ€uĂerten Gedanken einer UniversitĂ€tsgrĂŒndung wieder auf und beabsichtigte die Bildung einer UniversitĂ€t auf der Grundlage einer reformierten Weltanschauung. Kuyper wollte nicht nur das reformierte Bekenntnis gegenĂŒber Liberalismus, Modernismus und Vermittlungstheologie behaupten, sondern offensiv den âchristlichen Glauben fĂŒr alle FakultĂ€ten fruchtbar machenâ. 1880 wurde die Freie UniversitĂ€t Amsterdam (hollĂ€nd. âVrije Universiteit Amsterdamâ, abgekĂŒrzt VU) eröffnet. âFreiâ bedeutet in diesem Fall, dass die Hochschule âfreiâ von Kirche und Staat arbeitet und ausschlieĂlich von privaten TrĂ€gern finanziert wird. Die Hochschule verfolgte das erklĂ€rte Ziel, âdie reformierten Studenten zur Ăbernahme verantwortlicher gesellschaftlicher Positionen vorzubereitenâ. âHier kommt das Ideal einer Wissenschaft zum Ausdruck, die âsouverĂ€n im eigenen Bereichâ bleibt und weder unter der Vormundschaft des Staates noch unter kirchlichem Kuratel sich ihrer eigenen Art entfremdetâ. Im Jahre 1880 hatte sie 5 Studenten, 1885 zĂ€hlte sie 50 und 1900 126, davon studierten 76 Theologie. Sie hat ihrer Aufgabe jedoch erfĂŒllt, zur Entwicklung einer einheitlichen Geistesart der reformierten Volksschicht beigetragen und die nötigen fĂŒhrenden Köpfe geliefert.â
Kuyper wird Professor an der VU und lehrt vor allem Dogmatik, EnzyklopĂ€die der Theologie, niederlĂ€ndische Sprachwissenschaft, Linguistik und Ăsthetik. In dieser Zeit schreibt er seine gröĂten theologischen BĂŒcher. Das einzige wissenschaftliche Werk im engeren Sinn bildet seine drei BĂ€nde umfassende EnzyklopĂ€die der Theologie. Schon im Vorwort dieser wissenschaftstheoretischen Schrift machter deutlich, dass er âeine Renaissance des Calvinismus intendiertâ. Kuyper möchte den kraftlos gewordenen Calvinismus, der teilweise sektiererische ZĂŒge mit starken Absonderungstendenzen aufwies, aus seiner Enge herausfĂŒhren und fĂŒr einen lebendigen Dialog mit der Gegenwartskultur zurĂŒsten. Er beabsichtigt also âkeine Repristination des ursprĂŒnglichen Calvinismus. Vielmehr gelte es, diesenâ in BerĂŒhrung [zu] bringen mit dem menschlichen Bewusstsein, wie sich dieses am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt hatâ.â Zu den anderen bedeutenden Werken gehören seine Pneumatologie (3 Bde.), die ErklĂ€rungen zum Heidelberger Katechismus (4 Bde.), eine Ausarbeitung zur Allgemeinen Gnade (3 Bde.) sowie eine Veröffentlichung zu reformierten Liturgie. All diese Publikationen sind Sammlungen von AufsĂ€tzen, die ursprĂŒnglich in der Wochenzeitschrift âDer Heroldâ erschienen sind.
Es muss erwĂ€hnt werden, dass Kuyper zu dieser Zeit einen sehr groĂen Einfluss auf den ebenfalls bedeutenden Theologen Herman Bavinck ausgeĂŒbte und es ihm nach mehreren vergeblichen AnlĂ€ufen 1902 endlich gelang, Bavinck als Professor fĂŒr Dogmatik und Dogmengeschichte an die VU zu holen. Bavinck hat viel von Kuyper gelernt und ein durchaus freundschaftliches VerhĂ€ltnis zu ihm gepflegt. Andererseits konnte der ziemlich eitle Kuyper die AttitĂŒden eines Generals entwickeln und Menschen derb verletzen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Beziehung zwischen Kuyper und dem eher feinsinnigen âSchĂŒlerâ spĂ€ter abkĂŒhlte und Bavinck vereinzelt auch gegen Kuyper Stellung bezog.
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