Wissenschaft

Strenge als Ausdruck von Liebe

Katharine Birbalsingh gilt als Großbritanniens strengste Direktorin. Ihre Schüler aus dem Problemviertel sind allerdings heute Elite. Wie kann das gelingen. Mit Geradlinigkeit und Disziplin.

Ich zitiere (DIE ZEIT, 03.07.2025, Nr. 28, S. 31):

Die Michaela School ist keine dieser teuren privaten Anstalten mit Kricketplatz, Schwimmhalle oder neogotischen Speisesälen, wie es sie in England häufig gibt. Die rund 700 Schülerinnen und Schüler sind in einem hässlichen sechsstöckigen Zweckbau-Brocken in Wembley untergebracht. Der Bezirk ist einer der ärmsten Stadtteile der britischen Hauptstadt. Weniger als ein Drittel seiner Einwohner sind in Großbritannien geboren. Der asphaltierte und hoch umzäunte Pausenhof ist ein ehemaliger Parkplatz, daneben verläuft eine Bahntrasse.

Was man über die Schule auch noch wissen muss: Sie war in den vergangenen drei Jahren eine der erfolgreichsten Großbritanniens. Laut dem Fortschrittsindex, den die britische Schulaufsichtsbehörde Ofsted ermittelt, erreichen die MichaelaAbsolventen den größten Leistungszuwachs in der Altersgruppe der elf- bis sechzehnjährigen Schülerinnen und Schüler. Zuletzt schafften es 80 Prozent von ihnen an eine britische Elite-Universität.

Wie macht die Schule das? In Birbalsinghs Büro begrüßt Russell Crowe den Besucher mit einer Antwort in drei Worten. Direkt neben dem Schreibtisch der Direktorin steht ein Pappaufsteller des Schauspielers als Gladiator aus dem gleichnamigen Film. Darauf ist ein Schriftzug angebracht: »Hold the line.« Die Stellung halten, damit meint Birbalsingh, dass Lehrkräfte oder Eltern niemals einknicken dürften vor den Kindern. Nie dürften sie in den einfachen Ausweg flüchten oder falsche Nachsicht üben. »Wenn ein Kind dich mit großen Augen anschaut, möchte man ihm natürlich am liebsten seine Wünsche erfüllen. Aber wenn man das andauernd tut, dann werden aus diesen Kindern Erwachsene, die man nicht mehr so nett findet.« Erwachsene, meint sie damit, die glauben, auf alles einen Anspruch zu haben, egal, was sie dazu beitragen. Nach Birbalsinghs Ansicht äußert sich in Strenge vor allem deswegen Liebe, weil sie zu Chancengerechtigkeit führe. »Wir haben hier viele Kinder aus Verhältnissen, in denen es zu Hause keine Bücher gibt, wo beim Essen nicht über Politik gesprochen wird oder man sonntags nicht ins Museum geht. Die Kinder sind also allein auf die Schule angewiesen, um das zu lernen, was sie für ein erfolgreiches Leben brauchen.« Wenn Lehrer ihnen das nicht böten, aus Angst, zu viel von ihnen zu erwarten, dann schadeten sie genau damit am Ende den Kindern.

Kathryn Butler: Zwischen Leben und Tod

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Christoph Jung hat das Buch einer Ärztin gelesen, das sich fundiert mit den oft unklaren Grenzen zwischen Leben und Tod in der Intensivmedizin auseinandersetzt. Fazit:

Kathryn Butler gelingt mit dem Buch das, was sie sich vorgenommen hat. Sie stellt sich der Herausforderung, ein unangenehmes, aber zweifellos dringendes Thema klar und allgemeinverständlich zu erläutern. Inmitten eines medizinisch-technisch-ethischen Dickichts sorgt sie mit klaren, biblisch orientierten Prinzipien und ihrer intensivmedizinischen Erfahrung für notwendige Orientierung. Manche Situationen bleiben auch nach Lektüre des Buches ethisch schwierig und Betroffene werden in konkreten Fällen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Buch nicht nur für Seelsorger oder Pastoren, sondern letztlich für alle interessierten Christen eine wertvolle Entscheidungshilfe bietet.

Mehr: www.evangelium21.net.

Bürgerkrieg der Ideen

Die Professorin Sheila Jasanoff ist Wissenschaftssoziologin an der Harvard-Universität (USA). Sie spürt dort den Druck, der von der Trump-Regierung ausgeübt wird (vgl. hier). Doch in einem Interview, das DIE ZEIT mit ihr geführt hat, wird deutlich, wie differenziert sie die Entwicklungen beurteilt. Die Wurzeln für die Spaltung der Gesellschaft lägen tiefer als das gemeinhin kommuniziert werde. Ein paar Auszüge aus dem Gespräch zeigen, dass die fehlende Fähigkeit, zwischen Fakten, ihren Deutungen sowie den politischen Anwendungen zu unterscheiden, für die Polarisierungen mitverantwortlich ist (DIE ZEIT, Nr. 23, 28.05.2025, S. 31):

Die liberale Erzählung und ihr Verhältnis zur Wahrheit sind unglaubwürdig geworden. Der Liberalismus in Amerika gründet auf der Überzeugung, dass Fakten von der Wissenschaft objektiv definiert werden können und dass, sobald alle Menschen Zugang zu denselben Fakten haben, Rationalität und Eigeninteresse sie dazu bringen werden, das zu tun, was im Interesse aller ist. Aber wenn Menschen eine Reihe an Behauptungen über die Welt glauben sollen, aus denen politische Handlungen abgeleitet werden, müssen sie im Einklang mit der Realität stehen, die die Menschen erleben. Sie müssen überzeugen. Das war zunehmend nicht mehr der Fall.

Besonders deutlich wurde es in den Reaktionen auf die Klima- und Covid-Politik. Wissenschaftler bewerten ein Problem als katastrophal, und Politiker beschließen deshalb, dass wir unsere Lebensweise ändern müssen, und zwar ohne Diskussion – das war für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Nicht weil sie nicht anerkennen, dass eine Pandemie schädlich ist oder der Klimawandel existiert. Studien zeigen, dass die amerikanische Öffentlichkeit insgesamt mehr und mehr von der Realität des Klimawandels überzeugt ist. Die Menschen glauben nicht unbedingt, dass sie persönlich davon betroffen sind, und ganz sicher nicht, dass sie dafür verantwortlich sind. Aber immerhin erkennen sie an, dass er existiert. Was sie jedoch nicht anerkennen, ist die Behauptung der Liberalen, dass es nur eine richtige politische Antwort auf diese Probleme geben kann. Deshalb entscheidet sich die Mehrheit in diesem Land mittlerweile dafür, alle politischen Maßnahmen, die dem Klimawandel entgegenwirken würden, abzulehnen.

Die Wissenschaftsgemeinschaft war leider nie wirklich bereit, zu reflektieren, dass sich aus Forschungsergebnissen keine bindenden Handlungsempfehlungen ergeben. Man hat ignoriert, dass die Entscheidungen, die in ihrem Namen getroffen wurden, nicht für alle Menschen gleich tragbar waren. Dass etwa Arbeiter aus den Kohlekraftwerken in den USA im Rahmen der Klimawende ihre Jobs verlieren werden oder Landwirte in Frankreich und Deutschland plötzlich mit steigenden Dieselpreisen zu kämpfen haben. Die Wissenschaft, so schien es, hilft nicht allen Menschen im gleichen Maße. Dabei soll sie ja den Fortschritt der ganzen Gesellschaft antreiben. Und so ist das Gefühl gewachsen, dass es eine unheilige Allianz zwischen Macht und Wissen gibt.

Während des ersten Covid-Sommers habe ich eines der wenigen Einführungsseminare in Präsenz an der Kennedy School hier auf dem Campus gegeben, damit die Studierenden sich wenigstens kurz von Mensch zu Mensch begegnen. Angesichts der damaligen Situation dachte ich, es sei interessant, mit ihnen zu diskutieren, wie die Politik mit der Unsicherheit umgehen soll. Wir lasen unterschiedliche Artikel, die zeigten, dass es in bestimmten Fragen keinen Konsens gab, welche Maßnahmen die richtigen seien, etwa ab wie viel Jahren Kinder eine Maske tragen müssten. Es wurde deutlich, dass die Entscheidungen recht willkürlich und von Ort zu Ort unterschiedlich getroffen wurden. Aber die Studierenden hatten keinerlei Interesse daran, den Prozess der politischen Entscheidungsfindung zu diskutieren. Sie wollten über Coronaleugner sprechen, aber sie wollten nicht erörtern, wie man unter unsicheren Bedingungen eine begründete Entscheidung trifft. Das empfand ich als sehr bezeichnend.

 

 

USA: Wenn Forschungsberichte mit KI erstellt werden

Wenn sogar Regierungen ihre Berichte mit Künstlicher Intelligenz erstellen, sagt das etwas über die Behördenmitarbeiter aus. Doch es kommt noch etwas hinzu: Die Ergebnisse sind erfunden. Der Bericht unter der Leitung von Robert F. Kennedy Jr., dem Sekretär für Gesundheit und Humandienste, sollte die Gründe für den Rückgang der Lebenserwartung der Amerikaner aufzeigen. Wie sich nun herausstellt, wurde der Bericht mit KI erstellt und wertlos.

Die Zeitung THE WASHINGTON POST berichtet: 

Einige der Zitate, die die Wissenschaft im weitreichenden „MAHA-Bericht“ des Weißen Hauses untermauern, scheinen mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt worden zu sein, was zu zahlreichen verstümmelten wissenschaftlichen Verweisen und erfundenen Studien führt, so KI-Experten am Donnerstag.

Von den 522 Fußnoten zu wissenschaftlichen Untersuchungen in einer ersten Version des Berichts, die der Washington Post zugesandt wurde, tauchen mindestens 37 mehrfach auf, wie eine Überprüfung des Berichts durch The Post ergab. Andere Zitate enthalten den falschen Autor, und mehrere Studien, die in dem umfangreichen Gesundheitsbericht zitiert werden, existieren überhaupt nicht, worüber das Online-Nachrichtenportal NOTUS am Donnerstagmorgen zuerst berichtete.

Einige Verweise enthalten „oaicite“ in den URLs – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Forschung mit Hilfe künstlicher Intelligenz gesammelt wurde. Das Vorhandensein von „oaicite“ ist ein Zeichen dafür, dass OpenAI, ein US-amerikanisches Unternehmen für künstliche Intelligenz, verwendet wurde. Ein häufiges Merkmal von KI-Chatbots wie ChatGPT sind ungewöhnlich sich wiederholende Inhalte, die nicht menschlich klingen oder ungenau sind, sowie die Tendenz, Studien oder Antworten zu „halluzinieren“, die sinnvoll erscheinen, aber nicht real sind.

Mehr: www.washingtonpost.com.

Die Studenten glauben zum Teil alles

Zu viele Studenten seien an den Hochschulen fehl am Platz, sagt Michael Sommer, Geschichtsprofessor an der Uni Oldenburg. Schon das Lesen von mittelschweren Texten bereite einem Großteil Schwierigkeiten. Er warnt vor einer „Gesellschaft von strukturellen Analphabeten“.

Zitat: 

Die Gründe sind vielfältig und ziehen sich meiner Beobachtung nach durch die ganze Lernbiografie. Das fängt bei den Elternhäusern an, in denen im frühkindlichen Bereich oftmals nicht mehr vorgelesen wird. Wo es kaum Bücher gibt, wo Texte kaum eine Rolle spielen. Später in den Schulen gibt es dann als Feedback sinngemäß vor allem: Ja, ihr seid super, mit euch ist nichts falsch. Und dann ist es auch die Gesellschaft, die leistungsorientiertes Verhalten unter Generalverdacht stellt: Wer gut ist, wer sich streckt und viel arbeitet, der ist ein Streber. Die anderen Faktoren lassen sich auch international beobachten, aber diese Leistungsfeindlichkeit ist ein deutscher Spezialfall. In fast allen Ländern sind die Leistungsstarken die ‚Cool Kids‘. Bei uns sind an den Schulen die Leistungsschwachen und Faulen die ‚Cool Kids‘.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Gender Studies bis zum Abwinken

Auch was die Bildung anbetrifft, wurden in den zurückliegenden Jahren falsche Prioritäten gesetzt. Viele junge Leute studieren Fächer, die für die Volkswirtschaft wenig Nutzen bringen. Die Freie Universität Berlin verzeichnete für das Jahr 2024 beispielsweise mehr als 160 Professuren für das Fach Gender Studies in Deutschland.

DIE WELT berichtet: 

Tatsächlich spielt die Studien-Wahl für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Deutschland eine entscheidende Rolle. „Unternehmen wünschen sich von Hochschulen gut ausgebildete Akademikerinnen und Akademiker in einer Reihe von Fachrichtungen“, sagt Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. „Mit besonderer Bedeutung dabei sicher im Mint-Bereich“. Diese Studiengänge gelten für Unternehmen und Wachstum als besonders relevant.

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) jedoch zeigen: In der Realität wird an den Unis auch viel dort aufgebaut, wo es der Wirtschaft wenig nutzt. Die Freie Universität Berlin verzeichnete für das Jahr 2024 etwa mehr als 160 Professuren für das Fach Gender Studies in Deutschland.

Das sind mehr als alle Stellen für die Mint-Fächer medizinische Physik (28), Neuroinformatik (28,5) oder angewandte Kernphysik (gerade einmal sechs Stellen) zusammen, wie sich anhand von Zahlen des Portals Kleine Fächer der Uni Mainz ausrechnen lässt. Tendenz: Steigend. Denn die Bundesregierung fordert schon länger den Aufbau des Gender-Studies-Bereichs, investierte hier seit 2007 mit mindestens 37 Millionen Euro.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Bildungsverfall an den Hochschulen

Frau Prof. Gülbay-Peischard beklagt die fehlende Leistungsbereitschaft an den Hochschulen. Die Wertschätzung von Bildung gehe selbst im universitären Umfeld verloren. Was sie besonders ärgert: Studenten schämen sich nicht dafür, ihre Hausarbeiten von künstlicher Intelligenz schreiben zu lassen. 

Ein paar Zitate: 

Ich würde niemandem Dummheit unterstellen. Aber ein großer Teil der Studenten ist tatsächlich unambitioniert. Aus meiner Sicht wird eine Bildungschance vertan, wenn Bildung nicht als Zweck des Studiums begriffen wird, sondern es nur darum geht, so schnell wie möglich durch diesen Parcours durchzukommen. Wenn ich auf Instagram lese, dass Studenten sich gegenseitig KIs empfehlen, mit denen die Hausarbeiten geschrieben werden, dann kann ich nur sagen: Leute, ihr verkennt den Zweck einer Hausarbeit. Natürlich geht es einerseits darum, einen Schein zu machen. Aber vor allem geht es darum, sich die Skills zu erarbeiten, die mit einer erfolgreichen Hausarbeit einhergehen: Recherchieren eines unbekannten Themas, das Strukturieren eines eigenen Vortrags und Zeitmanagement. All das fällt weg, wenn ich die KI etwas schreiben lasse. Und das fehlt den Absolventen dann im Beruf.

Tatsächlich an einer gewissen Bereitschaft, sich Stress und Leistung auszusetzen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Viele lassen sich viel zu leicht ablenken. Es gibt Sachen, die machen wir nicht gerne. Aber es wird nicht besser, wenn wir sie aufschieben. Dieses Durchhaltevermögen fehlt vielen Studenten. Manche überschätzen sich zudem gnadenlos selbst.

Und in der Schule kommt noch dazu, dass Eltern dies geradezu fördern, indem sie jede schlechte Note kritisieren und bekämpfen, statt dem Kind zu sagen: Na ja, wenn du eine Fünf bekommen hast, hast du offensichtlich nicht genug gelernt. Stattdessen werden die Lehrer angegangen und im Zweifel sogar über das Schulamt Druck gemacht. Warum sollten Lehrer sich das antun?

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Die Illusion einer digitalen Schule

Deutschland will bis 2030 Milliarden in die Digitalisierung von Schulen investieren. Doch ausgerechnet Vorreiter Dänemark lässt am Sinn der Offensive zweifeln. Denn Auswertungen zeigen, dass der bedingungslose Digital-Kurs längst nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Im Gegenteil. Felix Seifert berichtet:

Denn: Beispiele wie Dänemark zeigten, dass die elektronische Ausstattung nicht automatisch zu tiefgreifenderem Themenverständnis – und damit besseren Schülern – führe. „Die elektronischen Tools sind oft nicht dazu geeignet, Themen tiefgehender zu reflektieren. Es ist etwa ein riesiger qualitativer Unterschied, ob ich eine WhatsApp-Nachricht tippe oder einen kohärenten längeren Text verfasse.“

Studien der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) bestätigen das: Die Wissenschaftler stellten dort mittels Gehirnscans fest, dass etwa das Schreiben per Hand eine höhere geistige Aktivität auslöst als bloßes Tippen am Computer. Renkls Urteil: „Es muss ein Nutzungskonzept für die digitalen Medien geben. Dann kann ihr Einsatz eine sinnvolle Ergänzung sein. Wir sollten uns aber immer fragen: gibt es wirklich einen benennbaren Vorteil?“

Wie sich das auf die Strategie bei den Bildungsausgaben auswirken kann, zeigt etwa das Beispiel Harvard. Der Elite-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts steht zusammengerechnet jedes Jahr ein Vermögen von 31 Milliarden Dollar (etwa 27 Milliarden Euro) aus Spendengeldern zur Verfügung. Und bis dato setzte die Universität trotzdem weiterhin auch auf Kreidetafeln und ausgedrucktes Unterrichtsmaterial.

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Wie sich an Amerikas Elite-Universitäten Antisemitismus ausbreitete

An vielen Elite-Universitäten in den USA und auch in Deutschland hat man über Jahre zugelassen, dass Antisemiten mehr und mehr an Einfluss gewinnen konnten. Christine Brinck erklärt:

Die intellektuelle Integrität der Universität ist in den letzten 20 Jahren allzu oft auf dem Altar der Ideologien geopfert worden. Administrationen wurden aufgebläht mit Politkommissaren, die für ethnische Buntheit und Bevorzugung nichtweißer Gruppen zuständig waren und sexuelle Belästigung ahnden sollten. Der Antisemitismus reckte sein hässliches Haupt. Rassismus, Dekolonisierung und Weiße Vorherrschaft gerieten ins Zentrum der Lehre. Über Jahre waren gewaltige Summen aus arabischen Ländern, vor allem aus Katar, in die Nahost-Institute geflossen, und mit den Geldern kamen israelfeindliche Curricula und arabische Studenten, welche als Führungskader fungierten.

Bei der Anhörung im US-Kongress zu den Vorgängen demontierten sich die Präsidentinnen von Harvard und Pen selbst. Verstieß denn nicht der Aufruf zum Genozid an Juden gegen die Regeln der Universität? Gewunden antworteten sie: Das hänge vom „Kontext“ ab. Den Uni-Vorständen blieb nichts anderes übrig, als die beiden zum Rücktritt zu drängen.

Ein Blick nach Deutschland. Hierzulande haben viele Uni-Verwaltungen auch nicht gegen den Antisemitismus im Gewande des „Antizionismus“ durchgegriffen. Erst als die Gewalt überkochte, begann man, das Hausrecht durchzusetzen. Nach der Vandalisierung des Emil-Fischer-Hörsaals an der Humboldt-Universität wurde die Polizei gerufen. Die Zerstörungswut der Studenten war die Antwort auf die Ausweisung von vier ausländischen Aktivisten, die 2024 das FU-Präsidium besetzt hatten.

Der neueste Antisemitismus-Report von Harvard räumt nun vorsichtig jahrelange Fehlentwicklungen ein: sinkende intellektuelle Standards, ein von Vorurteilen gesteuertes Curriculum und eine gewisse „Faulheit“, jüdische oder israelische Perspektiven im Kontext des Israel-Palästina-Konflikts zu berücksichtigen. Manche Abteilungen opferten historische Fakten der politischen Agenda. Ein Professor leugnete gar, dass Juden irgendeine historische Beziehung zum Land Israel hätten.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Kathleen Stock rehabilitiert

Sie wurde an ihrer Universität gemobbt, weil sie an ihrem biologischen Geschlecht festhielt. Schließlich kündigte Kathleen Stock ihren Job (vgl. hier). Jetzt profitiert die britische Feministin von einer neuen Behörde, die sich für Meinungsfreiheit einsetzt. Eine gute Entwicklung, über die die NZZ berichtet.

Die Bewegung der Woken setzte Kathleen Stock einst schwer zu. Weil die englische Professorin auf dem biologischen Unterschied der Geschlechter bestand und das Konzept einer von der Anatomie unabhängigen Gender-Identität zurückwies, kam es 2021 zu wütenden Protesten an der University of Sussex, an der Stock lehrte.

Die Gender-kritische Philosophieprofessorin musste jahrelang Mobbing und Schikanen wegen ihrer Ansichten ertragen. Nach einer, wie sie schrieb, „absolut schrecklichen Zeit“ für ihre Familie und sie selbst sah sich Stock schliesslich gezwungen, ihre Lehrstelle aufzugeben. Drei Jahre später aber diagnostizierte sie in der Londoner „Times“ das Schwächeln der Woke-Bewegung. Und nun gibt ihr auch die Regierung in einem bisher einzigartigen Verfahren recht, das den Gender-Wars eine neue Dynamik gibt.

Die Hochschulaufsichtsbehörde Office for Students (OfS) brummte der University of Sussex eine Geldstrafe in der Höhe von 585 000 Pfund auf – wegen Nichteinhaltung der Redefreiheit. Die OfS, 2024 gegründet, soll sich um Meinungs- und akademische Freiheit kümmern.Als OfS-Direktor fungiert Arif Ahmed, ein Wittgenstein-Experte und Philosophieprofessor an der Universität Cambridge. Ahmed sah sich gezwungen, die Untersuchung und ihre Ergebnisse im Fall Stock gegen die heftige Kritik der Vizekanzlerin der Universität Sussex, Sasha Roseneil, zu verteidigen, die diese als „ungeheuerlich und zusammengebastelt“ bezeichnete.

Mehr: www.nzz.ch.

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