Gender Mainstream

Politische Geschlechtsumwandlung

Im Jahr 2006 schrieb Volker Zastrow einen viel beachteten Artikel über Gender Mainstream und legte darin die Quellen der Ideologie offen.

Der Begriff »Gender« stammt aus der Sexualpsychologie. Er entsprang dem Bemühen, sprachlich mit der Transsexualität umzugehen: mit der leidvollen Selbstwahrnehmung mancher Menschen, dem anderen Geschlecht anzugehören, in einem falschen Körper zu stecken. Daraus entwickelte sich die Vorstellung eines vom biologischen Geschlecht (im Englischen: sex) abgelösten emotionalen oder metaphysischen Geschlechts (gender). Diese Grundidee wurde von der Homosexuellenbewegung übernommen. Gender wurde zur Sammelbezeichnung für das »soziale Geschlecht« weiterentwickelt, das den Menschen ihre

»Zwangsheterosexualität« zuweise. Geschlecht ist demnach sowohl eine ideologische Hypothese als auch eine gesellschaftspolitische Konstruktion. Die Theorie wurde hauptsächlich von Feministinnen erarbeitet und erweitert.

Der Zusammenhang von Feminismus und Lesbenbewegung wird öffentlich verbrämt, dabei ist er nachgerade zwingend. Denn während homosexuelle Männer auch ohne Frau und Kinder in der sogenannten »patriarchalischen« Gesellschaft erfolgreich sein konnten, bot sich diese Möglichkeit homosexuellen Frauen kaum. Ihnen drohte die Abwertung als »alte Jungfer«; berufliche Bildung, Aufstieg und Anerkennung waren für sie erheblich schwerer zu verwirklichen als für den alleinstehenden Mann. Der Zusammenhang zwischen Frauen- und Lesbenbewegung, der in der Politik der großen Koalition als Gleichstellungs- und Gleichbehandlungspolitik aufscheint, ist also durchweg biographischer Natur.

Er kann aber nicht offenbart werden, da die Interessen von Lesben gerade in der bedeutsamen Frage von Ehe und Familie mit denen anderer Frauen keineswegs übereinstimmen.

Es lohnt sich, den Text fünf Jahre nach Erstveröffentlichung nochmals zu lesen. Vieles, was damals noch ungewöhnlich oder abstrus klang, ist heute selbstverständlich politische Agenda: www.faz.net.

The Mathematics of Sex

Seit Jahren gibt es den Girls Day, um möglichst vielen Schülerinnen die Arbeitswelt klassischer Männerberufe schmackhaft zu machen. Mit Hilfe entsprechender Förderprogramme (und einem Mensaessen gratis) sollen junge Frauen dazu motiviert werden, Ausbildungsgänge in Technik, Handwerk, Ingenieur- oder Naturwissenschaften zu wählen. Wenn trotzdem wenig Frauen mathematische Fächer wie Physik, Informatik oder Ingenieurwissenschaften wählen, so kann das in den Köpfen vieler Meinungsproduzenten nur an Benachteiligungen liegen, die durch probate staatliche Interventionen aufzubrechen sind.

Also alles eine Frage von Diskriminierungen? Zwei Psychologen haben die Gründe für den Frauenmangel in technischen Fachrichtungen genauer unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Diskriminierung ist passé.

Für ihre Arbeit werteten Wendy Williams und Stephen Ceci von der Cornell University über 400 Studien zum Thema aus. »Statt selbst in Polemik zu verfallen, halten wir uns lieber an die Daten«, sagt Ceci. Das Resultat ihrer Analyse haben sie vergangenes Jahr in einem lesenswerten Buch dargelegt; eine kurze Zusammenfassung ist soeben in den »Proceedings of the National Academy of Sciences« erschienen.

Es gebe tatsächlich mehr mathematisch hochbegabte Männer als Frauen, schreiben Ceci und Williams. Das allein erkläre aber nicht, weshalb Frauen in mathematikintensiven Fächern so deutlich unterrepräsentiert seien. Und auch die Diskriminierung sei – anders als früher – nicht mehr ausschlaggebend. Sie könne heute in Studien nicht oder kaum mehr nachgewiesen werden. Frauen werden also nicht weniger oft an Hochschulen berufen, bekommen nicht weniger Fördergelder, und ihre wissenschaftlichen Artikel werden nicht schlechter bewertet, nur weil sie Frauen sind.

Warum Mädchen eher Berufe mit Menschen in Betracht ziehen, z.B. Medizin, Psychologie oder Pädagogik, und eine Genderforscherin mit Rang und Namen mit den Ergebnisse von Williams und Ceci nicht ganz glücklich ist, kann hier nachgelesen werden: www.nzz.ch.

Geschlechtsverwirrung geht offline, vorerst

Eine traurige Nachricht: Ferdinand Knauß stellt das Bloggen ein, jedenfalls vorerst. Ich habe seine Beiträge geschätzt, da sie die heute so populäre Gender-Theorie pointiert und unterhaltsam hinterfragen. In seinem Resümee schreibt Knauß:

Ich habe festgestellt, dass man – wie die Philosophin Helge Landweer mir einmal sagte – über das Thema Geschlechterdifferenz mit denen, die den Diskurs dominieren, kaum friedlich diskutieren kann. Die Koryphäen des Faches haben mich ignoriert, obwohl ich manch eine direkt angesprochen habe. Das war aus deren Sicht konsequent. Sie müssen schließlich so tun, als seien ihre Theorien gesicherte und unangefochtene Erkenntnis. Da geht es um Macht und da hört der Spaß für viele auf.

Eine gute Nachricht gibt es allerdings auch: Knauß arbeitet seit dem 1. Februar für das Bundesministerium für Bildung und Forschung als Pressesprecher. Viel Erfolg! Ich hoffe, bald wieder Schlagzeilen zu Geschlechtsverwirrung auf Brainlogs zu lesen.

Ich bin eine sexistische Stereotype

Auch wenn Birgit Sauer in ihrem Aufsatz »Die Allgegenwart der ›Androkratie‹: feministische Anmerungen zur ›Postdemokratie‹« darüber klagt, dass die Gesellschaft weitgehend entpolitisiert wurde und Bürgerinnen und Bürger zu bloßen Konsumentinnen und Konsumenten (Ist das nicht eine wunderbare Sprache?) degradiert werden (siehe APuZ 1–2/2011 vom 3. Januar 2011), können sich die Feministinnen und Gender-Ideologen derzeit recht gut in Szene setzen. Der Europarat berät seit Längerem die Beschlussvorlage 12267 (hier: EDOC12267.pdf). Hinter dem Dokument steckt der Versuch, die Verwendung des Begriffs »Mutter« als ein sexistisches Stereotyp zu bekämpfen. Durch die mediale Meidung von binären Geschlechterrollen soll die Gender-Gleichheit gefördert werden. Es heißt:

When they are not under-represented or invisible, women are often represented in the media in roles traditionally assigned by society, portrayed as passive and lesser beings, mothers or sexual objects. These sexist stereotypes in the media perpetuate a simplistic, immutable and caricatured image of women and men, legitimising everyday sexism and discriminatory practices and establishing a barrier to gender equality.

Emphasizing the positive role that the media can play in promoting gender equality, the Parliamentary Assembly should invite member states to promote training, education and awareness-raising action and to strengthen women’s visibility in the media. It should invite national parliaments to reinforce their legislation on combating sexist stereotypes and penalise sexist offences. Media should favour a more balanced and non- stereotyped representation of women and men in the media and promote the gender equality dimension in their regulatory and self-regulatory authorities and training programmes.

Furthermore, the Assembly should invite the Committee of Ministers to draft a European code of good practice for member states and a handbook for the media on strategies to combat gender stereotypes in the media and incorporate, in the future Council of Europe convention on preventing and combating violence against women and domestic violence, the fight against gender stereotypes as a means to prevent gender- based violence. Finally, the Assembly could invite the Committee of Ministers to draft a new protocol to the European Convention on Human Rights, establishing gender equality as a fundamental human right.

Birgit Kelle, von 2005 bis 2008 Herausgeberin der christlichen Monatszeitung VERS1, schreibt in ihrem Kommentar zu dieser absurden Agenda:

Wenn es nicht so bitterer Ernst wäre, könnte man darüber lachen. Das Problem ist jedoch, dieser Irrsinn wird Stück für Stück gesetzlich verankert. Nicht nur in Bern oder in der Schweiz, sondern überall. Wenn wir zulassen, dass uns Bürokraten vorschreiben, wie wir zu sprechen haben, dann lassen wir zu, dass sie unser Denken steuern. Diese ganze Entwicklung erinnert beängstigend an die einstigen Zukunftsvisionen von George Orwell in seinem Roman »1984«. Wir sind dabei ein europäisches »Neusprech« einzuführen. Zuerst waren es so lächerliche Begriffe wie Mohrenkopf, die als politisch unkorrekt aussortiert wurden. Und ich bin nicht ganz sicher, wie ich angesichts der bevorstehenden Fußball-WM derzeit einen Menschen mit afrikanischen Wurzeln bezeichnen darf, »Farbiger«? «Schwarzer«? Bin ich weiß? Was ist mit Sonnenbrand? Man taumelt förmlich zwischen den Fettnäpfchen. Darf ich meinen Kindern das Lied »Lustig ist das Zigeunerleben« noch beibringen oder ist es jetzt das »Lustige Leben der fahrenden, ethnischen Minderheiten?« Faria, Faria, Ho! Mal davon abgesehen, dass dieses Leben vermutlich alles andere als lustig ist, also ein doppelter Fauxpas.

Ich glaube, das Problem beginnt erst dann, wenn sich Frauen tatsächlich durch die Ansprache oder die Darstellung als Mutter diskriminiert fühlen. Dann hätte das »Neusprech« ganze Arbeit geleistet. Noch sind wir nicht soweit. Ich kenne nur stolze Mütter und Väter. Und schön, dass meine Kinder immer noch »Mama« zu mir sagen. Oder wird das demnächst auch verboten?

Übrigens sollen in den USA die Begriffe »Vater« und »Mutter« in den Pässen durch »Elter Eins» und »Elter Zwei« ersetzt werden. Wer es nicht glaubt, hier: www.foxnews.com.

Der Kommentar von Frau Kelle ist hier zu finden.

VD: HB

Denis Dutton (1944–2010)

Denis Dutton, neuseeländischer Autor und Philosophieprofessor, war Herausgeber der Internetseite Arts & Letters Daily sowie von 1995–1998 Veranstalter des »Wettbewerbes für schlechtes Schreiben« (Bad Writing Contest). Bei diesem Wettbewerb wurden Geisteswissenschaftler ermittelt, die durch einen besonders unverständlichen Schreibstil aufgefallen sind.

Ruhm erreichte der Wettbewerb, als Judith Butler, die »Mutter« der postmodernen Gender Mainstream-Philosophie, vierte Preisträgerin wurde. Sie gewann den Preis für folgenden Satz:

The move from a structuralist account in which capital is understood to structure social relations in relatively homologous ways to a view of hegemony in which power relations are subject to repetition, convergence, and rearticulation brought the question of temporality into the thinking of structure, and marked a shift from a form of Althusserian theory that takes structural totalities as theoretical objects to one in which the insights into the contingent possibility of structure inaugurate a renewed conception of hegemony as bound up with the contingent sites and strategies of the rearticulation of power.

Dutton bemühte sich stets um faire Diskurse und hat deshalb unter anderem auch den Kritikern der heute prominenten Klimatheorien ein Forum eingeräumt. Am 28. Dezember ist Denis Dutton im Alter von 66 Jahren an Krebs verstorben.

Hier ein kurzer Nachruf der Zeitung Der Standard: derstandard.at.

VD: JS

Neue Studie: Männer häufiger Opfer von Gewalt als Frauen

Beide Geschlechter sind fast gleich oft Täter – aber Männer schlagen häufiger, Frauen wählen subtilere Mittel. DIE WELT stelle eine neue EKD Studie vor:

Für die Untersuchung mit dem Titel „Männer – die ewigen Gewalttäter?“ wurden 1470 Männer und 970 Frauen im Auftrag der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) befragt. Die Studie stützte sich dabei nicht nur auf den herkömmlichen Gewaltbegriff. Erfasst wurden neben heftiger physischer Gewalt (Tritte, Faustschläge, Bedrohung mit einer Waffe) auch subtilere Formen. So sollten die Befragten angeben, ob sie in den vergangenen zwölf Monaten schon einmal gestoßen, beworfen, beleidigt, bedrängt oder beschimpft oder angeschrien wurden. Dabei zeigte sich, dass Männer stärker zu sichtbarer physischer Gewalt tendieren. Frauen neigen hingegen stärker dazu, andere Menschen massiv zu kontrollieren oder verbale Gewalt auszuüben.

Hier: www.welt.de.

Gendergerechtigkeit für die Medien (und Fußgänger)

Doris Stump, sozialistische Abgeordnete der Schweiz in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, hat ihren Bericht über »Sexistische Stereotype in den Medien« vorgelegt. Ihre Folgerung: Pressefreiheit stoße an ihre Grenze, sobald die Gendergerechtigkeit beeinträchtigt wird. Ihr passendes »Lebensmotto« stammt von Christina Thürmer-Rohr: »Feminismus ist kein kurzfristiger Arbeitsauftrag«. Lorenz Jäger schreibt in seinem humorigen Beitrag:

Im Mai legte Doris Stump, sozialistische Abgeordnete der Schweiz im Europäischen Parlament, ihren Bericht über »Sexistische Stereotype in den Medien« vor. Frauen seien nicht nur in den Nachrichten unterrepräsentiert, sondern würden oft auf ältere Rollenbilder – etwa das der Mutter und der Ehegattin – festgelegt. Frau Stump schlägt dagegen gesetzgeberische Maßnahmen vor, sie möchte Verpflichtungen oder Selbstverpflichtungen von »media authorities« – wer auch immer das bei uns sein mag –, verbindliche Sprachcodes, schließlich die Einführung von Quoten »oder anderen positiven Maßnahmen« in der Berichterstattung.

Die Pressefreiheit, sagt Frau Stump, sei das Eine; aber wo es um Gendergerechtigkeit gehe, müsse sie ihre Grenze finden. In der Heimat der Abgeordneten ist man etwas weiter. Man kann Deutschland nur dazu beglückwünschen, dass es hier schon »Zebrastreifen« gibt; in der Schweiz war bislang »Fußgängerstreifen« üblich. Damit ist es vorbei: »Mit dem Wort Fußgängerstreifen sind nur die Männer gemeint«, erklärte eine Mitarbeiterin der Berner Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann. Aus Vater und Mutter wird nun in amtlichen Schreiben »das Elter«. Also diesmal bin ich unbedingt dabei.

Hier mehr: www.faz.net.

Das Spiel mit den Geschlechterrollen (im Theater)

Die amerikanische Philosophin Judith Butler, die das Unbehagen der Geschlechter als »Gender Trouble« diskursfähig gemacht hat und Geschlecht wie Identität bloß als Rollen definiert, auf die niemand festgelegt ist, weil man sie wählen und wechseln kann, wäre begeistert gewesen. Die Schauspielerin Jana Schulz spielt mit den Geschlechterrollen. Sie ist damit eine Schauspielerin für das 21. Jahrhundert:

Nach über drei Stunden, in denen Jana Schulz fast durchweg in schmutziger Männerunterwäsche und desolater Gemütsverfassung auf der Bühne gerackert hatte, war zwar nicht klar geworden, was der Geschlechterwechsel eigentlich bezwecken sollte, da er dem Stück keinerlei inhaltlichen Mehrwert brachte. Aber es kann sein, dass die Regisseurin in erster Linie einer extrem plausiblen Überlegung gefolgt war: Dass sie für dieses Crossover-Experiment nie wieder eine bessere Schauspielerin finden würde. Das Verfahren ist freilich nicht ganz neu: Griechische Männer übernahmen in der Antike die Frauenrollen, und auch Frauen schlüpften irgendwann in Männerrollen – man denke an Angela Winkler als Prinz Hamlet bei Peter Zadek. Derlei Manöver ließen sich indes stets durch soziale Gepflogenheiten oder konzeptuelle Überlegungen erklären. Bei Jana Schulz hingegen wurde daraus ein irrwitziger Balanceakt, getragen vom reinen Spaß an der Freud‘ gestalterischer Herausforderungen. „Corriger la fortune“, wie es in „Minna“ heißt, und wer im Publikum bereit war, diesem schönen Schwindel auf den Leim zu gehen, konnte eine atemberaubende Grenzwanderung nicht nur zwischen realer Person und literarischer Figur erleben, sondern überdies zwischen Rolle und Klischee, zwischen Geschlecht und Bild.

Hier: www.welt.de.

Sieg der Vernunft über den Gleichstellungswahn

Ferdinand Knauß hat in seinem Blog einen Beitrag von Adorján F. Kovács über die Besetzung einer Professur in Oxford veröffentlicht. Der Artikel »In Oxford siegt die Vernunft über den Gleichstellungswahn« eröffnet Einblicke in die reale Gleichstellungspolitik, der sich leider viel zu viele Verantwortungsträger aus Popularitätskalkül verschrieben haben:

Vor etwas mehr als einem Jahr wollte sich die ehrwürdige Oxford-Universität dem Zeitgeist öffnen und setzte einen entsprechend vorgefilterten Wettbewerb um eine der prestigeträchtigsten Stellen, die diese Universität zu vergeben hat, in Gang: die Professur für Poesie. Die Bewerber bildeten einen kuriosen Querschnitt der unter Gleichstellungsgesichtspunkten erforderlichen Ingredienzien. Es musste natürlich auf jeden Fall eine Frau dabeisein (Ruth Padel), dann selbstverständlich ein Schwarzer, Derek Walcott, schließlich ein Ausländer, in diesem Fall ein Inder, Arvind Krishna Mehrotra.

Hier der vollständige Beitrag: www.brainlogs.de.

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