Was die Ritschlianer lieben

Eduard Böhl schreibt in Von der Rechtfertigung durch Glauben (S. 151):

Die Ritschlianer lieben es, alle Anderen als Unmündige anzusehen, und sich allein als mündig. Aber wenn die Reformatoren solches gemeint haben sollten, was diese Leute unter ihrem Namen und ihrer Flagge vortragen, so sind sie nicht etwa bloß Unmündige, sondern Blödsinnige gewesen.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Die Ritschlianer haben die Reformatoren also als Unmündige angesehen, soso.
    Denn genau das sagt der Satz implizit aus („alle Anderen“ als sich selbst).
    Die Ritschlianer haben aber ein wenig zu viel kantisches Gift geschluckt, will mir scheinen: Wie Kant haben sie sich die Augen aus der Kugel gepult, um zu sehen, was man damit sehen kann.
    Man wird aber sagen dürfen: Ritschl ist tot, und die Ritschlianer auch. Oder?

  2. Andreas meint:

    Albrecht Ritschl gründet den persönlichen Glauben auf die historisch-kritisch festzustellende Bibel. In deren neutestamentlichen Teil sieht er die Religion Jesu einheitlich und unvermischt enthalten. ~~~ Das Gelebtwerden dieses Glaubens in der Gesamtgemeinde Jesu Christi hat bei Albrecht Ritschl eindeutig die Rechtfertigung (die Sündenvergebung) zum Kernpunkt. Das erhellt sich auch aus seinem dreibändigen Hauptwerk „Die christliche Lehre von der Rechtfertigung und Versöhnung“. ~~~ Daß Albrecht Ritschl die Reformatoren als Unmündige betrachtet, scheint mir kaum wahrscheinlich. Auch sein Sohn Otto Ritschl (Theologieprofessor in Bonn) schreibt meines Wissens davon in seinem zweibändigen „Albrecht Ritschls Leben“ nichts, wiewohl er auf viele Facetten des theologischen Denkens seines Vaters (teilweise weitläufig) eingeht.

  3. Schandor meint:

    Mhm. Danke für die Info!
    Hab den Satz jetzt verstanden.
    Die Reformatoren waren demnach Idioten, wenn sie das geglaubt haben sollten, was die Ritschlianer unter ihrem Namen verbreitet haben.

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