Theologie

Die Accordance Bibel 7.4

ressourcenpalette.jpgIch habe mit einer Rezension über die Studienbibel Accordance für das Mac OS von der Firma OakTree Software begonnen. Das Zwischenergebnis stelle ich hier online. Sollte der Leser Fehler, Defizite oder Unverständlichkeiten bemerken, würde ich mich über eine kurze Rückmeldung freuen und mich gern um eine Verbesserung des Textes bemühen.

Theologen, Studenten und an der Bibel interessierten Laien, die mit dem Betriebssystem Windows arbeiten, steht mittlerweile eine große Auswahl hochwertiger Bibel-Software zur Verfügung. In der Apple Macintosh-Welt ist das Softwareangebot für die wissenschaftlich-theologische Arbeit mit der Bibel dagegen überschaubar. Das Open Source Produkt MacSword, das auf die Textdatenbanken des Sword Projektes zurückgreift, ist für den wissenschaftlichen Einsatz noch nicht tauglich. Die Firma Logos Research Systems arbeitet derzeit mit Hochdruck an einer Mac Bible, die den Zugriff auf die Logosmodule ermöglichen und damit eine umfangreiche Bib­liothek digitalisierter Texte zur Verfügung stellen soll. Die bisher einzige bewährte Bibel-Software für das professionelle Arbeiten mit ursprachlichen Texten ist die Accordance Bibel von der Firma OakTree …

Hier die vollständige Rezension: accordancebible.pdf.

Kim Riddlebarger liest über N.T. Wright’s Paulusperspektive

Kim Riddlebarger, prominent für seine Darstellung und Verteidigung des Amillennialismus in A Case for Amillennialism, hielt am 18. Januar an der Akademie der Christ Reformed Church eine Vorlesung über N.T. Wright und seine Paulusperspektive. Riddlebarger schätzt Wright als genialen Schriftsteller und Theologen und behandelt seine Perspektive respektvoll. Gleichzeitig hält er Wright’s Interpretation der paulinischen Rechtfertigungslehre für problematisch. Der Vortrag bekräftigt meinen Eindruck, dass die Neue Pauslusperspektive uns noch lange beschäftigen wird.

Ein Mitschnitt der Vorlesung kann hier als mp3-Datei herunter geladen werden: A20080118-Wright.mp3.

Originalsprachige Editionen der Bibel jetzt online

WiBiLex, das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet, ist seit dem Jahreswechsel Teil des Bibelportals der Deutschen Bibelgesellschaft. Folgende orginalsprachigen Bibelausgaben gehören inzwischen auch zum Angebot:

  • Hebräisches Altes Testament nach dem Text der Biblia Hebraica Stuttgartensia
  • Griechisches Neues Testament nach dem Text des Novum Testamentum Graece (ed. Nestle-Aland), 27. Auflage
  • Griechisches Altes Testament nach dem Text der Septuaginta (ed. Rahlfs/Hanhart)
  • Lateinische Bibel nach dem Text der Vulgata (ed. Weber/Gryson)

Um die Suchfunktionen des Angebots nutzen zu können, ist eine kostenlose Anmeldung erforderlich. Hier geht es zum Angebot der Deutschen Bibelgesellschaft: www.bibelwissenschaft.de/online-bibeln.

Eine TULIP Renaissance?

Das amerikanische Journal Christianity Today teilt heute mit, dass innerhalb der Denomination der Südlichen Baptisten (SB) der Anteil der Kalvinisten steigt.

Nach der Einschätzung von Ken Walker sind derzeit nur 10 Prozent der Pastoren bei den SB Kalvinisten. Unter den Absolventen der theologischen Seminare wachse dagegen die Popularität der reformierten Theologie. Ungefähr 30 Prozent der zu den SB gehörenden Studienabgänger seien gegenwärtig reformiert.

Mehr hier: http://www.christianitytoday.com.

