Autorenname: Ron

PÀivi RÀsÀnen und das Scheitern der Gesetze gegen Hassreden

Weltweit sind Beobachter entsetzt, was das Urteil gegen PĂ€ivi RĂ€sĂ€nen und Bischof Juhana Pohjola anbetrifft. Verteilt wurden die beiden fĂŒr Formulierungen in einer BroschĂŒre, die im Jahr 2004 erschienen ist. Das Gesetz, auf dessen Grundlage das Urteil gesprochen wurde, stammt allerdings aus dem Jahr 2011. Da das Gesetz nicht rĂŒckwirkend angewandt werden kann, wurde vom Gericht hervorgehoben, dass die Verbreitung der BroschĂŒre als Straftatbestand angesehen wird, nicht das Verfassen des Textes im Jahr 2004.

Robert Clarke holt in seinem Kommentar weiter aus und zeigt, dass an dem Fall deutlich wird, wie problematisch die Gesetze gegen Hassrede allgemein sind. 

Zitat: 

Am 26. MĂ€rz fĂ€llte der Oberste Gerichtshof Finnlands sein Urteil im Fall von PĂ€ivi RĂ€sĂ€nen, einer Ärztin, Großmutter und langjĂ€hrigen Abgeordneten des finnischen Parlaments. Das Gericht befand sie wegen einer von ihr im Jahr 2004 verfassten kirchlichen BroschĂŒre, in der sie ihre Ansichten zur Sexualmoral darlegte, der „Beleidigung“ fĂŒr schuldig. Aufgrund dieser jahrzehntealten BroschĂŒre wurde sie strafrechtlich verurteilt, weil sie „einen Text der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht hat, der eine Gruppe beleidigt“.

Finnlands oberstes Gericht verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro – wodurch sie vorbestraft wurde – und ordnete an, die beanstandeten Passagen zu vernichten und aus dem Internet zu entfernen. GlĂŒcklicherweise sprach das Gericht RĂ€sĂ€nen einstimmig von einem Vorwurf aus, der sich auf einen Tweet aus dem Jahr 2019 bezog, in dem sie die UnterstĂŒtzung einer Pride-Veranstaltung durch ihre Kirche kritisiert und aus dem Römerbrief zitiert hatte – der Auslöser fĂŒr ihre gesamte Tortur. Der Fall hat sich fast sieben Jahre lang durch die finnischen Gerichte gezogen, seit die Polizei nach ihrem Tweet erstmals Ermittlungen gegen RĂ€sĂ€nen aufgenommen hatte.

Die christliche Abgeordnete war Gegenstand polizeilicher Ermittlungen, drei Strafanzeigen, drei Gerichtsverfahren und nun einer Verurteilung wegen „Hassrede“ gemĂ€ĂŸ dem Abschnitt „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ des finnischen Strafgesetzbuchs. All dies, weil sie ihre Überzeugungen friedlich in der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht hatte.

Das zentrale, implizite Versprechen von Gesetzen gegen „Hassrede“ ist, dass es eine klar definierbare Grenze zwischen zulĂ€ssiger und strafbarer Äußerung gibt. Der Fall RĂ€sĂ€nen macht dieses Versprechen zunichte. Elf Richter auf drei Ebenen der finnischen Justiz versuchten ĂŒber sechs Jahre lang, die Grenze zu ziehen. Sie konnten sich nicht einigen. Das Bezirksgericht Helsinki sprach RĂ€sĂ€nen 2022 einstimmig von allen Anklagepunkten frei. Dasselbe tat das Berufungsgericht im Jahr 2023. Dann war das Oberste Gericht mit 3:2 Stimmen gespalten. Sein eigener Berichterstatter, der leitende Anwalt, der den Richtern eine formelle Empfehlung unterbreitet, kam zu dem Schluss, dass alle Anklagepunkte abgewiesen werden sollten. Zwei der fĂŒnf Richter stimmten zu; drei taten dies nicht.

Mehr: firstthings.com. Siehe auch den Kommentar „Finland’s Top Court Split on Christian Politician’s Hate Speech Charges“ von Ken Chitwood.

