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Die WM aus der Perspektive eines Brasilianers

Ich habe meinem Freund Cristiano (Spiderman) aus São Paulo ein paar Fragen zur Fußball WM gestellt. Hier das Interview (das Naemi K. freundlicherweise übersetzt hat):

Die WM aus der Perspektive eines Brasilianers

Cristiano und andreza
Cristiano mit seiner Frau

TheoBlog: Brasilien ist ein fußballverrücktes Land. Wie ist nun während der WM die Stimmung in deiner Heimatstadt São Paulo?

Ich persönlich denke nicht, dass es die gleiche Atmosphäre oder Stimmung ist wie bei den vorherigen Weltmeisterschaften. Wir mögen es noch immer sehr, uns die WM anzuschauen, aber nach den Massenprotesten im Juni/Juli 2013 (siehe hier und hier) hat sich unter uns etwas verändert.

Wie du vielleicht weißt, war eins der Themen der Proteste die hohen Kosten der Weltmeisterschaft in Brasilien aufgrund der schlechten Administration und Korruption (siehe hier) im Gegensatz zu dem ziemlich schlechten Staat und den fehlenden Investitionen in unserem Gesundheits- und Bildungssystem; ein auf der Straße wiederkehrender Ausruf war: „Wir fordern FIFA-Standard-Schulen und Krankenhäuser!“

Zunächst war es eine riesige, spontane, positive und gewaltlose Bewegung ohne politische Parteien, aber kurz danach begannen einige „soziale revolutionäre Bewegungen“ (wie sie sich auch selbst nennen) wie die Black Blocs (siehe hier) sehr gewalttätige Handlungen durchzuführen, wodurch die einst positive Bewegung der Menschen gestoppt wurde. Das alles passierte im FIFA Confederations Cup in Brasilien 2013. Deshalb begannen sich die Regierung und FIFA Sorgen darüber zu machen, was wohl bei der FIFA Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien passieren würde.

Und das mag der Grund dafür sein, dass sich etwas verändert hat, denn wie ich zuvor sagte: wir sind noch immer beunruhigt. Trotz der Tatsache, dass unsere Medien derzeit sehr auf das Event selbst fokussiert sind, sind  immer noch einige gewaltsame Proteste und Unruhen auf den Straßen (siehe hier); kleinere natürlich, aber Menschen und auch die Regierung selbst machen sich Sorgen. Zusätzlich fühlen sich manche Leute irgendwie schuldig dabei, so ein großes Event zu genießen, dass von der FIFA (welcher wir nicht trauen) organisiert wird, während wir viele ungelöste Probleme in unserem Land haben. Also ja, ich denke nicht, dass es das gleiche ist, wie zuvor.

TheoBlog: Die deutschen Medien berichten sehr viel über die Demonstrationen und darüber, dass die WM auf den Schultern vieler armer Menschen ausgetragen wird. Bekommt dieses Thema in euren Medien ebenfalls viel Raum?

Das glaube ich nicht, aus zwei Gründen: Die brasilianischen Medien sind momentan sehr auf das Event selbst konzentriert und außerdem haben wir im Oktober diesen Jahres eine Parlamentswahl. Also wenn es keine Neuigkeiten über die Weltmeisterschaft gibt, gibt es was Neues über die Wahlen und wie die Politiker damit gerade umgehen (Dilma und ihre Gegner).

Natürlich sehen wir ein paar Neuigkeiten über die Proteste im Fernsehen, aber nicht wie vorher. Ich persönlich denke schon, dass es die immer noch gibt, aber nicht in so großer Form wie vorher.

TheoBlog: Können sich einfache Arbeiter ein Ticket für ein Spiel leisten?

Ich glaube das billigste Ticket müsste die „Kategorie 4“ sein, also ein Ticket das R$ 60,00 kostet (in etwa 20 Euro), aber R$ 60,00 ist für brasilianische Arbeiter nicht billig und es gibt davon sowieso nur wenige: Jeder kann hier nachschauen, dass das Stadion nicht viele „Kategorie 4 Plätze“ besitzt.

Die Antwort ist also „nein“ und letztlich schauen wir uns die Spiele zu Hause an. Wir haben uns untereinander immer gesagt, dass dieses Event für reiche Leute und Fremde ist, also haben wir das auch schon erwartet.

TheoBlog: Nun habt ihr in eurer großen Stadt sehr viele christliche Gemeinden. Haben diese sich auf die WM vorbereitet?

Manche, aber ich würde sagen, die meisten nicht und das hauptsächlich für die Eröffnungszeremonie und das erste Spiel, Brasilien gegen Kroatien. São Paulo ist so groß, dass es manchmal sehr schwierig ist, alle zusammen zu kriegen. Außerdem glaube ich, dass die Leute lieber zu Hause sind mit ihren Familien und engsten Freunden.

TheoBlog: Gibt es auch missionarische Veranstaltungen?

Nicht dass ich wüsste, aber möglicherweise gibt es ein paar.

TheoBlog: Etliche berühmte brasilianische Fußballer sind bekennende Christen und finden in der Öffentlichkeit viel Beachtung. Ist das eine missionarische Chance oder gibt es da auch Gefahren?

Ich erinnere mich an die „guten alten Tage“, als die brasilianischen Evangelikalen allgemein als „langweilige aber ehrliche Menschen“ bezeichnet wurden. Mittlerweile, nach all den Skandalen und seltsamen Dingen, die von neo-pfingstlerischen Gruppen und der Wohlstandstheologie („Universal Church of the Kingdom of God“) gemacht worden sind, denken die Leute von uns als die „verrückten, blinden, einfältigen und dummen Nachfolger von Religionsführern, die Geld lieben und arme Leute ausrauben.“ Immer wenn eine öffentliche Person bekennt ein Evangelikaler zu sein, bekommt er eine entsprechende „Behandlung“. Das gilt auch für Fußballspieler.

Nehmen wir Kaka als Beispiel: natürlich kenne ich ihn nicht und wir haben große theologische Meinungsverschiedenheiten, aber er scheint ein guter und authentischer Gläubiger zu sein und grundsätzlich, wenn sein Glaube erwähnt wird, ist es von den Vorurteilen beladen, wie ich zuvor zitiert habe. Und wann immer er oder irgendein andere Gläubiger etwas Fragwürdiges tun, naja, kannst du dir vorstellen, wie die Sache läuft.

Authentische römisch–katholische Fußballspieler bekommen übrigens nicht die gleiche Aufmerksamkeit, also kann ich darüber nichts sagen.

TheoBlog: Was bedeutet die WM für dich und deine Familie?

Wir haben es immer sehr genossen. Es ist so toll ein weltweites Geschehen zu sehen, worüber fast jeder auf der Welt redet! Meine Mutter zum Beispiel, als sie noch gelebt hat, mochte es immer sehr: sie wusste nicht sehr viel über den Fußball, aber sie liebte es, die Spiele zu schauen und unsere Nationalmannschaft anzufeuern. Sie liebte es auch immer zu sehen, wie glücklich unser Land während dieses Events war.

Wir waren uns trotzdem immer bewusst, dass es nur ein „temporäres Glück“ war und es tat uns leid, dass unsere Bevölkerung weitgehend die wahre Freude nicht kennt, die aus einer Beziehung mit Gott resultiert. Die Dinge wären so anders, wenn sie das wüssten!

TheoBlog: Cris, vielen Dank für das Gespräch!

Ostern

1. Korintherbrief 5,7b:

Denn als unser Passalamm ist Christus geopfert worden.

Stadtstress

Stadtbewohner haben ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken, als Menschen, die auf dem Land leben. Allein die Gefahr der Schizophrenie ist – so einige Experten – doppelt so hoch. Die Kombination von sozialer Dichte und Vereinsamung wirkt sich besonders gravierend aus.

Miriam Hollstein schreibt für die WELT:

In einer 2011 im Magazin „Nature“ veröffentlichten Studie wies der Mannheimer Psychiater Florian Lederbogen gemeinsam mit Kollegen nach, dass Stadtbewohner stärker auf bestimmte Stressreize reagieren als Menschen auf dem Land. Dies ließ sich nachweisen, weil jene Hirnregionen, die Stress verarbeiten, bei ihnen schneller auf die Reize reagierten. Und noch eine Erkenntnis gewann das Wissenschaftlerteam: Das Phänomen ließ sich nicht nur bei Menschen beobachten, die aktuell in der Stadt lebten, sondern auch bei solchen, die in der Stadt aufgewachsen waren.

Das allein, sagt der Berliner Stressforscher Adli, sei aber noch nicht schlimm: „Es kann eine ganz normale Anpassung an die Umwelt sein.“ Problematisch werde es, wenn weitere Risikofaktoren hinzukämen. „Der Faktor Stadt alleine ist noch kein Problem. Es ist immer ein Summenspiel.“ Was also macht den besonderen Stress der Stadt aus? „Die Kombination von sozialer Dichte und sozialer Vereinsamung“, sagt Adli. „Vereinzelung ist ein echter Killer.“

Studien zeigen, dass soziale Isolation das Sterberisiko stärker erhöht als Fettleibigkeit und Alkoholkonsum. 2013 kamen Forscher des University College London zum Schluss, dass Menschen, die isoliert lebten, binnen sieben Jahren ein 26 Prozent höheres Sterberisiko hatten. Auch die Gefahr, an Demenz und Arthritis zu erkranken, erhöht sich. Unter Vereinsamung litten meist ältere und unverheiratete Menschen. Auch Armut ist ein Risikofaktor. In Verbindung mit der stärkeren Stressreaktion kann sie Stadtbewohner schneller krank machen.

Mehr: www.welt.de.

Wider die digitale Scheinwelt

Der Schriftsteller Nicol Ljubic hat in einem ausgezeichneten DLF-Beitrag für das Leben im Realen plädiert. Leute, die sich wie er dafür entschieden haben, sozialen Netzwerken fernzubleiben, machen bereits die Erfahrung der sozialen Ausgrenzung. Ihnen wird der Eindruck vermittelt, sie gehörten nicht dazu. Ljubic fragt, ob hier nicht die digitale Welt mit der wirklichen verwechselt wird. Gibt es nichts Wichtigeres als das Netz?

Die Freiheit im Netz scheint für viele längst existentieller als die Freiheit im Leben jenseits des Netzes. Mir fällt kein anderes gesellschaftspolitisches Anliegen ein, für das sich junge Menschen in letzter Zeit so ins Zeug gelegt haben. Ich frage mich, ob das wirklich so gut ist für uns alle.

Da ist etwas dran. Der digitalen Welt wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ich formuliere nachfolgend deshalb mal einige Empfehlungen für den Umgang mit Smartphones & Co.

(1) Ziehe das Gespräch von Angesicht zu Angesicht dem digitalisierten Austausch vor, insofern das möglich ist.

(2) Verzichte beim realen Gespräch auf die gleichzeitige Nutzung digitaler Geräte. Deine „Spielzeuge“ haben die Aufmerksamkeit, die du deinem Gesprächspartner schuldest, nicht verdient.

(3) Die Art und Weise, wie du deinen Tag beginnst, entscheidet über den Tagesverlauf mit. Wenn du gleich nach dem Aufwachen deine E-mails checkst oder die Kontostände prüfst, holst du dir den Stress zu früh ins Herz. Versuche, die kostbare erste Stunde mit wichtigeren Dingen zu füllen. Ich habe gute Erfahrungen mit fortlaufender Bibellektüre und einer Gebetszeit mit Dank- und Fürbitten gemacht.

(4) Was wir vor dem Einschlafen tun, beschäftigt uns oft noch im Schlaf. Das grenzenlose Surfen kann nicht nur mehrere Stunden Schlaf rauben, sondern auch die Reizverarbeitung im Schlaf stimulieren. Bedenke das bei dem, was du beim Einschlafen tust. Ich selbst schlafe mit einem gediegenen Buch, zum Beispiel mit einer Biographie, viel besser ein als mit einem Tablet.

(5) Achte darauf, dass die vielen Impulse, die du durch die digitalen Welten empfängst, nicht dein Denken destrukturieren. Denke selbst und sortiere entsprechend diesem Denken die Impulse ein oder aus. Das schützt vor Fremdbestimmung.

(6) Eine Welt, in der jeder erzählt, was er gerade tut oder fühlt, ist noch ärmer als eine Welt, die Anteilnahme nur simuliert. Kommuniziere auch von dir weg über Inhalte.

(7) Das Leben ist kurz. Deshalb handeln wir klug, wenn wir Wichtiges von Trivialem unterscheiden. Vieles, was durch das Netz geistert, ist nicht einmal trivial, sondern unnütz. Verschenke dein Herz nicht an das Unnütze.

(8) Worte sind wichtiger als bewegte Bilder. So unterhaltsam Filme auch sein mögen, sie können das Lesen nicht ersetzen. Ziehe die Lektüre dem entbehrlichen Glotzen vor.

(9) Plane Zeiten der Abstinenz ein. So entwickelst du ein Gefühl dafür, wie schön das Leben ohne diese Spielzeuge ist. Vielleicht zeigt dir die Lebendigkeit, die dadurch entsteht, dass Technik den Blick für das Wesentliche sogar versperren kann. Vielleicht wirst du sie gar nicht vermissen, diese digitale Scheinwelt.

Die Liste darf gern kritisiert und erweitert werden.

E21-Konferenz 2014

Bald beginnt die Evangelium21-Konferenz in Hamburg. Auf uns warten wieder bewegende Vorträge und Seminare. Ich haben Wolf Christian Jaeschke und Eowyn Stoddard kurz zu ihren Seminaren befragt. Die Gespräche sind auf der Internetseite von E21 zu finden: www.evangelium21.net.

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Georg Huntemann (1929–2014)

HuntemannDer Theologe Georg Hermann Huntemann ist am 13. Februar 2014 in Bremen verstorben. Von 1970 an war er Professor für Ethik und Apologetik an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH) und von 1985 bis 1995 an der Evangelische Theologische Faculteit, Leuven (ETF). Auch wenn Prof. Huntemann gelegentlich „hitzig“ werden konnte, hat er viele Theologen nachhaltig in guter Weise geprägt.

Als er wegen seiner klaren Predigten 1967 die St. Remberti Gemeinde in Bremen verlassen musste, schrieb DIE ZEIT über ihn:

Als der Möbelwagen kam, lag der Pastor fiebernd im Bett. Sein Sinn für Wirkung aber war ungebrochen. „Ich ließ die Möbelpacker das Bett und mich in die Mitte des Zimmers rücken. Als dann im leeren Raum nur noch das Bett und ich übrig waren, erhob ich mich und fuhr in die neue Wohnung. Dort ging es dann in umgekehrter Reihenfolge: das Bett und ich waren zuerst da.“

Dr. Dr. Georg Huntemann, ein Troublemaker unter den evangelischen Theologen in Bremen, hatte den Möbelwagen unfreiwillig freiwillig bestellt. Sein Auszug aus der Jahrhunderte alten Gemeinde von St. Remberti hat in der zu mehr als achtzig Prozent evangelischen Hansestadt heiße Debatten entfesselt und die Frage nach theologischen Lehrmeinungen und kirchlichem Freiheitsverständnis neu belebt.

Der 38 Jahre alte, barttragende Pastor Huntemann bezeichnet sich selbst als einen Gewandelten, „von der modernen Theologie hin zur konservativ-orthodoxen“. Moderne Theologie – sagt er – bedeutet „Auflösung“. „Ich habe mich in der Abkehr von liberalen und modernistischen Denkvoraussetzungen zu der Erkenntnis durchgerungen, daß nur die vorbehaltlose Bindung an die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes die Basis unseres Christusglaubens sein kann, und daß keine zeitbedingte, also auch keine sogenannte moderne Weltanschauungsform, diesen Heilsweg versperren darf.“ Wenn Huntemann predigt, ist die Kirche überfüllt, wenn er Vorträge hält – über Sex, Satan, Sünde – gibt es in großen Sälen keinen freien Platz. Billy Graham gehört zu seinen Vorbildern.
Gemeinsam mit zwei Amtsbrüdern hat Georg Huntemann zehn Jahre lang bei St. Remberti gewirkt, bei einer Gemeinde, der – so der dienstälteste Remberti-Geistliche – „von ihrer liberalen Tradition her, Lithurgismus und Klerikalismus ein Greuel ist“. Nach Ansicht seines theologischen Gegenspielers hat Huntemann sich vom „Liberalen“ zum „Fundamentalisten“ entwickelt und damit die Gemeinde an den Rand einer „vergiftenden Spaltung“ gebracht.

Hier ein Auszug aus seinem Buch Angriff auf die Moderne (1966, S. 89–91):

Welchen Sinn hat es, Opfer zu bringen?

Solange es Menschen gibt, solange gibt es Opfer. In der Bibel lesen wir gleich auf den ersten Seiten, daß Kain und Abel Gott Opfer darbrachten. Opfer bedeutet, daß etwas aus dem Verfügungsbereich des Menschen genommen wird. Wer opfert, nimmt sich selbst etwas weg, um es Gott zu geben.

Opfern in diesem religiösen Sinne hat für den modernen Menschen keinen Sinn mehr. Für ihn ist ja Lebensziel nicht hergeben, sondern herholen, hinnehmen, behalten — kurzum »haben«! Aus diesem Grunde ist der Mensch maßlos erschreckt, wenn er — gegen seinen Willen — etwas hergeben muß, oder wenn ihm etwas genommen wird (z. B. Gesundheit, Besitz oder dgl.).

Ganz anders der Christ: Sein »Haben« ist ihm geschenkt. Wenn er etwas besitzt, dann hat er nicht das Gefühl, daß es ihm gehört. Er versteht es als Geschenk Gottes. Der Christ identifiziert sich auch nicht mit dem, was ihm gegeben ist.

Selbstverständlich kann diese innere Einstellung gegenüber den Dingen nur durch eine fortwährende seelische Aufopferung erhalten werden. Nur wenn man sich immer wieder klar macht, daß alles, was ich habe, außerhalb meines Verfügens steht, und nur dann, wenn ich bereit bin, es mir von Gott nehmen zu lassen, gewinne ich das rechte Verhältnis zu den Dingen in meinem Leben. Krankheit, Verzicht und die vielen Niederlagen des Lebens sind eine Hilfe Gottes in diesem Versuch, der Welt gegenüber frei zu bleiben.

Christus hat sich in seinem stellvertretenden Leiden und Sterben für die Menschheit dahingegeben. Für unsere Lebens- und Welteinstellung können wir daraus diese Folgerung gewinnen: Im absoluten Nullpunkt unseres Daseins erlangen wir die Hinwendung zu Gott, wenn wir diesen Weg im Blick auf Christus als Weg des Heils verstehen. Alles aufopfern heißt: Vertrauen setzen nicht mehr auf die Welt, auch nicht auf den Mitmenschen, nicht einmal auf mich selbst, sondern allein auf Gott.

Jesus ruft uns zu, daß nur der seiner wert ist, der bereit ist, Vater und Mutter um seinetwillen zu verlassen. Von dem reichen Jüngling verlangt er, daß er alles aufgibt, um ihm nachzufolgen. Was hier verlangt wird, ist Opfer. Dieses Opfer bringt der Christ nicht, um die Welt (etwa Vater und Mutter) zu verachten. Vielmehr wird ein Lebensbereich des Menschen Gott geopfert, zu Gott in Beziehung gesetzt, ihm anheim gegeben.

Christus hat sein Leben hingegeben und hat es gewonnen. Das Kreuz ist das Zeichen des Nein, der Qual, der Vernichtung. Es ist aber auch gleichzeitig Zeichen des Lebens. Die alte Kirche sah im Kreuz den Lebensbaum, der im Paradies stand. In der Tat ist das Kreuz beides: Der Baum der Marter und der Baum des Lebens. Hier offenbart sich das christliche Weltverständnis: Durch Schmerz und Leid geht der Weg zum Leben.

Die Welt ist in der Tat eine zwiespältige Welt. Ist sie deswegen ein Beweis gegen Gott?

Die Welt wäre ein Beweis gegen Gott, wenn es nicht das Zeichen des Kreuzes gäbe. Allein unter dem Zeichen des Kreuzes kann die Welt in ihrer Zwiespältigkeit verstanden werden, weil man allein angesichts des Kreuzes erfährt, daß der Weg zum Ja durch das Nein führt. Nicht nur der Mensch muß durch das Nein zum Ja, sondern die ganze Kreatur zittert und bangt, um durch den Schmerz hindurch zur Erlösung, zum Anbrechen des neuen Kosmos zu gelangen.

Diese Erlösung ist der Weg Christi. Weil diese Welt eine zwiespältige Welt ist, kann man aus ihr Gott nicht ablesen. Den offenbaren Gott erkennen wir nur angesichts des Kreuzes. Das Kreuz über dem Kosmos zeigt eine Welt, die in ihrer Wandlung durch Leiden und Sterben hindurch den Weg der Auferstehung beschreitet.

Luther schreibt im Blick auf Kreuz, Tod, Höllenfahrt und Auferstehung Christi: Christus »Herr geworden aller Dinge, auch des Todes und der Hölle, so müssen auch wir als seine Glieder durch seine Auferstehung getroffen und angerührt werden und eben des teilhaftig werden, was er damit ausgerichtet hat, als um unsertwillen geschehen. Und wie er durch seine Auferstehung alles mit sich genommen, daß beide, Himmel und Erde, Sonne und Mond, muß neu werden, so wird er auch uns mit sich führen.«

Gewissensforschung für Siebtklässler

Matthias Matussek widerspricht THE EUROPEAN-Chefredakteur Alexander Görlach und stellt dabei die „Handreichung für Lehrkräfte“ mit dem Titel „Lesbische und schwule Lebensweisen – ein Thema für die Schule“ der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg vor.

In einem „heterosexuellen Fragebogen“ für Siebtklässler, also pubertierende 13- bis 14-Jährige wird diese Gewissenserforschung betrieben:

  • Woher glaubst du, kommt deine Heterosexualität
  • Wann und warum hast Du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?
  • Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?
  • Ist es möglich, dass deine Heterosexualität von einer neurotischen Angst vor Menschen gleichen Geschlechts kommt?

Und ist es möglich, dass da ein paar schlechtgelaunte bärtige Sandalenträger in selbstgestrickten Pullovern ebenso selbstgestrickte Kulturstrategien ausknobeln, die zwischen Unverschämtheit und Klippschusterwissen hin und herpendeln, um den „neuen Menschen“ zu erziehen?

Was soll ein 13-Jähriger auf die Frage antworten, woher seine Heterosexualität kommt? Und was, ob diese eine Phase ist? Ganz nebenbei wird hier übrigens insinuiert, dass Homosexualität kein genetisches Schicksal ist, sondern eine frei zu entscheidende Wahl. Ihr müsst euch mal langsam entscheiden, Leute! Um die pubertierenden 14-Jährigen völlig verrückt zu machen, wird ihnen die beliebte Vermutung, dass die Normalen, die man „Heterosexuelle“ nennt, eine „neurotische Angst vor Menschen gleichen Geschlechts“ hätten, in eine Frage gegossen – sind die noch zu retten?

Doch damit nicht genug. Während Homosexualität offenbar als genetisch bedingt angesehen wird, wird nun die Heterosexualität zu einer Variablen; zu einer Wahl, die sich ändern lässt.

Denn Frage 11 – und jetzt kommt‘s – lautet: „Es scheint sehr wenige glückliche Heterosexelle zu geben; aber es wurden Verfahren entwickelt, die es dir möglich machen könnten, dich zu ändern, falls du es wirklich willst. Hast du schon einmal in Betracht gezogen, eine Elektroschock-Therapie zu machen?“

Das steht da tatsächlich! Das haben sich diese Frankensteins tatsächlich aus ihren wirren Schädeln qualmen lassen.

Hier: www.theeuropean.de.

„Wie ist deine Beziehung zu Gott?“

Das 12-jährige Mädchen Taylor Smith schrieb ihrem zukünftigen „Ich“ einen Brief, der im Jahr 2023 geöffnet werden sollte. Wenige Monate danach starb sie überraschend an einer Lungenentzündung. Ihre Eltern entdeckten das Schreiben beim Aufräumen und haben es veröffentlicht. Bewegend!

„Wie gehts? Das Leben ist ziemlich einfach zehn Jahre vor deiner Zeit“, beginnt das Mädchen die Notiz und bohrt ihr zukünftiges Ich dann mit Fragen: „Gehst du aufs College?“ „Wie ist deine Beziehung zu Gott?“

Mit kindlichem Ernst pocht sie darauf, den Glauben an Jesus Christus nicht zu vernachlässigen: „Er wurde für dich verspottet, geschlagen, gefoltert und gekreuzigt.“ Dann wechselt sie wieder zu weltlichen Themen: „Läuft ‚Dr. Who‘ noch im Fernsehen?“

 Mehr hier: www.spiegel.de.

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