Autorenname: Ron

Bullinger: Unzucht entheiligt den Tempel Gottes

Heinrich Bullinger über die Unzucht (gemeint ist die sexuelle Sünde, in: Schriften, Bd. 1, 2016, S. 488–489):

Die Unzucht zieht das Gemüt von Gott weg, macht, dass wir den Bund brechen, schmäht die Gnade Gottes und die Glieder Christi, sie raubt Gott das, was ihm gehört, entheiligt den Tempel Gottes und drückt uns mit Geist und Fleisch in den Dreck und allen Schmutz, macht viehische Menschen aus uns, befleckt Leib und Seele, bringt uns um all unsere Ehre und unser Hab und Gut, macht uns zu Schanden, verdirbt uns und führt uns mit Elend, Kummer und Not zur Hölle. Dagegen erlöst uns die Ehe ein für allemal von diesem ganzen Jammer. Und deshalb ist es eine Schande, dass man all das nicht erkennen will und sogar alte Leute findet, die Unzucht nicht für Sünde halten und so leichtfertig und übermütig vor jungen Leuten davon reden, dass diese in ihren bösen Absichten angestachelt werden und dadurch hartnäckig darin fortfahren.

Mark Dever: Die Gebete der Gotteskinder werden erhört

Am Sonntag, den 10. Juli 2022, sprach Mark Dever im Abendgottesdienst der Freien Evangelischen Gemeinde München Mitte über die Öffnung des Siebenten Siegels in Offenbarung 8,1–5. Der Hauptpastor der Capitol Hill Baptist Church in Washington, D.C. (USA) ermutige die Gottesdienstteilnehmer zu einem treuen und beharrlichen Gebetsleben.

Zunächst betrachtete er die Erwähnung der „Stille“ in Offb 8,1. Die kurze Zeit der Stille – eine halbe Stunde – verdrängt den unaufhörlichen Lobgesang der triumphierenden Gemeinde (vgl. Offb 7,9–10). Wir brauchen in unserem Leben und in unseren Gottesdiensten Zeiten der Stille. Stille ist allerdings auch angebracht in Erwartung des kommenden Gerichts des Herrn (vgl. dazu Zef 1,7–10; Sach 2,13). Gott wird eines Tages gerecht Richten und dabei alle Ungerechtigkeiten ans Licht bringen. Die Menschen, deren Sünden nicht durch Jesus gesühnt und vergeben sind, werden ihre gerechte Strafe empfangen. Die Erlösten, die zu Jesus gehören und ihm vertrauen und nachfolgen, leben in der Erwartung der ewigen Gegenwart ihres Königs.

Im letzten Teil der Predigt betonte Dever vor voller Gemeinde, dass die Gebete der Heiligen einen Anteil an der Entstehung der Gerichte haben. Sie steigen als Weihrauch zu Gott auf und werden von dort von einem Engel mit Feuer auf die Erde geschüttet (Offb, 8,4–5). Die Gebete der Gotteskinder werden erhört, meinte Dever. Manchmal schnell, manchmal mit zeitlichem Abstand, spätestens am Tag des Gerichts. Während sieben Engel bereitstehen, um warnende Trompeten zu blasen, ist der Weihrauchaltar, von dem der Rauch aufsteigt, die Quelle einer Reihe von feurigen Gerichten, die vom Himmel auf die Erde geworfen werden – verheerende, aber gerechte Vorboten des kommenden Endgerichts.

Mark Dever, der als Leiter des Gemeindehilfswerks 9Marks einige Tage für Konsultationen in Europa war, ist eng verbunden mit der Freie Evangelischen Gemeinde München Mitte und dem Netzwerk Evangelium21. Matthias Lohmann, der Hauptpastor der Gemeinde und 1. Vorsitzender von Evangelium21, der Dever übersetzte, hat selbst für mehrere Jahre die Capitol Hill Baptist Church in Washington besucht. Bei der Evangelium21-Konferenz in der Zeit vom 20.–22. April 2023 in Hamburg wird Dr. Mark Dever der Hauptreferenz sein.

20220710 184224 056
Mark Dever und sein Übersetzer Matthias Lohmann (Foto: W. Adelberger).
20220710 184840 089
Pastor Mark Dever (Foto: W. Adelberger).

 

EU-Parlament: „Jeder hat das Recht auf sichere und legale Abtreibung.“

Nachdem in den USA das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch gekippt wurde, will das EU-Parlament genau dieses in die Grundrechtecharta der Europäischen Union aufnehmen. Man wolle in puncto Frauenrechte und Selbstbestimmung vorwärts gehen, heißt es in einer Erklärung, der heute zugestimmt wurde (siehe hier).

