Religionsfreiheit

Charles Taylor und die Säkularisierungsthese

Der Katholik Charles Taylor, emeritierter Professor für Philosophie aus dem kanadischen Montreal, gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Religions- und Sozialphilosophen. In seinem Opus Magnum setzt er sich mit der Religion im Zeitalter des Säkularismus auseinander und plädiert für Säkularisierung und öffentliche Religion.

Der DLF hat mit dem Religionsphilosophen gesprochen:

Von Allah zu Jesus

Immer mehr Iraner konvertieren trotz Repressalien zum Christentum. Die WIENER ZEITUNG hat über die wachsende iranische Christenheit in Österreich berichtet:

Fast 50 Leute von jung bis alt haben sich an diesem Sonntagnachmittag in einem Wiener Kellergewölbe zusammengefunden. Es ist bedächtige Stille in dem dicht gefüllten Raum eingekehrt. Der Blick der Leute ist geschlossen nach vorne gerichtet, direkt auf ein großes Holzkreuz. Ein Lied wird angestimmt und die Menge singt mit – in Farsi, der persischen Sprache. Die Leute feiern den sonntäglichen Gottesdienst einer Gemeinde, die fast 100 Leuten hauptsächlich iranischer und vereinzelt auch afghanischer Herkunft eine spirituelle Heimat bietet. Insgesamt gibt es allein in Wien fünf iranische Christengemeinden, dessen Mitglieder zum erheblichen Teil vom Islam zum Christentum konvertiert sind.

Mehr: www.wienerzeitung.at.

Landgericht Köln verbietet Judentum

Der Arzt, der die Beschneidung vornahm, wurde vom Vorwurf der Körperverletzung zwar freigesprochen. Doch nach dem Urteil des Landgerichts Köln sind Beschneidungen von Kindern aus religiösen Gründen künftig strafbar. Die FAZ berichtet über den Rechtsstreit:

Ein vom Gericht bestellter medizinischer Gutachter kam zu dem Schluss, es gebe „jedenfalls in Mitteleuropa keine Notwendigkeit, Beschneidungen vorbeugend zur Gesundheitsvorsorge vorzunehmen“. Entscheidend aber ist, dass das Landgericht eine Beschneidung, die ein Arzt nach Einwilligung der Eltern ordnungsgemäß an einem „nicht einwilligungsfähigen Knaben“ vornimmt, als Körperverletzung wertet. Anders als das Amtsgericht kommt das Landgericht zu dem Ergebnis, dass das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit die Grundrechte der Eltern überwiege.

Die Beschneidung sei insbesondere nicht durch die Einwilligung der Eltern gerechtfertigt, weil sie „weder unter dem Blickwinkel der Vermeidung einer Ausgrenzung innerhalb des jeweiligen religiös gesellschaftlichen Umfelds noch unter dem des elterlichen Erziehungsrechts“ dem Wohl des Kindes entspreche. Der Körper des Kindes werde durch die Beschneidung dauerhaft und irreparabel verändert. „Diese Veränderung läuft dem Interesse des Kindes, später selbst über seine Religionszugehörigkeit entscheiden zu können, zuwider. Umgekehrt wird das Erziehungsrecht der Eltern nicht unzumutbar beeinträchtigt, wenn sie gehalten sind abzuwarten, ob sich der Knabe später, wenn er mündig ist, selbst für die Beschneidung als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zum Islam entscheidet.“

Hier der vollständigen FAZ-Beitrag zum Beschneidungsverbot: www.faz.net.

Der katholische Philosoph Josef Bordat macht in einem Kommentar darauf aufmerksam, dass der Entscheid des Landgerichts für Juden einem Religionsausübungsverbot gleichkommt (VD: TL):

Wer sich nicht beschneiden lässt bzw. wer nicht dafür sorgt, dass seine männlichen Nachkommen nach Gen 17, 12 ordnungsgemäß beschnitten werden, hat – nach jüdischem Verständnis – den Bund mit Gott gebrochen und wird für andere Juden untragbar. Damit kommt das Beschneidungsverbot für Juden einem vollständigen Religionsausübungsverbot gleich, denn die jüdische Religion ist ohne „Bund mit Gott“ und ohne die Identifikation mit dem „Stammesverband“ nicht denkbar. In der Konsequenz stellt das Landgericht Köln also nicht die Beschneidung als traditionelles, im Grunde aber lässliches „Ritual“ unter Strafe, sondern einen ganz wesentlichen Aspekt der jüdischen Identität, ohne den es schlicht und einfach nicht möglich ist, Jude zu sein. Das Landgericht Köln verbietet mit seinem Urteil in letzter Konsequenz das Judentum selbst. In Deutschland. Das sollte man wissen, bevor man das Urteil „fortschrittlich“ nennt.

