Allgemein

Sämtliche allgemeinen Beiträge.

Emergentes Glaubensbekenntnis

Donald Carson hat kürzlich ein emergentes (ist nicht ganz ernst gemeint) Glaubensbekenntnis vorgelegt (Quelle ist eine Buchempfehlung für: Andreas J. Kostenberger u. Michael Kruger: The Heresy of Orthodoxy: How Contemporary Culture’s Fascination with Diversity Has Reshaped Our Understanding of Early Christianity):

Im Anfang war die Vielfalt und die Vielfalt war bei Gott und Gott war die Vielfalt. Ohne die Vielfalt ist nichts gemacht, was gemacht ist. Es begab sich aber, dass grantige alte ›rechtgläubige‹ Leute die Vielfalt einengten und sie schließlich ausgrenzten und als Häresie ablehnten. Doch in der Fülle der Zeit (die natürlich unsere Zeit ist) erstand die Vielfalt und zerschmetterte die Rechtgläubigkeit. Und nun, die Vielfalt sei gebenedeit, als einz’ge Häresie bleibt – die Rechtgläubigkeit.

VD: AW

Veräppelung

Über den Wortakrobaten Bodo Wartke staune und schmunzle ich immer wieder gern. Kennengelernt habe ich ihn durch unsere Kinder, die seinen Humor und seine Sprachkompetenz schätzen. Mit welchem Betriebssystem Wartke wohl seine Texte schreibt?

Das Lied PCdenzfall gibt vermutlich die Antwort:

Das Bücherfeuer von Düsseldorf

Ich habe Jesus Christus im Rahmen einer Arbeit des »Jugendbundes für Entschiedenes Christentum« (EC) kennengelernt. Gern denke ich an diese Tage zurück, in denen wir uns als Jugendliche mehrmals in der Woche getroffen haben, um gemeinsam Bibel zu lesen, zu diskutieren oder Sport zu treiben. Es war eine (zumindest für mich und viele andere) gesegnete Zeit.

Ein Thema löste damals in meinem Düsseldorfer EC gelegentlich eine gewisse Verlegenheit aus. Ich spreche von der Bücherverbrennung im Herbst 1965. Ungefähr 25 EC’ler trafen sich am Rheinufer, um während einer behördlich angemeldeten Veranstaltung so genannte Schmutz- und Schundliteratur zu verbrennen. Unter Klampfenbegleitung sangen die jungen Leute christliche Lieder und verbrannten Bücher wie Lolita, Die Blechtrommel oder Der Fall.

Das Ereignis löste nicht nur beim EC Jugendverband Krisensitzungen aus, sondern fand auch sonst reges Interesse bei der Presse. Sogar eine elitäre Wochenzeitschrift nahm sich der Sache an und publizierte einen umfangreichen Artikel mit dem Titel »Ein Licht ins dunkle deutsche Land«. Ferdinand Ranft schrieb damals für DIE ZEIT:

Der Plan, in der Öffentlichkeit Bücher zu verbrennen, wurde von dem Düsseldorfer Jugendbund schon am 22. August in der sonntäglichen Gruppenstunde gefaßt. Den Anstoß dazu gab ein Rundgespräch über die Wochenlosung, die sich in der Apostelgeschichte, Kapitel 19, findet. Es heißt dort in Vers 18 und 19 über die dritte Missionsreise des Paulus nach Ephesus: »Es kamen auch viele derer, die gläubig waren geworden, und bekannten und verkündigten, was sie getrieben hatten. Viele aber, die da vorwitzige Kunst getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich …«

In ihrem Eifer, eine spektakuläre Tat für die »Sauberkeit und Reinheit ihrer Umwelt« zu vollbringen, übersahen die jungen Leute ebenso wie die Gruppenleiterin … völlig, daß sie zunächst einmal der Wochenlosung eine theologisch unhaltbare Interpretation untergeschoben hatten. Die Epheser hatten keineswegs Werke der antiken Literatur verbrannt, sondern heidnische Zauberbücher, Werke der »Schwarzen Magie«. Doch einmal auf dem falschen Wege, war die Aktivität der Jungen und Mädchen nicht mehr aufzuhalten.

Mal davon abgesehen, dass der lukanische Bericht von der Bücherverbrennung in Ephesus überinterpretiert wurde (Kontext sind Schuldbekenntnis und die öffentliche Abwendung von der Zauberei (!) unter Inkaufnahme enorme finanzieller Verluste – 1 Drachme entsprach damals etwa einem Tageslohn. Außerdem ist es ein Bericht, keine Empfehlung zur Nachahmung.), hatten die wirklich ganz lieben Leute vom EC vollkommen ausgeblendet, dass die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten nur gute 30 Jahre zurücklagen.

Wenn ich nun lese, dass irgendwelche fromme Christen in Florida zu einer öffentlichen Verbrennung des Korans aufgerufen haben, kann ich nur entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wie können Leute so unüberlegt handeln? Von den Nazis mögen diese Leute in Florida noch nicht viel gehört haben. Sie wissen aber, dass wir heute in einem globalen Dorf leben. Sie setzten ja genau darauf, dass die Welt inzwischen flach ist und allerorten über diese Veranstaltung berichtet wird. In den USA mag so eine Aktion medialen Protest auf sich ziehen und das Image der Evangelikalen noch mehr in den Dreck ziehen, in manchen Ländern dieser Welt kann so ein Unfug das Leben von völlig unbeteiligten Menschen gefährden!

Da bin ich froh, dass die Evangelische Allianz als Netzwerk für die Evangelikalen sich deutlich distanziert hat und fordert, diese Buchverbrennung abzusagen.

Rebellen gegen Rom – die Piusbrüder

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eine Priestervereinigung katholischer Traditionalisten, die 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet wurde. Die Bruderschaft kam in den in den letzten Jahren oft in Verruf, nicht zuletzt wegen umstrittener Äußerungen von Richard Williamson zum Holocaust.

Das Schweizer Fernsehen hat gestern die Dokumentation »Rebellen gegen Rom – die Piusbrüder« des Filmemachers Günther B. Ginzel ausgestrahlt. Die halbstündige Sendung ist liebevoll gemacht, gewährt aber auch Einblicke in Spannungen und Sonderbarkeiten. In der Programmbeschreibung heißt es:

Der Skandal erschütterte 2009 die katholische Kirche: Völlig überraschend hatte Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier Bischöfen der von Rom abtrünnigen, ultrakonservativen Piusbruderschaft aufgehoben. Die Entscheidung des Papstes wurde auch von vielen Bischöfen in seltener Offenheit kritisiert. Wirkte diese Entscheidung nicht wie eine Rehabilitierung, ja eine Akzeptierung einer alten Theologie, die das Zweite Vatikanische Konzil überwunden hat? Lehnen die Piusbrüder nicht seit vier Jahrzehnten alles ab, was modernen Katholiken lieb und teuer ist: die Aufwertung der Laien, die Liturgiereform, der Dialog der Religionen? Leugnete nicht einer ihrer vier Bischöfe, Richard Williamson, öffentlich den Holocaust? Die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der Piusbruderschaft finden seither im Geheimen statt.

Wo stehen die Piusbrüder? Welche Theologie vertreten sie? Wie ist es für junge Menschen, in einer so eingeschworenen Gemeinschaft zu leben? Erstmals öffnet sich die Priesterbruderschaft einem Fernsehteam und gewährt Einblick in ihren Alltag der Priester- und Schülerausbildung. Der Film «Rebellen gegen Rom» von Günther B. Ginzel begleitet eine junge Schülerin und den angehenden Priester Elias Stolz zu seiner Priesterweihe im Juni 2010 in Deutschland und die letzten Wochen davor. In ihrem Hauptsitz, in Menzingen, Kanton Zug, spricht ausserdem der Generalobere Bischof Bernard Fellay Klartext über die Vorstellungen der Bruderschaft: Trotz der laufenden Verhandlungen kritisiert er den Vatikan überraschend scharf und lehnt den Dialog mit den reformierten Kirchen kompromisslos ab.

Ein Dokumentarfilm über prinzipientreue Jugendliche, hinreißend schöne Messen und eine ungebrochene Haltung: Wir haben Recht! Die Rebellion gegen den Papst geht weiter.

Hier das Video, allerdings nur für Blog-Leser aus der Schweiz (Leser  aus anderen Ländern können den Film hier als Podcast herunterladen.):

VD: J

Die Evangelikalen sind eigentlich nicht gefährlich …

Thomas Schirrmacher hat die Kritik an Christians Wulffs Verbindung zu ProChrist genauer unter die Lupe genommen. Im Deutschlandradio hat Kirsten Dietrich in einem Interview am 22.6.2010 Anklage gegen ProChrist als »fundamentalistische Bewegung« erhoben (Quelle hier). Anlass war ihre Kritik an der Mitgliedschaft von Christian Wulff im Kuratorium von ProChrist.

Schirrmacher schreibt:

Einmal ganz davon abgesehen, dass Frau Dietrich offensichtlich mit religiösen Veranstaltungen überhaupt wenig anfangen kann, etwa wenn sie am Beispiel von Wulff vor allem erst einmal erkennt »dass jede Religion immer auch irrationale Elemente hat« (seit wann gilt das nur für Religion und nicht auch für Medien, Kunst oder Politik?) und sie Irrationales offensichtlich lieber verbieten würde. Also ganz davon abgesehen, klingen ihre Beschreibungen der ProChrist-Veranstaltungen immer irgendwie negativ und verschwörerisch. Die Veranstaltungen sind ‚perfekt organisiert‘! Ist das etwas Schlimmes oder einfach nur typisch deutsch? Und dann: »Also da gibt es Vernetzungen.« Ja, gibt es die denn irgendwo nicht mehr? Wieso klingt der Vorwurf ›Netzwerk‹ in Dietrichs Mund mehr nach Al Kaida als nach Facebook?

Die entscheidende Frage ist nun aber: Welche Belege hat Dietrich vorzubringen, dass ProChrist in ähnlicher Weise als fundamentalistisch einzustufen ist, wie Osama bin Laden oder fundamentalistische Hindus, die derzeit in Indien Muslime und Christen töten, da das Land nur Hindus gehöre?

Nein, nein, in diesem modernen Sinn sind sie gar keine Fundamentalisten, so Dietrich, sondern im »eigentlichen Sinn des Wortes«, womit eine Gruppe Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnet wurde. (»Ja, es ist eine fundamentalistische Bewegung, wenn man den eigentlichen Sinn des Wortes Fundamentalismus nimmt. Das bedeutet ja eigentlich nicht von der Entstehung her den bärtigen Terroristen, den man heute damit assoziiert.«)

Hier mehr: www.thomasschirrmacher.info.

East Asia Journal of Theology ist online

Rob Bradshaw hat etliche Ausgaben des East Asia Journal of Theology digitalisiert. Rob:

Ich sehe in dieser Ergänzung einen bedeutenden Meilenstein für die Entwicklung der Theologie im Internet, da es sich um die erste nicht-westliche theologische Zeitschrift handelt, die ich anbiete. Das ist auch insofern wichtig, da immer mehr Besucher der Seite aus Ostasien stammen.

Hier das Archiv: www.biblicalstudies.org.uk.

Der Nation die Ehre zurückgeben?

Sarah Palin rief am Wochenende vielen Tausenden Demonstranten zu: »Wir müssen Amerika erneuern, wir müssen die Ehre Amerikas wiederherstellen«. Organisator der Veranstaltung war der ultra-konservative TV-Moderator Glenn Beck. Der Mormone stand vor dem Lincoln Memorial und rief Amerikas Christen zur Erweckung auf: »Heute beginnt Amerika damit, sich wieder Gott zuzuwenden.«

Russel D. Moore hat die bizarre Kundgebung treffend kommentiert:

Rather than cultivating a Christian vision of justice and the common good (which would have, by necessity, been nuanced enough to put us sometimes at odds with our political allies), we’ve relied on populist God-and-country sloganeering and outrage-generating talking heads. We’ve tolerated heresy and buffoonery in our leadership as long as with it there is sufficient political »conservatism« and a sufficient commercial venue to sell our books and products.

Too often, and for too long, American »Christianity« has been a political agenda in search of a gospel useful enough to accommodate it. There is a liberation theology of the Left, and there is also a liberation theology of the Right, and both are at heart mammon worship. The liberation theology of the Left often wants a Barabbas, to fight off the oppressors as though our ultimate problem were the reign of Rome and not the reign of death. The liberation theology of the Right wants a golden calf, to represent religion and to remind us of all the economic security we had in Egypt. Both want a Caesar or a Pharaoh, not a Messiah.

Hier der vollständige Text: www.russellmoore.com.

Der gefälschte Glaube

51BvWNbkAeL._SL160_.jpgKenda Creasy Dean hat den Glauben von Jugendlichen in Amerika untersucht. Das Ergebnis überrascht mich nicht. Das, was den Teenies geboten wird, nennt sie »moralistischen, therapeutischen Deismus«. CNN hat mit der Professorin des Princeton Theological Seminary gesprochen:

Your child is following a »mutant« form of Christianity, and you may be responsible. Dean says more American teenagers are embracing what she calls »moralistic therapeutic deism.« Translation: It’s a watered-down faith that portrays God as a »divine therapist« whose chief goal is to boost people’s self-esteem. Dean is a minister, a professor at Princeton Theological Seminary and the author of »Almost Christian,« a new book that argues that many parents and pastors are unwittingly passing on this self-serving strain of Christianity. She says this »imposter’« faith is one reason teenagers abandon churches. »If this is the God they’re seeing in church, they are right to leave us in the dust,« Dean says. »Churches don’t give them enough to be passionate about.«

Mir gefällt das Zitat von Elizabeth Corrie im CNN Artikel:

Wir denken, dass sie [gemeint sind die Jugendlichen] Kuchen wollen, aber sie wollen eigentlich Steak mit Kartoffeln. Wir aber geben ihnen einfach weiterhin Kuchen.

Das Buch mit der Forschungsarbeit:

  • Kenda Creasy Dean: Almost Christian: What the Faith of Our Teenagers Is Telling the American Church, Oxford University Press, 2010, 264 S.

gibt es hier:

Damit wir durch ihn leben

1. Johannesbrief 4,9:

Darin ist die Liebe Gottes unter uns erschienen, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.

VD: JT

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