Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

„Beta-Couples“

Heterofatalismus, Chatbots und „Beta-Couples“: Wer sich auf Social Media, dem Buchmarkt oder in großen Magazinen umschaut, könnte glauben, die Zweierbeziehung sei in Gefahr. Stimmt das?

Thomas Lindemann beschreibt, wie aus der Sicht von Ratgeberautorinnen und Trendforscherinnen „die Bindung auf Dauer“ immer unbeliebter wird. Zweierbeziehungen sind immer häufiger Optionen, werden also ständig neu ausgehandelt. 

Zitat: 

„Seit gut zehn Jahren erodiert die bürgerliche Kleinfamilie merklich“, sagt Eike Wenzel, Medienwissenschaftler und Gründer des Heidelberger Instituts für Trend- und Zukunftsforschung. Eine Ursache ist der demographische Wandel: „Die Menschen werden älter, fühlen sich jünger. Wer heute 60 wird, hat meist noch mindestens 25 gesunde Jahre vor sich“, erklärt Wenzel. „Viele fragen sich dann, ob der Lebensweg noch richtig ist, besonders Frauen. Sie sind heute gut oder sogar besser ausgebildet, sind kommunikativ und teamfähig, in der Gesellschaft verankert. Sie haben zersplitterte Arbeitskarrieren auf sich genommen, sich viel mehr um Haushalt und Kinder gekümmert, wollen nun dafür entschädigt werden. In Zweierbeziehungen werden die Positionen immer wieder neu verhandelt. Auch wenn die Kinder das Haus verlassen oder wenn die Rente beginnt.“

In der Haltung der Generationen habe sich regelrecht etwas umgekehrt: Während die Jungen ängstlicher sind und Sicherheit suchen, fühlen die Alten sich frei und haben die Mittel, sich auszuleben. „Die heute 20- bis 30-Jährigen nennen wir Bumerang-Generation“, erklärt Wenzel. „Weil sie teilweise noch mal ins Elternhaus zurückkommen, die wollen das Erwachsenwerden lange aufschieben.“

Und die etwa 30- bis 50-Jährigen binden sich, sind aber immer auf dem Sprung. „In dieser Gruppe sind Frauen schon gleichberechtigt, selbst in unteren Einkommensgruppen. Die binden sich vorsichtig, leben in sogenannten Beta-Couples, das heißt, alles ist auf Probe.“ Der soziologische Begriff ist von „Beta-Versionen“ einer Software abgeleitet. Diese Versionen stehen kurz vor der Veröffentlichung, sind aber noch nicht endgültig.

Eine solche Bindungshaltung sieht man nicht unbedingt an den Zahlen der Statistik. Aber sie verändert viel – etwa dass eine Trennung immer eine Option ist. Anders als in früheren Generationen. Autorin Lewina sieht noch ein psychologisches Phänomen in diesem Zusammenhang: „Wir haben höhere Ansprüche an eine Liebesbeziehung als früher. Unter anderem wollen manche auch nach vielen Jahren noch ein Sexleben – das entspricht aber nicht unbedingt der Biologie.“

Ich möchte dieser Wahrnehmung gar nicht widersprechen. Das passt zum kulturellen Klima, in dem zunehmend nur noch Interessen ausgehandelt werden. Beim radikalen Individualismus stehen das eigene Wohlbefinden und Glücksgefühl im Vordergrund. In persönlichen und manchmal auch seelsorgerlichen Gesprächen stelle ich allerdings auch etwas anderes fest: Viele Menschen sind aufgrund von Verratserfahrungen verletzt und enttäuscht. Sie haben Angst, sich zu binden, da sie nicht noch einmal schwer enttäuscht werden möchten. Doch genau das wünschen sie sich: eine sichere Bindung an einen verlässlichen Partner.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Selbstlosigkeit (in der Ehe)

Guter Punkt: 

Mein wichtigstes Gebet für mich selbst – ich glaube, mein am häufigsten vorgebrachtes Gebet für mich selbst – ist Vers 4: dass Gott so tief in mir wirkt, dass ich nicht nur „auf [meine] eigenen Interessen, sondern auch auf die Interessen der anderen“ achte (Phil 2,4). Ich möchte einfach weniger egoistisch sein. Ich möchte mich mehr auf andere ausrichten. Ich möchte, dass dies für mich mehr zur Selbstverständlichkeit wird. Ich möchte mich nicht mehr so sehr darum anstrengen müssen. Ich möchte, dass es in mir heranwächst, denn ich glaube: Wenn wir als Gemeinde Vers 4 verkörpern könnten, wären wir einfach so weise. Gott schenkt gerne Weisheit darüber, wie man leben soll, wenn Vers 4 in einer Gemeinde gelebt wird.

Mehr: www.desiringgod.org.

Starke Männer?!

Seit Jahrzehnten wird christlichen Männern eingeredet, ihre Stärke sei ein Problem, ihr Ehrgeiz eine Sünde und Macht sei grundsätzlich gefährlich. Stattdessen wird ihnen ein Glaube angeboten, der Untätigkeit und Passivität hochstilisiert. Nettsein ist zur höchsten Tugend geworden. In seinem Buch Offensive Christianity (#ad, Founders Press, 2026) plädiert Chase Davis dafür, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Scott Yenor beschreibt in seiner Rezension das Anliegen des Buchs, wobei er einige Schwächen meiner Meinung nach hätte deutlicher herauskehren können:

Die Kirchen haben kaum eine Vorstellung davon, was einen christlichen Mann ausmacht, und missverstehen daher ihre Mission. Vieles davon geht auf den Pietismus zurück. Indem sie persönliche Frömmigkeit und Heiligkeit in den Vordergrund stellten, zogen sich die Pietisten aus der öffentlichen Theologie zurück und lehnten konkrete Belange wie Arbeit, Haushalt, Vermächtnis und Politik als weltliche Ablenkungen von der spirituellen Erfahrung ab. Durch ihre Betonung der inneren Welt neigen die Pietisten dazu, traditionell männliche Eigenschaften zu stigmatisieren, die für ein aktives Eintreten für Christus notwendig sind.

Das andere Extrem, vertreten durch Friedrich Nietzsche und seine Epigonen, besteht darin, ohne Verankerung in christlichen Idealen in die Offensive zu gehen. Davis setzt sich in seinem Buch eingehend mit Nietzsches Kritik am Christentum auseinander. Er stimmt der Diagnose des deutschen Philosophen zu, die eine sentimentale, entmannte Religion beschreibt, und teilt dessen Verachtung für die endlosen Kompromisse eines defensiven Christentums. Dennoch lehnt Davis Nietzsches Lösung unmissverständlich ab. Christus allein ist „der einzige wahre Übermensch“, das Vorbild für – und der einzige Weg zu – wahrer Herrlichkeit. Wo Nietzsche den rohen Willen zur Macht forderte, ruft Davis die Menschen zu einer von Christus geprägten Stärke auf: sanftmütig, aber nicht schwach, ehrgeizig im Hinblick auf Gottes Reich statt auf Selbstverherrlichung. Alfred der Große, Konstantin und Ambrosius sind Beispiele für kühne Eroberer und Kulturstifter, die ihre Männlichkeit der göttlichen Autorität unterordneten.

Davis geht über die Kritik hinaus und skizziert die Pflichten des Mannes, der ein offensives Christentum praktiziert. Der offensive christliche Mann nimmt die Berufung zu Stärke, Versorgung, Schutz und sogar Herrschaft an. Er bringt sich in Form, um in einem schwachen Zeitalter ein Bild von recht geordneter Ambition zu vermitteln. Er kleidet sich und trägt sich mit Ernsthaftigkeit. Er stellt sich den Übeltätern entgegen und führt seinen Haushalt mit Autorität und Dienstbereitschaft. Er ist eine Säule seiner Gemeinschaft.

Hier: firstthings.com.

Kinder leiden, wenn Eltern dauernd aufs Handy starren

Eltern brauchen ihr Smartphone als Werkzeug, Stressventil und zur Verbindung mit der Welt. Doch Kinder bemerken die ständige Ablenkung genau – und das kann ihnen nachhaltig schaden. Diie FAZ berichtet aus der Forschung zum Thema: 

Aber eine kleine Beobachtungsstudie aus den Vereinigten Staaten zeigt, dass das Smartphone sich häufig zwischen Eltern und Kind drängt. Darin wurde die Handynutzung von 58 Eltern mit ein bis fünf Jahre alten Kindern genau überwacht. Mutter und Vater holten das Gerät pro Tag im Schnitt 67 Mal für insgesamt vier Stunden hervor. Befragungen zeigen: 70 Prozent der Eltern geben zu, ihr Handy während des Spielens oder der gemeinsamen Mahlzeiten zu verwenden. 89 Prozent nutzen es täglich im Beisein ihrer Kinder.

Langsam wird klar, welche Folgen das haben kann. In einer Arbeit aus dem „Journal of Child and Family Studies“ ist zu lesen: „Die übermäßige Nutzung digitaler Geräte im Familienalltag hat die Eltern-Kind-Beziehungen grundlegend verändert, was zu einer zunehmenden Entfremdung innerhalb der Familie geführt hat und eine Generation von Kindern hervorgebracht hat, die inmitten der allgegenwärtigen Technologie um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern konkurrieren.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Trans: Teuer für Therapeuten

Eine Anfang April erschienene Langzeitstudie aus Finnland kommt zu dem Ergebnis, dass medizinische Geschlechtsumwandlungen bei einem Großteil der Jugendlichen nicht zu einer Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit führen. Im Gegenteil: Psychische Erkrankungen nehmen sogar zu. In den USA verklagen aktuell 30 „Transkinder”, die eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben, ihre Therapeuten.

Ich zitiere aus dem Kampfblatt des Feminismus, der EMMA:

Varian war 16, als im Dezember 2019 ihre Brüste amputiert wurden. Ihr Psychologe, Dr. Kenneth Einhorn, hatte ihr immer wieder versichert, es würde ihr danach definitiv besser gehen. Ohne Mastektomie aber bestehe die Gefahr, dass sie sich umbringen würde. Das erklärte der Psychologe auch Foxʼ skeptischer Mutter Claire, einer Krankenschwester, die am Ende einknickte und die Einverständniserklärung unterschrieb. Dem Chirurgen, der dem Mädchen die Brüste abnahm, hatte Einhorn zur Überweisung der Patientin einen knappen Dreizeiler geschrieben. Dr. Simon Chin amputierte trotzdem.

Jetzt müssen beide Ärzte der heute 22-Jährigen zwei Millionen Dollar Schmerzensgeld zahlen. Das entschied das Gericht in White Plains, einem Ort rund 50 Kilometer nördlich von New York, am 31. Januar 2026 nach einem dreiwöchigen Prozess. Es ist in den USA der erste Fall, in dem Ärzte dazu verurteilt wurden, einer Jugendlichen, die ihre „geschlechtsangleichende Operation“ bereut, Schadenersatz zu zahlen. Aber es ist ganz sicher nicht der letzte. 30 weitere Fälle sogenannter „Detransitionierer“ liegen schon jetzt vor amerikanischen Gerichten. Sie alle werfen den Ärzten vor, was auch Fox Varian beklagt: „Ich war 16 und hatte sehr ernsthafte psychische Probleme. Ich war ganz offensichtlich nicht reif genug, die Entscheidung für eine solche Operation zu treffen. Und ich war ganz sicher nicht reif genug, mit den Folgen zurechtzukommen.“