Die im Jahr 2000 verabschiedete Grundrechtecharta der EU ist rechtlich bindend und hat eigentlich den gleichen Stellenwert wie die Verträge der EU. Die TAZ meldet:

Die im Jahr 2000 verabschiedete Grundrechtecharta der EU ist rechtlich bindend und hat den gleichen Stellenwert wie die Verträge der EU. Die Aufnahme des Rechts auf Abtreibung in die Charta erfordert nach den derzeitigen EU-Verträgen die Einstimmigkeit der Mitgliedsländer, die derzeit nicht besteht. Die Abgeordneten forderten in ihrer Entschließung daher auch eine Möglichkeit zur Änderung der Verträge.

Die Parlamentarier verurteilten „erneut aufs Schärfste die Rückschritte bei den Rechten von Frauen und der sexuellen und reproduktiven Gesundheit“ weltweit, „auch in den USA und in einigen EU-Mitgliedstaaten“. Die Europaabgeordnete Terry Reintke (Grüne) unterstützte die Forderung. „Auch in Europa wollen rechtskonservative Kräfte die Zeit zurückdrehen“, erklärte Reintke. Die französische Abgeordnete Nathalie Colin-Oesterlé von der konservativen EVP-Fraktion hatte am Montag ebenfalls davor gewarnt, dass in Europa „die Frauenrechte auch bedroht“ seien. „Starke Frauenrechte“ seien „eine Errungenschaft, auf die ganz Europa stolz sein kann“, hatte die EU-Gleichstellungskommissarin Helena Dalli am Montag in Straßburg gesagt. „Wir sollten vorwärts gehen, nicht rückwärts.“ Alexandra Linder kommentiert als Vorsitzende des Bundesverband Lebensrecht die Entwicklung treffend:

In die Grundrechtecharta der Europäischen Union soll laut heutiger Mehrheitsabstimmung im EU-Parlament als Artikel 7a folgender Passus eingefügt werden: „Jeder hat das Recht auf sichere und legale Abtreibung.“ Diese Grundrechtsverwirrung ist eigentlich so bizarr, dass man eher an einen üblen Scherz als eine ernsthafte Debatte und Entschließung glauben könnte.

Unmittelbar nach dem Verweis auf die Menschenwürde, auf das Recht jeder Person auf Leben und Unversehrtheit, nach dem Verbot eugenischer Praktiken und dem Recht auf Freiheit und Sicherheit würden in dieser Charta einer ganzen Gruppe von Menschen alle Rechte mit einem Satz wieder genommen. Der perverse Trick: Diese Gruppe von Menschen, die alle Menschen von der Zeugung bis zur Geburt umfasst, wird willkürlich und entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Menschsein herausdefiniert.

Hier sollen Pflöcke gegen das Leben eingeschlagen werden. Abtreibung als Bestandteil einer Grundrechtecharta führt Grundrechte ad absurdum: Alle Erkenntnisse der Embryologie, der pränatalen Psychologie, der Biologie etc. stellen eindeutig fest, dass der Mensch von seiner Zeugung an Mensch ist und bereits vor der Geburt eine faszinierende personale Entwicklung durchläuft. Zu einem Zeitpunkt, an dem dies noch nie so hervorragend belegt war, genau dies zu verleugnen, führt in finsterste, barbarische Zeiten, nach dem Motto: Wer Mensch ist, wird von anderen Menschen bestimmt.

Hier der vollständige Kommentar: christlichesforum.info.

Michael Reeves: Gottesfurcht – Angst oder Freude?

Was ist Gottesfurcht? Jeder Christ hat sich das vermutlich schon irgendwann einmal gefragt. Michael Reeves geht im nachfolgenden Video darauf ein, dass es eine sündhafte und eine rechtschaffene Furcht vor Gott gibt. Es handelt sich um eine sehr komprimierte Zusammenfassung der Hauptthese des Buches Gottesfurcht: Eine überraschend gute Nachricht.

