Missiologie

Wofür ist die Kirche da?

Die AfeM-Jahrestagung am 4. und 5. Januar 2013 stand unter dem Thema „Transformationstheologie“. Zu den Referenten gehörten Befürworter klassischer Evangelisation und Mission sowie Vertreter der sogenannten „transformativen Theologie“. Da hier im Blog immer wieder über die Frage der Transformation diskutiert wird (vgl. hier), stelle ich meinen eigenen Vortrag nun ins Netz. Ich sollte der Frage nachspüren, ob es Überschneidungen zwischen der Theologie aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und den neueren evangelikalen Entwicklungen gibt. Den sehr gedrungenen Redestil bitte ich zu entschuldigen. Die Referenten hatten eine Redezeit von jeweils zwölf Minuten. Da liegt die Würze in der Kürze.

Hier also: „Wofür ist die Kirche da? Anfragen an die transformative Eschatologie“:
Transformation2013_AfeM-Web.pdf.

Messianische Juden in Israel

Sie sind Juden und glauben trotzdem an Jesus als Messias. Religiös stehen die messianischen Juden den evangelikalen Christen nahe. Auch in Israel gibt es Gemeinden: Hier kommt es immer wieder zu Konflikten, weil sie auch unter orthodoxen Juden missionieren.

Nachfolgend ein erstaunlich ausgewogener DLF-Bericht über messianische Juden in Israel. Ausgerechnet ein evangelischer Theologe ist – kaum überraschend – der Meinung: Juden brauchen keinen Jesus.

Das Königreich Gottes und die Transformation der Welt

Dem Neo-Calvinismus wird oft eine triumphalistische Sichtweise im Hinblick auf die Transformation der bestehenden Verhältnisse unterstellt. Herman Bavinck (1854-1921), ein Schüler von Abraham Kuyper (vgl. hier), hat sich jedoch deutlich zu den Prioritäten geäußert.

Hanniel hat sich kürzlich dieser vermeintlichen Spannung angenommen:

Auch wenn sich Bavinck dankbar über all den Fortschritt äussert, erinnert er an die Prioritäten. Das Reich Gottes ist und bleibt das höchste Gut. So beginnt er die Vorlesung über die Offenbarung Gottes und die Zukunft mit der Feststellung, dass, obwohl die christliche Religion nicht prinzipiell mit der Kultur in Feindschaft stehe, die Güter dieser Erde von untergeordnetem Wert seien. Verglichen mit dem Königreich Gottes, der Vergebung der Sünden und dem ewigen in Gemeinschaft mit Gott habe die ganze Welt zweite Priorität. Deshalb stehe die christliche Religion in direktem Widerspruch zur Prioritätensetzung des modernen Menschen. Diese programmatische Aussage steht an einer wichtigen Stelle des Werkes, nämlich am Anfang seiner Aussagen über die Zukunft. So ist das Evangelium der wahre Standard, an denen die Phänomene und Ereignisse gemessen werden müssen. Diese Botschaft ist der Führer “durch das Labyrinth der gegenwärtigen Welt”. Es erhebt uns über diese gegenwärtige Zeit hinaus und zeigt uns die Dinge vom Standpunkt der Ewigkeit her.

Auch an anderen Schlüsselstellen seines Lebens kommt Bavinck auf diese Rangordnung zurück. In seiner Rede vor dem Zentralkomitee der Antirevolutionären Partei (ARP) nach der Wahlniederlage von 1905 merkt er an, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebe. Das Evangelium Christi sei der grösste Schatz. Er verwendet seine Standardmetapher und spricht vom Reich der Himmel als der Perle, die alles Materielle in ihrem Wert weit übersteigt. Im Übrigen, fügt er hinzu, sei die christliche Beteiligung an der Regierung eines Staates eine “heilige Aufgabe”.

Bavinck ist, um ein anderes Beispiel zu nennen, bestürzt über die Entfremdung vom Glauben, die viele reformierte Familien erfasste, welche ihre Söhne an die Hochschulen schickte. „Ganze Familien sind auf die Seite unserer Gegner übergelaufen.“ Deshalb ist er der Überzeugung, dass es dringend reformierte Einrichtungen brauche, um die Bildung mit einer christlichen Weltanschauung zusammen zu bringen.

Mehr: www.hanniel.ch.

Einsichten und Ausblicke zum Konzept der „missional church“

Missionale Theologie liegt im Trend. Davon zeugen zahlreiche Internet-Blogs, aktuelle Buchprojekte, Konferenzen sowie die Entwicklungen an einigen theologischen Ausbildungsstätten. Trotzdem werde ich immer wieder gefragt, was mit „missional“, „transformatorisch“ oder „inkarnatorisch“ denn eigentlich gemeint sei. Ein Antwort ist gar nicht so einfach, da mit den Begriffen auch innerhalb der Szene recht unterschiedliche Ansätze transportiert werden.

Dr. Stefan Schweyer hat dem Theoblog freundlicherweise zwei Artikel, die als Theologische Beilage zur STH-Postille (Nr. 3+4/2009) erschienen sind, zur Verfügung gestellt. Ich empfehle die Expertise „Kirche als Mission: Einsichten und Ausblicke zum Konzept der ‚missional church‘“, die verständlich in die aktuellen missionstheologischen Trends einführt.

Hier: Kirche_als_Mission-1+2.pdf.

Die Wiege der Christenheit ist bedroht

Die Wiege der Christenheit im Nahen Osten ist zunehmend bedroht. Vor rund 2.000 Jahren verbreitete sich der Glaube an Jesus Christus vom Heiligen Land aus rasch in den gesamten Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika. Doch heute stehen die Christen in dieser inzwischen meist islamisch geprägten Region unter starkem Druck – durch extremistische Muslime oder staatliche Repressionen.

idea schreibt:

Die Wiege der Christenheit im Nahen Osten ist zunehmend bedroht. Vor rund 2.000 Jahren verbreitete sich der Glaube an Jesus Christus vom Heiligen Land aus rasch in den gesamten Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika. Doch heute stehen die Christen in dieser inzwischen meist islamisch geprägten Region unter starkem Druck – durch extremistische Muslime oder staatliche Repressionen. Der mit vielen Hoffnungen verbundene Arabische Frühling bringt den christlichen Minderheiten keine guten Aussichten. Vielmehr werden ihre Freiheiten und ihr gesellschaftlicher Status durch neue islamistische Regierungen weiter eingeschränkt; die Verfolgung nimmt zu. Hunderttausende Christen haben bereits ihre Heimat verlassen. Darauf macht das Hilfswerk für verfolgte Christen „Barnabas Fund“ (Pewsey/Südengland) in einer Dokumentation aufmerksam.

Dabei handelt es sich keineswegs durchweg um winzige Minderheiten. Fast jeder zehnte (9,7 Prozent) der 173,3 Millionen Einwohner in den 20 Ländern der Region – von Marokko im Westen bis Oman im Osten (einschließlich Israel und den Palästinensergebieten) – ist Christ. Den höchsten Anteil weist der Libanon auf, wo 39,3 Prozent der 4,3 Millionen Einwohner Christen sind. In Kuwait leben unter den 2,8 Millionen Einwohnern 430.000 Christen; das sind 15,3 Prozent. Jeweils um die zehn Prozent sind es in Ägypten (83,6 Millionen Einwohner) und Syrien (22,5 Millionen). Unter 0,1 Prozent liegt der Anteil der Christen im Jemen (24,8 Millionen Einwohner), Marokko (32,3 Millionen) und der Türkei (74,7 Millionen). In der Islamischen Republik Iran mit 74,8 Millionen Einwohnern leben nach Schätzungen von Barnabas Fund etwa eine Million Christen – 1,3 Prozent. Damit ist ihr Anteil dort ebenso hoch wie im benachbarten Irak (31,2 Millionen Einwohner). Im strikt islamischen Saudi-Arabien sind 5,4 Prozent der 26,5 Millionen Einwohner Christen – fast ausschließlich Beschäftigte aus dem Ausland. Ähnliches gilt für die Golfstaaten: Die Vereinigten Arabischen Emirate haben einen christlichen Bevölkerungsanteil von 8,8 Prozent; in Katar sind es 8 und in Bahrain 6,6 Prozent.

Mehr: www.idea.de.

Probleme mit dem inkarnatorischen Dienstverständnis

J. Todd Billings (vgl. hier) beschreibt in einem Beitrag für CT Problemzonen des so genannten inkarnatorischen Dienstverständnisses (gelegentlich wird dazu auch „missionaler Ansatz“ gesagt). Kurs gefragt: Was, wenn es gar nicht zu unserem Auftrag gehört, Jesus für (andere) Kulturen zu sein? Seine Analyse ist übrigens nicht polemisch, sondern ausgewogen:

Viewing the Incarnation as a model for ministry leads to a dangerous imbalance in two ways. The problem is not the doctrine of the Incarnation, which is central to Christian faith. Rather, the problem results from a distortion of that belief—turning the uniquely divine act of the Word becoming incarnate in Christ into a „method for ministry“ that is repeated in our own lives. Let me offer two examples of this distortion—one more common in mainline Christian circles, the other more common among conservative evangelicals.

At a two-hour workshop on urban ministry, leaders began by quoting Eugene Peterson’s artful rendering of John 1:14, which describes the incarnation of Jesus Christ: „The Word became flesh and blood, and moved into the neighborhood.“ If moving into the neighborhood and immersing oneself among the people is God’s strategy for ministry, I was told, then certainly it must be ours. Throughout the workshop, I heard many techniques for adopting a second culture, listening to others, and immersing myself in an urban neighborhood. But there was apparently no need to mention Jesus any further. Jesus provided the model for how to immerse oneself in another culture, but the specific content of his life and teaching, and his death and resurrection, were beside the point.

The workshop’s approach—seen in other segments of the church—reduced „incarnational ministry“ to its core metaphor: The point is to identify with another culture rather than to testify to the life, death, and resurrection of Jesus. Indeed, at a recent missions conference for a mainline denomination, missionaries claimed they did not need to bear witness to Christ. Instead, they were simply called to become „incarnate“ in the second culture. The slogan in these circles is to „live the Good News rather than preach the Good News.“ Surely it’s important to offer a ministry of presence to those in need. But when the gospel is reduced to identifying with others, the uniqueness of Christ’s incarnation becomes an afterthought, and the Good News becomes merely a personal ethic.

Mehr: www.christianitytoday.com.

Anteil der Christen in Europa stark gesunken

WELT online schreib:

Das Christentum hat weiterhin die meisten Anhänger unter den Weltreligionen. 2,18 Milliarden der rund sieben Milliarden Menschen auf der Welt seien Christen, heißt es in einer Studie des US-amerikanischen Forschungsinstituts „Pew Research Center“. Allerdings hat die Christenheit in den vergangenen Jahrzehnten einen starken demographischen Wandel erfahren. Nur noch ein Viertel der Christen lebt der Studie zufolge in Europa. 37 Prozent der Christen leben in Nord-, Süd- und Mittelamerika, und rund ein Viertel in Afrika südlich der Sahara.

Mehr: www.welt.de.

Mission

Die Evangelische Kirche in Deutschland müsse missionarischer werden, hat der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider auf der diesjährigen Synode in Magdeburg gefordert. Möge er sich den Hinweis von Reinhard Bingener zu Herzen nehmen. Der FAZ-Redakteur kommentierte die Synode heute u.a. mit folgenden Worten:

Viel wichtiger für die Zukunft der evangelischen Kirche ist indes, dass sie sich nicht wie eine Bundesmoralanstalt verhält, sondern das Evangelium in Klarheit und Reinheit verkündet. So kann es eine Antwort auf die religiösen Fragen auch mancher Nicht-, Noch-nicht- und Nicht-mehr-Christen sein. Erforderlich dafür ist, dass bei allem, was man sagt und tut, der Bezug zur reformatorischen Auffassung des Evangeliums deutlich wird … Die Profilierung, die Schneiders Vorgänger Huber gefordert hatte, sollte sich deshalb zunächst nach innen und nicht nach außen richten. Die Selbstsäkularisierung muss überwunden werden; alten und neuen Verwässerungen der religiösen Grundlagen sollte entschieden entgegengetreten werden. Wenn das gelingt, kann die evangelische Kirche auch missionarisch erfolgreich sein.

Christentum nicht mehr »Religion des weißen Mannes«

Die größte Veränderung in der 2000-jährigen Geschichte der Christenheit hat sich in den vergangenen hundert Jahren ereignet. Ihr Schwerpunkt hat sich in dieser Zeit vom Norden der Erdhalbkugel in den Süden verlagert. Heute befinden sich fast drei Viertel aller Christen in Afrika, Lateinamerika und Asien. Das berichtete der australische Religionsstatistiker Peter Crossing jetzt bei einer Veranstaltung in Indonesien am Freitag. 1910 lebten ungefähr 66 Prozent aller Christen in Europa; ein Jahrhundert später sind es noch 26 Prozent.

Radio Vatikan berichtet (mit Berufung auf idea): www.oecumene.radiovaticana.org.

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