Prozess in Malatya steht vor dem Abschluss

Die ARD-Tagesthemen haben gestern über das absehbare Ende des Malatya-Prozesses in der Türkei berichtet. Wie mehrfach erörtert (z.B. hier), wurden 2007 drei christliche Missionare auf brutalste Art und Weise ermordet. Unter den Opfern war auch ein Student des Seminars, an dem ich tätig bin.

Hier der Link zum Bericht der Tagesthemen, in dem auch Susanne Geske, die Witwe von Tilman Geske, zu Wort kommt: www.tagesschau.de.

Das gute Recht jeder Religion

Andreas Püttmann hat vor einiger Zeit in der FAS zur Kritik der Religionsfreiheit Stellung bezogen:

Paulus ermahnt die Christen, „freundlich und gütig zu allen Menschen“ zu sein. Er bekennt: „Auch wir waren früher unverständig, lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander. Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien“, seien die Jünger Jesu durch „das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist“ befähigt worden, „das Gute zu tun und für alle Menschen nützlich“ zu sein (Tit 3).

Es muss Christen daher ins Mark treffen, wenn sie als anfällig für „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet werden. Unter der Überschrift „Studie einer Psychologieprofessorin: Mit der Religion kommen die Vorurteile“ („Die Welt“, 14. November 2011) verbreitete Beate Küpper ihre bereits vor Jahren publizierte These, sehr religiöse Menschen seien anfällig für abwertende Haltungen gegenüber Minderheiten; dies zeige sich besonders in den Bereichen Sexismus, Homophobie und Rassismus. Letzterem neigten vor allem Protestanten zu, speziell solche aus den östlichen Bundesländern.

Wer Küppers Befund bereits aus Wilhelm Heitmeyers Sammelband „Deutsche Zustände. Folge 4“ (2006) kennt, ist allerdings durch einige ideologisch gefärbte Indikatoraussagen gewarnt: Als „rassistisch“ gilt hier bereits die Meinung „Aussiedler sollten bessergestellt werden als Ausländer, da sie deutscher Abstammung sind“, als „sexistisch“ die Auffassung „Frauen sollen sich wieder mehr auf die Rolle der Ehefrau und Mutter besinnen“ – was auch bloß als Plädoyer für ein Gleichgewicht von beruflicher und familiärer Rolle gemeint sein kann. Sind da schon „Abwertung“ und „Menschenfeindlichkeit“ am Werk? Die Redakteure hievten die aufgewärmte Neuigkeit aber auf ihre Seite eins und gaben Küppers Rat gleich mit: „Die Kirche muss sich endlich fragen, was da schiefläuft.“

Mehr: http://de.dwg-radio.net.

China und die Religionsfreiheit

Forum 18 hat einen interessanten Bericht zum Status der Religionsfreiheit in China veröffentlicht. Da der Arbeitskreis ÖEA freundlicherweise eine Übersetzung besorgt hat, kann ich die Meldung hier in deutscher Sprache wiedergeben:

China: Ein post-kommunistischer Obrigkeitsstaat und die Religionsfreiheit

Verletzungen der Religionsfreiheit haben in China eine lange und grausame Geschichte. Berichte über Zwischenfälle, die in der jüngsten Vergangenheit um die Welt gegangen sind, haben dieses Bild von der mangelnden Freiheit verstärkt.  Dennoch  wachsen die verschiedensten Religionsgemeinschaften mit ungebrochener Geschwindigkeit. Eine Antwort auf dieses scheinbare Rätsel liegt in der Tatsache, dass die Einstellung der Kommunistischen Partei Chinas zur Religion – und damit auch gegenüber dem grundlegenden Menschenrecht auf Religions- bzw. Glaubensfreiheit – weitgehend die Ansicht der modernen chinesischen Eliten und bereits der Vorgänger der kommunistischen Machthaber reflektiert, dass religiöse Überzeugungen ein Hindernis auf dem Weg zur Modernisierung sind. Dies hat zu einer politischen Einstellung geführt, die man so charakterisieren könnte, dass sich die Politiker als Manager des Staates sehen und der Staat somit den Willen und die Macht zur Kontrolle der Religionsgemeinschaften behält.

Dieser Managementansatz, den man in China beobachten kann, ist pragmatischer und flexibler als ein ideologisch orientierter Ansatz in dem Sinn, dass der Staat die Ausrottung der Religion nicht mehr als letztes politisches Ziel betrachtet. Das lässt den Religionsgemeinschaften eine gewisse Bewegungsfreiheit und sogar Raum zum Wachstum. In dieser Hinsicht ist die Zukunft der Religionsfreiheit nicht nur pessimistisch zu sehen.

Ein Bild der Kontraste

Am 9. Februar 2012 wurden in der Provinz Sichuan zwei tibetische buddhistische Mönche wegen ihrer Teilnahme an einem Protest gegen die chinesische Herrschaft über Tibet von chinesischen Sicherheitskräften getötet. Dies berichtete Radio Free Asia. Hunderte Tibeter wurden im Januar bei ihrer Rückkehr von einer religiösen Veranstaltung in Indien in Lhasa verhaftet und festgehalten. Im Januar hat laut Berichten von Human Rights Watch die chinesische Regierung ihre Führungspolitik gegenüber den buddhistischen Klöstern in Tibet geändert. Anstatt „loyale“ tibetische Mönche mit der Führung der Klöster zu betrauen, ist der Staat dazu übergegangen, Beamte als Leiter dieser Klöster einzusetzen.

Zur gleichen Zeit, als die tibetischen Buddhisten mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, sahen sich chinesische Protestanten mit ihren eigenen Herausforderungen konfrontiert. Aufgrund des Eingreifens der Regierung hat die Shouwang Gemeinde in Beijing weiterhin keinen Zugang zu einer permanenten Versammlungsstätte. Mitglieder der Gemeinde wurden verhaftet und waren anderen Formen der Belästigung ausgesetzt, als sie versuchten, sich im Freien zum Gottesdienst zu versammeln. Selbst ausländische Christen konnten den Unterdrückungsmaßnahmen der Regierung nicht entgehen. Wie die China Aid Association berichtet, wurde eine chinesische Christin im Januar 2012 von chinesischen Sicherheitskräften entführt und musste zwei Tage ohne Nahrung und Wasser verbringen, nachdem sie den Leiter der Shouwang Gemeinde und eine Hauskirche in der Provinz Shanxi besucht hatte.

Den meisten Berichten zufolge hat sich die Haltung der kommunistischen Partei zur Religionsfreiheit in den letzten Jahren nicht geändert. Neben anderen Menschenrechtsverletzungen ist es immer wieder zu Verletzungen der Religionsfreiheit gekommen. Amnesty International schrieb z.B. in ihrem Jahresbericht 2011: „Die chinesische Regierung reagierte auf eine zunehmend wachsende Zivilgesellschaft mit der Inhaftierung und Strafverfolgung von Menschen, die in friedlicher Weise ihre Meinung zum Ausdruck brachten, vom Staat nicht zugelassenen Religionsgemeinschaften angehörten, für demokratische Reformen und Menschenrechte eintraten oder die Rechte ihrer Mitbürger verteidigen wollten.“ In ähnlicher Weise äußerte sich Human Rights Watch in ihrem Jahresbericht 2011: „China ist nach wie vor ein autoritärer Einparteienstaat, der die Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit massiv einschränkt.“

Während die chinesische Regierung und ihre Vertreter diese Verletzungen der Religionsfreiheit begehen, erleben die Religionsgemeinschaften in China ein Wachstum und eine Vitalität, wie man sie seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Abgesehen von dem außergewöhnlichen zahlenmäßigen Wachstum der Gläubigen sind religiöse Stätten und Aktivitäten äußerst sichtbar.

Protestantische Kirchen in ganz China sind regelmäßig überfüllt. Die riesige staatlich zugelassene christliche Kirche in Beijing Haidian ist jeden Sonntag zum Bersten voll. Mitarbeiter des Nachrichtendienstes Forum 18 haben selbst gesehen, wie ein Mitglied der Kirche Flugzettel über die Gottesdienste an die Fußgänger in einer belebten Einkaufsstraße in der Nähe der Kirche verteilte. Die unter Ausländern als Community Church bekannte Kirche in Schanghai zieht Sonntag für Sonntag große Zahlen an Gläubigen an. Viele müssen im Hof sitzen, da  keine Sitzplätze im inneren des Kirchengebäudes frei sind. Auch die inoffiziellen Kirchen und Hausgemeinden sind voll.

Doch die Christen sind nicht die einzige Religionsgemeinschaft, die ein spektakuläres Wachstum zu verzeichnen hat. Auch buddhistische Tempel ziehen große Menschenmassen an, die dort beten und den Rat von Mönchen suchen.

