Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Die Transgender-Ideologie sorgt für neue Probleme

Simon Marcus hat einen interessanten Artikel über den Zusammenhang zwischen der Transgender-Ideologie und der Krise der seelischen Gesundheit in Großbritannien verfasst. Dazu hat er aktuelle Studien ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass Fragen der Geschlechtsidentität viel zu schnell mit Hormonen und anderen Maßnahmen beantwortet werden. Den tiefer liegenden seelischen Konflikten wird viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.Das hilft den Menschen nicht wirklich weiter, sondern schafft neue Probleme.

Zweifellos hat es in den letzten Jahren einen kulturellen Wandel in der Geschlechterfrage gegeben. Was als Randbemerkung begann, dass es nämlich nur eine Idee ist, ein Junge oder ein Mädchen zu sein, bewegt sich in den Mainstream; heute will sogar die Regierung den Dreijährigen helfen, ihre Geschlechtsidentität zu erforschen und in Frage zu stellen. Dieser Wandel im Denken wird durch das versierte Marketing von Transgender-Wohltätigkeitsorganisationen unterstützt, die emotionale und kraftvolle Geschichten darüber erzählen, wie einfach und befriedigend der Übergang zwischen den Geschlechtern sein kann.

Hier der Artikel: blogs.spectator.co.uk.

Einführung in die christliche Ethik von Wayne Grudem

412PeCGxXOL SX393 BO1 204 203 200Wayne Grudem, Autor der auch in Deutschland bekannten Systematischen Theologie, hat nun seine Christliche Ethik vorgelegt.

John Frame sagt über das Buch:

Die christliche Ethik hat alle Vorzüge der Systematischen Theologie: Bibeltreue, Vollständigkeit, Klarheit, praktische Anwendung und Interaktion mit anderen Autoren. Seine Ermahnungen ermutigen den Leser dazu, den dreieinigen Gott anzubeten.

Hier gibt es einen 70-seitigen Auszug und hier ein ausführliches Inhaltsverzeichnis als PDFs.

An dieser Stelle zudem noch ein kurzes Interview, das der Verleger mit W. Grudem produziert hat.

VD: AN

Grundgesetzänderung beantragt: Gefühltes Geschlecht soll geschützt werden

Der in Berlin regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) haben für den Senat der Hauptstadt einen Antrag auf den Weg gebracht, demgemäß das Grundgesetz geändert werden soll. In Zukunft soll sich die Verfassung in postmoderner Manier am gerade gefühlten Geschlecht orientieren.

Die BERLINER ZEITUNG meldet:

Zur Begründung schreiben sie, dass sowohl die sexuelle Identität geschützt werden müsse, „als auch das eigene geschlechtliche Selbstverständnis unabhängig davon, ob das empfundene Geschlecht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.“

Der erste Punkt ist sonnenklar: Niemand soll wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt sein. Das versteht jeder. Der zweiter Punkt ist schwerer zu verstehen. Gemeint ist, dass jeder Menschen selbst entscheiden kann, welches Geschlecht er hat oder zu haben glaubt und dass diese Entscheidung dann für alle andern verbindlich ist.

Konkret sieht das so aus: Ein Mann kann angeben eine Frau zu sein, und eine Frau kann geltend machen, dass sie eigentlich ein Mann ist. Beide können aber auch entscheiden, weder Mann noch Frau zu sein sondern irgendetwas anderes. Sie können entscheiden, keinem der beiden Geschlechter anzugehören, sondern einem dritten, das noch nicht definiert ist.

Mehr: www.bz-berlin.de.

Bedford-Strohm und der Zeitgeist

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, predigte am letzten Wochenende zum Männersonntag im Westerwald über den Ersten Thessalonicherbrief. Die RHEINZEITUNG berichtet (Nr. 168, 23. Juni 2018, S. 21):

Der vielleicht wichtigste Satz in den Worten aus dem Thessalonicherbrief sei die Ermahnung zum richtigen Umgang mit den Geistern, auch den Zeitgeistern: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“ Zeitgeister seien nicht in sich etwas Schlechtes. „Sondern nur die Zeitgeister, die von den lebensfreundlichen Orientierungen Gottes wegführen. Etwa die Vergötzung des Geldes. Oder der Kult des Starken, wie er im nationalsozialistischen Menschenbild seinen Ausdruck fand. Oder ein nationalistischer Zeitgeist, der schon in der Vergangenheit so viel Unheil angerichtet hat.“

Es gebe aber auch den Punkt, dass Christen etwas als „Zeitgeist“ zurückgewiesen hätten, was sich am Ende als ihre ureigene biblisch gegründete Sache erwiesen habe. „Die Menschenrechte sind so ein Beispiel. Sie mussten gegen die Kirchen erkämpft werden.“ Bedford-Strohm persönlich glaubt, dass man Ähnliches auch irgendwann in der Zukunft über „den Umgang der Kirchen mit dem Thema Homosexualität sagen wird. Man, wird nicht mehr verstehen, warum wir als Kirchen aufgrund einiger weniger Bibelstellen so lange daran festgehalten haben, dass Homosexualität Sünde sei.“

Es ist schon erstaunlich, wie leichtherzig hier ein Bibeltext dafür benutzt wird, die eigenen Anliegen zu transportieren. Zweifelsohne können Reichtum oder Nationenstolz zum Götzen werden. Aber der Autor des Thessalonicherbriefes hat an andere Dinge gedacht, als das zitierte Schreiben verfasst wurde.

Interessanterweise findet sich die Aufforderung zur Prüfung des Guten ausgerechnet im Kontext von Ermahnungen zum heiligen Leben angesichts des kommenden Gerichtstages („… denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht“, 5,2). Der Apostel ermahnt etwa zu fairem Handel unter Glaubensgeschwistern (4,6), (recht antimarxistisch) zur fleißigen Arbeit (4,11), Wachsamkeit und Nüchternheit (5,5), Frieden untereinander (5, 12) oder auch zur Zurechtweisung von Unordentlichen (o. Faulen, 5,14). Und er spricht ausdrücklich die Sexualethik an, die Bedford-Strohm für obsolet erklärt:

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen … Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.

Vom Verfall der Vernunft und dem trotzigen Aufbruch zur Heiligung

Pfarrer i.R. Burkard Hotz hat 21 eigensinnige Beobachtungen zur aktuellen deutschen Leitkultur veröffentlicht. Sehr lesenswert!

So heißt es etwa zur gegenwärtigen Diskursfähigkeit:

Daher stellen wir notweniger Weise im entgrenzten Raum der beschrieben totalitären Akzeptanzforderung sexueller Vielfalt und der damit einhergehenden öffentlichen Diskursverweigerung unserer Eliten einen dramatischen Verfall der Vernunft fest: Was früher kritische Auseinandersetzung im Ringen um das eigene Urteil war, welch guten Klang hatte einst in fortschrittlichen Kreisen der Begriff „Kritik“! – wird heute sofort zum Hass umdefiniert. Flächendeckend dagegen tritt an die Stelle der Kritik mit ihrer Fähigkeit zu eigener Urteilsbildung die neu-deutsch kommandierte kritiklose Vielfalts-Akzeptanz mit ihren diversen Denkverboten. Ja das Verbot kritischen Denkens wird zum Wesen demokratischer Antidiskriminierung umfrisiert, denn alles andere ist ja Hass kreierender Populismus! Daher wird natürlich auch erwartet, dass die verhängnisvolle Entscheidung des Bundestages vom 30. Juni 2017 einhellig und mit Begeisterung bejubelt wird.

Jeder ansatzweise kritische Narrativ, der diese Echokammer verlässt, ist höchst verdächtig, ja wird als „toxisch“ eingestuft; jede Anmeldung von Zweifel, anthropologischer, theologischer oder auch rechtlicher Art oder auch im Bereich der Adoptionsfolgen homosexueller Elternschaft ist nicht diskursfähig. Nein, der Zweifel gilt hier gar nicht als lobenswert, er gilt im Gegenteil als demokratiefeindlich und menschenverachtend, ja als böse und erfährt totale öffentliche Ächtung.

Hier der gesamte Beitrag: Vom_Verfall_der_Vernunft.pdf.

VD: KHG

Kultur des Lebens (1): Melissa Ohden trifft ihre Mutter

Christen wird gern nachgesagt, sie seien nachtragend, unversöhnlich und verbreiteten Hass. Melissa Ohden ist ein lebender Gegenbeweis. Als sie 14 Jahre alt war, erfuhr sie, dass sie eine Abtreibung überlebt hatte. Was passierte, als sie viele Jahre später ihre Mutter traf, erzählt sie in diesem Interview. Sehr bewegend!

