Bibelwissenschaft

Pascal: Haben die Apostel die Auferstehung Jesu erfunden?

Blaise Pascal über die die These, die ersten Jünger hätten die Auferstehung ihres Herrn nur erfunden, um sich selbst und ihrer christlichen Mission eine Legitimation zu geben (Gedanken, 2016, Fragment 344,  S. 194):

Die Annahme schurkischer Apostel ist reichlich absurd. Man denke das zu Ende, man stelle sich diese zwölf Männer vor, wie sie sich nach dem Tode Jesu Christi versammeln und sich verschwören zu behaupten, er sei auferstanden! Sie fechten damit alle Gewalten an. Das Herz der Menschen hat einen seltsamen Hang zur Leichtigkeit, zur Veränderung, zu Versprechen, zu Gütern. Wenn auch nur einer von ihnen all dieser Verlockungen wegen widerrufen hätte, und mehr noch, der Gefängnisse, der Qualen und des Todes wegen, wären sie verloren gewesen.

Man denke das zu Ende!

Sola scriptura à la EKD

Die EKD hat den Grundlagentext Bedeutung der Bibel für kirchenleitende Entscheidungen herausgeben und schreibt dazu:

Der Begriff des Überlegungsgleichgewichts zielt darauf ab, dass Erfahrungswissen und Einsichten aus den Wissenschaften ebenso wie biblische Einsichten berücksichtigt, gewichtet und „so ins Verhältnis gesetzt“ werden, „dass die orientierende und bindende Kraft der Bibel zum Tragen kommt“. Dem Evangelium solle dabei, so wird betont, „der Vorrang im Sinne der begründenden, orientierenden, prägenden Bedeutung für den Zusammenhang aller Aspekte“ zukommen. Außerdem solle die Schriftauslegung vor allem darauf abzielen, neue Impulse in die Fragestellung einzubringen und ein tieferes Verständnis der Problemlage zu fördern. Das alles geschehe „in einem komplexen, nicht eindeutig methodisierbaren Abwägungsprozess. Um zu veranschaulichen, wie das in der Praxis aussehen kann, wird der Prozess im Text anhand von vier Beispielen nachgezeichnet. Dabei wird auch deutlich, dass unterschiedliche Gewichtungen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können.

Ich habe einen ersten Blick auf den Grundlagentext geworfen und bisher nichts Überraschendes gefunden. Vom Evangelium her gesehen werden Texte für eine rein kontextgebundene (historische, kulturgeschichtliche) Auslegung freigegeben. An den Anwendungsbeispielen kann gut erkannt werden, wie so der semantische Inhalt biblischer Texte geradezu auf den Kopf gestellt werden kann.

Hier das Buch: bedeutung_bibel_EVA_2021.pdf.

Können wir den Evangelien vertrauen?

41D9a4XKChL SX313 BO1 204 203 200Peter J. Williams schreibt in seinem Buch Glaubwürdig: Können wir den Evangelien vertrauen? (Neuried, 2020, S. 142–143):

Das Johannesevangelium beginnt mit den Worten »Im Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, ja das Wort war Gott« (1,1). Danach wird erklärt, dass dieses Wort Mensch wurde (1,14) und Jesus Christus (1,17) ist. Hier steht, dass das Wort – was in der griechischen Philosophie ein abstraktes kreatives Prinzip war und sich in der jüdischen Sprache auf Gott selbst beziehen konnte -schon immer existiert hat, Gott ist und sich dennoch von Gott unterscheidet. All das steht in einem jüdischen Bezugsrahmen, in dem es nur einen Gott gibt. Das Wort kommt auf die Erde und tut, was Wörter tun – es kommuniziert. Das Wort sagt uns, wer Gott ist.

Diese Darstellung Jesu als derjenige, der uns sagt, wer Gott ist, kann man auch in den synoptischen Evangelien finden. Sie enthalten alle den Gedanken, dass Gott seinen Sohn sandte, um uns zu zeigen, wer Gott ist, und um sein Leben für das Heil der Menschen zu geben (Matthäus 20,28; Markus 10,45; Lukas 19,19; 22,20). Die Darstellung Jesu in den Evangelien zu akzeptieren, bietet tatsächlich die beste einheitliche Erklärung für eine ganze Reihe von Phänomenen in den Evangelien, die sich sonst nur auf komplizierte Weise erklären ließen.