Abschied von der Woke-Kultur

Jagoda Marinić, eine kroatisch-deutsche Schriftstellerin und Dramatikerin, hat eine bedenkenswerte Kritik der Woke-Kultur geschrieben. Im STERN-Artikel „Sag das nicht! Warum ich mich nicht mehr zu denen zähle, die sich ‚woke‘ nennen“, erklärt sie:

Als Elke Heidenreich bei Markus Lanz von einer Taxifahrt erzählte, bei der sie den Fahrer nach seiner Herkunft fragte, wurde sie vom Twittermob als Rassistin bezeichnet. Die Eltern des Taxifahrers kamen aus Marokko. Heidenreich hatte ihn gefragt, ihn mit keinem Wort ausgegrenzt, im Gegenteil: Sie meinte, er sei Kölner, mit typischem Dialekt. Am zweiten Tag der Empörungswelle machte ich mit zwei Tweets darauf aufmerksam, dass die vermeintlich rassistische Frage nicht für alle Minderheiten gleich klinge. Manche möchten gefragt werden, andere nicht. Alle Gruppen haben berechtige Gründe für ihre Haltung.

Manche sahen in mir daraufhin eine Abtrünnige, die Rassismus verharmlost. Ich hätte, forderten sie mich auf, Solidarität zu leisten und nicht den Weißen nach dem Mund zu reden. Ich sei ein „Token“, eine Frau mit Migrationsgeschichte, die von Weißen benutzt wird, ja sich benutzen lässt, zum eigenen Vorteil. Zumal ich, meiner hellen Haut und Haare wegen, sicherlich nie wirklich Rassismus erfahren hätte. Eine Diskussion, in der die Haarfarbe über Glaubwürdigkeit entscheiden soll, ist an ihrem Nullpunkt angekommen. Soll ich das nächste Mal meiner Friseurin für das Wasserstoffperoxid danken? Die Meinung des Taxifahrers, den Heidenreich erwähnte, interessierte übrigens niemanden, erst recht nicht die woken Aktivisten.

Das schrille Handwerk der Superwoken füttert paradoxerweise die Gegner der offenen Gesellschaft. Das zeigt der Fall der Autorin Chimamanda Ngozi Adichie: Die Ikone des Feminismus und der schwarzen Bewegung wurde von Trans-Aktivistinnen angegriffen, als sie der Meinung ist, Transfrauen müssten natürlich alle Rechte haben. Doch, so Adichie weiter, müsse man auch darüber reden, dass Transfrauen und Frauen unterschiedliche Welterfahrungen mitbringen.

Mehr im Stern: www.stern.de.

VD: WH

Mark Dever am Sonntag in München

Dr. Mark Dever, Autor des Buches 9 Merkmale einer gesunden Gemeinde, wird am kommenden Sonntag (10. Juli 2022) in der Freien Evangelischen Gemeinde München Mitte im Abendgottesdienst (19.00 Uhr) über Offenbarung 8,1–5 predigen: 

Und als das Lamm das siebente Siegel auftat, entstand eine Stille im Himmel etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. Und ein anderer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, dass er es darbringe mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron. Und der Rauch des Räucherwerks mit den Gebeten der Heiligen stieg von der Hand des Engels hinauf vor Gott. Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde. Und da geschahen Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben.

Die Predigt wird übersetzt. Gäste sind herzlich willkommen! Möglicherweise wird unter www.feg-mm.de/livestream ein Videostream angeboten.

Das Geschlecht als Gefühl

Ein kürzlich publiziertes Interview mit Frau Prof. Dr. med. Sibylle M. Winter von der Charité in Berlin bestätigt wieder einmal, wie wichtig es ist, dass das Buch Der Siegeszug des modernen Selbst von Carl Trueman in diesem Herbst bei Verbum Medien erscheinen soll. 

Trueman zeigt in seiner Untersuchung zur kulturellen Amnesie und dem expressiven Individualismus, dass der postmoderne Mensch keine Autorität jenseits des eigenen Gefühls mehr gelten lässt. Sogar der eigene Körper wird dem inneren psychologischen Selbst unterworfen. Der Leib darf (angeblich) nicht mehr „mitsagen“, wer ich bin. Was bleibt, ist ein expressiver Individualismus und Subjektismus, dem die Gesellschaft sich anschließen darf. 