 

Medien machen eine Opfergruppe sexueller Gewalt unsichtbar

Die auflagenstarke US-Zeitung USA TODAY berichtet, dass die intensive Berichterstattung über MeToo die häufigsten Opfer sexueller Übergriffe übergehe: Schwule, Lesben und Bisexuelle.

Das Blog Genderdrama berichtet unter Berufung auf den USA TODAY-Artikel:

Insgesamt sind Menschen, die sich als LGBTQ identifizieren, laut des Centers for Disease Control and Prevention einem höheren Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt: 44% der Lesben und 61% der bisexuellen Frauen erleben Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch einen Intimpartner, verglichen mit 35% der heterosexuellen Frauen. 37% der bisexuellen Männer erleben Vergewaltigung, körperliche Gewalt und/oder Stalking durch einen Intimpartner, verglichen mit 29% der heterosexuellen Männer. 40% der schwulen Männer und 47% der bisexuellen Männer haben andere sexuelle Gewalt als Vergewaltigung erlebt, verglichen mit 21% der heterosexuellen Männer. (…) Die am meisten beachteten Geschichten folgten einer Formel: Eine prominente Überlebende und ein mächtiger männlicher Täter.

Ich empfehle den vollständigen Artikel: eu.usatoday.com.

Berliner SPD: Steuergelder für Pornos

Auf dem Landesparteitag beschließt die SPD eine Filmförderung für feministische Pornofilme. Diese hätten sowohl gesundheits- als auch gleichstellungspolitische Relevanz. DER TAGESSPIEGEL meldet:

Nicht zuletzt prägt Pornografie – vor allem verbreitet über das Internet – heute als wesentlicher Teil sexueller Aufklärung maßgeblich das Bild, das junge Menschen von Sexualität haben, noch bevor es zu individuellen Erfahrungen kommt.

Aus diesem Grund gehe es um ein Thema, das sowohl gesundheitspolitisch als auch aufgrund des vermittelten Frauenbildes gleichstellungspolitisch Relevanz habe, sagt die Berliner Juso-Landesvorsitzende Annika Klose.

Von der SPD-Nachwuchsorganisation stammte auch der Antrag auf staatliche Förderung von feministischen Pornos, der am Sonnabend auf dem SPD-Parteitag beschlossen wurde. Künftig sollen demnach solche pornografischen Inhalte auch über die Mediatheken von ARD und ZDF verfügbar sein.

Na dann.

Mehr: www.tagesspiegel.de.

Staatsräson und Moralin helfen nicht

Markus M. Haefligers Artikel über die Legalisierung der Abtreibung in Irland zeigt drei Dinge: Erstens kann die Verbindung von Staat und Kirche eine Säkularisierung höchstens bremsen, nicht aufhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine politisch erzwungene christliche Kultur die Basis verliert, ist hoch. Zweitens schreitet die Säkularisierung im katholischen Irland inzwischen rasant voran. Zudem wird drittens deutlich, dass die Abwendung vom christlichen Glauben konkrete Konsequenzen im ethischen Bereich hat. Die Freude über eine wachsende Kultur des Todes ist spürbar. 

Die 66 Prozent Ja-Stimmen beim Abtreibungsreferendum markieren eine Zeitenwende. Irlands Kirchengeschichte war jahrhundertelang ein Zerrspiegel von dessen Verhältnis zur grossen Insel auf der gegenüberliegenden Seite der Irischen See. Als die Reformation die Britischen Inseln erfasste, bäumten sich die Gläubigen vielerorts auf. Sie erkannten in den Edikten des Königs Henry VIII. Gesinnungslumperei und in der Konfiskation der Kirchenvermögen die Raffgier des Adels. In entlegenen englischen Kirchenprovinzen wurden die Aufstände unterdrückt, aber unter der Landbevölkerung Irlands behauptete sich der Katholizismus.

Ein frommer Lebenswandel hatte im 19. Jahrhundert Popularität erlangt als Gegenentwurf zu der als verlogen empfundenen Moral der britischen Herrschaft. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1922 wurde Strenggläubigkeit zur Staatsideologie. Der Freistaat übernahm ein verarmtes Staatswesen und konnte sich den Ausbau staatlicher Aufgaben nicht leisten, die Kirche sprang ein. So übte sie bis in die 1960er Jahre die Aufsicht über die Zensur aus. Während anderswo die Säkularisierung um sich griff, drängte Irland die Trennung von Staat und Kirche zurück. Das ging so weit, dass die Bischofssynode die Aufnahme diplomatischer Beziehungen durch Dublin mit dem Vatikan als «überflüssig» ablehnte, da sie sich für zuständig hielt. 

Mehr: www.nzz.ch.

Das Ende des geheimen Deutschlands

Acht Jahre sind vergangen, seitdem die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule öffentlich geworden sind. Mehr als hundert Kinder, vor allem Jungen, wurden dort zwischen 1960 und 1990 von ihren Lehrern sexuell missbraucht (siehe z.B. hier und hier).

In die Etablierung der reformpädagogischen Erziehung war ein elitäres Netzwerk eingebunden. Illustre Namen waren mit der Bewegung, für die die Odenwaldschule ein pädagogisches Vorzeigeprojekt gewesen ist, verbunden. Bekannt sind gewiss Richard von Weizsäcker, von 1984 bis 1994 der sechste Bundespräsident, oder Marion Gräfin von Dönhoff, die langjährige Chefredakteurin und Mitherausgeberin der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT. Der spätere Mitbegründer der TAZ soll sogar aktiv in den Missbrauch involviert gewesen sein (siehe hier).

Derjenige, auf den sich die Reformpädagogen der Bundesrepublik gern beriefen, war der Dichter Stefan George. Er war so etwas wie ein geistiger Übervater der Reformpädagogik (siehe hier).

Inzwischen wird immer deutlicher, dass der George-Kreis nicht nur autoritär geführt wurde, sondern geradezu sektengleich die „Schüler“ abhängig machte. Eine zentrale Rolle spielte nach dem 2. Weltkrieg das von dem Deutschen Wolfgang Frommel betriebene „Castrum Peregrini“ in Amsterdam. Um zum engeren Kreis zu gehören, brauchte es eine initiierende Weihe. Das Ritual war, so vermutet man inzwischen, stark sexuell konnotiert. Da trafen sich deutsche und holländische Jungs und Männer, die bei rituellen Festen Efeukränze auf ihren Köpfen trugen und im Kerzenlicht George-Gedichte lasen. Einige Teilnehmer verglichen die Initiation mit einer Vergewaltigung. Es deutet auch viel darauf hin, dass es zwischen dem Geist Stefan Georges und der Odenwaldschule eine direkte Verbindung gab. Erste Opfer brechen ihr Schweigen. Finstere Abgründe deuten sich an (siehe auch diesen niederländischen Artikel).

Die FAS schreibt in der Ausgaben vom 13. Mai 2018 (Nr. 19, S. 45–46):

Zum ersten Mal wird im George-Kontext offen gesprochen und die Praktiken des Kults werden explizit benannt. Es ist nicht bloß einer, der jetzt spricht, es sind mehrere; nicht nur Männer, sondern auch Frauen, und möglicherweise werden ihnen noch andere folgen. Was bleibt übrig vom „geheimen Deutschland“, wenn die Geheimnistuerei wegfällt? Kann es sein, dass wir dabei zusehen können, wie eine Elite nicht nur demontiert wird, sondern sich mit ihren Mythen selbst demontiert?

Am 12. Juli hat der Dichter Stefan George 150. Geburtstag. Die Frage ist: Was gibt es zu feiern? Was gilt es zu benennen? Mit dem Jahrestag steht, so, wie es aussieht, vor allem der mit einer Kultur des Verschweigens verschränkte George-Kult ums Geheimnis zur Diskussion. Denn es ist ja nicht so, dass das Geraune und die Geheimnistuerei in der George-Forschung aufgehört haben. Es geht ja immer so weiter. Ulrich Raulff bestätigt am Telefon, dass in der George-Forschung, „soweit sie den Namen verdient“, der konservative, apologetische Flügel wieder Oberwasser erlangt habe. „Die Georgeaner, mittlerweile in der vierten Generation, vermeiden bis heute, Klartext zu reden, gerade was das Sexuelle angeht. Ich denke mittlerweile, dass das historisch eine enorme Vernebelung und moralisch ein entsetzlicher Schmus ist.“

„Das Ende des geheimen Deutschlands“ ist ein mutiger und empfehlenswerter Artikel, der hoffentlich dazu beiträgt, mehr Licht in das Dunkel des „pädagogischen Eros“ hineinzubringen. Leider ist er noch nicht öffentlich einsehbar. Er kann aber über ein Probeabo oder einen Tagespass gelesen werden: www.faz.net.

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