Wenn die Darstellung Jesu in den Evangelien falsch ist, hat man viele intellektuelle Hürden zu überwinden, um zu erklären, warum so viele historische Details richtig oder plausibel sind. Man muss erklären, wie die verschiedenen Schichten des Textmaterials in den Evangelien aufkamen – sie zeugen ja alle davon, dass ihr jeweiliger Autor mit der Zeit, in der Jesus lebte, bestens vertraut war, und sie weisen allesamt die Eigenschaften auf, die man von den frühesten jüdischen Überlieferungsschichten erwarten würde. Man muss den Ursprung der Gleichnisse erklären, die neuartige Lehre und all die Fälle, in denen Aussagen in einem Evangelium sich am einfachsten dadurch erklären lassen, dass man sie von einem anderen her beleuchtet. Man muss zudem erklären, wie die Bewegung der Nachfolger Jesu zahlenmäßig auf eine Weise explodierte, über deren Ursache sich die Historiker nicht einig werden.

Ich möchte auf keinen Fall behaupten, man könnte das alles nicht auch wegerklären. Menschen sind raffiniert, und deshalb können sie natürlich alles Mögliche wegerklären. Ja, ein bedeutender Teil der professionellen Bibelforschung ist relativ erfolgreich darin gewesen, Erklärungen für jedes der in diesem Buch erwähnten Phänomene zu bieten. Allerdings spricht dies möglicherweise eher für den menschlichen Einfallsreichtum als für die Richtigkeit dieser Erklärungen.

Bibel-Software Logos: Exegese Webinar

Die Mitarbeiter des deutschsprachigen Logos-Teams werden am 30. April 2021 in einem Webinar eine Exegese zur „Versuchung Jesu in der Wüste“ (Mt 4,1–11) präsentieren. Bei der Exegese werden Wortstudien zu interessanten Begriffen vorgestellt und kulturelle Hintergrundinformationen erkundet. Gezeigt wird auch, wie wichtig es ist, die Rolle des Abschnitts im Matthäusevangelium und in der großen Geschichte der Bibel zu finden (Parallelstellen). 

Ebenfalls gezeigt wird, wie interessante Zitate aus Kommentaren gespeichert werden können, um sie später in eine Predigt einzufügen. Erklärt wird außerdem, wie passende Predigt-Illustration gefunden werden können. Auch Predigteditor und Predigtkalender werden praxisorientiert vorgestellt.

Zeitpunkt: Freitag, 30. April, 20.00 bis ca. 21.30 Uhr. Hier gehts zur Anmeldung

Fragmente aus biblischen Zeiten

Die SZ meldete am Dienstag, wie andere Medien auch, dass in Israel Forscher Münzen, einen Korb und Fragmente einer fast 2000 Jahre alten Schriftrolle gefunden haben. Die Schriftrolle enthält biblische Texte in griechischer Sprache verfasst. Peter Münch meldet aus Tel Aviv (Israel):

In einer Höhle nahe des Toten Meers haben israelische Forscher einen archäologischen Schatz geborgen. Als wichtigste Fundstücke gelten dabei nach Angaben der nationalen Altertumsbehörde die Fragmente einer fast 2000 Jahre alten Schriftrolle mit biblischen Texten auf Griechisch. In der gleichen Gegend waren vor rund 60 Jahren durch Zufall die sogenannten Qumran-Rollen mit den ältesten bekannten Bibeltexten gefunden worden, die zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts gezählt werden.