Und damit zurück zu Sibylle Winter. Die FAZ hat die Ärztin anlässlich des geplanten Selbstbestimmungsgesetzes gefragt, wie denn festgestellt werden könne, ob eine Person transident sei (Transidentität liegt laut Genderforschung dann vor, wenn die Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt festgestellten Geschlecht nicht übereinstimmt). Die Antwort lautet wie folgt: 

Die Geschlechtsidentität ist eine sub­jektive Einschätzung. Es gibt keine Diagnostik wie eine Blutentnahme oder Ähnliches. Deshalb ist es sehr wichtig, den jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, uns ihre Gedanken zu ihrer Geschlechtsidentität mitzuteilen. Wenn wir das nicht infrage stellen, können die jungen Menschen eigene Unsicher­heiten zulassen und ihren Weg finden. Ihre subjektive Einschätzung ist für uns maßgeblich. Dabei ist die Haltung ­wichtig, dass Transsexualität heute nicht mehr als Krankheit gesehen wird, wie man früher noch dachte. Sondern ein subjektives Gefühl. Für uns bedeutet das: Wir prüfen nicht, wir stellen es nicht infrage. Wir schauen nicht, ob es wirklich so ist.

Kurz gesagt: Geschlechtsidentität ist ein subjektives Gefühl, das nicht infrage gestellt wird (werden darf). Es wird nicht überprüft, ob das Gefühl mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Die subjektive Selbstauskunft hat das letzte Wort.  

Stellen wir uns mal vor, wir würden auch in anderen Bereichen der Medizin (oder in sonstigen Wissenschaften) so vorgehen. Was wollen wir denn einer Frau sagen, die subjektiv das sichere Gefühl hat, eine Katze zu sein und darunter leidet, nicht nur einen falschen Köper zu haben, sondern auch in der falschen Spezies geboren worden zu sein? 

Oder ein anderes Beispiel: Es gibt Menschen, die intakte Körperteile als fremd empfinden und – um dem wahren Ich näher zu kommen – diese Körperteile entfernen oder zerstören lassen möchten (man sprich auch von „Apotemnophilia“ oder besser von „Body Integrity Identity Disorder“,  also: Störung der körperlichen Integrität und Identität, vgl. dazu: Ron Kubsch, Eine fatale Sehnsucht: Wenn sich Menschen eine Behinderung wünschen, ideaSpektrum 31/23 2006). Was würde denn passieren, wenn wir nicht schauen, ob es wirklich so ist? Rechtfertigt das seelische Leid Betroffener einen unwiderruflichen ärztlichen Eingriff, der zur Körperbehinderung führt, also etwa der Amputation eines gesunden Armes? 

Ich hoffe nicht. Menschen reifen doch gerade dann, wenn sie sich infrage stellen lassen und ihre eigenen Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle und Ideen an der Wirklichkeit prüfen. Wo soll denn ein Absolutismus des Selbst hinführen? 

Es ist höchste Zeit, dass wir die Vorstellung vom Menschen als eine plastische Person, deren psychologisches Wesen es mit sich bringt, dass sie ihre persönliche Identität nach Belieben erschaffen und verändern kann, hinterfragen. Nur wenn uns das gelingt, sind wir in der Lage, die mit diesem Konzept aufgeworfenen Fragen solide zu beantworten. Trueman: 

Die Welt, in der diese Art des Denkens plausibel geworden ist, hat sowohl intellektuelle als auch materielle Wurzeln. Philosophische Denkströmungen aus dem neunzehnten Jahrhundert haben die Annahme, dass die menschliche Natur etwas Gegebenes ist, etwas, das eine intrinsische, nicht verhandelbare Autorität darüber hat, wer wir sind, stark geschwächt oder sogar abgeschafft. Die Veränderungen in unseren materiellen Verhältnissen haben es ermöglicht, dass die diesen Philosophien zugrundeliegenden, anti-essentialistischen Prinzipien plausibel und vielleicht sogar zum Maßstab unseres heutigen Denkens über das Selbstsein geworden sind.

Marie-Luise Vollbrecht vertritt einen inhumanen Biologismus

Wahrscheinlich hat es inzwischen jeder mitgekommen: Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht wollte in der „Langen Nacht der Wissenschaften“ in Berlin an der Humboldt-Universität einen Vortrag über Sex und Gender halten. Aus Sicherheitsgründen wurde der Auftritt abgesagt. Denn Frau Vollbrecht ist dafür bekannt, dass sie die biologische Zweigeschlechtlichkeit des Menschen für gegeben hält. Wir dürfen dankbar sein, dass die Absage des Vortrags vielen Redaktionen aufgestoßen ist. Susanne Gaschke schrieb:

Normale Menschen werden nicht begreifen, warum diese biologische Erkenntnis so kontrovers ist, dass Genderaktivisten ihre Kommilitonin und die Universität mit Demonstrationen und offenbar auch mit Gewalt bedrohten – anders wäre jedenfalls nicht zu verstehen, warum die Uni-Leitung sofort einknickte und den Vortrag aus „Sicherheitsgründen“ im „Interesse der Gesamtveranstaltung und der Besucherinnen und Besucher“ absagte.

Thomas Thiel meinte: „Für Vollbrecht sind die Anfeindungen keine Bagatelle. Der Vorwurf der Trans- und Menschenfeindlichkeit schadet ihrer Reputation und gefährdet ihre Laufbahn. Für die Wissenschaft ist es eine gefährliche Tendenz, wenn ganze Disziplinen unter Verdacht gestellt werden.“

Der Druck auf die Humboldt-Universität war offensichtlich so stark, dass diese sich gedrängt fühlte, zu reagieren. Die FAZ informiert darüber, dass der gecancelter Gender-Vortrag am 14. Juli nachgeholt werden soll. Freilich erwartet die Universität, dass die Biologin ihre Behauptungen „kontextualisiert“.

Es gibt aber auch anderslautende Stellungnahmen. Volker Beck, der uns als „Vater“ der „Ehe für alle“ in Erinnerung bleiben wird, schreibt etwa auf Twitter: „Sicherheitsbedenken sollten kein Grund zur Absage eines Vortrages in einer demokratischen Gesellschaft sein. Die Ablehnung des inhumanen Biologismus der Vortragenden schon.“ Mit anderen Worten: Nach Beck ist die Behauptung, dass es nur zwei biologische Geschlechter gibt, unmenschlich. Aber nicht nur das: Es sollte eigentlich verboten werden, so etwas zu behaupten.

Die Nachrichtenagentur ntv meldet:

Bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ der Humboldt-Uni Berlin soll eigentlich auch die Biologin Vollbrecht sprechen. Doch Vollbrecht ist wegen ihrer Positionen in der Gender-Debatte höchst umstritten. Eine Studentenvereinigung kündigt Proteste an, die Uni-Leitung sagt den Vortrag kurzerhand ab.

Das muss man sich mal vorstellen. Die Redaktion benutzt das Wording „höchst umstritten“, weil Frau Vollbrecht als Biologin in der Genderdebatte die Position verteidigt: es gibt zwei Geschlechter.

Da wir schon mal beim Thema sind: Michael Kämpfer hat 2019 eine TV-Sendung des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar zum Thema Zweigeschlechtlichkeit untersucht. Dabei hat er feststellen müssen, dass „der Aufklärer“ des öffentlich-rechtlicher Rundfunks ein Lehrstück postmoderner Umdeutung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse abgeliefert hat. Fazit: „Warum gibt es mehr als zwei Geschlechter? Nicht weil es dafür eine reale Entsprechung in der Natur gäbe, sondern weil postmoderne Denkweisen eine nicht gerechtfertigte Umdeutung von Wissenschaft und Wirklichkeit bewirkt haben.“ Es lohnt sich, diese Analyse anzuschauen: b-19-2_geschlechter.pdf.

Die erste nachchristliche Generation

Die Zahl der Kirchenaustritte ist so hoch wie nie, und daran ist nicht nur der Missbrauchsskandal schuld: Gott und die Kirche sind den jungen Menschen nicht mehr wichtig. Nietzsche würde wohl sagen: „Recht hatte ich! Die Kirchen sind die Grabsteine Gottes.“ 

Sarah Obertreis schreibt für die FAZ

Die Generation der heute 25- bis 35-Jährigen hat sich derart schnell von der Kirche entfernt, dass selbst hochrangige EKD-Vertreter glauben, dass gerade die erste nachchristliche Generation heranwächst. Still und leise beenden so viele junge Menschen ihre Kirchenmitgliedschaften, dass man in einer der wenigen aktuellen Statistiken, die nach dem Alter der Austretenden aufgeschlüsselt sind, in der jun­gen Generation einen deutlichen Aus­schlag nach oben erkennt.

Mit einem Austritt gehen den Kirchen nicht nur die Austretenden selbst ver­loren, sondern auch ihre zukünftigen Kinder. Früher wuchsen ihre Mitglieder einfach nach. Heute sterben sie aus.

Lukas und seine Frau haben vor an­derthalb Jahren ein Baby bekommen. Ihr Sohn soll später selbst entscheiden, ob er Anhänger einer Religion werden will oder nicht. Erziehen werden sie ihn atheistisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass er später mal Mitglied einer der beiden Kirchen werden wird, geht damit gegen null. Die christlichen Werte wird Lukas’ Sohn aber trotzdem verinnerlicht haben. „Hilfsbereitschaft, Solidarität und Nächstenliebe sind längst zu säkularen Werten geworden“, sagt der Religions­soziologe Pollack. Ei­nen moralischen Kompass hat die junge Generation schon – auch ohne die Kirche.

Das bestätigt natürlich, dass es den Kirchen in den letzten Jahrzehnten vor allem um einen gewissen diesseitigen Wertekanon ging, etwa um Klimawandel, Flüchtlingshilfe oder – besonders im Fall der EKD – sexuelle Vielfalt. Und ich befürchte, dass die bekenntnisorientierten Kreise, die den Schwerpunkt auf Gesellschaftstransformation legen, einen ähnlichen Niedergang erleben werden wie die großen Kirchen in Deutschland. Der Hauptauftrag der Kirche ist nämlich ein anderer und er deckt sich mit dem, was ist: Die christliche Kirche hat den Menschen ihre Erlösungsbedürftigkeit zu spiegeln und die rettende Botschaft vom Kreuz weiterzugeben. Es sagt eben etwas aus, dass in diesem Artikel Begriffe wie „Sünde“, „Tod“, „Vergebung“ „Bibel“, „Jesus“, „Nachfolge“, „Kreuz“, „Erlösung“, „ewiges Leben“ gar nicht mehr vorkommen. An so etwas denken vielleicht junge Kirchgänger oder Journalisten schon gar nicht mehr, wenn sie an „Kirche“ denken (Frau Obertreis ist 1992 geboren). Aber darum geht es. 

Hier: www.faz.net.

D. Bonhoeffer: Predigt möglichst bei Tageslicht schreiben

Dietrich Bonhoeffer sagte in seiner Finkenwalder Homiletik zur Predigtvorbereitung (laut Mitschrift seiner Studenten, in: Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935−1937, Logos-Sonderausgabe, Bd. 14, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, S. 487–489):

Die Predigt ist möglichst bei Tageslicht zu schreiben, nicht bei Dämmerung. Sonst ist man abends begeistert, morgens ernüchtert. Man soll die Predigt nicht auf einmal schreiben. Beim einmal gewählten Text bleiben! Zumal schließlich jeder Text dieselbe Sache sagen kann. Möglichst keine anderen Predigten zum eigenen Text lesen, ehe nicht der eigene Entwurf fertig ist. Kommentare lesen ist gut, nicht unbedingt nötig. Klare gedankliche Disposition, sonst läßt sie sich schwer lernen und ist auch nicht gut. Spätestens Dienstag anfangen, spätestens Freitag fertig sein! Es muß wenigstens zwölf Stunden daran gearbeitet werden.

Eine fertig geschriebene Predigt ist noch keine fertige Predigt! Nicht Worte, sondern Gedankenzusammenhänge memorieren. Bei jedem Abschnitt den ersten und letzten Gedanken merken, dann das andere dazwischen.

Sonnabend Abend unter allen Umständen freihalten. Es ist schön, wer Sonnabend Nachmittag noch seelsorgerliche Besuche machen kann, die wirklich streng seelsorgerlich sind. Grundsätzlich jede Einladung in der Gemeinde absagen. Eine Predigt wird zweimal geboren, in der Pfarrstube und auf der Kanzel, die zweite ist die eigentliche Entstehung. Ein unvorbereiteter Prediger wird unsicher in der Sache und muß davon durch allerlei Techniken ablenken, die aus seiner Eitelkeit kommen: Lärmen, pathetisch, auf die Tränendrüsen drücken. Größtmögliche Sachlichkeit auf der Kanzel infolge bester Vorbereitung. Der Prediger ist frei gegenüber der vorbereitenden Arbeit, soweit es die Sache erfordert, nicht gebunden an wörtliches Auswendiglernen. Sakristeigebet vor der Predigt. Das Niederknien gehört nicht auf die Kanzel, sondern in die Sakristei. Nach der Predigt Gebet um Frucht des Wortes Gottes durch den Geist.

Bonhoeffer war übrigens der Meinung, dass ohne Arbeit mit dem Urtext keine gute Predigt entsteht. Die Kommentare, die er empfohlen hatte und die über die Bibliothek zugänglich waren, stammten von Luther, Calvin, Bengel, Kohlbrügge, Vilmar und Schlatter.

Was sehr wichtig ist (ebd., S. 489):

Predigt ist dadurch charakterisierte Rede, daß sie Predigt über einen Text ist. Weil sie Gottes Wort sein will, ist sie an die Schrift gebunden. Die Verheißung, daß Gott redet, liegt allein in der Schriftgemäßheit der Predigt.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner