September 2019

Jesus als Schlüssel zur Freiheit

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Freiheit (Brunnen, 2004, S. 84–86):

Ich habe festgestellt, dass Jesus Christus der Schlüssel zur Freiheit ist. Und das ist der fünfte Grund, weshalb ich Christ bin. Viele Menschen sind regelrecht getrieben von der Suche nach Freiheit. Bei den einen geht es um die nationale Freiheit, um die Emanzipation von einem kolonialen oder neokolonialen Joch. Für andere ist es die bürgerliche Freiheit, die Freiheit von Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit. Doch für uns alle kennzeichnend ist vor allem die Suche nach persönlicher Freiheit. Selbst diejenigen, die am entschiedensten für jene anderen Freiheiten kämpfen, wissen oft, dass sie persönlich nicht frei sind. Sie fühlen sich frustriert, unausgefüllt und unfrei. John Fowles, der gefeierte britische Romanautor, wurde einmal gefragt, ob es in seinen Büchern ein besonderes Thema gebe. «Ja», erwiderte er, «Freiheit. Wie man Freiheit erlangt. Das beschäftigt mich. Davon handeln alle meine Bücher.»

Und Freiheit ist ein großartiges christliches Wort. Jesus Christus wird im Neuen Testament als der große Befreier der Welt gerühmt. Er sagte: «Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen» (Lukas 4,18), und fügte später hinzu: «Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei» (Johannes 8,36). Ähnlich schrieb der Apostel Paulus: «Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben» (Galater 5,1).

Im Grunde ist «Freiheit» lediglich ein moderneres Wort für «Erlösung». Durch Jesus Christus erlöst zu sein, heißt nichts anderes, als befreit zu sein. Wenn man allerdings in einem Gespräch das Wort «Erlösung» fallen lässt, wird es manch einem schlichtweg peinlich, und er wechselt schnell das Thema. Andere reagieren gelangweilt. Sie gähnen, statt rot zu werden. Für sie gehören Ausdrücke wie «Sünde» und «Erlösung» zu einem religiösen Wortschatz, der ihrer Meinung nach heute antiquiert und überholt ist. Vielleicht fragt sich manch einer aber auch verwirrt, was denn um alles in der Welt wohl unter «Erlösung» zu verstehen ist. Bei «Freiheit» sind hingegen alle sofort und mit ganzem Interesse bei der Sache.

Es gibt eine schöne Geschichte über B. F. Westcott, einen angesehenen Professor für Neues Testament an der Universität Cambridge. Er war ab 1890 Bischof von Durham und wurde eines Tages im Bus von einer jungen Soldatin der Heilsarmee angesprochen. Ohne sich von den Gamaschen Seiner Exzellenz (wie sie die Bischöfe damals noch trugen!) abschrecken zu lassen, fragte sie ihn ungeniert, ob er erlöst sei. Mit einem Augenzwinkern antwortete der Bischof: «Nun, meine Liebe, das kommt darauf an, was Sie meinen. Meinen Sie sōzomenos oder sesōsmenos oder sōthesomenos?» (Das sind Gegenwarts-, Vergangenheits- und Zukunftsform des griechischen Verbs sōzō – «retten, erlösen».)

Meine Hoffnung ist, dass ich Sie mit diesem Kapitel weder in Verlegenheit bringe noch langweile, noch verwirre. Ich wünschte, wir könnten dieses herrliche Wort «Erlösung» wiedergewinnen und ihm seinen Platz zurückgeben; denn es ist ein zentraler biblischer Begriff (wir können ihn nicht einfach über Bord werfen) und ein umfassender Ausdruck (er beinhaltet die ganze Absicht Gottes). Der Apostel Paulus bekannte: «Ich schäme mich nicht für die rettende Botschaft. Sie ist eine Kraft Gottes, die alle befreit [erlöst/rettet], die darauf vertrauen; zuerst die Juden, aber auch alle anderen Menschen» (Römer 1,16).

Ich erinnere mich noch gut, wie ich als frisch gebackener Christ diesen Vers vorgelesen bekam und man mir die so genannten «drei Zeitformen der Erlösung» erklärte.

Das hörte sich so an:

Erstens bin ich in der Vergangenheit erlöst (oder befreit) worden von der Strafe der Sünde durch den gekreuzigten Erlöser.

Zweitens werde ich in der Gegenwart erlöst (oder befreit) von der Macht der Sünde durch den lebendigen Erlöser.