Hier ein DLF-Bericht dazu:


Visual Bible Guide

Helmut Henschel hat für Evangelium21 das hier schon im Dezember empfohlene Buch Visual Bible Guide rezensiert. Er schreibt:

Challies Visual Bible GuideDie größte Stärke des Buches zeigt sich im dritten und letzten Teil des Visual Bible Guide. Dort wird der rote Faden des Heilsplanes Gottes im Sinne der Biblischen Theologie ausgebreitet. Jesus selbst ist Mitte und Auslegungsprinzip der Schrift. Von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende zeigt die Bibel, dass es in ihr nicht so sehr um uns, sondern um Gott – d.h. Jesus – geht. An diesem Punkt sind die Visualisierungen besonders hilfreich, ist es so doch möglich, sehr schnell einen Überblick über die Entfaltung von Gottes Plan durch die ganze Schrift zu erhalten. Dabei wird aufgezeigt, wie die einzelnen Bücher und Gattungsgruppen der Bibel auf ihre eigene Art auf Jesus hinweisen und seine Zentralität deutlich machen. Das bringt am Ende sehr effektive Auslegungshilfen, die beim eigenen Studium enorm hilfreich sein können. Durch die Grafiken einprägsam ausgeführt, erfährt man z.B., dass man die literarischen Bücher des Alten Testaments als Ausdruck der Sehnsucht nach Jesus verstehen sollte. Das dürfte gerade jungen Christen eine große Ermutigung sein, die Texte nicht nur zu lesen, sondern auch diesbezüglich zu interpretieren.

Zwei Eigenschaften heben diese Publikation besonders hervor: Naturgemäß die Visualisierungen und Informationsgrafiken, die ihre besondere Stärke im letzten Teil entwickeln, und der konsequent biblisch-theologische Ansatz, der sich durch das ganze Buch zieht und dann vor allem im dritten Teil ausführlich zur Sprache kommt. Das alleine ist eine Anschaffung und Lektüre auf jeden Fall wert.

Mehr: www.evangelium21.net.

Basisbibel hat „theonome Dimension“ gelöscht

Hannah Bethke hat in ihrem Artikel „Entmündigung ist kein Seelentrost“ die sogenannte Basisbibel scharf kritisiert und dabei meines Erachtens ein wenig übertrieben (FAZ, 02.02.2021, Nr. 27, S. 9, vgl. auch den Beitrag: Die „Basisbibel“ ist da). Die Richtung ihrer Rezension stimmt aber. Es kann nicht sein, dass den Bibeltexten möglichst viele Anstöße genommen werden. Manche Anstöße muss man den Lesern zumuten, da nur auf diese Weist der Ursprungstext treu wiedergegeben wird und das Denken der Leser hinterfragt werden kann.

Bethke schreibt:

Es ist ja ehren wert, junge Generationen zum Lesen der Bibel und überhaupt von Büchern bringen zu wollen. Die Frage ist nur, ob das gelingen kann, wenn die Sprache so sehr verein facht wird, dass sie ihren Charakter verliert und mitunter sogar etwas ganz anderes aussagt. Warum sollte junge Leser das mehr reizen, als sich auf einen geheimnisvollen Text einzulassen, der viel leicht nicht immer gleich beim ersten Lesen verständlich ist, aber von einer anderen Zeit erzählt, und zwar gerade nicht durch den Filter heutiger Sprachgewohnheiten, sondern unvermittelt eigentümlich? Warum sollten junge oder neue Leser keine Freude daran haben, über einen Satz nach zu denken, der schwer zu verstehen ist, aber gerade durch die Tiefe der Reflexion zu neuen Erkenntnissen führt?

Als „Erstbegegnung“ mit dem Text, wie die EKD sie empfiehlt, eignet sich die Basisbibel gerade nicht. Man nimmt den Lesern des digitalen Medienzeitalters, die hier angesprochen werden sollen, die Möglichkeit einer tief wirken den, ungefilterten Lektüre, wenn man ihnen sofort die vereinfachte Variante vorsetzt. Man unter stellt ihnen nicht nur Bildungsferne, sondern auch Desinteresse am vertieften Lesen. Mehr noch: Man entmündigt sie, wenn sie schon, noch ehe sie es versucht haben, von allen Schwierigkeiten des Denkens befreit werden sollen.

Der Religionspädagoge Prof Dr. Bernd Beuscher hat dann in einem Leserbrief noch eine Schippe draufgelegt (FAZ, 05.02.2021, Nr. 30, S. 18). Obwohl ich seine Bedenken ebenfalls nicht völlig teile, liegt er meiner Auffassung nach richtig, wenn er darauf verweist, dass bei einer Übersetzung eben nicht alles der Zielkultur „unterworfen“ werden darf.

Beuscher sagt:

Jesus und Luther haben sich also nicht dem Zeitgeist und den sprachlichen Gepflogenheiten angepasst, sondern Tacheles geredet. Sprache ist ein bildgebendes Verfahren. Das Leben erzählt seine Geschichten. Bibelgeschichten sind Lebensgeschichten. Lebensgeschichten sind Glaubensgeschichten. Es geht beim „Dolmetschen“ der Bibel darum, das Hebräisch-Existentielle und Griechisch-Existentielle ins Deutsch-Existentielle oder in existentielles Deutsch zu übersetzen. Luther hat die Krisenfrage, was im Leben zählt, existentiell so klar und von allem Klerikalen entschlackt formuliert, dass er die Menschen ins Herz traf.

Die Basisbibel hat die theonome Dimension gelöscht. So ist aus einer „Theologie des Wortes“ eine „Theologie der richtigen Wörter“ geworden. Sie ist moralischer Kitsch, der das Märchen von der Selbstgerechtigkeit erzählt. Dann wird aus dem Nächsten der Mitmensch, aus Auferstehung die Auferweckung und aus Barmherzigkeit Mitleid. Wer mit der Basisbibel die Erstbegegnung mit dem Christentum hat, bekommt den Eindruck, Kirche sei Humanismus mit frommem Flair und konfessorischem Touch. Aus dem „fleischgewordenen Wort“ (Johannes 1) ist „wortgewordenes Fleisch“ geworden.

Die „Basisbibel“ ist da

Die sogenannte BasisBibel ist nun als vollständige Ausgabe mit Altem und Neuem Testament erhältlich. Die Deutsche Bibelgesellschaft wollte eine zeitgemäße Übersetzung herausgeben, bei der die Lesegewohnheiten im digitalen Zeitalter berücksichtigt werden. Die Sätze sind kurz und prägnant formuliert, jedenfalls meistens. Vierzig Übersetzer haben laut Bibelgesellschaft siebzehn Jahre an dieser Ausgabe gearbeitet.

Hier ein ganz hilfreicher DLF-Beitrag zur Basisbibel:

Ich bin gespannt, wie die Arbeit der Herausgeber kommentiert wird. Wer einmal eine fundierte, kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten „dynamisch-äquivalenten“ Übersetzung der Bibel lesen möchte, sollte sich unbedingt Stefan Felbers Studie Kommunikative Bibelübersetzung anschauen.

Weihnachtsaktion 2020 beendet

Frank S. aus der Nähe von Lübeck hat bei der diesjährigen Weihnachtsaktion gewonnen. Das Paket Logos 9 Silber Deutsch wird er an einen guten Freund verschenken. Ich gratuliere herzlich!

Logos ist eine führende Bibelsoftware und im deutschsprachigen Raum der größte Anbieter für digitale deutschsprachige Literatur aus dem Bereich Theologie. Die Bibliothek der Edition Silber enthält sehr viele deutschsprachige Ressourcen, so dass ich es sehr gern weiterempfehle. Das Paket eignet sich ideal für Bibelschüler, Älteste oder Laienprediger. Die Funktionen von Logos 9 Silber umfassen Studienhilfen, das Faktenbuch, einen Atlas, Kommentare, und vielem mehr. Die Software ist verfügbar unter Windows, Mac, Android, iOS und kann auch im Internet genutzt werden. Weitere Informationen über das Paket gibt es hier.

Ich danke nochmals dem Hersteller und dem Produktmanagement für den Deutschen Markt für die Bereitstellung des Paketes. Außerdem danke ich den Spendern und allen Interessenten fürs Mitmachen!

Ich wünsche allen Besuchern des TheoBlogs in diesem doch etwas besonderem Jahr besinnliche Weihnachten! 

Ron Kubsch

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