Jordan Peterson

Der kanadische Psychologe Jordan Peterson, ein Intellektueller der bürgerlichen Mitte, hat es in die FAZ geschafft. Schon im Februar schrieb Caroline Wiedemann:

Peterson ruft auf zum Kampf gegen alles, was die Menschen angeblich gleich machen will. Die Geisteswissenschaften und Großteile der Sozialwissenschaften hätten sich in einen postmodernen, neo-marxistischen Spielplatz für Radikale verwandelt. „Sie alle hier finanzieren diese Agenda über Steuern“, ruft er dem Publikum entgegen. Gender Studies gehören abgeschafft! Das erziehungswissenschaftliche Institut von Ontario sei jenseits der Human Rights Commission die gefährlichste Institution in ganz Kanada!

Thomas Thiel schreibt nun (FAZ vom 04.04.2018, Nr. 78, S. N4):

Jordan Petersons Stern ging auf, als er sich im vergangenen Sommer öffentlich gegen ein Gesetz der kanadischen Regierung zur Wehr setzte, das vorschreibt, Menschen mit dem von ihnen bevorzugten Personalpronomen anzureden. Sein Protest richtete sich nicht gegen Transgender-Personen, sondern dagegen, sich die Wortwahl vom Staat vorschreiben zu lassen. In geschlechtsneutralen Kunstwörtern wie „zhe“ oder „zher“ sieht Peterson die Vorboten „einer postmodernen, linksradikalen Ideologie“, die seiner Ansicht nach erschreckend marxistischen Lehren ähnele, denen im vergangenen Jahrhundert mindestens hundert Millionen Menschen zum Opfer gefallen seien. Lieber würde er ins Gefängnis gehen für die Redefreiheit, sagte er, als sich dieser Ideologie zu unterwerfen.

Der Vergleich mit dem Marxismus ist Peterson durchaus ernst. Zwar hat der Postmodernismus keine Menschenleben gefordert. Ähnlich seien sich beide Denkweisen aber darin, Menschen allein durch ihre Gruppenzugehörigkeit zu definieren.

Peterson sieht im Postmodernismus – dem er relativ freihändig Kulturmarxismus, radikalen Feminismus und Transgender-Aktivismus zuordnet – eine von Neid und Selbstverachtung getragene Bewegung, die den westlichen Universalismus unterminiere: eine Kraft des Chaos.

Eine kritische Analyse zu Petersons Lebensphilosophie aus christlicher Perspektive hat Coe Carter verfasst: www.thegospelcoalition.org.

Wer Peterson mal hören möchte, kann sich diesen Vortrag über diesen Postmodernismus anhören (mit dt. Untertiteln):

12 Rules for Life: An Antidote to Chaos von Jordan B. Peterson

Preis: EUR 12,99

57 gebraucht & neu erhältlich ab EUR 12,99

 

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Habe mir einiges von ihm angehört.
    Was auffällt: In den Debatten mit Andersdenkenden wird er stets und ausnahmslos absichtlich falsch verstanden.
    Die allgegenwärtige Allergie zur unmittelbaren Empörung und zur verbalen Eskalation auf Seiten seiner Gegner ist unerträglich.
    Diese Art der „Gesprächsführung“ fällt Linken deshalb nicht auf, weil sie, vom Genderterror total verängstigt und geprägt, nicht mehr sehen, dass sie längst nicht mehr auf neutralem Boden stehen.
    Nach einigen Versuchen, solchen Debatten zu folgen, habe ich dann abgeschaltet, weil mir der radikale Hass seiner Gesprächsgegner auf die Nerven geht.

  2. Gott hat jeden anders gemacht – sie wollen alle gleich machen.

    Eines Tages beschlossen die Tiere, dass sie etwas Bedeutendes tun wollten, um die Probleme der Welt zu lösen. Deshalb organisierten sie eine Schule. Es gab Unterrichtsfächer wie Laufen, Bergsteigen, Schwimmen und Fliegen. Um diese Schule einfacher zu organisieren, sollten alle Tiere an allen Fächern teilnehmen.
    Die initiative Ente zeigte im Schwimmunterricht eine außerordentliche Begabung, ja sie war zu ihrer Freude sogar besser als der Schwimmlehrer. Sie machte aber nur recht langsame Fortschritte beim Fliegen und war im Lauftraining sehr schlecht.
    Da sie im Laufen so schlecht war, musste sie das Schwimmen aufgeben und nachmittags länger in der Schule bleiben, um Wettlaufen zu trainieren. Dabei wurden ihre Schwimmhäute so stark beansprucht, dass sie beim Schwimmen nur noch durchschnittliche Ergebnisse erzielen konnte. Aber eine durchschnittliche Leistung war durchaus akzeptabel, und so machte sich niemand mehr größere Sorgen darüber – außer der Ente.
    Der gewissenhafte Hase war beim Laufen der Beste, bekam aber ein nervöses Zucken in seinen Beinmuskeln auf Grund des vielen Sondertrainings im Schwimmen.
    Das stetige Eichhörnchen war außerordentlich gut im Klettern, wurde aber immer mehr entmutigt, weil sein Lehrer von ihm verlangte, dass es beim Flugunterricht vom Boden in die Höhe starten sollte, statt von den Baumwipfeln in die Tiefe. Von der Überanstrengung bekam es Muskelkater und erhielt dadurch nur sehr schlechte Noten beim Klettern und Laufen.
    Der dominante Adler war ein Problemkind und wurde strengstens dafür bestraft, dass er nicht gehorchte. Im Kletterunterricht war er immer der erste, der den Gipfel erreichte, er bestand aber darauf, auf seine eigene Art und Weise dorthin zu gelangen.
    (Frei nach Chuck Swindoll: „Dome Where Lire Makes Up It´s Mind”)

  3. Daß Peterson kein Christ ist, war mir bereits klar, auch wenn er häufiger Bezug auf biblische Inhalte nimmt. Daß er dem Jungianismus zu folgen scheint, ist bedauerlich, denn Peterson sagt in der Worldview-Debatte zum Postmodernismus genau das, was ich eigentlich von den christlichen Vordenkern unserer Tage erwarte – stattdessen: Schweigen im Walde. Man bemüht sich redlich, Themen wie „Was ist der Mensch? Was ist die Welt? Was ist Ehe/Familie? Gibt es Gut und Böse?“ aus dem Weg zu gehen, um bloß nicht als „rechts“ gebrandmarkt oder als „Kulturkämpfer“ verschrien zu werden (heute ist ja „Beziehung statt Dogmatik“ angesagt, einer dieser falschen Antagonismen unserer Zeit); stattdessen rennt man besinnungslos den postmodernistisch orientierten „Generation ZZZ“-Milieus der „Kreativschaffenden“ aus Hamburg-Ottensen/Sternschanze hinterher und versucht ernsthaft, anhand des Gleichnisses von den Talenten die Gottesbildproblematik mittels „systemtheoretischem Konstruktivismus“ zu erklären (ohne natürlich dieses Konzept zu erklären) – so geschehen in der Elim Hamburg vor 10 Tagen bei der Predigt einer MBS-Studentin.
    Auf diese Weise löst sich die christliche Gemeinde im Meer des Postmodernismus auf, statt ein Antidot zu ihm zu sein. An dieser Stelle wünsche ich mir einen Francis Schaeffer II. Doch würde er gehört werden, und wenn ja, von wem? Die evangelikale Szene ist, so muß man es leider sagen, inzwischen so tief gespalten wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

  4. IMHO hat uns Alice Schwarzer das Gendern gestartet mit dem Feminismus.
    Das hat dann bekannte Auswüchse wie StudentInnen.
    Das weiter oben vorgeschlagene „Z“ im Englischen soll mir recht sein.
    In der Vergangenheit hat mich das Gendern schön gestört und wollte im Deutschen
    das „de“ einführen, so wie „the“ im Englischen. Klingt sogar ähnlich. Aber wie gesagt ist das Thema etwas für Leute, die sich irgendwie benachteiligt fühlen. „De Polizist“ ist dann geschlechtsneutral.
    Dieser Kommentar ist gedacht für Damen und DamInnen, oder wenn’s beliebt Herren und HerInnen oder vielleicht Menschen und MenschInnen. Wer auch immer sich durchsetzt. Das Thema passt aber gar nicht in den theoblog.

  5. @Torsten: Das hat viel mir der Bildungspolitik zu tun. Weder an den Unis, noch an den (auch christlichen) Schulen wird der postmodernistische Brei angemessen hinterfragt. Da ist also nicht viel zu erwarten. Klarer und verheißungsvoller ist die Kritik, die aus selbständig denkenden Kreisen der bürgerlichen Mitte kommt. Beispielsweise weist der Neue Realismus zurecht darauf hin, dass der Postmodernismus konsequent Ontologie mit Epistemologie verwechselt.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Daniel meint:

    Peterson ist ein zweischneidiges Schwert: Wohl eher ein „Junger“ als ein Jünger (er hält sich hier und da ja noch eine Hintertür offen), aber eben bestechend und erfrischend klar in seiner Argumentation sowie der zu Grunde liegenden Ethik. Er spricht nichts Gefälliges sondern harte Wahrheiten („life is suffering – bear your cross – clean up your own mess first“ etc.), die gerade junge Männer hören wollen. Er legt etwas von einer harten, nicht beliebig formbaren Wirklichkeit frei, an der sich eine Generation junger Männer gerne „wetzen“ will. Und das gerade nicht mit faschistischen Untertönen, wie ihm von seinen Gegnern unterstellt wird. Aus christlicher Sicht wird es aber problematisch, unreflektiert auf den Person-Zug aufzuspringen, spätestens, wenn Christus zum Archetypen wird…

    Was viele übersehen: Petersons Klarheit und Kompromisslosigkeit ist nur ein Aspekt seiner Attraktivität; was ihn ausmacht, ist die väterliche Zuwendung und Sympathie für seine Zielgruppe (die ich ihm abnehme) und eine sorgfältige Wortwahl – ein weltgewandter Gentleman im öffentlichen Diskurs. Beides spricht gerade junge Männer an: Vater und Gentleman sind zwei Rollenvorbilder, in die viele immer noch hineinwachsen wollen – entgegen aller zeitgeistlichen Aufweichung und Hinterfragung dieser „Stereotype“. Und ich denke hier liegt das Manko aktueller christlicher Vordenker und Personen des öffentlichen Lebens (sofern es die im deutschsprachigen Raum überhaupt gibt bzw. sie gehört werden) – keine direkte und differenzierte Interaktion mit den Themen der Zeit, und keine wertschätzende Ausstrahlung, die das Potenzial dieser Generation sieht, um das mal sehr grob vereinfacht zu sagen. Väter vs. Zuchtmeister…
    In den USA wäre das meines Erachtens Tim Keller, hier führen wir eher verbale Rückzugsgefechte und interkonfessionelle Grabenkämpfe 😉 – ein Nischenprogramm, das kaum öffentliche Beachtung findet.
    Weiterführend:
    https://theopolisinstitute.com/what-pastors-could-learn-from-jordan-peterson/

  7. @Daniel

    Vollkommen richtige Analyse.
    Peterson hat ein noch breiteres Publikum als mancher christlicher „Vater-Ersatz“, weil er auch von einem säkularen Publikum rezipiert wird.
    Ich fühle mich bei Peterson manchmal an das Buch der Sprüche erinnert.
    Ich denke neben dem von dir genannten Tim Keller haben auch John Piper, Mark Driscoll und Paul Washer den Nerv getroffen, welcher durch Petersons Beliebtheit so deutlich wird.
    Keller als der intellektuelle, sprachfähige Kulturapologet, Piper als der leidenschaftliche, autoritative Über-Prediger, Driscoll als der vulgäre, coole Kumpel und Washer als der aggressive, kompromisslose Purist.

  8. Alexander meint:

    Man muss aber auch andererseits sagen: Dass jemand wie Peterson nun zum hellen Stern am dunklen Firmament der Postmoderne aufsteigt, zeigt aber vor allem wie dunkel der Himmel ist.
    Hier hat sich mal jemand die Mühe gemacht und Petersons neuestes Buch gelesen. Da steht offenbar auch eine Menge Unfug drin. Petersons Ruhm ist wohl eher daraus zu erklären, dass auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört. Den feingeschliffenen intellektuellen Degen führt er nicht unbedingt: https://www.currentaffairs.org/2018/03/the-intellectual-we-deserve

  9. Daniel meint:

    @ Alexander
    Da mögen durchaus einige Plattitüden dabei sein, aber -wie du schon sagst- wenn z.B. die Aussage, dass es zwei Geschlechter gibt und diese inhärente (biologische und psychologische) Unterschiede aufweisen, als unerhörte und radikale Äußerungen gebrandmarkt werden, dann kann man da entweder auf der Banalität der Aussage rumreiten oder auf den Mut verweisen, das öffentlich zu sagen.
    Zu dem Current Affairs Artikel, hmmm: https://mediabiasfactcheck.com/current-affairs-magazine/ (kann wiederum auch nicht sauber verifizieren, wie objektiv diese Seite wertet, aber der o.g. Artikel zeigt zumindest einige „knee-jerk“ Reaktionen und ad hominem Attacken)

    Bin auch kein vehementer Peterson-Verfechter, aber ich finde seinen Zugang -gerade zu jungen, säkularen Männern- enorm interessant (dieser NYT Artikel beschreibt ihn als „would-be prophet for lost boys“: https://mobile.nytimes.com/2018/03/31/opinion/god-jordan-peterson.html). Interessant auch im Blick auf die gender gap, die mir in dieser Ausprägung noch nicht bewusst war.

  10. Schandor meint:

    Wer nicht gegen uns ist, ist für uns.

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