Die Selbstverbrennungen tibetischer Mönche und anderer Tibeter und die Schwierigkeiten der christlichen Shouwang Gemeinde zeigen die nach wie vor bestehenden Grenzen der Religionsfreiheit in China auf, bei gleichzeitigem Wachstum lebendiger Religionsgemeinschaften. Da der Großteil der Verletzungen der Religionsfreiheit in China vom Staat und seinen Organen ausgeht, verlangt diese widersprüchliche Situation nach einem tieferen Verständnis des kommunistischen Staates und seiner Haltung gegenüber der Religion.

Ein Staat geführt von Managern

Wenn man die Entwicklung der Religionspolitik des kommunistischen China verstehen will muss man erkennen, dass seine Haltung zur Religion weitgehend die Ansichten der modernen chinesischen Elite und bereits die der Vorgänger der kommunistischen Machthaber reflektiert. Einfach gesagt, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Haltung chinesischer Denker und Mitglieder der politischen Elite geprägt von Geringschätzung für  Religion und religiöse Menschen. Die Elite sieht Religion bzw. „Aberglauben“, wie sie religiöse Überzeugungen nennt, schon lange als Hindernis für die Modernisierung Chinas. Die ersten kommunistischen Führer Chinas waren direkte ideologische Nachfahren der nicht kommunistischen Verfechter der Modernisierung Chinas im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Für die kommunistischen Eliten Chinas, einschließlich Mao Tse-Tungs, war die Modernisierung Chinas oberste Priorität, um China zu einem fortgeschrittenen Staat zu machen, der im Konkurrenzkampf mit dem Westen erfolgreich bestehen kann. Auch die politische Unabhängigkeit vom Ausland, insbesondere von westlichen Staaten, wurde als hohe Priorität gesehen. Alles, was diesen Zielen im Weg stand, galt es zu eliminieren.

Diese Perspektive führte zu einem – nach dem Verständnis der Elite – pragmatischen Verhalten gegenüber Religionsgemeinschaften und Gläubigen. Man praktizierte eine systematische Unterdrückung der Religion und der Gläubigen. Bald nach der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 begann der Staat eine systematische Ausrottungspolitik gegenüber einheimischen spirituellen Überzeugungen, die man als Teil der lokalen Traditionen sah, die bisher Fortschritt und Entwicklung behindert hatten. Gleichermaßen unterdrückte der Staat ausländische Religionen und insbesondere das Christentum systematisch in dem Versuch, alle Kanäle zu eliminieren, durch die feindliche ausländische Mächte das neu errichtete kommunistische Regime und das von diesem angestrebte Sozial- und Wirtschaftssystem beseitigen könnten. Die Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 bildete den Höhepunkt des ideologischen Wütens im kommunistischen China. Während dieser Phase wurden die Religionsgemeinschaften und ihre Anhänger in den Untergrund gedrängt. Doch die Kulturrevolution war nur ein zeitlich beschränktes Kapitel in der Geschichte des Kommunismus in China.

Mit der Reformära kehrte der Pragmatismus zurück, als die politischen Führer Chinas sich bewusst dafür entschieden, ideologische Überlegungen hintan zu stellen und zur Aufgabe der Modernisierung des Landes zurückzukehren. Seit dem Beginn des 21. Jahrhundert ist  „soziales Management“ zu einem wesentlichen politischen Ziel geworden. Die politische Führung betont die Bedeutung der sozialen Stabilität, selbst wenn dies auf Kosten der Modernisierung gehen könnte.

Ideologische Rhetorik ist jedoch nicht vollkommen verschwunden und wird auch nicht verschwinden. So erklärte Vizeminister Zhu Weiqun im Dezember 2011, dass Kommunismus und Religion unvereinbar sind und dass Mitglieder der Kommunistischen Partei religiöse Überzeugungen ablehnen müssen. Solche Aussagen sind aus vielen Gründen interessant, unter anderem weil daraus hervorgeht, dass es Parteimitglieder mit religiösen Überzeugungen gibt. Es dringen immer wieder Berichte nach außen, dass protestantische Christen in hohen Positionen der Regierung zu finden sind, hochrangige Mitglieder des Militärs waren angeblich Anhänger der inzwischen verbotenen aber im Untergrund weiterbestehenden Falun Gong Bewegung. Der Gründer von Falun Gong hatte ursprünglich sogar staatliche Unterstützung erhalten und auch vergleichbare philosophische und Gesundheitsbewegungen („Qigong“) wurden durch den kommunistischen Staat gefördert. Es bleibt abzuwarten, wie sich religiöse Überzeugungen in den Reihen von Funktionären und Beamten auf die Ansicht der politischen Eliten Chinas auswirkt, dass Religion „Aberglaube“ und ein Hindernis für die Modernisierung sei. Eine Änderung dieser Ansicht der Elite könnte eine sehr positive Auswirkung auf die Religionsfreiheit in China haben.

Ganz im Gegensatz zu den Aussagen von Zhu Weiqun wurden kürzlich religiöse Gruppen ermutigt, sich für die Notleidenden im Land zu engagieren, Stiftungen und Organisationen zu gründen, um den Nöten der Menschen zu begegnen. Andrerseits wurden die Religionsgemeinschaften davor gewarnt, ihr karitatives Engagement zu nützen, um ihre religiösen Überzeugungen zu verbreiten.

Der kommunistische Staat hat eine wesentliche Rolle bei der wirtschaftlichen Transformation Chinas gespielt und sich dabei nicht von der offiziell proklamierten kommunistischen Ideologie leiten lassen. „Niemand glaubt mehr an den Kommunismus“, diese Aussage hörten die Mitarbeiter von Forum 18 immer wieder bei ihren Gesprächen in China, auch von Regierungsbeamten. Seit der Kulturrevolution hat sich der Staat eines Großteils seines marxistischen ideologischen Gepäcks entledigt. Hauptanliegen ist die Modernisierung des Landes, und vielleicht noch mehr, der Machterhalt. Daher wird es den Religionsgemeinschaften gestattet, zu existieren und sogar zu wachsen, so lang sie das Ziel der Modernisierung des Staates und den Fortbestand der Herrschaft der Kommunistischen Partei nicht gefährden.

Hinrichtungen im Iran auf Rekordniveau

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) weist am heutigen Dienstag darauf hin, dass die Zahl der Hinrichtungen im Iran so hoch ist wie seit den Massenhinrichtungen in den 80er Jahren nicht mehr. Allein im vergangenen Jahr sind nach Informationen des UN-Sonderberichterstatters für den Iran, Ahmed Shaheed, 670 Hinrichtungen bekannt geworden. Die IGFM geht allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl bedeutend höher sein könnte. Zahlreiche Hinrichtungen würden nicht offiziell bekannt gegeben und heimlich in Gefängnissen oder Einrichtungen der islamischen Revolutionswächter vollstreckt. Die IGFM kritisierte außerdem, dass die Islamische Republik Menschen hinrichte, die nach internationalem Recht keinerlei Straftat begangen hätten, z.B. wegen Abwendung vom Islam oder „Kampf gegen Gott“.

Anlässlich des derzeit in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrates erklärte der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin: „Die Todesstrafe wird im Iran systematisch eingesetzt, um Andersdenkende mundtot zu machen“. Nach staatlichen iranischen Quellen erfolgen die meisten Hinrichtungen angeblich wegen Drogendelikten. Viele Strafverfahren in der Islamischen Republik seien völlig intransparent seien. Die iranischen Behörden würden den Betroffenen oft kein Urteil, keine Urteilsbegründung und zum Teil nicht einmal die Anklage aushändigen. Anwälten würde systematisch Akteneinsicht verwehrt.

Israel: Angriffe auf christliche Kirchen mehren sich

Der DLF berichtet über zunehmende Pöbelei gegenüber in Israel lebenden Christen. Kirchen werden mit Sprüchen wie: „Jesus ist tot“, „Tod dem Christentum“ oder „Wir werden euch kreuzigen“ beschmiert.

Hier der kurze Bericht:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2012/02/28/dlf_20120228_0936_56e5af21.mp3[/podcast]

Christenverfolgung im Sowjetreich aufarbeiten

Thomas Schirrmacher, Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, hat die Aufarbeitung der Christenverfolgung in der Sowjetunion gefordert. Noch lebten genügend Zeugen, die sich daran beteiligen könnten, sagte er am Sonntag in Ulm. Das Medienmagazin pro schreibt:

Der Theologe berichtete unter anderem von seinen Besuchen in der DDR und der Tschechoslowakei vor dem Fall der Mauer. Er unterschied zwischen einer eher schleichenden Christenverfolgung in der DDR und einer unmittelbaren und brutalen Verfolgung in der Tschechoslowakei und Rumänien. Die Geschichte der Christenverfolgung und der Unterdrückung der Religionen in den kommunistischen Staaten von 1917 bis 1989 sei eigentlich noch ungeschrieben, sagte Schirrmacher.

Selbst in den großen Kirchen im Westen sei das Interesse an einer Aufarbeitung verhalten, kritisierte er. Deswegen habe das „Internationale Institut für Religionsfreiheit“ beschlossen, einen zusätzlich historischen Zweig mit diesem Ziel aufzubauen. Neben Forschungsarbeiten soll es künftig auch eine Wanderausstellung zum Thema geben.

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

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