Die Axt an der Religionsfreiheit

Der Jurist David Wengenroth hat das Urteil des finnischen Obersten Gerichtshofes gegen PÀivi RÀsÀnen und Bischof Juhana Pohjola kommentiert. Ich zitiere: 

Die Verurteilung kommt ĂŒberraschend, weil die StaatsanwĂ€lte ihre Anklage auf eine abwegige BegrĂŒndung gestĂŒtzt hatten: Es sei „Hassrede“ gegen Homosexuelle, dass die Angeklagten öffentlich erklĂ€rt hatten, praktizierte HomosexualitĂ€t sei nach dem Urteil der Bibel SĂŒnde. Mit dieser Argumentation legten die AnklĂ€ger die Axt an die Wurzel der Religionsfreiheit: Von ihr bliebe nicht viel ĂŒbrig, wenn staatliche Gerichte den BĂŒrgern vorschreiben dĂŒrften, was man „SĂŒnde“ nennen darf und was nicht.

Der Oberste Gerichtshof schloss sich dieser Argumentation nicht an, aber auch seine BegrĂŒndung hinterlĂ€sst einen fiesen Nachgeschmack. Er verurteilte RĂ€sĂ€nen und Pohjola fĂŒr ein paar SĂ€tze aus einer 22 Jahre alten BroschĂŒre. Dabei stellten die Richter nicht auf die theologischen Aussagen des Textes ab, sondern auf einen Randaspekt: An einigen Stellen werde HomosexualitĂ€t als „Störung“ bezeichnet – und das sei eine Beleidigung fĂŒr homosexuelle Menschen.

Diese BegrĂŒndung sieht – um es ganz vorsichtig auszudrĂŒcken – einem Winkelzug verstörend Ă€hnlich. Sie nĂ€hrt den Verdacht, dass es den Richtern eher um das unbedingte Bestrafenwollen einer unliebsamen Meinung ging als um objektive Rechtsanwendung. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der christlichen Menschenrechtsorganisation ADF International, Paul Coleman, brachte die Unwucht des Urteils auf den Punkt: Das finnische „Hassrede“-Gesetz wurde ursprĂŒnglich erlassen, um gegen Nazi-Propaganda, Drohungen und Gewaltaufrufe im Netz zu kĂ€mpfen – jetzt dient es als Keule gegen ein paar politisch inkorrekte SĂ€tze in einer alten christlichen BroschĂŒre.

Auch wenn es keine direkten Auswirkungen auf die deutsche Rechtspraxis hat, wird dieses Urteil auch bei konservativen Christen in Deutschland zur Verunsicherung beitragen – zumal es Parallelen zum fragwĂŒrdigen Gerichtsverfahren gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel gibt. Auch in seinem Fall legten Richter und StaatsanwĂ€lte einen irritierenden Verfolgungseifer an den Tag, obwohl die angeklagten Äußerungen eindeutig keine Aufrufe zu Hass und Gewalt waren.

Mehr: www.idea.de.

Finnlands Oberster Gerichtshof spricht PĂ€ivi RĂ€sĂ€nen in einem Punkt fĂŒr schuldig

Es sind beunruhigende Nachrichten: Finnlands Oberster Gerichtshof spricht Abgeordnete zwar wegen des Bibel-Tweets frei, verurteilt sie jedoch wegen „Beleidigung“ in einer 20 Jahre alten KirchenbroschĂŒre in einem separaten Verfahren. 

Ich zitiere ADF International:

HELSINKI (26. MĂ€rz 2026) – In einer knappen 3:2-Entscheidung hat der finnische Oberste Gerichtshof die Abgeordnete PĂ€ivi RĂ€sĂ€nen wegen „Hassrede“ in einem Anklagepunkt fĂŒr schuldig befunden, der sich auf die Äußerung ihrer Überzeugungen zu Ehe und Sexualethik in einer zwanzig Jahre alten kirchlichen BroschĂŒre bezog. RĂ€sĂ€nen wurde strafrechtlich verurteilt, weil sie 2004 gemeinsam mit dem lutherischen Bischof Juhana Pohjola die BroschĂŒre fĂŒr ihre Kirche veröffentlicht hatte. Die Verurteilung erfolgte wegen „der Erstellung und öffentlichen ZugĂ€nglichmachung eines Textes, der eine Gruppe beleidigt“.

Der Oberste Gerichtshof sprach RĂ€sĂ€nen einstimmig von ihrem Tweet mit einem Bibelvers aus dem Jahr 2019 frei. RĂ€sĂ€nen war zuvor von zwei Vorinstanzen einstimmig in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Die langjĂ€hrige Abgeordnete und ehemalige Innenministerin wurde wegen „Hassrede“ gemĂ€ĂŸ einem Abschnitt des finnischen Strafgesetzbuchs mit dem Titel „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt.

Die Ärztin und Großmutter von zwölf Enkelkindern wurde Anfang 2022 und erneut 2023 vor Gericht gestellt, weil sie ihre Überzeugungen in einem Tweet aus dem Jahr 2019, der einen Bibelvers enthielt, sowie in einer Radiodebatte aus dem Jahr 2019 und einer KirchenbroschĂŒre aus dem Jahr 2004 zum Ausdruck gebracht hatte. Nachdem die Staatsanwaltschaft zum dritten Mal Berufung eingelegt hatte, hat der Oberste Gerichtshof, der den Fall im Oktober 2025 verhandelte, nun ĂŒber zwei der drei ursprĂŒnglichen Anklagepunkte entschieden: den Tweet und die KirchenbroschĂŒre. Der Oberste Gerichtshof wurde nicht gebeten, ĂŒber die Radiodebatte zu entscheiden, da die Staatsanwaltschaft dagegen keine Berufung eingelegt hatte; somit bleibt RĂ€sĂ€nens Freispruch fĂŒr die Debatte bestehen.

PĂ€ivi RĂ€sĂ€nen sagte: „Ich bin schockiert und zutiefst enttĂ€uscht, dass das Gericht mein grundlegendes Menschenrecht auf freie MeinungsĂ€ußerung nicht anerkannt hat. Ich stehe zu den Lehren meines christlichen Glaubens und werde weiterhin mein Recht und das Recht jedes Einzelnen verteidigen, seine Überzeugungen in der Öffentlichkeit zu Ă€ußern.“

Mehr: adfinternational.org.

Der Kreuzestod offenbart die Herrlichkeit des Christus

Im Johannesevangelium 13,31–32 lesen wir: 

Da Judas nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Ist Gott verherrlicht in ihm, so wird Gott ihn auch verherrlichen in sich und wird ihn bald verherrlichen. 

Mit der Entlassung des Judas hat die Verwirklichung des Heilsplans also eine weitere entscheidende Phase erreicht. Als Jesus Judas mit den Worten entließ: „Was du tust, das tue bald!“ (Joh 13,27), bekundete er seine entschlossene Bereitschaft, fĂŒr die Seinen in den Kreuzestod zu gehen. Durch diesen Gehorsam und diese Liebe wurde Jesus als Menschensohn verherrlicht bzw. erhöht.

Jesus hatte dem Volk schon zuvor erklĂ€rt, dass der Menschensohn erhöht werden muss (vgl. Joh 12,34). Schließlich muss in ErfĂŒllung gehen, was der Prophet Jesaja angekĂŒndigt hatte: „Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein“ (Jes 52,13).

Das heißt: Der Menschensohn wird gerade in dem Augenblick, der fĂŒr ihn Niederlage, Schande und Unheil zu bedeuten scheint, verherrlicht! Der grausame Tod am Kreuz lĂ€sst die Hoheit und Herrlichkeit von Jesus Christus offenbar werden.

Johannes Calvin hat das wunderbar erkannt und kommentierte den V. 32 mit den Worten (Das Evangelium des Johannes, Joh 13,32):

Anstatt die Hoheit Christi in Schatten zu stellen, hat vielmehr der erlittene Kreuzestod seine Hoheit erst ins rechte Lichte gestellt: in vollen Strahlen erglĂ€nzt von Golgatha aus seine unfassbar große Liebe fĂŒr die Menschheit, seine abgrundtiefe, die SĂŒhnung aller Schuld, die Versöhnung des Zornes Gottes bewirkende Gerechtigkeit, seine Heldenkraft, die in der Überwindung des Todes, in der Unterjochung Satans, in der Erschließung der Himmelspforten Wunder verrichtete. Was aber Christus hier von sich sagt, das findet auch auf uns seine Anwendung. Mag die ganze Welt sich verschwören, Schmach und Schande auf uns zu hĂ€ufen, wenn wir nach wie vor in Lauterkeit und von Herzen der Ehre Gottes zu dienen uns befleißigen, so ist kein Zweifel daran: auch Er wiederum wird uns Ehre zuwenden. Umso tröstlicher wird die Verheißung, die Christus gibt, dadurch, dass er betont, solches werde bald geschehen. Wenn nun auch die VerklĂ€rung, von welcher er hier redet, am Ostermorgen begann, so denkt er doch wohl vor allem an die bald danach erfolgende Ausbreitung des Evangeliums von ihm, der fĂŒr uns starb und auferstand, in aller Welt.

Simone Beck: christliche MĂ€rtyrerin im Jahr 2017

In dem von Helmut Moll veröffentlichten Booklet Christliche deutschsprachige MĂ€rtyrer (2000–2024), das 2025 im Dominos-Verlag erschienen ist, wird auch die Ermordung von Simone Beck geschildert. Simone ist eine ehemalige Studentin, vgl. dazu die Rezension „Ermodet in Kabul“. 

Ich zitiere aus dem Booklet (S. 33):

Im Jahre 2003 begann ihr Einsatz in Afghanistan. Ihr Alltag war eine Herausforderung: In Nordafghanistan wurde die KĂ€lte auf 3.000 Metern Höhe zu einer seelischen und körperlichen Belastung. Ihr Tagesablauf war minutiös geplant: Sie stand von FrĂŒhling bis Herbst gegen 4.30 Uhr auf und hielt sich durch einen Morgenlauf körperlich fit. Im MĂ€rz 2004 hatte sie einen Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen. In Afghanistan sind etwa 30 bis 40 Sprachen gelĂ€ufig. Die Landessprache war die sog. „Mittel-Sprache“, die sie beherrschen musste, wenn sie die Heilige Schrift in diese Sprache ĂŒbersetzen wollte. Im Anschluss daran wurde Simone Beck Leiterin der Schule in Kabul.

Von Oktober bis Dezember 2006 nahm sie an einer Weiterbildung fĂŒr Spracherkundung teil. Ab 2007 war sie Mitglied einer Gruppe, die sich in Faizabad niederließ, um an einem Spracherkundungsprojekt mitzuarbeiten. Gleichzeitig arbeitete sie als Entwicklungshelferin, um den Einwohnern die Schriftsprache beizubringen. TrĂ€ger dieser AktivitĂ€ten war eine christliche Organisation, um die Botschaft von Jesus Christus zu verkĂŒnden. Ein Mitarbeiter befĂŒrchtete, das offene Zeugnis fĂŒr den christlichen Glauben können [sic!] Unfrieden in dem politisch zerrissenen Land fördern.

Ab dem Jahre 2015 pendelte Simone zwischen Deutschland und Kabul hin und her. Sie antwortete auf die Frage, warum sie sich bei dieser schier gefĂ€hrlichen Lage fĂŒr Jesus einsetzte, mit dem Bekenntnis:

„Weil Jesus Christus alles in allem ist und weil es sich lohnt, mit ihm zu leben und mit ihm zu sterben – egal wo.“

Am 20. Mai 2017 machten sich die Mitarbeiterinnen Sorgen, weil sie Simone telefonisch nicht erreichten. Als sie beschlossen, zu ihrer Wohnung zu gehen, stand die EingangstĂŒr offen. Simone lag leblos auf dem Boden in ihrem Blut. Sie war von Islamisten brutal ermordet worden. Eine Kollegin, die von den TĂ€tern verschleppt wurde, aber spĂ€ter freikam, bekundete, Simone habe vor ihrem Tod dreimal den Namen Jesus ausgerufen. Sie wurde nur 44 Jahre alt. Nach dem Wort des Evangeliums wurde sie zu einem „Weizenkorn“, das „in die Erde fĂ€llt und stirbt“, damit es „reiche Frucht bringt“ (Joh 12,24).

In Großbritannien Abtreibung bis zur Geburt bald straffrei?

Das britische Oberhaus hat den Weg fĂŒr SpĂ€tabtreibungen freigemacht. Die Erzbischöfin von Canterbury stimmte zwar gegen diese Entscheidung, sprach sich jedoch auch gegen eine Strafverfolgung von Frauen aus, die abtreiben. Dies hĂ€tte praktisch zur Folge, dass Kinder im neunten Monat straflos getötet werden dĂŒrften.

DIE TAGESPOST berichtet:

Das britische Oberhaus hat am gestrigen Mittwochabend ĂŒber den „Crime and Policing Bill“ debattiert und dabei eine Änderung der „Klausel 208“ mehrheitlich abgelehnt. Die von der Labour-Abgeordneten Tonia Antoniazzi hinzugefĂŒgte Klausel fĂŒgt dem Strafrechtsreform-Entwurf die Streichung der Bestrafung von Abtreibung hinzu. Tritt die Reform in Kraft, bleibt Abtreibung bis zur Geburt in Großbritannien kĂŒnftig straffrei. Ebenfalls abgelehnt hat das Oberhaus eine Änderung am Gesetzespaket, die die WiedereinfĂŒhrung der Beratungspflicht vor Abtreibungen zum Gegenstand hatte. Damit ist die weitgehende Liberalisierung der Abtreibung in Großbritannien ein großes StĂŒck weitergekommen. Nominell wird Abtreibung zwar weiterhin nur bis zur 24. Schwangerschaftswoche erlaubt, doch wird eine spĂ€tere Abtreibung nach der Neuregelung nicht mehr bestraft.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Glaubensvertiefung als Handwerk

Bei Evangelium21 ist ein Artikel von Wolf Christian Jaeschke und mir ĂŒber das Thema „Glaubensvertiefung“ erschienen. Dabei wird hervorgehoben, dass „JĂŒngerschaft“ zwar immer noch gern gelehrt wird, aber oft die praktische HinfĂŒhrung fehlt. Zitat:

Um die andere Seite allerdings, die des gemeinsamen Unterwegsseins im Alltag und der persönlichen Begleitung in der praktischen Nachfolge Jesu, ist es oft weniger gut bestellt.

Ja, wir lehren JĂŒngerschaft, und das ist sehr wichtig. Aber wir zeigen nicht unbedingt, wie sie konkret im Alltag aussieht. Bildlich gesprochen: Bei der Vertiefung des Glaubens ist uns das Schulmodell wesentlich vertrauter als das Modell des ausbildenden Handwerksbetriebs.

Checkfrage: Was hilft einem am meisten, wenn man irgendetwas Kompliziertes ausfĂŒllen, zusammenbauen, reparieren, programmieren usw. muss? Schriftliche Instruktionen sind ein guter Anfang. Noch besser ist ein Video aus dem Internet, in dem ein freundlicher Mensch das Ganze Schritt fĂŒr Schritt vormacht. Und am liebsten wĂ€re es uns wohl, dieser freundliche Mensch sĂ€ĂŸe sogar leibhaftig neben uns und könnte uns zeigen, wie man’s macht.

Auch im praktischen Christenleben ist hier ein großer Bedarf. Und gerade weil es um Praxis geht, ist hier der ideale Einsatzort fĂŒr Ehrenamtler. Nicht alle Christen sind begabte Prediger, Katecheten, Evangelisten und Apologeten. Aber (fast) jeder Christ kann sich ĂŒber das, was er tĂ€glich im Glauben erlebt, mit jĂŒngeren Christen austauschen. Dies ist dann weniger ein zusĂ€tzlicher Programmpunkt im sowieso schon angefĂŒllten Gemeindeleben, sondern Bestandteil einer informellen Gemeindekultur.

Der bekannte kanadische Neutestamentler Don Carson schrieb einmal:

„Du, der du Ă€lter [im Glauben] bist, solltest dich umschauen nach jĂŒngeren Leuten und ihnen 
 sagen: ‚Schau mir zu!‘ Komm – ich zeige dir, wie man Familienandachten hĂ€lt. Komm – ich zeige dir, wie man die Bibel studiert. Komm – ich erklĂ€re dir ein paar Grundlagen des Glaubens. Komm – ich zeige dir, wie man betet. Komm – ich zeige dir, wie man ein glĂ€ubiger Ehemann und Vater, eine glĂ€ubige Ehefrau und Mutter ist. An einem bestimmten Punkt des Lebens sollte der Ă€ltere Mentor anfangen, auch andere Dinge zu sagen, zum Beispiel: Ich zeige dir, wie man stirbt. Schau mir zu.“

Das alles geschieht in unseren Gemeinden offenbar zu wenig. Es hatte sicher seinen Grund, dass Carson es thematisiert. Er zĂ€hlt hier eine ganze Palette an Themen auf, die von allen möglichen Seiten an einen herangetragen werden können. Sie stammen aus den verschiedensten Entwicklungsphasen des Christseins, ein buntes Durcheinander von „AnfĂ€ngerfragen“ und „weiterfĂŒhrenden Fragen“.

Mehr: www.evangelium21.net.

Übrigens wird es zu dem Thema ein zweitĂ€giges Seminar auf der E21-Hauptkonferenz vom 30. April bis 2. Mai 2026 in der Arche-Gemeinde in Hamburg geben. FĂŒr die Konferenz mit dem Oberthema „Glaube, der bleibt – von Generation zu Generation“ kann man sich hier anmelden.

Die MassenuniversitÀt frisst ihre Kinder

Der Althistoriker Michael Sommer beschreibt in einem WELT-Beitrag den Niedergang der Bildung in Deutschland, der nun durch die KI-Welle noch einmal beschleunigt wird. 

Zitat: 

Die Umorientierung der jungen Leute – weg von Ausbildungsberufen, rein in die Hochschulen – bekamen nicht nur die Arbeitgeber zu spĂŒren, sie verĂ€nderte auch die UniversitĂ€ten nachhaltig. Viele angehende Studenten glaubten nur zu gerne, was ihnen Politik und ElternhĂ€user versprachen: dass das Studium die Eintrittskarte fĂŒr ein besseres Leben, vor allem besser bezahlte Jobs sein wĂŒrde. Die Motivation, mit der Abiturienten ein Studium aufnehmen, hat sich so grundlegend gewandelt wie die Fertigkeiten, mit denen sie in die Hochschule kommen. Die intrinsische Motivation, sich auf Wissenschaft einzulassen, ist der extrinsischen Motivation gewichen, durch das Studium von der vermeintlichen Pole Position in den Arbeitsmarkt zu starten.

Die Politik hat – europaweit – auf die gewandelte Rolle der UniversitĂ€ten reagiert, indem sie mit der Bologna-Reform das Studium in eine PrĂŒfungsrallye umfunktioniert hat. Im Vordergrund steht statt sperriger Inhalte und Methoden das Sammeln von Zertifikaten, die den Absolventen als formal qualifiziert ausweisen. Weil aber die Grundbedingung der StudierfĂ€higkeit mittlerweile bei mehr als der HĂ€lfte der StudienanfĂ€nger nicht mehr oder nur noch zum Teil gegeben ist, verkommt das Zertifikatesammeln zur Farce. Alle wissen es, aber die Hochschulen sind willige Komplizen, weil sie ihre GrĂ¶ĂŸe und relative Finanzkraft den Studentenarmeen verdanken, die sie bis zum Examen durchschleusen.

Die KĂŒnstliche Intelligenz ist jetzt der Lackmustest fĂŒr die MassenuniversitĂ€t. Dass Professoren zurecht fĂŒrchten, von einer neuen, die Plagiatswelle noch ĂŒbertreffenden Betrugslawine ĂŒberrollt zu werden, ist im Grunde die Anerkenntnis dessen, dass die UniversitĂ€ten heute ein dysfunktionales System sind und den Test nicht bestanden haben. Denn zum BetrĂŒgen gehören außer der KI noch zwei: Studenten, die sich Zertifikate erschleichen, und Professoren, die sie damit durchkommen lassen.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Francis Schaeffer: Das Kreuz und wahre Geistlichkeit

Bruce A. Little beschreibt in seinem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), wie Francis Schaeffer geistliches Leben verstand (S. 74–75): 

Schaeffer erklĂ€rte: „Wenn wir etwas von der Wirklichkeit des christlichen Lebens, etwas von wahrer Geistlichkeit erfahren wollen, mĂŒssen wir ‚tĂ€glich unser Kreuz auf uns nehmen‘.“ Jesus sagte: „Wer nicht sein Kreuz trĂ€gt und mir nachfolgt, kann nicht mein JĂŒnger sein“ (Lukas 14,27). Schaeffer wies darauf hin, dass Jesus „nicht sagt, dass ein Mensch ohne dies nicht gerettet werden kann, sondern dass man nicht zu Christus gehört, im Sinne der Nachfolge.“ Die Vorstellung von unserem Kreuz ist nicht irgendeine Unannehmlichkeit oder Widrigkeit im Leben, vielmehr ist das Kreuz ein Instrument des Todes, wie Schaeffer in Geistliches Leben – was ist das? deutlich machte. Es bedeutet, die eigenen egoistischen WĂŒnsche zu verleugnen und die eigenen WĂŒnsche im Interesse Gottes zu ordnen.

Die Frage, tĂ€glich sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist keine einfache Angelegenheit; tatsĂ€chlich ist es schwer, wie Schaeffer erklĂ€rte: „Wir sind von einer Welt umgeben, die zu nichts ‚Nein‘ sagt. Wenn wir von dieser Art von MentalitĂ€t umgeben sind, in der alles nach GrĂ¶ĂŸe und Erfolg beurteilt wird, dann muss es schwer erscheinen, plötzlich zu erfahren, dass es im christlichen Leben diesen starken negativen Aspekt gibt, zu Dingen und zu sich selbst ‚Nein‘ zu sagen. Und wenn es sich uns nicht schwer anfĂŒhlt, lassen wir es nicht wirklich auf uns wirken.“ Es bedeutet, „Nein“ zu den Wegen der Welt und zur VerfĂŒhrung durch die eigenen egoistischen WĂŒnsche zu sagen. Wie bereits erwĂ€hnt, sagt die Bibel, dass dies möglich ist, weil wir der Welt gekreuzigt sind und die Welt uns. Dieses Aufnehmen unseres Kreuzes ist jedoch keine einmalige Entscheidung; es ist Teil eines Lebens von Augenblick zu Augenblick in der RealitĂ€t von Christi Tod und Auferstehung, und es erfordert Opfer und Hingabe. Wie Schaeffer zugab, ist es schwer.

Schaeffer betitelte Kapitel zwei von Geistliches Leben – was ist das? mit „Die ZentralitĂ€t des Todes“. Dort untersuchte er die Schriftstellen bezĂŒglich der Rolle des Todes fĂŒr das VerstĂ€ndnis der Botschaft vom Wandeln in der Neuheit des Lebens – der wahren Geistlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem „Wandeln in der Neuheit des Lebens“ lesen wir: „So lasst nun die SĂŒnde nicht herrschen in eurem sterblichen Leib, dass ihr seinen Begierden gehorcht“ (Röm 6,12). Es ist schwer, „Nein“ zu den Dingen der Welt zu sagen, die uns anziehen, doch sie fĂŒhren Krieg gegen die Seele. Das zuvor erwĂ€hnte Lied „Moment by Moment“ drĂŒckt es so aus: „Mit Jesus sterben, den Tod als meinen annehmen, fĂŒr Jesus ein neues göttliches Leben leben.“ Die Idee des Kreuzes besteht darin, alles abzulehnen, was den Wunsch untergrĂ€bt, fĂŒr Christus zu leben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh 14,6). Christen sollen aus der RealitĂ€t von „Christus in mir“ leben und ihren Anspruch auf ein autonomes Leben aufgeben. Laut Schaeffer muss diese Wahrheit verwirklicht werden, wenn Selbstverleugnung mehr sein soll als bloßer Legalismus. Dies ist der Kern von Schaeffers Lehre ĂŒber wahre Geistlichkeit.

Wie hat die frĂŒhe Kirche getauft?

In der Taufdiskussion kommt man meiner Meinung nach nicht an der „Aland–Jeremias-Kontroverse“ vorbei. Joachim Jeremias hat die frĂŒhe SĂ€uglingstaufe differenziert verteidigt. Kurt Aland widersprach und entwickelte eine starke historisch-exegetische Kritik der SĂ€uglingstaufe.

Die wichtigen Publikationen dazu sind:

  • Joachim Jeremias, Hat die Ă€lteste Christenheit die Kindertaufe geĂŒbt?, Göttingen, 1938.
  • Joachim Jeremias, Die Kindertaufe in den ersten vier Jahrhunderten, Göttingen, 1958.
  • Joachim Jeremias, Nochmals: Die AnfĂ€nge der Kindertaufe. Eine Replik auf Kurt Alands Schrift „Die SĂ€uglingstaufe im Neuen Testamen und in der alten Kirche”, MĂŒnchen, 1962.
  • Kurt Aland, Die SĂ€uglingstaufe im Neuen Testament und in der alten Kirche. Eine Antwort an Joachim Jeremias, MĂŒnchen 1961.
  • Kurt Aland, Die Stellung der Kinder in den frĂŒhen christlichen Gemeinden – und ihre Taufe, MĂŒnchen 1967.
  • Kurt Aland, Taufe und Kindertaufe. 40 SĂ€tze zu Aussagen des Neuen Testaments, GĂŒtersloh, 1971.

Aus baptistischer Sicht ist noch das Buch Baptist in the New Testament aus dem Jahr 1962 interessant, das spÀter auch in deutscher Sprache herausgegeben wurde als: 

  • Beasley-Murray, George R., Die christliche Taufe: Eine Untersuchung ĂŒber ihr VerstĂ€ndnis in Geschichte und Gegenwart, Kassel, 1968.

Nicht jeder wird die Zeit haben, viele BĂŒcher zur Frage der Taufpraxis in der frĂŒhen Kirche zu lesen. Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, kann man sich einen Blogbeitrag von Wyatt Graham zum Thema anschauen. Der Einstieg jedenfalls klingt spannend:

Kaum eine Lehre trennt die Christen so sehr wie die Lehre von der Taufe. Und doch haben Christen stets betont, dass die Taufe uns zu einem Leib vereint. Wie können wir also diesen unschönen Zustand ĂŒberwinden? Nun, durch Gottes Gnade, durch viel Gebet, Besinnung und den Heiligen Geist. Als möglichen ersten Schritt in diesem Prozess könnten wir uns auch damit befassen, wie Christen in den ersten zweihundert Jahren des Christentums tauften. Zum grĂ¶ĂŸten Teil waren sie sich trotz regionaler Unterschiede ĂŒber die Bedeutung der Taufe einig.

Vielleicht finden wir in ihnen ein Vorbild dafĂŒr, wie man Meinungsverschiedenheiten ausrĂ€umen und gleichzeitig in den wesentlichen Punkten vereint bleiben kann. Aber selbst wenn nicht, kann uns diese historische Betrachtung helfen, besser zu verstehen, was Christen unter der Taufe verstanden haben. Das scheint mir an sich schon lohnenswert zu sein.

Im Folgenden skizziere ich daher, wie die frĂŒhen Christen die Taufe verstanden und praktiziert haben. Ich erhebe keinen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit, sondern möchte lediglich aufzeigen, wie einige reprĂ€sentative christliche Gemeinschaften in den ersten beiden Jahrhunderten des Christentums die Taufe verstanden und praktiziert haben.

Methodisch habe ich versucht zu erklĂ€ren, wie Christen in den ersten Jahrhunderten die Taufe mit ihren eigenen Worten beschrieben haben. Die GlĂ€ubigen in diesen frĂŒhen Jahrhunderten sahen keine Notwendigkeit, die Mechanismen der Taufe ĂŒbermĂ€ĂŸig zu nuancieren oder zu artikulieren. Sie hatten keine jahrhundertelangen Taufdebatten wie wir.

Aus diesem Grund bekrĂ€ftigen sie die Notwendigkeit der Taufe in biblischer Sprache, unbeeintrĂ€chtigt von spĂ€teren Debatten. Ich hoffe, dass dieser Artikel den Lesern hilft, sowohl die grundlegende KontinuitĂ€t zu erkennen, die wir mit den frĂŒhen Christen teilen, als auch wahrzunehmen, wie anders diese Welt ist.

Vor diesem Hintergrund beginnt dieser Artikel kurz mit einer Erörterung der Taufwaschungen vor dem Neuen Testament, bevor er sich mit dem Neuen Testament und auch mit christlichen Schriftstellern bis etwa 250 n.Chr. zum Thema Taufe befasst.

Hier: www.wyattgraham.com.

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