Nach der OP ging es der 16-Jährigen nicht etwa besser, sondern schlechter. „Sie hatte immer noch Angstzustände, war immer noch depressiv und hatte die gleichen Probleme wie vorher“, berichtete Mutter Claire Deacon dem Gericht. Dazu kamen neue Probleme. Das Mädchen, das „die Operation schon bereute, als die Bandagen entfernt wurden“, begann sich zu ritzen. Jetzt war Fox Varian wirklich suizidal. Der Fall Varian sollte „ein Weckruf“ sein, erklärte nach dem Urteil die Psychologin Laura Edwards-Leeper. Sie gehört zu den bekanntesten Gender-Medizinerinnen des Landes und hatte 2007 die erste pädiatrische Gender-Klinik der USA in Boston gegründet. Heute ist sie eine der engagiertesten Warnerinnen vor einer Trans-Medizin, die aus dem Ruder gelaufen ist. „Wenn wir nicht sofort Kurskorrekturen vornehmen, prophezeie ich, dass wir entweder anhaltende Rechtsstreitigkeiten und Tragödien im Zusammenhang mit Detransitionen oder zunehmende Verbote von Behandlungen erleben werden.“ Beides ist schon jetzt der Fall.

Mehr: www.emma.de.

Tabor beruft Martin Grabe zum Professor

Das Buch Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama gehört zu den schwächsten theologischen Büchern, die ich bisher gelesen habe. Nun wurde der Autor Martin Grabe von der Evangelischen Hochschule Tabor zum Professor für Religion und Psychotherapie berufen. 

IDEA meldet: 

Die Evangelische Hochschule Tabor in Marburg hat den Psychiater und Psychotherapeuten Martin Grabe (Oberursel bei Frankfurt am Main) zum Professor für Religion und Psychotherapie berufen. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur bestätigte die Berufung Anfang des Jahres, wie der Rektor der Hochschule, Prof. Torsten Uhlig, der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mitteilte. Mit Grabe ist eine seit mehreren Jahren vakante Professur wiederbesetzt worden, so Uhlig.Grabe war Chefarzt der DGD Klinik Hohe Mark in Oberursel – einer christlichen Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin – und später deren Ärztlicher Direktor. Am 1. April 2025 ging er in den Ruhestand. Insgesamt stand er 32 Jahre im Dienst der Klinik. Seit September 2025 ist er Direktor des Marburger Instituts für Religion und Psychotherapie, das an der Hochschule Tabor angesiedelt ist.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.idea.de.

In Großbritannien Abtreibung bis zur Geburt bald straffrei?

Das britische Oberhaus hat den Weg für Spätabtreibungen freigemacht. Die Erzbischöfin von Canterbury stimmte zwar gegen diese Entscheidung, sprach sich jedoch auch gegen eine Strafverfolgung von Frauen aus, die abtreiben. Dies hätte praktisch zur Folge, dass Kinder im neunten Monat straflos getötet werden dürften.

DIE TAGESPOST berichtet:

Das britische Oberhaus hat am gestrigen Mittwochabend über den „Crime and Policing Bill“ debattiert und dabei eine Änderung der „Klausel 208“ mehrheitlich abgelehnt. Die von der Labour-Abgeordneten Tonia Antoniazzi hinzugefügte Klausel fügt dem Strafrechtsreform-Entwurf die Streichung der Bestrafung von Abtreibung hinzu. Tritt die Reform in Kraft, bleibt Abtreibung bis zur Geburt in Großbritannien künftig straffrei. Ebenfalls abgelehnt hat das Oberhaus eine Änderung am Gesetzespaket, die die Wiedereinführung der Beratungspflicht vor Abtreibungen zum Gegenstand hatte. Damit ist die weitgehende Liberalisierung der Abtreibung in Großbritannien ein großes Stück weitergekommen. Nominell wird Abtreibung zwar weiterhin nur bis zur 24. Schwangerschaftswoche erlaubt, doch wird eine spätere Abtreibung nach der Neuregelung nicht mehr bestraft.

Mehr: www.die-tagespost.de.

„Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen“

Der Neurobiologe Martin Korte hat in der FAZ beschrieben, warum gerade Kinder so anfällig für Social-Media-Angebote sind. Dabei geht es nicht nur um Dopamin und Sucht, sondern auch um die Vorbildfunktion der Eltern. Korte plädiert dafür, dass die Eltern viel Zeit spielerisch mit den Kindern verbringen und dabei die Smartphones ausgeschaltet bleiben.

Zitat (FAZ, 09.03.2026, Nr. 57, S. 18):

Ganz im Sinne von Augustinus’ Ausspruch „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen“ gilt aber, dass es nicht nur darum geht, wie viel Bildschirmzeit Kinder haben, sondern auch, was die Erziehungsberechtigten um sie herum für ein Mediennutzungsverhalten an den Tag legen. Bemerkenswert in diesem Kontext ist eine Studie von Chen Yu von der Indiana-Universität in den Vereinigten Staaten. Diese hat ergeben: Je konzentrierter die Eltern nur eine Sache anschauten (ohne Unterbrechungen!), umso konzentrierter waren auch die eigenen Kinder. Die Studie zeigte auch, dass Kinder umso schneller Spiele abbrechen, je häufiger die Eltern auf ihre Handys schauten. Kinder imitieren nicht nur das Onlineverhalten ihrer Eltern. Auch wie konzentriert sie versuchen, bei einer Tätigkeit zu bleiben, wird beeinflusst durch das, was ihre Eltern ihnen vorleben. Gerade das Spielen mit Kindern profitiert, wenn es ausschließlich stattfindet, also auch aufseiten der Eltern nicht gleichzeitig mit etwas anderem. Aber der Einfluss der digitalen Mediennutzung der Erziehungsberechtigten geht noch weiter: In einer Studie mit knapp 200 Eltern-Kind-Beziehungen über einen sechsmonatigen Beobachtungszeitraum zeigte sich eindeutig: Je mehr Zeit Eltern an Bildschirmen verbringen, umso aggressiver und unruhiger waren zweijährige Kinder, vor allem wohl, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu erregen. Studien haben außerdem erbracht, dass die Schulleistung generell um sechs Prozent steigt, wenn Eltern die Handynutzung einschränken, unter schwächeren Schülern sogar um 14 Prozent.

Warum ist die Zeit des freien Spielens, der Interaktion mit Kindern und deren Chance, freie Zeit für sich und Freunde zu haben, so wichtig? Ein Grund liegt darin, dass Kinder darin geschult werden, selbst zu entscheiden und Aspekte ihres Lebens mitzugestalten; all das steigert die Selbstkompetenz. Die PISA-Studie definiert Selbstkompetenz als „selbständiges Handeln, das den Einzelnen in die Lage versetzt, sein Leben durch eigenständiges Kontrollieren der Lebens- und Arbeitsbedingungen auf verantwortungsvolle und sinnvolle Weise zu gestalten“. Die neueste PISA-Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass gerade in Deutschland die Selbstkompetenz und Selbstwirksamkeit, der Glaube an die eigene Fähigkeit, mit Lernsituationen effektiv umgehen zu können und Schwierigkeiten zu überwinden, unter Jugendlichen sinkt. Diskutiert werden müsste, ob auch dies mit einem zunehmenden Medienkonsum in dem Sinne zusammenhängt, als dass dadurch bedingt weniger Zeit für freies kreatives Spielen vorhanden ist.

„EU finanziert Abtreibungs-Mekka“

Der ehemalige EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg übt scharfe Kritik an der Entscheidung der Europäischen Kommission, Abtreibungen künftig als Gesundheitsleistung mitzufinanzieren. Die Europäische Bürgerinitiative „My Voice, My Choice“ forderte von der Europäischen Kommission, Frauen aus ganz Europa Zugang zu „sicheren Abtreibungen“ zu gewähren. Mithilfe eines neuen, von der EU finanzierten Instruments sollten Frauen auch aus Ländern mit restriktiver Abtreibungsgesetzgebung einfacher in anderen Ländern abtreiben können. Lebensrechtler bezeichnen dies als „Abtreibungstourismus“. Zwar lehnte die Kommission letzte Woche ab, ein eigenes Finanzinstrument für dieses Anliegen zu schaffen, verwies aber auf den Europäischen Sozialfonds (ESF+), über den die Mitgliedsländer zukünftig auch Abtreibungsdienste finanzieren können.

Der TAGESPOST sagte Borg: 

Nach den EU-Verträgen liegen Fragen wie Abtreibung oder Euthanasie in der ausschließlichen Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Wenn es kein europäisches Grundrecht auf Abtreibung gibt, wie kann man dann Staaten verpflichten, über EU-Mittel Abtreibungen in anderen Ländern mitzufinanzieren? Das widerspricht ganz klar dem Subsidiaritätsprinzip. Wenn die Kommission Kompetenzen ausdehnt, für die sie keine Zuständigkeit hat, entsteht ein gefährlicher Präzedenzfall. Heute ist es Abtreibung, morgen könnten es Steuer- oder Außenpolitik sein.

Ein einzelner EU-Mitgliedstaat kann künftig Mittel aus dem ESF+ beantragen, um Abtreibungen auch für Frauen aus anderen Mitgliedstaaten zu finanzieren, in denen diese Eingriffe nicht erlaubt sind. Länder mit liberaler Gesetzgebung könnten so zum Abtreibungs-Mekka werden und sich dank EU-Geldern mit Abtreibung bereichern.

Für alle Mitgliedstaaten bedeutet das: Wenn jetzt über den ESF+ Abtreibungen mitfinanziert werden, sind alle Mitgliedstaaten gezwungen, etwas zu finanzieren, was in einzelnen Mitgliedstaaten illegal ist oder streng reguliert wird. Das betrifft nicht nur Malta oder Polen, wo Abtreibung sehr streng reguliert wird, sondern zum Beispiel auch Italien. Dort ist Abtreibung in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten nicht erlaubt, in anderen Ländern schon. Warum sollte Italien es jetzt indirekt mitfinanzieren, wenn eigene Staatsbürgerinnen im Ausland tun, was im eigenen Land verboten ist? Das ergibt weder politisch noch demografisch Sinn – insbesondere angesichts sinkender Geburtenraten in ganz Europa.

Mehr: www.die-tagespost.de.

„Chatbots sind so etwas wie ein Beichtstuhl“

Zoë Hitzig hat bei dem Unternehmen Open AI gekündigt, weil sie die Entscheidung, Werbung auf ChatGPT einzuführen, nicht mittragen kann. Das verdient Respekt! In einem FAZ-Interview erläutert sie ihre Bedenken. Open AI habe sich gewandelt, „von einem Unternehmen, das Sorgen über Effekte dieser Technologien in den Vordergrund gestellt hat, zum am schnellsten wachsenden Start-up der Geschichte“.

Weiter: 

Und das hat dann etwaige gute Absichten verschwinden lassen?

Ich denke, der überwältigende Erfolg von ChatGPT hat eine massive Versuchung geschaffen, der Leute an entscheidenden Stellen im Unternehmen erlegen sind. Außerdem gibt es ein gnadenloses Rennen um KI-Technologien, nicht nur innerhalb der USA, sondern mit Wettbewerbern aus dem Ausland, zum Beispiel China. Der Markt ist extrem umkämpft, und das setzt die Unternehmen unter Druck.

Warum finden Sie Werbung in Chatbots wie ChatGPT schlimmer als in sozialen Medien?

Aus zwei Gründen. Zum einen wegen der Daten, die KI-Systeme haben. Soziale Medien wissen zwar auch sehr viel über ihre Nutzer. Aber das leiten sie vor allem von ihren Handlungen ab, also was sie anschauen, was sie anklicken oder was sie kaufen. Bei Chatbots geht es um mehr. Sie sind so etwas wie ein Beichtstuhl. Nutzer vertrauen ihnen ihre privaten Gedanken und auch ihre tiefsten Ängste an.

Und der zweite Grund?

Die Einführung von Werbung schafft einen Anreiz für Unternehmen, die Zeit zu maximieren, die Nutzer mit den Chatbots verbringen. Und ich habe Angst, dass wir die sozialen und psychologischen Konsequenzen, die das haben kann, noch gar nicht verstehen. Und wenn ich diese beiden Sachen kombiniere – Maximierung von Zeit mit einer Technologie, die Zugriff auf private Gedanken hat –, dann finde ich das ziemlich furchteinflößend.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

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