Barth in Chicago

Ich arbeite derzeit an einem Buchprojekt für John Warwick Montgomery, das hoffentlich in diesem Jahr erscheinen wird. Bei der Auswertung und Erfassung einiger Aufzeichnungen von Professor Montgomery viel mir ein Text in die Hände, den ich – auch im Blick auf die Zeitgeistdebatte (vgl. Brauchen wir einen Kulturevangelikalismus? und Karl Barth und die Kontextualisierung) und die Barth-Renaissance in evangelikalen Kreisen (vgl. dazu das Interview von Guy Davies mit David Gibson, der zusammen mit Daniel Strangs die Publikation Engaging with Barth vorbereitet) – interessant finde.

Zum Text: J.W. Montgomery – ein Freund des 1984 verstorbenen Francis Schaeffer –, besuchte im Jahre 1962 eine Vortragsreihe von Karl Barth an der theologischen Fakultät der Universität von Chicago. Die Fakultät hatte sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts einem sozialgeschichtlichen Ansatz verschrieben und berief 1962 noch einmal Paul Tillich, der dort seinen dritten Band der Systematischen Theologie fertigstellte. Die neo-orthodoxe Theologie von Barth passte überhaupt nicht zur Ausrichtung der Universität und so erwarteten zahlreiche Gelehrte gespannt das Erscheinen des Schweizer Theologen, der damals bereits betagte 75 Jahre alt war.

Der Verfasser erteilte mir freundlicher Weise die Genehmigung, den Bericht zu übersetzen und hier im Blog zu publizieren. Übersetzt hat den Artikel netter Weise Daniela Stöckel, die derzeit in England studiert. Vielen Dank!

Hier der Augenzeugenbericht von John Warwick Montgomery: Barth in Chicago.pdf

Ist unsere Gesellschaft postmodern?

Mike Bischoff hat kürzlich in einem Post sein Verständnis von Postmoderne auf konstruktive und hilfreiche Weise präzisiert. Ich kann mich in den wesentlichen Aussagen sowohl Sebastian Heck als auch Mike anschließen. Ich vertrete bekanntlich in Anlehnung an Zima und Kamper einen zwiespältigen Epochebegriff: Die Postmoderne ist »sowohl als Bruch mit der Moderne als auch als deren Fortsetzung mit neuen Mitteln« lesbar. Sie war – wie Jean-François Lyotard sagt – bereits in die Neuzeit eingeschlossen.

Die Postmoderne situiert sich weder nach der Moderne noch gegen sie. Sie war in ihr schon eingeschlossen, nur verborgen.

Von daher beobachte ich mit Skepsis, wie so manche EmCh’ler die Fehler der »modernen« Kirchenvertreter wiederholen. Sie assimilieren sich an den Postmodernismus, der – habe ich Recht – radikalisierte Moderne ist. Wen wundert es, dass man als Beobachter dabei auf den Gedanken kommen kann, dass die Konsequenzen fataler sein könnten, als die der neuzeitlichen Kirchen­ge­schichte? (An dieser Stelle der Hinweis, dass Dirk Seifert den Epocheanspruch der Postmoderne in einer Ausarbeitung aus christlicher Sicht kritisch hinterfragt.)

Jetzt aber zu Mike’s Thema: Ist unsere Gesellschaft postmodern?

Ich bin ebenfalls der Auffassung, dass der harte Postmodernismus in Deutsch­land nicht wirklich angekommen ist. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Meines Erachtens hängt es mit der Frankfurter Schule (Michel Foucault bekannte in seinen späten Jahren die Verwandschaft seiner Ideen mit denen der Kritischen Theorie), dem sehr hohen Stellenwert der ›harten‹ Naturwissenschaften in Deut­schland und dem Einfluss von Jürgen Habermas zusammen (der vor der neuen Unübersichtlichkeit gewarnt hat und als »Hüter der Rationalität« darauf beharrt, dass Fragen der Begründbarkeit von solchen bloßer Gewohnheit oder Vorlieben zu unterscheiden sind).

Trotz dieses Widerstandes schätze ich jedoch die Lage ähnlich wie Mike ein: In vielen Bereichen unsere Gesellschaft etabliert sich ein ›softes‹ postmodernes Denk- und Lebensklima. Die Lebenskultur ist postmodern aufgeladen. Die Umprägung der Gesellschaft geschieht sanft über den Zeitgeist (TV, Kino, Werbung, Literatur etc.), die Besetzung von Schlüsselstellen mit PoMo-Leuten und zunehmend auch über (bildungs)politische und gesetzgeberische Maßnahmen. Bettina Röhl, eine Tochter von Ulrike Meinhof, spricht im Blick auf die postmoderne Politik des Gender Mainstreaming vom kompletten Umbau der Gesellschaft und Neuerfindung der Menschheit.

In der FAZ vom 4. Januar 2008 (S. 36) habe ich wieder ein interessantes Beispiel für die Aktualität des Themas gefunden. Walter Grasnick, Oberstaatsanwalt a. D. und emeritierter Honorarprofessor für Strafrecht und Rechtsphilosphie in Marburg, veröffentlicht dort einen Beitrag mit dem Titel »Wie Richter richtig richten«.

Grasnick fragt:

Was tun Richter? Sie sprechen Recht. Nur: Was das heißt, wissen die wenigsten. Selbst unter den Richtern. Auch in der Rechtstheorie und Juristischen Methodenlehre herrscht darüber keine Klarheit. Meist werden nicht einmal die richtigen Fragen gestellt.

Nach einem Schwenk über Niklas Luhmann kommt er dann zu folgender Einsicht:

Rechtslehre und Rechtspraxis arbeiten von alters her gesetzeszentriert. Zum Schein, den sie freilich in der Regel selbst nicht durchschauen. Und so geben sie denn regelmäßig gutgläubig vor, sie wendeten nur das Gesetz an, während es sich doch in Wahrheit um ihre Interpretation des Gesetzes handelt. Und die ist nun mal ein anderer Text als der Gesetzestext. Die vielbeschworene Gesetzesbindung des Richters entpuppt sich somit als Selbstbindung, das heißt als Bindung an den selbstgeschriebenen Text der ureigenen Interpretation. Rechtsarbeit ist Textarbeit, Arbeit am eigenen Text mit Hilfe fremder Texte. Diese dienen dem Richter als Referenztexte beim Verfertigen der Begründung seiner Entscheidung.
Das Gesetz ist hier nicht mehr als ein Topos unter Topoi. Zugegebenermaßen noch immer der Haupttopos. Aus allerdings nicht unbedenklichen Gründen. Denn kein Gesetz vermag es, die richterliche Entscheidung zu determinieren. Die bloße Berufung auf das Gesetz überzeugt aber die Rechtssuchenden eher als das offene Eingeständnis des Richters, sein Urteil basiere letztlich auf seiner Überzeugung. Doch mehr als Rechtsmeinungen sind nirgends zu haben.
Wer sich jedoch dazu bekennt, dass unser Recht notwendig Richterrecht ist, sieht sich sattsam bekannten Anwürfen ausgesetzt. Dann sei alles purer Subjektivismus, blanke Beliebigkeit und schrankenlose Willkür. Den Vorwurf des Subjektivismus kann jedoch nur erheben, wer der subjektiven Illusion des Objektivismus erlegen ist. Die anderen Verdikte erledigen sich bei genauerem Hin­sehen.

Zu diesem Abschnitt gäbe es viel zu sagen. Ich beschränke mich auf wenige Notizen:

Wie andere das auch gern tun, präsentiert z. B. Grasnick seinen Subjektivismus als eine von allen zu akzeptierende propositionale Wahrheit. Solche Argu­mentationsfiguren tauchen in der Literatur oft auf. »Im 20. Jahrhundert haben die Geschichtswissenschaftler endlich erkannt, dass es keine historischen Wahrheiten gibt.« Oder: »Wahrheit ist immer relativ.« Solche Sätze stehen im Widerspruch zu ihrem eigenen propositionalen Gehalt. Mit diesem Relativismus-Argument hat sich schon Sokrates befasst und dem Protagorasschüler Theodorus dabei geholfen, einzusehen, dass er damit falsch liegt, weil beinahe alle Menschen es anders sehen müssen. Sokrates: »Sollten wir vielleicht sagen, dass dein Glaube für dich wahr ist, aber nicht für die unzählbar vielen Leute?« (nachzulesen in Platons Theaitetos).

Was mich mehr interessiert, ist die Tatsache, dass post-strukturalistische Hermeneutik hier nicht in einem Lehrbuch für Literaturwissenschaftler oder Philosophen erklärt, sondern von einem Staatsanwalt und Rechtsprofessor als alltägliche Prozesserfahrung beschrieben wird. Demnach schafft der Richter sich selbst die Gesetze, nach denen er dann Recht spricht, da es ›den Text‹ gar nicht gibt, sondern nur jeweils subjektive Textinterpretationen. Wer darüber anders denkt, ist »der subjektiven Illusion des Objektivismus« erlegen.

Es ist ja irgendwie beruhigend, dass Walter Grasnick offensichlich seinen Lesern zutraut, dass sie aus seinem Essay annähernd herauslesen können, was er als Autor intendiert. Und: Ganz so, wie er es beschreibt, wird es wohl nicht sein, da Gerichte öffentlich und Urteile überprüfbar sind. Ein Richter muss sich also zumindest auch mit den Textinterpretationen der Anwälte, denen anderer Richter und potentieller Kommentatoren auseinandersetzen, bevor er sein Urteil spricht. Eine subjektive Komponente bei der Gesetzesanwendung sieht das Rechtssystem ja bewußt vor, ohne das diese gleich in einen Subjektivismus oder gar in Willkür führen muss.

Doch: Die »alltägliche Rechtspraxis« verrät viel über eine Gesellschaft und prägt diese zugleich. Wenn Grasnick spiegelt, was sich in den Gerichten abspielt (was er, wäre er seiner eigenen Argumentation treu, nicht könnte), würde dies zeigen, wie tief inzwischen der Dekonstruktivismus eines Derrida und der Professoren von Yale in die Gesellschaft eingedrungen ist.

So komme ich zum Schluss nochmals auf die Frage zurück, die Mike bewegt (und ich sehr schätze): Wie soll angesichts der postmodernisierten Menschen um uns herum Gemeindearbeit ausschauen? Ich frage: Was machen wir mit Menschen, die (›weich‹ oder ›hart‹) davon ausgehen, dass es jenseits subjektiver Interpretationen nichts gibt? Assimilieren wir uns? Oder müssen wir Ansätze wie zum Beispiel den der radikalen Dekon­struktion aufbrechen, damit die Menschen der Anspruch des Evangeliums überhaupt noch hören können?

– – –

Download des Beitrags als PDF: wiepostmodern.pdf

 

Der »kleine« Westminster Katechismus

Mit dem Westminster Bekenntnis sind viele (reformierte) Christen vertraut. Der Westminster Katechismus ist dagegen in deutschsprachigen Kreisen weniger bekannt. Der »kleine« Westminster Katechismus von 1647, der für die Ausbildung von Kindern und Neuchristen verfasst wurde, kann in einer Übersetzung von Kurt Vetterli hier heruntergeladen werden: mbstext061.pdf.

Das neutestamentliche Weltbild

Vern Sheridan Poythress hat ein ausgezeichnetes Essay über das Weltbild des Neuen Testaments verfasst. Der Beitrag für das Buch:

  • W. Andrew Hoffecker (Ed.), Revolutions in Worldview: Understanding the Flow of Western Thought (Phillipsburg, NJ: Presbyterian and Reformed, 2007), S. 71–99

wurde freundlicherweise vom Verlag zum Download freigegeben: 2007NTWorldview.pdf.

Wie viel Umgestaltung verträgt der christliche Glaube?

Auf Einladung der FTA habe ich am 5. Dezember vormittags im Plenum einen kurzen Vortrag zur Emerging Church gehalten. Meinen ursprünglichen Plan, in 30 Minuten die Stellvertretende Sühne, die Neue Paulusperspektive, die Reich Gottes-Theologie von N.T. Wright und die dekonstruktivistische Hermeneutik abzuhandeln, habe ich doch schnell wieder verworfen. Stattdessen habe ich mir kurzfristig Brian McLarens (von Peter Aschoff exzellent übersetzten) Vortrag über den postmodernen Paradigmenwechsel angehört und muss prompt widersprechen. Wir brauchen kein post-protestantisches Weltbild, sondern ein bußfertiges Herz.

Hier kann das Skript zum Vortrag herunter geladen werden: fta-emch-101.pdf.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner