Theologie

Hermann Bavinck über das Christentum und den Zeitgeist

bavinckkl.jpgDerzeit arbeite ich an einem Manuskript von Hermann Bavinck (1854–1921), das hoffentlich 2008 (erneut) veröffentlicht werden kann. Der niederländische Theologieprofessor erweist sich bei näherer Betrachtung als ein äußerst vielseitiger Mensch, dessen Leben sich im Spannungsfeld von orthodoxem Christentum und moderner Kultur bewegte.

Hier ein wunderschönes Zitat von Bavinck:

Wenn wir das Christentum als für uns nicht passend verwerfen, erweist es sich in demselben Augenblick für uns als unentbehrlich. Wenn die Welt ruft: »Fort mit Christus«, zeigt er gerade in seinem Tode, dass er allein der Welt das Leben gibt. Zu den Inbegriffen, die der moderne Mensch sich über Welt und Leben bildet, passt das Christentum nicht, es steht ihnen diametral gegenüber. Aber desto besser passt es zu Welt und Leben, wie sie in Wirklichkeit sind. Wer sich los macht von den Idolen des Tages, von der öffentlichen Meinung, von den herrschenden Vorurteilen in Wissenschaft und Schule; wer die Dinge mit freiem Blick anschaut, nüchtern und mit offenem Sinn, wer Welt und Menschen, Natur und Geschichte nimmt, wie sie in sich wirklich sind, dem wird sich stets stärker die Überzeugung aufdrängen, dass das Christentum die einzige Religion ist, deren Welt- und Lebensanschauung auf Welt und Leben passt.

Was bedeutet es, ›evangelikal‹ zu sein?

Das amerikanische Touchstone Magazine hat einflußreiche protestantische Theologen in den U.S.A. nach dem Wesen des Evangelikalismus befragt. Abgefragt wurden unter anderem eine Begriffsdefinition, wahrgenommene Veränderungen seit den 50er Jahren sowie die gesellschaftliche Relevanz der Bewegung.

Die Antworten von Russell Moore, John Franke, Darryl Hart, Michael Horton, David Lyle Jeffrey, und Denny Burk stützen meine Behauptung, dass der traditionelle Evangelikalismus inzwischen erschöpft ist.

Das Ergebnis der Befragung wurde (in Englisch) online publiziert und kann hier heruntergeladen werden: http://touchstonemag.com.

Nobelpreisträger James Watson erneut in der Kritik

JamesDWatson.jpgJames D. Watson wurde von einer leitenden Funktion des Cold Spring Harbor Laboratoriums in New York vorerst entbunden, da seine Äußerungen über die angeblich mangelhafte Intelligenz von Schwarzafrikanern eine Welle des Protestes ausgelöst hatten (vgl. Die Welt).

Das Laboratorium entschied richtig. Schade nur, dass Watson’s Forderung, erblich belastete Föten zu töten, trotz einiger internationaler Empörung für ihn folgenlos blieb. Es wird »während der nächsten Jahrzehnte einen immer stärkeren Konsens darüber geben, daß Menschen das Recht haben, dem Leben erbgeschädigter Föten ein Ende zu setzen«, schrieb er in seinem Aufsatz »Die Ethik des Genoms« (FAZ, Nr. 227, 26.09.2000).

Einen Artikel über die bizzare Ethik des umstrittenen Mitentdeckers der Doppelhelixstruktur können sie hier herunterladen: Die Alpträume des James D. Watson.

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Bild: National Library of Medicine

Die Botschaft des Propheten in unserer Zeit

ProphetCampus für Christus hat kürzlich eine Bibelarbeit über Jesaja 58,5–9 online gestellt, die ich 2004 für die Zeitschrift Impulse verfasste. In dem Beitrag geht es um den Propheten Jesaja, der im Auftrag Gottes sein Volk mit einer erschreckenden Diagnose zu konfrontieren hatte: Die Erwählten ehrten Gott mit den Lippen, aber ihr Herz war doch fern von ihm (vgl. Jes 29,13).

Da die digitale Kopie des Artikels einige Satzfehler enthält, stelle ich den ursprünglichen Textbeitrag online: Jesaja 58,5–9.pdf.

Pantheismus versus Panentheismus

Im Sommer dieses Jahres habe ich für das Journal factum eine Rezension über Brian McLarens Buch A Generous Orthodoxy verfasst, die nun in der Ausgabe 7/2007 veröffentlicht wurde (S. 10–15).

Beim Setzen der Buchvorstellung hat sich ein kleiner (aber bedeutungsvoller) Druckfehler eingeschlichen. Auf Seite 14 erwähne ich, dass Spencer Burke derzeit die alten trinitarischen Bekenntnisse der Kirchenväter mit dem Panentheismus verbindet. Im gedruckten Text wird jedoch zweimal die Formulierung »pantheistischen Sichtweise« zitiert. Tatsächlich bekennt sich Burke in seinem Buch A Heretic’s Guide to Eternity (Jossey-Bass, 2006, S. 194–195) zu einer panentheistischen Gottesvorstellung. Es muss also zweimal heißen: »panentheistische Sichtweise«.

Dieser kleine Druckfehler bietet eine Gelegenheit, kurz über den Unterschied von Pantheismus und Panentheismus nachzudenken?

Der Begriff Panentheismus geht zurück auf den Freimaurer Karl C.F. Krause (1781–1822) und bezeichnet eine religiöse Weltanschauung, der gemäß nur Gott existiert und das Universum ein Teil (o. eine Emanation) Gottes ist (griech. pan en theo: alles in Gott). Der Pantheismus setzt dagegen das Universum mit Gott gleich (griech. pan theos: alles ist Gott). Die Welt mit all ihren Erscheinungen ist demnach mit Gott identisch.

Die Lehre des Panentheismus will den Dualismus von Gott und Schöpfung überwinden und strebt die Versöhnung von Pantheismus und Theismus an. Die Unterscheidung zwischen Schöpfer und Geschöpf ist also für einen Panentheisten eine künstliche und meist problematische.

Nicht nur Spencer Burke sympathisiert mit dem Panentheismus. Auch Doug Pagitt schreibt in seinem Beitrag für das von Robert Webber herausgegebene Buch Listening To The Beliefs Of Emerging Churches: Five Perspectives (Zondervan, 2007) auf S. 142:

Die Idee, dass es notwendigerweise eine Unterscheidung zwischen Materie und Geist oder zwischen Schöpfung und Schöpfer gibt, ist zu überdenken.

Marc Driskoll kritisiert Emergent Village scharf

Während der »Convergent«-Konferenz am Southeastern Baptist Theological Seminary (21.–22.10.07) sprach Mark Driscoll spontan und (für die meisten Beteiligten) überraschend über die Emerging Church-Bewegung. Driscoll berichtete über seine Freundschaft mit Doug Pagitt, Brian McLaren und anderen Pionieren des Emergent Village und begründete, warum er sich inzwischen von ihnen distanziert. Auch einige Thesen von Rob Bell kritisierte er scharf.

Obwohl Driscoll, Pastor der Mars Hill Church, deutliche Worte gebrauchte, enthält der Vortrag keine einseitig überzogene Polemik, sondern ist geprägt von tiefer Sorge über die theologischen Fehlentwicklungen im Emergent-Lager. Er ruft seine alten Freunde zur Umkehr und mahnt zugleich die theologisch Konservativen, den kulturellen Wandel wahrzunehmen und besonders im Raum der praktischen Theologie zu verarbeiten.

Innerhalb des Emergent Village wurde die Kritik gemischt aufgenommen. Einzelheiten können über einen entsprechenden Blogeintrag auf www.emergentvillage.com verfolgt werden.

Der Vortrag von Mark Driscoll sowie andere Beiträge können heruntergeladen werden unter: www.monergism.com.

Peter Williams und Simon Gathercole über die Neue Paulusperspektive

Dürer PaulusMark Dever von IX Marks hat im November 2006 die Neutestamentler Simon Gathercole und Peter Williams zur Neuen Paulusperspektive befragt.

Simon Gathercole promovierte unter James Dunn (Durham), unterrichtet derzeit an der Faculty of Divinity an der Universität in Cambridge und arbeitet zusammen mit Dunn an einem Buch über Paulus und den Judaismus. Das Spannende: Während Dunn ein profunder Vertreter der Neuen Paulusperspektive ist, gilt Gathercole, der Autor des Artikels »What Did Paul Really Mean?« (Christianity Today, August 2007), als Kritiker des neuen Ansatzes.

Peter Williams unterrichtet an der Universität von Aberdeen (Schottland) Neues Testament und konzentriert seine Forschungsarbeit derzeit auf frühchristliche Handschriften und die Textkrititk.

Das knapp 50-minütige Gespräch streift auch andere kontroverse Themen, zum Beispiel die Authentizität der Pastoralbriefe oder die Frage des stellvertretenden Sühneopfers (Steve Chalke).

Zu dem anregenden Interview über aktuelle Trends im Bereich Neues Testament geht es hier.

Die Theologie des Alten Testamentes von Bruce K. Waltke ist da

Die seit langem erwartete Theologie des Alten Testaments (Old Testament Theology) von Bruce K. Waltke ist bei Zondervan erschienen und kann derzeit in Europa für rund 35 Euro erworben werden.

Professor Waltke, der auch Kommentare zum Buch Genesis (2001) über die Sprüche (2004) und den Propheten Micha (2007) veröffentlicht hat, unterrichtet am Reformed Theological Seminary und gilt als herausragender Gelehrter des Alten Testamentes. Das Buch, das sich dem ersten Testament der Bibel exegetisch, kanonisch und thematisch annähert, ist so etwas wie das Extrakt seines Lebenswerkes.

J. I. Packer schreibt über die 1000-seitige Publikation:

Exegetisch und theologisch ist sie pures Gold und jeder Lehrer für Altes Testament wird beim Durcharbeiten mit neuen Einsichten belohnt. Es ist die angemessene Krone für eine sehr bemerkenswerten Karriere.

Das sehr übersichtlich gestaltete und damit gut lesbare Buch enthält ein Verzeichnis der Bibelstellen sowie einen Themen- und Autorenindex. Das Inhaltsverzeichnis der Theologie des Alten Testamentes kann zusammen mit dem ersten Kapitel bei Zondervan herunter geladen werden: Sample_Waltke.pdf.

Einkaufsmöglichkeit

Hochwertige Aufnahmen einiger NT Manuskripte

AlexandrinusFol65v.jpgDas Center for the Study of New Testament Manuscripts (CSNTM) unter dem Dach des Center for the Research of Early Christian Documents (CRECD) hat es sich zur Aufgabe gemacht, bedeutende griechische Manuskripte digital zu fotografieren und so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Inzwischen hat das Zentrum eine beeindruckende Fotosammlung wichtiger Manuskripte archiviert und stellt sie über ein Browserschnittstelle zur Verfügung. Wer das Bedürfniss hat, z. B. den ägyptischen Codex Sinaiticus aus dem 4. Jahrhundert oder den Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert oder andere Manuskripte am Monitor zu studieren, wird an der Datenbank des CSNTM Freude haben.

Interview mit Collin Hansen

Collin.jpgMatthew Hall sprach mit Collin Hansen über das Comeback der reformierten Theologie in den U.S.A. Hansen, der für Christianity Today das Feature über Mark Driscoll verfasste und 2008 ein Buch über die jungen (wilden) Reformierten bei Crossway publizieren wird, deutet den Trend verheißungsvoll. Das Interview mit Hansen über die Renaissance der kalvinistischen Theologie in Nordamerika kann als mp3 heruntergeladen werden: Interview.

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Foto von Collin Hansen mit freundlicher Genehmigung.

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