Anselm Grün: Die krummen Wurzeln seiner Theologie

0e7b494cec.jpgViele moderne Theologen arbeiten erfolgreich, weil sie durch den Gebrauch von vertrauten Symbolen bei den Menschen bestimmte Assoziationen auslösen. Sie setzen religiöse Begriffe wie »Kreuz«, »Liebe« oder »Christus« ein, um (ihre eigenen) Botschaften zu kommunizieren, die mit den ursprünglichen Bedeutungsfeldern dieser Begriffe nur noch wenig zu tun haben.

Diesem Schema folgend treibt Anselm Grün seine Lebensberatung seit vielen Jahren erfolgreich voran. In der Sprache des Christentums transportiert er Lebensweisheiten und Weltbilder, die aus ganz anderen Quellen stammen. Der »Christus« steht für das Selbst, »Erlösung« für die Überwindung der inneren Gespaltenheit.

Eugen Schmid untersucht seit Jahren den modernen Mystizismus und hat die Bücher von Grün mit dem Hintergrundwissen gelesen, das man braucht, um den Sprachmystizismus zu entschlüsseln. Anselm Grün gilt als meistgelesener christlicher Autor im deutschsprachigen Raum. Doch der tiefere Blick auf die Wurzeln seiner Theologie ernüchtert: Grüns Quellen sind trübe.

Leider legt Grün das Gewicht ausschließlich auf die Lebensweisheit, weil er vom fernöstlichen Denken, vom Zen-Buddhismus, von der griechischen Philosophie und von der Gnosis der Antike beeinflusst ist. Das christliche Gedankengut allein als erlösungsrelevant zu sehen, scheint ihm zu eng. Er weitet die Erlösungsbedeutung aus auf alle möglichen mystischen religiösen Erfahrungen.
Insofern bedeutet ihm die Erlösung am Kreuz, die Auferstehung Jesu, die Sünde, die Moral und das Böse nicht mehr das, was die Bibel darunter versteht. Gott ist für ihn im göttlichen Kern des Menschen, Christus sei ein Symbol für das Selbst des Menschen. Das Selbst sei das ganzheitliche Zentrum im Menschen. Eine Moral versucht er zu vermeiden, da für ihn das Böse nicht etwas ist, das es auszugrenzen gilt. Im Sinne von C. G. Jung muss das Böse integriert werden. Als Folge kann er auch die Sünde nicht mehr verstehen als Trennung des Menschen vom persönlichen Gott. Denn auch das personale Gegenüber von Gott und Mensch gibt es nicht mehr. Was bleibt da noch von einem christlichen Menschen-, Gottes- und Weltbild?

Hier kann der MBS Text 150 »Krumme Wurzeln« von Eugen Schmid herunter geladen werden: mbstexte150_d.pdf.

Kommentare

  1. Danke für den interessanten Artikel, leider funktioniert der PDF Download bei mir nicht. 🙁

  2. Sollte eigentlich funktionieren. Haben auch andere Probleme?

  3. Hi Ron, funktioniert einwandfrei.
    LG
    Andreas

  4. Danke für den Link, keine Probleme beim Download. Bin froh, dass gerade das „theologische Fundament“ dieses Bestsellers unter die Lupe genommen wurde. Wollte den mbs-Text gleich an einen Bekannten und katholischen Buchhändler vor Ort weiterleiten, … war dann aber vom Stil und Ausdruck doch ein wenig enttäuscht – vermutlich ist hier aber nicht der Ort, das zu diskutieren. Wird es eine gestraffte, verbesserte Form dieses Textes geben? lG Martin

  5. @Martin: Eine andere Ausgabe ist nicht geplant.
    Liebe Grüße, Ron

  6. Vielleicht korrespondiert Anselm Grün aber auch einfach nur mit dem Thomas-Evangelium?

  7. nikolai meint:

    Amseln Grün ist eben kein Dogmatiker.Er ist Mystiker…..und Mystiker sind schon immer ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil sie nicht an der Oberfläche geblieben sind.Sie haben durch Gleichnisse Parallelen entdeckt und sind somit in die Tiefe gegangen.Diese Mühe (die eigentlich keine ist) war Dogmatikern schon immer ein Dorn im Auge.Es gibt nicht wenig Menschen, die garnicht möchten, daß der ‚Normalgläubige‘ in diese Tiefe eintaucht.Denn das hätte wahre Erlösung und somit auch Eigenverantwortung zur Folge……die in dieser Welt von so mancher Seite nicht immer erwünscht ist……..

  8. In die Tiefe des Verderbens …

  9. Bei mir funktioniert der Link auch nicht (Error 404 Not found), aber dafür dieser:
    http://www.bucer.de/uploads/tx_org/mbstexte150_d.pdf
    (Unterschied statt media gehört tx_org hinein)

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