Drittens werde ich in der Zukunft erlöst (oder befreit) werden von der Gegenwart der Sünde durch den kommenden Erlöser.

Von Selbstbejahung und Selbstverleugnung

John Stott schreibt in einem Buch Die große Einladung über die Selbstliebe (Brunnen, 2004, S. 81–82):

Was die psychologischen Konsequenzen des menschlichen Paradoxes betrifft [dass wir voller Würde und zugleich Verdorbenheit sind, Anm. RK], so wissen wir alle, wie wichtig ein ausgewogenes Selbstbild für unsere seelische Gesundheit ist. Manche Menschen leiden unter entsetzlichen Minderwertigkeitsgefühlen und einem sehr negativen Bild von sich selbst. Andere fallen in das entgegengesetzte Extrem. Der Amerikaner Carl Rogers zum Beispiel, der Begründer der «klientbezogenen Psychotherapie», kam zu der Überzeugung, dass der tiefste Kern des Menschen, die tiefsten Lagen seiner Persönlichkeit, der Grund seiner «animalischen» Natur, einen positiven Charakter haben. Und deshalb sollten wir, wenn es nach ihm geht, eine «bedingungslos positive Sicht von uns selbst» entwickeln.

Dieses Denken floriert auch in der Selbstverwirklichungsbewegung und hat viele Christen eingeholt. Sie vertreten die Meinung, wir sollten Gott, unseren Nächsten, aber zuallererst uns selbst lieben. Doch in Wirklichkeit lautet das biblische Gebot, dass wir unseren Nächsten so lieben sollen, wie wir uns selbst bereits lieben, da wir ja selbstsüchtige Menschen sind. Dass das biblische Gebot keine Aufforderung ist, uns selbst zu lieben, wird aus drei Argumenten deutlich. Erstens bestätigt Jesus das alttestamentliche Doppelgebot (Lukas 10,27), Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Von einem weiteren Gebot: «Du sollst dich selbst lieben», ist nicht die Rede. Zweitens ist Selbstliebe die Essenz der Sünde (2. Timotheus 3,2). Drittens ist die Liebe, die unser Leben prägen soll, jene göttliche Agape-Liebe, die sowohl Opferbereitschaft als auch Dienstbereitschaft beinhaltet, deren «Gegenstand» wir also nicht selbst sein können. Wie könnten wir uns selbst aufopfern, um uns selbst zu dienen?

Was also ist ein angemessenes Selbstbild? Wenn wir uns selbst weder hassen noch lieben sollen, wie sollen wir dann zu uns selbst stehen? Hier kommt wieder das menschliche Paradox ins Spiel. Wir Menschen sollten daran denken, dass wir sowohl ein Produkt der Schöpfung als auch ein Produkt des Sündenfalls sind. Somit bejahen wir dankbar alles in uns, was unserer Erschaffung nach dem Bild Gottes zuzuschreiben ist, während wir alles in uns entschlossen ablehnen oder verneinen, was dem Sündenfall zuzuschreiben ist. Wir sind also sowohl zur Selbstbejahung als auch zur Selbstverleugnung berufen, und wir brauchen ein gutes Unterscheidungsvermögen, um zu erkennen, was in welcher Situation angemessen ist.

John Stott’s Ratschläge für Prediger

John Stott (1921–2011) hat vor einigen Jahren in einem Interview Ratschläge für Prediger gegeben, die sehr hilfreich sein. Leider nur in englischer Sprache.

Hier: 

Pelagius, der Progressive

Charlotte Allen hat für das Journal FIRST THINGS das Interesse der Progressiven an Pelagius unter die Lupe genommen. Tatsächlich wird seit Jahrzehnten Pelagius rehabilitiert und der Eindruck erweckt, er sei das Opfer eines machtbesessenen Bischofs mit dem Namen Augustinus gewesen. Ali Bonner hat gar in ihrem Buch The Myth of Pelagianismus behauptet, so etwas wie einen Pelagianismus habe es nie gegeben. 

Allens Analyse ist sehr hilfreich, sieht sie doch die Gründe für das Interesse an Pelagius ganz woanders. Seine Sicht von Gott und dem Menschen passt viel mehr in das moderne Weltbild als das seiner Gegner.

In Bonner, we find the true reasons behind this historical revisionism. The rhetorical battle between Pelagius and Augustine boiled down to a political struggle between “ascetic Christians seeking imitation of Christ’s way of life as near perfect as they could achieve in a situation of autonomy,” versus “bishops wanting to extend their control over all Christians through control of access to salvation.” Augustine is the big, bad wolf of “authoritarianism,” while Pelagius is the great patron of authenticity, diversity, and other postmodern gods. The resurrection of Pelagius is, at bottom, a renunciation of Augustine’s vision of God and man, which is to say, the justification of our modern selves.

Hier der vollständige Artikel: www.firstthings.com.

Bindung und Identität

Dr. med. Christl Ruth Vonholdt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Bindungsforschung und Identitätsentwicklung. Bis 2017 war sie Leiterin des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG) und veröffentlichte in dieser Zeit zahlreiche Artikel zum Themen rund um  Geschlecht, Leiblichkeit, Identität und Sexualität. 

Inzwischen pflegt Frau Vonholdt ein eigenes Blog und publiziert zu hochbrisanten Themen wie Leib, Bindung und Identitätsentwicklung. Die Internetseite ist eine echte Fundgrube. So ist dort etwa der sehr persönliche Bericht einer Frau zu finden, die das Gefühl hatte, im falschen Körper zu leben und so via Behandlungen mit männlichen Hormonen und chirurgische Eingriffen einen „Geschlechtswechsel“ anstrebte. Doch die neue Identität als „Mann“ brachte nicht das erhoffte Glück. Schließlich fand sie zurück zu ihrem Frausein. Sie sagt:

Mein Mannsein war mein Schutzpanzer gegen das Spüren vieler tiefer Verletzungen geworden, es war wie: Das Mädchen, das verletzt wurde, das bin ich ja gar nicht.

Als ich meiner Therapeutin vor den Operationen gesagt hatte, bei mir und meiner Familie sei alles in Ordnung, war ich davon auch überzeugt. In Wirklichkeit waren meine inneren Wunden und Schmerzen so groß, dass ich sie vollständig verdrängt hatte. Ich hatte sie verdrängen müssen, um überhaupt überleben zu können. Erst jetzt hatte ich die Kraft, mich ihnen – ganz allmählich, Schritt für Schritt – zu stellen.

Um zu lernen als Frau zu leben, musste ich die wirkliche Person, die ich tief in mir vergraben hatte, zu Wort kommen lassen. Das bedeutete, dass ich mich all den Schmerzen und vielen vergrabenen Gefühlen stellen musste. Nur wenn die Frau in mir zu Wort kam, konnte sie aber auch – zum ersten Mal in ihrem Leben – Bestätigung, Annahme, Liebe erfahren. Wenn ich lernen würde, mich, mein wirkliches Ich, zu zeigen, würde ich lernen können, Positives zu empfangen, von den anderen, von Gott.

Hier die Adresse: www.christl-r-vonholdt.de.

Transphober Feminismus

In den USA und England werden die Weichen dafür gestellt, dass die vom Einzelnen gewählte Gender-Identifikation zwingend anzuerkennen ist. Ein Mensch, der von sich behauptet, eine Frau zu sein, müsste dann rechtlich wie eine Frau behandelt werden. Bisher muss so eine Identität ärztlich attestiert und behördlich genehmigt werden. Das führt zu allerlei Problemen, auf die die Frauenbewegung inzwischen aufmerksam macht und viel Kritik erntet. 

Michael Prüller schreibt für DIE PRESSE:

Nun nehmen aber auch moderate Frauenrechtlerinnen zunehmend Anstoß daran, dass biologische Männer, die sich als Frauen deklarieren, in Frauenreservate eindringen, die zwecks Chancengleichheit oder zum Schutz der Intimsphäre oder zur Sicherheit errichtet wurden.

Da geht es etwa um Frauenhäuser, die z. B. in Kanada keine Förderung mehr bekommen, wenn sie nur biologische Frauen aufnehmen – obwohl es dort den Fall Christopher Hambrook gegeben hat, der als Transfrau Jessica im Women’s Shelter Frauen bedrängt hat. Es geht genauso etwa um den Sport: Gegen biologische Männer bleiben im Allgemeinen die biologischen Frauen aufgrund ihrer Physis auf der Strecke. Im Schulsport in Connecticut etwa ist es ohne Vorbedingungen möglich, dass ein Bub als Mädchen an Wettbewerben teilnimmt. Seit 2017 haben dort zwei Schüler 15 Mädchen-Staatsmeistertitel errungen, die davor von zehn Schülerinnen gehalten worden waren.

Mehr hier: diepresse.com.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner